Freitag, 22. Februar 2013

Baumhaus

Einen Garten ohne Baum kann ich mir nur schwer vorstellen. Im kleinen Revier braucht man aber die gehölzgewordene Allzweckwaffe - gertenschlank soll er sein, aber trotzdem bei Bedarf den kühlsten Schatten seit Erfindung des Waldes werfen. Er soll immer aussehen wie aus dem Ei gepellt, nicht wehleidig sein und sich auch noch mit möglichst viel fabelhaftem Fußvolk unterpflanzen lassen.

Im kleinen Garten ist es zudem wichtig, dass das Gehölz im Frühjahr schön und bienentauglich blüht, und im Herbst nette Früchte produziert, die auch noch den Vögeln schmecken. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal.

Das ist zugegebenermaßen ein bisschen viel verlangt. Und so verzeihe ich meinem Flaggschiff, dem Zierapfel "Golden Hornet", auch seine Unfähigkeit, Früchte zu produzieren, die länger als November hübsch aussehen. Das kriegt er einfach nicht hin, das ist seine größte Charakterschwäche. Stattdessen hängen auch ohne frostige Temperaturen bereits im Herbst aufplatzende und farblich nicht sehr appetitlich aussehende Dinger am Baum, die Äpfel sein sollen. Die Amseln stört das wenig, die legen auch so im Winter gerne mal einen Obsttag auf meinem Apfelbaum ein. Sogar das Eichhörnchen wurde schon dabei beobachtet, wie es einen halben Apfel zu sich genommen hat.

Im Frühjahr ist sowieso wieder alles in Butter, wenn Mister "Golden Hornet" eine große Show veranstaltet, indem er sich über und über in Blüten gehüllt präsentiert. Denn das kann er, das hat er gelernt. Zu seinen Füßen findet dann ein ebensolches Spektakel statt, wenn die Frühlingsblüher sich gleichermaßen mächtig ins Zeug legen. Sozialkompetenz hat der Zierapfel nämlich auch und lässt sich bereitwillig unterpflanzen.

Soweit, so gut. Nun hätte ich aber gerne noch einen Zweck von meinem Hausbaum erfüllt, und ich finde, da verlange ich nicht zuviel. Nein, ein Anker für eine Hängematte soll er ja gar nicht sein, er soll nur lediglich einen Nistkasten tragen. Bisher wollte ich ihm diese Last nicht zumuten. Aber so langsam mehren sich die Zeichen, dass er es kann.

Da wäre zum einen der Baumläufer, der neulich einen zaghaften Versuch unternahm, den Zierapfel als Nahrungsquelle zu benutzen. Das ist doch wohl ein untrüglicher Beweis dafür, dass der Baum von der Tierwelt als solcher wahrgenommen wird (und nicht, dass mein Garten mittlerweile als Wald durchgeht, hoffe ich)? Schließlich hat der kleine Vogel ja auch seinen Stolz und kriecht nicht an jedem dürren Stängel entlang.

Und dann wäre da noch Nachbars Katze, die ihn - öfter als mir lieb ist - als Kratzbaum frequentiert.

Immergrün ist so ein Zierapfel auch, wie das linke Foto beweist!


Außerdem hat der Zierapfel schon letztes Jahr erfolgreich Vogelfutter feil geboten in Gestalt eines formschönen Spenders (der für noch mehr Unterpflanzung in Form von Sonnenblumen und Getreide sorgte...).



So sind sich Jäger und Gejagte wohl einig: Es handelt sich hier um einen Baum, der den Namen auch verdient.

Also wurde es höchste Zeit, dass "Golden Hornet" dieses Jahr eine tragende Rolle übernimmt und bei der Familienplanung behilflich ist. Einer dieser wirklich unverwüstlichen Holzbetonnistkästen sollte es sein, für eine dauerhafte Bindung zwischen Baum und Anhängsel.

Der Baum steht nicht wirklich so schief...


Wer in das Baumhaus einziehen wird, ist noch nicht klar, ich schätze, die Kohlmeisen werden das Rennen machen, sie führten bereits eine erste Wohnungsbesichtigung durch. Soviel Glück, dass es die seltenen Feldsperlinge sind, werde ich wohl nicht haben.

