Mittwoch, 17. Oktober 2012

Am Ende des Regenbogens

Tomaten sind nun wahrlich die schönste Art, Wasser aufzubewahren. Und natürlich Geschmack. Deshalb halten sie auch nicht lange und werden schleunigst aufgegessen.

Weil man von Tomaten nie genug bekommt, habe ich mir dieses Jahr gleich einen halben Regenbogen aus Samen herangezogen, zumindest ein Ende davon - mit Gelb, Orange und Rot. Mit vier großen Kübeln war die Terrasse zwar gut gefüllt mit krakenartigem Wildwuchs und früchtetragenden Fußangeln, aber dafür konnten wir seit Juli auch wieder einmal erfolgreich die industrielle Tomatenzucht boykottieren. Zugegeben, die einzelnen Früchte waren nie größer als ein Taubenei, aber dafür zahlreich und sorgenfrei - bei jedem Wetter gab es Nachschub.



Wie letztes Jahr war wieder mein Goldschatz mit von der Partie - die gelbe Wildtomate Golden Currant. Weil sie so ein durchschlagender Erfolg war und keimt wie Unkraut, konnte ich nicht anders und ihr zwei Kübel nur für sich allein spendieren. Sie dankte es mir mit außerordentlicher Robustheit und Pilzfreiheit. Zwar wurden auch bei ihr einige Früchte braun, aber sie wuchs trotzdem in den Himmel und trägt auch im Oktober noch so reichlich, als gäbe es kein Morgen und schon gar keinen Winter.



Die nächste im Regenbogen ist ein Er und der Grund, warum meine Freunde jetzt denken, ich würde meinen Pflanzen Namen geben: Fredi, die dicke orange-farbene Datteltomate. Die Sortenbezeichnung allein ist schon so lustig, dazu kommen pralle, äußerst platzfeste Früchte, die der Herr ganz modisch in adretten Rispen zu tragen pflegt. Selbst im Ganzen angebraten in der Pfanne laufen die nicht aus! Eine einzelne Frucht kann durchaus 15 g wiegen - ein ganzer Kerl also.



Die Samen keimten zufriedenstellend, aber nicht so ungestüm wie Golden Currant, so dass ich nur einen Topf mit drei Exemplaren bepflanzte. Leider neigte Monsieur Fredi in seiner Männer-WG ab August zu ganz schlimmer Braunfäule, eine Farbe, die ihm wirklich äußerst schlecht steht und nicht gerade seinen sonnigen Teint betont. Allerdings ist er auch eine wahre Kämpfernatur - der wächst trotzdem einfach weiter und trägt immer noch.



Die rote Celsior machte mir erst große Sorgen, da sie ein kleiner Keimmuffel war - nur einen einzigen Sämling hatte ich am Ende! Ehrensache, dass der ein Einzelzimmer bekam - einen geräumigen Kübel nur für ihn.

Und was soll ich sagen - die Früchte sehen nicht nur aus wie kleine Pappnasen - diese tolle Tomate hat den Schalk im Nacken wie keine zweite. Ein echte Frohnatur, pilzfrei und immer gut gelaunt, hat sie mir etliche Früchte beschert, die aussahen, wie eine Mischung aus Barbapapa und Mordillo-Männchen:





Man mochte diese fröhliche Truppe gar nicht essen, hätte sie am liebsten ausgestopft und für immer aufbewahrt, als Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Figuren zum Beispiel. Blöderweise reichten die Farben aber nur für zwei Spieler, denn mehr als Rot und Grün war beim besten Willen nicht drin (gammeliges Braun zählt nicht so richtig und macht keinen Spaß).

Achtung - hier hat sich eine Jalapeno reingeschummelt!


Und nun die jährliche Tomatenstatistik, wie immer kurvenreich und zackig: Die Linienfarbe entspricht der Tönung der Früchte:


Wie man sehen kann, ist Golden Currant mal wieder der Tomatenstreber - fängt als erste an und bringt insgesamt am meisten auf die Waage, allerdings waren das ja nun auch zwei Kübel voll. Die einzige Celsior-Pflanze war ein Spätzünder, trug aber dafür recht üppig und punktet außerdem durch ihren hohen Unterhaltungswert, auch schon vor dem Essen. Fredi hatte mehrere Höhepunkte und begibt sich dank Braunfäule gemächlich in den Ruhestand.

Alles zusammengerechnet ergibt das stolze 5,7 kg Tomaten, allesamt köstlich!

