Sonntag, 29. April 2012

Natur hautnah

Meinen Garten pflege ich am liebsten mit Naturprodukten: Im Frühjahr bekommt er eine Gesichtsmaske aus Kompost, im Sommer ein Gesichtswasser, im Winter eine heilsame Schlammpackung. Antifaltencreme braucht er nicht, ebensowenig wie ein Deo, denn meistens riecht er recht gut.

Aber was ist eigentlich mit mir? Pflege ich mich auch nur mit Natur? Mitnichten - mein Garten hat es in der Hinsicht weitaus besser getroffen als seine Gärtnerin. Ich achte zwar darauf, dass meine Gesichtscreme kein Paraffin enthält, aber spätestens beim Duschzubehör fehlt mir komplett der Durchblick bei der langen Zutatenliste mit ihren wenig wohlklingenden chemischen Inhaltsstoffen.

Das wollte ich ändern und habe deshalb Hilfe gesucht bei Cosima Bellersen Quirini und ihrem Buch "Naturkosmetik - einfach selbst gemacht", brandneu und frühlingsfrisch aus dem Ulmer-Verlag.


Das Werk mit dem viel-versprechenden, hübschen Einband beeindruckt schon beim ersten Durchblättern mit einer schier unendlichen Fülle an Rezepten zum Kosmetikrühren - Von Kopf bis Fuß, von der Creme über das Shampoo bis zur Zahnpasta ist für jede Lebenslage und jeden Hauttyp etwas Passendes dabei. Alles ist verständlich erklärt und schön bebildert.

Aber bevor es so richtig an die Tiegel und Töpfe geht, muss man sich erst einmal über seinen Haut- und Haartyp im Klaren werden. Danach gibt es einige erläuternde Worte zur Rohstoffkunde, zum Material, zum Einkauf und zu den handwerklichen Grundlagen. Erfreulich ist, dass man zwar auf professionelle Rührstäbe und Bechergläser zurückgreifen kann, die Autorin aber immer auch einfache, günstige Hilfsmittel nennt, die man sowieso im Haushalt hat - wie ein Ess-Stäbchen oder ein leeres Marmeladenglas.

Wie wichtig aber eine exakte Waage ist, konnte ich gleich bei meinem ersten Selbstversuch erfahren: Ich hätte auf die Autorin hören sollen, denn auch wenn das Gerät angeblich grammgenau messen kann, muss das nicht klappen: Als das gute Stück sich auch nach löffelweisem Schaufeln von Pülverchen nicht rührte, wurde ich misstrauisch. Zu meiner Rettung schritt zum Glück eine Tabelle im Buch ein mit ungefähren Angaben, wieviele Messerspitzen in etwa ein Gramm Pulver sind (nicht so viele, wie ich schon in den Tiegel verklappt hatte...).

Damit aus der ersten Creme nicht gleich die Ursuppe wird, wird auch erklärt, wie man sauber arbeitet und seine eigene Mixtur mit für Naturkosmetik zugelassenen chemischen oder ganz natürlichen Konservierungsmitteln  haltbarer macht.

Die Rezepte schrecken zunächst ab mit ihren vielen jeweiligen Zutaten, man kann sich aber alles relativ schnell in der Apotheke, im Reformhaus oder in speziellen Läden (zum Beispiel "Spinnrad") besorgen. Teuer ist das aber in jedem Fall - jeder der unzähligen Rohstoffe, die man für eine einzige Creme braucht, kommt in einer winzigen Packung daher. Ich hoffe, dass die meisten Zutaten wenigstens lange halten, da man oft nur wenige Tropfen benötigt.

Gewünscht hätte ich mir deshalb eine Tabelle, wo man welche Zutat am besten auftreiben kann - denn die preiswertesten Rohstoffe gab es tatsächlich in der Apotheke, obwohl gerade dort in Handarbeit abgewogen wurde.

Ansonsten bleiben kaum Wünsche offen: Im Anhang befinden sich Auflistungen mit allen wichtigen Rohstoffen, woher sie stammen und welche Wirkung sie erzielen. So kann man selbst kreativ werden, auch Dank der Grundrezepte, die man beliebig abwandeln kann.


