Donnerstag, 16. Februar 2012

Letzter Aufruf

Ab 1. März dürfen Hecken und Strauchwerk nicht mehr geschnitten und auf keinen Fall auf den Stock gesetzt werden. Denn dann können bereits brütende Vögel in den Sträuchern hocken. Und damit es erst gar nicht soweit kommt, haben die Stadtgärtner bereits im Januar angefangen mit dem Großreinemache - obwohl dieses Schaltjahr sogar ein ganzer Tag mehr Zeit wäre, den Vögeln das Brutgeschäft zu vergeigen. Bis auf ein paar ausgewählte VIP-Sträucher (erkenntlich an freiem Stand auf öder Rasenfläche), wie Winter-Schneeball oder vereinzelte Kornelkirschen, wurde alles niedergemacht: Großflächig und heckenweise wurden die Pflanzen auf den Stock gesetzt - und die Singvögel können auf ihre Familienplanung in dieser Hecke künftig pfeifen.

Suchbild: Wo sind die Sträucher?

Dass oft sogar dicht an Wegen gebrütet wird, sieht man jetzt besonders deutlich, wenn man im fahlen Winterlicht Nester vom Vorjahr irgendwo in den kahlen Ästen entdeckt:


Die Nähe zu Spazierwegen ist also keine wirklich gute Entschuldigung für das winterliche Strauchmassaker. Gehölze, die am vorjährigen Holz blühen würden, kommen dieses Jahr jedenfalls auf keinen bunten Zweig mehr, so dass auch die Bienen sich woanders umsehen müssen. Darüberhinaus wird nicht gerade zimperlich umgegangen mit dem pflanzlichen Inventar der Parks. Manche Sträucher wirken, als wären sie vom Einsatzleiter "Freie Sicht für freie Bürger" höchstpersönlich abgebissen worden. Nach einem sauberen Scherenschnitt sieht das jedenfalls nicht aus:



Man muss sich schon sehr anstrengen, um noch etwas Positives an den nun ungewohnt leeren öffentlichen Flächen zu finden. Aber mit ein bisschen Mühe geht sogar das: Wo das Schnittgut längere Zeit herumliegt - und das tut es oft genug für mehrere Tage bis Wochen - kann sich der experimentierfreudige Gärtner bedienen. Wenn man nicht gerade zufällig eine Gartenschere in der Hosentasche findet, kann man versuchen, kleinere Äste von den dicken, nicht transportfähigen Exemplaren abzureißen. Risslinge wurzeln auch besser an. Und schon kann der Spaß beginnen.



Ob man die Zweige in eine Vase stellt oder draußen als Stecklinge in der Erde versenkt, hängt vom Aggregatzustand des Bodens und vom persönlichen Geschmack ab. Die meisten Sträucher treiben in der plötzlichen Wohnungswärme bei Wasserkontakt willig aus. Wenn es richtig gut läuft, bilden sie sogar Wurzeln. Auch wenn sie uns den Gefallen nicht tun, erfreuen viele immerhin mit einer erfrischenden Blüte, wie die Zweige dieser Vogelkirsche:


Die Äste können einen Grundstock für unsere eigene Gartenhecke bilden, unser eigenes Vogelschutzgebiet. Auch wenn die neuen Sträucher dann doch nicht ins bestehende Gartenkonzept passen sollten, hat man immerhin gelernt, wer sich so alles in der Wohnung vermehren lässt. Und so konnte ich meine Liste vom letzten Jahr um einen Neuzugang erweitern: Eine Purpurbeere (Symphoricarpos), die brav im Wasserglas Wurzeln schlug, während Spiraea bumalda ein kompletter Reinfall war.

Ohne Blätter und Blüten geben die Zweige oft Rätsel auf, so dass es manchmal eine echte Überraschung ist, was man da mit nach Hause genommen hat. Aber das gehört schließlich mit zum Spaß dazu.

Kommentare:

  1. Das mit den Nestern kann ich nur bestätigen, dass diese nicht immer total versteckt ganz weit oben in einem Baum zu finden sind.

    Bei mir mitten auf einem Supermarktparkplatz ist auch ein Nest aus dem Vorjahr auf einem kleinen Baum. Quasi zwischen all den parkenden Autos. Und Baum kann man das eigentlich nicht mehr nennen. Eigentlich ist es nur noch ein Stamm und kaum Äste. Die Bäumen da werden sehr klein gehalten, weil man wohl wenig Laub haben will im Herbst.

