Montag, 27. Dezember 2010

Silvesterbräuche

Nein, ich bin nicht abergläubisch. Wirklich nicht.
Das kann ich auch beweisen, schließlich lebe ich mit der schwärzesten aller Katzen zusammen, die mal von rechts, mal von links, auch mal von schräg, aber am liebsten kurz vor ihrem Futternapf meinen Weg kreuzt.
Unglück gebracht hat das noch keinem von uns, auch der Katze nicht, denn der Napf wird stets pünktlich, wenn auch in ihren Augen nicht oft genug, gefüllt.


Ich glaube auch nicht daran, dass Geldbäume mein Konto füllen, aber auf jeden Fall füllen sie die wüstenartigen Bedingungen auf der Wohnzimmerfensterbank mit bizarrem Leben.
Allerdings bringt es sehr wohl Unglück, wenn man einen abgebrochenen Zweig von Crassula einfach entsorgt. Zumindest dem Geldbaum.

Er gehört nämlich zu den Zimmerpflanzen, die sich mit so spielerischer Leichtigkeit vermehren lassen, dass man schnell die ganze Fensterbank - aber immer noch nicht die Nase - voll davon hat.
Wie leicht das geht, führt er uns ganz plastisch vor Augen, indem er seine Äste schon mal prophylaktisch mit Würzelchen ausstattet, für den Fall der Fälle.
Dieser Fall tritt spätestens dann ein, wenn Frau Katze sich allzu ausufernd auf der Fensterbank räkelt und dem Geldbaum einen Ast krümmt. Und schon hat man wieder ein Pflegekind mehr.

 Frau Katze (10),wie sie sich hinter unserem Geldbaum-Methusalem (9) versteckt.

Als wäre das alles nicht schon genug, verführt uns das in letzter Zeit stark gewachsene Sortiment dazu, der Sammelleidenschaft zu frönen.
Was gibt es da nicht für schöne Sorten, angefangen von Crassula ovata "Undulata" bis hin zum bizarrsten aller Geldbäume, dem Crassula ovata "Horn tree".

 Betagtes, blühendes Exemplar von Crassula portulacea (=ovata) im Berggarten Hannover Herrenhausen

 Blüte - das schafft man nur bei kühler Überwinterung

Crassula ovata "Cristata"

Die gute Nachricht ist, dass man sie nicht unbedingt kaufen muss, denn es reicht in der Regel schon ein einziges Blatt, das man sich bei Bekannten erbettelt oder auch mal im Gartenmarkt vom Regalboden auflesen kann, falls schon eines abgebrochen ist.

Die schlechte Nachricht ist, dass die Fensterbank durch derlei Aktionen bald wegen Überfüllung geschlossen ist.


  Blattsteckling der Sorte Undulata im zarten Alter von 6 Monaten - bis zum Finanzgenie ist es noch ein weiter Weg

Und hier kommt uns der Jahreswechsel zu Hilfe, denn selbstgezogene Geldbaumableger sind ein schönes und persönliches Mitbringsel zur Silvesterparty.
Das Dumme ist nur, dass einem irgendwann die geldbaumlosen Gastgeber ausgehen.

Bevor man die Pflanzen dann an der Autobahn aussetzt, kann man ja zur Not noch das Büro damit schmücken oder am schwarzen Brett inserieren.

Schließlich soll auch der Glücksbringer kein Unglück erleiden.

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche den Lesern von "Günstig gärtnern" und allen, die hier zufällig reinschneien, schöne Festtage!

Wer keinen Weihnachtsbaum mehr abbekommen hat, kann - so wie ich - zur Last-Minute-Deko greifen:
Ein paar Haselzweige vom winterlichen Strauchschnitt im Park dekoriert mit Fliegenpilzen, das war's auch schon.


Sollte jemand allzu traurig sein, keine weißen Weihnachten zu erleben - ich habe Schnee zu verschenken, allerdings nur an Selbstabholer. Blütenweißer Neuschnee von allerfeinster Qualität.
Wir haben reichlich, um nicht zu sagen, schon zuviel des Guten.

Schön winterlich wie frisch gefallener Schnee auf Astwerk wirken auch die fedrigen Samenstände der Herbstanemone (hier mit Efeu kombiniert)- und hinterlassen auch garantiert keine Pfütze auf dem Esstisch!
Allerdings sind sie dieses Jahr vor lauter Winterlichkeit nicht mehr zu sehen, da hoffnungslos eingeschneit.


Heute abend wird es selbstverständlich auch Geschenke für Gärtner geben - unter anderem Samen vom Korallenstrauch verpackt in einer selbstgebastelten Samentüte aus Geschenkpapier:



Also: Feiert schön und lasst euch reich beschenken!

Sonntag, 19. Dezember 2010

Der Mörder ist immer der Gärtner

Herzlich willkommen beim zweiten Teil unserer Reihe "Gartenliteratur aus dem Antiquariat - brilliant oder brandgefährlich?".

Heute: Horst Köhler mit Dem Praktischen Gartenbuch von 1952, erschienen im Carl-Bertelsmann-Verlag.


Die Kapitelauswahl lässt auf den ersten Blick keine Wünsche offen: Über den Boden, Düngemittel, Gartengestaltung, Ziergarten, Rosen, Sommerblumen, Gemüse und Obst bis hin zu Zimmerpflanzen ist alles vertreten.


Ein Buch, das voll ist von poetischen Wörtern, wie "Leunasalpeter", "Ätzkalk" oder "Rhenaniaphosphat" - alles unentbehrliche Helferlein des Nachkriegsgärtners, der augenscheinlich ein grenzenloses Vertrauen in die Welt der Chemie hatte.

