Sonntag, 31. Juli 2011

Nachrichten aus dem Garten

Erinnert ihr euch noch an den Partylöwen, der eine laue Sommernacht mit seinem Duft verzaubert, das Taubenschwänzchen anlockt und mit seinen Beeren die Vögel sattmacht?
Und das alles gleichzeitig?

Das Waldgeißblatt schafft sowas mit Leichtigkeit - eine stabile Rankhilfe vorausgesetzt.
 


Allein die lauen Nächte sind momentan Mangelware, das Taubenschwänzchen ist im Sommerurlaub, und die Gimpel entwipfeln lieber die Akeleien-Samenstände als Geißblattbeeren zu verspeisen.

Entscheidend ist dabei, was hinten rauskommt - kombiniert man nämlich Gimpel und Geißblatt, so kann man sich über viele Jungpflanzen freuen. Und Jungvögel natürlich auch, denn gutgenährte Gimpel brüten besser.
Hat man keine Gimpel zur Hand, eignen sich auch Rotkehlchen als schnelle Brüter für Geißblattsamen.

Im Partylöwen-Artikel hatte ich angeboten, Geißblattnachwuchs zu verschicken, sollte noch jemand das rankende Gartenparfum beherbergen wollen.

Einige Zeit darauf befand sich eine nette Anfrage einer stillen Leserin nach solch einem Pflänzchen in meinem Postfach, und ich forschte sofort im Pflanzendschungel nach Geißblattbabies. Da war auch eins zu finden - schnell ist es mir auf die Schüppe gesprungen und dann ab damit in den nächsten Topf, zur weiteren Beobachtung, denn ich konnte ja schlecht einen unpässlichen Partylöwen quer durch's Bundesland schicken.

Ein paar Wochen und Gießkanneneinsätze später erschien das Geißblättchen fit genug, den Transport im dunklen Karton unbeschadet zu überstehen. Damit es ihm nicht langweilig wurde, bekam es zerknüllte Zeitungen mit auf den Weg.
Als Dankeschön erhielt ich Jungpflanzen von Phlox amplifolia "David", der jetzt in meinem Garten zum Goliath werden soll.

Darüberhinaus ward eine Emailfreundschaft begonnen, die jederzeit von überaus unterhaltsamer Natur war.


Unlängst erreichte mich schließlich eine Nachricht vom kleinen Geißblättchen höchstpersönlich - inklusive aktuellem Passfoto, die ich so amüsant fand, dass ich sie euch nicht vorenthalten will:


"Hallo Chefin,
bei den neuen Menschen gehts mir schon ziemlich gut, ich muss mich aber hier noch weiter umschauen. Ich habe eine absonnige Wohnung mit Humus-Teppich und Dachfenster bezogen. Aus dem Fenster kann ich ausser Himmel noch nichts sehen, ich strenge mich aber täglich an.

In dem Apartment rechts von mir wohnen zwei lebenslustige Mädels. Die  schminken sich dermassen grell in Rot-Violett, dass man neidisch wird! Sogar bei dem Regen der letzten Tage hat man sie nie ohne Make-Up gesehen ... und das bei ihrem Schicksal! Kannst Du mir sagen wer/was ein Discounter ist? Als wir uns mal über die vorherigen Adressen unterhalten haben, haben die beiden von lauter Angst geflüstert und ich habe nur "Durstfolter" und "Koma" verstanden. Sie meinten, was "Discou..." ist will ich lieber gar nicht wissen. Beide sind aber sehr zufrieden mit den Menschen von hier. Sie sagten, man hat sie bestens versorgt, den Namen Fuchsia gegeben, eine Reha spendiert und sogar einen Winter-Urlaub in St.Souterrain  angekündigt. Na wenn das so ist, dann glaube ich auch dran, was man versprochen hat.

Ich soll mich bitte in kommender Zeit im Keller umschauen. Falls es mir dort – wie der Familie von links – vor lauter Holz des Nachbarn zu eng wird, werde ich zwei Wohnungen weiter umziehen dürfen. Die Spedition organisieren die Menschen, ich muss nix tun ausser Bescheid zu sagen. Soll ich bleiben wollen, wird der Dicke (der mit dem Holz im Keller) nicht so hoch bauen dürfen, dass mein Dachfenster zu ist. Ich kriege auch, wie alle anderen, jedes Jahr 5cm von neuen Teppich frei Haus geliefert.

Ausserdem bekommen wir – die anspruchsvolle Dame von gegenüber (eine Montana) und ich – einen sehr-sehr ordentlichen Rosenbogen. Der aktuelle hat angeblich (sagen die Menschen, ich habe es noch nicht wirklich ausprobiert) den Namen nicht verdient. Die Konstruktion musste aber damals mega-schnell da sein, weil Mademoiselle Montana quasi über die Nacht mit Sack und Pack aufgetaucht ist. Die Menschen stünden stramm, sagen die Fuchsien. Sie sollte "ein Ersatz für den ollen Stab, aber dalli!" geschrieen und mit der Welke, der Nacktschneckenzucht und einem Streik gedroht haben ... sie wäre schließlich eine HYBRIDE vom Züchter und bräuchte fürs Wachstum anständige Bedienung. Na so was! Gut, dass uns ein Streifen Rasen trennt! Sollen wir uns tatsächlich auch den neuen Rosenbogen teilen, dann zeige ich ihr, was Wachstum ist! Mal sehen, ob sie mithalten kann. Die Fuchsien wollen demnächst drauf wetten. Welche von den beiden für mich ist, habe ich noch nicht rausgefunden. Ich werde beim Mulchkränzchen-Tratsch die Blätter spitzen, dann wissen wir Bescheid, wer mir hier grün ist.

