Freitag, 15. Juni 2012

Der kleine Eisberg

Nun ist es also passiert: Rosa multiflora ist in meinem Garten havariert. Sie ist auf Grund gelaufen. Dabei sieht sie so unschuldig aus, wie sie da jetzt in der Gegend herumhängt und schon fast den Rasen berührt. Wie ein kleiner Eisberg, an dem ich vorbei muss, wenn ich in den hinteren Gartenteil gehen möchte. Da kann die Gärtnerin schon mal Schlagseite bekommen.
Nach einem prächtigen Platzregen neigen sich die Zweige umso mehr gen Boden, bei trockenem Wetter dagegen lässt die lässige Landnahme wieder ein wenig nach. Man könnte Frau Büschelrose also auch prima als Barometer verwenden.


Aber es gibt schlimmere Anblicke und auch eine schlimmere Landplage als die militante Multiflora. Außerdem bin ich ja selbst schuld. Was pflanze ich auch so eine raumgreifende Rosenpersönlichkeit in meinen kleinen Garten. Wer nicht hören will, muss schneiden. Das werde ich aber erst nach der Blüte machen. Nicht jetzt bitte, nicht bei diesem weißen Wunderstrauch, der über und über bedeckt ist mit Bienenverlockungen. Rosa multiflora müsste schon fast unter das Bestäubungsmittelgesetz fallen, so beliebt ist sie bei den Insekten.



Bei meinen Fahrradausflügen habe ich viele Büschelrosen in den Parks und den Feldern gesehen, aber mein natürlich völlig objektiver Eindruck ist, dass keine so sehr auf dicke Rose macht wie mein Exemplar. Keine ist so strahlend weiß und blüht so überschäumend. Das könnte zum einen am guten Kompostfutter liegen, zum anderen aber vielleicht auch am jährlichen Radikalschnitt, mit dem ich sie zu bändigen versuche. So gesehen ist es vielleicht gar nicht so schlimm, sie immer wieder mit der Schere zu malträtieren.

Man kann es daher gar nicht oft genug sagen, was für eine prächtige Wildrose das ist - immer gesund und munter.

Wer das Wagnis mit ihr eingehen möchte, hat mehrere preisgünstige Möglichkeiten:
Zum einen kann man nach Sämlingen Ausschau halten. Diese finden sich oft nicht weit von der Mutterpflanze, sogar im Rasen:


Da es sich hier im einen Neophyten aus Asien handelt, der bei uns gern verwildert, dürfte es legitim sein, so einen winzigen Keimling in freier Wildbahn mitzunehmen und ihm ein schönes Zuhause zu geben. Unter der Mutterpflanze wird der sowieso nichts. Das Gleiche gilt für Parkrosen, die ihren Nachwuchs in eine Rasenfläche gepflanzt haben. Dort kommt bald der Sensemann vorbei, so dass man auch solche Pflänzchen adoptieren kann.

Bis so eine Mini-Multiflora endlich blüht, gehen aber ein paar Jahre ins Land.

Schneller geht es mit Stecklingen. Das funktioniert bei ihr für eine Rose erstaunlich gut. Ich habe selbst schon kahle, hagebuttentragende Zweige im Herbst gesteckt, die im Frühjahr bewurzelt waren. Nur vor starken Frösten muss man solche Experimente schützen. Das kann dann sogar mit Ästen aus der Floristik gelingen.

Es lohnt sich in jedem Fall - auch wenn nun der halbe Garten mit dem kleinen Eisberg voll ist, aber wer könnte diesen Blüten schon widerstehen?


Mit Campanula latifolia Alba

Kommentare:

  1. Büschelrose, eine Wortschöpfung von dir? Ich mußte so lachen. Sie ist wirklich traumhaft schön, und bei mir ist es auch so, man sieht was, setzt es und nach Jahren erschlägt es einen. Aber du kannst sie sicher in den Griff kriegen, sie ist wunderschön!

    Sigrun

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  2. Wunderschön! Auch für mich, als "nicht-rosen-fan" eine Augenweide!

    Lieben Gruß, Doris

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  3. Ich hab mich während unserer Frühjahrs-Fahrradtouren der vergangenen Jahre in diese weiße Schönheit verliebt. Darum hatte ich mir im letzten Jahr zwei Büschelrosen in die Blütenhecke gesetzt. Doch beiden wurde während der letzten Monate so stark von Wühlmäusen zugesetzt, dass ich sie zwischenzeitlich durch andere Blütensträucher ersetzen musste :o(. Kleiner Trost: Immerhin konnte ich von einem Exemplar wenigstens noch einen bewurzelten Ableger gewinnen. Den hab ich eingetopft und er gedeiht prächtig. Mal sehen, wo ich ihn unterbringe, wenn er Pflanzgröße hat.

