Samstag, 20. November 2010

Stars und Sternchen

Es ist mal wieder soweit: In der Stadt kann man sich mit Glühwein die Jahreszeit schön trinken und es wimmelt schon jetzt von scheinbar völlig gestressten Menschen, die nicht mehr bummeln, sondern zum Kampf-Shoppen aufgerufen haben. Auch ohne glühweinvernebelten Blick auf den Kalender weiß man: Weihnachten muss vor der Tür stehen.

Und noch einen gar nicht dezenten Hinweis auf das immer näher rückende Ereignis gibt es: Jeder Supermarkt, der etwas auf sich hält, lässt nichts unversucht, der Kundschaft den floralen Festbegleiter schlechthin auf's Auge zu drücken: Den Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima).

Die Wolfsmilch im Weihnachtspelz ist der Star der Blumenindustrie und als solcher kommt er mitunter grässlich geschminkt daher - schrecklich blau gefärbt oder mit mehr Glitter übersprüht als ein Christbaum, dass man der zum Kitsch verkommenen Pflanze am liebsten eine Zwangsdusche verpassen möchte, und selbst dann wird man den Glitzerkram nicht von ihr runterkriegen.

Solche Gewächse sind fast schon als pflanzlicher Sondermüll zu betrachten und ich würde sie auf gar keinen Fall meinem Komposter anvertrauen - die Würmer könnten sich den Magen daran verderben.

Aber ganz egal ob mit oder ohne Glitter - die meisten Weihnachtssterne ereilt nach dem Fest der Liebe dieselbe gänzlich lieblose Behandlung: Sie werden als lebende Wegwerfware betrachtet.
Nach dem kometenhaften Aufstieg als Dekoration bei Festtagsbeleuchtung erfolgt der unrühmliche Abstieg in die dunkle Mülltonne.

Doch auch wenn ihre roten Petalen verschwinden und die Pflanze mehr und mehr vergrünt, tut das ihrem Charme keinen Abbruch.

Ganz im Gegenteil: Man sollte sich einmal die Mühe machen, den Weihnachtsstern weiterzukultivieren.
Er wächst dann zu stattlicher Größe heran, verzweigt sich gut und erfreut mit seinem frischen Grün völlig kitschfrei das ganze Jahr über:



Da man die Sternchen oft als Mitbringsel geschenkt bekommt, erhält man so die Möglichkeit, sich günstig eine stattliche Zimmerpflanze heranzuziehen!

Er ist ein prima Mitbewohner, der im Sommer auch gern die Terrasse schmückt.

Ein bisschen später als seine Verwandten mit industriell aufgezwungener Glühweinfärbung errötet auch solch ein Exemplar zu gegebener Zeit (die Fotos sind von dieser Woche), dann aber im XXL-Format an gleich mehreren Zweigen :


Gemütlich zuhause bei einer Tasse Tee kann man diesem botanischen Schauspiel beiwohnen und der langsamen Farbveränderung zuschauen.
Im Vergleich dazu kommt der gekaufte Stern einem Fertiggericht gleich.



Solltet ihr also einen Weihnachtsstern geschenkt bekommen, lasst ihn leben - er hat es verdient!

(PS: Bevor ich mich mit fremden Brakteen schmücke: Das gezeigte Exemplar gehört meiner Schwester. Sie sagt, ihr Geheimnis sei Flüssigdünger. Da ich unserer Katze durchaus zutraue, dass sie in einen Weihnachtsstern reinbeißt, lasse ich mir möglichst keinen mehr schenken...)

Kommentare:

  1. Mal wieder herrlich, Deine Ausführungen. :) Ich habe mal versucht, einen Weihnachtsstern über das Jahr zu retten, es ist leider nicht geglückt. Aber wenn ich mir Dein herrliches Exemplar ansehe, lohnt es sich wirklich, es wieder zu versuchen.
    Viele Grüße
    Margrit

    AntwortenLöschen
  2. Herrlich!
    Ich habe auch mal einen über ein Jahr lang gepflegt, aber irgendwas (Krankheit) hat ihn dann ereilt, das er nicht mehr genesen ist. Aber den Sommer, durfte er damals auch im Schatten draußen verbringen.

