Donnerstag, 7. März 2013

Biogarten ohne Wenn und Aber

Alle wollen "Bio". Ob Gemüse aus dem Supermarkt, Milch, Eier oder sogar Kleidung - fast alles kann man mittlerweile mit mehr oder weniger ökologischem Anspruch bekommen. Nur den Biogarten, den muss man schön selber machen, den gibt es weder von der Stange noch im Bioladen, und das ist auch gut so. Aber wann ist man denn ein gescheiter Biogärtner? Und wie wird man bloß einer? "Bio" sind nämlich auch Blattläuse, Nacktschnecken und Wühlmäuse, ganz ohne Siegel, Prädikat und Stempel. Die bekommt man mitunter frei Bordsteinkante geliefert und man muss der Versuchung widerstehen, sie mit unqualifizierten Chemikalien zu vertreiben oder gar abzutöten. Das ist gar nicht so leicht, besonders wenn man vor den kahlgefressenen Trümmern seines Salatbeetes steht. Man braucht schon die innere Ruhe eines tibetanischen Mönches, um gelassen über so etwas hinwegsehen zu können. Doch der Biogarten lohnt sich, wenn er ohne Gift im biologischen Gleichgewicht ist.

Das findet Karl Ploberger, Bionier der ersten Stunde, und hat ein Buch geschrieben, wie man es richtig und ohne Gift macht: "So werde ich Biogärtner: 12 Projekte für naturnahes Gärtnern", erschienen im Ulmer-Verlag.


Der Band ist so schön bebildert und enthusiastisch geschrieben, dass man gleich loslegen möchte. Man lernt, wie wichtig der Boden ist, wie man ein Hochbeet baut und welche Materialien man verwenden kann (in der Ausführlichkeit ist mir das noch nicht untergekommen), es gibt eine Anleitung für eine Kräuterspirale und einen Gartenteich. Obst und Gemüse dürfen nicht fehlen, Rosen, Stauden und Blumen müssen ebenfalls sein. Um die biologische Schädlingsbekämpfung in Gang zu bringen, werden Nützlinge angelockt. Auch an die Bestäuber der Obstgehölze wird selbstverständlich gedacht.



Für die Singvögel wird gleich eine ganze Wildsträucherhecke vorgeschlagen. Allerdings hätte ich den Autor an dieser Stelle gern gefragt, wie er denn in seinem Garten mit der von ihm empfohlenen Schlehe klarkommt - Monokultur in Form von Ausläufern oder fröhliches Miteinander mit Pfaffenhütchen und Kornelkirsche?

Besonders gefallen hat mir das Kapitel über Blumenwiesen im englischen Stil - mit Zwiebelpflanzen wie Allium und Camassia. Das möchte man sofort nachmachen.

Es gibt viele Fotos, die Herrn Ploberger in seinem Garten zeigen, das muss man schon mögen an diesem Buch. Dafür wurde hier aber auch viel Liebe in die Ausstattung gesteckt, anstatt nur auf Agenturbilder zu setzen. Zeichnungen mit kompletten Pflanzplänen runden das Ganze ab. Das Register ist leider etwas dürftig - man findet noch nicht einmal das Wort Salat verzeichnet.


Wer anmerken möchte, dass man die vielen guten Ideen nur in des Autors riesigem Garten umsetzen kann, der findet zum Schluss noch ein Kapitel über das Biogärtnern ohne Garten, im Topf nämlich. Das hat er selbst anfangs so gemacht, als er nur einen Balkon hatte und man Biogemüse noch nicht an jeder Ecke kaufen konnte.

Alles in Allem ein empfehlenswertes Buch für Einsteiger, das Lust macht auf Natur und Erntefreuden im eigenen Garten.
Eine Leseprobe gibt es hier.

Kommentare:

  1. Hallo Elke,
    Bio im eigenen Garten lob' ich mir. Zumindest dieses Gemüse kann man bedenkenlos essen. Das Buch hört sich richtig interessant an und wenn du schon so begeistert bist, ist das ein gutes Zeichen. Ich werde es mir ansehen, wenn ich es im Handel sehe. Danke für den Tipp.
    lg Johanna

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  2. Hmm, naja, ein Buch für Anfänger schreibst Du....
    So, wie alle Bücher von Hrn Ploberger. Nicht so unbedingt meines. Auch nicht diese Selbstdarstellung............
    Biogärtnern kann ich auch ohne KP.

    lg Frieda

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  3. Vielen Dank für die interessante Buchpräsentation. Karl Ploberger wird auch auf der Blühenden Österreich sein. Bin schon gespannt.

    lg kathrin

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  4. Hallo Elke,
    ich habe von ihm das Buch "Kleine Naturgartenfibel", das für mich immer wieder ein Nachschlagewerk ist und lese auch gelegentlich seine Beiträge auf seiner HP. Dieses Buch scheint allerdings sehr viel ausführlicher zu sein. Mal sehen, vielleicht finde ich es mal wo zum durchblättern.
    Lieben Gruß, Doris

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  5. Hallo Elke, ich mag den Ploberger, hab einmal das Buch Gärtnern für intelligente Faule bekommen, das war in meinem ersten Gartenjahr und ich hab sehr gerne immer wieder reingeschaut. Mittlerweile hab ich meinen Gemüsegarten gut im Griff und schau mich eher bei anderen Inspirationsquellen in Sachen Gartengestaltung um. Da tut sich jedes Jahr wieder was, bis es dann mein Traumgarten sein wird.
    lg, Kärntnerin

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  6. Hallo Elke.Toll ein Bio Gärtner zu sein.Alles so verwirklichen wie es im Buch steht.Glückwunsch demjenigen der das verwirklichen kann das nimmt viel Zeit in Anspruch und Wissen.Aber du lieeb Elke bekommst das hin bin ich mir sicher.Die Bücher von Ploberger sind toll,da kenne ich auch einige.Schönes WE und liebe GRüße Jana.

