Samstag, 4. Februar 2012

Kleine Eiszeit

"Faulsein ist wunderschön, viel schöner als der Fleiß..." sang schon dereinst Pippi Langstrumpf - und wer wollte dieser fundamentalen Erkenntnis ernsthaft widersprechen? Vor ein paar Wochen noch hätte ich auch nicht für möglich gehalten, wie wunderschön und wertvoll doch Faulheit sein kann - im Garten zumindest. Hätte ich nämlich in diesem bis dato feuchtwarmen Luschenwinter dem Drang nach Betätigung einer Schere und einer Harke nachgegeben, hätte es noch mehr Eiseskälte über meine Pflanzen gebracht. Nun sind sie unter all dem Laub, Staudenresten und sonstigem unordentlichen Zeug vielleicht ein bisschen weniger der beißenden Witterung ausgesetzt. Und so sind die Rosen noch nicht geschnitten, das Wald-Geißblatt hat noch seine wilde Sturmfrisur und der Kübelteich seine modrigen Carex-Halme, die ganz unverfroren den Eispanzer durchstoßen. Alles ganz fabelhaft faul soweit also. 


Trotz allem gibt es natürlich guten Frost und schlechten Frost. Zu letzterem gehört dieser dämliche Kahlfrost, der nächtens zweistellige Minusgrade bringt. Von Null auf Winter in nur wenigen Tagen zum unpassendsten Zeitpunkt überhaupt. Das haben wir einer randalierenden russischen Kaltfront zu verdanken.


So sahen die Krokusse vor einer Woche aus - heute liegen sie platt am Boden

Weil Kahlfrost in diesem unerhörten Ausmaß ganz klar zu den weniger pflanzenfreundlichen Aspekten des Winters gehört, war ich überaus froh, dass es gestern ein wenig Schnee in homöopathischen Dosen gegeben hat. Gefrorene Wassertropfen sind schließlich das beste und preiswerteste Isoliermaterial, was die Jahreszeit zu bieten hat - und es fällt einfach vom Himmel. Leider machen sich die hübschen weißen Flocken aber auch völlig sinnloserweise auf Wegen und Terrassen breit, wo sie eine rutschige Angelegenheit darstellen.

Um meinen unterkühlten Stauden also ein wenig unter die gefrorenen Blätter zu greifen, habe ich den Temperaturen die kalte Schulter gezeigt, mir den Besen geschnappt und die weiße, flauschige Pracht auf die immergrünen Gewächse und allzu voreiligen Blumenzwiebeln gekehrt, das Ganze ein wenig aufgeschüttelt - fertig ist die eiskalte Daunendecke. Obwohl mir dabei die Gesichtszüge einfroren, war ich am Ende sehr stolz auf mein Werk. Vom Abklopfen der Dachpfannen habe ich dann aber doch lieber abgesehen - was genug ist, ist genug.


Da der Frost nun mal gerade hierzulande gastiert, kann man die Gelegenheit beim Schopfe greifen und noch andere preiswerte Dinge herstellen. Der riesige Kühlschrank draußen will ausgenutzt und verschönert werden - mit selbstgemachten Windlichtern. Alles was man dazu braucht, ist eine Schüssel, die der Frost nicht kleinkriegt, ein Gefäß mit kleinerem Durchmesser und ein paar Steine. Die große Schüssel wird mit Wasser gefüllt, die kleinere hineingestellt und mit den Steinen gefüllt, so dass sie auf die gewünschte Tiefe einsinkt. Man kann auch leere Joghurtbecher aus Plastik für den Innenteil verwenden. Nun versenkt man schöne Blätter - beispielweise von Efeu - und Hagebutten oder andere Früchte ins Wasser, schön um die innere Schüssel herum drapiert. Blüten wären noch spektakulärer, aber im Moment ist höchstens teure Treibhausware aus frostfreien Gefilden erhältlich.

