Samstag, 17. November 2012

Zermürbte Zieräpfel

Nach dem Riesenerfolg des Zierapfel-Wodkas letztes Jahr bin ich diesmal in die Großproduktion eingestiegen: Ein Zweiliter-Einmachglas musste her, um etwa 800g unschuldige Zieräpfel Marke Golden Hornet mit einem ganzen Liter Alkohol zu fluten. Selbstverständlich habe ich auf das Fehlen von Wurmlöchern geachtet, um nicht der Tierquälerei bezichtigt zu werden.

Es sind zwei hübsche Fläschchen à 0,75 Liter mit Hochprozentigem dabei herausgekommen - prächtig golden wie vormals die Früchte. Der schnöde Wodka konnte schließlich etwas Farbe vertragen und wurde gleichzeitig zum Bio-Getränk veredelt.


Nur die alkoholisierten Äpfelchen haben ein wenig unter der Prozedur gelitten. Schwammen sie zunächst noch fröhlich gelb in ihrem Aquarium umher, büßten sie allmählich etwas an Spannkraft und Gesichtsfarbe ein. Braun sind sie geworden im gelben Gesöff - unansehnlich und außerdem so besoffen wie die berüchtigte Piemontkirsche in ihrem Schokoladengefängnis

Was also tun, nachdem der leckere Trunk sicher in Flaschen eingesperrt war? Die ausgelaugten, hochprozentigen Früchtchen einfach in den Müll zu werfen, widerstrebte mir. Das hatten sie nicht verdient, außerdem waren es ja immer noch so etwas wie Lebensmittel, wenn auch an der Grenze zur biologischen Waffe. Der Kompost schied auch aus, schließlich wären die dort ansässigen Rötelmäuse schnell blau geworden und die Würmer hätten sich gekringelt, aber nicht vor Lachen.

Einfach in den Garten kippen geht auch nicht, es sei denn, man mag keine Amseln und möchte sie gern torkeln sehen.


Letztes Jahr habe ich die Zieräpfel durchgekocht, durch ein Sieb gestrichen und mit ein bisschen Gelierzucker zu Marmelade verarbeitet. Der Alkohol war dadurch zuverlässig verduftet, die Farbe dieser Frühstückskonfitüre aber gar nicht tischfein - braun war sie und am Rande von unappetitlich anzuschauen. Geschmeckt hat sie trotzdem.

Dieses Jahr bin ich dann auf die glorreiche Idee mit den Apfelpfannkuchen gekommen. Äpfelchen also halbiert und entkernt, was in deren mürben Zustand leichter geht als vor dem Alkoholbad. Die Küche riecht dabei wie die nächste Eckkneipe und man kann wirklich froh sein, dass die Fruchtfliegen um diese Jahreszeit schon Feierabend haben, sonst hätten sie sicher liebend gern ein kleines Gastspiel gegeben.

Als der ganze marode Haufen zubereitet war, habe ich den Teig in die Pfanne gehauen und mit den winzigen Apfelhälften garniert. In der Annahme, dass der Wodka schleunigst in der Hitze verdampft, hatte ich auf eine alkoholfreie Mahlzeit gehofft. Und was soll ich sagen? Der Alkohol ist geblieben. Geschmeckt hat es nicht schlecht, aber durchaus ungewöhnlich - wie Pfannkuchen mit Mon-Cherie-Pralinen oder einem guten Schuss Glühwein. Auf jeden Fall war es ein bisschen zu viel des Guten, aber ich war immerhin froh, die kleinen Bomben nicht an den Gartenvögeln ausprobiert zu haben.

Diese Art der Zierapfel-Zubereitung eignet sich besonders, wenn

  • man mit sofortiger Wirkung vom Küchendienst entbunden werden möchte.
  • ungeliebte Gäste schnell loswerden will, denn das Gericht ist Dessert und Absacker in einem, spart also Zeit.
  • man ein prima Mitbringsel für die Halloween-Party braucht.
  • man seinen Kummer mit Obst ertränken möchte (das klingt wenigstens besser und gesünder).

Wenn also niemand von euch eine bessere Idee hat, werde ich die Zieräpfel beim nächsten Versuch in süßem Teig versiegeln, ordentlich bei großer Hitze ausnüchtern und als Apfelkuchen auf den Tisch bringen. Dann ist der Wodka draußen und die braune Farbe auch schon egal. Alternativ kann man natürlich auch gleich Schnapspralinen draus basteln und somit aus der Not eine (Un)Tugend machen. Prost.

