Freitag, 7. Oktober 2011

Kleine Schätze

Frostkeimer sind anstrengend, nervtötend geradezu.
Wenn man sich selbst eher als Warmkeimer und Langtagpflanze fühlt, kann man sich überhaupt nicht vorstellen, warum gerade ein Kältereiz viele Samen zum Austreiben veranlasst.
Auch mit Lichtkeimern - obwohl schon viel sympathischer als die Frostfraktion - kann man sich nicht so richtig anfreunden. Das Versenken von Saatgut in die Erde und das Zudecken mit Substrat wie mit einem warmen Mantel ist für uns Hobbygärtner der Inbegriff des Säens. Das hat etwas Fürsorgliches an sich, während das ungeschützte Liegenlassen der Samen auf der Oberfläche sich so lieblos anfühlt.
Dunkelkeimer sind daher etwas intuitiver in der Handhabung.

Lichtkeimer reagieren unter der Erde beleidigt und Kaltkeimer neigen im Sommer zum Warnstreik.
Nichts ist frustrierender als das versehentliche Aussäen von Kaltkeimern in warmen Temperaturen - auch wenn Vorfreude die schönste Freude ist, irgendwann ist's doch mal gut mit Warten...
Schwerkeimer sind auch kein Kindergeburtstag. Die heißen nicht so, weil ihre Keimlinge so viel auf die Waage bringen, sondern weil sie uns in den sicheren Wahnsinn treiben können mit ihrer Weigerung, in annehmbarer Zeit ein paar läppische Keimblätter zu präsentieren. Sie keimen extrem unregelmäßig und verschlafen lieber noch ein Jahr, bevor es losgeht.

Leider ist es nicht immer einfach, herauszufinden, zu welcher Kategorie die Pflanze gehört, die man gern vermehren möchte.
Manchmal kommt man aber über Umwege und mit ein bisschen Detektivarbeit an die richtige Lösung.

Blüte vom Herbst-Alpenveilchen

Wie beim Herbst-Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium), dessen Samen von Ameisen verschleppt werden sollen. Aha - klingt nach Dunkelkeimer, denn in deren Nestern ist es zappenduster.
Leider konnte ich aber keine flinken Ameisen, sondern lediglich träge, aber mit gutem Appetit gesegnete  Nacktschnecken an den frischen Samen beobachten.
Da die Mollusken nicht gerade dafür bekannt sind, pfleglich mit Saatgut umzugehen und es unverdaut und vor allem keimfähig an geeigneter Stelle wieder an die Luft zu setzen, wurden die Samen konfisziert, und zwar von mir.

Samenkapsel der letztjährigen Blüten im Juli

Und dann ohne große Umwege dahin, wo die Sonne nie scheint: Unter die Erde.
Freie, schattige Beetstellen wurden mit Alpenveilchen in spe geimpft, und auch in einem großen Holzkübel habe ich Samen versenkt.

Und dort zeigt sich nach ein paar Monaten nun dieses kleine Wunder - man braucht zwar fast eine Lupe, aber es ist da:



Wenn das nicht das schönste erste Blatt einer Jungpflanze überhaupt ist?
Ganz die Frau Mama, zeigt der Knirps bereits eine feine weiße Zeichnung.
Ausgewachsen kann das dann so aussehen:



Die Blumenerde im fraglichen Kübel ist auch neu und weit weg von der Mutterpflanze, so dass ausgeschlossen werden kann, dass bereits im letzten Jahr Samen per Ameisenkurier dorthin gelangten.
Dass dieses eine Alpenveilchen kein Kaltkeimer ist, sei damit hinreichend bewiesen.

Nun gilt es, den Zwerg über den Winter zu bringen. Könnte im Topf schwierig werden, vor allem, weil Herbst-Alpenveilchen auch in der kalten Jahreszeit ein bisschen Himmel sehen wollen und sich deshalb nicht gern zudecken lassen.
Aber wer so entschlossen keimt, muss doch eine Kämpfernatur sein.
Vielleicht geht die Alpenveilchen-Saga also im nächsten Jahr weiter. Und wer weiß, womöglich wird der Sämling in ein paar Jahren sogar weiß blühen? Vorfreude ist eben doch die schönste Freude....