Bis dahin und grüß mir die Gießkanne!
dein Geißblatt"
:-) aufgeschrieben von H., die ebenfalls ganz lieb grüßt!

Mittwoch, 27. Juli 2011

Der dritte Bildungsweg

Ich bin wieder zur Schule gegangen. Ohne Schultüte, aber mit Internetanschluss. Man muss ja mit der Zeit gehen.
Während ich mich bislang erfolgreich dagegen gewehrt habe, im Gesichtsbuch (das mit dem "Gefällt mir!") zu erscheinen, blogge ich zu meiner grenzenlosen Verblüffung mittlerweile. Das hätte ich vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten.

Und weil ich einen kleinen Gartenblog betreibe, hatte ich die Ehre, kostenlos einen Kurs bei der neugegründeten britischen Online-Gartenakademie "MyGardenSchool" zu belegen.
Sowas lasse ich mir als überzeugte Anglophile nicht zweimal sagen, finde ich es doch immer noch eine bodenlose Schande, dass die großartige BBC-Serie "Wild about your garden" niemals im deutschen TV zu sehen war, noch nicht einmal schlecht synchronisiert.
Desweiteren bin ich immer wieder davon begeistert, dass in Groß-Britannien Gartendesigner gefeiert werden wie hierzulande Fußballprofis, obwohl letztere meist nur eine Sorte Pflanze kennen: Rasen - und dann auch noch den lieben langen Tag auf eben diesem herumtrampeln.
Auch das Wort "gardening" gefällt mir, während man im deutschprachigen Raum lieber von Gartenarbeit spricht - also mehr ein lästiges, aber notwendiges Übel beschreibt.

Und nun hatte ich also die Qual der Wahl, mir einen der vierwöchigen Lehrgänge auszusuchen.
Natürlich in englischer Zunge.
Englisch ist aber zum Glück die einzige Fremdsprache, mit der ich mich einigermaßen wohlfühle und mehr kann, als nur ein Bier bestellen und dann die Antwort nicht verstehen, sollte sie mehr als drei Wort umfassen (zumindest, wenn keine Amerikaner spricht).

Verlockend waren die Kurse alle - von einem über Englische Rosen unter Leitung von Michael Marriott (Austin Roses) angefangen, bis hin zu Gartendesign mit dem bekannten Designer John Brookes.

Entschieden habe ich mich schließlich für "Flower Photography" mit Sue Bishop.



Viermal Samstags wird eine neue Lektion online abrufbar gemacht, die aus einem Video besteht mit Kommentaren des Tutors - in verständlichem Englisch. Das Alles ist gut gemacht und zeigt die tollen Fotos von Sue Bishop, aber auch die weniger gelungenen Beispiele (die immer noch toll aussehen) als Ausgangspunkt für Verbesserungen.
Das Ganze wird als Folien präsentiert, die sparsam mit Text unterlegt sind, was ja eine gute Präsentation ausmacht.
Den gesamten Text mit den Beispielbildern kann man sich auch als PDF herunterladen.


 
Jede Woche gibt es eine Hausaufgabe, die aus je einer Übung zum Thema Licht, Tiefenschärfe, Farbe oder Komposition besteht. Drei Bilder gilt es einzureichen, für die man eine Expertise erhält.
Darüberhinaus kann man mit seinen Klassenkameraden Textnachrichten austauschen, aber auch den Tutor mit Fragen zur jeweiligen Lektion löchern.


Ich wusste zwar schon viel über Fotografie, aber die Übungen wecken auf jeden Fall Ehrgeiz, und ich gab mir größte Mühe, meine Hausaufgabe nach Feierabend beim bestmöglichen Licht in den Kasten zu bekommen.



Soviel Expertenrat kostet leider aber auch Geld - £120, um genau zu sein, was ich mir sicher nicht gegönnt hätte, muss ich sagen.

Schade war, dass man die Bilder der Klassenkameraden nicht sehen konnte. Das hätte sicher noch einmal zusätzlich motiviert.
Zum Abschluss erhält man schließlich ein Zertifikat, das man selbst ausdrucken kann.
Das ist ein wenig schade, denn eine offizielle Urkunde mit Brief und Siegel vom Veranstalter eigenhändig verschickt würde selbstverständlich mehr hermachen. Wer etwa im Bekanntenkreis als Gartendesigner tätig werden möchte, könnte so ein Zertifikat mit Echtheitssiegel sicher gut gebrauchen.

Spaß hat es in aber jedem Fall gemacht und ich habe viel gelernt - Sue Bishop gibt ausführliche, konstruktive Kritik und liefert mit ihren fantastischen, preisgekrönten Bildern die besten Inspirationsquellen und Motivationshilfen gleich mit.

