Sonntag, 1. April 2012

Die himmelblaue Gießkanne

Seit letztem Jahr ist das deutsche Gießkannenmuseum eröffnet, und zwar in Gießen, wo auch sonst. Das wurde auch Zeit, denn die Gießkanne ist drinnen wie draußen des Gärtners liebster Begleiter. 

Und was gibt es nicht alles für schöne Wasserspender!

Auch ich musste natürlich damals zum neuen Garten auch eine Gießkanne haben. Durch übermäßigen Konsum einschlägiger Gartenmagazine auf die schiefe Bahn gebracht, konnte es aber nicht irgendeine dahergelaufene sein. Nein, nostalgisch und wunderschön sollte sie aussehen. So wie in den Zeitschriften eben, wo tadellos gekleidete Gärtner beim abendlichen Wässern stilecht eine Metallkanne schwingen - Patina inklusive.

Auf der Suche nach so einem Exemplar wurde ich ziemlich bald beim Kaffeeröster fündig: Himmelblau stand sie da. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nun ja, schon beim Nachhausetragen schnitt der metallene Griff etwas in die Hand ein. Aber sei's drum: Wer schön sein will, muss leiden.

Die himmelblaue Gießkanne passte im Frühling perfekt zu Vergissmeinnicht, aber auch zu Frauenmantel:


Im Spätsommer kontrastierte sie wunderbar mit Kapuzinerkresse:


Und leider auch mit meiner Kleidung, denn anstatt einfach nur kleidsam auszusehen, zwang sie allem und jedem ihren Farbgeschmack auf, indem sie bei jeder Berührung hellblaue Flecken auf Textilien hinterließ. Beim Gang zur Wasserpumpe erntete ich statt Bewunderung für meinen exquisiten Gießkannen-Geschmack nur mitleidige Blicke. Es muss wohl an meinem verkniffenen Gesichtsausdruck gelegen haben, denn der Trageriehmen wurde auch bei voller Ladung nicht angenehmer.

Eine weitere Lektion, die ich allzu bald lernen sollte, war, die Warnungen ernstzunehmen und Metallgießkannen nicht längere Zeit gefüllt stehen zu lassen. Schon gar nicht im Winter. Erst beulen sie sich bei Frost am Boden unschön aus, als nächstes spucken sie blaue Innenfragmente. Und kaum war der Lack ab, setzte auch schon fortgeschrittene Korrosion ein. Als der Boden schließlich ein Loch hatte und die Gute ein bisschen inkontinent wurde, verbot mir mein Mann den Umgang mit ihr. Auf den Sperrmüll sollte sie, meine heiß geliebte himmelblaue Gießkanne.

Ich ging extra langsam zum Abladeplatz, falls er es sich anders überlegen sollte. Tat er nicht. Zu meinem Trost kam aber augenblicklich ein Prinz auf einem weißen Fahrrad daher und nahm meinen Sperrmüll zur Frau, äh, Gießkanne. Meinen Einwand, dass das gute Stück ein bisschen tröpfeln würde, überhörte er. Und wenn sie nicht verschrottet ist, dann gießt sie wohl noch heute.

Eine Erinnerung an sie bleibt mir doch: Den Brausekopf habe ich behalten. Er schmückt jetzt unschöne Aststummel an der Kletterrose:



Meine Neue ist dunkelgrün, billig und aus Plastik. Ansonsten ist sie leicht, unverwüstlich und viel angenehmer zu tragen. Sie färbt auch nicht ab. Im Winter draußen bleiben darf sie trotzdem lieber nicht, sicher ist sicher.

Nur dekorativ ist sie leider wirklich nicht. Aber man kann wohl nicht alles haben.

Kommentare:

  1. ach ja, form vor funktion - endet oefter mal mit aerger (eigene erfahrung:)) ich habe auch eine billige, gruene plastikkunststoffkanne... alles prima, bloss tarnt sie sich manchmal zu gut in gruen! rote oder gar violette gabs leider nicht zu kaufen....

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  2. aber so toll ist die aus Plastik auch nicht. Leider wird das Plastik, oben beim einfüllen hart und splittert. Also falls du die ideale Gieskanne noch findest, lass es uns wissen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Ui, ich bin auf der Suche nach einer größeren Gießkanne. Da werd ich um pastellfarbige Objekte der einschlägigen Kaffeeröster lieber einen Bogen machen. Vielleicht find ich ja noch was schönes in Kaffee.

    Aber Gießkannenmuseum in Gießen: Das hab ich für einen Aprilscherz gehalten! ^^

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  4. In Kunststoff, meinte ich, nicht Kaffee... Freudscher Verschreiber :D

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  5. Hallo,
    soviel zu dem Thema: Schön, aber unpraktisch was?!

