Mittwoch, 26. Dezember 2012

Bundesgartenschau Bielefeld

Ich hab's ja immer gewusst: Bielefeld hat mehr zu bieten, als man so gemeinhin denken mag. Jetzt hat doch tatsächlich 2012 die Bundesgartenschau hier getagt und ich erfahre erst Ende des Jahres davon. Aber seht selbst, hier steht es Schwarz auf Weiß:

























Da hat doch tatsächlich jemand einen Fahrradständer in der Altstadt verschönert, in Grün und mit Blümchen. Bemerkt habe ich ihn aber erst an Weihnachten, als er es schon schwer hatte, gegen die Glitzerwelten der Glühweinbuden anzukommen. Guerilla-Gärtnern war gestern, jetzt wird Guerilla-Gestrickt! Eine durchaus reizvolle Idee, so fasst sich das Metall auch nicht mehr ganz so kalt an. Bielefeld blickt ja zudem auf eine lange Tradition der Textilverarbeitung zurück, da passt das irgendwie. Außerdem hat die Einkaufsmeile für meinen Geschmack sowieso einen eklatanten Mangel an Bäumen und Blumen zu beklagen. Aktionismus in Form von illegalen Anpflanzungen scheitert hier schon oft genug am versiegelten Boden. Zum Glück helfen jetzt Handarbeitsblümchen aus, denn wo man nicht pflanzen kann, muss man stricken! Keine echten Pflanzen also, aber allemal eine Augenweide.

Ein paar Fragen bleiben natürlich offen:

Wie kommt die Strickmanschette an den Fahrradständer? Man darf ihn schließlich aus gutem Grund nicht einfach aus dem Boden ziehen. Ob die kleine Bundesgartenschau ihm direkt auf den Leib gestrickt wurde, zumindest der abschließende Saum? Ist das Garn wirklich grün oder ist das schon Moosansatz? Gibt es noch mehr Kunst am Stahl in der Stadt verteilt? Und wie bitteschön häkelt man diese Blümchen überhaupt? Gibt es da Kurse für mit der Stricknadel bewaffnete Kämpfer pro urbanes (Woll-)Grün?

Bielefeld ist also durchaus bestrickend, und manchmal überrascht die Stadt sogar mit geradezu exotischen Blumen an ganz unwirtlichen Stellen, wie hier an der Kesselbrink-Baustelle, wo wilder Ysop auf der Fahrbahnbegrenzung wächst! Wie um alles in der Welt ist er nur dahin gekommen? Auch das ist irgendwie Kunst, wenn auch Überlebenskunst.


























Alternativ kann man auch mit dem Pinsel den Beton verschönern, wo sonst nichts wachsen will - immerblühender Hibiskus auch im Winter:


Ich gebe unumwunden zu: In Bielefeld ist beileibe nicht alles eitel Sonnenschein, aber es gibt Lichtblicke, und davon immer mehr. Nicht nur ist der kahle Kesselbrink (ein zentraler Schandfleck mit guter Verkehrsanbindung und Wochenmarkt) endlich begrünt worden und der Schützenberg-Park restauriert - 2013 wird sogar der botanische Garten um eine neue Fläche erweitert. Es wird eine große Blumenwiese geben, man darf gespannt sein. Und bis es soweit ist, stricken wir uns unsere eigene Bundesgartenschau einfach selber! Demnächst an Ihrem Fahrradständer!

Freitag, 21. Dezember 2012

Pleiten, Pech und Prachtspieren

Astilben oder Prachtspieren sind Stauden für andere Leute. Oder andere Gärten, ich weiß es nicht. In meinen Garten gepflanzt verwandeln sich auch Exemplare mit vormals exzellenter Reputation in siechende, blühfaule Elendsgestalten. Woher die Pracht in "Prachtspiere" kommt, kann ich also nur ansatzweise in fremden Gärten nachvollziehen, wo wohlgenährte Prachtkerle frech und angeberisch ihre Blütenkerzen hochhalten und mich nur an meine eigenen Misserfolge mit ihnen erinnern.