Danke, dass ich dabei sein durfte! Und die Kamera werde ich den ganzen restlichen Sommer und darüberhinaus nicht mehr aus den Händen legen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Illegale Einwanderer

Manchmal kommt es mir so vor, als wäre mein Garten die Anlaufstelle für illegale Einwanderer oder anderweitig politisch verfolgte Flora.
Immer wieder schafft es ein Pflänzchen über die grüne Grenze in mein Reich.
Die Migranten versuchen erstmal unterzutauchen und im Schatten anderer grüner Gestalten unerkannt zu bleiben.
Spätestens aber, wenn sie nicht mehr an sich halten können und blühen müssen, geht es zur Passkontrolle.
Denn eine Pflanze muss tun, was eine Pflanze tun muss, und so fällt es dem Gärtner viel leichter, die Identität eines unbekannten Gewächses zu lüften, wenn es schließlich blüht.

Grundsätzlich schaue ich dem munteren Treiben ja auch erstmal zu, bis ich zweifelsfrei den Namen einer Pflanze kenne. Dann tagt die Einwanderungsbehörde (meine Wenigkeit sowie als Berater mein Gewissen) und entscheidet im Stillen Kämmerlein, ob die Spontanvegetation des Gartens verwiesen wird oder das Bleiberecht erhält.

Nach der hübsch blauen Pentaglottis, die sich rotzfrech im Garten aussät, aber bleiben darf, weil sie so genügsam und ausnehmend schön ist, trat nun der nächste Kandidat auf die Bildfläche.

Argwöhnisch beobachtet hatte ich ihn schon länger. Er soll nicht glauben, dass er monatelang erfolgreich meiner Aufmerksamkeit entgehen konnte, das wäre ja gelacht.
Und er hatte meinen vollen Respekt - setzte er sich doch gegen die verschattende Frauenmantelnachbarschaft durch und überlebte Wurzeldruck, Trockenheit und wenig Licht so gekonnt, dass sich der Vergleich mit den Straßenhunden auf Mallorca aufdrängte.

Jetzt blüht die Pflanze endlich und ich konnte zu kriminalistischen Analysen greifen.


Gegenständige Blätter, behaarter Stengel, Kugelblüte....
Mir war sofort nach Kardengewächs zumute.

Und richtig, da war sie ja, die Behaarte Karde (Dipsacus pilosus, Syn.: Virga pilosa), eine einheimische Pflanze, die selten zu finden ist und den Schatten liebt. 
Volltreffer, dachte ich - die darf bleiben. Eine Karde in Ehren kann doch niemand verwehren, noch dazu, wenn sie ohne botanischen Migrationshintergrund daherkommt.

Doch halt, was steht hier denn...
Dipsacus strigosus.... regional fest eingebürgerter Neophyt.... fast immer mit Dipsacus pilosus verwechselt worden und daher bestimmungskritisch... 
Und vor allem war es da wieder, das böse Wort: Neophyt!


Die Unterscheidung soll ganz einfach sein: D. pilosus hat schwarz-violette Staubgefäße, D. strigosus dagegen helle, gelbliche oder grünliche, außerdem überragen hier die Spreublätter die Krone deutlich.

Also noch mal genauer hingeschaut:


Bingo, da haben wir den Salat - der Neue sieht eher nach dem berüchtigten Neophyten aus.

Falls jemand mitliest, den diese Pflanze interessiert: Hallo da draußen! Vermelde Anwesenheit von Dipsacus strigosus in Ostwestfalen! Verdächtiger (noch) nicht flüchtig.

Was meint ihr also, verehrtes Publikum - darf diese weiße Karde bleiben?
Zu ihrer Verteidigung kann man eine durchaus schmucke Blüte und eine generelle Beliebtheit beim Hummelvolk ins Felde führen. Dazu kommt noch die Schattenverträglichkeit.


Frage ich also die Jury: Raus damit oder verblühen lassen?
Damit ist das Schicksal meiner Dipsacus strigosus für die Geschworenen zur Diskussion freigegeben.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Was macht eigentlich....

"Was macht eigentlich ...?" ist eine Frage, um die sich gern gewisse hochnotpeinliche Zeitschriften kümmern, die man höchstens notgedrungen und ganz, ganz heimlich beim Friseur oder beim Zahnarzt liest, um sich die Wartezeit in Ermangelung von Alternativen zu vertreiben. Jederzeit darauf hoffend, dass nicht doch ein Bekannter den Salon/die Praxis betritt, der uns als begeisterter Leser der Regenbogenpresse enttarnen könnte.
Was wir ja nicht sind, außer in Notwehr, denn die Lektüre ist ungefähr so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.

Besagte Fragestellung dieser allseits bekannten literarischen Glanzleistungen rankt sich meist um abgetakelte Prominente oder solche, die es nie wirklich geworden sind, aber zur Not auch Seiten füllen, wenn sie einen skandalösen Lebenswandel führen. Stars und Sternchen, die von schlimmen Schicksalsschlägen heimgesucht wurden, gehen zur Not auch.