Die Aussicht auf perfekt auf mich abgestimmte Produkte mit genau meinem Lieblingsduft ist jedenfalls so verlockend, dass ich auf jeden Fall noch mehr ausprobieren werde. Und wie das alles duftet! Ich fand allein schon den Geruch von "Benzoe Siam" (einem natürlichen Konservierungsmittel) so fabelhaft, dass ich bei meiner ersten Creme auf weitere Duftstoffe komplett verzichtet habe. Und sollte sich der Lieblingsduft je nach Jahreszeit ändern, nimmt man einfach einen anderen - ein großer Vorteil gegenüber gekaufter Kosmetik.

Ein Wermutstropfen für Gärtner bleibt: Die in den einleitenden Kapiteln angekündigte Nutzung von Heilpflanzen aus dem Garten bleibt mehr oder weniger auf die Theorie beschränkt - in den Rezepten findet sich kein selbst gemachter Frauenmanteltee oder eine Mädesüßtinktur. Auch das Rezept für den Klassiker, die Ringelblumensalbe, ist komplett käuflich und bekommt nichts aus dem Garten verpasst.


Ansonsten ist das Buch eine ansprechend gemachte Schatztruhe von Rezepten für jeden Anwendungsfall. Ob das Selbermachen wirklich günstiger ist, als Naturkosmetik im Bioladen zu kaufen, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Individueller ist es auf jeden Fall.

Vielen Dank an BloggDeinBuch und den Ulmer-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 24. April 2012

Anatomie des Krokus

Der Krokus, das unbekannte Wesen. Wäre es nicht schön, wenn man sehen könnte, was die Knollen- und Zwiebelblumen unter der Erde so treiben? Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich ein oberirdisch besonders interessantes Exemplar einmal abgelichtet - als Ganzkörperfoto.

Wenn man es nämlich nicht besser wüsste, würde man glatt denken, dieser Krokus hier möchte noch einmal blühen. Drei Blätter hat er, drei Knollen und zwei knospenähnliche Dinger etwa da, wo er aus der Erde lugte. Das Metzeln mit dem Rasenmäher über alle verblühten Krokusse, um eine zweite Blüte gewaltsam anzuregen, funktioniert aber nicht, denn Krokusse sind gar nicht öfterblühend. Nicht im selben Frühjahr, sonst gern.

Was der komische Krokus da treibt, ist auch keine Blüte, sondern etwas anderes, nicht minder Erfreuliches: Dieser freundliche, ehemals hübsch rosafarbene Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus) zieht alle Register der Arterhaltung, die ihm bekannt sind: Unter der Oberfläche hat er - gut verborgen vor neugierigen Gärtnerblicken - an gleich zwei Tochterknollen gearbeitet, die die große Knolle bald ersetzt haben werden. 




Weil der Nachwuchs am Rockzipfel es auch nach dem Abnabeln räumlich nicht allzu weit bringen wird, hat die Mutterpflanze vorsorglich noch für ein mobiles Einsatzkommando gesorgt: In den eiförmigen Kapseln reifen die für so eine zierliche Pflanze erstaunlich großen Samen heran.

Wenn der Behälter aufplatzt, sind sie reif. Jetzt kann man entweder alles Weitere den Ameisen überlassen, die den Samen gerne Beine machen, oder aber selbst handgreiflich werden.

Ich habe das letztes Jahr schon ausprobiert und die zukünftigen Krokusse in die Erde gesteckt. Winzige Blättchen wie Grashalme waren die Folge, anhand ihres feinen Nadelstreifens in der Blattmitte aber eindeutig als Krokusbaby zu erkennen.

Wenn man nichts unternimmt, werden die Sämlinge womöglich im Rasen auftauchen. Das kann ganz nett werden, solange man sie nicht zu früh mit dem Rasenmäher traktiert.

Möchte man lieber keine Sämlinge im Rasen haben, kann man jetzt in die Knie gehen und nach reifen Kapseln suchen - irgendwo ist sicher noch ein Plätzchen im Beet frei, wo ein Krokus schon immer dringend gefehlt hat. Oder auch zwei, denn ein Krokus ist nicht gern allein.

Freitag, 20. April 2012

Überlebenstipps für den Reihenhausgarten

Wer einen Garten mit angeschlossenem Eigenheim nahe dem Stadtzentrum sucht, für den ist ein Reihenhaus oft die einzige erschwingliche Möglichkeit. Ein Reihenendhaus stellt hier bereits die Luxus-Ausgabe dar, der handelsübliche Mittelhausgarten im Handtuchformat dagegen ist weitaus öfter anzutreffen.