Dieses Gefühl beschleicht einen auch beim Betrachten der Werbung im Anhang:

 

Führen wir uns dieses Bild einmal genauer zu Gemüte:
Rechts sehen wir einen ungemein erfolgreichen Gärtner, der einen blühenden und ertragreichen Garten vorweisen kann, E605 forte sei's gedankt. Dass in diesem chemiegetränkten Areal Äpfel und Tulpen gleichzeitig auf der Bildfläche erschienen sind, nehmen wir jetzt mal als künstlerische Freiheit hin. Während der Gärtner rechts ohne zu Schwitzen allein mit der Kraft der Giftspritze zu arbeiten scheint, sieht man zur Linken seinen neidischen Nachbarn, der sich mit dem Spaten abrackern muss und allerhöchstens seinen Maschendrahtzaun zum Blühen bringt.
Langsam bekomme ich eine leise Ahnung, warum in Krimis immer der Gärtner der Mörder ist...

Auch der gute Horst Köhler empfiehlt das "Wundermittel" E605 gegen Insekten in den wärmsten Tönen.
Die gute alte Zeit hatte also auch so ihre Tücken und zum Glück haben sich nicht alle Bräuche in die heutige Zeit retten können. Zur Sicherung der Beerenernte wird gar dazu geraten, Amsel- und Sperlingsnester gnadenlos zu vernichten. Wer hätte danals ahnen können, dass gerade Sperlinge einmal so selten werden könnten...

Doch Hotte hat auch ein weiches Herz, das sich in dem Kapitel "Gnade vor Recht" zeigt: Schwalbenschwanzraupen wird Amnestie gewährt, weil sie hübsch, selten und so gefährlich auch nicht sind.
Vogelfütterung und Nistkastenbau werden ebenfalls nicht verschwiegen.

Dann wieder gibt sich der Autor ganz bodenständig - und beschreibt die organischen Dünger. Der geneigte Leser erfährt, welcher Dung von welchem Tier als "kalt" (Rind, Schwein, Gans) oder "warm" (Pferd, Ziege, Huhn, Schaf und Taube) gilt - denn damals hatte man die Qual der Wahl, da die Viehhaltung im eigenen und in Nachbars Garten noch weit verbreitet und ganz üblich war.
Sollten alle Stricke reißen, steht auch der Verwertung der eigenen Stoffwechselendprodukte (sic!) nichts mehr im Wege.

Das Buch hat wenige Farbtafeln, aber eine Fülle teilweise unfreiwillig komischer Zeichnungen.
Hier meine Favoriten:


Als die Bohnen laufen lernten:


Gevatter Blumentod - ist richtig aufgesetzte Heizungsluft der Hyazinthe Blumentod, oder wie jetzt?

 

Geradezu legendär ist diese Anleitung zum Holländern:


Wer das kapiert - Respekt! Ich gestehe: Ich tu's nicht... Man hätte wohl dabei sein müssen.

Mein Fazit: Das praktische Gartenbuch hat durchaus nostalgischen Wert und auch heute noch einen gewissen Nutzen, wenn, ja, wenn man zu differenzieren weiß. Nicht alles, was dort geschrieben steht, kann man heute unreflektiert übernehmen. Die Zeiten ändern sich und gerade den biologisch gärtnernden Lesern werden bei der Lektüre so manches Mal die Haare zu Berge stehen.
Überliest man die für heutige Gärtner so befremdlichen Praktiken, trifft man stellenweise aber auch auf ganz moderne Ansichten und gute Tipps.
Nur die Sache mit dem E605 sollte man dann doch lieber nicht zuhause nachmachen...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

In Farbe und bunt

Gartenbücher können ja so elendig teuer sein, aber machen doch auch soviel Spaß.
An einem Schlechtwettertag (vor allem im Winter) auf dem Sofa traumhafte Bilder anschauen ist jeden Cent wert.

Was aber, wenn in der Kasse absolute Ebbe herrscht und man nicht nur schöne Fotos, sondern auch Informationen braucht, um sich sein allererstes Wissen als frischgebackener Gartenbesitzer anzueignen?

Geht das vielleicht auch günstiger, mit Büchern vom Trödelmarkt, aus einer Wohnungsauflösung oder aus dem Antiquariat, in dem man schon immer mal stöbern wollte?

Ich habe es für euch im Selbstversuch ausprobiert - mit zwei Büchern von Horst Köhler.
Nein, nicht vom ehemaligen deutschen Bundespräsidenten, sondern dem anderen!

Da wäre einmal Das praktische Gartenbuch, das die Welt das erste Mal im Jahre 1952 beglückte, und das nicht praktische, aber Bunte Blumenbuch von 1957.

Beide kommen im schicken Leineneinband daher. Eigentlich gehört da noch ein buntbedruckter Papierschuber drum, aber der scheint spätestens die 70er Jahre nicht überlebt zu haben.
Hoffen wir mal, dass das viele Lesen in diesen literarischen Schätzen ihn zerrüttet hat, und dass nicht etwa in der Ölkrise der Ofenanzünder fehlte...

Ach, wenn diese Bücher nur reden könnten.


Aber bei aller Liebe und Nostalgie: Was ist denn nun von diesen beiden Wirtschaftswunderwerken zu halten?

Fangen wir an mit dem Blumenbuch, weil es so entzückend bunt ist - und dabei so ausgesprochen modern wirkt!


Zunächst einmal muss allerdings der gute Herr Köhler einen kleinen Dämpfer einstecken, denn es scheint dann doch einem Schweden die Ehre zu gebühren, der offenbar die Originalausgabe beisteuerte.

Hier gibt es jedenfalls keine Fotos, aber schöne Zeichnungen - nicht nur von Blumen, sondern auch von Sträuchern und Bäumen, inklusiver kurzer Artbeschreibungen im Anhang.
Alles feinsäuberlich alphabetisch sortiert statt systematisch oder nach Lebensräumen gegliedert, aber das kann man auch heute noch halten wie ein Dachdecker.
Nur die Stauden wurden dann doch lieber von den Gehölzen getrennt.