Wer also diesen wichtigen Informationen einige Lebensqualität abgewinnen kann, findet sie in Zeitschriften, die eines oder gleich mehrere der folgenden Worte im Titel führen: "Frau", "Aktuell", "Revue", "Neu", "Woche", "Golden".

Woher ich das weiß? Ein Friseurbesuch oder vergnügliche zehn Minuten in einer Kassenschlange zur Mittagszeit in Gesellschaft älterer Damen bilden ungemein. Das ist aber immer noch besser als das Zahnarztwartezimmer.

Und auch ich möchte mich heute der Frage "Was macht eigentlich...?" widmen.
Keine Sorge, es wird botanisch, denn es soll um alte Bekannte der letzten Monate gehen, deren Lebenslauf einer kleinen Auffrischung bedarf:

Auf Platz 1: Der Korallenstrauch


Das niedliche Nachtschattengewächs spielt auch in seiner zweiten Saison den Alleinunterhalter und zeigt den Tomaten, was eine Frucht ist. Ähnlichkeiten mit diesen sind rein zufällig und bergen einiges Gefahrenpotential - Besuchern sollte man den kleinen Strauch daher vorsorglich vorstellen, bevor von der verbotenen Frucht genascht wird.

Überwintert im kühlen Schlafzimmer ist er immer noch im alten Topf zufrieden.
Mal sehen, ob er auch einen dritten Sommer schafft. Ich bin da ganz zuversichtlich.

Auf Platz 2: Die ehemals schlappen Kartoffeln

Die alten Schrumpfköpfe, die ich im März wunderbar vorgetrieben unter die Erde gebracht habe, waren zwischenzeitliche Sorgenkinder, wurden sie doch von allerlei Nacktschnecken gebeutelt. 
Dank Hornspänen und Brennnesselmulch konnte ich aber doch letzten Freitag die sagenhafte Ernte von 400 Gramm feinsten Frühkartoffeln einfahren!
 

Die Ausmaße variierten zwischen Murmelgröße und ausgewachsener, supermarkttauglicher Riesenknolle:


Das Endergebnis - eine mediterrane Gemüsepfanne mit Paprika und Zucchini für zwei Personen:



Auf Platz 3: Der Sperrmüllfund des Jahres

Der antike Topf Marke "Constantia" darf ab sofort meinen riesenhaften Ficus lyrata beheimaten:


Nachdem die olle Geigenfeige schon die Zimmerdecke erreicht hatte und in Ermangelung eines weiteren lohnenden Lebensziels in sich zusammengesackt war, musste ich ihr die Spitze kappen.
Als Entschädigung für diesen gravierenden Einschnitt in ihre Pflanzenwürde wurde sie umgetopft, in den schönen alten Metallübertopf verfrachtet und die abgeschnittene Spitze daneben in die Erde gesteckt.
Ob sich diese weiterentwickeln kann? Man wird sehen.
Die neue Spitze aber treibt schon aus und scheint sich endlich zu verzweigen:


So, das war die Pflanzenrevue für diese Woche.
Schalten Sie auch nächstes Mal wieder ein, wenn es heißt: "Was macht eigentlich... ?"

Freitag, 15. Juli 2011

Der König ist tot - es lebe der König!

Da habe ich ja vor ein paar Tagen noch in den höchsten Tönen von meinem Herzensbrecher, dem Geranium "Jolly Bee", geschwärmt, und nun erfahre ich, dass die Sorte aufgehört hat, zu existieren.
Ein DNA-Test hat ergeben, dass sie sich nicht genug von "Rozanne" unterschied. Deren Züchter hatte gegen die hübsche Konkurrenz geklagt. Es ging um's Geld, nicht um Schönheit.



Dabei haben sich grübelnde Gärtner überall auf der Welt schon seit Jahren den Kopf zerbrochen, um doch noch Unterschiede zwischen den beiden so ähnlichen Sorten "Jolly Bee" und "Rozanne"  herauszufinden.
Einer fand die Blüte der einen Sorte ein bisschen blauer, ein anderer bemerkte ein differierendes Wuchsverhalten.Vielleicht hat sogar jemand bei eingehender Betrachtung unter dem Rasterelektronenmiskroskop herausgefunden, dass die Wurzelhaarspitzen von Rozanne bei zusammengekniffenen Augen etwas pummeliger erscheinen.


Und nun war alle Mühe, alle Fantasie, umsonst: Die Lustige Biene darf nicht mehr vermarktet werden.
Jolly Bee ist tot - es lebe Rozanne!

Dabei ist mir der Name "Jolly Bee" viel sympathischer, denn er drückt genau das aus, was die Bienen fühlen mögen, wenn sie über Monate hinweg eine der verlässlichsten Nahrungsressourcen seit der Erfindung der öfterblühenden Rosen vorfinden. Kein Suchen mehr nach neuen Quellen, keine Umwege mehr fliegen - der Herzensbrecher ist ja stets mit seinem Blütenangebot zur Stelle. Zuverlässiger wäre nur noch ein Glas Honig, aufgeschraubt versteht sich.


