Mittwoch, 6. Juni 2012

Mäusezirkus

Es steht in jedem Selbsthilfehandbuch für schneckengeplagte Gärtner: Die Akelei wird gemieden und gehört damit in alle Gärten, die hauptsächlich aus Mollusken bestehen.
Dem kann ich auch nicht widersprechen - auch in meinem Garten lassen sie ihre Raspelzunge von der Aquilegia, obwohl man bei der stetig wachsenden Anzahl von Sämlingen ja sowieso nie merken würde, ob eine fehlt.


Eventuell gibt es auch irgendwo eine Nacktschnecke, die gerne Akelei zum Frühstück verspeist - und damit Schande über ihre ganze Zunft bringt. Da kann man sich nie ganz sicher sein, schließlich soll es auch Menschen geben, die gerne Rosenkohl essen. Oder Schlimmeres. Aber im Großen und Ganzen ist die Akelei nun mal kein Rittersporn und genießt damit eindeutig eine gewisse Schneckenimmunität.


Sollte aber doch einmal eine Akelei plötzlich mit Stumpf und Stiel abhanden gekommen sein, könnte ein ganz anderes Tier dafür verantwortlich zeichnen. Ein Tier, das auf der Beliebtheitsskala der Gartenkreaturen von der Nacktschnecke in etwa so weit entfernt ist wie ein Schokopudding von einer mittelgroßen Portion Spinat - obwohl dieses Tier vermutlich beides gerne fressen würde. Sympathiepunkte hat es in jedem Fall deutlich mehr und hinterlässt auch keine Schleimspuren.

Das akeleiverschlingende Tierchen ist plüschig, hat große Knopfaugen und ist trotzdem extrem kurzsichtig. Daher weiß ich auch, was es so treibt, denn es sieht mich meistens nicht rechtzeitig.


Diese äußerst putzige Rötelmaus bereitet sich aus diversen Stauden gerne einen Salat oder was auch immer zu, mit dem Ergebnis, dass ganze Pflanzen einfach verschwunden sind. Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht selbst gesehen hätte: Die Maus kommt aus ihrem Versteck, läuft und schnuppert ein bisschen herum, um dann - happs - zielsicher ein Akeleiblatt ganz unten abzubeißen und mitzunehmen. Das funktioniert auch mit Oregano und Christrose (Helleborus niger) ganz hervorragend, und stets mit chirurgischer Präzision. Und dann lässt sie es wie einen Unfall aussehen.



Blöderweise bleiben auch Christrosenblüten nicht verschont, das ist besonders ärgerlich.

Wer also besondere Sorten von Aquilegia im Garten hat, muss bei gleichzeitiger Anwesenheit des kleinen Pelztierchens aufpassen, sie nicht an die üblichen Mäuserennstrecken zu pflanzen. Ganz besonders beliebt sind Holzterrassen. Diese erlauben es dem Nagetier, unbehelligt vom Untergrund aus ein recht großes Areal von floralen Delikatessen zu überwachen - während die Katzen dumm aus der Wäsche gucken bei soviel Holz vor der Tür. Seltene Pflanzen und Holzdecks sollten also fein säuberlich getrennt werden. Gefährlich ist auch alles andere, was einen komfortablen Hohlraum für Mäuse mit eingebautem Raubtierschutz bietet.

Und so sitzen die Nager gemütlich in ihrer hölzernen Souterrain-Wohnung, während die Katzen oben schier wahnsinnig werden, können sie die Beute doch riechen und hören, aber nicht erreichen.

Akelei-Samenstände mit Prachtstorchschnabel

Doch jedes Ding hat zwei Seiten, und so haben auch die Rötelmäuse eine sehr begrüßenswerte Eigenschaft: Wenn die Ahornbäume in der Nachbarschaft alljährlich Flugstunde haben und ihre Propellersamen auf die Terrasse hinabschweben lassen, sind die Nager prompt zur Stelle, um wieder klar Schiff zu machen auf dem Holzdeck - und zwar besenrein! Die großen Früchte schmecken ihnen nämlich offenbar auch.

Dass sie aber auch Nacktschnecken fressen, habe ich leider noch nicht beobachtet. Dann würden wir trotz Akelei-Angriffs richtig beste Freunde.

Kommentare:

  1. Meine Hausmausfamilie (unter einem Holzdeck und einer Hauszwischenwand ansässig) hat im vergangenen Jahr einen Kübel Campanula garganica (Polsterglockenblume) verspeist, einen weiteren mit Minze ratzekahl gefuttert (mit Minzöl soll man Mäuse vertreiben können) und aus den Blüten eines Geranium selvaticums ganz vorsichtig die Samenkapseln rausgeklaut. Das war allerliebst anzuschauen, weil die kleinen Mäuschen ganz vorsichtig über einen Bergenientopf ins Geranium geklettert sind - ohne irgendwas zu ruinieren. Wer kann da schon böse sein?

