Freitag, 30. August 2013

Gut gebrüllt, Löwenmäulchen

In unserer Reihenhaussiedlung gibt es ein großes Gemeinschaftsbeet. Es ist arg gebeutelt, der Boden wie Staub und augenscheinlich ohne Leben. Das Kugelahorn-Trio darin macht die Situation nicht besser und säuft den letzten Rest Bodenfeuchtigkeit aus dem ohnehin schon kargen Erdreich.

Dort zu gärtnern ist eine echte Herausforderung. Ich versuche daher immer, Stauden zu pflanzen, die Kummer gewohnt sind und mit wochenlanger Dürre und schlimmem Wurzeldruck zurecht kommen. Es ist nicht einfach - selbst die so anspruchslosen Kronen-Lichtnelken (Lychnis coronaria) sind dort immer kurz vor einem Nervenzusammenbruch - und ich auch. Nur Margeriten, Lavendel, Frauenmantel und Salbei trotzen allen widrigen Bedingungen. Der Gilbweiderich vertrocknet in den meisten Jahren oder wird von Blattwespenlarven gefressen.

Dieses Jahr aber dachte ich mir, Spornblumen mit ihrem sonnigen, robusten Wesen wären eine gute Wahl mit Standortvorteil. Also säte ich Samen von meiner Pflanze in das große Beet aus.
 
 
Da ich also ohnehin schon mit der Spornblumen-Brille unterwegs war, passierte ein kleines Malheur, aber immerhin ein schönes: Weil im botanischen Garten eine Mulde zum Zwischenlagern von pflanzlichen Abfällen zum Inventar gehört, muss ich geradezu zwanghaft bei jedem Besuch dort hineinschauen, um etwaige Staudenschätze vor dem Tod im Kompostwerk zu retten. Das ist zugebenermaßen nicht immer eine olfaktorisch Offenbarung, aber so bin ich schon an wunderbare Fingerhüte und einen besonders reizenden Bartfaden (Penstemon hirsutus) gekommen.


Und dieses Mal entdeckte ich sie - Spornblumen! Was für ein wunderbarer Zufall! Mit perfekt topfförmigem Wurzelballen, aber abgeschnittenen Blüten. Ein bisschen komisch kam mir das schon vor - Centranthus als Saisonbepflanzung von Kübeln - aber botanische Gärten sind eben anders, dachte ich mir. Zum Glück nahm ich nicht alle zehn Pflanzen mit, sondern nur vier, denn zuhause kamen mir erste Zweifel an der Identität meiner Fundstücke. Diese Spornblumen sahen irgendwie komisch aus - ihr Anblick kam mir aber trotzdem sehr bekannt vor. War das alles doch nur Wunschdenken gewesen?

Zum Glück hatte ich meine Beute noch nicht in das Gemeinschaftsbeet gestopft und vor den Nachbarn als Spornblumen angekündigt, die die Rettung aus aller Tristesse bringen sollten, denn plötzlich fiel mir ein, was das war: Löwenmäulchen! Verblühte noch dazu. Auch schön, aber leider einjährig und definitiv keine Spornblumen, so sehr man sie auch drehte und wendete. Ich war so sehr auf diese Staude fixiert gewesen, dass ich sie in allem und jedem gesehen hatte.

Ab in den Kompost also mit den abgeblühten Stängeln? Wer mich kennt, weiß, dass ich sowas nur ganz schweren Herzens über selbiges bringe. Außerdem kann doch wohl niemand ernsthaft dem lustigen Großmaul namens Antirrhinum majus widerstehen.




Also habe ich die armen Pflanzen in Töpfe gestellt, gedüngt und gegossen, bis sich tatsächlich nun Ende August neue Blüten gezeigt haben - bei immerhin einem Viertel der geretteten Pflanzen. Also genau einer. Gekostet hat dieses Experiment rein gar nichts, wird den Hummeln aber sicher gut schmecken. Außerdem kann ich so noch Samen für das nächste Jahr gewinnen.



Und das alles nur, weil ich dummerweise die Löwen für Spornblumen gehalten habe...