Was mich wundert, ist die Schlagkraft des DNA-Tests.
Falls, wie es den Anschein hat, die eine Sorte in den USA gezüchtet wurde, die andere in Europa, und beide Sämlinge waren - wie können sie dann im Genmaterial nahezu identisch sein, außer es wurden aus Versehen zwei Pflanzen derselben Sorte beprobt? Die Erbanlagen ihrer Eltern glichen sich sicherlich auch nicht wie ein Ei dem anderen.
Schließlich kann ich auch viele Rosensorten nicht unterscheiden, unterstelle aber trotzdem, dass es sich um verschiedene Varietäten handelt.

Aber gegen Gentests als Beweismittel und horrende Geldsummen für Anwälte kann man wohl nicht ankommen - und so wurde die unliebsame Zwillingssorte des Marktes und damit der Gärten verwiesen.

Das Etikett meiner Jolly Bee (die Pflanze ist übrigens völlig überraschend nicht zum Verzehr geeignet) werde ich jedenfalls hüten - dessen DNA wird zweifelsohne mit einem Etikett von Rozanne nicht zu vergleichen sein.

 
Vielleicht wird es in ein paar Jahrzehnten so sehr an Wert gewonnen haben, dass ich mich auf eine Ostfriesische Insel absetzen kann. Eventuell reicht es aber auch nur für die nächste Verkehrsinsel.

Bis dahin freue ich mich an meinem nun sehr exlusiven Geranium Jolly Bee, das wohl so nicht mehr im Handel zu finden sein wird.
Wer die verbotene Sorte vermehren möchte: Carmen aus dem Schweizergarten hat beschrieben, wie es geht.

 
Und sollte ich tatsächlich mal umziehen - der Herzensbrecher muss mit!

Mittwoch, 13. Juli 2011

Herzensbrecher

Achtung, diese Pflanze wird dein Leben verändern.
Nicht etwa, weil sie irgendwelche obskuren Heilkräfte besitzt, Zecken fernhält oder gar die Lottozahlen mit ihren Staubgefäßen vortanzt, nein, ihre Waffen sind subtiler:
Diese Gewächs ist der Herzensbrecher unter den Stauden, der Don Juan der Botanik.
Er wird dafür sorgen, dass ihr monatelang nichts anderes fotografiert, als ihn, bis die Festplatte voll ist oder der Akku leer, was auch immer zuerst eintritt. Ihr werdet jedem, der es nicht hören will, von ihm in den höchsten Tönen vorschwärmen, bis euer Bekanntenkreis einen weiten Bogen um euren Garten macht, um nicht schon wieder endlose Lobeshymnen und Liebeserklärungen zu dieser einen Pflanze über sich ergehen lassen zu müssen.

Jeder Gang in den Garten wird zuerst ihm gelten.
Jedes Unkraut tut gut daran, nicht in ihm zu wachsen.
Jede Schnecke sollte einen weiten Bogen um ihn machen.
Was sie aber zum Glück tatsächlich ganz brav tun. Die Läuse ebenfalls.

Dieses Wunderkraut ist ein blauer Storchschnabel mit dem schönen Namen "Jolly Bee".
Und die Worte, die ihr euren Freunden immer wieder wie im Delirium vorfaseln werdet, sind "Mai" und "Oktober".
Das ist nämlich die ungefähre Zeitspanne, die die "Lustige Biene" ohne Unterlass blühen wird.
Ehrenwort, das schafft sie locker und garantiert ohne müde zu werden.


Wie sie das macht? Kunststück: Der blaue Casanova ist eine sterile Hybride, muss sich also nicht um Nachwuchs kümmern und das leidige Thema der Arterhaltung ist für ihn völlig uninteressant. Dafür sind nämlich Gärtnereien zuständig - ist er nicht ein cleveres Kerlchen?

Jolly Bee kann sich ganz und gar auf die Blumen und die Bienen konzentrieren, ohne die Konsequenzen ausbaden zu müssen. Müssen wir auch nicht - ohne Schnitt und Ausputzen blüht die Pflanze immer weiter bis zum ersten Frost, wenn man Glück hat.


Und die Bienen lieben diesen Storchschnabel tatsächlich heiß und innig und freuen sich über die monatelang nicht versiegende Pollen- und Nektarquelle.


Die blauen Blüten ordnen sich unter und passen farblich zu allem, was nebenan wächst.
Das ist auch gut so, denn Don Juan wird in seiner langen Blütezeit auf sehr viele Partner treffen.

Mit Augusta Luise

Mit Frauenmantel

Kommen wir nun zu einem unangenehmen Thema: Dem Preis.
Den vergisst man zwar schnell wieder bei so einem grandiosen Anblick, aber es muss gesagt sein, dass "Jolly Bee" nicht zu den ganz günstigen Stauden gehört.
Sämlinge vom Nachbarn abzustauben scheidet ja nun leider aus, aus besagtem Grund.

Auch ich musste schlucken, als ich die Töpfe im Gartencenter mit 7 Euro beschriftet sah.
Und ich habe sie nicht gekauft. Nicht zu dem Preis. Zwei Wochen später, als nur noch ein paar Töpfe übrig waren, kosteten sie nur noch die Hälfte, obwohl sie immer noch blühten (wäre auch komisch gewesen, wenn nicht...).

