Mittwoch, 26. Dezember 2012

Bundesgartenschau Bielefeld

Ich hab's ja immer gewusst: Bielefeld hat mehr zu bieten, als man so gemeinhin denken mag. Jetzt hat doch tatsächlich 2012 die Bundesgartenschau hier getagt und ich erfahre erst Ende des Jahres davon. Aber seht selbst, hier steht es Schwarz auf Weiß:

























Da hat doch tatsächlich jemand einen Fahrradständer in der Altstadt verschönert, in Grün und mit Blümchen. Bemerkt habe ich ihn aber erst an Weihnachten, als er es schon schwer hatte, gegen die Glitzerwelten der Glühweinbuden anzukommen. Guerilla-Gärtnern war gestern, jetzt wird Guerilla-Gestrickt! Eine durchaus reizvolle Idee, so fasst sich das Metall auch nicht mehr ganz so kalt an. Bielefeld blickt ja zudem auf eine lange Tradition der Textilverarbeitung zurück, da passt das irgendwie. Außerdem hat die Einkaufsmeile für meinen Geschmack sowieso einen eklatanten Mangel an Bäumen und Blumen zu beklagen. Aktionismus in Form von illegalen Anpflanzungen scheitert hier schon oft genug am versiegelten Boden. Zum Glück helfen jetzt Handarbeitsblümchen aus, denn wo man nicht pflanzen kann, muss man stricken! Keine echten Pflanzen also, aber allemal eine Augenweide.

Ein paar Fragen bleiben natürlich offen:

Wie kommt die Strickmanschette an den Fahrradständer? Man darf ihn schließlich aus gutem Grund nicht einfach aus dem Boden ziehen. Ob die kleine Bundesgartenschau ihm direkt auf den Leib gestrickt wurde, zumindest der abschließende Saum? Ist das Garn wirklich grün oder ist das schon Moosansatz? Gibt es noch mehr Kunst am Stahl in der Stadt verteilt? Und wie bitteschön häkelt man diese Blümchen überhaupt? Gibt es da Kurse für mit der Stricknadel bewaffnete Kämpfer pro urbanes (Woll-)Grün?

Bielefeld ist also durchaus bestrickend, und manchmal überrascht die Stadt sogar mit geradezu exotischen Blumen an ganz unwirtlichen Stellen, wie hier an der Kesselbrink-Baustelle, wo wilder Ysop auf der Fahrbahnbegrenzung wächst! Wie um alles in der Welt ist er nur dahin gekommen? Auch das ist irgendwie Kunst, wenn auch Überlebenskunst.


























Alternativ kann man auch mit dem Pinsel den Beton verschönern, wo sonst nichts wachsen will - immerblühender Hibiskus auch im Winter:


Ich gebe unumwunden zu: In Bielefeld ist beileibe nicht alles eitel Sonnenschein, aber es gibt Lichtblicke, und davon immer mehr. Nicht nur ist der kahle Kesselbrink (ein zentraler Schandfleck mit guter Verkehrsanbindung und Wochenmarkt) endlich begrünt worden und der Schützenberg-Park restauriert - 2013 wird sogar der botanische Garten um eine neue Fläche erweitert. Es wird eine große Blumenwiese geben, man darf gespannt sein. Und bis es soweit ist, stricken wir uns unsere eigene Bundesgartenschau einfach selber! Demnächst an Ihrem Fahrradständer!

Freitag, 21. Dezember 2012

Pleiten, Pech und Prachtspieren

Astilben oder Prachtspieren sind Stauden für andere Leute. Oder andere Gärten, ich weiß es nicht. In meinen Garten gepflanzt verwandeln sich auch Exemplare mit vormals exzellenter Reputation in siechende, blühfaule Elendsgestalten. Woher die Pracht in "Prachtspiere" kommt, kann ich also nur ansatzweise in fremden Gärten nachvollziehen, wo wohlgenährte Prachtkerle frech und angeberisch ihre Blütenkerzen hochhalten und mich nur an meine eigenen Misserfolge mit ihnen erinnern.

Astilben im botanischen Garten Bielefeld


Astilben haben ein Problem: Während viele Sorten durch ihre Schattentoleranz bei gleichzeitiger Schneckenabschreckung (eigentlich die perfekte Kombination) durchaus attraktiv erscheinen, vertragen die meisten nur schlecht eine Trockenperiode. Wenn man dann einmal nicht aufpasst und nicht gleich mit dem Schlauch Gewehr bei Fuß steht, war es das schon wieder.
Da die handelsübliche Vegetationsperiode mittlerweile immer eine Dürrezeit in Petto hat, die sich gewaschen hat, werden die Astilben in meinem Garten von Angstzuständen geplagt.
Und selbst wenn der Sommer und ich meinen, alles richtig gemacht zu haben, verweigern sie mir trotzdem die Blüte. Einfach so, aus Trotz. Ich wette, selbst die Astilbe arendsii-Hybride mit dem vielversprechenden Namen 'Obergärtner Jürgens' würde unter meiner Obhut erst streiken und schließlich kündigen.

Nein, Astilben und ich sind geschiedene Leute. Viel besser verstehen mein Garten und ich uns dagegen mit einem anderen Steinbrechgewächs: Der Heuchera, ganz besonders mit meinem Liebling "Palace Purple".

Seitdem ich dieses Jahr Unmengen Sämlinge gezogen habe, die der violetten Mutterpflanze wie aus dem Gesicht geschnitten sind, ist die violette Blattschmuckstaude meine neue Geheimwaffe für leere Beete (nicht dass ich noch welche hätte): Die Samenstände im Herbst einfach über abgeernteten Basilikum-Töpfen oder anderen offenen Stellen ausstreuen und dann vergessen. Auch Pflasterfugen sollten nach Beute abgesucht werden.
Das habe ich zwar letztes Jahr schon erzählt, aber da wusste ich noch nicht, wie der Nachwuchs sich so machen wird. Es gab nämlich gar keine neuen Sorten, und auch keine langweiligen Jungpflanzen, stattdessen verfärbten sich die winzigen Steinbrechbabies in kürzester Zeit violett - ganz die Mama also. Nie hätte ich gedacht, dass eine bunte Sorte tatsächlich sortenrein fällt.

Die Wachstumsgeschwindigkeit ist auch nicht von schlechten Eltern, so dass man in nur einer Saison eine ganze Beetbegrenzung in Purpur heranziehen kann, wenn man möchte.

Das geht so leicht und macht so einen Heidenspaß, dass ich mich schon zügeln muss, um nicht in Heuchera zu ersticken. Aber als Geschenk für nette Menschen sind sie ja auch ganz hervorragend geeignet, vor allem selbstgezogen und mit Stammbaum.

Trockenheit vertragen die Purpurglöckchen ebenfalls besser als ihre bucklige Verwandtschaft, die Prachtspieren.

Palace Purple und der Rest der Sippschaft haben mich dieses Jahr so sehr von sich überzeugt, dass ich ein bisschen genauer hingeschaut habe, denn im rechten Licht wirken die filigranen Blütenstände einfach fantastisch - hier mit Purpur-Sonnenhut im Gegenlicht. Dezent, aber wirkungsvoll und nie aufdringlich. Eine Zeit lang können sie tatsächlich als Gräser-Ersatz mit eingebauter Bienenbar einspringen, so fluffig sind ihre Fortpflanzungsorgane.




