Montag, 9. April 2012

Knöllchen

Es hat hier bereits leise Andeutungen gegeben, dass ich kein penibler Gärtner bin. Brennnessel und Giersch haben den Reihenhausgarten zwar im hohen Bogen zu verlassen, aber für die kleinen, wilden Frühlingsknöllchen habe ich eine große Schwäche. Das Scharbockskraut darf sich in der hintersten Gartenecke zum Bärlauch gesellen, wo es mit seinem frischen Grün schon zuverlässig den Boden deckt, wenn andere Stauden noch genüsslich im Winterschlaf liegen.

Scharbockskraut im Gras

Naiv oder naturverbunden? Das werden die nächsten Jahre zeigen. Bis jetzt kann ich der kleinen, bunten Spontanvegetation aber nicht ernsthaft böse sein, vor allem, wenn sie sich spätestens im Mai brav vom Acker macht und das Spielfeld den Großen überlässt.

Weitere, gern gesehene Teilnehmer an der Frühjahrsoffensive sind ebenso als Unkraut verpönt wie das Scharbockskraut, machen sich aber noch schneller wieder unsichtbar: Die beiden heimischen Lerchensporne Corydalis cava und solida.

Unterscheiden lassen sie sich anhand der Knolle, die beim Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava) namensgebend hohl ist, beim selteneren Gefingerten (Corydalis solida) aber grundsolide. Minimalinvasiv kann man die beiden zum Glück auch äußerlich auseinander halten, denn der Gefingerte hat fein geschlitzte Tragblätter zwischen den Blütchen, wo sie beim Hohlen ganzrandig sind.

Corydalis solida mit seinen gefingerten Tragblättern

Corydalis cava mit ganzrandigen Tragblättern

Corydalis cava bildet besonders gern große Bestände mit rein weißen Blüten:

C. cava ganz in Weiß im Buchenwald
Corydalis solida

An zusagenden Plätzen neigen beide Lerchensporne zur Massenvermehrung, gerne auch im Wurzelbereich größerer Bäume (oft in lichten Buchenwäldern) und unter Hecken.

Bestand von C. solida auf einer Wiese im Park am Gehözrand

Als Bewohner des Waldes haben die heimischen Lerchensporne es immer ein bisschen eilig. Bevor das Blätterdach über ihnen allzu dicht wird, müssen sie mit der Familienplanung fertig sein. Bei aller gebotenen Eile führen sie ansonsten ein wahrhaft königliches Leben: Die Bestäubung im Buchenwald übernehmen hauptsächlich Hummelköniginnen. Wenn die Arbeiterinnen erscheinen, ist der Lerchensporn bereits verblüht. Die Verbreitung der Samen schließlich lassen sie vom Fußvolk des Waldes, den Ameisen, übernehmen.

Wer sich an einem sonnigen Tag etwas Zeit nimmt, wird auch im Garten eine illustre Gesellschaft an Corydalis antreffen: Behäbige Hummelköniginnen wechseln sich mit immer hektischen Pelzbienen ab.

Hummelhintern und Hohler Lerchensporn
Pelzbiene an Hohlem Lerchensporn


Auch in meinem Garten kommt ein kleiner Bestand vor, den ich als winzige Knöllchen aus einem anderen Garten bekommen habe. Wo ordnungsliebende Gärtner entnervt zum Spaten greifen, um die bösen Blumen wieder loszuwerden, warte ich jedes Jahr mit Hochspannung auf meine wilden Lerchensporne. Das ist immer wieder nerven-zerfetzend, denn im April greift pünktlich das Kontrollgremium der allgegenwärtigen Akeleien um sich und beschattet die kleinen Knollenpflanzen scheinbar zu Tode. Und so schleiche ich schon ab Ende Februar um das herum, was ich großspurig meinen Waldgarten nenne. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um die eineinhalb Meter Boden zwischen Zierapfel und Hundsrose.

Mein "Waldgarten"

Und genau hier geschieht jedes Frühjahr wieder ein kleines Wunder, wenn die Lerchensporne wie Phönix aus der Asche emporschießen und sogar üppig blühen. Dieses Schauspiel ist kurz und muss ausreichend gewürdigt werden. Im Zeitraffer werden nämlich dann Samen gebildet und die Blätter ziehen schnell ein, um bis zum nächsten Frühling im Boden zu verschlafen.


