Freitag, 29. Oktober 2010

Vogel-Olympiade

Im Winter bekommen die Vögel gern von mir ein paar Meisenknödel spendiert, wenn die Schneedecke allzu hoch und die Temperaturen allzu niedrig sind.
Vom Sofa aus die gefiederten Gartenbewohner zu beobachten ist einfach die beste Winter-Unterhaltung.

Für eine zünftige Vogel-Olympiade braucht es allerdings ein bisschen mehr als nur einen schnöden Meisenknödel. Da wird zwar auch schön dran gebaumelt und geturnt, aber nicht alle Vögel sind so artistisch begnadet.

Die Amseln in der Disziplin Schnabelweitaufsperren am Zierapfel zu beobachten ist genauso vergnüglich wie Hochsprung an den Hagebutten oder Laub-Weitwurf beim Würmersuchen.

 Zierapfel (Golden Hornet) vor dem Frost und damit amseluntauglich

 Amsel am Zierapfel (Golden Hornet) - nach dem Frost als braune Matsche schmeckt's dann auch

Für die Frühbucher unter den Zugvögeln sind Holunder oder Felsenbirne ein echter Renner - sie reifen so früh, dass sie als Wegzehrung für die Mönchsgrasmücken dienen.

Gimpel und Rotkehlchen üben sich gern im Klettern am Waldgeißblatt. Die roten Beeren zu erhaschen ist gar nicht so einfach - die langen Ranken biegen sich schnell unter dem Gewicht eines dicken Dompfaffs. Das leichtere Rotkehlchen schnappt die Früchte am liebsten im gekonnten Schwirrflug.

Wildrosen stehen ganz oben auf der Speisekarte:
Mit Kartoffelrosen kann man Grünlinge locken. Die winzigen Hagebutten der Büschelrose (Rosa multiflora) schmecken besonders vielen Vögeln. Selbst die korpulenten Amseln ernten sie entweder im Sprung vom Boden aus oder in waghalsigen Balancierakten an den dünnen Rispen.

Rosa multiflora

Hagebutten von Bodendeckerrosen nehmen sie aber ebenso gern.

Wilder Wein, Rotdorn, Efeu und Cotoneaster sind ebenfalls ein gutes Lockmittel.

Cotoneaster

Efeu

Erst wenn die ganzen Leckereien schon weggefressen sind, nimmt die Amsel zur Not auch von den Purpurbeeren Kenntnis, aber man hat den Eindruck, dass sie das äußerst widerwillig zu sich nimmt.

 Purpurbeere ( Symphoricarpos purpurea)

Wenn es ihnen schmeckt, bedanken sich die Vögel auf ihre Art: Als fliegende Gärtner beglücken sie uns mit etlichen Rosensämlingen, Holunderschößlingen oder Waldgeißblatt-Babies.

Manchmal sind sogar echte Überraschungen dabei - bei mir haben die Vögel bereits erfolgeich einen Hartriegelstrauch gepflanzt und als besondere Entdeckung einen Runzelblättrigen Schneeball (Viburnum rhytidophyllum).
 
Und wer einmal versucht hat, Wildrosen oder überhaupt Rosen selbst aus Samen heranzuziehen, weiß diese Dienste sehr zu schätzen. Um die hartnäckige Keimruhe zu brechen braucht es nämlich einen lauten Weckruf und die beste Überzeugungskraft haben Mietmägen, am besten fliegende. Ohne diese Hilfe kann man an der Rosenvermehrung über Samen schon mal verzweifeln.

Wir müssen nur noch die neuen Pflanzen finden, ausgraben und an eine passende Stelle setzen - oder weiterverschenken (zur Not an den Kompost, wenn sich kein anderer Abnehmer finden lässt).

Bei manchen Rosensämlingen bin ich mir so gar nicht sicher, ob das tatsächlich wilde sind: Sieht dieses Exemplar nicht eher aus wie eine "Edel"-Rose?  



(Eigentlich wollte ich auch einen ganz anderen Sämling zeigen, aber nun hat er kein Laub mehr, Sternrußtau sei Dank. Also, Pilzkrankheiten hat die neue Rose schon mal wie eine große - noch ein Merkmal, dass auf eine Edelrose hindeuten könnte.)

Da die Vögel auch die dicken Kletterrosen-Hagebutten nicht verschmähen, wenn nichts anderes mehr zur Hand ist, kann ich mir gut vorstellen, dass sie hier eine neue Rosenzüchtung kreiert haben - in Zusammenarbeit mit den Hummeln und Bienen natürlich.
Ich werde die neue Rose auf jeden Fall gut im Auge behalten - wer weiß, was daraus wird - vielleicht die blaueste Rose der Welt oder die erste Rose, die schon im Januar blüht? Oder eine, die man schon aus zehn Metern Entfernung riechen kann (ein Wohlgeruch soll es natürlich sein)?
Man wird doch noch träumen dürfen...