Donnerstag, 22. August 2013

Brautschau

Auf meinem Schulweg damals kam ich an einer Spierstrauch-Hecke vorbei, die im Frühjahr einfach grandios aussah - wie ein übergroßer Brautstrauß. Ich kann nicht mehr sagen, ob es eine Spiraea arguta oder eine betulifolia war, jedenfalls blühte sie weiß - und das üppig, obwohl sie so streng geschnitten war. Wenn wir an diesem Grundstück vorbei kamen, wurde meine Mutter nie müde zu erwähnen, wie sehr Spierstrauchblüten stinken. Dennoch stand für mich eines schon in jungen Jahren fest: Wenn ich groß bin, habe ich auch eine weiße Spiraea. Keine edle - und vor allem duftende - Rose sollte es sein, nur dieses eine, wenig extravagante Gehölz.


Die Hecke gibt es mittlerweile nur noch in Fragmenten, einem Neubau sei Dank, aber groß bin ich inzwischen geworden. Meinen Wunsch von damals hatte ich allerdings nie vergessen. Bei der nächstpassenden Gelegenheit, als wir im Reihenhausgarten gerade Rasen abgestochen hatten, holte ich mir für wenig Geld einen kleinen Strauch aus dem Gartencenter - wenn doch alle Kindheitsträume so einfach zu erfüllen wären!

Meine Wahl war auf die grazile Spiraea cinerea 'Grefsheim' gefallen, eine frühblühende Variante Marke Brautstrauß, die praktischerweise immer zeitgleich und farblich abgestimmt mit meiner Süßkirsche blüht.


Dieser Strauch mit seinem immer gepflegten graugrünen Laub ist wirklich ohne Fehl und Tadel, sieht stets adrett aus und meldet sich nie krank. Eine zweite Blüte hat er leider nicht, höchstens eine ganz minimalistische im September an den Triebenden.

Und weil ich diese Spiraea so gern habe, wollte ich sie auch einmal vermehren. Ich habe zwar gar keinen Platz für noch ein Exemplar, aber meine Neugier musste einfach befriedigt werden. Würde ich es schaffen, diese zauberhafte Sorte zu vervielfältigen?

Überall steht geschrieben, dass man Spiersträucher durch Stecklinge vermehren kann. Aus Samen schon mal nicht, das stand scheinbar fest. Also steckte ich zu jeder Jahreszeit, die ich finden konnte, ein paar abgeschnittene Äste an schattige Plätze im Garten. Und siehe da - sie vertrockneten allesamt, das aber zuverlässig. Statt 'Grefsheim' sah das eher nach 'Altersheim' aus. Jetzt hatte ich also eine sichere Möglichkeit entdeckt, Äste dieser Pflanze umzubringen, mehr nicht.

In der Vase wollten sie auch lieber nicht wurzeln, dabei hatte ich so schon erfolgreich ihre bucklige Verwandtschaft, die Weidenblättrige Spiere (Spiraea salicifolia), zum Austreiben bewegt. Es sah also so aus, als wollte sich die Dame von mir persönlich eher nicht vermehren lassen.

Einige Jahre und mehrere fruchtlose Versuche später entdeckte ich beim Kompostverteilen im April an der Strauchbasis Jungtriebe in einiger Entfernung zu den älteren Zweigen - gerade weit genug weg, um einen Keil zwischen sie und den Hauptstrauch zu treiben. Wenig euphorisch stocherte ich also etwas mit dem Spaten an ihnen herum, bis ich mehrere dieser zarten Wesen in der Hand hielt. Welch Wunder - sie hatten tatsächlich schon von Haus aus einige feine, aber vielversprechende Wurzeln!

Diesmal wollte ich alles richtig machen. Ich setzte sie in Töpfe mit Blumenerde, stellte sie schattig auf und wässerte sie pflichtbewusst. Schon nach ein paar Monaten zeigten sich immer mehr neue Jungtriebe, die aus dem Substrat wuchsen. Die ältesten Zweige wuchsen ebenfalls ganz hervorragend, so dass das Ganze im Sommer schon aussah wie eine richtige Spiraea!

