Samstag, 26. Februar 2011

Jetzt oder nie

Der Tag heute begann perfekt. Die Wettervorhersage hatte mal wieder gründlich daneben gelegen und so gab es Sonne und milde Temperaturen.
Schneeglöckchen, Krokusse und Anverwandte schauten allerdings trotz Bombenwetters etwas missmutig aus der Wäsche, bzw. aus altem Laub und Staudengestrüpp vom Vorjahr.


Hier gab es eindeutig Handlungsbedarf.
Manchmal muss eine Frau eben tun, was eine Frau tun muss.

Mit diversen Scheren, Harken und einem Sammelbehälter bewaffnet ging es den Wintererinnungen an den Kragen.
Unter der Vertonung von Erlenzeisig, Heckenbraunelle und Grünling schritt ich zur Befreiung der Frühlingsflora.


Wo ich gerade dabei war, schnitt ich auch gleich noch das Waldgeißblatt (die Schere über Kopf) und die Carex-Halme vom Kübelteich.

Erste Erfolge wurden sichtbar: Das Rotkehlchen trank sogleich an der nun freien Wasserstelle, die Heckenbraunelle kam sogar zum Baden und meine Arme begannen, sich etwas puddingähnlich anzufühlen.

Meine Haare standen bald in alle Richtungen, dank tatkräftiger Hilfe mehrerer Wild- und Kletterrosenzweige, die sich nicht minder wild gebährdeten. Die Neuentdeckung meiner Rückenmuskulatur (Schmerzen sei Dank) spornte mich nur zu weiteren Höchstleistungen an und so zupfte und rupfte ich an den widerspenstigen Halmen des Frauenmantels wie eine Amsel am Regenwurm, nur noch weniger elegant.
Schließlich war es vollbracht, die erste Schlacht des Jahres geschlagen und ich schleppte soviel ehemaliges Grünzeug aus meinem winzigen Garten, dass ein Biomassekraftwerk davon einen Tag Strom erzeugen könnte. So fühlte sich zumindest mein Rücken an.

Jetzt konnte ich den Lockruf des Sofas laut und deutlich vernehmen.
Aber halt, etwas fehlte doch noch. Höchste Zeit, das einzige ertragreiche Gemüse meines recht schattigen und viel zu vollgestopften Gartens zu ernten: Topinambur (Helianthus tuberosus)!


Dieses mit der Sonnenblume verwandte Knollengemüse lässt sich im Winter gut ernten, aber nicht lange lagern. Daher sollte man es nur bei akutem Bedarf aus dem Boden holen.

Die recht stattliche Staude neigt sehr zum Wuchern. Mein ganzer Bestand stammt von einer einzigen Knolle ab, die ich vor Jahren im Bioladen gekauft habe. Mittlerweile reicht es für ein ganzes Abendessen.
Jedesmal habe ich dennoch arge Bedenken, dass ich meinen Topinambur komplett aufgegessen hätte. Diese Zweifel werden noch genährt durch die Tatsache, dass er relativ spät austreibt.
Schließlich kommt er aber doch jedes Jahr zuverlässig wieder und schafft es sogar noch, sich zu vermehren.

Damit er es nicht allzu bunt treibt, habe ich ihn in mein Alcatraz-Beet gepflanzt - unten Schotter und an den Seiten Pflastersteine - wenn er dort ausbricht, Respekt, dann hat er sich sein Bleiberecht verdient!
Bis jetzt verhält er sich aber zahm. Leider verwehrt er mir auch hartnäckig die Blüte, und das seit Jahren, schade.



Jetzt steht sie also in der Küche, die Schüssel mit der tollen Knolle.
Ob ich heute abend allerdings kochen mag, sei mal dahingestellt. Ihr wisst ja - mein Rücken.

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    ja, so geht das. Nach dem ersten Mal Gartenarbeit merkt man, wo man überall Muskeln hat. Aber trotzdem, mir hat das immer sehr viel Spaß gemacht. Nun habe ich nur noch meine Töpfen auf dem Balkon, da meldet sich mein Rücken nicht mehr.