Neben den unverwüstlichen, ewigen Lieblingen des Gärtners, wie Dahlien, Astern und Löwenmäulchen ist man überrascht, wieviele vermeintliche Neuentdeckungen dort auftauchen: Neben Herbstanemone, Färberkamille, Sterndolde, Kermesbeere, Wollziest, Himmelsleiter und Salomonssiegel geben sich auch Sempervivum, Präriemalve (Sidalcea) und mehrere Wiesenrauten (Thalictrum) (jawoll!) die Ehre!

Die Gehölze werden praktischerweise einmal in Farbe und einmal als Zeichnung zum Größenvergleich neben einem Haus, oder (Emanzipation steckte damals noch in den Kinderschuhen) neben einem pfeiferauchenden Kerl, pardon: Gärtnermeister, abgebildet.
Hier ist unser Held in voller Lebensgröße, wie er eine Magnolie bestaunt:



Durch diese Bildchen kann man gut verhindern, dass man sich ein Monster in den Garten holt, das noch schneller wächst als die Wirtschaft der 50er Jahre.
Linde und Ulme beispielsweise stellen so ein niedliches 50er-Jahre-Siedlungshaus schnell mal in den Schatten:


Der Japanische Fächerahorn zeigt sich dagegen brav und handzahm:


Auch Rosensorten sind verzeichnet und dort trifft man viele alte Bekannte wieder, die auch heute noch gern gepflanzt werden, wie American Pillar, New Dawn oder Gloria Dei.
Andere, wie Sondermeldung, sind vielleicht ein bisschen aus der Mode gekommen, aber möglicherweise erhöht das nur den Reiz dieses Buches.

Mein Fazit: Wer dieses alte bunte Schätzchen irgendwo auftreiben kann, der rette es vor dem Reißwolf.
Es ist hübsch, informativ und gar nicht so altbacken, wie es von außen den Anschein hat.

Das Praktische Gartenbuch kriegen wir dann später.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Mein Freund, der Parasit

Schmarotzer hat eigentlich keiner so richtig lieb.
Wer sich auf Kosten anderer bereichert, macht sich selten Freunde, und mag er noch so hübsch sein. Was die meisten Parasiten aber nicht sind, ganz im Gegenteil. Noch nicht einmal dieser Triumph wurde ihnen gegönnt.
Man hält sich deswegen oft im Untergrund auf - dort, wo die Sonne nie scheint.
Höchstens zur Blütezeit wagen sich viele botanische Parasiten mal kurz an die Oberfläche - so wie die Sommerwurz (Orobanche).

Der einzige Schmarotzer, der es wahrlich zu Weltruhm gebracht hat und wenigstens zu Weihnachten heiß begehrt ist, ist die Mistel (Viscum album).
Zu ihren Gunsten muss man sagen, dass sie auch nur ein Halb-Schmarotzer ist, soviel Zeit muss sein.
Da sie nämlich Blattgrün besitzt, kann sie ohne fremde Hilfe Photosynthese betreiben und muss ihrem Wirt nur Wasser und Nährsalze abschwatzen. Was der im Zweifelsfall aber auch schon mehr als lästig findet.

Jetzt im Winter fallen die grünen Kugeln der Laubholzmisteln besonders gut auf. Der Wirtsbaum ist nun kahl und die Emporkömmlinge bekommen mehr Sonne als im Sommer. Dafür wird das Wasser nun knapp, der Baum hat ihnen nämlich den Hahn abgedreht. Man kann nicht alles haben - das Parasitenleben ist auch kein Zuckerschlecken.

Als wäre das alles noch nicht genug, wurde die Mistel seit jeher von Menschen geerntet.
Das hat sie regional selten gemacht, und manche Kommune ruft dieser Tage dazu auf, die Pflanze doch bitte an den Bäumen zu belassen.

Neuerdings werden die kleinen, handlichen Büsche sogar auf Weihnachtsmärkten teuer verkauft.


Dort lag neulich ein winziger Zweig mit zwei Beeren auf dem Boden - und ich konnte wie immer nicht widerstehen.

Denn der unvergessene Jürgen Dahl hat mich auf eine Idee gebracht.
Er, der schon immer ein Auge für das Verborgene hatte und in seinem Garten das Unkraut vor lauter hochinteressanten Pflanzen nicht sah, hat erfolgreich die Ansiedlung von Misteln im Hausgarten vorgemacht und beschrieben.

Das wollte ich auch - einmal dem Parasiten auf Augenhöhe begegnen, was wäre das spannend!
Sein Wachsen und Werden (und hoffentlich Fruchten) beobachten.
Pflanzenzucht ohne sich zu bücken!

 Mistel in Südfrankreich - so nah war ich noch keinem lebenden Exemplar

Große Mistel mit vielen Früchten, ebenfalls Südfrankreich - wenn sie irgendwo vorkommen, dann meist im Rudel

Wer also auch mal im eigenen Garten geküsst werden möchte oder aber auf Du und Du mit dem berühmtesten aller Schmarotzer sein will, der kann es mal versuchen:
Die Beeren zerquetschen und an einem trockenen Wintertag den klebrigen Inhalt auf einem gut erreichbaren Laubbaumast verteilen und zur Sicherheit drumherum wickeln.
Apfelbaum soll gut funktionieren.
Wer sich also nicht scheut, seinem Obstbaum die Pest an den Hals zu wünschen, der hat vielleicht Spaß an so einem Experiment für die ganze Familie. Viele Infektionen scheitern sowieso, weil Regen oder Schnee den Samen am Ende doch fortspülen.
Der Apfelbaum hat also eine faire Chance.
Und wenn er ganz großes Glück hat, handelt es sich um eine Nadelbaum-Mistel, dann wird das sowieso nichts.

Sollte die Mistel sich doch allzu breit machen, kann man immer noch den ganzen Ast amputieren. Macht man ja sowieso von Zeit zu Zeit. Eine einzelne Mistel wird dem Baum auch nicht wirklich schaden.

Falls das Wetter also einmal parasitenfreundlicher wird, wage ich es einfach.
Im Erfolgsfall werde ich berichten, ansonsten den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten.

Also: Hochbeete waren gestern, heute wird in der nächsten Dimension und freischwebend gegärtnert!

