Mittwoch, 17. April 2013

Der Neue

So, jetzt ist er weg, der alte Sack. Er hatte schon ein bisschen Haltungsprobleme und war ein wenig ausgefranst. Auch mit der Sauberkeit haperte es etwas in letzter Zeit. Er ließ sich nur noch hängen und war völlig ausgelaugt, in seinem Inneren irgendwie leer. Der alte musste weg, da gab es keinen Zweifel, es hatte alles keinen Zweck mehr. Unser Verhältnis war zerrüttet, genauso wie sein äußeres Erscheinungsbild. Kennt ihr das auch? Manchmal braucht man einfach einen neuen. Jetzt habe ich endlich wieder einen. Den habe ich im China-Restaurant kennengelernt. Und so sieht er aus, ist er nicht bildschön? Der ist sogar mit "Extra Parfum", mit Auszeichnung also.


Er war kostenlos und wäre ohne meine Hilfe ausgemustert worden. Leere Reissäcke wandern nämlich nach der Leerung direkt in den Hausmüll - ich habe es kontrolliert, da ist kein grüner Punkt drauf! Nun sollen in den Sack wieder Kartoffeln rein. Diesmal baue ich Linda an, denn die war dummerweise dem Kochtopf entkommen, lungerte unnütz in der Küche herum und hatte schon fleißig ausgetrieben. Jetzt darf sie im Reissack für Nachwuchs sorgen. Ich hoffe, sie weiß das Angebot zu schätzen.

Warum ich schon wieder auf dem Thema herumreite? Weil mein Artikel zum Anbau von Knollen im Sack laut Statistik der meistgelesene überhaupt ist. Ein echter Dauerbrenner, ein ganz heißes Eisen. Daher habe ich mir gedacht, noch ein paar Tipps oben drauf zu legen. Völlig gratis. Im Nachhinein sind mir nämlich noch ein paar Dinge eingefallen, die man besser machen kann. Man lernt ja ständig dazu, und warum sollte man nicht seine Pleiten auch mal niederschreiben? Hier kommen sie also, es darf gelacht werden:

  • Letztes Jahr hatte ich meine Kartoffeln im Reissack fleißig mit Kaffeetrester aus der Maschine angehäufelt. Sieht aus wie Erde und hat den Knollen offenbar gut zugesagt. Allerdings fand auch die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) Gefallen an diesem hausgemachten Substrat. Der Name klingt nett, oder? Ist aber ein Schleimpilz, der schön leuchtende Fruchtkörper macht. Er schadet den Kartoffeln ganz und gar nicht, ernährt sich einzig und allein von anderen Dingen, die uns Menschen nicht schmecken. Der Pilz ist lediglich ein kosmetisches Problem, aber ein großes, wenn Besuch ansteht, der zu allem Überfluss auf der Terrasse dinieren will. Also schnell alles abgekratzt, um keine Hygienefragen aufzuwerfen. Wer auf den gelben Gast verzichten möchte, sollte keinen Kaffee verwenden. Eine Garantie ist das aber auch nicht.

  • Ein weiterer Nachteil von Kaffeemaschinenabfall ist die schnelle Verfärbung des Reissacks von Blütenweiß in Richtung bräunlich. Auch das gewinnt keinen Schönheitspreis.

  • Da so ein Reissack mit dem Messer oder der Schere geöffnet wird, franst die Schnittstelle gerne aus. Wenn man nicht aufpasst, sieht die Terrasse bald aus wie nach einer mittleren Karnevalsparty. Daher den Flatterrand am besten vorsichtig mit dem Feuerzeug verschmelzen.

  • Hat man das Substrat großzügig mit selbstgemachtem Kompost angereichert, darf man sich über Wurm-Nachwuchs freuen, und zwar nicht zu knapp. Das ist der Vorteil der Koffeinkur. Um die Nutztiere nicht zu verlieren sollte man den ganzen Sack nach erfolgreicher Kartoffelernte zurück in den Komposter entleeren.

  • Da der Sack Feuchtigkeit nach unten entlässt, ist ein Abstandshalter zu wertvollen Fliesen oder Terrassenbohlen ratsam. Wie wäre es mit einem alten Topfuntersetzer aus Metall oder einem großen Teller?

Wie weit ist eure Reissack-Akquise gediehen? Hattet ihr Probleme mit der Materialbeschaffung oder ging alles glatt? Ich bin auf eure Erfahrung gespannt!

Kommentare:

  1. HUhu liebe Elke was du so alles machst und anstellst.Das weiß ich alles nicht.Ich kenne nur meine Rosen und Stauden das ist auch alles.HIHI.
    Tolle Sachen machst du immer es es wird immer was.Bin gespannt auf deine Kartoffeln im Sack.
    Schönen gemütlichen Feierabend und liebe GRÜße Jana.

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  2. Liebe Elke,

    ich hoffe ja, dass Du nur den Reissack so entsorgst, wenn er alt und klapprig ist. ;-))
    Es ist wieder einmal eine Geschichte zum Schmunzeln und zum Lernen.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  3. eine seeeeehr gute Idee Elke! Da muss ich doch auch mal schauen... Ich trau mich aber keine Kartoffeln anbauen, wegen meiner Tomaten. Bisher sind wir von Krautfäule verschont und ich hoffe, das bleibt auch so.
    Viele Grüße von Renate

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  4. Liebe Elke, was habe ich nur gelacht. Wirklich köstlich geschrieben! Danke an die Erinnerung an den Kartoffelsack. Ich hät's sonst wieder glatt vergessen. Also wenn ich das jetzt mache, dann ist es doch die richtige Zeit, oder? Auf jeden Fall werde ich mir beim Chinesen so einen Sack organisieren und das mal ausprobieren. Ich lieeebe Kartoffeln!!!