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  2. Hallo liebe Elke.
    Also muß die Akelei nicht lecker sein wenn sie nicht verspeist wird.
    Aber die kleine Rötelmaus ist ja putzig und ist bestimmt ein Feinschmecker.HIHI.Auch jedes Tierchen hat einen anderen Geschmack.
    Wünsche dir einen schönen Feiertag und lieeb GRüße Jana.

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  3. mäuselöcher habe ich diverse im trockenen Wll und Knick, aber auf die Idde dass die ja auch Pflanzenfresser sind bin ich noch nicht gekommen!!

    gibt es denn auch besondere Leckerbissen Akkelei habe ich so reichlich aber die Erdbeeren finden sie bestimmt auch lecker ...
    da hilft dann das gut verlegte Netz nur gegen Vögel
    Frauke

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  4. aha, a vole, that is what the North American gardeners blog about. But none with such delicate affection!

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  5. Ich trau mich ja kaum, es hier "laut" zu schreiben, aber ich liebe Rosenkohl!

    :D LG Doris

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  6. Liebe Elke,

    das ist wieder mal absolut köstlich wie Du das beschreibst. Ja so kann es gehen. Nicht nur "jedes Tierchen sein Plaisirchen", sondern auch noch seinen eigenen Geschmack. Das Mäuschen ist ja so niedlich, dem kann man eigentlich gar nicht böse sein.
    Ich habe auch jemanden im Garten, der sich an meinen kleinen Gemüsepflänzen bedient. Ich habe Brokkoli und Rosenkohl ausgesät, wobei die Pflänzen sehr ähnlich im Anfangsstadium aussehen, nur der Rosenkohl ist etwas dunkler. Den Brokkoli scheint jemand auf seinem Speiseplan zu haben. Der ist ziemlich angeknappert, der Rosenkohl nicht. Entdeckt habe ich den Mitesser allerdings noch nicht.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  7. Der Rötelmaus bin ich im Grazer Garten des öfteren begegnet, meistens in der Dämmerung. In meinem neuen Reich ist sie mir bislang noch nicht aufgefallen, auch konnte ich keine Spuren an meinen Akeleien entdecken - immerhin ein Plagegeist weniger mit dem ich mich herumschlagen muss :)

    lg kathrin

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  8. Liebe ELke,
    Sooo nett geschrieben, dass man fast für alle Zeiten seinen Groll auf mit essendes Getier vergisst! Ich schließe Jahr für Jahr mit einer anderen Rasse Frieden, denke, die müssen auch leben dürfen und fertig.
    Wie lange bist du auf der Lauer gelegen für das Foto mit der Maus? Ist echt süß!

    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  9. So lange es nicht die Wühlmaus oder eine Ratte ist, bleiben die Nager bei mir unbehelligt - die Ringelnatter muss ja auch irgendwas zu essen finden. ;)

    Bei mir turnt seit kurzem eine Haselmaus herum - ein sehr hübsches Tier das mich dauern würde, wenn es nicht in meinem Garten bleibt.

    Liebe Grüsse Rosana

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  10. Das hab ich jetzt noch nicht beobachtet, aber bei mir wächst auch alles so dicht, dass man den Boden eh nicht sieht.
    Rosenkohl - was hast du dagegen? *gacker* Mein Gemahl ißt den sehr gern, ich nur zerdrückt mit Kartoffeln!

    Sigrun

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  11. Liebe Elke, das hätt' ich nicht mal geahnt! Aber wie ich Dich kenne, bringst Du der Kleenen bald auch noch das Schneckenessen bei - dann möchte ich bitte einen Rötelmausableger, ja?
    Liebe Grüße, Dagmar

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  12. Liebe Elke, was man von dir so alles erfährt...und noch dazu in dieser köstlichen heiteren Art, es ist eine Freude deine Zeilen zu lesen. Hast du schon mal daran gedacht, deine Artikel in Buchform drucken zu lassen?...oder hab ich was übersehen und es existiert bereits?

    So ein kleines Rötelmäuschen kann man wirklich nur lieb haben und ihm alles verzeihen!

    ♥lichst Zaunwinde

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  13. Seit Mäuse im Winter meine kurze Hose zerlegt und zum Nestbau im Gartenhaus verwendet haben, mag ich sie nicht mehr.