Kommentare:

  1. Liebe Elke, du hast eine wunderbare Art zu schreiben...kurzweilig und humorvoll...das wünschte ich mir manchmal von meinen Fachzeitschriften...;-) LG Lotta.

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  2. Köstlich, der Bericht, nicht die Äpfelchen ;-)

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  3. Liebe Elke,
    danke für diesen Bericht - selten habe ich über koch- und küchentechnische Vorgänge so herzhaft gelacht! Das hat mir den heutigen grauen Nebeltag verschönt!
    Wie groß sind denn die Zieräpfel? Könnte man sie nicht in flüssige Schoggi tauchen und als alcoholhaltige Pralinen (volljährigen und nicht autofahrenden) Gästen anbieten?

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  4. Liebe Elke, immer wieder ein genuß hier vorbei zu schauen... Ich habe so sehr gelacht. Ich dachte immer, Zieräpfel sind nur zum Anschauen da. Man lernt doch nie aus.

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  5. Lach... hätte Dich gerne gesehen nach dem Verspeisen der Apfelpfannkuchen... hattest Du etwa Ähnlichkeit mit der torkelnden Amsel??? Hmmm, Du könntest ev. versuchen in die Zieräpfelkonfitüre etwas Goldmelissenblüten mitzukochen... das würde die Farbe bestimmt verändern... nur wie?! Mein Johannisbeer-Gelee erhielt damit eine leicht pinkige Note... auch nicht schlecht.
    Das mit den Strümpfen mache ich schon Jaaaaaaahre lang so. Im letzten Jahr hat's mir aber die Mmme Curie trotzdem gekillt... vielleicht hatte ich den Strumpf aber auch zu früh entfernt. Ansonsten hatte ich bisher noch keinen Verlust bei den Bäumchen.
    Deine Rose wird morgen gleich nochmals begutachtet... habe schon ein paar Wochen nicht mehr nach ihr gesehen, bis dahin hatte sie aber keine roten Triebe. Spannend... schade ist es mittlerweile zu Dunkel zum nachsehen, ob ich es wohl doch noch mit der Taschenlampe tun soll???
    En schöne Aabe u en liebe Gruess
    Alex

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  6. Hallöchen lieeb Elke.
    Was du alles so anstellst mit den kleinen niedlichen Äpfeln.Einfach köstlich.HIHI. Ja da steckt bestimmt einiges drin in den Äpfelchen, laß mal die Tiere soll es auch mal gut gehen. Aber dein Wässerchen schmeckt bestimmt nicht schlecht laß es dir schmecken.
    Schönen Abend und schöne Sonntag. Liebe GRüße Jana

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  7. Einfach herrlich liebe Elke, hab michnjetzt grad gekrümmt vor Lachen, wie wohl der Wurm, wenn du hättest ...
    Wünsch dir eine. Gemütlichen Abend.
    LG
    Ida

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  8. Prost, liebe Elke! Ich kenne da ja nix, bei mir bekommen die Erstschnapsfrüchte immer einen zweiten Aufguss aus Wodka und Kandiszucker. Das Resultat ist dann nicht mehr ganz so kräftig, hält aber durchaus mit. Die Äpfel dürften dann auch noch mal etwas Farbe verlieren. Marmelade ist dann die Drittverwertung - ordentlich lange gekocht wird sich auch genießbar. Um das unschöne Braun zu vermeiden, würde ich dann frische Cranberries dazugeben. Die überstrahlen mit einen kräftigen Herbstrot einfach alles.

    Liebe Grüße und nimm noch ein Schlückchen, Dagmar

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  9. Liebe Elke.
    Ach, schön, wieder so herrlich zu lesen :-))
    Weiß aber leider auch keine geeignete Lösung
    für deine alkoholisierten Restäpfel.
    Vielleicht ist Kuchen garnicht so schlecht.
    Viele liebe Grüße Urte

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  10. Hallo liebe Elke! Dass Zieräpfel essbar sind, wusste ich bisher nicht!
    Ich stelle mir gerade deine Essensgäste nach dem Verzehr der Zieräpfelpfannkuchen vor :))..eigentlich müssten sie alle vor dem Essen ihre Autoschlüssel abgeben.
    Du hast wieder so herrlich witzig geschrieben.