    Herzliche Grüße,
    Iris

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  4. Noch ein kurzes Melderchen vor Mitternacht von meiner Seite. (◠‿◠)
    Danke für diese wunderfeine Rosa-multiflora-Führung, liebe Elke (≧◡≦) Tolle Blüten, die du auf traumhaft schönen Fotos gekonnt zu verewigen wusstest. *daumenhoch* Betäubungsmittelgesetz für Insekten gefällt mir auch gut. hahaha
    ielen Dank für deinen lieben Kommentar. Besser als voll ins "Glück" zu treten. hahaha
    Einen guten Start ins WE wünsche ich dir
    und lasse GLG hier
    Wieczorama (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  5. nachdem ich nun bei einem wildrosenset schon zugeschlagen hatte, hoert es sich so an, als muesste ich auch die multiflora mal suchen.... ich liebe diese einfach bluehenden rosen, die ueberschaeumen vor blueten, aber leider gibt es hier weder saemlinge zu finden noch ein "muttertier", von dem ich stecklinge nehmen koennte... mal sehen, ob ich sie irgendwo als saatgut aufstoebern kann. der vorteil bei den wildrosen - man kann sie auch so anziehen, ohne veredelung:) danke fuer den tip...

    irische gruesse

    Bettina

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  6. Herrlich! Ich beneide dich um diese Blütenpracht-bei mir wachsen die Rosen ganz fein, nur so richtig ins Blühen kommen sie nicht-da half bisher weder Rosendünger noch Kompost. Da werde ich mich wohl mal in den Forst begeben und nach Pferdeäpfeln suchen.
    Aber so einen Ableger aus dem nächsten Park werde ich ir wohl auch ausbuddeln...

    Liebe Grüße in Dein Wochenende
    Jo

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  7. Hallo,

    habe mir auch einen kleinen Eisberg aus einem Steckling gezogen, leider ist er noch klein und blüht noch nicht.Aber das wird sicher noch! :)
    Dir noch ein schönes We
    Dagmar

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  8. Deine Multiflora sieht wirklich toll aus! Auf unserem Sandboden wächst sie zwar auch immens, aber so überschäumend blüht sie bei mir nicht. Ich sollte es vielleicht auch mal mit einem radikalen Rückschnitt versuchen? Aber dann muss ich auf die zauberhaften Hagebutten verzichten....tja, alles kann man halt nicht haben...
    Liebe Grüße von Heike

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  9. *Kreisch* unter das Bestäubungsmittelgesetz fallen? ....*lach*
    Ich habe mich mal wieder grossartig über deinen Beitrag amüsiert!
    LG Carmen

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  10. Vielen Dank für deinen reizenden Beitrag und dein Lob auf die weiße "Büschelrose". Ich überlege jetzt, wohin sie bei uns gepflanzt werden könnte, freier Platz ist nicht mehr....höchstens wenn ich noch etwas Rasen absteche? :))
    ♥lichst Zaunwinde

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  11. Hallo Elke
    Wunderschön ist Dein Eisberg... ja bei der würde ich auch gerne mal auf Grund laufen und ich mich kerne in seinem Blütemeer versenken lassen :o). Den Stecklingen von Dir geht's super in meinem Garten. Sie haben sich bereits in der Grösse verdoppelt. Jupiiii... so kann's weitergehen.
    En liebe Gruess
    Alex

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  12. Guten Morgen liebe Elke
    Das ist ja eine richtige Liebeserklärung an Deinen Eisberg. Aber wie du sie beschreibst, muss sie wahrlich prächtig daherkommen und immer wieder alles geben.
    Ich wünsch dir eine gute Woche. Herzlichst
    Ida

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  13. wunderschöne Bilder und wie immer ein wundervoller Text zum Schmunzeln liebe Elke!
    Bis bald wieder und viele Grüße von Renate

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  14. Wenn ich so Deine tollen Rosenbilder sehe, kommt bei mir schon etwas Neid auf. Bei uns sind die Rosen in diesem Jahr 3x zurückgefroren, was zur Folge hatte, dass einfach keine Augen mehr waren, aus denen sie es noch einmal hätten versuchen können und so wieder ganz von unten beginnen mussten. Schon ein komischer Anblick, "Bodendecker" zu sehen, wo sonst prächtige Buschrosen wachsen. Aber sie leben noch.

    GlG Jane

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  15. Die Rose blüht wirklich umwerfend schön, aber bei 60m² muss man extrem aufpassen was man sich in den Garten holt :) Sollte ich mal wieder mehr Platz zur Verfügung haben, werde ich mir auch so eine Buschrose pflanzen.

    lg kathrin

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