Am nächsten Morgen schon hat das Wasser seinen Aggregatzustand gewechselt. Die Schüssel aber sieht im Idealfall noch aus wie vorher und hat Haltung bewahrt. Das Ganze wird nun drinnen ein wenig angetaut, um das eigentliche Windlicht aus seiner rustikalen Verpackung zu befreien. Möchte man ein bisschen Energie sparen, stellt man den Eisblock zum Antauen in den Kühlschrank. Ein Teelicht kommt am Ende in die Vertiefung, die das innere Gefäß freigehalten hat, und fertig ist das winterliche Glanzstück.

Mein Eiskuchen mit Kletterrosen-Hagebutten und Efeu:

Da wird es uns doch gleich warm um's Herz. Vielleicht wärmt es unsere frierenden Stauden auch noch ein bisschen.

Kommentare:

  1. hallo Elke, so ähnlich weit wie bei dir waren meine Frühblüher und Rosen auch...jetzt hängt alles schlapp rum. Ich bin übrigens auch sehr froh, dass ich noch nicht vorzeitig den Garten aufgeräumt hatte. So hoffen wir mal gemeinsam, dass der Frost nicht allzu großen Schaden anrichtet. Die Eislaterne ist klasse!
    Lieben Gruß von Heike

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  2. Hallo Elke.
    Ja alles friert mir ist es auch zu kald.Möchte nicht mehr rausgehen.
    Ist ja schön anzusehen die Pflänzchen in der weißen Pracht.Habe schon Angst das einiges erfriert.
    Dein Eiskuchen sieht sehr schön aus in der länglichen Form.Meine Eiskuchen wurden in unserer Tageszeitung
    veröffentlich da wird jeden Tag das Bild des Tages gesucht.Hatte eine Collage zur Tageszeitung geschickt und hat gefallen.Habe mich sehr darüber gefreut. Manche kennen ja keine Eiskuchen und die wurden bestaunt.Hihi.
    Liebe Elke wünsche dir ein kuschliges WE und sende dir liebe gRüße Jana.

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  3. Liebe Elke,

    manchmal ist es wirklich nicht gut, wenn man allzu fleißig im Garten rumwerkelt. Das es aber nochmal so kalt wird, hätte ich nicht gedacht, aber Hochdruckgebiete aus dem Osten haben es immer in sich.
    Dein Eiskuchen sieht auf jeden Fall richtig gut aus.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Ja Elke du hast recht mit allem, was du schreibst, ich bin auch etwas froh darüber, dass ich bisher auf Putzanfälle im Garten verzichtet habe. Leider gibt es bei mir keine Wege, die ich zu Gunsten der frierenden Stauden von 3mm Schnee ( ja mehr ist hier nicht;-(...) befreien könnte, aber mein Mitleid haben meine Pflänzchen und vielleicht merken sie das ja in ihrer unterkühlten Unterkunft. Frostig, faule Grüße Annette

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  5. Liebe Elke, ich bin eigentlich ganz froh, dass sich bei mir noch keine Frühlingsblumen gezeigt haben. Sie wären jetzt auch dem Frost zum Opfer gefallen, denn Schnee haben wir auch relativ wenig.

    lg kathrin

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  6. Hallo Elke
    Schön ist Dein eisiges Windlicht geworden. Ja, die Eiszeit hat auch uns feste im Griff. Mir tun vor allem meine Langohren leid und so habe ich die letzten beiden Tage immer wieder damit verbracht, ihnen es so kuschelig wie möglich zu machen (Heu, Stroh, Kokosmatte, Styroporplatten, Holzplatten, Decke... habe alles angeschlappt, was ich zusammenraffen konnte um die Hütte noch besser zu isolieren). Naja, kuschelig, bei Minus 8 Grad in der Hütte?! Aber sie scheinen die Kälte trotzdem irgendwie weg zu stecken. Was bin ich froh, bin ich nicht als Häschen auf diese Welt gekommen... ich mag's doch ein paar Grade wärmer.
    Wünsche Dir einen gemütlichen Sonntag!
    En liebe Gruess
    Alex