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  14. Noch ein Nachtrag zur Hausmausfamilie: Gerade turnten zwei Mäusekinder auf dem Dach des Vogelhäuschens herum, um drinnen nur noch Schalen zu finden. Machte ihnen aber nichts - es gab dann Waldgeißbartblätter als Ersatz und ich weiß nun, warum der nicht gut wächst...
    Und allerliebst: Von den Funkienblättern wurden die gesammelten Regentropfenblätter weggeschlürft, so eine Kletterei macht eben durstig ;-)

    Hach, diese Mäuschen.....
    Liebe Grüße,
    Simone

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  15. also, zuerstmal ein outen: ich esse gerne rosenkohl:) und ausserdem laesst die roetelmaus ja zumindest die wurzeln drin, oder? da ich selber als faerber dauernd den akeleien die blueten klaue, macht es dann auch nix mehr, wenn sie auch noch da und dort ein paar blaetter lassen, ich goenns dem maeuschen. und wie du schon sagst, die sind sehr unzuechtig und verbreiten sich munter in alle richtungen. katzen haben wir hier nicht, und dem hund sind maeuse sowas von egal, der ist viel zu faul, sich drum zu kuemmern. in unserem garten herrscht also auch mit maeusen ruhe und frieden (es sei denn, die nachbarn schneiden silage, dann wirds laut:)

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  16. Hallo Elke
    Hast wieder ein richtig tollen Schmunzelpost geschrieben. Und jööööh, die kleine Maus hast Du super erwischt. Solche Fotos schaffe ich selten, da Noah meistens schneller ist :o). Wunderschön auch die Fotos der Akaleien. Aha, und nun weiss ich auch, wer meine Christrosen auf dem Gewissen hat... das Loch daneben hätte es mir eigentlich auch so verraten können.
    Wünsche Dir einen guten Endspurt dieser Woche.
    En liebe Gruess
    Alex

    P.S.: Du hast übrigens völlig recht, Rosenkohl ist "bäääääh"

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  17. Um deine Akelei tut es mir zwar leid, aber die Maus ist ja sooooo süß! Toll, dass du sie so schön ablichten konntest. Mäuse - kurzsichtig??? Lese ich jetzt zum ersten mal. hm Aber sie hören und riechen dich doch eigentlich auch. Interessant. Du schreibst sehr schön! Macht immer wieder Spaß!
    Danke auch für deinen lieben Kommentar. Hast du den Karneval der Kulturen in NRW eigentlich besucht?
    Eine gN8 wünsche ich dir. (≧◡≦)
    ♡allerliebste Grüße
    Wieczorama (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  18. Bisher waren nur ab und an Raupen über meine Akelein hergefallen und haben die Grippe übrig gelassen. Nie hätte ich erwartet, dass sich auch Mäuschen Blattsalate zusamenstellen. Aber soetwas fällt wohl nur auf, wenn Katz' und Maus sich an einer Holzterrasse mit sicherer Unterkonstruktion aufhalten :-)
    LG Silke

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  19. Und ich habe immer gedacht, dass gar niemand Akeleien essen mag.
    Wie man sich täuschen kann!
    Ich glaube, in unserem Garten gibt es mehr Katzen als Mäuse und meine Akelei ist relativ sicher. Bei den vielen Sämlingen wäre ich aber auch großzügig und würde gern einen leckeren Salat spendieren.
    Liebe Grüße
    Anette

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  20. Guten Morgen liebe Elke
    Oh, ihr wart auch in Hamburg. Tja, es kann gut sein, dass wir uns dann wohl am Donnerstag begegnet wären auf der Landungsbrücke - wir haben uns auch dort rumgetummelt :-) Das war der allererste Gang = Mann wollte unbedingt Hafen und Schiffe sehen *lach*. Also das nächste Mal treffen wir uns dann da, gell, und laufen nicht einfach so unwissend aneinander vorbei :-)
    Oh eine Rötelmaus - ich muss gestehen, von der hab ich noch nie was gehört. Wie wohl von so vielem, was du uns vorstellst. Und dass die Akeleien mag - tja, dann weiss ich, dass sie in unserem Garten nicht haust, denn eine Akelei ist mir noch nie einfach so abhanden gekommen - höchstens dann, wenn ich denn selbst mal Hand angelegt hab; ich liebe die Akeleien aber - sie können sich schon sehr überall und auch mal in kleinsten Ritzen ausbreiten. Aber egal, sie sind hübsch und wenn es zuviele werden und keine Rötelmaus in der Nähe ist, dann legt Frau halt selbst Hand an :-)
    Hab einen guten Wochenstart.
    Herzliche Grüsse
    Ida

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  21. Die kleine Maus ist ja zu süß! :-)

    Bei uns ist es aussgewogen mit den Schnecken - es wächst halt viel Wildes, daran haben sie genug.
    Je künstlicher die Gärten, je kleiner und je mehr künstlich bewässert wird, desto größer oft die Schneckenplage.

    Bei uns bedürfte es wohl ganzer Legionen Rötelmäuse, um all die Ahornsamen wegzuschaffen. ;-) Allzuviele sind es leider ...
    Deine Akeleien und der Storchenschnabel sind wunderschön!

    Liebe Grüße nochmal
    Sara

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