Sonntag, 29. April 2012

Natur hautnah

Meinen Garten pflege ich am liebsten mit Naturprodukten: Im Frühjahr bekommt er eine Gesichtsmaske aus Kompost, im Sommer ein Gesichtswasser, im Winter eine heilsame Schlammpackung. Antifaltencreme braucht er nicht, ebensowenig wie ein Deo, denn meistens riecht er recht gut.

Aber was ist eigentlich mit mir? Pflege ich mich auch nur mit Natur? Mitnichten - mein Garten hat es in der Hinsicht weitaus besser getroffen als seine Gärtnerin. Ich achte zwar darauf, dass meine Gesichtscreme kein Paraffin enthält, aber spätestens beim Duschzubehör fehlt mir komplett der Durchblick bei der langen Zutatenliste mit ihren wenig wohlklingenden chemischen Inhaltsstoffen.

Das wollte ich ändern und habe deshalb Hilfe gesucht bei Cosima Bellersen Quirini und ihrem Buch "Naturkosmetik - einfach selbst gemacht", brandneu und frühlingsfrisch aus dem Ulmer-Verlag.


Das Werk mit dem viel-versprechenden, hübschen Einband beeindruckt schon beim ersten Durchblättern mit einer schier unendlichen Fülle an Rezepten zum Kosmetikrühren - Von Kopf bis Fuß, von der Creme über das Shampoo bis zur Zahnpasta ist für jede Lebenslage und jeden Hauttyp etwas Passendes dabei. Alles ist verständlich erklärt und schön bebildert.

Aber bevor es so richtig an die Tiegel und Töpfe geht, muss man sich erst einmal über seinen Haut- und Haartyp im Klaren werden. Danach gibt es einige erläuternde Worte zur Rohstoffkunde, zum Material, zum Einkauf und zu den handwerklichen Grundlagen. Erfreulich ist, dass man zwar auf professionelle Rührstäbe und Bechergläser zurückgreifen kann, die Autorin aber immer auch einfache, günstige Hilfsmittel nennt, die man sowieso im Haushalt hat - wie ein Ess-Stäbchen oder ein leeres Marmeladenglas.

Wie wichtig aber eine exakte Waage ist, konnte ich gleich bei meinem ersten Selbstversuch erfahren: Ich hätte auf die Autorin hören sollen, denn auch wenn das Gerät angeblich grammgenau messen kann, muss das nicht klappen: Als das gute Stück sich auch nach löffelweisem Schaufeln von Pülverchen nicht rührte, wurde ich misstrauisch. Zu meiner Rettung schritt zum Glück eine Tabelle im Buch ein mit ungefähren Angaben, wieviele Messerspitzen in etwa ein Gramm Pulver sind (nicht so viele, wie ich schon in den Tiegel verklappt hatte...).

Damit aus der ersten Creme nicht gleich die Ursuppe wird, wird auch erklärt, wie man sauber arbeitet und seine eigene Mixtur mit für Naturkosmetik zugelassenen chemischen oder ganz natürlichen Konservierungsmitteln  haltbarer macht.

Die Rezepte schrecken zunächst ab mit ihren vielen jeweiligen Zutaten, man kann sich aber alles relativ schnell in der Apotheke, im Reformhaus oder in speziellen Läden (zum Beispiel "Spinnrad") besorgen. Teuer ist das aber in jedem Fall - jeder der unzähligen Rohstoffe, die man für eine einzige Creme braucht, kommt in einer winzigen Packung daher. Ich hoffe, dass die meisten Zutaten wenigstens lange halten, da man oft nur wenige Tropfen benötigt.

Gewünscht hätte ich mir deshalb eine Tabelle, wo man welche Zutat am besten auftreiben kann - denn die preiswertesten Rohstoffe gab es tatsächlich in der Apotheke, obwohl gerade dort in Handarbeit abgewogen wurde.

Ansonsten bleiben kaum Wünsche offen: Im Anhang befinden sich Auflistungen mit allen wichtigen Rohstoffen, woher sie stammen und welche Wirkung sie erzielen. So kann man selbst kreativ werden, auch Dank der Grundrezepte, die man beliebig abwandeln kann.


Die Aussicht auf perfekt auf mich abgestimmte Produkte mit genau meinem Lieblingsduft ist jedenfalls so verlockend, dass ich auf jeden Fall noch mehr ausprobieren werde. Und wie das alles duftet! Ich fand allein schon den Geruch von "Benzoe Siam" (einem natürlichen Konservierungsmittel) so fabelhaft, dass ich bei meiner ersten Creme auf weitere Duftstoffe komplett verzichtet habe. Und sollte sich der Lieblingsduft je nach Jahreszeit ändern, nimmt man einfach einen anderen - ein großer Vorteil gegenüber gekaufter Kosmetik.