Für große gärtnerische Ambitionen bleibt da freilich wenig Raum: Ein Schwimmteich ist vielleicht denkbar, aber dann ist auch schon kein Platz mehr für andere nützliche Dinge wie ein Gewächshaus im Garten oder ein Gemüsebeet. 

Nur wie macht man aus dem Handtuch einen schönen Garten ohne viel Stress? Im Folgenden einige Überlebenstipps, die ich nach mehreren Jahren Reihenhaus sammeln konnte:

Sehen und gesehen werden: Sichtschutz

Die häufigste Spezies, der man im Reihenhausgarten begegnen wird, ist der Gemeine Nachbar. Möchte man in sensiblen Momenten ein wenig Privatsphäre genießen (etwa bei diversen Slapstickeinlagen im Kampf mit einer widerspenstigen Kletterrose), sollte man für Deckung sorgen. Die schönste und günstigste Variante ist eine mit den Nachbarn gemeinsam geplante Hecke: Äußerst platzsparend und preiswert ist Liguster, aber auch eine freiwachsende Blütenhecke ist machbar, wenn sich beide Anrainer den wertvollen Platz teilen.

Unsere gemeinsame Grenze mit Rosen

Da Reihenhäuser oft mit schlankem Fuß daherkommen und in die Höhe streben, ist man auch von oben nicht ganz sicher vor neugierigen Blicken. Eine mit Weinreben berankte Pergola aus Holz kann hier Abhilfe schaffen und macht sich sogar noch nützlich. Wenn sie höchstens die Hälfte der Hausbreite einnimmt, wirkt sie weniger wuchtig und man kann auch noch die Wäsche auf der Terrasse trocknen.

Feste Elemente

Wer einen Reihenmittelhausgarten sein Eigen nennt, der nicht nur durch das Haus zu betreten ist, sondern zusätzlich über einen externen Zuweg verfügt, kann sich glücklich schätzen. Ist die Terrassentür (wie bei uns) aber der einzige Eingang, muss man doppelt gut planen, denn das Wuchten von schweren Pflastersteinen einmal quer durch die gute Stube ist keine schöne Aufgabe. Um also unnötige Schufterei von vornherein zu vermeiden, sollte man die Terrasse mit Materialien belegen, die man sich möglichst noch in Jahrzehnten gerne anschaut. Vor billigen Betonsteinen sei hier ausdrücklich gewarnt - selbst mit Moospatina werden die nicht schöner (ich habe das ausführlich getestet).

Ziegel und Pflastersteine - eine schöne Mischung

 

Bäume

Bäume auf winzigen Grundstücken können alles in den Schatten stellen und den Hausfrieden gefährden. Während man die meisten Sträucher noch mit der Schere traktieren kann, ohne dass sie unansehnlich werden, schaut man nicht gern ständig auf ein verstümmeltes Baumgerippe. Größenangaben für Gehölze also unbedingt vorher genau überprüfen und lieber mehrere Quellen konsultieren.

Süßkirsche Celeste veredelt auf GiSelA 5 (Alter: 7)

Obstbäume können mit weniger Grenzabstand gepflanzt werden, daher sind sie auf schwachwachsender Unterlage immer eine gute Wahl - vor allem, weil sie schöne Blüten und Früchte bieten.

Tarnen und Täuschen - wie der Garten größer wirkt


Der beliebte Trick, mit Querunterteilungen einen langen, schmalen Garten größer wirken zu lassen, stimmt wirklich! Der Raum wirkt so weniger gestreckt und die Erkundung ist gleich viel spannender. Mit Gehölzen, Spalieren oder großen Stauden lässt sich die Rasenfläche unterteilen. Die Königsdisziplin im Querdenken ist ein Riegel aus Spalierobst.

Auf begrenztem Raum müssen Pflanzensammler aber noch tiefer in die Trickkiste greifen: An viele Sträucher passt immer noch ein Untermieter in Form einer Clematis, so dass man ihnen leicht eine zweite Blüte unterjubeln kann. Spaliere jeglicher Art sind außerdem eine willkommene Möglichkeit, bei wenig Platzbedarf in die Vertikale zu streben.


