Freitag, 14. September 2012

Das zweite Leben des Sellerie

Esst ihr gerne Stangensellerie, auch genannt Bleichsellerie (Apium graveolens var. dulce)? Diesen langen, grünen Lulatsch, dem das öde Image eines Diätgemüses nachhängt, weil er gern roh mit Quarkdipp daherkommt?
Was für ein Glück, dass man noch viel mehr mit ihm zubereiten kann, zum Beispiel einen leckeren, unkonventionellen Kartoffelsalat mit Sellerie statt Gurke und grüner Paprika statt Ei, aber wie beim Klassiker mit gewohnt viel Majonäse, denn Kalorien-Zählen beim Kartoffelsalat macht ja nun wirklich keinen Spaß.

Doch Stangensellerie ist großer Mist, wenn er aufgegessen ist. Denn dann muss man wieder in den Supermarkt laufen, um einen neuen zu holen.

Oder geht das vielleicht auch anders? Ja, das geht, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Gemüsen ist Sellerie mit der Kraft der zwei Leben ausgestattet. 

Chilischote - schön und scharf, aber nicht regenerationsfähig

Während man aus einem Paprikastiel keine neue Frucht bekommt und die Gemüsezwiebel beim Schneiden (wenn auch unter Protest) ihr Leben aushaucht, kommt der Stangensellerie praktischerweise mit dem Wurzel- und Blattansatz frei Haus. Wenn man die Stiele nicht bis ganz unten verwendet, ist das Gemüse dadurch nicht bodenlos und hat weiterhin die Fähigkeit, neue Wurzeln zu bilden.

Glaubt ihr nicht? Doch, das geht wirklich! Ich habe es ausprobiert und selbst bei einem arg ramponierten Kühlschrankbewohner geschafft, ihn wiederzubeleben:


Man muss sich allerdings vorher beherrschen und darf die Stangen nicht alle ausbrechen, sondern muss sie etwas höher abschneiden.
Alles, was es dann noch braucht, ist ein bisschen Feuchtigkeit, um die Bewurzelung in Gang zu setzen. Dazu kann man den dynamischen Doldenblütler beispielsweise auf eine Untertasse mit Wasser stellen.

Blöderweise habe ich ihn dann in schlechte Blumenerde gepflanzt und noch dazu offenbar nicht tief genug. Möglich wäre auch, dass ihm draußen die Schnecken zugesetzt haben, was mir die zweite Ernte gründlich vermasselt hat. Wenn man es aber wie hier macht und sich ganz viel Mühe mit der Versorgung des invaliden Gemüses gibt (tolle, bebilderte Anleitung), kann man ewig lange weiter leckere Selleriestangen ernten - die Anzucht klappt sogar direkt in der Küche. Dort auch praktischerweise ohne Schnecken. Es muss ja nicht gleich so eine ungemein zierende alte Konservendose sein wie in der Anleitung oben, aber das steigert sicher die Motivation. Unsere zumindest, dem Sellerie dürfte das herzlich egal sein.

Ich finde diese Kombination aus gebrauchtem Gemüse und alter Dose jedenfalls sehr reizvoll - das ist Recycling auf wirklich hohem Niveau! Und von wegen Diätessen - im Sellerie steckt jede Menge Kraft, man muss sie nur heraus locken!

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    ich esse zwar keinen Sellerie, aber ich habe trotzdem mit großem Interesse Deinen Post gelesen und wie immer hat es mir viel Spaß gemacht. Was man nicht alles machen kann. Das hätte ich nun auch nicht erwartet.
    Am besten gefällt mir allerdings Deine Formulierung zur Gemüsezwiebel. Bei mir scheinen sie beim Schneiden besonders doll zu protestieren. Ich heule immer wie ein Schlosshund.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Hallo Elke,
    der Tipp ist Klasse und danke für den Link.
    Die dekorative Blechdose wartet schon längst auf ihre neue Verwendung und ich mag Staudensellerie. Ich werde es ausprobieren
    Liebe Grüße Joona

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  3. Wow - das kommt ja passend. Selten genug verwenden wir Sellerie, aber gerade jetzt liegt ein noch nicht ganz verwelktes Exemplar bei uns herum...