Man sollte aber fairerweise dazu sagen, dass man auch sehr viel Staude für das Geld bekommt.
Nicht nur auf die Blüten oder die Zeit umgerechnet, sondern auch was die Größe angeht: Dieses Geranium bedeckt locker einen Quadratmeter Garten ganz allein! Man benötigt also wirklich weniger Exemplare als bei anderen Stauden - aber eben auch eine Festplattenerweiterung für all die vielen Portraits...




So stürmisch Jolly Bee im Sommer ist, so schüchtern gibt er sich im Frühjahr.
Aber keine Panik, wenn mal noch kein Blattaustrieb zu sehen ist - das wird schon.
Danach ist er nicht mehr zu bremsen.

Aber ich habe euch gewarnt: Sollte eure Kamera irgendwann die Auslösung verweigern und andere Gartenpflanzen vor lauter Nichtbeachtung beleidigt das Blühen einstellen, solltet ihr zur Abwechslung mal etwas anderes als Jolly Bee bewundern. Die ganz ähnliche Sorte Rozanne vielleicht, die ist genauso empfehlenswert und ein ebensolcher Herzensbrecher....

Samstag, 9. Juli 2011

Superhelden

Superhelden haben es auch nicht leicht. Jeder erwartet von ihnen, dass sie überall die Welt retten, und zwar ein bisschen plötzlich. Geschäftszeiten interessieren niemanden - Schönheitsschlaf ebenso wenig (vielleicht sind deswegen viele Superhelden maskiert).
Und zu allem Überfluss müssen sie auch noch in den lächerlichsten Klamotten überhaupt herumlaufen.
Erwachsene Männer oder auch Damen in Strumpfhosen, mit Umhang und möglichst noch am hellichten Tag - da muss man schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein mitbringen. Aber Kunststück - mit Superkräften.

Normalsterbliche, die in der Fußgängerzone Eindruck schinden wollen, sollten sich ein solches Kostüm dagegen nur dann anziehen, wenn sie der staunenden Menge auch wirklich glaubhaft versichern können, dass sie jederzeit die nächste Hauswand emporklettern könnten, aber gerade zu sehr in Eile sind. Ansonsten verkehrt sich die Wirkung doch schnell in ihr Gegenteil. Hier kommt erneut der Gesichtsmaske erhebliche Bedeutung zu. Außer, es ist eine Bank in der Nähe, dann Obacht.

Botanische Superhelden haben so eine Maskerade gar nicht nötig. Sie überzeugen auch so, meistens mit inneren Werten.
Der Staudensuperheld schlechthin kann aber noch mehr - er beeindruckt schon durch schiere Körpergröße, die den Gärtner locker in den Schatten stellen kann. Im wahrsten Sinne.

Die Rede ist von der Stockrose (Alcea rosea). Allerdings ist der Name eine Mogelpackung, denn sie ist genausowenig eine Rose, wie Superman von der Erde stammt.
Sie gehört zu den Malven, daher wird sie auch korrekter Stockmalve genannt.
 

Ihren großen Auftritt hat sie ab etwa Juli.
Sie gehört in den Bauerngarten wie Lois Lane zu Clark Kent, macht aber auch andernorts eine gute Figur, nämlich immer eine schlanke, aufrechte.




Im Gegensatz zum Gemeinen Superhelden kann und darf sie einfach alles tragen. Rüschen stehen ihr genauso wie einfache Blüten, auch jede Farbe passt zu ihr. Die Palette reicht dabei von weißlich über Gelb und Rosa und bis hin zu fast schwarz:


Nur Blau weigert sie sich beharrlich zu tragen. Das hat sie dann doch mit der Rose gemeinsam.

Knospen

Nicht nur oberirdisch überzeugt die Stockrose mit ihrer schieren Größe, auch im Untergrund erreicht sie Superlative - der langen Pfahlwurzel ist es geschuldet, dass man die kurzlebige Staude nicht so einfach umsetzen kann, wenn sie eingewachsen ist.


Macht aber nichts, schließlich geht die Aussaat kinderleicht. Traditionsgemäß werden Stockrosensamen über den Gartenzaun weitergegeben oder gar bei einem Spaziergang an fremder Gartengrenze mitgehen lassen.




Die Samen keimen extrem gut und siedeln sich zur Not auch in der kleinsten Pflasterfuge an.

Aber auch dieser Superheld hat sein Kryptonit, und zwar Licht, beziehungsweise das Fehlen desselben.
Denn nichts ist schlimmer für die größenwahnsinnige Malve, als wenn sie im zarten Keimlingsalter böswillig von Gegenspielern beschattet wird. Das überlebt sie nicht.

Daher scheiterte auch mein Superhelden-Sozialhilfeprojekt im Vorgarten.
Die Besiedlung von kleinsten Bröckchen Erde in anderen Gärten verleitete mich zu der irrigen Annahme, dass auch mein kleines Beet die Bühne sein könnte für ein stattlliches Stockrosen-Ensemble.
Aber da hatte ich die Rechnung ohne die vorhandenen Stauden gemacht. Nur ein einziger der breit ausgestreuten Samen keimte und überlebte auch - blöderweise direkt hinter und halb in der Buchsbaumhecke.
Jetzt haben die Nachbarn mehr davon als ich, dabei hat das Prachtstück auch noch genau meine Malven-Wunschfarbe - das zarteste Rose, das man sich nur vorstellen kann:


Das Vorziehen in Töpfen bis zum jugendlichen Alter ist daher anzuraten, wenn größere Konkurrenz zu erwarten ist.

