Freitag, 2. August 2013

Alles für die Tonne

Wenn es Regen entweder nur in homöopathischen Dosen oder mit Gewalt gibt, dann kann man sicher sein: Es ist Sommer in Bielefeld (siehe auch: Kein Regen über Bielefeld).

In nahezu jedem Jahr kommt die Zeit, wo bei großer Hitze wochenlang kein Tropfen fällt. Dann wiederum schlägt aus heiterem Himmel eine Gewitterfront zu, die im schlimmsten Fall murmelgroße Hagelkörner im Schlepptau hat.

Nun ist so ein kurzer, aber kerniger Starkregen meistens nicht in der Lage, Boden und Pflanzen dauerhaft mit Wasser zu sättigen. Was er aber mit Sicherheit tun wird, ist, die verfügbaren Sammelbehälter mit Leichtigkeit und in kürzester Zeit randvoll zu machen. Wenn man welche hat.

Man sollte daher frühzeitig darüber nachdenken, wie man das kostbare Nass für den Sommer einzulagern gedenkt. Das wird ja nicht schlecht. Das beliebteste Konservierungsmittel - und im Gegensatz zu Zisternen eines zum Nachrüsten - sind wohl ohne Zweifel Regentonnen. Die können sogar viel mehr als nur Wasser speichern: Nebenbei hat man dadurch auch noch einen überdimensionalen Regenmesser parat, denn der eigene, subjektive Eindruck eines sommerlichen Niederschlagsintermezzos ist oft meilenweit von der Realität entfernt. Oft neigen wir dazu, einen kurzen Schauer völlig überzubewerten. Der subjektive Eindruck der Pflanzen aber ist meist ein ganz anderer - und meistens haben sie Recht. Die Tonne zeigt durch die Veränderung ihres Füllstandes schonungslos an, wieweit unsere Wahrnehmung von der der Gartenbewohner abweicht.

Regentonnen sind also in vielerlei Hinsicht eine großartige Sache. Manche setzen ihr daher sogar ein Denkmal:


Es gibt sie mittlerweile in so vielen Darreichungsformen, dass einem von der Auswahl ganz schwindlig werden kann. Das Gute ist, dass jetzt auch an Gärtner wie mich gedacht wird, die nur ein Fallrohr in der Nähe der Haustür haben, um der Tonne einen Einlauf zu verpassen. Daher habe ich nun ein bisschen was für's Auge im Vorgarten.

Meine Regentonne

Wer gar keine ästhetischen Ansprüche an den Sammelbehälter hat, der findet ganz billig diese blauen Plastikfässer. Das sind meistens Maischefässer oder Einschlagfässer und man kann sie günstig und gebraucht über Kleinanzeigen bekommen. Auch die eher maskulin-kantig daherkommenden Palettentanks (IBC - Intermediate Bulk Container) lassen sich gebraucht auftreiben. Man kann sie aber auch neu erwerben, wenn man dem ehemaligen Inhalt nicht über den Weg traut. Sie sind mit 1000L Volumen echte weiße Riesen und würden sich dank ihrer Metallrüstung sogar noch beranken lassen - vielleicht mit Duftwicken?



Zuguterletzt gibt es noch einfache, gartengrüne Regentonnen aus dem Baumarkt, sie kosten ebenfalls nicht die Welt.

Teurer wird es erst, wenn man die Optik auch noch im Auge behalten möchte. Wunderschön anzuschauen sind alte Weinfässer aus Holz. Die bekommt man gebraucht, was sie aber auch nicht billig macht. Dafür erhalten sie im Garten eine zweite Chance, sich nützlich zu machen - sind also sehr umweltfreundlich. Sie haben bei all ihrem Charme jedoch einen gravierenden Nachteil: Sind sie einmal leer gelaufen, sind sie nicht mehr ganz dicht. Wenn sie lange auf dem Trockenen gelegen haben, braucht es einige Zeit, bis das Holz wieder zu alter Dichtigkeit zusammengequollen ist.



Ob echtes Holzfass oder aus Plastik als Nachbildung einer griechischen Säule, eines Hinkelsteins, einer Terrakotta-Amphore oder in Rattanoptik: Mal abgesehen vom guten Geschmack sollte man darauf achten, dass so ein Modell einen abnehmbaren Deckel und eine große Öffnung hat - Palettentanks mit ihrem relativ kleinen Verschluss haben hier einen Nachteil! Denn auch der beste Fallrohr-Filter lässt kleine Bröckchen durch und irgendwann ist alles verstopft. Dies ist umso schlimmer, wenn ganz unten an der Tonne ein Zapfhahn angebracht ist, der schnell an Verstopfung leidet und kein Wasser mehr lassen kann. Wenn man dann nicht von oben heran kann zum Saubermachen, ist die Tonne für die Tonne.



Darüber hinaus ist es auch einfach praktisch, wenn man sich die Möglichkeit einer Regentonnenpumpe offen lässt, die man von oben hineingleiten lassen kann, oder schnell mal die komplette Gießkanne bequem eintauchen kann. Ein Deckel ist aber trotzdem Pflicht, um Mücken vorzubeugen oder ertrinkenden Tieren.