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  7. Hi Elke,

    auch bei mir waren die Frühlingsblüher schon aufgewacht und jetzt ist es nur noch böse draussen. Ich halte mir gerade beide Augen zu, denn viele meiner Pflanzen sehen jetzt arg mitgenommen aus :( Ich hoffe, der Frühling kommt bald und mir wird das Augen zuhalten verziehen ;)

    Lg von Sandra, die auch gern mal faul ist ;)

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  8. Liebe Elke, letzte Woche wollte ich noch meine schön blühende Christroste fotografieren, bin nicht dazu gekommen und nun liegt sie unter einer eisharten Schneedecke und ich fürchte davon wird sie sich wohl nicht mehr erholen. Ich bin schön gespannt, wieviele Kräuter auf meiner Kräuterspirale diesen Frost ohen gröbere Schäden überstehen werden. GLG Petra

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  9. Hallo Elke,
    die Idee mit dem Einfrieren von Pflanzen finde ich ja super. Vielleicht kann man es auch mit noch schönen Blüten aus einem nahezu verblühten Blumenstrauß machen. Mal sehen, ob ich es heute schaffe.

    Bei der Kälte kann man faul sein. Garten geht ja meistens, aber jetzt werden es vielleicht Wochen. Ich hoffe ich kann im März schon ein paar Sachen wieder hinausstellen.
    VG
    Wolf
    www.garten-anders.com

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  10. Liebe Elke
    Oh ja, auch bei uns sind die Frühlingsblüher schon in den Startlöchern. Und drum war ich einfach froh, dass es vor dem grossen Frost noch ein paar Zentimeter Schnee gegeben hat. Ich hoff, diese wohl minimale Daunendecke tut sein Gutes.
    Ich wünsch dir einen schönen Abend und schick dir ganz liebe Grüsse
    Ida

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  11. die Krokusse sind vielleicht schön! Auch toll fotografiert!
    Wunderbar! Auch die Idee mit dem Teelicht finde ich super und nachahmenswert!
    Was ist KDI?
    Viele Grüße von Renate

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  12. Liebe Elke,
    Dein Teelichthalter ist wunderschön geworden. Nachdem mir mal eine Keramikbackform bei so einer Aktion zersprungen ist, nehme ich nun eine Gugelhupf-Silikon-Form. Da läßt sich das Eis gut herauslösen.
    Eine schöne Woche wünscht Dir Beate

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  13. Liebe Elke,

    ich musste gerade meinem Lieblingsmann vorlesen, was man so alles anstellen kann, um der Vegetation des Nachbarn habhaft zu werden, weil ich beim Lesen schallend gelacht habe. Auch er hat sich kräftig amüsiert und sendet Dir (unbekannterweise) einen lieben Gruß.

    GlG Jane

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  14. Hallo Elke,
    so schön diese frostige Zeit mit megablauem, sonnigen Himmel auch ist, für Immergrüne wie Kirschlorbeer und Heckenkirsche ist es pures Gift. Ich darf gar nicht daran denken, was das wieder für Schäden gibt...
    Letztens wollte ich auch schon voller Tatendrang mit dem Zurückschneiden der Stauden beginnen und bin sooo froh, dass ich mich doch noch zurückgehalten habe.

    Deine Fotos sind wie immer klasse und das eisige Teelicht ist eine tolle Idee!

    Liebe Grüße von Bärbel

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  15. Hallo Elke,

    hoffe, deine Gesichtszüge sind wieder aufgetaut. Du warst ja denn nun doch nicht faul ;-)) Schöne Frostbilder hast du gemacht und das Windlicht könnte mir auch gefallen, mal gucken, ob ich das hinbekomme. Mit meinen zwei linken Händen ist das nicht so einfach, wie es bei dir klingt.

    Wir haben heute milde -14 °C, das kommt mir nach der beißenden Kälte der letzten Tage fast warm vor...

    Liebe Grüße, Jo

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  16. Liebe Elke, bin jetzt auch auf dem Eiswindlichtripp! Macht super Spass. LG Sibylle

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  17. Wow, das ist ja ganz schön gewachsen bei dir, Elke. Bei mir ist noch dicker Winter, da hat sich gar nix rausgetraut. Hoffentlich hilft die Schneedecke :)

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