    Ich frage mich, ob da wirklich Vögel gebrütet haben oder doch vorher festgestellt haben, dass die Gegend alles andere als ruhig ist. Außer an einem Sonntag, wenn der Supermarkt geschlossen hat.

    AntwortenLöschen
  2. I could not find a translator tab so I only could look at the photos. I really do like the one of the narrow road with bare trees above. Very meditative for me. NIce. It is different here on Lake Michigan in USA so always nice to see other places. Jack

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. I use Google Chrome. Right click gives me Translate to English. But I prefer to read the German.

      Löschen
  3. Ich finde es ganz schrecklich, was in den letzten Jahren da so bis Ende Februar ab geht. Bei uns haben sie ja auch im und neben dem Garten Eden so gehaust, neben dem Garten steht jetzt auf dem Grundstück kein einziger Baum mehr. Man könnte heulen, wenn man das überall so sieht.
    LG christina
    Ach, wollte ich dir ja noch sagen, ich habe jetzt dein Garteninterview vom Ulmer Verlag gesehen und gelesen. Hatte auch eine Anfrage über meinen Gartenblog und dabei bin ich auf deinen gestoßen. Allerdings habe ich ja zwei Blogs und bis jetzt habe ich von dort noch keine Rückantwort, welchen sie meinen.

    AntwortenLöschen
  4. Trauriger Inhalt - toller Post - einfach Elke!!
    Liebe Grüße
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  5. Es wird schon bei vielen Sachen sehr übertrieben. Kann Dir nur zustimmen. Toller Post!

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  6. Hallo,
    ja, ich kann mich auch immer nur ägern, wenn hier an der Einfahrt zu unserer Siedlung alle paar Jahre alles auf den Stock gesetzt wird. ... das sieht nicht nur traurig aus, sondern die Vögel tun mir auch Leid, verlieren sie doch ihre Heimstatt. Vorallem, weil es auch Sträucher sind, die nicht nur grün sind, sondern auch Früchte tragen.

    Duhu, von Dir hatte ich doch die Pflänzchen, wo die Kindel an den Blättern bilden?! ... leider konnte ich nur EINEN durchbringen, ... mom. habe ich irgendwie keinen grünen Daumen. :(

    LG,
    Pupe

    AntwortenLöschen
  7. Bei uns wurden die zum Land gehörigen Flächen schon im Herbst völlig verschnitten . Der heftige Protest der dortigen Anwohner mit Zeitungsartikeln und Plakat an der Straße führte zu Mindest zu dem Versprechen, dass die Flächen noch in diesem Jahr neu bepflanzt werden sollen.
    LG Anette

    AntwortenLöschen
  8. Da lob ich mir doch meine Berliner Stadtgärtner: Hier bei mir um die Ecke wurde ganz sachte und mit Umsicht geschnitten-wer hätte das gedacht.
    Ein paar Zweige werde ich mir aus dem Forst mitbringen. Etwas Grünes braucht der Mensch und wo doch die Frühjahrsblüher mich so schnöde ans Niesen bringen, werde ich wohl umdisponieren :-))

    Herzliche Wochenendgrüße,
    Jo

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Elke
    Solche Strauchbeisser hat leider auch unsere Gemeinde beschäftigt. Und wir wurden ja sozusagen genötigt, die Sträucher Strassengesetzesgemäss (was für ein Wort) zu schneiden innerhalb von 4 Wochen. Naja, die berufstätige Bevölkerung hat da halt nicht immer Zeit selber Hand anzulegen, zumal manchmal auch Petrus nicht mitspielen will und so mussten wir unsere Hecke von den Gemeindearbeitern massakrieren lassen. Aber sie scheinen es überlebt zu haben und GsD wurde auch nicht bodeneben abgeschnitten... sonst wäre Frau wohl höchstpersönlich mit der Gartenschere auf der Gemeinde vorbeigegangen und hätte auch etwas bodeneben abgeschnitten *kicher*. Egal, wir, inkl. Vögel und natürlich daher auch Katerchen Noah, lieben unsere wildgestrüppte Hecke. Naja, mit wir ist leider GG ausgeschlossen, denn der möchte das ganze am liebsten bodeneben abschneiden und dann gleich asphaltieren, damit es ja keine Arbeit gibt :o).
    Hmm, aber Du hast mich jetzt grad motiviert am Wochenende auch noch ein paar Zweige ins Haus zu holen... nicht für die Vermehrung, doch für die optische Verschönerung.
    En liebe Gruess
    Alex