Prachtspiere oder Purpurglöckchen, das ist hier die Frage - meinen Favoriten habe ich gefunden. Wie haltet ihr es mit den Steinbrechgewächsen? 

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Pack den Tiger in den Garten!

Wer wie ich als Kind gebannt vor der Zeichentrickserie "Biene Maja" gesessen hat, der erinnert sich sicher noch an den dicken Willi, den Drohn mit der lustigen Stimme, der mit Maja die Schulbank gedrückt hat. Später erst lernte ich, dass das biologisch eventuell nicht ganz korrekt ist, denn was die männlichen Honigbienen so beigebracht bekommen, beschränkt sich eher auf: "Da ist der Ausgang! Schönes Leben noch!".
Dann dürfen sie zwar mit ein bisschen Glück noch die Königin heiraten, aber ins Familienalbum kommen sie damit am Ende auch nicht. Kurz ist ihr Leben - von royalem Pomp, Ruhm und Ehre keine Spur. Noch nicht mal einen Stachel haben sie, um damit zu bestechen oder einfach nur zur Selbstverteidigung.

Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber ich denke, das Leben der Drohnen der Honigbiene ist nur so mittelaufregend. Geradezu glamourös geht es dagegen bei den wilden Wollbienen zu, bei denen die Männchen größer und dominanter sind als die Weibchen und dabei relativ langlebig. Die Drohnen dieser tigerartig gestreiften Wildbiene sind die ganz großen Helden und echte Draufgänger!

Wer also statt des gemütlichen Honigbienenschleckens packende Verfolgungsjagden, Sex and Crime und ganz viel Action in seinem Garten sehen möchte, aber vor der Haltung von Großwild inklusive Tigern zurückschreckt, dem sie das Anlocken der Großen Wollbiene (Anthidium manicatum) ans Herz gelegt. Im Sommer braucht man dann keinen Fernseher mehr, denn spannender als "Biene Maja" ist das Beobachten allemal.

Mit den Waffen eines Mannes (Mitte)



In Wild-West-Manier überfallen sie unschuldige Blütenbesucher und verteidigen gleich einen ganzen Harem aus mehreren Weibchen inklusive deren Futterpflanzen. Kurz: Mit Drohne Willi haben sie in etwa soviel gemein wie ein Kampfhubschrauber mit einem Heißluftballon.

Sogar bewaffnet ist das Männchen bei dieser Art - nicht bis an die Zähne, aber mit gefährlichen Dornen und Spitzen am Hinterleibsende. Damit sollen sie dank einiger Nahkampferfahrung in der Lage sein, andere Insekten flugunfähig zu kratzen, denn bei Konkurrenz an den Futterpflanzen verstehen sie keinen Spaß, schließlich sind sie nicht die Wohlfahrt. Für Menschen allerdings sind diese Piekser keine Gefahr - der Drohn interessiert sich noch nicht mal für so große Wesen wie uns.

Man sollte sich also ruhig einmal mit einer Tüte Popcorn bewaffnet in ein Wollbienen-Revier setzen, es lohnt sich: Bei ihren Aktivitäten zuzuschauen ist in jedem Fall unterhaltsamer als Tatort oder Verbotene Liebe.
Auch das Paarungsverhalten der Wollbiene ist nichts für schwache Nerven: Immer wieder patroulliert der viel größere Drohn um die Blüten herum, schwebt ein bisschen auf der Stelle, wenn er ein Weibchen entdeckt hat, um sich dann pfeilschnell und überfallartig die Auserwählte zu schnappen für ein kleines Techtelmechtel.

Szenen einer Ehe

Bei soviel Aufregung im Bienenrevier ist dann auch schnell die Luft raus und Mister Macho braucht eine Verschnaufpause, vorzugsweise in der Sonne.

Wer die wilden Kerle also in seinem Garten zu Gast haben möchte, der muss nur die passenden Futterpflanzen anbieten. Die Wollbienen erscheinen dann plötzlich aus dem Nichts, obwohl man sie in der näheren Umgebung vorher nie gesehen hat. Da die Weibchen ihre im Boden oder in Spalten liegenden Niströhren mit Pflanzenwolle auskleiden, brauchen sie stark behaarte Pflanzen wie Woll-Ziest (Stachys byzanthina), Strohblume (Helichrysum), Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria) oder Deutschen Ziest (Stachys germanica).

Wald-Ziest (Stachys sylvatica)


Das allerbeste Lockmittel mit dem Prädikat "Wollbienes Liebling" ist das Herzgespann (Leonurus) - eine große Staude mit brennnesselähnlichen Blättern und kleinen Lippenblüten, die unermüdlich blüht. Ziestarten wie der auch zur Nistmaterialgewinnung benutzte Woll-Ziest, oder auch Heilziest und Wald-Ziest, sind andere passende Pflanzen. Sogar an Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) und Salbei (Salvia officinalis) konnte ich die Tiere schon beobachten.

Wer findet das Weibchen auf dem Bild in der Mitte?
Zum Glück sind diese Pflanzen nicht teuer, lassen sich leicht durch Ausläufer vermehren (Woll-Ziest, Wald-Ziest) oder aus Samen gewinnen (Heil-Ziest, Herzgespann, Kronen-Lichtnelke, Strohblume). Allen ist gemeinsam, dass sie nicht viel vom Leben erwarten, und weder viel Pflege noch viel Wasser brauchen. Nur genug Sonne soll es sein. Das finden die Bienen aber auch. 

Weibchen an Leinkraut




Den haarigen Woll-Ziest kann man sicher von irgendeinem Nachbarn bekommen, denn er wuchert sehr stark. Man muss nur darauf achten, eine wirklich blühfreudige Sorte zu erhaschen und nicht die allgegenwärtige, aber blühfaule "Silver Carpet", denn die ist nur der halbe Spaß, auch für die Bienen.

Für schnelle Erfolge sollte man noch unbedingt das Herzgespann auftreiben, dann lassen sich die Wollbienen schnell blicken und der Garten bekommt das Flair der Serengeti. Wenn auch nur im Kleinen.

Samstag, 8. Dezember 2012

Natürlich Elke, äh: Heike

Was macht der Föhn an der Zitruspflanze? Welches Insekt kann man mit einem ausgedienten, knallroten Brillenetui glücklich machen? Wie kommt die Birne in die Flasche? Und wie heißt das lästige Pelztier, das sich durch Holunderbrühe von den Pflanzenwurzeln fernhalten lässt?

Fragen über Fragen.... Die Antworten darauf hat Gartenexpertin Heike Boomgarden in ihrem Buch "Natürlich Heike - so lebe ich mein Gartenjahr" aus dem Ulmer-Verlag zusammengetragen, das sie zusammen mit Bärbel Oftring verfasst hat. Ich gebe zu, seit ich es gelesen habe, kneife ich bei seinem Anblick manchmal ein ganz klein bisschen die Augen zusammen und bilde mir ein, "Natürlich Elke" wäre auf dem schicken Einband zu lesen, denn Heike gärtnert mir so richtig aus dem Herzen - ohne Gift, mit beiden Beinen auf der Erde und den Händen im Kompost, so wie auch ich es gern tu.


