Sonntag, 28. Dezember 2014

Nicht jugendfrei

Diesen Dezember muss man sich weitestgehend schön trinken, denn er ist nicht nur ein ganz stürmischer, sondern auch reichlich nassforsch. Also hoch die Tassen, mit selbstgemachtem Zierapfellikör. Obwohl ich doch ein schlechtes Gewissen habe, dass ich den Amseln so viele Früchte wegalkoholisiert habe, denn dieses Jahr gibt es eine Welturaufführung: Mein Baum mit der Sortenbezeichnung "Golden Hornet" steht ratzeputz kahlgefressen im fahlen Dezemberlicht. Und die Amseln gucken sparsam.


Nun, da die in Wodka eingelegten Zieräpfel (hier ist das Rezept für den Likör) also draußen ihresgleichen suchen, sind sie um so wertvoller und gehören nach 8 Wochen Schwimmübungen unbedingt in ein Backwerk eingebettet. Aber Obacht: Das folgende Rezept ist nicht für Zuschauer unter 18 Jahren geeignet, da der Alkohol mitnichten vollständig im Backofen verduftet. Alle anderen sollten nach drei Stücken besser nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Treten Fragen seitens der Polizei auf, ob man etwas getrunken hätte, wird die gelallte Antwort "Nee, Herr Wachmeisser, nur Kuchen gegessn, hicks!" auch nicht mehr viel helfen. Aber köstlich ist er schon, der beschwipste Kuchen. Außerdem gibt es den bei uns nur einmal im Jahr, und zwar traditionell (soll heißen: seit letztem Jahr) kurz vor Weihnachten.

Da die Früchtchen ungefähr Kirschgröße haben, habe ich messerscharf gefolgert, dass sich als Basis jedes Kirschli-Kuchen-Rezept eignen sollte, man muss nur die Schokolade weglassen. Dieses hier fand in unserer Versuchsküche großen Anklang:

175 g Butter
100 g Zucker
Eier
200 g Mehl
1 Pkt. Backpulver
50 ml Milch
10 gBourbon-Vanille-Aroma
500-800 g Zieräpfel (einfach alle aus dem Glas, es passt irgendwie immer)

Die Butter schaumig schlagen, dann den Zucker zugeben und alles verrühren. Die Eier untermischen. Mehl, Backpulver und Milch einrühren. Die Zieräpfel unterheben und den Teig in eine gefettete 26er Springform streichen. Je nach Ofen bei 160°C ca. 50-60 Minuten backen (die bestechende Stäbchenprobe hilft).
Wer möchte garniert den Kuchen am Ende noch mit Puderzucker.


Damit das Backen nicht in Stress ausartet, arbeitet man am besten zu zweit: Einer rührt den Teig an, der andere entkernt die Zieräpfel. Das ist eine mühsame Kleinarbeit, aber die Kerngehäuse haben im Kuchen nichts zu suchen. Meist entgeht einem doch immer irgendein spelziges Teil aus dem Inneren der Äpfel, weshalb man allzu pingelige Zeitgenossen lieber nicht einladen sollte (oder ihnen vorab ordentlich Likör einflößen). Bleibt in der leeren Zierapfel-Schüssel noch ein Schluck Wodka übrig, dann immer rein damit in den Teig.

Na dann: Prost und guten Appetit!

Der Kuchen wurde Ihnen präsentiert von meinem antiken Lieblings-Service von Seltmann Weiden: Liane Heidi. Es stammt wohl aus den 50er Jahren und hat leider nicht mehr alle Tassen im Schrank, von den Untertassen ganz zu schweigen, aber ich halte es trotzdem in Ehren.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Schwarz-weiße Weihnachten

Keine weißen Weihnachten in Sicht? Das ist im Westen nichts Neues oder Ungewohntes, da muss man dann einfach durch, wenn auch ganz unromantisch. Wenn der Winter nicht will, machen wir uns die Weihnachtswelt, wie sie uns gefällt. Statt schwarz zu sehen, wird mein Weihnachten diesmal schwarz-weiß - ein Farbschema, das meine Katze sowieso schon seit Jahren verfolgt. Auch einige gern gesehen Gartenvögel machen da mit, wie diese Tannenmeise:



Als ersten Akt habe ich mir weiße Walnüsse gepinselt. Vor dem Anmalen kommt allerdings das fachgerechte Zerlegen, das nicht in allzu vielen Kleinteilen enden sollte, denn dann wird der Zusammenbau der entleerten Hülle ein abendfüllendes Puzzlespiel und das Aufräumen der Küche nicht minder unterhaltsam. Man sollte daher Walnüsse sehr gerne essen oder einen äußerst kooperativen Nussknacker haben. Meiner hat eher die Hau-drauf-Mentalität, so dass ich nach der ersten Runde nur vier intakte Hälften erbeutet hatte.