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  4. Geniale Idee! Ich hab dieses Jahr, leider erfolglos, versucht Sellerie aus Saatgut zu ziehen. Sellerie ist so vielseitig, die meisten wissen nur nicht, was sie damit anfangen sollen. Tolles Gemüse!
    Werd es sicher ausprobieren!
    Liebe Grüße, Kärntnerin

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  5. Es gibt noch ein andere Möglichkeit für faule Leute ihm neues Leben einzuhauchen: auf den Kompost werfen und damit ein Jahr später den Gemüsegarten düngen ;-) Nein, aber tolle Idee! Danke für den Link :-)
    Liebe Grüße, Anne

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  6. Liebe Elke,

    das ist wahrlich mal wieder ein klasse Post und eine spitzen Idee :)

    lg Sandra

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  7. Hallo Elke, super Idee und danke für den Link! Bei Gelegenheit probiere ich das aus :-)
    LG Heike

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  8. Ws heißt hier, Chili sei nicht regenerationsfähig? Hast du schon mal die Samen getrocknet, weißt du wieviele Pflanzen zu daraus bekommst und die du sogar im Haus überwintern kannst? Dein Stangensellerie hat keine Samen! Du siehst, ich kenn mich aus.
    Manchmal findet man auf dem Kompost längst vergessene Gemüsereste, die plötzlich mit Wurzeln daherkommen, ich hab sie schon eingesetzt. Kartoffelschalen können zu Kartoffeln werden.
    Brauchst du Chilisamen?

    Sigrun

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    1. Hallo Sigrun!
      Oben abgebildete Chili ist sogar aus eigener Ernte. Habe drei Chilipflanzen, alle selbst aus Samen gezogen. Mein nicht-regenerationsfähig meinte ich eher direkt ohne Samen, also ohne längere Umwege. ;-)
      Viele Grüße
      Elke

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  9. Hallo Elke,
    mir geht es wie Jutta, ich esse selbst auch keinen Sellerie, aber der Post und die Idee sind trotzdem super! Besonders die hübsche Konservendose als neue Heimat für die Selleriewurzel hat es mir angetan!
    Lieben Gruß, Doris

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  10. Hallo Elke,
    werde mir direkt mal beim nächsten Einkauf Sellerie besorgen. Danke für den klasse Tip und den schönen Bloglink!
    LG Dagmar

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  11. Hallo Elke
    Muss ich ausprobieren, denn das ist ein Gemüse, das meine Häschen öfters erhalten. Danke für den heissen Tipp!
    En liebe Gruess
    Alex

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  12. Wie genial ist das denn?! Vielen Dank für diesen tollen Tipp. Ich liebe Sellerie, habe aber nur Knollensellerie im Garten. Mit dem Konservendosentipp könnte ich mir einen Stangensellerie auf die Fensterbank holen.

    Viele Grüße,
    Doris

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  13. Huhu. Passt jetzt nicht ganz zu diesem Eintrag, aber: Hättest Du evtl. Lust, bei meiner "Samen-Rotation" teilzunehmen? Ich würde mich sehr freuen! :)
    http://linalunagarten.wordpress.com/2012/09/17/samen-rotation-no-1/

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  14. Hi liebe Elke.
    Ja mit Sellerie kochen habe ich nicht so viel Erfahrung.Ich habe ihn am liebsten in der Hühnersuppe und Co.Danke für den Tipp.
    Schöne Woche und ganz liebe GRüße Jana.

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  15. Hallo Elke,
    schau doch mal auf meinem Blog.
    Ich würde Dir gerne einen Award für Deinen lesenswerten Blog verleihen.

    Gruß Dieter

    p.S.: habe gerade gesehen, dass Du mehr als 200 Leser hast ... kannst Du ja ignorieren

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  16. Okay, mit Blattsellerie kann ich nicht viel anfangen, deshalb ist mir seine Regenerationsfähigkeit ziemlich egal, allerdings ist das Recyclingwunder sehr hübsch fotografisch dokumentiert! Aber wieso sollte eine mehrjährige Pflanze nicht wieder austreiben, wenn sie abgeschnitten wird...bei bestimmten Stauden macht man das regelmäßig , um eine zweite Blüte anzuregen? Auch meine Kräuter ( Petersilie. Basilikum, Thymian) tun das nach der Ernte. Es freut mich aber, dass die 'Wunder' der Natur beim Bloggen den ihr gebührenden Stellenwert erlangen!
    LG
    Sisah

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