Sätzen zum Thema Rasen wie "Leider wissen die wenigsten, dass solch ein grüner Teppich zum aufwendigsten und teuersten Teil des Gartens wird. Er ist die Diva!" kann ich nur bedingungslos zustimmen - endlich spricht es mal jemand aus!
Ich glaube, mit Heike kann man Heupferde stehlen.

Nachdem ich schon "Natur sucht Garten" der beiden Autorinnen kannte, war ich auf diese Neuerscheinung sehr gespannt. Viele Themen für das nachhaltige Gärtnern tauchen auch in "Natürlich Heike" wieder auf, aber dieses Buch ist ganz auf Frau Boomgarden zugeschnitten und man begleitet sie durch die Jahreszeiten in ihrem eigenen Garten. Ein bisschen erinnert das Ganze an die Bücher von Alys Fowler, die ja auch immer viele Selbstbildnisse der Gärtnerin enthalten.
Thematisch ist alles dabei vom Gehölzschnitt über Stauden und Zimmerpflanzen bis hin zu Behausungen für Insekten, sogar Rezepte und Deko-Ideen werden gezeigt. Immer ist viel Selbstgemachtes dabei mit kreativen Ideen.


Der Erzählstil ist stets locker, lustig und ganz persönlich, wie in einer Gartenkolumne. Daher ist man fast versucht, das Buch mit dem Textmarker in der Hand zu lesen (was sich natürlich bei so einem schönen Band verbietet), um auch alle wertvollen Tipps immer schnell wiederfinden zu können. Es gibt nämlich unglaublich viele Ratschläge für das günstige Gärtnern in diesem Werk zu lesen - vom Regenwassersammeln über den Kompost bis zu natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln.



Leider sind nicht alle von der Autorin so hochgelobten Pflanzen abgebildet (wie zum Beispiel die "Sieben Söhne des Himmels"), auch ihr Garten in Gänze wird nicht gezeigt, wie schade. Stattdessen gibt es aber immer wunderschöne Szenen und Blütendetails - dazu eine Heike Boomgarden, die ihrem Namen alle Ehre macht und immer fröhlich zu sein scheint, solange sie nur im Garten ist. Viele Bilder sind deshalb auch extra für dieses Buch geschossen worden und man merkt jedem Foto die Freude an den Pflanzen an.



Bei der Zielgruppe für dieses Buch bin ich ein wenig unentschlossen. Es ist eigentlich durchaus geeignet für Anfänger mit seinem frischen Fundus an Ideen, aber vielleicht finden sich Gartenneubesitzer nicht in dem epischen Erzählstil zurecht? Andererseits sind es gerade wenig vorbelastete Gärtner, die sich von dem naturnahen, zupackenden Gartenstil in diesem Buch anstecken lassen könnten. Vom Gartenvirus bereits befallene Leser aber werden sich mit vielen Dingen identifizieren und trotzdem noch neue Anregungen aufgreifen können.

Belehrend wirkt Frau Boomgarden dabei nie - im Gegenteil, allein durch ihre fröhliche Sicht auf die Gartendinge kann sie überzeugen. Und schon sucht man überall nach einem roten Brillenetui, um es mit Holzwolle gefüllt den Florfliegen zu opfern. Was es aber mit dem Föhn auf sich hat, verrate ich nicht, nur soviel: Die heiße Luft wird Früchte tragen!

Samstag, 1. Dezember 2012

Horror vacui

Horror vacui - die Angst vor der Leere, soll bekanntermaßen vor allem Künstler befallen, die dann zusehen, jeden Zentimeter weiße Leinwand oder Papier mit Details zu füllen. Ich kenne diesen Gemütszustand auch nur zu gut, allerdings im Garten. Ich möchte damit natürlich nicht sagen, dass mein Revier da draußen irgendetwas mit Kunst zu tun hätte. Das läge mir fern und wäre auch glattweg gelogen.

Nein, mit dem Horror vacui bin ich stets auf Du und Du, wann immer mir ein Stück blanke Erde entgegenlacht. So was kann ich allenfalls im Winter ausstehen, zu allen anderen Zeiten muss ich so ein kahles Fleckchen zügig in Grund und Boden bepflanzen.

Alteingesessene Pflanzen tun also gut daran, vor diesem manischen Blick zurückzuschrecken, den ich sofort bekomme, wenn ich ein bisschen Raum zwischen ihnen entdecke. Allzu bald wird ihnen ein neuer Nachbar aufgezwängt. Und so tobt in meinem Garten immer die Evolution: Ring frei - möge die stärkere Pflanze sich durchsetzen.

So kann das dann aussehen:

Geranium phaeum Samobor und Nachbarn

Campanula latifolia


Akelei, Pentaglottis und Tulipa tarda

Aber diese kleinen Lücken wissen findige Pflanzen auch ganz von allein auszunutzen und säen jede Nische gleich gewissenhaft zu. Vergissmeinnicht zum Beispiel. Und so kommt es, dass ich in meinem Garten während der Vegetationsperiode nur selten den Erdboden überhaupt zu Gesicht kriege.

Ganz anders sieht das in Töpfen und Kübeln aus. Frisch mit Blumenerde gefüllt, ist mir ihr Anblick mit so viel Braun ein Graus. So wie dieses Jahr, als ich stolz zwei klitzekleine Steckzwiebelchen in einem hübschen glasierten Behältnis geerdet hatte. Eigentlich war dort genug Platz für die Entfaltung ihrer Zwiebelpersönlichkeit, aber wie immer lebte ich im Hier und Jetzt und dachte: In so einem kleinen Garten ist soviel nackte Erde doch pure Platzverschwendung.

Und schwupps - hatten die beiden Gesellschaft von ein paar wirklich winzigen Sedum-Kindeln Marke Fette Henne. Nun ja - ich hatte gedacht, die neuen Nachbarn würden sehr lange sehr klein bleiben und einen brauchbaren Bodendecker für das junge Gemüse abgeben. Aber weit gefehlt, es kam ganz anders.


Die Fette Henne machte sich nämlich unglaublich breit und ihrem Namen alle Ehre. In atemberaubender Geschwindigkeit waren die Ableger in die Höhe geschossen und hatten die beiden Speisezwiebeln untergebuttert. Diese wiederum - mit weniger Ellbogenkraft gesegnet - machten sich dünn und wuchsen krakenartig und gar nicht dumm in die einzige Richtung, die genug Licht versprach: nach unten. Da der Topf in vorderster Front auf dem Gartentisch stand, war das eine gute Strategie.



Die wilde Wohngemeinschaft war zwar ein willkommener Anlass zu großer Erheiterung bei jeder Grillparty, aber was wäre die Gärtnerin, wenn sie nicht über sich selbst lachen könnte? Ein bisschen waren sie wie Pat und Patachon, Dick und Doof, Tom und Jerry oder andere ungleiche Paare.


