Mittwoch, 19. Oktober 2011

Fehlermeldung

"Woran arbeiten Sie?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich habe viel Mühe, ich bereite meinen nächsten Irrtum vor."

Dieser kleine, harmlos erscheinende Text von Bertold Brecht wurde damals im Deutschunterricht als Klassenarbeit vorgelegt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mit meiner Interpretation ganz gründlich danebenlag und mich um Kopf und Kragen argumentiert habe, um meinen Irrtum in halbwegs brauchbare Bahnen zu lenken.

Auch im Garten kann man viel oder wenig Mühe darauf verwenden, seinen nächsten Fehler vorzubereiten.
Dass das einer werden wird, weiß man natürlich vorher nicht, das wäre zu einfach.
Sie aber niederzuschreiben wirkt vielleicht dem Vergessen entgegen und man kann es im nächsten Jahr zur Abwechslung einmal richtig machen.

Und da Schadenfreude doch die schönste Freude ist, zeige ich jetzt meine diesjährigen Lieblingsfehler.
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stattdessen habe ich mir die Fehler herausgesucht, die auch ausreichend mit Bildmaterial dokumentiert wurden - oder unter die Kategorie "Was ich noch sagen wollte" fallen.
Diverse Freiluft-Slapstickeinlagen der Gärtnerin höchstpersönlich werden hier bewusst nicht aufgeführt, da zum Glück keine bildhaften Dokumente darüber vorliegen (hoffe ich...).

Auf Platz 5: Gut verpackt ist halb gekeimt

Wer Samen verschickt, die mehr sein sollen als ein schlechtes Beispiel (oder Mehl), sollte sie in Watte packen.
Sonst erhält der Empfänger Saatgut mit akuter Keimhemmung, die weder Frost noch Wasser noch gute Worte aufzubrechen vermögen.
So geschehen bei meiner Sendung an Verena, bei der ich die Samen leichtsinnigerweise in einen einfachen Papierumschlag gesteckt hatte. Aber seht selbst, was daraus wurde - besser als Verena kann ich das Drama nicht dokumentieren. Es fand schließlich eine Ersatzlieferung statt - diesmal in einem Luftpolsterumschlag, die ich seitdem für solche Zwecke aufhebe, falls sich einer in meinem Briefkasten befindet.

Auf Platz 4: Basilikum ernten will gelernt sein

Hier kann man doch nichts falsch machen, oder? Doch kann man, leider. Bei der ersten Ernte an einem Basilikumtopf merkt man noch nichts, da reicht es noch für eine Pesto-Mahlzeit.
Erst danach zeigt sich, ob man alles richtig gemacht hat. Zupft man nämlich wahllos einzelne Blätter ab, schwächt man die Pflanze und sie setzt an zum Notprogramm, das da heißt: Blüte. Dann ist es Essig mit der Ernte.
Stattdessen sollte man die Kräuter lieber entspitzen. Dann treiben die Nebenknospen aus und man hat wieder eine schöne, geschlossene Blattkrone für's nächste Pesto.

Hier zwei Töpfe, die den Unterschied zeigen - links richtig, rechts falsch gemacht:


Blühen die Pflanzen erst, muss man aus der Not eine Tugend machen: Die Hummeln freuen sich und werden für einen reichen Samenansatz sorgen - damit man auch im nächsten Jahr wieder ernten kann.

Auf Platz 3: Die Sache mit der fettleibigen Blüte

Da hatte ich mich aber ganz schön ins Bockshorn jagen lassen, als meine Taglilie plötzlich mit einer besonders aufgeblähten Knospe daherkam. Besagte Hemerocallis ist eine ganz hundsgewöhnliche fulva:


Umso größer mein Erstaunen, als dieses verdickte Etwas erschien, direkt neben einer normalgroßen Knospe:


Nun, wenn Rosen Sprossmutationen haben können, warum sollen Taglilien nicht zu etwas Ähnlichem fähig sein? Und so freute ich mich schon auf eine ganz extravagante Blüte, eine gefüllte, von nie gesehener Pracht.
Jeden Tag schlich ich um die Knospe herum, aber sie wollte sich einfach nicht öffnen. Die macht es aber spannend, dachte ich noch, bis ich doch misstrauisch wurde, und so fand ich bei Internet-Recherchen heraus, dass hier ein Parasit am Werk ist, nämlich die Hemerocallis-Gallmücke. Na, prima, aus der Traum von der neuen Sorte.