Jetzt hätte ich zwar bald eine richtige Hecke, aber leider ist mein Garten immer noch zu voll. Also muss mein Grefsheim-Nachwuchs ausziehen. Eine Idee, wo ich die Jungspunde hinpflanze, habe ich auch schon: Vorne in eines der Siedlungs-Gemeinschaftsbeete. Wer weiß - vielleicht sieht sie ja dort jemand auf dem Schulweg und der nächste Kindheitstraum ist geboren?

Samstag, 17. August 2013

Schaulaufen

Gartenschauen sind wie Blumensträuße - wenn sie welken schmeißt man sie in der Regel weg. Und welken tun sie spätestens im Herbst, also werden dann ihre Tore geschlossen - oft für immer. Aber diese Veranstaltungen sind einfach zu teuer, um sie sang- und klanglos nach dem Herbst dem Vergessen zu überantworten - zu viel Planung, Engagement und natürlich auch Pflanzen sind hinein geflossen. Stauden und Gehölze werden ja schließlich über den Winter nicht schlecht, die kommen alle wieder groß raus.

Und daher gibt es so manche Gartenschau, die unter einem anderen Namen und mit weniger Eintritt ihre Tore im nächsten Frühjahr wieder öffnet. So wie die Landesgartenschau in Hemer, Sauerland (Nordrhein-Westfalen), die unter großem Brimborium im Jahre 2010 stattfand. Nun heißt sie ganz unbescheiden Sauerlandpark und hat immer noch Besuchszeit zwischen April und Oktober - im kleineren Rahmen zwar, dafür kostet der Besuch aber auch nur noch 3,50 Euro für Erwachsene. 



Als ich vor einer Woche dort war, fand gerade der überregionale Versuch statt, das Sauerland mal ganz ohne Regen über die Runden zu bringen, was nicht gut gelang. Es hatte so lange keinen ordentlichen Schauer mehr gegeben, dass man statt Eintrittsgeld lieber eine volle Gießkanne Wasser als Wegezoll hätte verlangen sollen. Während die Prachtbeete mit Einjährigen gut versorgt schienen, waren die Staudenbeete wohl schon für längere Zeit gequält worden. Die folgenden Bilder sind daher für zartbesaitete Gärtner nicht geeignet und zeigen das volle Ausmaß der floralen Elendsquartiere - hier leiden Rudbeckia fulgida, Phlox und Schnee-Felberich:

Wer aber Empfehlungen für trockenheitsverträgliche Stauden suchte, der wurde dort fündig. In den gelben Hochsommerbeeten fielen vor allem die Goldgarbe (Achillea filipendulina), Rudbeckia maxima, die Weidenblättrige Sonnenblume (Helianthus salicifolius) und die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) positiv auf, weil sie noch ganz gut im Futter standen. Was man von Rudbeckia triloba nicht behaupten konnte.



Trotz notleidender Pflanzen waren die Anlagen mit den sonnigen Staudenriesen eine Bereicherung - übermannsgroße, wogende Beete in Gelb - das war für jemand eher kleinwüchsiges wie mich wirklich beeindruckend.

An anderer Stelle empfahlen sich eine weiße Prachscharte  (Liatris spicata) und Edeldisteln zusammen mit Allium sphaerocephalon als wartungsarme, wenig durstige Gesellen für sonnige Beete.

Eine Kombination aus Chinaschilf und Zypressen-Wolfsmilch trotzte der Trockenheit ebenso vorbildlich und bewies, dass die wuchernde Wolfsmilch doch salonfähig ist.

Überhaupt waren die Pflanzungen in den Jahren seit der Gartenschau gut eingewachsen und wirkten insgesamt erwachsener als damals. Positiv auch, dass es immer noch wilde Bereiche mit bunten Blumenwiesen gab, die für Schmetterlinge und Bienen eine Attraktion waren. Die etwas kuriosen Stadtteilgärten sind einem weiteren Spielplatz gewichen, die üppigen Cosmeen-Beete von 2010 sind zu einem Bürgergarten umgestaltet worden, für den die Anwohner überzählige Stauden stiften konnten - günstig gärtnern in ganz großem Maßstab.