Und dann schließlich, als die Fette Henne schon zum großen Finale ansetzte, konnte ich doch noch zwei prächtige Zwiebeln aus dem Topf ziehen. Oder wären sie ohne den raumgreifenden Nachbarn vielleicht noch dicker geworden?



Seit dieser Geschichte sehe ich beide Mitbewohner mit anderen Augen: Die so behäbig wirkende Fette Henne ist mir jetzt als ehrfurchtgebietender Senkrechtstarter ein Begriff. Die Speisezwiebel ist trotz beengter Verhältnisse eine wahre Kämpfernatur, solange sie nur von irgendwo noch genug Sonne abbekommt, und sei es von schräg oben.

Man sollte viel öfter Mut zur Mischkultur der unkonventionelleren Art haben - vielleicht finden sich doch ganz neue Traumpaare, von denen niemand etwas geahnt hat und die richtig Platz sparen im kleinen Garten. Und wenn es doch nicht klappt mit der Paarbildung, hält man die Streithähne eben im nächsten Jahr lieber voneinander fern.

Montag, 26. November 2012

Zweiter Frühling

So, liebe Gemüseindustrie, lieber Bauernverband und sonstige mit der Agrarwirtschaft verschwägerte Leser, dieser Beitrag wird euch nicht gefallen. Denn er wird alles andere als verkaufsfördernd sein, aber zu meiner Verteidigung möchte ich ausdrücklich und ganz entschieden betonen: Es ist ein Notfall. Wirklich. Da der Grüne Daumen nämlich im Winter nichts zum Austoben hat, muss er stattdessen mit dem Essen spielen. Aber nur in bester Absicht und nicht verschwenderisch. Im Gegenteil.

Wir wollen nämlich aus gebrauchten Frühlingszwiebeln neue machen. Geht ganz leicht: Alles, was man dazu braucht, sind - nicht ganz überraschend - Frühlingszwiebeln und ein bisschen Wasser. Hat man aus den grünen Bestandteilen einen leckeren Quark oder ein wahnsinnig gutes Wok-Gericht zubereitet, bleibt sehr viel Zwiebel übrig - dieser weiße, schlanke Teil mit Wurzeln dran. Den kann man einfach in eine Vase stellen, ein paar Wochen warten  - und schon gibt es neues Grün frei Haus! Gerade zu dieser Jahreszeit, wo das schlanke Gemüse von weit her kommt, macht es besonders viel Sinn, es noch mal wiederzubeleben.

Damit das gelingt, sollte man so kurz vor dem weißen Wurzelbereich aufhören mit dem Schneiden, so dass ein grüner Blattansatz übrig bleibt.

Nachgewachsen - man kann den Schnittpunkt noch erkennen

Dann hat die Zwiebel genug Kraft, um mit ihren gespeicherten Reserven noch einmal neues leckere Laub zu produzieren. Wenn die Temperaturen und die Jahreszeit es erlauben, können die Pflanzen alternativ auch in den Garten gepflanzt werden an einen sonnigen Platz. Dort wachsen sie sich bei guten Bedingungen noch zu einer schönen neuen Zwiebel aus, vielleicht sogar mit Blüte im nächsten Jahr.


Aber auch in der Vase auf der Fensterbank bekommt man mindestens noch eine neue Ernte hin, bis die Pflanzen dann langsam mal in Erde gesteckt werden möchten, denn ein so hoher Wasserstand ist auf Dauer nicht ihre Sache. Vielleicht machen sie eingetopft sogar als äußerst nützliche Zimmerpflanze eine gute Figur?

Dieser Art der Beschäftigungstherapie für gelangweilte Grüne Daumen eignet sich insbesondere, wenn man

  • konventionelle Frühlingszwiebeln zu Bioware aufbrezeln möchte
  • hoffnungslos eingeschneit ist und nicht zum Gemüsehändler kommt
  • nie weiß, wann der nächste Heißhunger auf Frühlingsquark sich meldet
  • gerade keine dekorativen Zimmerpflanzen oder Schnittblumen zur Hand hat

Ganz und gar nicht geeignet ist diese Methode für Menschen, die lieber das weiße untere Ende der Frühlingszwiebel mögen, denn das wächst leider überhaupt nicht nach, wenn man die Blätter allein ins Wasserbad stellt. Auch muss man sich keiner Illusion hingeben, dass die lustig bunten Gummibänder nachwachsen, von denen die Strünke so verkaufsfördernd zusammengehalten werden...

Aber ansonsten ist der zweite Frühling der Frühlingszwiebel eine tolle Beschäftigung für dunkle Wintermonate, die einem wieder mal Ehrfurcht-heischend beweist, wie viel Kraft doch in jedem noch so dünnen pflanzlichen Speicherorgan steckt. Hoch lebe Allium fistulosum!

Mittwoch, 21. November 2012

Gärtnerseelen

Bücher über gärtnernde Menschen gibt es viele. Meist sind es Hochglanzbände mit perfekten Grünflächen und deren Besitzern stolz mittendrin. Doch allzu oft überzeugen mich die Berichte über Frau Von-und-Zu oder so manches Mitglied des Geldadels nicht, die gestützt durch eine Armada von bezahlten Helfern es sich leisten können, bestens gekleidet und ohne Dreck unter den Fingernägeln für's Foto zu posieren - im Hintergrund ein Garten ganz ohne Fehler.

Überhaupt - diese perfekten Gärten! Sind sie doch bei Lichte betrachtet eigentlich noch viel einschüchternder als ihre wie aus dem Ei gepellten Eigner. Kein Kräutlein stiehlt einem anderen frech die Schau, pilz- und sorgenfrei überragen gut gelaunte Rosen einen strahlenden, sattgrünen Buchsbaum. Der Rasen ist einfarbig und gutgenährt, kein Gänseblümchen erdreistet sich ihn zu diffamieren in seinem grünen Ernst.

Schopftintling in meinem Rasen

Nein, so sieht mein Garten beileibe nicht aus, und seine Gärtnerin kommt oft genug mit dreckstarrender Jeans und zerzauster Räuberfrisur aus selbigem hervorgekrochen. Und doch macht nichts zufriedener als ein zünftiger Muskelkater nach gelungener Komposttransplantation auf die Staudenbeete.

"Sonst habe ich immer geträumt von anderen Gärten, die so hundertprozentig gelungen daherkommen. Vielleicht ist meiner nur zehnprozentig... egal, denn es ist meiner. Zu einhundertprozent meiner." - Mit diesem so treffenden Satz beginnt das neue Buch "Gärtnerseelen" aus dem Ulmer-Verlag, mit dem vielsagenden Untertitel "Warum Dreck unter den Fingernägeln glücklich macht".



Um dieser Frage nachzugehen, hat die Autorin Christiane Büch über eine Gartensaison hinweg 9 Gärten, einschließlich ihres eigenen, besucht und deren Besitzer durch die grüne Zeit begleitet.