Auf Platz 2: Pazifismus wird manchmal überbewertet

Wer die Sempervivum-Minierfliege unterschätzt, wird mit matschigen Blättern nicht unter drei Monaten bestraft. 
Das hier ist sie übrigens nicht, das ist Megachile willughbiella, die Blumentopf-Blattschneiderbiene, die auch gerne in Sempervivum-Töpfen haust, aber dort nur ihre Nester anlegt:


Hier ist sie nun: Cheilosia caerulescens, eine Fliege, die ihre Eier an die Blätter legt. Die Larven fressen diese von innen heraus leer, was zu unschönen, braunen Blättern und geschwächten Pflanzen führt:





Faulheit und Pazifismus sind hier fehl am Platze, wie ich feststellen durfte. Am besten sammelt man die befallenen Blätter konsequent ab, sonst sehen die kleinen Immergrünen eher schäbig aus.

Auf Platz 1: Russisches Roulette mit Buchs

Das hier ist mit Abstand der teuerste Irrrtum. Und der ärgerlichste.
Schon einmal musste der Buchsbaum an einer Stelle entsorgt werden, weil er bereits wenige Tage nach dem Kauf den Buchsbaumpilz präsentierte.Was für eine unglaublich dumme Idee, zu glauben, der Pilz wäre noch nicht im Boden etabliert. War er wohl entweder doch, oder aber es werden nur noch hochgradig verseuchte Pflanzen verkauft - jedenfalls zeigte auch die zweite Charge in Bälde böse Krankheitszeichen.
Also wieder auf zum Vernichtungsfeldzug.
Aber nun ist auch mal gut, keine Experimente mehr. Ab jetzt sitzen dort Stecklinge von Lonicera nitida.Und wenn sie nicht gestorben sind, so wachsen sie noch heute.

Kommentare:

  1. Hallo Liebe Elke.
    Was du alles so erlebst mit deinen Pflänzchen.
    Du achtest auf vieles bist ja auch sehr verbunden mit deinen Pflänzchen.Manches ist schon ärgerlich wie das mit dem Bux.
    Aber du schaffst es alles wieder perfekt hinzukriegen.
    Noch ne schöne Woche (Wetter ist ja bescheiden).
    Sei lieb gegrüßt von Jana

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  2. Schade- Verenas Dokumentation der nicht luftgepolsterten Saat ist nicht anklickbar- da steht, den blog gäb's nicht...
    Nun kann ich bloß hoffen, daß ich mir den Basilikum-Tipp merke, unsere sehen nämlich regelmäßig aus wie "Topf rechts", und ich hatte keine Ahnung, wieso! Dankeschön!! Es lohnt doch immer, hier Abonnent zu sein :-)

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  3. That sounds so much more interesting in German. English only offers the plodding - and they all lived happily ever after.

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  4. Super, wieder was gelernt. Taglilien hab ich ja auch einige, bislang hat die Mücke wohl ihren Platz noch nicht zu mir gefunden und dank Deines Artikels werde ich jetzt wohl auch dafür sorgen können, dass sie sich nicht etabliert!

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  5. Hallo Elke,

    der Link zu Verenas hat einen Fehler, da hängt hinten noch 20% dran. Der richtige ist hier:http://mohnrotbastelt.blogspot.com/2011/07/blumige-uberraschung.html
    Ich könnte mich weglachen über deine Posts. Hast du schon mal dran gedacht, ein Gartenbuch zu schreiben? Oder sogar schon getan? Würde ich sofort ordern.
    Ich habe einiges hier gelernt. Das mit den Taglilien-Gallmücken hat mich sofort atemlos gemacht. Hatte ich die je übersehen oder warum werde ich mit Blütenlosigkeit, "nicht unter drei Jahren" bestraft?
    Liebe Grüße, Johanna

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  6. Hallo Elke,
    bei Dir lernt man doch immer wieder dazu. Ich wusste gar nicht, dass es eine Sempervivum-Minierfliege und eine Hemerocallis-Gallmücke gibt, habe deren Schäden aber zum Glück noch nicht an meinen Pflanzen beobachten können. Dafür sind in meinem Garten aber genügend andere Irrtümer und Fehler zu finden...;-)

    Liebe Grüße von Bärbel

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  7. Liebe Elke, das Ernten von Basilikum musste ich auch erst einmal lernen, etwa vor zwei oder drei Jahren, seit dem passiert mir dieser Fehler nicht mehr :) Meine Taglilien und Hauswurzen sind Gott sei Dank noch gesund, aber dank Deines Posts würden mir solche Veränderungen an den Pflanzen sicher sehr schnell ins Auge stechen.

    lg kathrin

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  8. Liebe Elke, jetzt weiß ich weshalb ich nie Glück mit meinem Basilikum habe, dankeschön fürs aufklären g. Man lernt eben nie aus. GLG Petra von Dekolaune

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  9. Wenn ich mich an meine eignen Gartenfehler zurückerinnere (manchmal ist es noch gar nicht so lange her), kann ich nur Schmunzeln.