    Ich habe auch drei aus Plastik und die verrichten auch ihren Dienst ohne murren. Vor allem, verzeihen sie es doch eher, wenn man sie mal umschuppst etc. bzw. was Kinder eben so mit Gießkannen für Unsinn treiben. ;)

    LG,
    Pupe

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  6. Mädel, Mädel *kopfschüttel*, das erste was Frau lernt im Umgang mit Männer ist nicht auf sie zu hören in Sachen "schöne Dinge" *seeeeeufz*. Ich glaube, da ist mal ein Fortbildungskurs nötig *kicher*. Du hättest doch das Teil als "Kunst" Deinem Göttergatten verkaufen und es schön irgendwo im Garten (ohne "Wasser") dekorativ platzieren können. Bei mir steht auch so ein unpraktisches aber eben schönes Teil rum. Zum Giessen wird's aber definitiv nicht gebraucht... bin ja nicht doof :o), dafür gibt's die leichteren Plastikteile (die man übrigens auch besser nicht über Winter draussen stehen lassen sollte, wie ich schmerzlich gelernt habe).
    Hab mich wieder köstlich amüsiert über Deinen Post. Genial!
    En liebe Gruess
    Buntes-Lieschen

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  7. So eine unpraktische Gießkanne habe ich mir auch gekauft. Aber gleich als Deko. Sie hängt, noch immer unbenutzt und jungfräulich, am Gartenhaus.
    Die wirklich alltagstaugliche grüne Plastikkanne leistet schon seit Jahren Schwerstarbeit ohne zu klagen.
    LG Anette

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  8. Liebe Elke,

    da hatten wir ja heute beide das selbe Thema - wobei ich gestehe, dass mir Dein Beitrag weitaus besser gefällt als meiner. Bei Dir ist ja immer Schmunzeln garantiert.
    So eine große Metallkanne hatten wir früher. Die war aber noch richtig aus Zink. Ich habe sie dennoch nie benutzt. Mir war sie gefüllt immer viel zu schwer und bei meiner Größe schleifte sie fast auf der Erde.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  9. Hallöchen Elke.
    Schöne Geschichte über deine so geliebte Gieskanne.
    Aber hat ja noch ein schönes Ende gefunden mit neuem Besitzer.
    Ich habe schon lange eine Zinngießkanne nur als Deko steht sie rum
    und macht ne gute Figur.Gießen tue ich auch mit der bewußten grünen Plastikgießkanne die alle haben.HIHI.Sie ist leicht zu bewältigen und
    gießt wunderbar.
    Schönen Abend liebe Elke und liebe GRüße Jana.

    Gieskannenmuseum mus ja auch interresant sein.Was gab es wohl früher für Modelle?

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  10. Hallo,

    ach ja, die Metallkannen gefallen mir auch besser, sind aber in meinem Garten auch nur Deko, ich gieße mit Plastikkannen! Wäre mal eine Marktlücke-formschöne Plastikkannen für den Garten!!!

    LG Dagmar

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  11. Wir hatten zu Hause auch sehr lange eine Gießkanne aus Metall, aber die haben leider doch ein recht hohes Eigengewicht, weshalb sich meine Eltern irgendwann auch für eine aus Plastik entschieden. Mir gefallen zwar diese verspielten Gießkannen aus den Gartenzeitschriften auch sehr gut, aber für die richtige Gartenarbeit möchte ich keine haben :) Aber vielleicht kaufe ich mir mal eine kleine als Deko!

    lg kathrin

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  12. Hallo Elke,
    ein köstlicher Beitrag zum Thema Gießkanne im Garten. Danke für das Lachen !!! Ich hätte sie auch zu Dekozwecken behalten, aber auch das hat manchmal seine Nachteile, spätestens dann, wenn der Platz nicht mehr ausreicht.
    Ich wünsche Dir mehr Erfolg mit der grünen Neuen.
    Liebe Grüße Joona

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  13. Da lob' ich mir meine gute alte Zink-Gießkanne! So eine, wie sie schon meine Großmutter besaß! Damals kam allerdings der Kesselflicker noch vorbei um sie zu reparieren, wenn mal ein Loch drinnen war!
    Heute geht man mit den Materialien sehr verschwenderisch um, dank der AKWs ist das auch ein Klacks! (denkt man ...)
    Funktionelles kaufe ich von Tchibo schon lange nicht mehr, die Sachen halten nicht das, was versprochen wird und sind zudem dafür viel zu teuer.
    Aber hellblau . . . ich verstehe schon :-)