Herausgekommen ist ein etwas anderes Gartenbuch, das die Gärtner in ihrem natürlichen Lebensraum ganz ungeschönt und in Interaktion mit ihren Pflanzen zeigt. Die Fotos sind eher Schnappschüsse als gestellte Hochglanzszenen, die Gartenbilder zeigen ungewohnte Perspektiven und intime Einblicke in durchaus auch mal wildkrautaffine Staudengesellschaften. Es werden Winterlinge aus Mäuseperspektive gezeigt, Türkenbundlilien unter schattigem Gehölz und immer wieder die Gärtner selbst in scheinbar unbeobachteten Augenblicken. Das Zymbelkraut darf im Efeu wachsen, als Experiment wird in einem Garten sogar ein Stück Beet sich selbst überlassen, um zu schauen, was sich spontan ansiedelt. Perfekt sind die Gärten in diesem Buch also nicht, aber dafür umso sympathischer.


Die Texte - mehr poetisch als praktisch - beschäftigen sich in Tagebuchform mit den Besuchen der Autorin in den jeweiligen Gärten, immer aufgelockert durch Gedichte, Briefe oder Gedankenspiele.

Die Gärten sind alle sehr unterschiedlich. Da ist der Familiengarten mit viel Gemüse, oder der Garten des Lilienzüchters. Da ist das große Parkanwesen einer alten Dame, und der Raritätengarten eines Ehepaares.

An Pfingsten werden alle teilnehmenden Gärtner zu einem Treffen eingeladen (doch nanu: sieht man auf dem Bild dazu nicht Schnee im Hintergrund?), um sich kennenzulernen und eine ganz besondere Blume mitzunehmen, eine Nördliche Dreiblattspiere (Gillenia trifoliata), deren Name aber nur der Leser sofort erfährt. Stattdessen sollten die Gartenbesitzer intuitiv herausfinden, wo die Staude gerne wachsen möchte. Das ist eine nette Idee, und so ist im weiteren Verlauf des Bandes viel Bild- und Textmaterial zur Gillenia zusammengekommen.


Ich habe dieses schön gestaltete, hochwertige Buch wirklich gern gelesen, zum Ende aber schlichen sich immer mehr Themen ein, mit denen ich nichts anfangen konnte, wie Bachblüten, Gärtnern nach dem Mond und immer wieder Adjektive wie "heilig" oder "urmütterlich", die mich nüchtern denkende Gärtnerin gestört haben. Richtiggehend irritiert hat mich schließlich das Zwiegespräch mit einer Cerinthe, die der Autorin offenbart, sie sei aus Atlantis. Wer sich gern mit diesen Aspekten des Gärtnerns beschäftigt, wird auch mit solchen Passagen Freude haben, denn Christiane Büch ist ein sehr persönliches Buch gelungen, und diese eher esoterischen Ausflüge in die Materie scheinen ihr wichtig zu sein.

Es sind dann Sätze wie "Sämlinge zu unterscheiden ist nicht einfach und nicht viele Gärtnernde könnes es. Bedauerlicherweise, denn ihnen entgehen die Geschenke des Zufalls.", die überzeugen.

Andere Passagen wie diese hier lassen mich glauben, Frau Büch wäre heimlich auch in meinem Garten zu Besuch gewesen, und zeigen außerdem, dass ein Garten nicht teuer sein muss:
"Viele der Pflanzen hier haben kuriose oder spannende Hintergründe. Sie sind weniger gekauft als zusammengetragen, abgezwackt, eingesammelt, aufgelesen, gebracht und geschenkt worden."

Ich hätte gern mit der Autorin geplaudert. Und vielleicht hätte sie auch in meinem wilden, winzigen, und gar nicht perfekten Garten irgendeinen Pflanzenschatz gefunden, über den es sich zu schreiben gelohnt hätte.

Samstag, 17. November 2012

Zermürbte Zieräpfel

Nach dem Riesenerfolg des Zierapfel-Wodkas letztes Jahr bin ich diesmal in die Großproduktion eingestiegen: Ein Zweiliter-Einmachglas musste her, um etwa 800g unschuldige Zieräpfel Marke Golden Hornet mit einem ganzen Liter Alkohol zu fluten. Selbstverständlich habe ich auf das Fehlen von Wurmlöchern geachtet, um nicht der Tierquälerei bezichtigt zu werden.

Es sind zwei hübsche Fläschchen à 0,75 Liter mit Hochprozentigem dabei herausgekommen - prächtig golden wie vormals die Früchte. Der schnöde Wodka konnte schließlich etwas Farbe vertragen und wurde gleichzeitig zum Bio-Getränk veredelt.


Nur die alkoholisierten Äpfelchen haben ein wenig unter der Prozedur gelitten. Schwammen sie zunächst noch fröhlich gelb in ihrem Aquarium umher, büßten sie allmählich etwas an Spannkraft und Gesichtsfarbe ein. Braun sind sie geworden im gelben Gesöff - unansehnlich und außerdem so besoffen wie die berüchtigte Piemontkirsche in ihrem Schokoladengefängnis

Was also tun, nachdem der leckere Trunk sicher in Flaschen eingesperrt war? Die ausgelaugten, hochprozentigen Früchtchen einfach in den Müll zu werfen, widerstrebte mir. Das hatten sie nicht verdient, außerdem waren es ja immer noch so etwas wie Lebensmittel, wenn auch an der Grenze zur biologischen Waffe. Der Kompost schied auch aus, schließlich wären die dort ansässigen Rötelmäuse schnell blau geworden und die Würmer hätten sich gekringelt, aber nicht vor Lachen.

Einfach in den Garten kippen geht auch nicht, es sei denn, man mag keine Amseln und möchte sie gern torkeln sehen.


Letztes Jahr habe ich die Zieräpfel durchgekocht, durch ein Sieb gestrichen und mit ein bisschen Gelierzucker zu Marmelade verarbeitet. Der Alkohol war dadurch zuverlässig verduftet, die Farbe dieser Frühstückskonfitüre aber gar nicht tischfein - braun war sie und am Rande von unappetitlich anzuschauen. Geschmeckt hat sie trotzdem.

Dieses Jahr bin ich dann auf die glorreiche Idee mit den Apfelpfannkuchen gekommen. Äpfelchen also halbiert und entkernt, was in deren mürben Zustand leichter geht als vor dem Alkoholbad. Die Küche riecht dabei wie die nächste Eckkneipe und man kann wirklich froh sein, dass die Fruchtfliegen um diese Jahreszeit schon Feierabend haben, sonst hätten sie sicher liebend gern ein kleines Gastspiel gegeben.

Als der ganze marode Haufen zubereitet war, habe ich den Teig in die Pfanne gehauen und mit den winzigen Apfelhälften garniert. In der Annahme, dass der Wodka schleunigst in der Hitze verdampft, hatte ich auf eine alkoholfreie Mahlzeit gehofft. Und was soll ich sagen? Der Alkohol ist geblieben. Geschmeckt hat es nicht schlecht, aber durchaus ungewöhnlich - wie Pfannkuchen mit Mon-Cherie-Pralinen oder einem guten Schuss Glühwein. Auf jeden Fall war es ein bisschen zu viel des Guten, aber ich war immerhin froh, die kleinen Bomben nicht an den Gartenvögeln ausprobiert zu haben.