    LG,
    Pupe

    AntwortenLöschen
  3. Ich versuche das jedes Jahr aufs neue, aber sie gehen immer kaputt. Frage mich schon, ob die Dinger einfach nicht richtig angewachsen sind...

    Aber mein Vater hat auch so einen wie du, er hatte (bei diesem einen) mehr Glück als ich.

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe auch mehrmals versucht einen Weihnachtsstern länger zu behalten. Aber leider verkahlen die Pflanzen bei mir immer. Irgendwas mache ich falsch.
    LG Anette

    AntwortenLöschen
  5. Bei dem vorweihnachtlichen Rausch bin ich ganz bei Dir. Leider kann ich mich dem nicht ganz entziehen. Ab und zu muss ich eben auch einige Lebensmittel einkaufen. Ich kaufe mir genau aus Deinen Gründen keine Weihnachtssterne und habe bis zum heutigen Tag auch noch keine geschenkt bekommen. Aber sollte es jemals sein, werde ich es auch versuchen ihn in meine Pflanzenwelt zu integrieren. Denn Deine Bilder sprechen für sich.

    Einen schönen Sonntag,
    liebe Güße, Karin

    AntwortenLöschen
  6. Okay, wird gemacht. Ich muss allerdings gestehen, dass ich um diese Pflanze immer einen Bogen gemacht habe... für mich war sie eher eine Oma-Pflanze. Im vorletzten Jahr, habe ich dann mal so einen Mini-mini-mini Weihnachtsstern, war wohl gerade mal 10 cm hoch erhalten... wohl ebenfalls völlig überzüchtet... öhm, das Pöttchen war so klein, wie anscheinend mein Hirn auch, und so vertrocknete es jämmerlich. Das gespritzte Zeugs finde ich übrigens auch obergrässlich, die sehen dann wirklich aus, als wollen sie gleich losschreien "Kölle alaaaf!" (oder so ähnlich... will damit andeuten, dass diese Exemplare wohl eher für die Fasnacht als für Weihnachten geeignet wären). Und würde man den traurigen Clowns die Farbe abwischen, würde nur ein Geschmiere übrig bleiben... da wir aber nicht die ganze Welt retten können, überlasse ich sie ihrem traurig bunten Schicksal.
    Die weissen Weihnachtssterne gefallen mir übrigens sehr und die hätten bei mir auch echt ne Überlebenschance. Na, schauen wir mal, ob wir in diesem Jahr so einen Schatz geschenkt bekommen.
    Liebe Grüsse
    Alex

    AntwortenLöschen
  7. Bei Deinem Weihnachtsstern lacht auch mein Herz!
    Liebevolle Pflege wird belohnt!
    Liebe Grüße
    Gabi

    AntwortenLöschen
  8. Also bei mir kommt auch keiner mehr ins Haus wegen zwei Samtpfoten. Aber was du schreibst und uns zeigst, ist wirklich nachahmenswert. Ich hab mal eine Riesen "Weihnachtssternpflanze" vor Jahren auf Mauritius gesehen und sie blühte. Metergross und wunderschön war sie. Ja ist eigentlich unbegreiflich, warum der Stern nur ein paar Wochen in den Stuben stehen bleiben darf ... gehört wohl ein wenig zum Merkmal der Wegwerfgesellschaft. Schade ...
    Einen schönen Sonntag wünsch ich dir.
    Liebe Grüsse
    Ida

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Elke,
    Deine Schwester scheint einen mega-grünen Daumen zu haben. Bei mir sind bisher alle Weihnachtssterne früher oder später eingegangen, meistens verlieren sie alle Blätter. Meine Nachbarin hat hingegen 2 Weihnachtssterne, die schon mehrere Jahre alt sind, die dürfen im Sommer auch immer nach draußen.