Astilben im botanischen Garten Bielefeld


Astilben haben ein Problem: Während viele Sorten durch ihre Schattentoleranz bei gleichzeitiger Schneckenabschreckung (eigentlich die perfekte Kombination) durchaus attraktiv erscheinen, vertragen die meisten nur schlecht eine Trockenperiode. Wenn man dann einmal nicht aufpasst und nicht gleich mit dem Schlauch Gewehr bei Fuß steht, war es das schon wieder.
Da die handelsübliche Vegetationsperiode mittlerweile immer eine Dürrezeit in Petto hat, die sich gewaschen hat, werden die Astilben in meinem Garten von Angstzuständen geplagt.
Und selbst wenn der Sommer und ich meinen, alles richtig gemacht zu haben, verweigern sie mir trotzdem die Blüte. Einfach so, aus Trotz. Ich wette, selbst die Astilbe arendsii-Hybride mit dem vielversprechenden Namen 'Obergärtner Jürgens' würde unter meiner Obhut erst streiken und schließlich kündigen.

Nein, Astilben und ich sind geschiedene Leute. Viel besser verstehen mein Garten und ich uns dagegen mit einem anderen Steinbrechgewächs: Der Heuchera, ganz besonders mit meinem Liebling "Palace Purple".

Seitdem ich dieses Jahr Unmengen Sämlinge gezogen habe, die der violetten Mutterpflanze wie aus dem Gesicht geschnitten sind, ist die violette Blattschmuckstaude meine neue Geheimwaffe für leere Beete (nicht dass ich noch welche hätte): Die Samenstände im Herbst einfach über abgeernteten Basilikum-Töpfen oder anderen offenen Stellen ausstreuen und dann vergessen. Auch Pflasterfugen sollten nach Beute abgesucht werden.
Das habe ich zwar letztes Jahr schon erzählt, aber da wusste ich noch nicht, wie der Nachwuchs sich so machen wird. Es gab nämlich gar keine neuen Sorten, und auch keine langweiligen Jungpflanzen, stattdessen verfärbten sich die winzigen Steinbrechbabies in kürzester Zeit violett - ganz die Mama also. Nie hätte ich gedacht, dass eine bunte Sorte tatsächlich sortenrein fällt.

Die Wachstumsgeschwindigkeit ist auch nicht von schlechten Eltern, so dass man in nur einer Saison eine ganze Beetbegrenzung in Purpur heranziehen kann, wenn man möchte.

Das geht so leicht und macht so einen Heidenspaß, dass ich mich schon zügeln muss, um nicht in Heuchera zu ersticken. Aber als Geschenk für nette Menschen sind sie ja auch ganz hervorragend geeignet, vor allem selbstgezogen und mit Stammbaum.

Trockenheit vertragen die Purpurglöckchen ebenfalls besser als ihre bucklige Verwandtschaft, die Prachtspieren.

Palace Purple und der Rest der Sippschaft haben mich dieses Jahr so sehr von sich überzeugt, dass ich ein bisschen genauer hingeschaut habe, denn im rechten Licht wirken die filigranen Blütenstände einfach fantastisch - hier mit Purpur-Sonnenhut im Gegenlicht. Dezent, aber wirkungsvoll und nie aufdringlich. Eine Zeit lang können sie tatsächlich als Gräser-Ersatz mit eingebauter Bienenbar einspringen, so fluffig sind ihre Fortpflanzungsorgane.




Prachtspiere oder Purpurglöckchen, das ist hier die Frage - meinen Favoriten habe ich gefunden. Wie haltet ihr es mit den Steinbrechgewächsen? 

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Pack den Tiger in den Garten!

Wer wie ich als Kind gebannt vor der Zeichentrickserie "Biene Maja" gesessen hat, der erinnert sich sicher noch an den dicken Willi, den Drohn mit der lustigen Stimme, der mit Maja die Schulbank gedrückt hat. Später erst lernte ich, dass das biologisch eventuell nicht ganz korrekt ist, denn was die männlichen Honigbienen so beigebracht bekommen, beschränkt sich eher auf: "Da ist der Ausgang! Schönes Leben noch!".
Dann dürfen sie zwar mit ein bisschen Glück noch die Königin heiraten, aber ins Familienalbum kommen sie damit am Ende auch nicht. Kurz ist ihr Leben - von royalem Pomp, Ruhm und Ehre keine Spur. Noch nicht mal einen Stachel haben sie, um damit zu bestechen oder einfach nur zur Selbstverteidigung.

Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber ich denke, das Leben der Drohnen der Honigbiene ist nur so mittelaufregend. Geradezu glamourös geht es dagegen bei den wilden Wollbienen zu, bei denen die Männchen größer und dominanter sind als die Weibchen und dabei relativ langlebig. Die Drohnen dieser tigerartig gestreiften Wildbiene sind die ganz großen Helden und echte Draufgänger!