Diese Art der Zierapfel-Zubereitung eignet sich besonders, wenn

  • man mit sofortiger Wirkung vom Küchendienst entbunden werden möchte.
  • ungeliebte Gäste schnell loswerden will, denn das Gericht ist Dessert und Absacker in einem, spart also Zeit.
  • man ein prima Mitbringsel für die Halloween-Party braucht.
  • man seinen Kummer mit Obst ertränken möchte (das klingt wenigstens besser und gesünder).

Wenn also niemand von euch eine bessere Idee hat, werde ich die Zieräpfel beim nächsten Versuch in süßem Teig versiegeln, ordentlich bei großer Hitze ausnüchtern und als Apfelkuchen auf den Tisch bringen. Dann ist der Wodka draußen und die braune Farbe auch schon egal. Alternativ kann man natürlich auch gleich Schnapspralinen draus basteln und somit aus der Not eine (Un)Tugend machen. Prost.

Sonntag, 11. November 2012

Dresdner Allerlei

Achtung, hier kommt ein Reisebericht. Ich möchte mich jedoch schon vorab in aller Form entschuldigen, dass ich ein ganz miserabler Tourist bin. Dabei gebe ich mir wirklich viel Mühe, sage pflichtschuldig "Ah" und "Oh" beim Anblick altehrwürdiger Architektur, wandere brav durch jede Form von Altstadt und tue alles nur Menschenmögliche, um meinen Respekt vor sämtliche Hütten und Palästen auszudrücken, die als sehenswert gekennzeichnet sind. Und das war's dann aber auch schon. Museumsbesuche und die Besichtigung sakraler Inneneinrichtungen stehen zumindest als guter Vorsatz stets auf dem Programm, aber wenn es dann vor Ort nicht gerade stürmt und schneit, versuche ich mich um derartige lichtscheue Aktivitäten herumzudrücken. Vorzugsweise im Grünen.

Ja, ich bin ein schlechter Tourist und sicher der Albtraum eines jeden Stadtführers. Mein Blick verweilt nie so lange auf historischen Gemäuern, wie es sich für einen respektablen Reisenden geziemt. Stattdessen entdecke ich unweigerlich Straßenbäume, die mich brennend interessieren, oder ich erspähe Turmfalken am Kirchturm, die mich fortan mehr fesseln als die Kirche selbst.

Bringen wir es also hinter uns. Für alle, die gerne wissen wollen, wie es in Dresden so ausschaut, hier nun die (fast) klassische Sicht auf die Altstadt, wie sie im Buche steht:

So, das wäre geschafft. Nun zu den kleinen, aber feinen Details, die die Stadt sonst noch zu bieten hat. Da wären zum einen die Blaseneschen (Koelreuteria paniculata) in der Altstadt, die sich in Dresden außerordentlicher Beliebtheit erfreuen. Ich kann verstehen, warum - ihre Herbstfärbung ist grandios.



Mitten in der Stadt gibt es schöne Staudenbeete mit Lampionblumen, Gräsern und Astern. Am Zwinger war ich außerdem von einer sehr großen Baumhasel (Corylus colurna) in Trauerform beeindruckt:


Zum Glück hat Dresden auch einen botanischen Garten, der allerdings nicht gut ausgeschildert ist. Man muss schon wissen, dass er da ist, um ihn zu finden. Wahrscheinlich ist er nicht das bevorzugte Ziel des braven Touristen, dabei kostet er noch nicht mal Eintritt. Und so hatten wir ihn an einem grauen Novembermorgen auch ganz für uns allein - unser eigener, privater botanischer Garten.

Allerdings wurden wir dort schon vor dem Betreten von allerhand Strauchdieben und Wegelagerern überfallen, die die sofortige Herausgabe von Esswaren forderten:


Ein Rudel von fünf Kohlmeisen sowie mehrere Eichhörnchen wurden extrem zudringlich. Das Mitführen von Nüssen oder Körnern als Wegezoll ist dringend zu empfehlen, um die gefräßige Bande zufriedenzustellen. Wer schon immer mal eine Kohlmeise in der Hand haben oder einem Eichkater ebendiese schütteln wollte, dem sei der botanische Garten in Dresden unbedingt ans Herz gelegt.

Weitere Attraktionen sind einige Tropen- und Kalthäuser mit allerhand kuriosen Pflanzengestalten wie Bandbusch, Baumtomate und Lulo (Solanum quitoense).


Die Außenanlage hat auch im November noch so einiges Staunenswertes im Angebot, wie die herbstblühende Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) oder den Asiatischen Spindelbaum (Euonymus hamiltoniana) mit Früchten im "Prinzessin Lillifee"-Farbschema (oben rechts im Bild). 

Für mich war diese Pflanze hier die ganz große Sensation: Ein Pärchen des zweihäusigen Osagedorns oder Milchorangenbaums (Maclura pomifera) gab mit seinen großen, enorm schweren Früchten an. Diese Dinger sehen aus wie der Muppetshow entsprungen, riechen verführerisch fruchtig und sind durch und durch rätselhaft. Der bedornte Baum mit seinem relativ kleinen Verbreitungsgebiet in den USA hat mittlerweile wenig Kundschaft - seine Früchte kommen in der Tierwelt nicht mehr gut an und werden kaum noch natürlich verbreitet. Man nimmt daher an, dass die Pflanze ein Relikt aus der Eiszeit ist und die Früchte in ferner Vergangenheit von Präriemammuts und Riesenfaultieren gefressen wurden (ein botanischer Krimi: The Ghosts Of Evolution - Nonsensical Fruit, Missing Partners, And Other Ecological Anachronisms). Ich für meinen Teil hätte jedenfalls fast hineingebissen, bis ich den Totenkopf auf dem Schild entdeckt habe.




Der Garten hat es verdient, in Dresden mehr Beachtung zu finden, und sollte auf jedem touristischen Programm stehen.
Der Reisende darf nur nicht unter Verfolgungswahn leiden: Man wird ständig von den Hörnchen und Meisen umkreist, die den Besucher nie ganz aus den Augen lassen, falls er nicht doch noch seine Taschen öffnet. Aber diese fast handzahmen Tiere sind es am Ende, die mir von meinem Dresdenbesuch in Erinnerung bleiben werden, wenn ich den Anblick der historischen Gebäude schon lange vergessen habe.

Dienstag, 6. November 2012

Fallstudien

Wenn ich eines gut kann, dann leugnen. Ich kann leugnen, dass sich die Balken biegen. Zum Beispiel die Tatsache, dass auch ich älter werde. Oder dass manche meiner Gartenpflanzen mittlerweile zu groß sind für den Reihenhausgarten. Leugnen ist der Luxus des kleinen Mannes - und klappt zumindest eine Weile recht gut und nebenwirkungsfrei.

Ganz besonders gerne leugne ich das Heranrücken der dunklen Jahreszeit, die sich stets ganz langsam heranschleicht. Solange nämlich noch Blätter an den Bäumen sind, die Kraniche noch nicht gezogen und vor allem noch nicht auf Winterzeit umgestellt wurde, kann man so tun, als wäre noch Sommer. Doch spätestens dann, wenn in den Blumenläden statt eben diesen nur noch Grabgestecke herumlungern, wird es ernst. Das wissen die Bäume auch und lassen allmählich ihren hübschen Blattschmuck unter sich gehen.