Aber auch die Horizontale sollte genutzt werden: Die Rasenfläche kann man prima mit Blumenzwiebeln bepflanzen, wenn die Beete schon überquellen.


Also: Ein Reihenhausgarten ist zwar kein Schlosspark - aber langweilig muss er deswegen noch lange nicht sein!

Sonntag, 15. April 2012

Albtraum in Weiß

Es gibt Sträucher, die liebt man solange heiß und innig, bis man sie im Garten hat. Zu dieser Sorte Strauchwerk gehört die gute alte Schlehe (Prunus spinosa), auch Schwarzdorn genannt. In Feld, Wald und Wiese ruft sie sofortiges Entzücken hervor, vor allem zur Blütezeit und wenn die blau bereiften Früchte locken.



Im Garten dagegen entpuppt sie sich rasch als Albtraum in Weiß. Sie kann sich einfach nicht benehmen und treibt schneller Ausläufer als jede wuchernde Wildrose es je könnte. Sie ist der Giersch unter den Sträuchern. Was ihr in der Natur zum Durchbruch verhilft, indem sie an neuen Standorten schnell Boden gewinnt, vermasselt ihr in Gärten die Tour so richtig gründlich. Ihr Ruf eilt ihr voraus, und so wird es immer weniger Gärtner geben, die das Wagnis des Zusammenlebens mit einer zwielichtigen Schlehe unbedarft eingehen.

Dabei könnte alles so einfach sein: Sie ist preiswert zu haben, ihre Blüte ist eine Wucht, sie wehrt Einbrecher ab und bietet Vögeln Nahrung und ein Zuhause:

Blaumeise 

Wildbienen lieben ihre Blüten, wie diese Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) gerne demonstriert:

Andrena fulva

Schließlich sind ihre Früchte obendrein noch kulinarisch verwertbar. 

Aber das nützt ihr alles nichts, wenn man sich mit ihr nicht gütlich einigen kann, ihre Ausläufer bei sich zu behalten. So ein Gebaren kann im kleinen Garten zum immerwährenden Kräftemessen zwischen Gärtner und größenwahnsinnigem Strauch werden, sich womöglich sogar zum Grabenkrieg mit den Nachbarn auswachsen, wenn die Schlehe es schaffen sollte, die Seiten zu wechseln.

Prunus spinosa ist wahrlich das Enfant Terrible der Naturgartenbewegung. So wertvoll für die Fauna und so wenig salonfähig auf begrenztem Raum. 20 Vogelarten sollen sich allein von ihren Früchten ernähren. In derselben Größenordnung dürfte sich auch die Anzahl der Gärtner weltweit bewegen, die im letzten Jahr die Schlehe freiwillig in ihren Garten gepflanzt haben.

Kleiner Fuchs

Wem es also gelingt, eine zuverlässig kleinbleibende, strauchartige Schlehe ohne Ausbreitungsdrang zu züchten, oder eine solche erfolgreich zu veredeln, dem sollte mit sofortiger Wirkung der Friedensnobelpreis der Naturgärtner sowie der Goldene Spaten am Bande feierlich verliehen werden. Selbstverständlich würden die Festivitäten mit Schlehenlikör begangen.

Ein Mini-Schwarzdorn, der sich im Zaum halten kann, das wäre der Durchbruch für den ökologisch orientierten Reihenhausbewohner, das wäre ein Meilenstein auf dem Wege der Völkerverständigung zwischen Mensch und Meise. So ein Wunderstrauchwerk darf auch gerne etwas mehr kosten als ein ausufernder Ausläufer, den man von entnervten Schlehenbändigern sogar geschenkt bekommen kann.

Bis dahin bleibt uns wohl nur, den Schwarzdorn aus gebührender Entfernung zu bewundern, oder einen kleinbleibenden Kirschbaum zu pflanzen. Der ist ähnlich beliebt bei den Bienen und produziert auch Leckeres, ist aber deutlich anspruchsvoller an den Standort und braucht einiges an Platz. Darüber hinaus macht Prunus avium eine wesentlich schlechtere, weil größere Figur in einer kleinen Grenzhecke.  