Wer also statt des gemütlichen Honigbienenschleckens packende Verfolgungsjagden, Sex and Crime und ganz viel Action in seinem Garten sehen möchte, aber vor der Haltung von Großwild inklusive Tigern zurückschreckt, dem sie das Anlocken der Großen Wollbiene (Anthidium manicatum) ans Herz gelegt. Im Sommer braucht man dann keinen Fernseher mehr, denn spannender als "Biene Maja" ist das Beobachten allemal.

Mit den Waffen eines Mannes (Mitte)



In Wild-West-Manier überfallen sie unschuldige Blütenbesucher und verteidigen gleich einen ganzen Harem aus mehreren Weibchen inklusive deren Futterpflanzen. Kurz: Mit Drohne Willi haben sie in etwa soviel gemein wie ein Kampfhubschrauber mit einem Heißluftballon.

Sogar bewaffnet ist das Männchen bei dieser Art - nicht bis an die Zähne, aber mit gefährlichen Dornen und Spitzen am Hinterleibsende. Damit sollen sie dank einiger Nahkampferfahrung in der Lage sein, andere Insekten flugunfähig zu kratzen, denn bei Konkurrenz an den Futterpflanzen verstehen sie keinen Spaß, schließlich sind sie nicht die Wohlfahrt. Für Menschen allerdings sind diese Piekser keine Gefahr - der Drohn interessiert sich noch nicht mal für so große Wesen wie uns.

Man sollte sich also ruhig einmal mit einer Tüte Popcorn bewaffnet in ein Wollbienen-Revier setzen, es lohnt sich: Bei ihren Aktivitäten zuzuschauen ist in jedem Fall unterhaltsamer als Tatort oder Verbotene Liebe.
Auch das Paarungsverhalten der Wollbiene ist nichts für schwache Nerven: Immer wieder patroulliert der viel größere Drohn um die Blüten herum, schwebt ein bisschen auf der Stelle, wenn er ein Weibchen entdeckt hat, um sich dann pfeilschnell und überfallartig die Auserwählte zu schnappen für ein kleines Techtelmechtel.

Szenen einer Ehe

Bei soviel Aufregung im Bienenrevier ist dann auch schnell die Luft raus und Mister Macho braucht eine Verschnaufpause, vorzugsweise in der Sonne.

Wer die wilden Kerle also in seinem Garten zu Gast haben möchte, der muss nur die passenden Futterpflanzen anbieten. Die Wollbienen erscheinen dann plötzlich aus dem Nichts, obwohl man sie in der näheren Umgebung vorher nie gesehen hat. Da die Weibchen ihre im Boden oder in Spalten liegenden Niströhren mit Pflanzenwolle auskleiden, brauchen sie stark behaarte Pflanzen wie Woll-Ziest (Stachys byzanthina), Strohblume (Helichrysum), Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria) oder Deutschen Ziest (Stachys germanica).

Wald-Ziest (Stachys sylvatica)


Das allerbeste Lockmittel mit dem Prädikat "Wollbienes Liebling" ist das Herzgespann (Leonurus) - eine große Staude mit brennnesselähnlichen Blättern und kleinen Lippenblüten, die unermüdlich blüht. Ziestarten wie der auch zur Nistmaterialgewinnung benutzte Woll-Ziest, oder auch Heilziest und Wald-Ziest, sind andere passende Pflanzen. Sogar an Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) und Salbei (Salvia officinalis) konnte ich die Tiere schon beobachten.

Wer findet das Weibchen auf dem Bild in der Mitte?
Zum Glück sind diese Pflanzen nicht teuer, lassen sich leicht durch Ausläufer vermehren (Woll-Ziest, Wald-Ziest) oder aus Samen gewinnen (Heil-Ziest, Herzgespann, Kronen-Lichtnelke, Strohblume). Allen ist gemeinsam, dass sie nicht viel vom Leben erwarten, und weder viel Pflege noch viel Wasser brauchen. Nur genug Sonne soll es sein. Das finden die Bienen aber auch. 

Weibchen an Leinkraut




Den haarigen Woll-Ziest kann man sicher von irgendeinem Nachbarn bekommen, denn er wuchert sehr stark. Man muss nur darauf achten, eine wirklich blühfreudige Sorte zu erhaschen und nicht die allgegenwärtige, aber blühfaule "Silver Carpet", denn die ist nur der halbe Spaß, auch für die Bienen.

Für schnelle Erfolge sollte man noch unbedingt das Herzgespann auftreiben, dann lassen sich die Wollbienen schnell blicken und der Garten bekommt das Flair der Serengeti. Wenn auch nur im Kleinen.