Kommentare:

  1. Your closing sentence ...
    'Tis better to travel hopefully than to arrive - as Robert Louis Stevenson said

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  2. Ich wünsche dir viel Glück und dass sie alle gut über den Winter kommen. ich hab's irgendwie nicht mit Kaltkeimern - bin wohl zu ungeduldig, doch auch mit den im Frühjahr ausgesäten Blümchen habe ich nicht viel Glück, die sind fast alle den Schleimis zum Opfer gefallen. Habe deshalb schon jetzt kräftig Samen ausgeworfen, denn die sich letztes Jahr selber ausgesäht hatten waren wenigsten entweder kräftiger oder wenigstens noch da - und nicht aufgefressen.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende. LG Christina

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  3. ach ich liebe sie auch - die Cyclamen und kann die Freude über die kleinen Blättchen sehr gut nachvollziehen.
    Tolle Bilder zeigst Du wieder Elke! Mit liebevollem Blick auf die kleinen Schönheiten des Gartens.
    Bis bald mal wieder und viele Grüße von Renate

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  4. Ach, liebe Elke, das ist ja wieder ein Post zum Niederknien. Es gibt aber auch kein Thema, über das Du nicht schreiben könntest, immer mit Wissen und einer Portion Humor gespickt. Deinem kleinen Sämling wünsche ich alles Gute und Dir viel Spaß beim Beobachten.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  5. Hallo Elke,
    diese Freude kann ich dir nachfühlen. Auch unsere Alpenveilchen haben sich jahrelang geweigert, sich so als Massenblüher zu präsentieren, wie sie uns immer verkauft werden. Und dann habe ich sie in eine andere, sonnigere Ecke gepflanzt und genau in diesem Jahr gingen am alten Standort massenhaft Jungpflänzchen auf. Und das Süße: die Babys entwickeln als erstes ein winziges Knöllchen und das zieht sich mit den Wurzeln selbst in der Erde immer tiefer. Ich habe sie alle umgesiedelt und sie haben sich brav vermehrt. Die riesengroßen Knollen, die ich einmal gekauft habe, sind allerdings alle nicht mehr wiedergekommen. Nur die relativ kleinen, das war wahrscheinlich eine härtere Sorte. Aber ich habe weiße und rosa und sie machen mich jeden Herbst auf Neue glücklich. Wünsche frohes Keimen deiner Lieblinge.
    Schöne Grüße, Johanna

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  6. Mit den Alpenveilchen hatte ich noch nie eine Fortsetzungsgeschichte...ich habe da auch die Wühlmäuse in Verdacht, aber nicht nur....
    EInes hatte ich auch im Topf...es kam auch nicht mehr heuer.
    Aber vielleicht hast Du mehr Glück.
    Topfgeschichten...im Sommer ein Vorteil, vorm WInterbeginn ein Platzproblem....
    So habe ich viele Topfrosen, weil sie in meinem Garten einfach besser in den Töpfen gedeihen.
    Heuer mehr denn je und weniger Platz denn je.
    Die Styrophor- und Noppengeschichte ist ja schön und gut, aber da habe ich jedes Jahr Verluste.
    Mal sehen...die Zeit tickt...das Problem naht.
    Ich wünsche Dir ein schönes WOE und lasse liebe Grüße da...Luna

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  7. Spannender Post, liebe Elke! Hmm, also bei mir gehören wohl alle in die Gattung Schwerkeimer *grins*. Ich hab's mit den Sämlingen irgendwie nicht so. Gut, okay, Kresse bringe ich gerade noch hin, aber damit hat es sich schon fast. D.h. jetzt hätte ich fast Die Tomaten vergessen... bei denen hätte es ja auch geklappt, hätte Frau Alex ihnen nach den Keimen nicht eine Frischluftkur an der Sonne verpasst. Das Resultat kannst Du bestimmt erahnen...
    Liebe Grüsse
    Alex