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    1. Ja, genau, jetzt ist die richtige Zeit für den Kartoffelanbau.
      VG
      Ele

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  5. Mist aber auch - hätte ich das doch schon heute Vormittag gelesen. Wir waren zu Mittag im "Goldenen Wok" - also beim Asiaten essen. Da hätte ich glatt nach einem solchen Sack fragen können . . . Gute Tipps von dir - vielen Dank.
    Herzliche Grüße
    Elke (Mainzauber)

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  6. Das ist ja eine geniale Idee!

    Danke!

    Liebe Grüße
    Nula

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  7. Du bist wirklich ein Knaller mit deinem *Alten*. Schreiben kannst du wirklich. Leider bin ich noch nicht an einen Sack gekommen, ich behalte eben meinen Alten!

    Sigrun

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  8. Liebe Elke,
    *kicher, kicher. Den Alten entsorgen, weil er sich hängen lässt? *kicher.
    Ach sooo, du meinstest den Kartoffelsack! Also gut, da kann man dir ja bedenkenlos zustimmen. Ist bestimmt ein interessanter Versuch. Dann müssten auf diese Weise ja auch Tomaten wachsen können. Auf jeden Fall ein guter Versuch und die Ernte war bestimmt erstaunlich bei der liebevollen Pflege.
    Schöne Grüße, Johanna

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  9. Ohooo! ... das merke ich mir für's nächste Jahr: ♥

    Alles Liebe,
    Petra

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  10. Huhu!
    Ist ja witzig....
    Ich hab grad gesehen, dass Du in Deinem Blogger-Profil-Bild den gleich kleinen Zinkumtopf hast wie ich hier: http://hausamwiehen.blogspot.de/search?updated-max=2012-10-23T11:50:00%2B01:00&max-results=20&start=22&by-date=false (Eintrag vom 22. Okt)
    Ich hab sogar den passenden Stzein dazu gefunden. ;o)
    LG
    Claudia

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  11. Ich "gestehe"! Auch ich habe deinen Reissackkartoffelanzuchtartikel einige Male gelesen. Und wieder überlege ich, zum China-Restaurant im Ort zu pilgern und um milde Reissackgaben zu fragen ;).
    Viel Spass mit deinem Neuen!
    Doris

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  12. Grins, da wird sich aber Linda freuen über den neuen Typen aus dem China Restaurant... und dann noch mit Extra Parfume... wenn das nicht eine reiche Ernte gibt, weiss ich auch nicht mehr *lach*.
    En liebe Gruess
    Alex

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  13. Hmmm, die Linda war eine der leckersten Kartoffeln bei meinem Kartoffelanbauversuch!
    Also so ein parfümierter Kartoffel-Reis-Sack hat was und Deine Tipps sind mal wieder goldwert! Du erinnerst Dich sicher, dass ich vor 2 Jahren Kartoffeln im Kübel angebaut habe, aber so einen guten Ertrag wie Du mit nur 2 Kartoffeln im Sack hatte ich nicht. Vielleicht habe ich auch zu viele Kartoffeln in die Kübel gelegt und es wurde zu eng...Leider gehe ich eher selten zum Chinesen, von daher fällt der Stammgast-Bonus schon mal weg. ;-)

    Liebe Grüße, Bärbel

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  14. ich weiss nicht, parfuem im reis finde ich ja nun nicht sooo attraktiv:) leider ist hier kein chinese, den ich fragen koennte, also werde ich wohl weiterhin meine erdaepfel in gartenbeeten unterbringen.... obwohl ich statt kaffeesatz reichlich teebeutel liefern koennte! aber dein schlapper alter hat auch was beim lesen - also werde ich auch ohne kartoffel-reissack auskommen:)

    viele gruesse von der insel
    Bettina

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  15. Parfumreis I've never eaten, but you take me back to a conversation with Swiss library colleagues. The Swiss woman had to mix hers half and half, found the perfume too strong. The Chinese woman found it just the way she was used to.

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  16. Na, atraktiv ist der "Neue" ja, Linda wird sich sicher freuen!!!
    Dir noch eine schöne Woche
    Dagmar

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  17. Wenn alte Säcke geupcycelt werden -wie das so schön neudeutsch heißt- freuen sich die Kartoffeln...oder auch der Pilzkenner.Schleimpilze scheinen also besonders gut auf einem Substrat aus Kaffeetrester und Erde zu wachsen...das finde ich übrigens spannender als die Kartoffelernte ;-)
    Schade, dass du dazu keine Fotos hast.

    LG
    Sisah

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  18. Gottseidank schreibst du das mit dem Kaffee noch, ich hatte deinen Vorjahresbeitrag gelinkt bekommen, und wollte schon meine Jura berauben.

    Dann spar ich mir das mit der Kaffeedüngung.
    Für den Kompost kommt deine Warnung leider zu spät. Aber ich hab den akribisch nach Viechern durchsucht.
    Aja meine Eräpfel sind in einem Kübel!
    Viel Erfolg bei der Kartoffelzucht!

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