Samstag, 8. Dezember 2012

Natürlich Elke, äh: Heike

Was macht der Föhn an der Zitruspflanze? Welches Insekt kann man mit einem ausgedienten, knallroten Brillenetui glücklich machen? Wie kommt die Birne in die Flasche? Und wie heißt das lästige Pelztier, das sich durch Holunderbrühe von den Pflanzenwurzeln fernhalten lässt?

Fragen über Fragen.... Die Antworten darauf hat Gartenexpertin Heike Boomgarden in ihrem Buch "Natürlich Heike - so lebe ich mein Gartenjahr" aus dem Ulmer-Verlag zusammengetragen, das sie zusammen mit Bärbel Oftring verfasst hat. Ich gebe zu, seit ich es gelesen habe, kneife ich bei seinem Anblick manchmal ein ganz klein bisschen die Augen zusammen und bilde mir ein, "Natürlich Elke" wäre auf dem schicken Einband zu lesen, denn Heike gärtnert mir so richtig aus dem Herzen - ohne Gift, mit beiden Beinen auf der Erde und den Händen im Kompost, so wie auch ich es gern tu.


Sätzen zum Thema Rasen wie "Leider wissen die wenigsten, dass solch ein grüner Teppich zum aufwendigsten und teuersten Teil des Gartens wird. Er ist die Diva!" kann ich nur bedingungslos zustimmen - endlich spricht es mal jemand aus!
Ich glaube, mit Heike kann man Heupferde stehlen.

Nachdem ich schon "Natur sucht Garten" der beiden Autorinnen kannte, war ich auf diese Neuerscheinung sehr gespannt. Viele Themen für das nachhaltige Gärtnern tauchen auch in "Natürlich Heike" wieder auf, aber dieses Buch ist ganz auf Frau Boomgarden zugeschnitten und man begleitet sie durch die Jahreszeiten in ihrem eigenen Garten. Ein bisschen erinnert das Ganze an die Bücher von Alys Fowler, die ja auch immer viele Selbstbildnisse der Gärtnerin enthalten.
Thematisch ist alles dabei vom Gehölzschnitt über Stauden und Zimmerpflanzen bis hin zu Behausungen für Insekten, sogar Rezepte und Deko-Ideen werden gezeigt. Immer ist viel Selbstgemachtes dabei mit kreativen Ideen.


Der Erzählstil ist stets locker, lustig und ganz persönlich, wie in einer Gartenkolumne. Daher ist man fast versucht, das Buch mit dem Textmarker in der Hand zu lesen (was sich natürlich bei so einem schönen Band verbietet), um auch alle wertvollen Tipps immer schnell wiederfinden zu können. Es gibt nämlich unglaublich viele Ratschläge für das günstige Gärtnern in diesem Werk zu lesen - vom Regenwassersammeln über den Kompost bis zu natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln.



Leider sind nicht alle von der Autorin so hochgelobten Pflanzen abgebildet (wie zum Beispiel die "Sieben Söhne des Himmels"), auch ihr Garten in Gänze wird nicht gezeigt, wie schade. Stattdessen gibt es aber immer wunderschöne Szenen und Blütendetails - dazu eine Heike Boomgarden, die ihrem Namen alle Ehre macht und immer fröhlich zu sein scheint, solange sie nur im Garten ist. Viele Bilder sind deshalb auch extra für dieses Buch geschossen worden und man merkt jedem Foto die Freude an den Pflanzen an.



Bei der Zielgruppe für dieses Buch bin ich ein wenig unentschlossen. Es ist eigentlich durchaus geeignet für Anfänger mit seinem frischen Fundus an Ideen, aber vielleicht finden sich Gartenneubesitzer nicht in dem epischen Erzählstil zurecht? Andererseits sind es gerade wenig vorbelastete Gärtner, die sich von dem naturnahen, zupackenden Gartenstil in diesem Buch anstecken lassen könnten. Vom Gartenvirus bereits befallene Leser aber werden sich mit vielen Dingen identifizieren und trotzdem noch neue Anregungen aufgreifen können.

Belehrend wirkt Frau Boomgarden dabei nie - im Gegenteil, allein durch ihre fröhliche Sicht auf die Gartendinge kann sie überzeugen. Und schon sucht man überall nach einem roten Brillenetui, um es mit Holzwolle gefüllt den Florfliegen zu opfern. Was es aber mit dem Föhn auf sich hat, verrate ich nicht, nur soviel: Die heiße Luft wird Früchte tragen!