Weil die Pflanzen so überaus schnell Platz für Neues machen, darüber hinaus auch noch hübsch und nützlich sind, empfinde ich sie als durchaus gartenwürdig. Ich freue mich sehr über ihren Nachwuchs, der dank der Ameisen bereits an kahlen Stellen im Waldgarten aufkeimt, damit im nächsten Jahr noch mehr Hummelköniginnen satt werden können.

Kommentare:

  1. Hallo Elke
    Deinen Röschen geht's bestens... sie haben weder den Umzug noch den Frost von letzter Nacht übel genommen. Hast sie gut erzogen :o).
    Das Scharbockskraut darf auch in meinem Garten weilen. Schon manche Gärtnerin hat mir aber vorwurfsvoll mitgeteilt nun auch mit diesem Kraut beelendet worden zu sein, seit sie ein Pflänzchen aus meinem Garten mit eben blindem Passagier erhalten habe :o). Ohhhh, Du hast Lerchensporn?! So schön. Wenn ich dann mal welchen in einem Buchenwald sehen, werde ich gnadenlos zur Schaufel greifen um mir auch welchen in den Garten zu holen.
    Wünsche Dir eine schöne verkürzte Woche.
    En liebe Gruess
    Alex

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  2. Das gibt es? Daß Menschen den doch wirklich wunderhübschen Lerchensporn als Unkraut aus dem Garten verbannen? Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln!
    Ich habe JAHRE darauf verwendet, ihn bei mir heimisch zu machen! Und erst seit dem letzten Jahr ist es mir gelungen, sogar so, daß er eine winzige neue Stelle SELBST aufgesucht hat!
    Das Scharbockskraut darf bei mir auch wachsen, schließlich bildet es eine Nektar- UND Pollenquelle für die Bienen, und da es sich so fein säuberlich ab Mai schon wieder zurückzieht, stört es auch die anderen Stauden nicht wirklich.
    Bitte, bleibe so unpenibel wie möglich- Bienen, Hummeln, Vögel undundund werden es Dir danken :-)

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  3. Lerchensporn und Scharbockskraut gehören doch zum Frühling wie die Eier zu Ostern. Danke für die schönen Fotos, ich mag die zwei :)

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  4. @alex: *hüstel* Auch wenn ich ungern als Moralapostel auftrete, bitte keine Wildpflanzen ausbuddeln ! Ich weiß ja nicht, wie´s andernorts in Deutschland aussieht, aber bei uns z.B. gibt es nicht viele Stellen, wo wilder Lerchensporn wächst. Laß dir lieber ein paar Teilstücke schenken oder bestell ihn bei einer Wildstaudengärtnerei.

    Grüße, KatjaK

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  5. Liebe Elke,
    so schön hast du das geschrieben und so genau beobachtet. Ich habe auch eine Waldgartenecke. Die entsteht von ganz alleine, wenn die Nachbarbäume groß und schattig genug sind. Nur echte Waldpflanzen mögen dort dauerhaft siedeln. Das Scharbockskraut habe ich leichtsinnig in den Garten gebracht. Trotz aller Vorsicht bei allen Erdarbeiten breitet es sich im ganzen Garten aus. Aber es ist ein erträgliches Unkraut, denn wie du schon richtig schreibst, ist es die meiste Zeit im Jahr unsichtbar. Und im Frühling überzieht es alles mit seinen saftigen Blättern, die ich in den Salat integriere. Den Lerchensportn habe ich ebenfalls in den Garten geholt. Der ist für mich ebensowenig Unkraut wie Buschwindröschen es sind. Er ist geblieben und meiner wuchert kaum. Und so früh im Jahr sind besonders meine Hummeln sehr dankbar für ein Blümchen. Zur Waldgartenecke passt auch Storchenschnabel und mein geliebtes Lungenkraut.
    Schöne Grüße, Johanna

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  6. Liebe Elke, tolle Übersicht über die verschiedenen Lerchenspornarten! Im Grazer Garten wächst beides wild. Der Lerchensporn bevorzugte Plätzchen an denen er immer willkommen war, das Scharbockskraut hingegen überwucherte immer meine Blumenbeete. Bei der Übersiedelung habe ich letzteres wohl mit in den neuen Garten geschleppt, vielleicht fühlt es sich ja in der Wiese wohl.

    lg kathrin

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  7. Liebe Elke

    Ich bin auch daran Lerchensporn in meinem Garten anzusiedeln. Dieses Jahr blühten immerhin die drei Pflanzen, die ich im Herbst gepflanzt habe. Ich bin gespannt wie lange es dauert bis ich die ersten Sämlinge habe - wenn es denn hoffentlich klappt.