(PS: Die schlechten Fotos der Misteln aus Südfrankreich wurden bei der Diaprojektion abfotografiert. Das ist die preisgünstige Variante der Dia-Digitalisierung, denn die erschwinglichen Diascanner produzieren auch kein besseres Ergebnis, eher im Gegenteil. Ein Stativ ist aber auf jeden Fall anzuraten.)

Samstag, 4. Dezember 2010

Mundraub

Es gibt ein paar ungelöste Rätsel der Menschheit, über die es sich nachzudenken lohnt.
Wie kommt Kuhscheiß auf's Dach?
Was machen die vielen einzelnen Schuhe auf der Autobahn und wo ist ihr Gegenstück (ein Fall von Scheidung bei Schuhen? Konnten sie sich nicht mehr riechen?)?
Und wie bitteschön kommt die Kiwi in den Stadtpark?


Zwischen Holunder und Ahorn hat sie sich keck emporgekämpft, mitten aus einem vewilderten Gebüsch.
Wurde sie tatsächlich angepflanzt, um Spaziergänger zu ergötzen oder hat sie sich aus einer weggeworfenen Frucht entwickelt?
Oder liegt hier gar eine Tat von Guerilla-Gärtnern vor?
Sachdienliche Hinweise bitte an mich (Stichwort SoKo Kiwi).

Ihre verlockenden Früchte hängen leider in 4 Metern Höhe und sind damit ohne Leiter oder Obstpflücker unerreichbar.

Den Menschen sollt ihr zwar am Werkzeug erkennen, aber Mensch macht sich auch ungern vor versammelter Mannschaft an einer vielfrequentierten Parkwegekreuzung zum Affen.

Und so bleiben die Kiwis ungeerntet.

Dieses Schicksal teilen sie mit vielen Apfelbäumen, die immer noch in voller Pracht dem Frost trotzen:




Schade um die schönen Äpfel, aber immerhin werden sie sicher noch einigen Amseln oder Wacholderdrosseln den Tag versüßen und ihnen über die eiskalten Nächte hinweghelfen.

Wer das Verderben am Baum nicht mitansehen möchte, keinen eigenen Garten hat oder einfach mal kostenlos einen Obstkuchen backen möchte, der kann sich bei mundraub.org nach freien Bäumen erkundigen, an denen das Pflücken erlaubt ist.
Nach dem Motto "Freies Obst für freie Bürger" werden Standorte herrenloser Bäume veröffentlicht, die man nach Herzenslust beernten darf.

Und wer weiß, vielleicht befindet sich auch einmal eine wertvolle alte Obstsorte darunter, die durch soviel Aufmerksamkeit in die richtigen Hände fällt und weitervermehrt werden kann.

Die Wertschätzung von Obstbäumen wird durch diese Aktion auf jeden Fall gesteigert.

Kiwipflanzen sind übrigens nicht verzeichnet, schade

Sonntag, 28. November 2010

Der sparsame Gärtner

Sie ist der Jamie Oliver unter den Gärtnern.
So wie er mit einfachsten Mitteln Teller füllt, schafft sie aus dem Nichts - und mit geringen Kosten oder bei wenig Platz - grüne Paradiese.

Die Rede ist von Alys Fowler - deren Motto ist: Garten ist, was du tust, nicht etwas, das du kaufst.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Auch mir geht es so: Pflanzen, die ich selbst heranziehe, machen mich selbstverständlich stolzer als gekaufte. Einmal, weil es Geld spart, aber noch viel mehr, weil es wie ein Wunder ist, wenn aus einem scheinbar toten Winterast in Wasser und der warmen Stube Wurzeln wachsen und schließlich die ersten Blätter.

Über ihre Philosophie des sparsamen Gärtnerns hat sie ein Buch geschrieben, dessen deutscher Titel "Alys im Gartenland" leider eher an ein Märchenbuch erinnert. Der Originaltitel ist da treffender: "The thrifty gardener" - der sparsame Gärtner.


Darin beschreibt sie viele Tipps und Tricks rund ums Gärtnern mit wenig Geld - von der Pflanzenvermehrung über Kompostherstellung bis hin zu selbstgebauten oder zweckentfremdeten Pflanzkästen und Wurmkisten.

Für ihre solchermaßen hergestellten Werke Marke Eigenbau geht sie aber nicht einfach in den Baumarkt - das wäre zu einfach - sondern sucht Müllcontainer (will sagen: diese offenen Kippen, nicht die stinkende Allerweltsvariante mit Deckel!) und Sperrnüllplätze ab, die in ihrem Stadtteil ständig vor alten Häusern herumstehen, weil immer irgendwo renoviert wird. Wie praktisch.
Gerade in Villenvierteln mit vielen Altbauten kann man wahre Schätze finden, wenn man sich nur traut, zuzugreifen..

Niemand macht Mülltonnentauchen so salonfähig wie Alys Fowler, die sich auch nicht scheut, selbst im luftigen Sommerkleid auf mit Nägeln bewehrten Latten herumzuklettern (obwohl sie beteuert, das wäre nur für's Foto gewesen!).

Jung und hübsch, wie sie ist, nimmt man ihr alles ab - man findet nichts peinlich und mit ihr zusammen würde man unverzüglich Dachlatten aus dem nächsten Müllcontainer stehlen, wenn, ja, wenn man nicht wie ich zwei linke Hände hätte und zwei linke Füße noch dazu  - und damit am Ende zuhause einigermaßen hilflos vor einem Haufen Holz stehen würde.
Ich erinnere mich noch mit Schrecken an den Versuch, einen Nistkastenbausatz zusammenzunageln - am Ende hätten todesmutige Vögel eine Behausung mit integrierter Belüftung gehabt, und das ist noch wohlwollend formuliert - im Klartext zog es darin wie Hechtsuppe, weil nichts so recht aufeinander passen wollte...
Mein Mann redet noch heute davon. Da blieb kein Auge trocken.