Das oben gezeigte Exemplar wurde übrigens das ganze Jahr noch nicht einmal gewässert - noch eine fabelhafte Eigenschaft, die nicht unerwähnt bleiben darf.

Also ran an die Stockrosen zum Samensammeln - denn Superhelden braucht das Land!

Mittwoch, 6. Juli 2011

Türsteher

Vor meiner Haustür steht ein Wächter.
Er ist schwer bewaffnet, zeitweise auch richtig sauer und steht auf einem Bein.

Der wahrscheinlich kleinste Vorgarten der Welt sollte nämlich auch in die Höhe wachsen, also musste ein Hochstämmchen her - wirklich nur ein Stämmchen, kein Stamm, das hätte den Rahmen gesprengt und das Pflaster gleich mit.

Nun gibt es eine illustre und elitäre Gesellschaft von allerlei Sträuchern am Stiel, angefangen von einer Hochstammrose über Nadelbäumchen bis hin zu edlen Ligustervarianten, die schon eine Ewigkeit zu einer Kugelform dressiert wurden.
Jedes Gartencenter bietet eine nicht endenwollende Auswahl feil von diesen Gewächsen, so dass dem willigen Käufer ganz schwindlig wird, auf dass er sich gar nicht mehr entscheiden kann.

Schließlich hatte ich doch noch eine ganze andere Idee. Warum nicht nur etwas Dekoratives, sondern auch was zum Spielen - und was zum Naschen?
Denn was all die teuren Ligusterkugeln nicht können, ist zum einen Essbares produzieren, und zum anderen den Winter überstehen. Zumindest bei den italienischen Vertretern kann man in der Hinsicht nicht ganz sicher sein - wenigstens die Veredelungsstelle muss man schützen, und dann sieht das Arrangement nicht mehr allzu dekorativ aus...
Und außerdem sind sie eben völlig unbillig. Nicht auszudenken, wenn man sie an einen strengen Winter verlieren sollte. Dann ist das Geheule nämlich groß.

Was also her musste war eine beerentragende Wollmilchsau, nämlich eine Stachelbeere - die sind unschlagbar günstig - um die 10 Euro für so eine gelungene Veredelung kann man schon schaffen - und dabei unschlagbar winterhart.




Und so nützlich! Nicht nur macht sie uns Freude, zudem gehört ihre (zugegebenermaßen nicht unbedingt spektakuläre) Blüte zu den Lieblingsspeisen der Roten Sandbiene (Andrena fulva). Die Blätter ernähren die Raupen des C-Falters, und uns ernähren die Stachelbeeren.

 
Eigentlich die Blüte einer Jostabeere, die ihrer Verwandten sehen aber ähnlich aus.
Beachten muss man lediglich, dass so ein Stämmchen nie selbständig wird und zeitlebens auf Stütze angewiesen ist - ohne Pfahl geht es nicht, dann kippt sie um oder sie bricht sich sogar die Krone ab.


Ein weiteres leidiges Thema ist der Stachelbeermehltau. Den will nun wirklich keiner, schon gar nicht an den Früchten, aber die können auch unter ihm leiden.
Es gibt zum Glück mittlerweile genug robuste Sorten, eine davon ist die Invicta, die Unbesiegbare.
Meine hört auf den Namen "Hinnonmäki Gelb" und ist ebenfalls weitestgehend frei von dieser Plage - wenn man sie im Spätwinter ordentlich frisiert mit einem Spitzenschnitt!
Die Astspitzen im Februar zu entfernen klingt komisch, hat sich aber bei meiner Hinnie absolut bewährt.
Seitdem ich das praktiziere hatte die Dame keinen Befall mehr mit der Pestilenz.
Das kommt daher, dass der Pilz auf den Triebspitzen überwintern soll (er verreist wohl auch gern).

Wenn man das alles beachtet, wird man viel Freude an seinem nützlichen Hochstämmchen haben.
Es sieht nicht so akkurat aus wie andere Sträucher, und piekst auch in Notwehr (das tun Rosen auch und alle lieben sie trotzdem), aber das Kunststück mit den essbaren Früchten macht ihm so leicht keiner nach!
Wer lieber Stachelbeeren ohne Stacheln möchte, dem sei der Pazifist unter den Sorten empfohlen, und zwar die robuste Sorte Pax.

Unter den seltsamsten Verrenkungen habe ich die Beeren dieses Wochenende gepflückt. Tat auch gar nicht weh (ich hab nämlich aufgepasst).
Die erste Marmelade ist schon fertig, der Rest wurde verwendet für Stachelbeerkuchen - insgesamt kommt sie dieses Jahr auf 2 kg Früchte!



Mehr Obst auf so kleinem Raum geht nun wirklich nicht.
Oder doch?
Ja, das geht, denn ein weiterer Vorteil eines Hochstämmchens ist, dass man es unterpflanzen kann.
Eine Stachelbeere ist da sehr tolerant gegenüber Mitbewohnern, solange sie nicht an ihr herumklettern.

