Mittwoch, 26. Juni 2013

Bienen würden Glockenblumen kaufen

Zu einer zünftigen Gartensafari braucht man vor allem eines: Geduld und Glockenblumen. Keine Pflanze bringt so viel Glanz und Gloria und illustre Gäste in den Garten wie Campanula. Sie ist so etwas wie die Serengeti unter den Stauden - in naturnahen Gärten wird man ohne große Mühe an keiner anderen Pflanze so viele verschiedene Wildbienen zu sehen bekommen wie an ihr.


Sie alle escheinen zur Glockenblumengala, die pünktlich im Juni feierlich eröffnet wird: Hummeln, Blattschneiderbienen (Megachile), die Zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor), winzige Maskenbienen und nicht zuletzt eine ganz besondere Spezialistin: Die Glockenblumen-Scherenbiene (Osmia rapunculi).


Bei dieser Art hat das Männchen ganz grüne Augen und hübsche braune Zotteln. Das Weibchen ist sehr dunkel gefärbt, schleppt aber gerne weißen Pollen an der Bauchbürste herum, wodurch es sich gut von Herrn Biene unterscheiden lässt. Beide sind so winzig, dass sie im allgemeinen Hummelgewirbel an den Glockenblumen meist übersehen werden, obwohl gerade die Drohnen sich allergrößte Mühe geben, durch ausgiebiges Machogehabe und Patrouillenflüge um die Blüten herum Aufsehen zu erregen. Die Biene lässt sich sogar erfolgreich in Nisthilfen (Insektenhotels) ansiedeln.

In meinem Garten lieben sie besonders die hohe Breitblättrige Glockenblume (Campanula latifolia). Auf der sind sie zuhause, dort wird gespeist, sich gesonnt, geschlafen und sich gepaart. Die Flugzeit dieser Bienen ist ähnlich kurz wie die Blütezeit der großen Staude, weshalb ich jedes Jahr viel Zeit mit ihnen verbringe, um die quirligen kleinen Insekten an ihrem Lebensmittelpunkt zu porträtieren.

Auch wenn man sich nicht für diese besonderen Gartengäste interessiert, sollte man es trotzdem mit der wunderbaren und sogar heimischen Glockenblume probieren. Bei mir wächst sie im Halbschatten ausgesprochen gut und sät sich von allein reichlich aus. Da sie das auch in meinen Garten hinein getan hat und vom Nachbarn eingewandert ist, kann ich nicht sagen, ob es die Sorte Macrantha ist.





Es gibt einige wichtige Dinge über sie zu wissen, denn Campanula latifolia ist eine echte Staudenpersönlichkeit mit einigen Eigenarten:

  • Es gibt sie mit weißen und mit blauen Blüten, wobei die weißen bei den Spezialisten unter den Bienen weit weniger gut ankommen als die blauen. Den Hummeln ist die Farbe egal. Blattläuse mögen die weißen wiederum viel lieber. Man kann also durch die Farbwahl die Klientel unter den Insekten beeinflussen - Bienen oder Blattläuse, das ist eine schwierige Frage. Dummerweise vermehrt mein Garten mit großer Freude lieber die weißen.

  • Die jungen Pflanzen sehen aus wie Veilchen, weshalb ich so viele riesige Wald-Glockenblumen im Beet-Vordergrund habe, weil ich die Sämlinge dummerweise für niedrige Bodendecker gehalten habe. Intelligentere Gärtner setzen sie in den Hintergrund, wo die großen Stauden naturgemäß deutlich besser wirken, aber dort komme ich nicht so gut mit der Kamera an die Bienen heran. Denen geht der Standort sowieso völlig am Allerwertesten vorbei, Hauptsache, es wird geblüht.

  • Sie neigt dazu, nach der Blüte einzuziehen, anscheinend, wenn der Sommer ihr zu trocken wird, denn sie liebt luftfeuchte Standorte. Das ist kein Grund zur Beunruhigung - im nächsten Jahr ist sie zuverlässig und mit Macht wieder zu Stelle - dank möhrenartig verdickter Wurzeln.