Auch das muss man ihr neidlos lassen - Alys weiß, wo der Hammer hängt und wie man damit umgeht.
Da ist sie mir weit voraus.

Nichtsdestotrotz sympathisiere ich sehr mit ihrer Idee, aus Müll wunderschöne Dinge zu erschaffen, die sich im Garten nützlich machen.
Aus Ermangelung eines solchen auch gern auf Treppenabsätzen, Fensterbänken oder Balkonen.

Das alles hat sie in New York gelernt, wo sie sich vom Erfindungsreichtum der Städter anstecken ließ.

Gerade in Großstädten, wo ein Platz an der frischen Luft mitunter so ein unermesslich großer Luxus ist wie ein Tag ohne Verkehrslärm, muss man jeden verfügbaren Platz nutzen und Alys Fowler zeigt, wie man aus dem kleinsten Flecken Pflaster den schönsten Garten macht.

Wenn alle Stricke reißen, auch gern im Zimmer, denn Garten ist in der kleinsten Hütte: Diese gern belächelte Disziplin des Gärtnerns wird von ihr genauso geschätzt wie die Freiluftkultur und sie zeigt mit ansteckender Begeisterung, wie man günstig Zimmerpflanzen vermehrt und heranzieht. Dazu reicht zur Not schon der Griff in den Vorratsschrank, vorausgesetzt, man hat Kichererbsen oder ähnlich dankbares Gemüse da.

 Kichererbse zubereitet nach Art Alys Fowler - keimt leicht und wächst rasant

Selbst altmodische und altbekannte Vertreter der Fensterbank-Fraktion wie der Bogenhanf werden bei ihr zu liebenswerten und begehrenswerten Geschöpfen mit allem Glanz und Gloria der alten Zeiten.

Mülltonnentauchen zum Trotz nimmt sie den Leser aber auch mit zum Einkaufen in den Gartenmarkt - und beschreibt hier, wie man Qualität erkennt und bei einem frisch erstandenen Staudentopf die Instant-Pflanzen-Vermehrung anwendet, da oft mehrere Exemplare in einen Topf gequetscht werden, damit der Eindruck einer besonders kräftigen Pflanze entsteht.
Hätte ich diesen Tipp eher gelesen, hätte ich jetzt schon drei stämmige einzelne Kaffeepflanzen statt nur einem dominanten Topfinsassen mit zwei mickrigen Nachbarn.

Frau Fowler singt in ihrem Buch natürlich auch das Loblied auf den Kompost - das kostenlose und selbstgemachte Gold des Gärtners - und wartet gleich mit mehreren Rezepten auf, denn Kompostieren ist wie Kuchenbacken:
Von der großangelegten und natürlich aus Resten selbstgebauten Miete über die Wurmkiste für Küchenabfälle bis hin zum Laubkompost ist alles beschrieben.

Natürlich sind nicht alle Spartipps neu. Dass Kompost etwas Kostbares ist, weiß man eigentlich schon, aber Alys schwärmt davon mit solcher Begeisterung, dass auch die letzten Kompostverweigerer konvertiert werden sollten.
Auch Avokados aus Kernen zu ziehen hat sicher jeder schon einmal versucht - neu ist nur die Empfehlung, wie es noch schneller geht: Im Kompost!

Das alles ist so locker und erfrischend erzählt und hübsch bebildert, dass man trotz aller Ungeschicklichkeit am liebsten gleich selbst zum Hammer greifen und es ihr nachtun möchte.

Aber lieber nicht: Das gibt nur einen blauen Daumen, wo es doch am Ende vor allem auf den grünen ankommt.

Samstag, 20. November 2010

Stars und Sternchen

Es ist mal wieder soweit: In der Stadt kann man sich mit Glühwein die Jahreszeit schön trinken und es wimmelt schon jetzt von scheinbar völlig gestressten Menschen, die nicht mehr bummeln, sondern zum Kampf-Shoppen aufgerufen haben. Auch ohne glühweinvernebelten Blick auf den Kalender weiß man: Weihnachten muss vor der Tür stehen.

Und noch einen gar nicht dezenten Hinweis auf das immer näher rückende Ereignis gibt es: Jeder Supermarkt, der etwas auf sich hält, lässt nichts unversucht, der Kundschaft den floralen Festbegleiter schlechthin auf's Auge zu drücken: Den Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima).

Die Wolfsmilch im Weihnachtspelz ist der Star der Blumenindustrie und als solcher kommt er mitunter grässlich geschminkt daher - schrecklich blau gefärbt oder mit mehr Glitter übersprüht als ein Christbaum, dass man der zum Kitsch verkommenen Pflanze am liebsten eine Zwangsdusche verpassen möchte, und selbst dann wird man den Glitzerkram nicht von ihr runterkriegen.

Solche Gewächse sind fast schon als pflanzlicher Sondermüll zu betrachten und ich würde sie auf gar keinen Fall meinem Komposter anvertrauen - die Würmer könnten sich den Magen daran verderben.

Aber ganz egal ob mit oder ohne Glitter - die meisten Weihnachtssterne ereilt nach dem Fest der Liebe dieselbe gänzlich lieblose Behandlung: Sie werden als lebende Wegwerfware betrachtet.
Nach dem kometenhaften Aufstieg als Dekoration bei Festtagsbeleuchtung erfolgt der unrühmliche Abstieg in die dunkle Mülltonne.

Doch auch wenn ihre roten Petalen verschwinden und die Pflanze mehr und mehr vergrünt, tut das ihrem Charme keinen Abbruch.

Ganz im Gegenteil: Man sollte sich einmal die Mühe machen, den Weihnachtsstern weiterzukultivieren.
Er wächst dann zu stattlicher Größe heran, verzweigt sich gut und erfreut mit seinem frischen Grün völlig kitschfrei das ganze Jahr über:



Da man die Sternchen oft als Mitbringsel geschenkt bekommt, erhält man so die Möglichkeit, sich günstig eine stattliche Zimmerpflanze heranzuziehen!