    Ich wünsche Dir noch ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Gröhl, ja so ist das eben mit dem Garten: wenn man erntet, muss man auch verwerten. Das war der Grund warum ich ohne gross Nachzudenken mein Gartenbeet den Rosen zur Verfügung gestellt habe. Gemüse und Obst gibt's nur noch, was gerade von der Pflanze weg verputzt werden kann, also Cherrytomätchen auf Balkonien und diverse Beerensträucher und Kräuter. Naja, manchmal lasse ich mich noch zu Zucchini im Topf hinreissen, aber das war's dann wirklich.
    Lachen musste ich über Dein Alacatraz-Beet, tolle Beschreibung! So, Katerchen Noah meint er hätte Hunger und ich hätte nun genug getippt.
    Liebe Grüsse
    Alex

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  3. Hallo,
    ich bin stolz auf Dich! ♥
    Mir tuts ja auch sooo sehr jucken in den Fingern, aber die linke Hand ist noch lange nicht für die "grobe" Gartenarbeit gesund genug. Auf Gögas Hilfe kann ich leider auch nicht zählen, ...

    ... wie hat sie denn geschmeckt, die "tolle Knolle"? :)

    LG,
    Pupe

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  4. Liebe Elke!
    Nimmt man solche Schmerzen nicht gerne in Kauf, wenn es um die ersten Gartenarbeiten geht? :) Bei uns spielt das Wetter leider überhaupt nicht mit. Es ist für Arbeiten im Freien schon wieder viel zu kalt.

    lg kathrin

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  5. Hallo Elke.
    Ja die erste Gartenarbeit merkt man.
    Ich habe heute auch einen Rundgang gemacht.Ich muß auch in den nächsten Tagen auch einiges abschneiden vom Herbst noch,teilweise kommt schon frisches Grün.Irgendwie ist es naßkald ich bin nur am frieren.
    Wünsche dir einen schönen Abend und schönen Sonntag und liebe Grüße Jana.

    Du hast Recht der Stoff ist von Ikea.Ich habe die Vögelchen aus dem Stoff geschnitten,und zusammengenäht.Mal was anderes.
    Tschüs

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  6. Oh, was warst du fleißig!

    Bei uns hat die Sonne auch die Wettervorhersage Lügen gestraft, aber ich konnte mich noch nicht zum Garteln überwinden - die Erde ist noch so was von kalt, da bekommt man in kürzester Zeit Eisfinger ;)

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  7. Liebe Elke,

    auch ich würde so gerne ein wenig - oder doch etwas mehr - im Garten arbeiten. Hier strahlt zwar die Sonne, aber es ist richtig kalt und der Boden ist tief gefroren. Ich wünsche Dir weiterhin viel Vergnügen mit Deinem Garten und wünsche Dir einen wunderschönen Sonntag in meiner alten Heimat.

    Herzlichst
    Karin

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  8. Liebe Elke
    So fleissig warst du - Hut ab. Und wenn ich deinem Beschrieb folge - ja dann warte ich doch lieber noch zwei Wochen - bis nach unserem Skiurlaub - ansonsten ich Gefahr laufe, mich in den Skiferien von den Gartenstrapatzen erholen zu müssen :-)
    Hoffe, deinem Rücken gehts nu wieder top und du kannst die tolle Knolle aus dem Garten geniessen.
    Liäbs Grüässli und einen erholsamen Sonntag wünsch ich dir.
    Ida

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  9. Fleißig, fleißig.
    Beim ersten Mal übertreiben wir bei der Gartenarbeit auch immer ein wenig. Es gibt ja so viel zu tun und so viel zu entdecken, wenn der Laub weggeharkt und die alten Triebe geschnitten sind. Und es riecht so gut, wenn der Boden gelockert. Sieht auch irgendwie besser aus. Aber wie sollten nicht übertreiben. Wenns anfängt weh zu tun sollte wir eine Pause machen. Dann machts danach wieder mehr Spaß. VG Manfred