Pfaffenhütchen pfeift noch auf den Winter

Dieses Jahr mit der voreiligen Winterepisode Ende Oktober scheint die heitere Schönfärberei jedoch eine durch und durch ernste Angelegenheit zu sein - in einer konzertierten Aktion verloren die Bäume eines frostigen Sonntagmorgens gleich scharen- und haufenweise ihr Laub. Ich habe mit sogar eingebildet, das Abnabeln der Blätter am Ast hören zu können. Ganz besonders schlimm haben es die immer etwas ernst aussehenden Eschen getroffen, die auch zu den leugnenden Bäumen gehören und mit als letzte ihre Blätter abwerfen - und das haben sie nun davon: viel erfrorenes Grün.


Aber trotzdem gibt es auch dieses Jahr wieder die Partylöwen unter den Bäumen, die ihre Pracht wie jeden Herbst mit viel Pomp verlieren und dick mit Farbe auftragen - die eher introvertierten, wie meine Süßkirsche, haben dagegen meistens tarnfarben-grüne Blätter. Nur wenn der Kirschbaum ausnahmsweise ganz neckisch wird, färbt er sich in Teilen auch mal Fastgelb oder Nahezubraun. Aber alle haben eines gemeinsam: Das Laub liegt am Ende einträchtig auf dem Rasen herum.



Und da muss es schleunigst runter, sonst ist die Grasnarbe auf Dauer beleidigt. Also den Blättern schnell zeigen, was eine Harke ist, und ab damit ins Beet.

Letzten Winter stand folgendes Ensemble in meinem Garten unter kritischer Beobachtung, um herauszufinden, welche Bestandteile im Laubmulch von allein verschwinden, und bei welchen man im Frühjahr handgreiflich werden muss:


Diese Blattarten bekomme ich entweder aus dem nahen Park eingeflogen oder produziere sie im großen Stil vor Ort, wie Kirsche, Apfel und Hasel.

Im Frühling zeigte sich: Problematisch und hartnäckig ist vor allem die Hasel, deren Blätter auch im nächsten Jahr noch weitgehend unversehrt herumlungern, während Apfel- und Kirschlaub wie von Zauberhand verschwindet. Wenn man den Rasenmäher zum Zerkleinern etwaiger Reste dann noch nicht bereit hat und es sind überschaubare Mengen Laub, kann man die Blätter ganz leicht mit der Hand zerbröseln und damit die Schneeglöckchen ins Rampenlicht rücken. Das gilt auch für größere Ahornblätter, die sich schön angerottet gut zu Kleinteilen zerquetschen lassen. Zum Wegwerfen ist das Laub jedenfalls zu schade - im Wald fegt schließlich auch niemand die Blätter weg.

Lässt man die Fragmente jedoch liegen, deckt man den Regenwürmern den Tisch und macht den Vögeln Freude. Außerdem hält ein Boden mit Laubmulch als Oberschicht besser die Feuchtigkeit und schützt vor Frost. Ist es im Frühjahr doch zu viel gewesen mit den Blättern, können sie dann immer noch in die Biotonne oder besser noch: auf den Kompost. Erstmal sollte man es ruhig mit der flächigen Verrottung auf Erdboden versuchen.

Liegt das Laub aber erstmal unten im Beet, kann man den Winter nur noch ganz schlecht leugnen, aber man darf immerhin sicher sein, dass man dem Frühling einen guten Start bereitet hat. Und Vorfreude ist schließlich die schönste Freude.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Noch alle Bücher im Schrank?

Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür. Er hat eine große Klappe und eine noch viel größere, die er nur dann aufreißt, wenn man eine Schlüsselrolle übernimmt. Die meiste Zeit ist er aber äußerst verschlossen, in seinem Herzen ist es dunkel. Doch ich mag ihn sehr, meinen Briefkasten, den alten Geheimniskrämer, den Hüter guter wie schlechter Nachrichten.

Jeden Tag begegne ich ihm mit ein bisschen Herzklopfen. Nicht, weil er so blendend aussieht mit seinem stählernen Äußeren, sondern wegen der ewig gleichen Frage: Was wird er mir heute eröffnen, was wird er ausspucken? Wird er gähnend leer sein, wird er nur wieder Werbung oder ruinöse Rechnungen feilbieten, oder gar zur Abwechslung mal eine schöne Überraschung?

So wie neulich, als mir ein brauner Luftpolsterumschlag entgegenkam mit bunten Briefmarken darauf. Das ist schön, denn ich mag Postwertzeichen, die mehr als nur ihren Preis anzeigen und ein bisschen was von der Welt zeigen. Der Umschlag jedoch wollte lieber anonym bleiben, kein Absender war zu entdecken, nur eine Aufschrift mit den Worten "Aussortiert. Viel Spaß, als Ausgleich Garten Kanaren". Jetzt wuchs meine Spannung ins Unermessliche! Gut, das Wort "Büchersendung" ließ Gold und Geschmeide schon mal ausscheiden, soviel war klar.



Tatsächlich purzelte schließlich dieses Schriftstück heraus: "The exotic Flora of the Canary Islands" [1] von Juan Alberto Rodriguez Perez, einem Mann, der nicht nur mit bemerkenswert vielen Vornamen, sondern auch mit viel Wissen gesegnet ist. Erscheinungsjahr des Werkes vermutlich 1990 und daher kaum noch im Buchhandel zu greifen.



Auf der Rückseite prangt ein Preisschild in Pesetas - ein Hinweis, dass das Buch endemisch auf den Kanaren vorkommen könnte und möglicherweise direkt von dort eingeschleppt wurde.

Ich habe mich jedenfalls riesig gefreut und eine glückliche Zeit mit dem Pflanzenführer auf dem Sofa verbracht, wo ich mit seiner Hilfe tatsächlich in Null-Komma-Nichts zwei meiner unbekannten Kanarenbäume identifizieren konnte! Vielen Dank dem unbekannten Absender! Da hatte doch jemand meinen Kanaren-Artikel gelesen und auf so zuvorkommende Weise an meine Pleite mit dem botanischen Garten gedacht!


Dieser beglückende Bücherfund in meinem Briefkasten zeigt nun zwei Dinge: Erstens gibt es da draußen nette Menschen, die an wissensdurstige bloggende Gärtner denken. Und zweitens sind da Leute, die dringend etwas gegen das Völlegefühl in ihrem Bücherregal tun müssen. Manchmal alles in einer Person.

Wie man sehen kann, kostet es nicht die Welt, so eine schöne Überraschung zu verschicken, nämlich momentan 85 Cent.

Kann man sein Bücherregal auch ganz kostenfrei und ebenso wohltäterisch ausmisten?