Das Regenbogen-Trio ist also sehr zu empfehlen, wenn man frustfreien Tomatenanbau ausprobieren möchte. Wer sich nicht gleich alle drei zulegen möchte, soll es doch einmal mit der guten alten Golden Currant versuchen - die ist wirklich Gold wert und lässt sich jedes Jahr wieder aus den selbst geernteten Samen vermehren.  Wer allerdings auch was zum Lachen möchte, der wähle die rote Celsior. Falls ihr gerne mit euren Pflanzen redet, ist der dicke Fredi der richtige Ansprechpartner, denn der Name geht gut von der Zunge - und der schmeckt auch noch dazu.

Egal, wie ihr euch entscheidet, die drei Sorten haben mir sehr viel Freude gemacht und waren die gute Erde und das viele Wasser auf jeden Fall wert!

Kommentare:

  1. Huhu liebe Elke.
    Wieder mal köstlich dein Post.Und so schöne Tomaten eine wahre Freude.Die Tomaten mit den Nasen einfach zu niedlich anzusehen.
    Liebe Elke es gibt ja nichts was du nichts was du nicht weißt.Alle haben es bei dir gut ob Blümchen,Bäume ,Sträucher,Tiere,und natürlich Tomaten und noch vieles mehr.
    Du bist eben ein echter Gartenfreud.
    Schönen Abend und liebe GRüße Jana.

    Und laß dir deine Tomaten schmecken.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Elke,

    wieder einmal ist das ein ganz herrlicher Post und interessant zugleich. Was für tolle Tomaten und die Celsior sieht ja wirklich zum Piepen aus.
    Meine Tomaten sind leider alle schon verputzt. Gut, bei mir waren es auch nicht so viele wie bei Dir. Aber auch ich habe sie gut durch die Braunfäule gekriegt und ich freue mich auf die Ernte im nächsten Jahr.

    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  3. Ganz klar, ich muss auch Wildtomaten haben! Golden Currant steht auf der Merkliste.
    Hast du die kleine goldene einfach wild wuchern lassen? An einem Stock oder einer Stange hochgebunden? Oder am Zaun ranken lassen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe es wirklich versucht, sie zu stäben, aber das ist schlimmer als einen Sack Flöhe zu hüten. Am Ende wucherten sie kreuz und quer. Immerhin muss man sie nicht ausgeizen.
      VG
      Elke

      Löschen
  4. Vielen Dank für diesen Tomatenexkurs, war sehr interessant zu lesen! LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  5. Herrlich liebe Elke ... Und dummachst auch noch gleich eine Statistik. Also echt ... Wenn ich es nicht schon längst wär, ja dann würdest du mich bestimmt ab jetzt mächtig beeindrucken :-)
    Einfach toll deine Ernte und eben der Teil,des Regenbogens.
    Herzliche Grüsse
    Ida

    AntwortenLöschen
  6. Die Statistik ist ja genial. :-)
    Bei sovielen Sorten bestimmt ganz schön aufwendig.
    Ich habe nur eine einzige Sorte. Die habe ich schon seit
    Jahren. Keine Experimente ... Hihi
    Viele liebe Grüße Urte

    AntwortenLöschen
  7. Also eine Erntestatistik habe ich für meine Tomaten noch nie geführt, finde die Idee aber genial. Sorten hatte ich auch einige. Dieses Mal war ich mit allen zufrieden.

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  8. Hallo Elke,
    die Currant hat uns auch voll überzeugt, sowohl, was die Keimfähigkeit, ihren Wuchs, ihre Haltbarkeit und ihren Geschmack betrifft. Danke nochmal!
    Trotzdessen habe ich sie nun komplett abgeerntet.
    Aber hier liegen ein paar rum, aus denen ich Samen gewinnen möchte.
    Gibt es einen Tipp von dir?

    Tja und dann bräuchte ich noch mal deine Adresse, nachdem mein Auftrag rum ist kann ich mich endlich mal um die fällige Gegensendung kümmern.