Die Mustergärten im Reihenhausgartenformat sind auch noch zu sehen, haben aber teilweise eine wilde Note bekommen - wie dieser alpine Garten, in den sich ein Rainfarn geschummelt hat:


Alles in allem sind die Bereiche noch da, die mir schon bei meinem ersten Besuch 2010 gefallen haben. Der hölzerne Aussichtsturm steht noch, gleich am Ende der unendlich langen Treppe. Auch die verkleideten Menschen im Schmetterlingskostüm müssen nach wie vor in der Sommerhitze schwitzen.

Wer also sowieso in der Gegend ist, dem sei der Abstecher ans Herz gelegt - und sei es nur, um einmal unter einer Durchwachsenen Silphie zu stehen und sich so richtig klein vorzukommen.

Mittwoch, 14. August 2013

Basteln für Bienen

Manche Bücher hätte man schon früher haben sollen. Damals wäre gut gewesen, als ich keinen Garten hatte, sondern eine winzige Wohnung mit Loggia im zweiten Stock.

Was eine Loggia ist? So eine Art Balkon, nur von der Art Tropfsteinhöhle, also fünf von sechs Seiten des Würfels geschlossen, so dass möglichst wenig Licht hinein kommt. Das Wort aber klingt entschieden besser als die Realität - Loggia, das verspricht einen Hauch von sonnigem Süden, von Italien und Dolce Vita. In Wahrheit hat so eine Freilufteinrichtung aber in Etwa so viel mit alldem zu tun wie ein Hallenbad mit dem Mittelmeer. Meine Loggia war sogar besonders arg gebeutelt, weil sie höchstens im Sommer für ein paar Abendstunden überhaupt direktes Sonnenlicht gesehen hat. Als wäre das nicht schon schlimm genug, war die Umgebung auch noch extrem lebensfeindlich - mehr Beton als Blumen, nur mein Balkon schwebte als grüne Insel über all der Tristesse.

Und doch gab es tierisches Leben dort - in dieser unwirtlichen Welt entdeckte ich eines Tages Mauerbienen, die in den Löchern an der Unterseite des Geländers verschwanden. Und wo sie schon einmal da waren, konnte man ihnen doch etwas Gutes tun. Also organisierte ich ein Stück Plastik-Rohr, füllte es mit Bambusstäben und zurrte das Ganze mit Kabelbindern sturmsicher am Balkongeländer fest. Fortan hatte ich meine eigene kleine Bienenkolonie, die trotz Schatten und schlimmer Umgebung wuchs und gedieh.


Hätte ich damals schon das neue Buch von Melanie von Orlow aus dem Ulmer-Verlag gehabt, hätten meine Hochhausbienen vielleicht eine ästhetischere Lösung bekommen. Der Band "Ideenbuch Insektenhotels" zeigt, wie man verschiedene Nist- und Überwinterungshilfen aus günstigen Materialien einfach selbst herstellen kann.


Man findet Anregungen, wie man alte CD-Regale umwidmet, Holzreste verwendet, undichte Metalleimer, Baumscheiben oder überzählige Ytong-Steine. Selbst die Stiele von alten Spaten erhalten eine neue Bedeutung.

Für jedes Heimwerkertalent, von Anfänger bis fortgeschritten, gibt es Bauanleitungen. Es sind sogar Beispiele dabei, wo man nicht mehr tun muss, als Dinge aufeinander stapeln oder eine Lehmmischung in alte Blumenkästen füllen. Die Größe der Bauten reicht dabei vom kleinen Strangfalzziegel-Bündel bis hin zum Großprojekt. Es gibt Nisthilfen zum Hineinschauen und welche, in denen sich die Bewohner selbst durchbeißen müssen. Was mögen die Tiere sehr gerne, was wird eher zögerlich angenommen? Welche Materialien sind besser als andere?