Er ist ein prima Mitbewohner, der im Sommer auch gern die Terrasse schmückt.

Ein bisschen später als seine Verwandten mit industriell aufgezwungener Glühweinfärbung errötet auch solch ein Exemplar zu gegebener Zeit (die Fotos sind von dieser Woche), dann aber im XXL-Format an gleich mehreren Zweigen :


Gemütlich zuhause bei einer Tasse Tee kann man diesem botanischen Schauspiel beiwohnen und der langsamen Farbveränderung zuschauen.
Im Vergleich dazu kommt der gekaufte Stern einem Fertiggericht gleich.



Solltet ihr also einen Weihnachtsstern geschenkt bekommen, lasst ihn leben - er hat es verdient!

(PS: Bevor ich mich mit fremden Brakteen schmücke: Das gezeigte Exemplar gehört meiner Schwester. Sie sagt, ihr Geheimnis sei Flüssigdünger. Da ich unserer Katze durchaus zutraue, dass sie in einen Weihnachtsstern reinbeißt, lasse ich mir möglichst keinen mehr schenken...)

Sonntag, 14. November 2010

Schamesröte

Nachdem ich über mein diesjähriges Tomatentrauma geschrieben hatte und kein gutes Haar, pardon: Blatt, an meinen Pflanzen gelassen hatte, haben sie wohl ein schlechtes Gewissen bekommen - geschieht ihnen auch ganz recht..
Mit meiner Klageschrift war es nämlich noch nicht getan - Bärbel hat mir zudem netterweise einen Nachtschattentausch angeboten: Samen der Wildtomate "Golden Currant" gegen Korallenstrauch.

Die Samen kamen wunderschön verpackt per Post bei mir an, ein dickes Dankeschön noch mal dafür!


Nach der öffentlichen Schmach nun auch noch die Konkurrenz im Haus - das konnten meine braunfäule-gebeutelten Diven nicht auf sich sitzen lassen und schoben noch schnell ein paar späte Früchte nach, obwohl sie kaum noch Blätter hatten.

Um den noch grünen Früchtchen die herbstlichen Tiefdruckgebiete und damit eine nasse, Pilzkrankheiten fördernde Schale zu ersparen, habe ich sie einfach abgeschnitten und mit ins Haus genommen - zum Nachreifen.

Die Kunst des "Aus Grün mach Rot" ist nicht ganz unstrittig. Zum einen gibt es die lichtscheue Variante (Nachtschatten lässt grüßen), zum anderen sind da die Befürworter der Reife bei Tageslicht.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Großmutter ihren grünen Tomaten immer eine eigene mit Butterbrotpapier ausgeschlagene Küchenschublade reservierte und sie dort im Dunklen liegen ließ, bis sie vor Kummer knallrot wurden.
Nun, eine freie Küchenschublade ist in unserem Haushalt absoluter Luxus und völlige Mangelware, daher habe ich mich an der Tageslicht-Variante versucht.
Da wir uns sowieso in der lichtarmen Jahreszeit befinden, kommt es ohnehin fast schon auf's selbe raus.

Zur Reifebeschleunigung durften sich die Paradiesäpfel an richtige Äpfel kuscheln - das Reifegas Ethylen gibt dem Gemüse den richtigen Hinweis. Tatsächlich wurden sie am Ende rot, bis auf ein paar Unbelehrbare mit mittlerer Reife:


Und jetzt ganz schnell weg mit den Äpfeln, denn in diesem Zustand bringt zuviel Reifegas den Tomaten das Verderben.

Ach, am besten wird gleich kurzer Prozess gemacht und die ganze Pracht einfach aufgegessen - schmecken tun sie nämlich ganz hervorragend, auch ohne direkte Sonne!

Mittwoch, 10. November 2010

Gut abschneiden

Der eine oder andere wird es schon gemerkt haben: Ich bin der Schnäppchenjäger vor dem Herrn.
Allerdings nicht um jeden Preis, denn nach einem alten Sprichwort kauft der Geizige bekanntlich zweimal. Oder dreimal, für ganz Hartnäckige.
Ich habe es auch auf unrühmliche dreimal gebracht - bei meiner Gartenschere.
Das ist zwar nur ein kleines handliches Gerät, aber neben der Gießkanne auch eines der wichtigeren im Garten.

Wer keine Scherenhände hat oder in seiner Freizeit gern Telefonbücher zerreißt, braucht mindestens einen dressierten Biber oder eine Schar Holzbienen, wenn er ohne die kleine Kneifzange dem allzu ausufernden Wuchs etwas entgegenhalten will.

Aber Schere ist Schere, oder etwa nicht?
So zumindest dachte ich, als ich kurz hintereinander erst bei einem Supermarkt eine knallrote und unglaublich billige Gartenschere aus mehrheitlich Kunststoff erwarb, und schließlich bei einem bekannten Kaffeeröster eine zweite in derselben Farbe. Die erste war nämlich bald stumpf und machte irgendwie vom ersten Tag an keine rechte Freude.
Die zweite Kandidatin verlor als erstes ihre Contenance, indem sie sich ihres Schließmechanismus entledigte - dieser kleinen, nützlichen Vorrichtung, die verhindert, dass die Schere bösartig und mit gefletschten Zähnen in der Jackentasche aufklappt, was zu unangenehmen Überraschungen führen kann. Zumindest bei einem scharfen Exemplar, aber in der Hinsicht musste ich mir keine Sorgen machen - meine Finger waren vor ihr so sicher wie vor einem zahnlosen Tiger.

Nach diesen Fehlgriffen hatte ich es dann auch endlich begriffen - gut abschneiden kann man nicht mit einer Gartenschere, die weniger kostet als die meisten Staudentöpfe.

Aber zum Glück kann man sich den Mercedes unter den Scheren ja auch schenken lassen.
Wer das Überraschungsmoment mag, kann versuchen, seinen Liebsten bei einem Stadtbummel auf seinen Wunsch aufmerksam zu machen. Der Göttergatte sollte am Ende das gute Gefühl haben, er wäre selbst auf diese grandiose Geschenkidee gekommen.