    Liebe Grüße vom Frollein

    P.s. gibt es eigentlich auch eine Samenpost, von den diesjährigen Sorten?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich lasse die Samen aus reifen Früchten auf Küchenkrepp trocknen. Danach kann man sie mit oder ohne Papier aufbewahren und nächstes Jahr abpulen.
      Wenn ein Rest vom Papier dranbleibt, schadet das nicht.
      VG
      Elke

      Löschen
  9. Hallo Elke
    In diesem Jahr habe ich auch wieder verschiedene kleine Tomatensorten angepflanzt. Ich mag's wenn's im Salat etwas bunt daher kommt. Leider bin ich ne Niete im Namen merken und im Umgang mit Sämchen. Meistens kaufe ich bereits kleine Pflanzen ein, das geht einfacher. Es ist super, dass mittlerweile auch die Gärtnereien dem Farbenrausch erliegen sind und endlich auch andere Tomaten anbieten als "nur" die kleine Rote für Balkonien. Nicht begeistert hat mich lediglich eine kleine rote mit dunkelgrünen Streifen, die Haut der Tomate war etwas zäh und das Fleisch etwas trocken... vielleicht hätte sie aber auch etwas mehr Wasser gebraucht und es lag alles nur an mir :o).
    Hab einen genussvoll bunten Tag.
    En liebe Gruess
    Alex

    AntwortenLöschen
  10. Hallo Elke,
    da sind ja Deine putzigen Tomaten! Echt lustig!
    Und so eine Vielfalt hast Du vorzuweisen. Wow. Na, mal sehen, vielleicht
    habe ich im nächsten Jahr auch eine bessere Ernte. Ich werde mir einen
    neuen Standort suchen.

    Schöne Herbsttage und herzliche Grüsse
    Meggie

    AntwortenLöschen
  11. Wundervoll geschrieben wieder und die Statistik ist ja klasse! Dann kann ich im nächsten Jahr wohl auch mal einen Versuch starten. ;-) Ich hab' doch da irgendwo noch mein SPSS auf Festplatte, das kann ich dafür gut verwenden.
    Gerade die Kleinen mag ich so, sind mal eben schnell an den Salat gegeben und machen so gut wie keine Arbeit! Golden Currant habe ich mal an einem Berg "wild" wuchern sehen. Da muß irgendwer Samen hingelegt haben oder wer weiß, wie sie da hingerieten.

    Ach, wenn es nur schon Frühjahr wäre ... ;-)

    Alles Liebe
    Sara

    AntwortenLöschen
  12. Langsam glaube ich, ich bin out. Ich habe keine Tomaten im Garten, während ihr alle dabei seit die schönsten und schmackhaftesten Sorten zu ziehen.... hmmm ich werde darüber nachdenken... der Winter wird ja lang. Deine Statistik finde ich genial. Liebe Grüße Annette

    AntwortenLöschen
  13. Ich hab auch keine Tomaten, weil hier alles nicht wachsen will. Mein Gärtner meinte, ich solle sie unter den Dachvorstand stellen. Ich könnte sie an der Dachkante anbinden, an Haken, aber dann habe ich auf meiner Terrasse meterhohe Seile, mit Tomaten dran. Weiß nicht, ob mir das gefällt.
    Eine Tomatenstatistik hab ich noch nie gesehen. Wie macht man sie? Hat sicher wieder was mit Exel zu tun, meinen Erzfeind! Dein Bericht war wie immer köstlich amüsant!

    Sigrun

    AntwortenLöschen
  14. Liebe Elke,

    der heutige Tag war für mich noch gar nicht zum Lachen, gut, dass ich eben noch deinen Post gelesen habe - hat mich wieder mit der Welt versöhnt. Hast du schon mal daran gedacht, dich Gagschreiberin für's Fernsehen zu verdingen oder ein Satirikbändchen herauszugeben? Na, lieber nicht, dann würde dir wahrscheinlich bald die Zeit für's Blogschreiben fehlen und das wäre schade für uns, die Leserschar!
    LG aus dem Gartl, Christiane.

    AntwortenLöschen
  15. Es macht mir immer eine besondere Freude, deine Beiträge zu lesen....ich lese sie mehrmals, weil sie etwas ganz besonderes sind...immer mit einem kräftigen Schuss Humor und dazu noch so lehrreich. Ganz herzlichen Dank sag ich mal, liebe Elke!
    Liebe Grüße von Zaunwinde

    AntwortenLöschen
  16. Super Statistik! Ich glaube ich bin keine Tomatengärtnerin. Meine unterschiedlichen Pflanzen wuchsen und wuchsen, totz ausbeizen mit unendlich viel Blattgrün, aber Früchte gab es nicht so viele. Zum Schluß habe ich die letzten doch am Strauch verfaulen lassen. Ich glaube das war es jetzt mit der Tomatensucht. Ich bleibe bei Stauden, das finde ich weniger aufwendig und befriedigender LG Sibylle

    AntwortenLöschen
  17. Hallo Elke, vielen dank für deinen Post, sehr inspirierend! Wo beziehst du den deine sammen? Liebe Grüße Andy

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...