Es geht nicht nur um staatenlose Bienen und Wespen, sondern auch um Hummeln, Hornissen, Florfliegen, Schmetterlinge, Ohrenkneifer und Marienkäfer.

Das Buch ist wirklich als Ideen-Fundus zu verstehen - die Anleitungen gibt es daher als Zeichnungen und nicht als Fotos. Man weiß also nicht, wie die Bauten im wahren Leben tatsächlich angenommen werden. Die Autorin als Biologin ist aber vom Fach und kann daher sachkundig die Vorlieben der Insekten erläutern, und so nimmt man ihr ab, was an Anleitungen in der Theorie geliefert wird. Abgerundet wird das Ganze durch eine kurze Vorstellung der Lebensweise von solitären und sozialen Bewohnern.

Das Büchlein ist günstiger als die meisten käuflichen Nisthilfen und lohnt sich daher für jeden, der den Insekten in seinem Garten oder auf dem Balkon Hilfestellung geben möchte und gerne bastelt. Hätte ich es doch nur schon eher gehabt!

Donnerstag, 8. August 2013

Von der Gier des Gärtners

Stauden lassen sich in so viele Kategorien werfen, dass einem ganz schwummerig werden kann. Man könnte sie in Leit- und Füllstauden einteilen, in Sonnen- und Schattenliebhaber, nach Familienzugehörigkeit, Essbarkeit oder nach Blattschmuckstauden und Blütenwundern. Selbst in Säufer und genügsameres Grün könnte man sie kategorisieren

Vor allem aber ist eine Unterscheidung von ganz großer Wichtigkeit für den Gärtner: Stauden, die er hat und solche, die er unbedingt haben will. Beide Kategorien haben nicht immer eine Schnittmenge. Oft hat man Pflanzen im Garten, die man gar nicht wollte. Grundsätzlich gilt aber, dass die Menge der Stauden, die man haben möchte, stets die derer übersteigt, die man bereits glücklich im Beet hat. Selbstredend würden nie alle gleichzeitig in den Garten passen, das muss nicht extra erwähnt werden.
 


In ganz kleinen Gärten muss man deshalb aufpassen, dass man seine Gier irgendwie unter Kontrolle hält. Ich bin auch so eine, arbeite immer daran, den kleinsten botanischen Garten der Welt zu erschaffen, nur ohne Namensschilder an den Pflanzen. Schließlich soll ja immer etwas blühen, und dann gibt es noch so viele interessante Staudenraritäten. Aber es wird schon einen guten Grund haben, warum botanische Gärten im Allgemeinen nicht in Reihenhausgärten angelegt werden.



Manche Stauden machen es dem gierigen Gärtner aber auch nicht leicht. Da wäre zum Beispiel mein Geranium 'Jolly Bee' (mittlerweile firmiert die Sorte nur noch unter 'Rozanne') - eine wirklich großartige Staude, die von Mai bis Oktober durchblüht, also einfach ideal für kleine Gärten ist. Soviel Dauerblüte braucht allerdings auch Platz - einen Quadratmeter sollte man ihrem krakenartigen Wuchs schon spendieren. Was sie aber am Ende so perfide macht, ist ihr Erscheinungsbild im Frühjar und am Ende des Hochsommers. Im April kann man nämlich nur schwer glauben, dass aus diesem unscheinbaren, winzigen Austrieb mal so eine ausladende Staude werden wird. Spätestens im September schließlich besinnt sich 'Jolly Bee' wieder auf ihr Kerngeschäft und bildet eine ganz neue, kompakte Blattrosette aus, während die langen Ranken langsam absterben. Während sie also so überschaubar und brav daherkommt, gilt es, ihre gigantischen Ausmaße während des Sommers nicht zu vergessen! Ich habe ihr schon mehrfach Fette Hennen oder Malven als Nachbarn unterjubeln wollen, die sie im nächsten Juni gnadenlos überwuchert hatte.