    Liebe Grüße und einen schönen Restsonntag, Bärbel

    AntwortenLöschen
  10. Ich krieg meinen Weihnachsstern nicht mal über den Dezember... :( Er schaffts also nicht grün zu werden.
    Viele Grüße,
    Juliane

    AntwortenLöschen
  11. Hallo Elke.
    Ich muß schon sagen du hast ja ein total großes Herz für Pflanzen.Und das großziehen machst du ja auch perfekt und gelingt dir auch super.Ich bin da eher ungeduldiger.Wünsche dir viel Spaß an deinem Weihnachtsstern.
    Schöne Woche und liebe Grüße Jana

    AntwortenLöschen
  12. Mein herrich rosafarbener Miniweihnachtsstern, erstanden um ihn zu photographieren, verliert schon nach einer Woche fast alle Blätter. Ich bin nicht wirlich wild auf so ein großes Exemplar, wie das auf dem Photo, ..Platzmangel, aber bitte muss das arme Wesen so schnell alles von sich werfen.Moegen düngte ich, versprochen! Gruss Sibylle

    AntwortenLöschen
  13. Bei uns wird es an den Fenstern leider zu kalt und das mag der Weihnachtsstern überhaupt nicht - leider, dabei gefällt er mir ganz gut und irgendwie gehört er zu Weihnachten auch dazu.

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  14. nun leiste ich mir wieder einen solchen weihnachtsstern..früher vor 40 jahren hatte ich auch schon mal so einen großen busch..danke dass du mich erinnert hast!! gruß wiebke aus Nordfriesland

    AntwortenLöschen
  15. Liebe Elke
    Jetzt hab ich grad schnell gegoogelt und ja, du hast recht, es ist die Clematis vitalba und bei uns sagt man der eben "Niele". Bis gestern wusste ich nicht einmal, dass es eine Clematis ist - ja man lernt wirklich nie aus. Bei uns kennt eigentlich jeder die Niele, denn früher haben viele Kinder (die Buben) Niele geraucht und wahrscheinlich ist auch jedem "grotteschlächt" geworden. Aber das gehörte irgendwie mit zum Spielen im Wald ... jedenfalls kann da mein Mann auch Geschichten erzählen und auch meine Brüder ... sind aber alles Nichtraucher - schon immer :-)
    Liebe Grüsse
    Ida

    AntwortenLöschen
  16. Liebe Elke,
    ich glaube, ich versuch's dank Deiner tollen Ausführung oder Anleitung auch noch mal mit dem "Überleben" eines Weihnachtssternes, dass leider zu früheren Zeiten nie geklappt hat...

    ganz herzlichen Dank für Deine Glückwünsche zu meinem 1. Bloggeburtstag, ich habe mich sehr gefreut.

    viele, liebe Grüße schickt Dir Traudi

    AntwortenLöschen
  17. Welch treffende Beschreibung(en). Ich versuche den Kampfshopppern möglichst aus dem Weg zu gehen, indem ich das ganze Jahr über schon nach netten Geschenken Ausschau halte. Gegen Punsch und Glühwein ab und zu habe ich nichts einzuwenden, sofern er nicht in amerikanisiert-kitschig-blinkender Umgebung getrunken werden muss.
    Tja, Weihnachtssterne. Die mag ich nicht, zu massenhaft, zu bunt, zu zickig auch. Aber das von dir gezeigte Exemplar versprüht schon ein wenig Charme, das muss ich zugeben.
    Liebe Grüße, Margit

    AntwortenLöschen
  18. und warm hat er sehr gerne und nicht zu nass,
    aber dass ist etwas für Leute mit dem besonders grünen Daumen!!!
    aber da ich keine Zimmerpflanzen mehr vertrage,
    erfreut mich dein Exemplar besonders
    Frauke

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...