  • Ältere Exemplare kann man nur schlecht verpflanzen. Mit ein bisschen Glück klappt es mit viel Verhätschelung und großzügigen Wassergaben - oder besser noch im Herbst. Komischerweise fressen die Schnecken im Frühling umgesetzte Unglücksraben mit sehr großem Appetit, obwohl sie die Pflanzen auf sonnigen Stammplätzen ansonsten  weitestgehend in Ruhe lassen. Aber wehe, die unteren Blätter werden durch das Laub anderer Stauden beschattet, dann sind die auch rasend schnell weg gefressen.

  • Sie ist nicht selbstreinigend: Die alten Blütenblätter, oder besser -röhren, bleiben einfach hängen und sehen aus wie frisch gewaschene, alte Socken. Aber sie wirken dabei keinesfalls wie schicke Tennissocken, sondern eher wie zerknüllte, blaue Damenstrümpfe mit Laufmaschen. Irgendwann sind sie schließlich verschwunden, vermutlich hatten dann die Schnecken ein Einsehen gehabt.

  • Ihre Samenstände öffnen sich nach oben hin wie kleine Salzstreuer. Schüttelt man die Pflanze, kann man ihr zu großer Verbreitung helfen.

  • Ihre Blütezeit harmoniert perfekt mit der der Rosen, so dass sich im Juni wunderschöne Bilder ergeben. Die hohe Glockenblume kaschiert praktischerweise auch kahle Rosenbeine.




Also, lasst auch in eurem Garten die Glocken läuten für die große Bienengala im Juni. Die Aussaat aus frischen Samen ist einfach, und wenn ein Exemplar käuflich zu erwerben ist, reicht eines an der Zahl für den Anfang, es werden dann bald mehr. Die Bestäuber werden es euch danken - denn Bienen würden Glockenblumen kaufen!

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    bei Dir kann man immer wieder etwas lernen. Diesmal sind also die Glockenblumen dran. Im Moment habe ich keine. Da werde ich mich doch gleich mal auf die Socken (zwar auch gewaschen, aber ohne Laufmasche)machen und mir ein Pflänzchen besorgen. Für Insektenfutter bin ich immer zu haben.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Was Du schreibst ist wieder mal richtig interessant. So genau habe ich die Glockenblumen noch gar nicht betrachtet. Ich werde das schnell nachholen und auch schauen ob sie bei mir auch so viel Besuch bekommen. Eines ist mir aber auch aufgefallen, dass die weißen Blüten nämlich immer mehr werden.
    Liebe Grüße von Marie

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  3. Danke für diese genaue Beschreibung. So viele verschiedene Bienensorten gibt es....da muss ich mir auch Glockenblumen für den Garten besorgen!!!

    Liebe Grüsse Eva

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  4. Ach ja, bei dir klingt das alles immer so herrlich einfach ;-) Ich kann mich noch gut an sie in blau und weiß erinnern - bis die Schnecken kamen ...
    Aber zum Glück überlebt die pfirsichblättrige Glockenblume in den Fugen der Betonfläche und die Polsterglockenblume scheint den Schleimern nicht zu schmecken.
    Und wenn die latifolia es lieber feucht mag, dann hat sie auf dem heißen Südhof leider auch nix verloren :-( Aber dort sollte ich es in Zukunft wohl auch noch mit anderen Glockenblumen am Totholz vor dem Haussockel versuchen. Nur genauso wie das Auffüllen einer Wiese mit Wildblumen erweist sich das Ansiedeln von Stauden am Haussockel auch nicht so einfach. Garten - das große Experiment :-)
    Am meisten irritiert mich, dass unsere Hedi Grimm am Haus jetzt fast 2m hoch und breit ist und in voller Blüte steht. Aber mehr als 3 bis 5 Fluginsekten sind dort auch in der Mittagszeit kaum zu entdecken. Dabei gäbe es dort so viel zu tun ...
    LG Silke

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    1. Hallo Silke,
      die Schnecken fressen bei mir immer nur die Glockenblumen, die zu schattig stehen und zu nah an ihren Verstecken, wie der Efeuhecke.
      Die, die sehr sonnig stehen, werden komplett verschont. Die Bienen fliegen dort ja auch lieber, wo es warm und besonnt ist.
      Viele Grüße
      Elke

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  5. Mein garten ist voll mit Glockenblumen..und all den zugehörigen Bienen...ich liebe das...