    Ein Versucherle hätte ich davon gerne gehabt, aber danach hätte ich eine Liege gebraucht, Alkohol macht mich immer so müde. H i c k s !
    Herzlichst Zaunwinde

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  11. hm, vielleicht koenntest du die aepfelchen erst ganz leicht anschmoren und dann den teig fuer pfannkuchen daruebergeben? oder du flambierst sie erst und machst dann was damit:) feuerspiele in der kueche... leider hab ich das problem in diesem jahr nicht. nachdem wir letztes jahr wildaepfel wagenladungsweise hatten, kann ich sie diesmal von allen baeumen zusammen an 2 haenden abzaehlen, wenn eine davon vom mann im saegewerk ist.... aber wenn die marmelade schmeckt, gib doch einfach noch ein bisschen zimt dazu, dann wird sie noch brauner - und es merkt keiner, dass sie nicht so sein soll:))

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  12. Eine Idee habe ich auch nicht, was du mit den alkoholischen Äpfeln machenkönntest, aber die Vorstellung, wie ihr beschwipst, kichernd die Pfannkuchen verspeist habt gefällt mir schon ;-)) Liebe Grüße und guten Appetit wünscht dir Annette

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  13. Meine Güte, du hast mich derart zum lachen gebracht, dass mir die Tränen nur so hinunterlaufen!
    Leider habe ich auch keine Idee, was du beim nächsten mal daraus machen kannst, dein Vorschlag mit dem Apfelkuchen ist gut... mir kommt gerade ein Vanilleeis mit getränkten Äpfeln in den Sinn ;)

    Ach, ich wünschte ich hätte auch Zieräpfel hier... allein schon, um so lustige Geschichten zu erleben wie du!

    LG Nanne

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  14. Hm, der sieht lecker aus, obwohl ich keinen Wodka mag. Zum Glück haben wir keine Zieräpfel, sonst würde ich das noch ausprobieren. Der Nachbar hat einige, aber die sind rot und ich stibitze höchstens ein paar für die Weihnachtsdeko :D

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  15. Und irgendwie fiel mir gerade die Geschichte mit den Kirschen und dem Knirpsschweinchen und den Hühnern ein... Michel von Lönneberga, Astrid Lindgren - falls es jemand nicht kennen sollte.

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  16. Oje, es funktioniert leider nicht immer alles so wie man möchte, aber Hauptsache es hat geschmeckt :)

    lg kathrin

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  17. Wie immer sehr amüsant, ich stelle mir grad torkelnde Vögel vor!

    Sigrun

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  18. Wußte gar nicht, daß ein Zierapfelbaum so lustig sein kann !
    Besoffene Mäuse,torkelnde Amseln und eine "glückliche " Gärtnerin!!! :)
    Ganz liebe Grüße
    Dagmar

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  19. Hallo Elke,
    wir haben auch einen solchen Zierapfelbaum in unserem Vorgarten und wir schimpfen darüber, dass ein solcher Zierapfelbaum nichts halbes und nichts ganzes ist. Wir sind ja 2008 in unser jetziges Haus eingezogen und hatten keinen Einfluss darauf, das dort ein Zierapfelbaum steht. Wir ärgern uns darüber, dass er permanent geschnitten werden muss und dass er nur 1x im Frühjahr für relativ kurze Zeit blüht. Wie ich sehe, ist ein solcher Zierapfelbaum doch für etwas nutzbar und man kann einen leckeren Schnaps daraus machen.

    Gruß Dieter

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  20. Hallo Elke,
    auch ich habe nicht gewusst, dass man Zieräpfel essen kann - und das die Verarbeitung so viel Spaß macht (zumindest für die Leser) :)
    Vielleicht könnte man aus den restlichen Apfeln statt Marmelade Apfelmus machen? Oder ist die Farbe wirklich richtig braun?
    Viele Grüße in deinen Garten von Kerstin

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  21. Liebste Elke,
    ich lach mich hier grad kringelig. Ich konnte die gruseligen "Piemontkirschen in ihrem Schokoladengefängnis" sowieso noch nie leiden, aber so wie du sie beschreibst, bekomme ich fast Mitleid. Deinen Dresdner Reisebericht habe ich auch schon vor mich hinkichernd gelesen. Jetzt lese ich noch den neuesten Beitrag und dann kommst du schleunigst in meine Seitenleiste, damit ich nicht immer so spät das Neueste lese.
    Liebe Grüße, Johanna

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