Also steht man idealerweise ganz zufällig vor dem richtigen Schaufenster und gibt dezente Hinweise:
"Schau mal da: Diese Schere da würde doch ganz hervorragend zu meiner Hortensie passen!"
Keine Reaktion? Er möchte immer noch am liebsten schnell hinfort in den nächsten Elektronikfachmarkt?
Dann weiter im Text: "Die Schere ist ja soooooo schön. Dieses Rot würde sich auch ganz toll unterm Weihnachtsbaum machen!" An dieser Stelle sollte man möglichst langsam sprechen und die Präsentation mit eindeutigen Zeigegesten untermauern. Meist hilft das ganze Theater aber trotzdem nicht - da scheinen selektive Wahrnehmungsmechanismen im Spiel zu sein.
Erschwerend kommt hinzu, dass die wenigsten Schaufenster Gartenscheren enthalten, aber das nur im Rande - die Masche funktioniert auch bei anderen Dingen wie Schals oder Büchern schon nicht besonders.

Aber ich hatte Glück: Mein Mann war das ganze Scherendrama schon längst selbst leid geworden  - und da war sie dann an meinem nächsten Geburtstag: Mein neuer, scharfer Scherenschatz in Lackrot.



An dieser Stelle sei die kurze Zwischenfrage gestattet, warum die meisten Modelle rot sind und nicht etwa grün. Sicher liegt es daran, dass man eine verschluderte grüne Schere im Gartendschungel sowieso nie wiederfindet, während man ein rotes Exemplar höchstens in einem Klatschmohnfeld und mit Tomaten auf den Augen aus dem Blick verlieren kann.


Auch nach Jahren sind die kleine rote Schere und ich noch immer beste Freunde: Wir schneiden zusammen durch dick und dünn. Lebenswichtige Teile hat sie noch keine verloren und stabil ist sie auch mit ihrem Skelett aus Metall.

Manchmal lohnt es sich also doch, etwas mehr auszugeben, dafür hat man dann aber umso länger Freude daran - und die ist wiederum unbezahlbar.

Samstag, 6. November 2010

Vom Winde verweht

Na toll - kaum sieht man seinen Garten nach einer langen Arbeitswoche endlich mal wieder bei Tageslicht (wenn auch ein schummriges, als würde die Dämmerung auf Mittags vorverlegt werden), ist die ganze Pracht dahin.


Der große, universelle Laubbläser, der die letzten Tage ordentlich über Ostwestfalen wütete, hat ganze Arbeit geleistet und der schönen Herbstfärbung der Bäume mal ganz fix ein Ende bereitet.
Zugegeben, der sprichwörtliche goldene Oktober ist laut Kalender vorbei, aber muss man deswegen schon Anfang November Tabula Rasa machen und die Bäume ausziehen?
Am Boden macht sich das Laub zwar auch ganz hübsch, aber der Blick nach oben sieht schon etwas fad aus.


Und wer darf die ganze Misere nun auffegen? Ich natürlich. Alles muss man alleine machen - das schäbige Sturmtief mit dem großen Geltungsdrang hat ja schon unter großem Geheule das Weite gesucht.

Ich würde die ganze Pracht auch wirklich gerne wegharken, wenn es denn mal aufhören würde zu regnen.
Also muss der Rasen sich wohl noch ein bisschen gedulden (Archivbild, heute noch keine Sonne gesehen):


Mit dem herrlichen Herbstlaub kann man seinem Garten nämlich großartige Sachen antun.
Die Blätter von Apfel und Kirsche lasse ich einfach auf den Beeten liegen - die sind im Frühling verschwunden. Das meiste Apfellaub darf der Zierapfel als Winterdecke auf seinem Wurzelraum selbst behalten - vom pH-Wert ist das so mild, dass es nicht schadet. Wäre ja auch eigentlich seltsam, wenn der Apfel allergisch auf sein eigenes Machwerk wäre...

Schwieriger ist da schon das Blattwerk der Hasel. Im Frühling sind die verhältnismäßig großen Blätter noch in voller Ausdehnung vorhanden und behindern die Schneeglöckchen beim Austrieb - wie Gewichtheber müssen sie diese ungehörige Bedeckung von sich weisen.
Spätestens, wenn die ersten Spitzen der Zwiebelblumen zu sehen sind, erbarme ich mich und harke die Haselflatschen aus dem Beet.
Wenn man keinen Häcksler hat, kann man sich preisgünstig mit dem Rasenmäher behelfen: Das Laub flächig auf dem Rasen ausbreiten und ein paar Mal großzügig mit dem Mäher drüberfahren.
Aufpassen, dass keine Äste mit herausgeharkt wurden, an denen sich das Gerät verschlucken könnte.
Diese Laubfragmente können die Schneeglöckchen dann zurückhaben, von denen können sie nicht mehr erdrückt werden und auch die Zersetzung der Blätter geht dann rasanter.



Wer eine schön versteckte Schmuddelecke im Garten hat, kann sich an der Tütenkompostierung von Herbstlaub versuchen: Möglichst pladdernasses Laub in Müllbeutel stecken, oben zuknoten oder -binden und Löcher in den Sack pieksen. Das Ganze dann irgendwo in Ruhe reifen lassen. Die Zersetzung von Laub übernehmen nämlich hauptsächlich Pilze und die mögen es gern schön nass. Außerdem brauchen sie länger als bei der Wurmkompostierung.
Spätestens nach einem Jahr sollte man feinsten Laubkompost haben, der besonders gut für Moorbeete geeignet ist und Torf vermeiden hilft.

Das Herbstlaub ist also nicht nur lästig, aber trotzdem wäre es natürlich sehr schön gewesen, wenn die Bäume es noch ein bisschen behalten hätten. Aber als Wonnemonat war der November ja noch nie bekannt, leider.