Andrena fulva kann man zum Glück auch noch mit Stachel- und Johannisbeeren in den Garten locken. Das schont auf jeden Fall die Nerven und wahrt den Nachbarschaftsfrieden. Ein Traum in Weiß sind sie allerdings auch nicht.

Montag, 9. April 2012

Knöllchen

Es hat hier bereits leise Andeutungen gegeben, dass ich kein penibler Gärtner bin. Brennnessel und Giersch haben den Reihenhausgarten zwar im hohen Bogen zu verlassen, aber für die kleinen, wilden Frühlingsknöllchen habe ich eine große Schwäche. Das Scharbockskraut darf sich in der hintersten Gartenecke zum Bärlauch gesellen, wo es mit seinem frischen Grün schon zuverlässig den Boden deckt, wenn andere Stauden noch genüsslich im Winterschlaf liegen.

Scharbockskraut im Gras

Naiv oder naturverbunden? Das werden die nächsten Jahre zeigen. Bis jetzt kann ich der kleinen, bunten Spontanvegetation aber nicht ernsthaft böse sein, vor allem, wenn sie sich spätestens im Mai brav vom Acker macht und das Spielfeld den Großen überlässt.

Weitere, gern gesehene Teilnehmer an der Frühjahrsoffensive sind ebenso als Unkraut verpönt wie das Scharbockskraut, machen sich aber noch schneller wieder unsichtbar: Die beiden heimischen Lerchensporne Corydalis cava und solida.

Unterscheiden lassen sie sich anhand der Knolle, die beim Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava) namensgebend hohl ist, beim selteneren Gefingerten (Corydalis solida) aber grundsolide. Minimalinvasiv kann man die beiden zum Glück auch äußerlich auseinander halten, denn der Gefingerte hat fein geschlitzte Tragblätter zwischen den Blütchen, wo sie beim Hohlen ganzrandig sind.

Corydalis solida mit seinen gefingerten Tragblättern

Corydalis cava mit ganzrandigen Tragblättern

Corydalis cava bildet besonders gern große Bestände mit rein weißen Blüten:

C. cava ganz in Weiß im Buchenwald
Corydalis solida

An zusagenden Plätzen neigen beide Lerchensporne zur Massenvermehrung, gerne auch im Wurzelbereich größerer Bäume (oft in lichten Buchenwäldern) und unter Hecken.

Bestand von C. solida auf einer Wiese im Park am Gehözrand

Als Bewohner des Waldes haben die heimischen Lerchensporne es immer ein bisschen eilig. Bevor das Blätterdach über ihnen allzu dicht wird, müssen sie mit der Familienplanung fertig sein. Bei aller gebotenen Eile führen sie ansonsten ein wahrhaft königliches Leben: Die Bestäubung im Buchenwald übernehmen hauptsächlich Hummelköniginnen. Wenn die Arbeiterinnen erscheinen, ist der Lerchensporn bereits verblüht. Die Verbreitung der Samen schließlich lassen sie vom Fußvolk des Waldes, den Ameisen, übernehmen.

Wer sich an einem sonnigen Tag etwas Zeit nimmt, wird auch im Garten eine illustre Gesellschaft an Corydalis antreffen: Behäbige Hummelköniginnen wechseln sich mit immer hektischen Pelzbienen ab.

Hummelhintern und Hohler Lerchensporn
Pelzbiene an Hohlem Lerchensporn


Auch in meinem Garten kommt ein kleiner Bestand vor, den ich als winzige Knöllchen aus einem anderen Garten bekommen habe. Wo ordnungsliebende Gärtner entnervt zum Spaten greifen, um die bösen Blumen wieder loszuwerden, warte ich jedes Jahr mit Hochspannung auf meine wilden Lerchensporne. Das ist immer wieder nerven-zerfetzend, denn im April greift pünktlich das Kontrollgremium der allgegenwärtigen Akeleien um sich und beschattet die kleinen Knollenpflanzen scheinbar zu Tode. Und so schleiche ich schon ab Ende Februar um das herum, was ich großspurig meinen Waldgarten nenne. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um die eineinhalb Meter Boden zwischen Zierapfel und Hundsrose.

