Montag, 23. Juli 2012

Sturm im Wasserglas

Wuchern will gelernt sein. Manche Pflanzen haben in der Baumschule ganz besonders gut aufgepasst, als das Wuchern auf dem Stundenplan stand. So wie die Minze (Mentha in Arten und Sorten, insbesondere M. spicata und piperita). Sie ist der Wucherweltmeister - keine wächst so rasch wie sie. Eingegrabene Tonschalen als Hemmnis können sie nicht immer zuverlässig aufhalten, da kriecht sie einfach über den Rand. Dabei ist Minze so überaus vielseitig in Geschmack und Verwendungszweck, dass man sie viel öfter pflanzen sollte. Doch leider ordnet sie sich im Staudenbeet nicht unter und torpediert aus dem Untergrund die schönsten Planungen. Soviel sie an kulinarischen Talenten zu bieten hat, so sehr hapert es bei ihr an Benimm. Ich würde ihr gern sagen, wie überaus erfolgreich sie sein könnte, wenn sie zur Abwechslung einmal horstig wachsen würde, aber sie würde sowieso nicht zuhören. Ausläufer können ihr sicherlich in der wilden Wiese zum Durchbruch verhelfen, im Beet aber sind sie völlig daneben.

Hinzu kommt, dass ihre Blüten nicht besonders spektakulär bis unscheinbar sind. Und meistens Fliegen auf ihnen sitzen. Aber die können ja bei näherer Betrachtung auch ganz hübsch sein.





Und so kommt bald nach dem Pflanzen eines schön ordentlich gewachsenen Minztöpfchen der Karriereknick der duftenden Dame. Bei mir steigt sie regelmäßig mitten im Buchs empor oder drängt sich zarteren Pflänzchen auf, die soviel Nähe nicht ertragen. Irgendwie hat sie ein Händchen dafür, ständig am falschen Ort aufzutauchen. Sie möchte auch nicht im Mittelpunkt stehen, nein, schon eher behagt ihr der Beetvordergrund - die erste Reihe muss es schon sein.


Wenn man das antiautoritäre Kraut dann ausrupft, wo es nun wirklich nicht hingehört (und das ist leider fast überall), rächt es sich sogleich, indem es mit einer wahren Duftattacke an seine kulinarischen Qualitäten erinnert. Also kann es die Gärtnerin auch prompt gar nicht mehr verantworten, das olfaktorisch so aufdringliche Grünzeug den Mäusen im Kompost anzubieten, sondern stellt es flux in die nächste Vase. Für später, zum Kochen.

Und da hat Madame Minze ja nur drauf gewartet. Das ist ihr großer Moment, denn selbst die Schere kann sie nicht aufhalten: Die abgeschnittenen Zweige treiben bei Wasserkontakt schon nach einer Woche wuchernde Wurzeln. Gelernt ist gelernt.



Und nun? Soviel Überlebenswille rührt mich regelmäßig so sehr, dass ich es jetzt nicht schaffen werde, die Vasenwurzler wegzuwerfen. Ein Dilemma. Aber ein leckeres.


Um solchen Gewissensbissen von vornherein aus dem Weg zu gehen, ist man besser beraten, wenn man Minzen dauerhaft in Kübel sperrt. Eine solche möchte dann aber gefälligst auch beachtet werden - Trockenheit behagt ihr gar nicht. Arger Frost auch nicht immer - mein letztes Jahr so vielversprechender - und geschmackvoller - Topf mit marokkanischer Minze hat leider den Winter nicht überlebt.

Hat man aber mal unfreiwillig Sensemann gespielt und mit dem Rasenmäher doch eine besonders seltene Minze abrasiert, kann man sie im Wasserglas doch noch wiederbeleben, um sie anschließend wieder einzupflanzen. Das ist doch auch ein Trost.

Kommentare:

  1. Ach ja die liebe Minze.
    Leider sucht man sie bei mir vergebens. Noch.
    Der Kübel steht schon bereit und doch habe ich noch keine Minzpflanze gesehen. Die sind bei uns wie vom Erdboden verschluckt. In keinem Supermarkt, noch beim großen Gartencenter und auch nicht im Baumarkt und das schon seid Frühlingsbeginn. Entweder ich habe sie verpasst oder ?