Hier ein paar Möglichkeiten, von denen manche durchaus das Zeug haben, die Gartenkasse aufzubessern - umweltfreundlich sind sie alle:

  • Als die Bücher laufen lernten: Einen Karton mit Büchern und der Aufschrift "Zu verschenken" versehen und an die Straße stellen. Dabei auf gutes, trockenes Wetter achten, um die Laufkundschaft abzugreifen und die Ware nicht auf die Schnelle nass und altpapier-tauglich werden zu lassen. Eine weitere Voraussetzung ist die gute Verkehrsanbindung so einer Spendenbox - in Sackgassen wie an Schnellstraßen wird sich der Karton nicht so gut leeren. Vorteil: Bücher weg. Nachteil: Kein Geld für den Garten erwirtschaftet.

  • Außenhandel: Einen öffentlichen Bücherschrank aufsuchen. Solche finden sich mit ein bisschen Glück in Bioläden oder auch mit durchgehenden Öffnungszeiten ganz autark in manchen Ortschaften - ein wahres Prachtexemplar steht in Oerlinghausen (siehe Bild). Vorteil: Die Bücher werden nicht nass und erreichen ein gutes Publikum, ohne dass wir sie mit Argusaugen beobachten müssten. Mit ein bisschen Glück findet man dort sogar ausrangierte Gartenbücher. Nachteil: Wenn man schon mal da ist, nimmt man gleich auch Leseproben mit, wodurch die Problemzone zuhause nicht im Geringsten kleiner wird, aber immerhin spannender.
Bücherschrank in Oerlinghausen

  • Fernabsatz: Viele Onlinehändler versprechen mittlerweile das lukrative, lässige Loswerden von ungeliebten Drucksachen. Leider stellt sich nur allzu bald heraus: Die Preise sind klein, die Gewinnspanne umso größer. Wenn sie unsere Bücher überhaupt haben wollen, denn viele werden gleich brüsk abgelehnt (so auch das fabelhafte Werk unseres guten Señor Perez, das ich spaßeshalber mal auf den einschlägigen Internetseiten eingegeben habe). Ganz anders funktioniert da Buchspende.org, ein Integrationsbetrieb für Menschen mit Behinderungen, der unter anderem ein Buchantiquariat unterhält. Dort bekommt man mindestens einen Euro für jedes Buch, oft sogar deutlich mehr - meine Testbücher wollten sie alle ankaufen, keines wurde entsetzt zurückgewiesen. Der Clou dabei: Man bekommt gar kein Geld von denen, zumindest nichts Bares. Stattdessen erhält man einige Wochen nach Eingang des Pakets eine Spendenquittung, auf der der Buchwert und das Porto zusammengerechnet sind. Beim nächsten Lohnsteuerjahresausgleich gibt es dann eine Belohnung. Berliner haben es sogar noch einfacher, die können die Bücher vorbeibringen oder abholen lassen. Ich habe es bereits getestet - die Quittung bekommt man wirklich! Vorteil: Regal leer, Geld verdient, alle glücklich. Nachteil: Man braucht einen Drucker für die Buchliste zwecks Spendennachweis und muss als Nicht-Berliner zur Post.

Bei der letzteren Variante kann man also sogar ein bisschen Geld für den Garten aus den alten Schinken herausholen. Wie auch immer man sich entscheidet - Platz für neue Gartenbücher hat man auf jeden Fall geschaffen! Denn man weiß ja nie, wann das nächste nette Überraschungspaket kommt!


[1] "Exotisch" meint hier nicht "ungewöhnlich für unsere nordeuropäischen Augen", sondern tatsächlich eine für die Inseln nicht heimische Flora von Straßenbäumen und Parkinventar.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Wer schön sein will, muss leiden

Der Bogenhanf hat's nicht leicht. Während Sansevieria trifasciata lange Zeit als angestaubt galt, ist sie mittlerweile wieder als lebende Skulptur auf mancher Fensterbank zuhause. Die hat's gut, im Gegensatz zu ihrer Verwandten Sansevieria cylindrica, die zwar der Senkrechtstarter unter den Zimmerpflanzen ist und sagenhaft robust, aber nicht eben zimperlich behandelt wird.

Es verhält sich nämlich so, dass an ihrem anarchistisch in alle Richtungen wuchernden Habitus nicht wirklich ein kommerzielles Interesse besteht. Zu ungestüm gebärdet sie sich - wie eine Kobra auf Steroiden:



Das hätte die Wappenpflanze der wilden 60er werden können, wenn man sie zu der Zeit nur schon kultiviert hat. Mein zwanzig Jahre altes Zimmerpflanzenbuch jedenfalls erwähnt die Art mit keinem Wort.

Statt dieser natürlichen Wuchsform wird eine ganz neumodische Erscheinung präferiert: Allerhand abstrakte Kunst mit Sansevieria cylindrica - und zwar möglichst viele unschuldige Blätter dicht nebeneinander wie Spaghetti in einen Topf gequetscht.
Das sieht zwar wahnsinnig cool und trendy aus, aber die arme Pflanze kommt so nicht in der Natur vor.

Wie jedes Grünzeug ist auch sie ständig auf Expansionskurs, aber wo soll sie nur hinwachsen in so einem Topf? Überall ist schon besetzt, steht ein Nachbarblatt im Weg, das dieselben Probleme hat. Wie eine saftiggrüne Selbsthilfegruppe in der Sardinenbüchse mag sie sich vorkommen.

Was der geschäftstüchtige Gärtner da nämlich in ein einziges Pflanzgefäß gefercht hat, sind dicht an dicht etliche Blattstecklinge von Sansevieria cylindrica, meistens sogar mehr schlecht als recht bewurzelt in lockerem Substrat fragwürdiger Natur.

Von einer geheimen Überwachungskamera wurde uns dieses Bild zugespielt - die Pflanzen möchten lieber unerkannt bleiben:



Jeden einzelnen Blattsteckling kann man wieder eintopfen und irgendwann hat man eine neue Pflanze. Am besten kauft man sich einen solchen Massenpflanzenhaltungs-Topf gleich mit mehreren eingeschworenen Sansevierien-Fans gemeinsam und teilt schwesterlich. Man könnte doch gleich einen geselligen Umtopfabend veranstalten!

Leider gibt es sogar noch eine Steigerung dieser botanischen Elendsgestalten: Blattstecklinge mit brutalst zusammengeflochtenen Blättern, bei denen es einem direkt in den Fingern juckt, die geschundene Kreatur zu befreien! Wo war noch gleich die Telefonnummer von Amnesty International?
Wie jemand die so flechten kann ist mir sowieso ein Rätsel, da die Blätter so hart sind, dass man Nägel damit in die Wand schlagen könnte.

Was aus einem einzelnen Blattsteckling werden kann, sieht man hier. Dieser ist jetzt etwa eineinhalb Jahre in Einzelhaft:


Dafür, dass der Bogenhanf als gemächlicher Wachser gilt, legen die neuen Blätter ein geradezu rasantes Tempo vor.

Nun habe ich also auch so ein wunderbar anarchistisches Medusenhaupt mit wilder Frisur auf der Fensterbank stehen, das zunehmend um sich greift und ein ziemlich einnehmendes Wesen hat.

Aber sie's drum, schließlich sei auch Zimmerpflanzen ein Bad-Hair-Day von Herzen gegönnt.

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