    AntwortenLöschen
  10. Hallo Elke,
    und so was nennt sich "Gärtner"...ich bin auch immer ganz entsetzt, wenn ich sehe, wie wenig sensibel und kurzsichtig im öffentlichen Bereich beim Strauch- und Baumschnitt vorgegangen wird. Momentan beobachte ich ein Elstern-Pärchen, das offensichtlich nichts vom 1. März weiß, denn sie sind schon eifrig dabei, ihr Nest wieder neu herzurichten...

    Liebe Grüße von Bärbel

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Elke,
    ich habe den Eindruck gewonnen, die Straßenmeistereien wollen ihren neuen Maschinen mit den großen Schneidgeräten,den Mulchmaschinen und asnschließenden Sammlern auch voll auslasten, früher als alles mit der Hand und Säge geschnitten wurde war es mehr der Hausmeisterschnitt, rund wie ein Bubikopf und auch viel seltener.
    Da bildeteten sich viele Verweigungunge und Dickichte für die Vögel, aber das was man jetzt erlebt ist mir auch viel zu viel.
    Ich frage mich, ob sie überhaupt noch Büsche wollen, so ratzekurz ist alles!!
    Und das Schnittgut ist ein Wirtschaftgut, früher mußte für das Schneiden viel gezahlt werden, heute bringt das Schnittgut Geld, da es an Heizwerke oder.... verkauft wird!!
    Dies ist genauso Bio wie die Biogasanlagen mit der Maismonokultur!!
    Frauke

    AntwortenLöschen
  12. Hi,

    bei der derzeit noch feuchten Witterung ruht die Gartenarbeit bei uns noch. Hecken haben wir keine. Anstatt dessen haben wir wahrscheinlich das Vergnügen, uns mit Untermietern unter der Erde, die fleißig herum wühlen, befassen zu dürfen.

    Gruß Dieter

    AntwortenLöschen
  13. ich bin grad aus d zurueck und war erstaunt ueber das gemetzel entlang der autobahnen und landstrassen... aber ich sollte nicht laestern! wenn hier das county council mit hecke schneiden fertig ist, sieht nicht nur die hecke, sondern auch die umgebung aus wie nach einem atomkrieg:(( kein wunder, dass mein garten vor voegeln regelrecht ueberlaeuft - ich glaube, die machen gerade alle party hier:)) mit vogelfutter und erdnuessen bis zum abwinken... es wird zeit, dass der fruehling kommt - sonst kann ich im kommenden jahr wirklich nur noch auf gemopste stecklinge und gefundenes saatgut hoffen:))

    irische gruesse

    Bettina

    AntwortenLöschen
  14. Hallo Elke.
    Genau das stand auch in unser Tageszeitung drin.
    Na ja mein Mann sieht ja ob ein Nest in den Ästen und Hecken sind.
    Man muß schon aufpassen.Aber alles nicht so ernst auffassen.
    jeder achtet darauf das nichts zerstört wird.
    Wir jedenfalls du und ich.Und ich denke die anderen auch.
    Schönen Abend liebe Elke und schönen Sonntag.Herzlichst Jana

    AntwortenLöschen
  15. Upps... jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, siehe mein letzter Post... Liebe Grüße Annette

    AntwortenLöschen
  16. Hallo Elke,
    ja das ist auch bei uns der typische Stadtgärtner-Schnitt. Dort aus Zeit- und Kostengründen alle paar Jahre gemacht, wird es leider in vielen Privatgärten nachgemacht. Dort wird dann leider sogar jährlich so geschnitten. Wobei es grundsätzlich nicht falsch ist einheimische Sträucher alle paar Jahre mal auf den Stock zu setzen. Die treiben dann umso kräftiger und gesünder wieder aus. Aber bitte nicht jedes Jahr, nur abschnittsweise, so dass die Vögel auch noch Nistmöglichkeiten finden und wenns geht auch saubere Schnittkanten, so dass der Strauch die Schnittwunden gut überwallen kann. VG Brigitta

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...