Mein "Waldgarten"

Und genau hier geschieht jedes Frühjahr wieder ein kleines Wunder, wenn die Lerchensporne wie Phönix aus der Asche emporschießen und sogar üppig blühen. Dieses Schauspiel ist kurz und muss ausreichend gewürdigt werden. Im Zeitraffer werden nämlich dann Samen gebildet und die Blätter ziehen schnell ein, um bis zum nächsten Frühling im Boden zu verschlafen.


Weil die Pflanzen so überaus schnell Platz für Neues machen, darüber hinaus auch noch hübsch und nützlich sind, empfinde ich sie als durchaus gartenwürdig. Ich freue mich sehr über ihren Nachwuchs, der dank der Ameisen bereits an kahlen Stellen im Waldgarten aufkeimt, damit im nächsten Jahr noch mehr Hummelköniginnen satt werden können.

Donnerstag, 5. April 2012

Der Name der Tulpe

Die großen Tulpen gehören ohne Zweifel zum Hochadel im Frühlingsgarten: Aus luftiger Höhe schaut die Knospe erhaben auf die kleinere Blumenzwiebelverwandtschaft hinunter: Während das Schneeglöckchen bereits alle Blätter voll zu tun hat, Samen auszubilden, macht es die Tulpenblüte noch spannend. Tulipa ist wahrhaft eine Meisterin der Vorfreude: Keine zelebriert die Knospe so wie sie. Welche Farbe die Blütenblätter haben werden, ist lange ein gut gehütetes Geheimnis verhüllt in grüner Knospe. Gut Ding will schließlich Weile haben. Wo andere Zwiebelblumen quasi über Nacht mit ihren Blüten rausrücken, geht die Tulpe alles etwas ruhiger an.

Doch schon jetzt ist zu erahnen, dass diese hier rot werden wird:


Eine knappe Woche später:



Sie wird nicht etwa zart erröten. Ganz und gar nicht. Nein, feuerwehrautorot wird sie werden: Alarm im Blumenbeet!


Feinsinnige Pastellpuristen werden sich schütteln bei diesem Anblick, aber ich verzeihe meinen Tulpen ihren wenig dezenten Auftritt. Ich bin schon froh, dass ich die langstieligen Diven überhaupt zu Gast haben darf.


Denn die hohen Tulpen machen nicht uneingeschränkt Freude und gehören zur wankelmütigen Sorte. Oft genug blühen frisch gepflanzte Exemplare im ersten Frühling tadellos (wenn die Wühlmäuse sie nicht gefunden haben), um schon im zweiten nur wehleidig mit Blättern zu wedeln. Ob eine Tulpe blühen wird oder nicht, erkennt man schon frühzeitig an der Anzahl der Laubblätter: Gibt es nur ein einziges, fällt die Blüte aus. Sind es aber zwei sich gegenüber stehende, wird aus ihrer Mitte eine Knospe entspringen.

Experimentierfreudige Gärtner nutzen die Blühschwäche gerne schamlos aus und pflanzen jedes Jahr frische, gut gemästete Zwiebeln in immer neuen Farben. 

So bin ich auch zu meinen Alarmtulpen gekommen: Schwiegermutter wollte sie entsorgen, um Platz für Neues zu schaffen. Und so wurde ich vom Jäte- zum Erntehelfer und konfiszierte die ungeliebten Stengel einfach. Zuhause entließ ich die verblühten Pflanzen in ein neu angelegtes, kahles Beet. Das war vor sieben Jahren.

Sie dankten es mir mit jahrelang ausbleibender Blüte, trieben aber immerhin brav Blätter. So richtig warm wurden wir zunächst nicht miteinander - Kunststück, so ganz ohne Feuerfarben.

Zwei Jahre und ein paar Ladungen Kompost später wendete sich das Blatt: Sie blühten - und wurden seitdem sogar jeden April mehr! Nun sind wir die besten Frühlingsfreunde. Auf meine Second-Hand-Zwiebeln ist Verlass. Unter den Geretteten ist sogar eine gefüllte rosa Tulpe, die mich immerhin jedes zweite Jahr mit einer Blüte beehrt:

Allein unter Akeleien und Storchschnabel

Den Sortennamen all dieser bunten Ostereier kenne ich nicht, als gesichert kann aber gelten, dass es keine seltenen oder teuren Zwiebeln waren. 