Wenn man nicht schon im Herbst die Staudenbeete abräumt, bekommt man noch mehr Gelegenheiten, Vögel beim Geräteturnen zu beobachten:

Folgende Staudensamen habe ich schon mit eigenen Augen in Vogelmägen wandern sehen:

  • Oregano
  • Verbena bonariensis (Birkenzeisig!)
  • Zitronenmelisse
  • Braunelle
  • Fette Henne
  • Hohlzahn
  • Heil-Ziest
  • Echtes Herzgespann
  • Wermut
  • Johanniskraut
  • Kronen-Lichtnelke
  • Phlox
  • Malven (Meisen)
  • Samen von Clematis alpina (Meisen)
  • Beeren der weiblichen Zweihäusigen Zaunrübe (Sumpfmeise)
Die Vogel-Olympiade ist also ein Spiel ohne Grenzen.  
Das Ganze geschieht natürlich nicht ganz selbstlos, denn ein schöneres Wintervergnügen als die Vogelwelt zu Gast am kalten Gartenbuffet zu haben, kann man sich kaum vorstellen. Noch ist Zeit zum Vogelfutter Pflanzen.


Kommentare:

  1. Hallo Elke,
    ein sehr schöner und interessanter Beitrag. Ja, auch wir beobachten die Vögel im Winter sehr gerne aus dem warmen Wohnzimmer. Darauf freue ich mich auch schon.
    Ein schönes Wochenende und LG Dorothea

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  2. Guten Abend Elke,
    mensch, wie Du das immer in Worte faßt! Fantastico! ;)

    Na, auch ich habe immer einiges zu beobachten! Im Wäldchen finden sie ja doch das meiste, aber das kann ich leider nicht bequem - wie Du - vom Sofa beobachten. Wie haben, zur Straße hin, Berberitzenhecken (und so sehr ich die Pickerssträucher [denen ich schon einen Abszeß zu verdanken hatte] und den Miiief der Blüten auch hasse, das machen die Sträucher doch alles im Herbst/Winter wieder weg, wenn sich die Amseln, Kohlmeisen, Haubenmeise und Konsorten an den Beerchen laben. Zusätzlich serviere ich ihnen im Gras/Schnee immer noch Apfelspelzen.

    ... nun denn, ich wünsch` Dir ein schönes WE!

    LG,
    Pupe/Cornelia

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  3. Hallo liebe Elke,was du alles so weißt was die Piepmätze fressen.Alle Achtung.Dein Garten bietet bestimmt auch jede Menge Futter bei den vielen schönen Stauden die du hast.
    Sie sind ja auch keck wo es was zu fressen gibt sind sie da besonders auf der Terrasse wo immer
    ein Krümmel liegt.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße Jana

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  4. danke für diesen herrlichen Post... wir räumen auch gar nichts mehr ab und sehen manches in den Vogelmägen verschwinden--vorrangig bei den Amseln-- das Beobachten allein ist schon sehr vergnüglich--unsere Terrassenmöbel räumen wir aus eben diesen Gründen auch schon nicht mehr weg;-))))

    liebe WEGrüße schickt Dir Traudi aus dem Geheimen Garten

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  5. Hallo Elke,
    sehr interessante Informationen, dann hoffe ich mal auf seltene Züchtungen im Garten. Ich find's auch herrlich, die Pieper draußen zu beobachten.
    Liebe Grüße, Coco

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  6. Hallo liebe Elke,
    du kennst dich ja aus... Wahnsinn!!! Leider überleben die armen Amselchen nicht allzu lang bei uns denn unser frecher Kater frisst sie nur allzu gern... :o( Ich bin dann immer ganz traurig.
    Hab ein tolles Wochenende und viele liebe Grüße UND danke für deine immer so lieben Kommentare!
    Juliane

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  7. Hallo Elke
    Es war wieder ein richtiges Vergnügen Deinen Beitrag zu lesen. Eine Disziplin hätte ich noch anzufügen in der vor allem der Eichelhäher ein Medallienanwärter ist: Fluchtsprintflug, wenn Frau mit Kamera im Anmarsch ist.
    Liebe Grüsse
    Alex

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  8. Ach wie schön du das beschrieben hast! Ich beneide dich darum, dass du das alles von deiner Wohnung aus beobachten kannst. Bei meinem Schrebergarten sehe ich leider den Winter über wenig von meinen gefiederten Freunden. Aber ich habe die Freude, dass auf unserem Balkon die Spatzen eine kleine Badeanstalt in Anspruch nehmen. Und dort sind auch noch viele kleine Leckereien in den Blumenkästen für sie verblieben - zum Beispiel Samen vom Anis-Ysop. Da fahren sie voll drauf ab. So sehe ich auch ein wenig vom vogeligen Wintertreiben. Danke für deinen schönen Bericht! Lieben Grüße von der Roesnerin

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  9. Hallo Elke,
    ein wunderschöner Beitrag. Der Ausdruck "fliegende Gärtner" gefällt mir besonders gut (lach); Rosensämlinge finde ich hier auch zuhauf...Obwohl ich unseren Garten sehr vogel- und insektenfreundlich bepflanzt habe und über den Winter alles stehen lasse, fange ich ab der ersten Frostnacht im Oktober mit der Fütterung an, damit die Vögel, wenn es dann irgendwann richtig kalt wird und schneit, wissen, wo es was zu futtern gibt. Allerdings gibt es im Moment noch stark begrenzte Futterrationen. Die Meisen sind immer die ersten, die das Futter entdecken, dann kommen die Spatzen und hin und wieder ein Rotkehlchen. Die Grünlinge bedienen sich noch eifrig an den Kartoffelrosen, die Distelfinken an den Sonnenblumen und auch die Amseln bevorzugen noch das natürliche Futter im Garten. Am faulsten sind die Spatzen, die besuchen unser Futterhaus selbst bei den derzeitigen milden Temperaturen in Scharen. Es ist zu schön, sie alle vom Wohnzimmer aus zu beobachten.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Bärbel

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