Freitag, 29. Oktober 2010

Vogel-Olympiade

Im Winter bekommen die Vögel gern von mir ein paar Meisenknödel spendiert, wenn die Schneedecke allzu hoch und die Temperaturen allzu niedrig sind.
Vom Sofa aus die gefiederten Gartenbewohner zu beobachten ist einfach die beste Winter-Unterhaltung.

Für eine zünftige Vogel-Olympiade braucht es allerdings ein bisschen mehr als nur einen schnöden Meisenknödel. Da wird zwar auch schön dran gebaumelt und geturnt, aber nicht alle Vögel sind so artistisch begnadet.

Die Amseln in der Disziplin Schnabelweitaufsperren am Zierapfel zu beobachten ist genauso vergnüglich wie Hochsprung an den Hagebutten oder Laub-Weitwurf beim Würmersuchen.

 Zierapfel (Golden Hornet) vor dem Frost und damit amseluntauglich

 Amsel am Zierapfel (Golden Hornet) - nach dem Frost als braune Matsche schmeckt's dann auch

Für die Frühbucher unter den Zugvögeln sind Holunder oder Felsenbirne ein echter Renner - sie reifen so früh, dass sie als Wegzehrung für die Mönchsgrasmücken dienen.

Gimpel und Rotkehlchen üben sich gern im Klettern am Waldgeißblatt. Die roten Beeren zu erhaschen ist gar nicht so einfach - die langen Ranken biegen sich schnell unter dem Gewicht eines dicken Dompfaffs. Das leichtere Rotkehlchen schnappt die Früchte am liebsten im gekonnten Schwirrflug.

Wildrosen stehen ganz oben auf der Speisekarte:
Mit Kartoffelrosen kann man Grünlinge locken. Die winzigen Hagebutten der Büschelrose (Rosa multiflora) schmecken besonders vielen Vögeln. Selbst die korpulenten Amseln ernten sie entweder im Sprung vom Boden aus oder in waghalsigen Balancierakten an den dünnen Rispen.

Rosa multiflora

Hagebutten von Bodendeckerrosen nehmen sie aber ebenso gern.

Wilder Wein, Rotdorn, Efeu und Cotoneaster sind ebenfalls ein gutes Lockmittel.

Cotoneaster

Efeu

Erst wenn die ganzen Leckereien schon weggefressen sind, nimmt die Amsel zur Not auch von den Purpurbeeren Kenntnis, aber man hat den Eindruck, dass sie das äußerst widerwillig zu sich nimmt.

 Purpurbeere ( Symphoricarpos purpurea)

Wenn es ihnen schmeckt, bedanken sich die Vögel auf ihre Art: Als fliegende Gärtner beglücken sie uns mit etlichen Rosensämlingen, Holunderschößlingen oder Waldgeißblatt-Babies.

Manchmal sind sogar echte Überraschungen dabei - bei mir haben die Vögel bereits erfolgeich einen Hartriegelstrauch gepflanzt und als besondere Entdeckung einen Runzelblättrigen Schneeball (Viburnum rhytidophyllum).
 
Und wer einmal versucht hat, Wildrosen oder überhaupt Rosen selbst aus Samen heranzuziehen, weiß diese Dienste sehr zu schätzen. Um die hartnäckige Keimruhe zu brechen braucht es nämlich einen lauten Weckruf und die beste Überzeugungskraft haben Mietmägen, am besten fliegende. Ohne diese Hilfe kann man an der Rosenvermehrung über Samen schon mal verzweifeln.

Wir müssen nur noch die neuen Pflanzen finden, ausgraben und an eine passende Stelle setzen - oder weiterverschenken (zur Not an den Kompost, wenn sich kein anderer Abnehmer finden lässt).

Bei manchen Rosensämlingen bin ich mir so gar nicht sicher, ob das tatsächlich wilde sind: Sieht dieses Exemplar nicht eher aus wie eine "Edel"-Rose?  



(Eigentlich wollte ich auch einen ganz anderen Sämling zeigen, aber nun hat er kein Laub mehr, Sternrußtau sei Dank. Also, Pilzkrankheiten hat die neue Rose schon mal wie eine große - noch ein Merkmal, dass auf eine Edelrose hindeuten könnte.)

Da die Vögel auch die dicken Kletterrosen-Hagebutten nicht verschmähen, wenn nichts anderes mehr zur Hand ist, kann ich mir gut vorstellen, dass sie hier eine neue Rosenzüchtung kreiert haben - in Zusammenarbeit mit den Hummeln und Bienen natürlich.
Ich werde die neue Rose auf jeden Fall gut im Auge behalten - wer weiß, was daraus wird - vielleicht die blaueste Rose der Welt oder die erste Rose, die schon im Januar blüht? Oder eine, die man schon aus zehn Metern Entfernung riechen kann (ein Wohlgeruch soll es natürlich sein)?
Man wird doch noch träumen dürfen...


Wenn man nicht schon im Herbst die Staudenbeete abräumt, bekommt man noch mehr Gelegenheiten, Vögel beim Geräteturnen zu beobachten:

Folgende Staudensamen habe ich schon mit eigenen Augen in Vogelmägen wandern sehen:

  • Oregano
  • Verbena bonariensis (Birkenzeisig!)
  • Zitronenmelisse
  • Braunelle
  • Fette Henne
  • Hohlzahn
  • Heil-Ziest
  • Echtes Herzgespann
  • Wermut
  • Johanniskraut
  • Kronen-Lichtnelke
  • Phlox
  • Malven (Meisen)
  • Samen von Clematis alpina (Meisen)
  • Beeren der weiblichen Zweihäusigen Zaunrübe (Sumpfmeise)
Die Vogel-Olympiade ist also ein Spiel ohne Grenzen.  
Das Ganze geschieht natürlich nicht ganz selbstlos, denn ein schöneres Wintervergnügen als die Vogelwelt zu Gast am kalten Gartenbuffet zu haben, kann man sich kaum vorstellen. Noch ist Zeit zum Vogelfutter Pflanzen.


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