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  10. Liebe Elke,
    so ist es wenn der Winter aus den Beeten verschwinden soll- man sieht hier ein Pflänzchen was nicht hingehört - da olles Laub - ich hatte das Vergnügen vor 14 Tagen. Da wurden dann auch die ersten Rosen geschnitten.
    Ich habe (nicht nur) einen schönen (Eigenlob stinkt!)Frühjahrsgarten und da mag ich nicht wenn die Beet noch huddelig aussehen..:o))
    HG und noch einen erholsamen Tag wünscht Dir
    Birgit
    P.S. Das sind wohl nur Drahtschlingen - ich habe es nicht selbst gemacht.

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  11. Herrlich Elke, ich musste mal wieder herzlich über Deinen Bericht lachen. Dann hat also nicht nur bei uns die Wettervorhersage gestern gründlich daneben gelegen...
    Mein Rücken kam bereits vor 2 Wochen bei den ersten milden Temperaturen in den Genuss von Gartenarbeit. Ich habe da nämlich auch bemerkt, dass Schneeglöckchen & Co. völlig zwischen den vertrockneten Staudenüberresten untergehen. Und wenn ich dann mal so im Garten zugange bin, kann ich nicht mehr aufhören, sehr zum Leidwesen meines wintergeschonten Rückens.
    Tompinambur hatte ich auch mal im Garten, da er uns aber nicht so doll schmeckte und dazu noch einiges an Platz beanspruchte, hab´ ich ihn im nächsten Jahr trotz schöner Blüte rausgeworfen.

    Liebe Grüße von Bärbel

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  12. mich hatte es ja auch schon vor zwei Wochen in den Garten gelockt
    und es ging mir wie Dir , man kann dann nicht aufhören, bis alles " seinen Chic" hat hat,
    Dann gab es Schnee und viel Frost es war geschützt, aber nun taut es tagsüber und nachts fiert es noch immer !!!und ich hoffe sehr, dass die Pflanzen wie Rosen, , Blumenzwiebeln,.. das Schneiden nicht übel nehmen

    mein Rücken war da gnädiger

    und zu den Agapanthus,, da habe ich erst einmal gegoogelt, für Freilandpflanzen ist es hier einfach zu kalt und vor allem zu offen,
    und ich las dazu auch, dass die Pflanzen doch gehätschelt werden müssen, dann danken sie es mit einer schönen Blüte!!
    herzliche Grüße aus dem kalten aber sonnigen Norden
    von Frauke

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  13. Na, da warst Du aber wirklich sehr fleißig. Ich würde ja auch gerne mal loslegen, aber bei uns war es am Wochenende ziemlich feucht, da haben auch die milden Temperaturen nicht viel geholfen. Mir war trotzdem kalt. Deshalb habe ich mich nur gestern, als sich die Sonne mal kurz zeigte, zu einem kleinen Gartenrundgang aufgemacht.
    Die tolle Knolle habe ich auch im Garten. Sie hält sich aber ganz gut in Grenzen.

    Liebe Grüße
    und eine schöne Woche
    Chalisa

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  14. Topinambur - müsst ich vielleicht mal bei meiner Schwester degustieren, bevor ich mir das Wucherzeugs in meinen Garten hole!

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  15. Ja, ja, beschimpf mich mal, mich faule, die sich am Wochenende mal wieder auf dem Sofa gefletzt hat :o)

    GlG jane

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  16. Ja so gings mir auch am Wochenende und heute noch. Der Rücken zeigte kein Entzücken bei der Gartenarbeit:(( Aber bei diesem Traumwetter gab es kein halten mehr. Heute nachmittag fragte jemand, ob ich ein paar Tage zum Skifahren gewesen wäre wegen meiner überzeugenden Bräune:-)) Das kann ich alles viel billiger haben... Viel Spaß noch mit den Topinambur wünscht Dir Luzia.

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