Ein Wermutstropfen für Gärtner bleibt: Die in den einleitenden Kapiteln angekündigte Nutzung von Heilpflanzen aus dem Garten bleibt mehr oder weniger auf die Theorie beschränkt - in den Rezepten findet sich kein selbst gemachter Frauenmanteltee oder eine Mädesüßtinktur. Auch das Rezept für den Klassiker, die Ringelblumensalbe, ist komplett käuflich und bekommt nichts aus dem Garten verpasst.


Ansonsten ist das Buch eine ansprechend gemachte Schatztruhe von Rezepten für jeden Anwendungsfall. Ob das Selbermachen wirklich günstiger ist, als Naturkosmetik im Bioladen zu kaufen, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Individueller ist es auf jeden Fall.

Vielen Dank an BloggDeinBuch und den Ulmer-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Oh, das klingt spannend, Elke. Ich bin ja selber auch in der Hexenküche tätig und siede meine Seifen selber. Es macht richtig Spass. Auch Dir noch viel Vergnügen beim Anrühren Deiner Verschönerungskuren. Ehm, aber gell, wenn Du dann DAS Verjüngungsmittelchen gefunden hast, verrätst Du uns dann das Rezept... nur uns so im Vertrauen... *grins*.
    En liebe Gruess
    Alex

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  2. mmmm Wikipedia says - erinnert an - chocolate and vanilla. No wonder you love the smell ;~)

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  3. Liebe Elke,

    dann wünsche ich Dir viel Spaß mit Deinem Buch und viel Erfolg beim Selbermachen. Ich bin ja eher nicht so der Selbstmachtyp, aber interessant stelle ich mir das durchaus vor.
    Dein Post über den Krokus gefällt mir sehr gut. Man macht sich ja oft gar nicht solche Gedanken und freut nur darüber, dass sie sich vermehren.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Was für ein schönes Ringelblumenbild, das mit der Naturkosmetik ist für mich, die nur eine Tages- und eine Handcreme hat, so eine Sache... man könnte vieles ausprobieren, aber eigentlich braucht man es nicht. Meine Mutter ist allerdings um so mehr Verfechter der Naturkosmetik und vielleicht schenke ich ihr ja das Buch zum Geburtstag... Liebe Grüße Annette

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  5. Liebe Elke, so ein Buch mit vielen Kosmetik-Rezepten klingt verlockend, aber ich glaube mir wäre das viel zu viel Aufwand jede Creme und jedes Duschgel selber zu mischen :)

    Ganz liebe Grüße
    Kathrin

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  6. Hallo Elke,

    obwohl mich der Inhalt diesmal weniger interessiert, finde ich deinen Stil wieder klasse. Das ist anschaulich beschrieben, die Sätze sind kurz, die Sprache ist verständlich. Macht Spaß, deine Texte zu lesen !

    Gruß Dieter

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  7. also, wenn das buch nichtmal selbstgemachte ringelblumensalbe enthaelt, finde ich das aber schon traurig. die ist doch wirklich leicht zu machen! ich hab hier immer das problem, an diese zutaten nicht zu kommen (spinnrad gibts hier nicht:), deswegen mache ich nur noch wenige sachen selbst. bzw. nur die, fuer die ich nicht alle diese puelverchen und gele brauche. also, duschgel wird weiterhin gekauft, dafuer kann ich aber die ringelbumensalbe auch so selbstmachen:)
    gruesse von der insel
    Bettina

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  8. Liebe Elke,

    danke für den wunderschönen Buchbericht!
    Ich bin ja mehr die Kräuter für Tees oder für's räuchern Sammlerin und Trocknerin, allerdings habe ich über meine Nachbarin eine wunderbare Bezugsquelle zu einer Frau, die Naturkomsmetik selbst herstellt (ganz auf Wunsch) und dafür wirklich nur den Preis nimmt, den sie für die Zutaten investieren muss.
    Aber das Buch ist auf jeden Fall als potentielles Geburtstagsgeschenk notiert!
    Lieben Gruß, Doris

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  9. Hallo Elke und alle Anderen ;-)
    Als Ergänzung oder zum Ausprobieren kann ich euch auch noch diese Seite hier empfehlen: http://www.meinekosmetik.de/rezepte/rezepte.html

    LG Barbara S.

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  10. Hi Elke.
    Muß ein schönes Buch sein.Ich liebe auch solche Bücher aber nachmachen
    ist manchmal zu aufwändig.
    Schöne Woche und liebe GRüße Jana.

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