    Schön dass du selber deine Irrtümer mit einem Augezwinkern kommentierst!

    Schreib weiter so!

    Liebe Grüsse Rosana

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  10. Ich habe manchmal das Gefühl, das Gärtnern ist eine einzige Abfolge von Fehlern:

    Zu dicht gepflanzt, falscher Standort usw.

    Aber es macht trotzdem soooo Spaß :o)

    GlG Jane

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  11. Klasse, Elke, Dankeschön. Besonders Irrtum 1 "Samen in Briefumschlägen" hatte ich auch schon. Meine Schwester bekam nur noch Bruch und war gar nicht glücklich.

    Irrtum in meinem Garten: Was wo anders wie Unkraut wuchert muss doch bei mir auch etwas werden. Mitnichten. Und: was auf Blumentüten steht ist auch drin- eben nicht immer. Meine weißen Dahlien wurden gelb.
    Tja, das Leben im Garten bietet so manche Überraschung. Den Buchvorschlag von Johanna kann ich nur unterstützen. Ein Exemplar käme sofort auf meine Wunschliste.

    Herzliche Grüße, hoffe, die Winterjacke wandert bei dir noch einmal in den Schrank.
    Jo

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  12. Danke für die Weitergabe Deiner Erfahrungen. Von dem meisten hatte ich auch noch nicht gehört. Mit Lilien allerdings auch schon schlechte Erfahrungen - Lilienblütenstecher. Die Blüten bleiben klein und fallen dann ab.
    Der Tip mit dem Basilikum läßt sich sicherlich auch auf andere Ernten übertragen.
    Viele Grüße Sabine

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  13. Ein lustiger Bericht und auch von mir vielen Dank für deine Erfahrungen, Vielleicht bleibt deinen Lesern jetzt einiges erspart ;)

    LG und viel Erfolg bei der Rettung deines Bux,
    Sandra

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  14. Liebe Elke, eine super Idee die Gartenfehler aufzuschreiben... ich schätze hier kann jeder Gartenblogger ausführlich berichten und bald gibt es eine ellenlange Liste was alles so schief gehen kann. Das mit dem Basilikum war für mich sehr lehrreich... wusste ich gar nicht, allerdings hat Basilikum bei mir eher die schmückende Funktion, meist vergesse ich was mit zunehmen, wenn es dann nach Hause geht und so stehen die meisten Kräuter, obwohl artenreich vorhanden, ungekürzt im Garten und freuen sich ihres Lebens während ich mich am heimischen Herd über meine Vergesslichkeit ärgere. Ein wunderbare Wochenende und viele Grüße Annette

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  15. Liebe Elke,
    vielen Dank für Deine amüsanten Gartenfehler - da komm ich mir nicht mehr ganz so miniklein neben Dir vor! Die Kaffeebohnen melden sich nämlich bislang noch immer nicht, und von den Pentaglottis sehe ich leider nur in der Topfaussaathälfte zwei behaarte Blattpärchen, von den Freiländern überhaupt nichts. Ich hoffe, das wenigstens die den Winter überleben!

    Den Rufen nach einem Gartenbuch von Dir schließe ich mich übrigens sofort an und setze mich hiermit ebenfalls auf die Warteliste für eines der ersten und hoffentlich signierten Exemplare!

    So, und jetzt geh ich mal Berthold Brecht googlen, denn wir hatten diese Geschichte nicht im Unterricht. Zum Glück, denke ich...

    Liebe Grüße,
    Verena

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  16. Kicher, liebe Elke, da könnte ich auch noch einiges anfügen. Vor allem immer wieder beliebt bei Frau Gwundergarten, Babypflänzchen in Saatschalen im Regen zu ersäufen oder an der Sonne zu rösten. Zweiter Runner ist blauer Salbei oder auch Sonnehut ohne Schneckenkorn zu versehen. Ich weiss nicht, wie viele Pflanzen mir die Schnecken schon weggemampft haben. Vermutlich sehen die mich mittlerweilen als ihre persönliche Catering Firma an.
    Wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüsse
    Alex

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