    Das mit dem Gießkannen-Museum paßt ja wie die Faust aufs Auge *lach*

    Liebe Grüße
    Sara

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  14. Das ist wieder ein richtig netter Schmunzelbeitrag, Elke!
    Wegen der Optik verstecke ich auch immer die Plastikkanne. Ich habe eine alte große Zinkgießkanne von meinem Vater übernommen, die ich aber nie ganz füllen kann, weil sie sonst viel zu schwer ist. Beim ersten Frost kommt sie in den Schuppen, oder wird leer umgelegt. Eine andere alte Kanne hab ich durch Frost verloren...aus Schaden wird man doch klug!
    Ich wünsche dir ein sonnige Gartenwoche! ♥lichst Zaunwinde

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  15. Göttlich! Ich darf dir aber versichern, dass auch gefüllte grüne Plastikgießkannen im Winter am Boden rund werden, bzw. im Frühling tröppeln!

    Sigrun

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  16. Hallo Elke! Du hast so recht: von guten Gießkannen kann man/frau nicht genug haben. Aber: Eine gute Metallkanne ist immer verzinkt, kommt nicht von einem Kaffeeröster und soll eigentlich nicht zu groß sein, sonst gewinnen bald die Arme an die Länge. Wer's leichter mag, darf durchaus auf den Kunsstoff zurückgreifen ohne sein stylisches Gesicht zu verlieren. Da gibt es manchmal so richtigen Schmuckstückchen unter, wie z. B. gaanz edlen und teuren von Haws (very british, in grün und rot), die modern eleganten und sehr praktischen von Fiskars (in typisch schwarz-gelb, kosten nur die Hälfte von Haws-Edelkaraffen und sind größer), die robusten Klassiker von Antiqua (in zinkgrau und grün, preiswert, aber nicht billig), und auch sowas: http://www.dekolust.de/products/de/Terrasse-Garten/Gartendekoration/Giesskanne-12-Liter-Blau.html
    (habe erst vor kurzem entdeckt, sieht ziemlich witzig aus).
    Kurzum, auch die (Garten)Plaste hat ihr Adelsgeschlecht in Form und Inhalt, pardon, Volumen. Aber weißt Du? Mein absoluter Liebling und der wahre Prinz bleibt das Ungeheuer in froschgrün aus dem Baumarkt, das robuste Gießmonster für kleines Geld. Man sagt, ab und zu werden auch die blaue Exemplare gesichtet...

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  17. Hi,hi, herzerfrischend wie immer! Mein Garten ist zum Glück so klein, dass ein einfacher Schlauch am Wasserhahn ausreicht. Nicht stilecht, nicht very brittisch -dafür aber so was von praktisch. Und leicht. Nur blöd, dass unsere Garten/Hausverwaltung das Wasser noch abgestellt hat...

    Frühlingsfrisch in den Tag-wobei frisch ganz wörtlich gemeint ist, bibber.

    Viele Grüße, Jo

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  18. Ich habe mir extra eine Zinkgiesskanne gekauft, weil mir die ja besser gefallen als jene aus Plastik. Rosten tut sie immerhin nicht und auch nicht abfärben, aber ansonsten ist sie sehr unhandlich und schwer - kurzum ich giesse fast immer mit der Plastikkanne, die Zinkige darf 'schön' rumstehen!

    Liebe Grüsse Rosana

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  19. Hihihi, das kommt mir sehr bekannt vor!
    Liebe Grüße,
    Markus

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  20. Hallo Elke,

    das war wieder eine wunderschöne Kurzgeschichte, die mich zum Schmunzeln gebracht hat, Danke :-)
    Tja, diese diversen Zeitschriften sind nicht immer nur gut, sie verführen zum Unvernünftigen, lach.

    Wünsche dir noch eine schöne Restwoche.

    VG Mio

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  21. In dem Gießkannenmuseum gibt's ja wirklich einige witzige Exponate zu bestaunen. Ich hab für mich einen Gießkannenkompromiss geschlossen: Für's Grobe hab ich zwei leichte und handliche blaue Plastikkannen, und für den (geplanten) Topfgarten auf der Terrasse hab ich mir eine dekorative kleine Zinkkanne zugelegt.

    Aber diese schöne hellblaue Kanne hätt ich ja nicht rausgerückt: Als Deko-Kanne hätt ich sie ihren Lebensabend in meinem Garten fristen lassen.

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  22. Hach Elke, was für ein Schmunzelpost ;)

    Ich habe auch so eine Metallgiesskanne, die kann nichts ausser rosten und schön aussehen ;)

    Manchmal muss man feststellen dass Dinge mehr scheinen als zu sein ;)

    Lg Sandra

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