Auch die billigste Tonne ist Schrott, wenn sie im Winter reißt. Das gilt besonders für ehemalige Weinbehälter, denn Minusgerade schlagen dem Fass den Boden aus. Daher am besten vor dem ersten richtigen Frost soviel Wasser wie möglich aus dem Regenfass entfernen und den Zulauf sperren. Sollte es zu diesem Zeitpunkt gerade eine herbstliche Trockenperiode geben, umso besser - dann ist der edle Tropfen nicht verschwendet. Wenn im Frühling schließlich die Gefahr von starken Nachtfrösten gebannt ist, können sich die Behälter dann endlich wieder so richtig volllaufen lassen!


Für welches Modell man sich auch immer entscheidet - eine Regentonne ist im Sommer ein Segen, noch dazu ein warmer, kalkfreier. Die Pflanzen freut das und den Geldbeutel auch! Und sollte der Inhalt wegen anhaltender Dürre nicht reichen, sind hier die Tipps für Warmduscher.

Alle Bilder bis auf das von meiner eigenen Tonne sind auf Bielefelder Grabeland entstanden, denn sonst würde mein Garten nur aus Regentonnen bestehen.

Kommentare:

  1. Und ich war schon ganz entgeistert, ob der vielen Regentonnen, die in deinem Garten stehen. ;-)
    Toller Beitrag! Wir haben zwei. Eine, die von der Regenrinne gespeist wird. Und eine, die mittels Gießkanne von der anderen Regentonne gespeist wird. Mehrmals schon mussten die Tonnen auch als Kinderbadewanne herhalten, weil die Kinder so aussahen, dass ich sie so nicht mehr ins Haus lassen wollte.

    Liebe Grüße
    Nula

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  2. ich könnte auch noch ein Regentonnenfoto beisteuern, das von unserer geplatzten Regentonne, so eine grüne, kunstoffne, mit rotem Plastikwasserhahn unten, die ist nun hin, der letzte Regen brachte vielleicht zu viel Wasser, zu schnell in die viel zu heiße Tonnen.
    Regentonnengrabstein.....

    ;-)
    e.b.

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  3. Regentonnen sind ein Segen!
    Wir haben unter dem Regenrohr ein teures Fass aus Robinienholz mit Deckel, welches ich dem Herrn K vor 6 Jahren geschenkt habe, nachdem zwei Mostfässer aus meinem Dorf immer undicht waren. Das Fass macht bisher keine Probleme.
    Im Keller, nah bei diesem Fass, steht so eine blaue Tonne, in der vorher Farbe für ne Fahnenfabrik war, und in die mittels Schlauch bei Bedarf Wasser geleitet und bei Bedarf wieder ins Holzfass zurückgepumpt wird.
    In einer Böschung an der Grundstücksgrenze ist so ein grünes Fass aus dem Baumarkt in den Boden eingelassen, das mit Gießkannen aufgefüllt wird & auch die Winter bisher unbeschadet überstanden hat.
    Und als Notreserve haben wir noch einen kleinen Teich, der inzwischen voll im Baumschatten liegt...
    Liebe Grüße
    Astrid

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  4. Wir haben leider kein Fallrohr. Da ist es schwierig eine Regentonne zu befüllen. Schade, denn gerade jetzt könnten wir gut eine - oder am besten gleich mehrere - gut gebrauchen. Wir haben schon überlegt, ob wir am Gartenhäuschen eine Regenrinne befestigen können.

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  5. Hallo Elke,
    also ich würde im Moment "Alles-für-noch-eine-Tonne" geben ;). In diesem trockenen Jahr, komme ich mit meinen 2 Tonnen einfach nicht aus. Und das bißchen Regen, das am Montag hier gefallen ist, hat ja gerade mal gereicht, sie wieder anzufüllen...
    Dafür habe ich aus einer alten, nicht mehr dichten Regentonne, ein schneckensicheres Refugium für meine Brokkoli gestaltet! Sie haben es geliebt!
    Lieben Gruß, Doris

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  6. Soviele tolle Hinweise zu einer Regentonne! Danke!
    Irgendwie hab ich immer nch keine, will aber schon lange mal was...
    Danke für den Tritt i. ... ....
    herzlichst
    yase

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  7. Bei uns ist das nicht anders mit dem Wetter:

    Eine Regentonne wollte ich auch erst anschaffen. Aber was im Winter damit? Und dann müßte sie so dicht sein, daß da keine Tiere dran gehen. Und sichd ie Mücken auch nicht vermehren, denn das kenne ich noch aus meiner Kindheit nur zu gut. Und so viel Plaste im Garten mag ich eigentlich auch nicht.