Möchte man ihre wahre Natur also immer in Erinnerung haben, sollte man sie entweder nicht zurückschneiden (sieht unschön aus) oder ein großes Panorama-Foto von ihr im blühenden Zustand neben das Beet stecken (dito).

Ein Zusammenleben mit Blumenzwiebeln und Frühlings-Knollenpflanzen wie Hohlem Lerchensporn toleriert dieses Geranium aber ganz wunderbar. Auch Herbstzeitlosen sind aufgrund des unsteten Lebenswandels von 'Rozanne' perfekte Partner! Sommerblühende Stauden dagegen müssten schon früh austreiben und hoch aufschießend wachsen, um dem rankenden Storchschnabel Paroli bieten zu können - Taglilien etwa funktionieren in der Beziehung ganz gut.



Wer also gar keine Ambitionen hat, einen botanischen Garten anzulegen und nur eine schöne Staude möchte, die lange blüht und aufgrund ihrer Größe den Kauf weiterer Kandidaten überflüssig macht: Bitteschön - 'Rozanne' ist die Dame der Wahl. Spart euch den Erwerb weiterer Pflanzen, wenn ihr einen kleinen Garten habt. Dieser sagenhafte Storchschnabel ist zwar an sich etwas teurer, aber es reicht ja auch ein einziger pro Quadratmeter - Blumenzwiebeln natürlich noch nicht mitgerechnet, die sind aber vergleichsweise günstig.


Wenn ihr also so genügsam seid, dass euch 'Rozanne' reicht, seid froh. Ich dagegen werde spätestens ab September wieder vergessen haben, welchen Riesenkraken ich da in meinem Beet habe und ihr irgendeinen zum Scheitern verurteilten Nachbarn daneben pflanzen. Gier schlägt Gedächtnis, das wird wohl immer so bleiben.

Freitag, 2. August 2013

Alles für die Tonne

Wenn es Regen entweder nur in homöopathischen Dosen oder mit Gewalt gibt, dann kann man sicher sein: Es ist Sommer in Bielefeld (siehe auch: Kein Regen über Bielefeld).

In nahezu jedem Jahr kommt die Zeit, wo bei großer Hitze wochenlang kein Tropfen fällt. Dann wiederum schlägt aus heiterem Himmel eine Gewitterfront zu, die im schlimmsten Fall murmelgroße Hagelkörner im Schlepptau hat.

Nun ist so ein kurzer, aber kerniger Starkregen meistens nicht in der Lage, Boden und Pflanzen dauerhaft mit Wasser zu sättigen. Was er aber mit Sicherheit tun wird, ist, die verfügbaren Sammelbehälter mit Leichtigkeit und in kürzester Zeit randvoll zu machen. Wenn man welche hat.

Man sollte daher frühzeitig darüber nachdenken, wie man das kostbare Nass für den Sommer einzulagern gedenkt. Das wird ja nicht schlecht. Das beliebteste Konservierungsmittel - und im Gegensatz zu Zisternen eines zum Nachrüsten - sind wohl ohne Zweifel Regentonnen. Die können sogar viel mehr als nur Wasser speichern: Nebenbei hat man dadurch auch noch einen überdimensionalen Regenmesser parat, denn der eigene, subjektive Eindruck eines sommerlichen Niederschlagsintermezzos ist oft meilenweit von der Realität entfernt. Oft neigen wir dazu, einen kurzen Schauer völlig überzubewerten. Der subjektive Eindruck der Pflanzen aber ist meist ein ganz anderer - und meistens haben sie Recht. Die Tonne zeigt durch die Veränderung ihres Füllstandes schonungslos an, wieweit unsere Wahrnehmung von der der Gartenbewohner abweicht.

Regentonnen sind also in vielerlei Hinsicht eine großartige Sache. Manche setzen ihr daher sogar ein Denkmal:


Es gibt sie mittlerweile in so vielen Darreichungsformen, dass einem von der Auswahl ganz schwindlig werden kann. Das Gute ist, dass jetzt auch an Gärtner wie mich gedacht wird, die nur ein Fallrohr in der Nähe der Haustür haben, um der Tonne einen Einlauf zu verpassen. Daher habe ich nun ein bisschen was für's Auge im Vorgarten.