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  2. Liebe Elke, ich bin ihr genauso verfallen! Sie darf bei mir trotzdem ins Beet, denn im Kübel fühlt sie sich nicht so wohl - bei mir zumindest. Und immer, wenn ich sie dann bändige, versprüht sie ihren Duft - ich liebe sie, egal wo! Und so groß mein Vorrat an getrockneter Minze für den winterlichen Tee auch ist, im Frühjahr ist er immer alle...
    Liebe Grüße, Dagmar

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  3. Hihi, ich kann sie förmlich sehen, die Minze in der Baumschule, wie sie ihre Blättchen spitzt um ja nix Wissenswertes zum Überleben zu verpassen. Ich geb's zu, ich habe sie in meinem Garten fast zermordet. Im Topf behagt es der Minze in meinem Garten meistens nicht. Ein Jahr ist sie schön und im folge Jahr... naja, lassen wir das, wir wollen ja auch nicht gerne den Spiegel vorgehalten bekommen, wenn wir die Nacht durchgefeiert und einen zu viel hinter die Binde gekippt haben.
    Betreffend hinter die Binde kippen, ich liebe den Duft von Minze, aber im Tee mag ich ihn gar nicht. Hmm, vielleicht sollte ich aus den letzten paar Zweigen Minze doch noch mal einen Sirup herstellen.
    Hab einen gemütlichen Abend mit etwas Minzeduft ums Näschen geweht.
    En liebe Gruess
    Alex

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  4. Liebe Elke,

    das ist einfach wieder köstlich. Man kann sich das so richtig bildlich vorstellen, wie die Minze überall aus dem Boden schießt. Aber mit den gewurzelten Stengeln im Wasserglas hätte ich genauso Probleme wie Du. Ich könnte sie auch nicht einfach wegschmeißen.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  5. Das Problem kommt mir bekannt vor. Unser Vormieter liebte Minze und nun wächst sie überall. Selbst im Hochbeet, wo nur ausgerissene Pflanzen landeten, zeigt sich nun wieder ein kleiner Bestand. Wenn Minze mal wachsen kann, wie sie will, hat man verloren.

    lg kathrin

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  6. Ich hab eine Spearmintminze im Beet, die ich nicht wegbekomme. Früher hatte ich meine Minzen alle auf der Terrasse im Kübel, heute habe ich keine mehr. Alles Invasive halte ich von mir fern.

    Sigrun

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  7. Liebe Elke
    Nun ich selber hab derzeit keine mehr Araber ... Ich bereichere mich an derjenigen, welche sehr zuverlässig angekrochen kommt, zwischen den Steine durchwächst aus Nachbars Garten.
    Liebe Grüsse
    Ida

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  8. Hallo Elke,

    bei mir ist sie ingesperrt im Kübel!! Aber ihre Verwandte die Zitronenmelisse vagabundiert bei mir durch die Beete.
    LG Dagmar

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  9. Hallöchen liebe Elke.
    Ja Minze ist schon ein Problem.Aber als Lückenfüller finde ich ihn nicht schlecht.Aber man muß schon aufpassen das es nicht zu viel wird.Bei mir ist Zitronenmelisse am wandern bin nur am rausreißen.Nur eine Gartenecke hat sie sonst nix.HIHI.
    So hat man schon seine Mühe alles zu überwachen.
    Schönen Sonnentag und liebe GRüße Jana.

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  10. Ja, die ist wirklich nicht totzukriegen., und seeehr eigenwillig! Manche Sorte lieben es zu wandern und bleiben nicht da, wo sie sollen...einsperren soll nur helfen, wenn man regelmäßig das Substrat wechselt. Mein Versuch sie in einem Topf einzusperren war mäßig erfolgreich. Sie mögen das einfach nicht.
    Andererseits bleibt eine Ingwerminze hartnäckig an einer Stlle 'sitzen', wo ich sie gerne eliminieren möchte. Die Englischen Minzen 'sangen' nur einen Sommer. Wie ich es gemacht habe, war's falsch. die Anrede 'Madame' finde ich ausgesprochen passend!
    LG
    Sisah

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  11. Liebe Elke,
    ich könnte Dir mal portugisiesche Minze schicken, dann weißt Du, was
    wuchern heißt;-) Aber wir haben den Platz dafür und wo die Minze wächst,
    wächst keine Giersch ;-) auch gut.
    So ein paar frische Blättchen gepflückt und übergebrüht, das hat schon was. Gerade bei dem Wetter.

    Liebe Grüße aus dem Norden ( wir haben auch fast 1 Woche Sommer!!)
    Meggie

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  12. Ja, den Kampf gegen die Minze hab ich auch schon hinter mir. Eine liebe Freundin hat es wirklich gut gemeint und mir vor Jahren ein paar Pflänzchen mitgebracht.
    Ich genieße deine Gartenberichte und bedanke mir dafür!
    ♥lichst Zaunwinde

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  13. Moin, dir kann geholfen werden! Guck mal hier:

    http://wachsenundwerden.blogspot.de/

    Da findest du mit Sicherheit eine Antwort auf die Frage, wie man Pepers einkocht oder du schreibst ihr ne Mail, sie ist die Fachfrau!

    Sigrun

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  14. Ich glaub nicht , was ich hier lese-bzw.kann es nicht glauben: Ich habe Minze sooo gern, vom Schwesterherz ausgebuddelt gab es eine Übersiedelung in meinen Garten und auch zwei gekaufte Exemplare wurden eingegraben...nix,weg,verschwunden...
    Versteh noch einer das Pflanzenvolk!
    Mich wundernd durch den Garten schlendernd viele Grüße zu Dir,
    Jo

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