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  6. Auch bei mir gibt es Glockenblumenhotels ; Restaurants , Fly Inn `s .
    Liebe Grüße ,
    Christine

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  7. Huch, was bin ich doch für ein Banause... ich dachte immer nur Biene = Biene... und das obwohl mein Patenonkel Imker ist. Suuuuuper. Und schon hab ich wieder was dazugelernt und werde meine blauen Klimbims mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.
    Danke schön.
    En liebe Gruess
    Alex

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  8. vermutlich hat sich deswegen meine blaue vom acker gemacht - zu trocken? soll man ja nicht glauben, auf der gruenen insel:) weisse hatte ich garnicht, aber die blattlaeuse moecht ich auch nicht, also werd ich nochmal nach saatgut fuer blaue ausschau halten, zu kaufen hab ich sie hier noch nicht gesehen als pflanze... ob dann auch alle bienensorten ankommen, weiss ich nicht, aber hauptsache, es kommen ueberhaupt welche! vermutlich sehen bienen die blauen blueten einfach besser als die weissen? bei mir gehen sie naemlich immer erst an alles blaue, rote, gelbe...
    irische gruesse
    Bettina

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  9. Liebe Elke,
    Glockenblumen habe ich gar keine.
    Eigentlich sind sie so hübsch. Da muss ich
    mir von meiner Mama mal ein paar Pflänzchen geben lassen :-)
    Sie hat auch ganz viele.
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir Urte

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  10. Hallo Elke.
    Schön sind deine Glockenblumen und toll geknipst das man sogar die Blattläuse sehen kann. Auch unter kleinen Tierchen Biene und Co kennst du dich aus. Wunderbar kann ich nur sagen.
    Schönes WE und liebe GRÜße Jana.

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  11. Hallo Elke,
    ich mag die Glockenblumen auch sehr, bei uns im Garten sind dieses Jahr große Mengen der pfirschblätt. Glockenblume, anscheinend war das Wetter günstig in diesem Jahr, soviele habe ich sonst nie.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  12. Hallo Elke,
    das war jetzt mal wieder total interessant, vor allem die Beschreibung der verschiedenen Wildbienenarten. Einige davon habe ich hier auch schon gesehen. Meine Glockenblumen werde ich dann mal genauer unter die Lupe nehmen, wer weiß, vielleicht erkenne ich die ein oder andere Bienenart wieder. Ich hab allerdings die pfirsischblättrige Glockenblumen, ob sie die auch mögen?

    Liebe Grüße und schönes Wochenende! Bärbel

    PS: Was machen eigentlich Deine Tomaten? Meine haben sich zum Glück wieder ganz gut erholt.

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  13. Glockenblumen mag ich auch zu gern! Leider habe ich im neuen Garten nur 1 oder 2 Exemplare der Pfirsichblätterigen. ;-) Entweder hier gedeihen sie nicht oder sie müssen erst noch einwandern. So viele Bienen kann ich bislang nicht unterscheiden. Allerdings sind mir auch schon Unterschiede aufgefallen.

    Liebe Grüße
    Sara

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  14. Oh, ich liebe Glockenblumen ... aber leider wollen sie bei mir einfach nicht so, wie ich es gerne hätte und ich glaube, die Schleimis mögen die auch *grrrrr*.
    Ich wünsche dir einen guten Start in eine neue hoffentlich endlich sommerliche Woche und schick liebe Grüsse
    Ida

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