Meine Regentonne

Wer gar keine ästhetischen Ansprüche an den Sammelbehälter hat, der findet ganz billig diese blauen Plastikfässer. Das sind meistens Maischefässer oder Einschlagfässer und man kann sie günstig und gebraucht über Kleinanzeigen bekommen. Auch die eher maskulin-kantig daherkommenden Palettentanks (IBC - Intermediate Bulk Container) lassen sich gebraucht auftreiben. Man kann sie aber auch neu erwerben, wenn man dem ehemaligen Inhalt nicht über den Weg traut. Sie sind mit 1000L Volumen echte weiße Riesen und würden sich dank ihrer Metallrüstung sogar noch beranken lassen - vielleicht mit Duftwicken?



Zuguterletzt gibt es noch einfache, gartengrüne Regentonnen aus dem Baumarkt, sie kosten ebenfalls nicht die Welt.

Teurer wird es erst, wenn man die Optik auch noch im Auge behalten möchte. Wunderschön anzuschauen sind alte Weinfässer aus Holz. Die bekommt man gebraucht, was sie aber auch nicht billig macht. Dafür erhalten sie im Garten eine zweite Chance, sich nützlich zu machen - sind also sehr umweltfreundlich. Sie haben bei all ihrem Charme jedoch einen gravierenden Nachteil: Sind sie einmal leer gelaufen, sind sie nicht mehr ganz dicht. Wenn sie lange auf dem Trockenen gelegen haben, braucht es einige Zeit, bis das Holz wieder zu alter Dichtigkeit zusammengequollen ist.



Ob echtes Holzfass oder aus Plastik als Nachbildung einer griechischen Säule, eines Hinkelsteins, einer Terrakotta-Amphore oder in Rattanoptik: Mal abgesehen vom guten Geschmack sollte man darauf achten, dass so ein Modell einen abnehmbaren Deckel und eine große Öffnung hat - Palettentanks mit ihrem relativ kleinen Verschluss haben hier einen Nachteil! Denn auch der beste Fallrohr-Filter lässt kleine Bröckchen durch und irgendwann ist alles verstopft. Dies ist umso schlimmer, wenn ganz unten an der Tonne ein Zapfhahn angebracht ist, der schnell an Verstopfung leidet und kein Wasser mehr lassen kann. Wenn man dann nicht von oben heran kann zum Saubermachen, ist die Tonne für die Tonne.



Darüber hinaus ist es auch einfach praktisch, wenn man sich die Möglichkeit einer Regentonnenpumpe offen lässt, die man von oben hineingleiten lassen kann, oder schnell mal die komplette Gießkanne bequem eintauchen kann. Ein Deckel ist aber trotzdem Pflicht, um Mücken vorzubeugen oder ertrinkenden Tieren.

Auch die billigste Tonne ist Schrott, wenn sie im Winter reißt. Das gilt besonders für ehemalige Weinbehälter, denn Minusgerade schlagen dem Fass den Boden aus. Daher am besten vor dem ersten richtigen Frost soviel Wasser wie möglich aus dem Regenfass entfernen und den Zulauf sperren. Sollte es zu diesem Zeitpunkt gerade eine herbstliche Trockenperiode geben, umso besser - dann ist der edle Tropfen nicht verschwendet. Wenn im Frühling schließlich die Gefahr von starken Nachtfrösten gebannt ist, können sich die Behälter dann endlich wieder so richtig volllaufen lassen!


Für welches Modell man sich auch immer entscheidet - eine Regentonne ist im Sommer ein Segen, noch dazu ein warmer, kalkfreier. Die Pflanzen freut das und den Geldbeutel auch! Und sollte der Inhalt wegen anhaltender Dürre nicht reichen, sind hier die Tipps für Warmduscher.

Alle Bilder bis auf das von meiner eigenen Tonne sind auf Bielefelder Grabeland entstanden, denn sonst würde mein Garten nur aus Regentonnen bestehen.

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