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  8. Hui liebe Elke, dann wünsch ich dem Winzling viel Glück, dass er wohlbehalten durch den Winter kommt.
    Ist ja wirklich wieder einmal mehr sehr interessant, was du uns berichtest. Und von wegen Kalt- oder Warmkeimer ... ich glaub, ich schliess mich da der Alex an ... ich habs nämlich auch nicht wirklich mit den Sämlingen. Einerseits wohl zuwenig Platz auf den Fensterbänken ... andererseits sind sie mir aber eben auch eingegangen - und so hab ichs aufgegeben und komm dann schon eher oder eben immer und immer wieder bei den schon fertigen Pflänzchen in Versuchung.
    Hab ein schönes und kuschlig warmes Wochenende. Bei uns ists Herbst - riiiichtig Herbst mit grausligem Wetter. Also nix wie ran an das Cheminéeholz!
    Herzliche Grüsse
    Ida

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  9. Ja die Herbst-Alpenveilchen sind schon ganz besondere Pflänzchen, ich hab die Teile auch noch nicht wirklich durchschaut. Mir sind schon deren "Knollenfüße" ein Rätsel und du versuchst dich mit Samen -Respekt- und viel Glück bei der Aufzucht. ich bin gespannt, ob es ein Herbst-Alpenveilchen-Aufzuchts-HappyEnd gibt. Liebe Grüße Annette

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  10. Hallo Alex.Was du so alles weißt über keimen,ziehen usw.Spitzenmäßig.Bei deiner Pflege bleibt das Alpenveilchen und gedeit prächtig bin ich mir sicher.
    Schönen Abend und schönen Sonntag und liebe GRüße Jana.

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  11. Hallo Elke,
    das ist ja wirklich goldig, dass der kleine Keimling bereits die weiße Zeichnung hat. Ach, das ist alles so spannend, wie aus unscheinbaren Samen die schönsten Pflanzen werden. Ich habe wieder aus einer Dahlie (dieses Mal einer gefüllten, zweifarbigen) Samen gewonnen und freue mich jetzt schon auf das Ergebnis nächstes Jahr.
    Ich drücke Deinem Winzling die Daumen, dass er unbeschadet über den Winter kommt!

    Liebe Grüße von Bärbel

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  12. Liebe Elke, ein wundervoller Post - wie immer :) Die Aussaat von Alpenveilchen habe ich selbst noch nie versucht, aber gut zu wissen, dass man auch damit Erfolg haben kann. Ich drücke Dir jedenfalls ganz fest die Daumen, dass die kleine Pflanze den Winter gut übersteht und nächstes Jahr prächtig weiterwachsen kann!

    lg kathrin

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  13. Liebe Elke, also wenn ich so ein zartes Ding wäre und mir aussuchen könnte, ob und wenn ja, wo ich keime - dann nur bei Dir! Sehr schöner Post!
    Danke auch für Deine lieben Worte bei mir! Ja, man kommt mit Öffentlichen zur Späthschen Baumschule, nicht so ganz direkt, aber mit ein-, zweimal umsteigen klappt das ganz gut. Es ist ein wenig am Stadtrand, aber die Reise dahin lohnt sich wirklich! Wenn Du magst (und Dein Besuch auf ein WE fällt), sag doch Bescheid, dann fahren wir gemeinsam hin! Viele liebe Grüße, Dagmar

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  14. Wie goldig dein Winzling ;) Ich drücke dir fest die Daumen, dass diese Kämpfernatur den Winter gut übersteht ;)

    LG Sandra

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  15. Hallo Elke,
    bisher habe ich nicht daran gedacht Alpenveilchen aus Saatkörnern selbst zu ziehen. Aber dein Post ist so interessant, dass ich von meinen verschiedenen Alpenveilchen auf jeden Fall Samen nehmen werde. Ob ich dann auch so ein tolles Erfolgserlebnis wie du habe, wird sich zeigen. Ich finde dieses winzige Blättchen einfach toll.
    LG Anette

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