    Liebe Grüsse Rosana

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  8. In unserem Garten darf erst mal alles wachsen. Ich bin jedes Jahr aufs Neue gespannt, was so alles aus der Erde sprießt. Nach deiner Beschreibung will ich die Tag mal genauer hinschaun, ob diese Pflänzchen auch bei uns Fuß gefasst haben.
    Es war mir wieder ein Vergnügen deinen Beitrag zu lesen....herzlichen Dank, Elke!
    Liebe Grüße von Zaunwinde

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  9. Hallöchen liebe Elke.
    Ostertage habe ich gut verlebt alles bestens.
    Bei mir darf auch alles im Garten wachsen.Die beiden Sorten habe ich nicht.
    Aber dafür jede Menge Waldmeister vermehrt sich auch wie verrückt.
    Besser als kahle Stellen im Garten dann lieber Waldmeister.
    War wieder sehr lehrreich deine Aufklärung.Danke dir.
    Schöne Woche und liebe GRüße Jana

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  10. Schöne Aufnahmen - und was du alles weißt! Ich lese es gerne. Übrigens: Die Knöllchen nennt man PfaffenHÖDCHEN! Ich hab mich bald gekringelt, als der Fernsehbeitrag kam, und bin gleich raus um eins auszugraben. Es stimmt!

    Sigrun

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  11. Hallo Elke,

    ich bewundere jedes Mal aufs Neue deine botanischen Kenntnisse, so dass ich einiges von dir lernen kann. Giersch ist bei uns auch ein Thema, wobei wir uns mit unseren Nachbarn arrangieren müssen, weil der Giersch grundstücksübergreifend herum wuchert und im letzten Jahr die ganze Erde bedeckt hat. Im letzten Herbst haben wir den Giersch entfernt und wir müssen aber neue Sprieße im Auge behalten, um ihn dauerhaft einzudämmen.

    Schönen Tag
    Dieter

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  12. Dass Scharbockskraut bei manchen Gärtnern als Unkraut verpönt ist, davon hab ich auch schon gehört. Dass es aber welche gibt, die den Lerchensporn ebenso geringschätzen, war mir jedoch bislang unbekannt. Ich persönlich liebe beide und sehe sie am liebsten in großen Teppichen. Solche wünsche ich mir auch in unserem Waldgärtchen, darum hab ich beide absichtlich dort angesiedelt. Wieder erschienen sind sie. Jetzt drück mir die Daumen, dass sie sich dort so wohlfühlen, dass sie in den nächsten Jahren für reichlich Nachkommenschaft sorgen.

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  13. Gaaaaaanz tolle Bilder Elke!
    Dein Garten ist ganz wunderbar!
    Viele liebe Grüße von Renate

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  14. Das Scharbockskraut hat über die Jahre auch große Teile meines Gartens erobert, darf aber auch bei mir bleiben, weil es sich, wie Du schon sagst, rechtzeitig vom Acker macht.

    GlG jane

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  15. Scharbockskraut habe ich auch im Garten. Bis letztes Jahr habe ich es immer rausgestochen - bis ich deinen Blogartikel las, liebe Elke. Seitdem darf es bleiben und heuer blüht es gar wunderbar!

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  16. Hallo Elke,

    danke!! Dank deinem Wissen, kann ich nun meinen Lerchensporn im Garten mit Namen begrüssen;)). Ich bewundere die kleinen Kunstwerke schon seit Tagen, wie sie aus der Erde herauspreschen und ihre ganze Schönheit präsentieren... Soooo schön!

    Lieben Gruß, Doris

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  17. Na, das sind ja mal Knöllchen, die sehr willkommen sind :-))
    Die dürften mir die Damen vom Ordnungsamt auch gern hinter die Windschutzscheibe im Gewächshaus legen.
    Bei mir hat sich schon wieder ganz zuverlässig mein "alter Freund" Giersch ausgebreitet. Zwei Tage Regen und der Kerl lungert wieder bei mir herum...

    Scön ist das Foto "Hummelhintern mit Lerchensporn" 1A!!!!!!!

    Liebe Grüße. Jo

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  18. Ich lese mich hier so nach und nach durch deinen Blog und muss jetzt echt mal sagen, dass ich allem voran deinen Schreibstil fantastisch finde und ständig vor mich hingrinsen muss. Außerdem gibt es natürlich auch viel über Pflanzen und Gärten zu lernen, das möchte ich hier auch nicht unerwähnt lassen.
    Übrigens ist mein (neuer) Garten nicht nur ein kleiner Reihenhausgarten von der Größe eines Handtuchs - nein, für seine Größe müssten ganz neue Maßstäbe erfunden werden... halbiertes Taschentuch vielleicht.