Der geneigte Leser wird jetzt zu Recht anmerken, dass es doch günstiger wäre, so eine Nisthöhle aus Restholz selbst zu bauen. Jawoll, ist es auch. Wer aber wie ich mit zwei linken Händen verflucht ist und nur windschiefes Zeugs und einen blauen Daumen fabrizieren kann - das aber reproduzierbar - tut den Vögeln auch keinen Gefallen. Und wer nicht basteln kann, muss kaufen - dann aber lieber nur einmal in der robusten, rottefreien Variante.

Kommentare:

  1. Den Golden Hornet habe ich mir im Herbst gepflanzt (und ein paar andere Zieräpfel auch - Frau braucht Dekomaterial *lach*) und bin gespannt, ob er es auch mal wie hier zum Multi-Talent schafft. Das sieht vielversprechend aus. Ich baue auch keine Nistkästen selbst - bei meiner Zimmermanns-Begabung wäre das fatal für die Vögel *lach* ! Die rottefreie Variante ist auch sehr pflegeleicht und leicht zu säubern - daher sicherlich eine gute Wahl !!!
    GLG aus dem Waldhaus,
    Christine

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  2. Wie schön...der Zierapfel...und das Häuschen ist doch wunderbar! Ich habe mal den Fehler gemacht, ein halb verrottetes Holzhaus nicht gleich zu entsorgen, dann zog doch Familie Meise ein...und für Katze und Regen war Tor und Tür geöffnet...LG Lotta.

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  3. Ja, ich liebe meinen Zierapfel auch, es ist aber ein Evereste. Ich habe ein wunderhübsches grünes Vogelfutterhäuschen, das darauf wartet, dass der Baum und vor allem die Äste stark genug sind, es zu tragen.
    Zieräpfel erfüllen ja fast alles, was man sich von einem Baum wünschen kann. Meine Tochter isst sogar sehr gerne die Äpfel!

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  4. Viel Glück mit den neuen "Mietern" wünscht.
    Marie

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  5. Sehr schön, was das Bäumchen inzwischen alles kann! Eine anscheinend sehr gute Wahl für den kleinen Garten. Aber sehr treffend finde ich, dass unter diesem Post der Vorschlag unter 'Das könnte sie auch interessierten' der Titel 'Katerfrühstück' erschien. Hoffentlich leistet das Bäumchen nicht auch dafür noch gute Dienste ;-)
    Liebe Grüße
    Silke

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  6. Ein schönes Häuschen bietest du deinen neuen Mietern da an :) - da fühlen sie sich sicher wohl! Meine Apfelbäumchen sind beide noch zu klein für Futterspender oder Nistplätze, aber das kommt schon noch.
    Lieben Gruß, Doris

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  7. Viel Glück mit den neuen Gartenmitbewohnern. Und hoffentlich kriegt Nachbars Katze das nicht mit....

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  8. Gestern konnte ich meinen Post irgendwie nicht abschicken...also heute mal ein neuer Versuch.
    Der Baum ist wunderschön aber Bäume kann ich auf unserem "Grundstückchen" leider nicht mehr pflanzen.
    Dafür haben wir einen schönen Kirschbaum an der Grundstücksgrenze stehen der sich wunderbar dafür eignet Vogelnistkästen aufzuhängen. Die habe ich auch bei nem Vogelzubehörversandhaus bestellt und jetzt nach 3 Jahren lassen die auch schon "Federn". Die Aufhängung muss getauscht werden, die Spiegel die im Dach befestigt sind fallen ab etc.
    Ich denke die Holzbeton teile werden meine Favoriten bei der nächsten Bestellung ebenfalls werden.