Oft steht geschrieben, dass blühfaule Tulpen unverzüglich auszutauschen wären, weil sie sowieso nichts mehr würden. Das kann ich so nicht bestätigen. Erstmal einfach abwarten. Das kostet auch nichts. Wenn der Service stimmt, werden sie auch wieder blühen. Irgendwann. Nur Wühlmäuse und Staunässe sollte man ihnen vom Hals halten, dann gedeihen sie sogar noch im Halbschatten.

Wenn ich also im Frühling Farbe sehen will, muss ich nur auf mein feuerrotes Sondereinsatzkommando warten. Es kommt zwar nicht so schnell wie die Feuerwehr, aber der Anlass ihres Besuches ist auch deutlich schöner.

Sonntag, 1. April 2012

Die himmelblaue Gießkanne

Seit letztem Jahr ist das deutsche Gießkannenmuseum eröffnet, und zwar in Gießen, wo auch sonst. Das wurde auch Zeit, denn die Gießkanne ist drinnen wie draußen des Gärtners liebster Begleiter. 

Und was gibt es nicht alles für schöne Wasserspender!

Auch ich musste natürlich damals zum neuen Garten auch eine Gießkanne haben. Durch übermäßigen Konsum einschlägiger Gartenmagazine auf die schiefe Bahn gebracht, konnte es aber nicht irgendeine dahergelaufene sein. Nein, nostalgisch und wunderschön sollte sie aussehen. So wie in den Zeitschriften eben, wo tadellos gekleidete Gärtner beim abendlichen Wässern stilecht eine Metallkanne schwingen - Patina inklusive.

Auf der Suche nach so einem Exemplar wurde ich ziemlich bald beim Kaffeeröster fündig: Himmelblau stand sie da. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nun ja, schon beim Nachhausetragen schnitt der metallene Griff etwas in die Hand ein. Aber sei's drum: Wer schön sein will, muss leiden.

Die himmelblaue Gießkanne passte im Frühling perfekt zu Vergissmeinnicht, aber auch zu Frauenmantel:


Im Spätsommer kontrastierte sie wunderbar mit Kapuzinerkresse:


Und leider auch mit meiner Kleidung, denn anstatt einfach nur kleidsam auszusehen, zwang sie allem und jedem ihren Farbgeschmack auf, indem sie bei jeder Berührung hellblaue Flecken auf Textilien hinterließ. Beim Gang zur Wasserpumpe erntete ich statt Bewunderung für meinen exquisiten Gießkannen-Geschmack nur mitleidige Blicke. Es muss wohl an meinem verkniffenen Gesichtsausdruck gelegen haben, denn der Trageriehmen wurde auch bei voller Ladung nicht angenehmer.

Eine weitere Lektion, die ich allzu bald lernen sollte, war, die Warnungen ernstzunehmen und Metallgießkannen nicht längere Zeit gefüllt stehen zu lassen. Schon gar nicht im Winter. Erst beulen sie sich bei Frost am Boden unschön aus, als nächstes spucken sie blaue Innenfragmente. Und kaum war der Lack ab, setzte auch schon fortgeschrittene Korrosion ein. Als der Boden schließlich ein Loch hatte und die Gute ein bisschen inkontinent wurde, verbot mir mein Mann den Umgang mit ihr. Auf den Sperrmüll sollte sie, meine heiß geliebte himmelblaue Gießkanne.

Ich ging extra langsam zum Abladeplatz, falls er es sich anders überlegen sollte. Tat er nicht. Zu meinem Trost kam aber augenblicklich ein Prinz auf einem weißen Fahrrad daher und nahm meinen Sperrmüll zur Frau, äh, Gießkanne. Meinen Einwand, dass das gute Stück ein bisschen tröpfeln würde, überhörte er. Und wenn sie nicht verschrottet ist, dann gießt sie wohl noch heute.

Eine Erinnerung an sie bleibt mir doch: Den Brausekopf habe ich behalten. Er schmückt jetzt unschöne Aststummel an der Kletterrose:



Meine Neue ist dunkelgrün, billig und aus Plastik. Ansonsten ist sie leicht, unverwüstlich und viel angenehmer zu tragen. Sie färbt auch nicht ab. Im Winter draußen bleiben darf sie trotzdem lieber nicht, sicher ist sicher.

Nur dekorativ ist sie leider wirklich nicht. Aber man kann wohl nicht alles haben.

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...