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  19. Liebe Elke
    Also die ersteren deiner Knöllchen, also denen mach ich, wenns irgendwie geht, den Garaus. Hm, d.h. nein, das geht ja nicht, sonst müsst ich den ganzen Garten umackern. Denn das Scharbockskraut, also das wuchert bei uns echt und überall! Betonung auf Wuchern und nein, ich mags einfach nicht wirklich, aber ich werde dem wohl niemals Herr werden, also bin ich dazu übergegangen, es zu erdulden und es nicht noch mehr werden zu lassen.
    Was jedoch den Lärchensporn anbelangt, den hab ich im Garten (ja richtig leider, denn der gefällt mir auch) noch nicht gesichtet. Eigentlich schade drum, der schaut ja nun wirklich mehr wie hübsch aus.
    Gefreut hab ich mich aber in diesem Frühling, dass es endlich den Anschein macht und die Duftveilchen sich vermehren. Hej, soooo schön. Dieses wunderhübsche Blümchen würde auch noch in diese Reihe passen, d.h. nein, eigentlich doch nicht wirklich, es hat keine Knöllchen.
    Ich wünsch dir eine gute Restwoche, danke dir für deinen Kommentar bei mir und schick einen lieben Gruss
    Ida

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  20. Wunderschönes Blog! Nur schade, dass so wenige Menschen wissen, die Geschenke von Scharbockskraut (erster Vitaminspender im Vorfrühling), Brennessel http://experimentselbstversorgung.net/brennnesselzeit/ und Giersch http://www.chefkoch.de/rs/s0o8/Giersch/Rezepte.html anzunehmen und zu nutzen. Was in meinem Garten überhand nimmt, wird einfach aufgegessen, schmeckt uns, verschafft uns einen Gesundheitsvorteil, fördert Entdeckerfreude und Kreativität, kostet uns nix und spart den Weg zum Supermarkt. Und wenn man die Brennesseln schon nicht selbst konsumieren will, kann man doch wenigstens andere Gartenpflanzen oder Schmetterlinge damit nähren und schützen.http://www.youtube.com/watch?v=jqxUvEFpUfU

    Liebe Grüße
    Karin
    wuppapfel.wordpress.com

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    Antworten
    1. Hallo Karin,
      danke für deinen netten Kommentar.
      Ich würde auch gerne den Schmetterlingen etwas Gutes tun mit Brennnesseln, aber im Reihenhausgarten wird es einfach zu eng für diese wehrhafte Pflanze und mich. ;-)
      Ich werde sie sowieso nie ganz ausrotten, aber für einen ganzen Quadratmeter Nesseln ist leider gar kein Platz.
      Viele Grüße
      Elke

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  21. Jetzt weiß ich endlich mal, was da gelbes in unserem Rasen (ok - eher Wiese ;)...) wächst :) Scharbockskraut. Mir gefällt's. Aber ich mag auch Gänseblümchen, Löwenzahn und Wiesenschaumkraut :)

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  22. Hallo Elke,

    ein sehr schöner Artikel! Ich finde es nicht naiv, wie du mit dem "Unkraut" verfährst. Ich handhabe es ähnlich.

    LG
    Annika

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  23. So ähnlich gehts mir auch, liebe Elke! Allerdings hatten wir auch immer Giersch, der ist schwer kleinzukriegen, wir essen ihn dann eben :-) Und Brennessel brauche ich dringend, die ist für die Gesundheit einfach Gold wert und im eigenen Garten weiß ich, was ich habe. So brauche ich nicht erst lange zum Wald laufen, wenn ich morgens eine Tasse Brennesseltee trinken will. Auch fürs Haar die Tinktur aus den Wurzeln ist unersetzlich.

    Lerchensporn hatte ich leider noch nie im Garten. Vielleicht wirds ja im nächsten Garten was. Ich finde es immer sehr spannend zu beobachten, was sich da von selbst alles einstellt mit der Zeit.

    Diese von Dir angesprochene Sache mit der Werbung ist nicht unüblich und ab einem gewissen Level wird man da immer mal angeschrieben. Man sollte es nur nicht für umsonst tun. ;-) Es kostet schließlich Arbeitszeit und Energie.

    Liebe Grüße
    Sara

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