    Liebe Grüße Deine Neuleserin

    Anja und Anhang

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  9. Ein schöner Baum, ich habe auch einen Zierapfel in meinem Garten geerbt, die Amseln mögen die schönen Früchte im Herbst:) Inzwischen wächst schon eine violette Rose in den Zierapfel hinein, die zwei ergänzen sich richtig gut.
    LG Cordula

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  10. Ich liebe die Zierapfelbäume auch. Leider mussten wir den unsrigen fast kahlschlagen. Er hat gerade noch zwei Äste, der Rest wurde vom blöden, doofen, dummdödeligen (ja, ich mag ihn definitiv nicht) Schnee abgedrückt. Der Nistkasten für die Meisen steht aber noch, denn es ist der beliebteste im ganzen Garten. Er wurde von Hand von den Vorbesitzern gewerkelt und hat wohl schon einige Jährchen auf dem Buckel (und das sieht man ihm auch an), aber so lange er nicht auseinander fällt, darf auch er bleiben. Ich hoffe jetzt auf die Ramblerrose, dass sie die Unförmigkeit des Zierapfels zu vertuschen weiss. So, Mädel, und nu mach ich mich dann gleich noch ran, Deine Zeitschriften zu verpacken, das erwartete Exemplar "Schweizer Garten" ist nämlich frisch eingetroffen.
    Hab ein gemütliches Wochenende.
    Alex

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  11. Hallo Elke,
    Glückwunsch zu deinem Zierapfel. Ich besitze ebenfalls einen Vertreter dieser Species, leider keine gute Wahl. Die Sorte "Tina" hat mikroskop. kleine Früchte und von einem Baum ist er noch weit entfernt.
    Schade das die Katze deinen Zierapfel als Kratzbaum benutzt, kann man nichts dagegen machen?
    Dir noch ein schöne WE
    Dagmar

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  12. Liebe Elke,
    eine schöne Idee und die Meisen werden es dir
    Danken, in dem sie alles Ungeziefer in der Nähe vertilgen :-)
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
    Ganz viele liebe Grüße Urte

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  13. Im neuen Garten möchte ich auch ein Nistkästchen aufstellen. Platz hätte ich nun genug :)

    lg kathrin

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  14. Hallo Elke.Ein Zierapfelbaum in einem Garten ist ja was schönes.Und überhaupt die Früchte im Herbst einfach schön zur Deko.
    Schön finde ich auch deien vielen Nistkästen die Vögelchen werde es dir danken.
    Schönen relaxen Sonntag und liebe GRüße Jana.

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  15. Hallo Elke,
    da hast Du ja fast die Eierlegendewollmilchsau im Garten.;-) Ich beneide Dich immer wieder um Deinen Golden Hornet, der produziert im Gegensatz zu meinem Prof. Sprenger wenigstens schöne Äpfelchen, auch wenn sie nur bis November halten. Unsere Nachbarn haben einige Nistkästen im Garten, dort machen meistens die Haussperlinge vor den Meisen das Rennen. Bisher habe ich noch keine Nistkästen im Garten, da unser Haus bereits das reinste Spatzen-Nist-Eldorado ist. Mein Mann hat vor vielen Jahren mal die Balkenüberstände vom Dachstuhl mit Holz verkleidet, damit sich die Elstern nicht immer darauf setzen und unser Haus mit unschönen "Verzierungen" versehen. Damit hat er unbewusst Nistkästen (ca. 6 Stück) geschaffen, in denen es jedes Jahr etwa drei Spatzenbrutfolgen gibt, da braucht man keinen Wecker mehr...;-)

    Liebe Grüße, Bärbel

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  16. haettest du den everest statt des golden hornets genommen, haettest du laenger freude an den fruechten:) die halten sogar unser mieses herbstwetter besser aus! die zerstoererische katze allerdings - die haette ich schonmal diskret mit wasser besprengt, dass sie solche ideen nicht mehr in meinem garten haette!:(

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  17. Danke für die vielen schönen Ideen und Inspiration. Ich habe neulich mal nach einer Anleitung einen Kratzbaum für meine Katze selbst gebaut da mir die fertigen Kratzbäume nicht gefallen haben habe ich Naturmaterialien verwendet und der Baum kann jetzt im Sommer auch draussen stehen, da sich unsere Katze auch gerne an unseren Bäumen "vergriffen" hat.

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