Samstag, 1. Dezember 2012

Horror vacui

Horror vacui - die Angst vor der Leere, soll bekanntermaßen vor allem Künstler befallen, die dann zusehen, jeden Zentimeter weiße Leinwand oder Papier mit Details zu füllen. Ich kenne diesen Gemütszustand auch nur zu gut, allerdings im Garten. Ich möchte damit natürlich nicht sagen, dass mein Revier da draußen irgendetwas mit Kunst zu tun hätte. Das läge mir fern und wäre auch glattweg gelogen.

Nein, mit dem Horror vacui bin ich stets auf Du und Du, wann immer mir ein Stück blanke Erde entgegenlacht. So was kann ich allenfalls im Winter ausstehen, zu allen anderen Zeiten muss ich so ein kahles Fleckchen zügig in Grund und Boden bepflanzen.

Alteingesessene Pflanzen tun also gut daran, vor diesem manischen Blick zurückzuschrecken, den ich sofort bekomme, wenn ich ein bisschen Raum zwischen ihnen entdecke. Allzu bald wird ihnen ein neuer Nachbar aufgezwängt. Und so tobt in meinem Garten immer die Evolution: Ring frei - möge die stärkere Pflanze sich durchsetzen.

So kann das dann aussehen:

Geranium phaeum Samobor und Nachbarn

Campanula latifolia


Akelei, Pentaglottis und Tulipa tarda

Aber diese kleinen Lücken wissen findige Pflanzen auch ganz von allein auszunutzen und säen jede Nische gleich gewissenhaft zu. Vergissmeinnicht zum Beispiel. Und so kommt es, dass ich in meinem Garten während der Vegetationsperiode nur selten den Erdboden überhaupt zu Gesicht kriege.

Ganz anders sieht das in Töpfen und Kübeln aus. Frisch mit Blumenerde gefüllt, ist mir ihr Anblick mit so viel Braun ein Graus. So wie dieses Jahr, als ich stolz zwei klitzekleine Steckzwiebelchen in einem hübschen glasierten Behältnis geerdet hatte. Eigentlich war dort genug Platz für die Entfaltung ihrer Zwiebelpersönlichkeit, aber wie immer lebte ich im Hier und Jetzt und dachte: In so einem kleinen Garten ist soviel nackte Erde doch pure Platzverschwendung.

Und schwupps - hatten die beiden Gesellschaft von ein paar wirklich winzigen Sedum-Kindeln Marke Fette Henne. Nun ja - ich hatte gedacht, die neuen Nachbarn würden sehr lange sehr klein bleiben und einen brauchbaren Bodendecker für das junge Gemüse abgeben. Aber weit gefehlt, es kam ganz anders.


Die Fette Henne machte sich nämlich unglaublich breit und ihrem Namen alle Ehre. In atemberaubender Geschwindigkeit waren die Ableger in die Höhe geschossen und hatten die beiden Speisezwiebeln untergebuttert. Diese wiederum - mit weniger Ellbogenkraft gesegnet - machten sich dünn und wuchsen krakenartig und gar nicht dumm in die einzige Richtung, die genug Licht versprach: nach unten. Da der Topf in vorderster Front auf dem Gartentisch stand, war das eine gute Strategie.



Die wilde Wohngemeinschaft war zwar ein willkommener Anlass zu großer Erheiterung bei jeder Grillparty, aber was wäre die Gärtnerin, wenn sie nicht über sich selbst lachen könnte? Ein bisschen waren sie wie Pat und Patachon, Dick und Doof, Tom und Jerry oder andere ungleiche Paare.


Und dann schließlich, als die Fette Henne schon zum großen Finale ansetzte, konnte ich doch noch zwei prächtige Zwiebeln aus dem Topf ziehen. Oder wären sie ohne den raumgreifenden Nachbarn vielleicht noch dicker geworden?



Seit dieser Geschichte sehe ich beide Mitbewohner mit anderen Augen: Die so behäbig wirkende Fette Henne ist mir jetzt als ehrfurchtgebietender Senkrechtstarter ein Begriff. Die Speisezwiebel ist trotz beengter Verhältnisse eine wahre Kämpfernatur, solange sie nur von irgendwo noch genug Sonne abbekommt, und sei es von schräg oben.

Man sollte viel öfter Mut zur Mischkultur der unkonventionelleren Art haben - vielleicht finden sich doch ganz neue Traumpaare, von denen niemand etwas geahnt hat und die richtig Platz sparen im kleinen Garten. Und wenn es doch nicht klappt mit der Paarbildung, hält man die Streithähne eben im nächsten Jahr lieber voneinander fern.

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