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  7. Huhu!

    So langsam erwacht auch unser Garten am Wiehen wieder!

    LG
    Claudia
    ...die jetzt grad in Bielefeld im Büro sitzt! ;o)

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  8. Ich möchte einfach schnell ein Lob loswerden! Gerade habe ich Dein Blog kennengelernt und ein bisschen herumgestöbert - und bin begeistert von den wunderschönen Fotos und den witzigen und tollen Texten.
    Unser Garten befindet sich zwar nicht hinter einem Reihenhaus, sondern einer Doppelhaushälfte, aber so besonders viel Platz bietet er natürlich auch nicht.
    Ich komm´ dann öfter mal zum Schauen und Lesen vorbei!

    Grüße von
    Ute

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  9. Vielen Dank für die schöne Rezension. Zum Buch gibt es eine virtuelle Leseprobe, mit der Sie im Buch blättern können: http://b2l.bz/clEk1R

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  10. Schlehe im Garten fand ich auch mal toll... und hab mich dann irgendwann gefragt, wieso das in KEINEM meiner Bücher steht, wie wild die sich ausbreiten will. Ich hab sie ausgegraben und kämpfe nach 2 Jahren immer noch mit den Resten in meiner Wiese! Ich finde Schlehen immer noch toll, aber in den Garten kommt sie mir nicht mehr.

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  11. Ein ganz tolles Fotos von der Blaumeise - gefällt mir sehr...
    Ja, von Herrn Ploberger habe ich mir "Ein Garten voller Lebensfreude und Ernteglück: naturnah, vielfältig, experimentell" gekauft und finde es ganz nett. Vor allem die Fotos von Ursel Borstell sind wie immer klasse.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch auch sehr gut ist. Hab also vielen Dank für den Tipp !!!
    Ein schönes WE mit einem lieben Gruß,
    Christine

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  12. Hallo Elke,
    mir war das biologische Gärtnern von Anfang an wichtig, vor allem im Gemüsegarten, sonst kann ich das (pestizid- und nitratbelastete) Gemüse ja gleich im Supermarkt kaufen und muss mir die Arbeit nicht im Garten machen...Das Buch von Karl Ploberger kenne ich nicht (danke für den Tipp), ich habe das Biogarten-Buch von Marie-Luise Kreuter. Mein Fazit nach 10 Jahren Garten ist, dass man als Biogärtner seeehr viel Gelassenheit entwickeln muss. Anfangs habe ich mich fürchterlich über Sternrußtau, Blattläuse, Schnecken & Co. aufgeregt und musste mich wirklich zurückhalten, nicht doch irgendeine Chemiekeule einzusetzen (was ich natürlich nicht getan habe!). Mittlerweile rege ich mich nicht mehr darüber auf und versuche halt möglichst nur noch robuste Pflanzensorten zu setzen, mit denen ich kaum Probleme habe.

    Ach ja, und die Schlehen... Wir haben ja so eine große Wildstrauchhecke, theoretisch ist die Idee auch wirklich gut, aber Du kannst Dir nicht vorstellen, wie oft ich diese Hecke schon verflucht und mir eine pflegeleichte Hainbuchenhecke gewünscht habe...Die Schlehen (4 Sträucher) haben wir letztes Jahr gerodet, nachdem die Ausläufer überall im Rasen und in den Gemüsebeeten auftauchten.

    Liebe Grüße, Bärbel

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  13. Hach, seufz, wie recht Du hast. Bio ist wirklich nicht immer einfach. Dank dem, dass ich aber eher eine faule Gärtnerin bin, wäre ich wohl zum Spritzen eh zu faul. So lasse ich die Vögel und Igel ihr Werk tun und ärgere mich halt einfach über den doofen Dickmaulrüssler, den ich weiss, man ja mit Nemathoden auch beseitigen könnte, wenn man denn nicht gar so faul wäre wie ich. So habe ich halt einen gelochten Kirschlorbeer, hach was soll's, ich verkaufe ihn einfach unter dem Motto, dass es eine neue... eben eine gelochte Art des Kirschlorbeers sein. Bio heisst halt eben auch erfinderisch sein.
    Hab einen gemütlichen Sonntag.
    En liebe Gruess
    Alex

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  14. "...Allerdings hätte ich den Autor an dieser Stelle gern gefragt, wie er denn in seinem Garten mit der von ihm empfohlenen Schlehe klarkommt - Monokultur in Form von Ausläufern..."

    kann Dir nur zustimmen, ist auch mein mantra sowohl im netz als auch bei workshops - "auch wenn sie für naturgärten immer wieder empfohlen wird, setzt eine schlehe nur in wirklich grosse gärten und wenn 10m ausläufer ok sind. Allenfalls mit exzellenter wurzelsperre."
    Ich weiss wovon ich rede, wir haben schlehen im ganz wilden gartenteil.

    lg, brigitte

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