Noch mehr Früchte bekommt man mit Walderdbeeren als Fußvolk:



Die sind aber eher was für die Hand in den Mund - auf Marmelade müsste man doch zu lange sparen.

Freitag, 1. Juli 2011

Der geliehene Garten

Ich sammle botanische Gärten wie andere Leute Briefmarken.
Aber halt - Briefmarken-Sammeln ist ja schon beinahe ein Anachronismus, also noch einmal das Ganze:
Ich sammle botanische Gärten wie andere Frauen Schuhe, wenn man dem Klischee glauben darf.

Natürlich kann man Gärten nicht wirklich "sammeln", man darf sie schließlich nicht mit nach Hause nehmen (im Unterschied zu Schuhen), aber man kann sie mit seiner Anwesenheit beehren, Fotos machen und Pflanzen studieren.

Wann immer ich in einer fremden Stadt bin, versuche ich herauszufinden, ob sie irgendwo einen botanischen Garten versteckt haben. Klappt natürlich nicht immer, so eine Örtlichkeit ist ja auch nicht ganz billig im Unterhalt. Dennoch kann ich es nicht verhindern, dass ich eine Metropole immer ganz geheim erst nach ihrer botanischen Grundausstattung beurteile und dann erst nach ihren Bauwerken - nur eine grüne Stadt ist eine gute Stadt!

Wenn man zuhause nur einen winzigen Garten zur Verfügung hat, kann man in einem botanischen mal sehen, wie es die Profis machen, und für ein paar Stunden erfahren, wie es ist, wenn Platz kein Luxusgut ist.
Wie sehen Pflanzen aus, wenn sie nicht in die Enge eines Reihenhausgartens gequetscht werden? Wie wirken Bäume, die ihre Persönlichkeit frei entfalten können? Wie glücklich sind Gärtner mit Auslauf?

Manche botanischen Anlagen zeichnen sich tatsächlich durch große Wiesenflächen oder waldähnliche Arboreten aus, die man unter einem halben Tag nicht alle ansehen kann, andere sind kleinteilig, und auch dort hat man immer das Gefühl, nicht alles gesehen zu haben - das ist der ewige Fluch bei dieser Art Ausflugsziel, bietet aber dadurch einen willkommenen Vorwand für einen erneuten Besuch.
Am besten sind daher natürlich diejenigen Gärten, die auch noch freien Eintritt bieten.

Und einen solchen habe ich neulich besucht: Den botanischen Garten Düsseldorf.

Der gehört der Kategorie "unendliche Weiten" an - riesige Wiesenflächen direkt an der Universität gelegen, aber auch architekonische Wunderwerke wie sein Markenzeichen, das futuristische Kuppel-Kalthaus mitten im Teletubby-Land:



Innen Drachenbäume, Kanarenflora, Baumfarne und anderes

Eine hängende Atlantische Zeder über dem Eingang

Außen Vulkanlandschaft
Palmen und Königskerzen

Die wichtigsten Dinge, die frau so braucht, wenn sie unterwegs ist, gibt es übrigens genau dort, in der Kuppel (die eine Notwendigkeit zieht natürlich unweigerlich die andere nach sich...):
 

In diesem spacigen Gewächshaus sollte man übrigens nicht allzu laut reden, und schon gar nicht lästern, denn die Kuppel wirkt wie ein riesiger Verstärker und lässt selbst ein Flüstern weithin hörbar werden. Am besten als ganz den Mund halten, auch wenn's schwer fällt.

Draußen hinter einem übergroßen Trompetenbaum die nächste Attraktion: Eine große Staude mit riesigen, rosa Blütenbällen, doch leider ohne Namensschild:



Bei der Recherche zuhause half mir überraschend ihre Nachbarin, eine weiße Schwalbenwurz, in deren Familie (Asclepiadoideae) sie nämlich gehört: Gewöhnliche Seidenpflanze (Asclepias syriaca).
Man muss schon spektakulärere Seidenpflanzen kennen, um dieses kugelige Wunderwerk mit Falterfutter als gewöhnlich abzutun...

Unbekannt blieb dagegen bis heute dieser schöne Steinbrech, der ein bisschen an das Oktoberle erinnert:



Weitere Attraktionen in Bildern:

Phlox und Gräser

Honigbienen

Lilium regale im Kräuterbeet

Wasser mit Libellen und Fröschen

Rosen, Schleierkraut und Taglilien
 

Bauerngarten
Weitere Gewächshäuser haben es leider nicht auf's Bild geschafft. Vielleicht, weil die Proteen im Südafrikahaus schon verblüht waren.
Alles in allem spürt man die Nähe zur Universität, die mit den Fachbereichen Pharmakologie, Biologie und Chemie den botanischen Garten zu nutzen weiß - überall finden sich wochentags Studentengruppen bei Freilandstudien. Die Glücklichen....

Die Fauna stellt sich jedenfalls ganz von allein ein bei so vielen Attraktionen:


Blattschneiderbiene

Osmia truncorum (?)
Wildpflanzen


...und auch ich werde mich gerne noch mal auf einen Besuch einstellen im botanischen Garten Düsseldorf - denn man geht nie zweimal in denselben Garten...

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...