    Liebe Grüße
    Sara

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    1. Hallo Sara,
      im Winter ist unsere leer. Außerdem steht sie an der Hauswand und wird nicht ganz so kalt wie der Rest des Gartens. Das funktioniert seit Jahren ganz gut, ohne dass sie reißt.
      Plastik mag ich eigentlich auch nicht, aber in dem Fall gehen sonst nur Holzfässer. Die Schrebergärtner auf dem Grabeland müssen ja auch irgendeine Tonne aufstellen, da sie sonst gar keinen Wasseranschluss haben. Und da die meisten Recyclingfässer nehmen, ist das mit dem Kunststoff auch nicht so schlimm.
      VG
      Elke

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    2. Danke - ich werd's mir noch überlegen ... aber wir sind im Augenblick auch noch nicht sicher, ob wir im jetzigen Haus lange bleiben. Insofern verschiebe ich das Ganze erst einmal - aufs nächste Jahr . . . nach dem Motto "kommt Zeit, kommt Rat" .. .

      Wir hatten in meiner Kindheit noch so eine richtige alte Metalltonne. Sah toll aus, aber natürlich leckte sie irgendwann ;-) Und da schwammen auch jede Menge Mückenlarven drin herum ... daher auch noch meine/unsere Bedenken ...

      Liebe Grüße
      Sara

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  8. Hej Elke,
    Dein Beitrag kommt wie auf Bestellung. Ich bin nämlich Besitzerin eines Herings- Holzfasses, das nun Regentonne werden soll. Die Erfahrung mit der Dichtigkeit nach dem Austrocknen habe ich schon gemacht und werde nun eine blaue Plastiktonne in das Fass stellen und diese bei Regen eimerweise befüllen (anders ist es momentan noch nicht möglich).
    Danke für Deinen tollen Beitrag zum Thema. Das gab den Kick für die schnelle Umsetzung bei mir!

    Gruß aus Schweden
    Beate

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  9. Liebe Elke,
    ich habe im Garten eine grüne Plastik-Regentonne, die ist einfach ideal. Gegen Mücken hilft regelmäßig leeren, was ja in heißen Sommern kein Problem ist. Und wen die knallblaue oder grüne Farbe stört, man kann Pastik mit Außen-Abtönfarbe aus dem Baumarkt wunderbar in Steinfarben streichen oder bemalen.
    Schöne Grüße, Johanna

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  10. Unsere Nachbaren rechts und links haben beide diese hässlichen 1000 l Fässer hinter dem Haus und wir schauen da immer rauf. Der eine hat sie aber so geschickt verkleidet, mit Holzpaneelen, das es fast wie ein Gartenhäuschen aussieht. Ich gieße gerade während des Urlaubs ihre Pflanzen und bin begeistert, wie schnell das Wasser dort herausläuft, schneller als aus meinem Wasserhahn. Der andere Nachbar hat zusätzlich diese blauen Fässer, aber da kommt das Wasser nur im Zeitlupentempo heraus. Bei uns ist das Regenfallrohr leider in der Hausverkleidung versteckt und in der Garage läuft es innen lang. Also nichts mit günstig Gärtnern, in diesem Fall.
    LG Sigrun

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  11. Hallo Elke.
    Ja eine Regentonne sollte jeder haben für die Pflanzen gut und schont die Geldbörse.Aber nicht so sichtbar das die ollen Fässer den Garten verunstalten.Wir haben eine ganz schmale Regentonne direkt an der Dachrinne angeschlossen und nicht sichtbar,und häslich ist sie auch nicht.
    Na ja muß ja jeder selber wissen.
    Schönen angenehmen Sonntag und liebe GRÜße Jana.

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  12. Gütiger Himmel, wo hast du das denn alles aufgenommen? Wir haben vier grüne Tonnen, mehr will ich hier nicht. Gestern erfuhr ich, dass es am Bodensee eine Gegend gibt, wo man eine Hausseite nicht anzapfen darf, sie muss die Kanalisation spülen.

    Sigrun

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  13. Hallo Elke
    Hey, wieder genial lustig geschrieben! Bei uns haben die Vorbesitzer des Garten genial vorgesorgt, sie haben Betonröhren in die Erde eingelassen und das Regenwasser kann direkt vom Dach dahinein umgeleitet werden. Schlicht und ergreifend genial. Mir schwebt aber noch eine Art Brunnen vor, den ich an eine Dachablauf anschliessen möchte... irgendwann mal, wenn ich den verflixten Millionär gefunden und überzeugt habe, mich zu adoptieren :o).
    En liebe Gruess
    Alex

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  14. Hallo Elke,

    wie immer, gut geschrieben und recherchiert. Ich lese Deine Beiträge sehr gern, auch wenn wir leider nur ein Flachdach mit innenliegender Entwässerung haben.

    Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet
    Petra

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  15. Man muss sich nur zu Helfen wissen...ich mag das...Lieben Gruß Erwin

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  16. Hallo Elke,
    wir sind auch Besitzter dieser großen ,weißen Ungetüme. Schrecklich hässlich aber sehr nützlich vorallem im Hochsommer. Alle Behälter sind mit Holz oder Weidenmatten verkleidet sonst hätte ich vermutlich regelmässige Schreikrämpfe im Garten.
    Dir noch einen schönen Tag
    Dagmar

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