Die habe ich dann mit weißer Acrylfarbe angemalt und trocknen gelassen. Als Kontrast haben die Hälften noch eine schwarze Zeichnung bekommen, die ich frei Hand und frei Schnauze auf die Nussschale gepinselt habe.


Ist auch die Verzierung getrocknet, kann man die Hälften zusammenleimen, nicht ohne vorher die Enden einer Schnur hinein gesteckt zu haben. Fertig ist der Christbaumschmuck ganz ohne Glitter, aber mit Stil.


Für ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk folgt nun der zweite Akt, nämlich eine von mir professionell leer gegessene Mandarinenkiste. Sie soll stilvoll gute Gaben für Gartenfreunde präsentieren, kann aber auch ganz eigennützig die eigenen Gartenutensilien aufnehmen.

Als erstes muss alles nicht-hölzerne von der Kiste entfernt werden. Der Kleber, mit dem die Papp-Banderole angebracht wurde, kann ziemlichen Ärger machen, bis er endlich mit Hilfe eines spitzen Messers heruntergebrochen wurde.

Dann bekommt das Holz eine weiße Weste verpasst. Während das Ganze gut trocknet, kann man sich an das Herstellen einer Schablone machen für die Beschriftung. Ich habe die Kundenzeitschrift einer großen deutschen Drogeriemarktkette genommen und das Wort "verde" auf der Titelseite mit einem Cutter ausgeschnitten. Die Es und das D sind lästige Lettern, denn man muss ihnen Brücken bauen, damit der Innenraum der Buchstaben eine weiße Fläche bleibt.

Anschließend habe ich die fertige Schablone mit Tesafilm auf das Holz geklebt und mit schwarzer Farbe ausgemalt. Dabei kann allerhand schiefgehen, wenn die Farbe zu dünnflüssig ist, also gut umrühren, damit nichts unter das Papier läuft und den Schriftzug bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

So sieht das dann aus:


Für die Gartenvögel gibt es zum Abschluss noch schwarz-weiße Sonnenblumenkerne, um im Thema zu bleiben.

Wer bis hier hin durchgehalten hat mit lesen, dem wünsche ich die allerschönsten Weihnachten, gerne auch in Farbe.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Der Bock als Gärtner

Die allseits bekannte Redewendung "Den Bock zum Gärtner machen" lässt an den gärtnerischen Fähigkeiten von Böcken im Allgemeinen und Besonderen kein gutes Haar. Welche Art Gehörnter nun genau gemeint ist, darüber schweigt sich das Sprichwort aber lieber aus - ob Rehbock, Schafskerl oder Ziegenmann?

Sicher ist nur - wenn einer was verbockt, dann wohl er und das gründlich. Weshalb tunlichst vermieden wird, dem Sündenbock irgendwelche Tätigkeiten im Garten aufzutragen. Höchstens in der fachgerechten Entbuschung schützenswerter Landschaften wird den Böcken und ihren Frauen Arbeit in den Mund gelegt - Biotoppflege durch Aufessen.



Der Ruf des Bocks ist also meist nicht so gut. Völlig zu unrecht, wie ich unlängst in freier Wildbahn feststellen konnte. Es ist nämlich nicht alles schlecht am Bock, in manchen Dingen ist er sogar richtig gut und kann dem Gärtner enorm viel Handarbeit ersparen.

Sowohl im Nationalpark Kellerwald am hessischen Edersee als auch am Fuße der Zugspitze in Bayern fand ich folgende Formbissbuchen vor, die sicherlich nicht der Förster so geformt hat. Hier zum Vergleich einmal normaler Buchenjungspunt und ein vom Bock geformter.

Die perfekte Kegelform, durch stetes Verbeißen der leckeren Jungtriebe. Besser kann es der Gärtner auch nicht. Welcher Bock das nun genau war, ob Reh, Rotwild oder Damhirsch, das konnte ich nicht ergründen, dafür fehlen mir die forensischen Techniken.

Ob der Förster sich über diese Buchen freut? Die Vögel im Wald finden die dichte Behausung vielleicht ganz nützlich.

Also, hier meine kostengünstige Idee für Baumschulgärtner: Einfach Buchensetzlinge in das nächstgelegene Wildgehege pflanzen und mal schauen, ob auch diese perfekten Formen dabei herausgeknabbert werden. Wenn ja, hat der Gärtner viel Geld und Arbeit gespart, die Scheren wurden geschont, und der Bock ist um ein paar Leckerbissen reicher. In einer großangelegten Studie könnte herausgefunden werden, welcher Bock denn nun genau der beste Gärtner ist. Hoffentlich ist es einer der in Gehegen gut vertretenen (also am besten kein Reh).

Später sollten besonders talentierte Böcke auch an andere Formen herangeführt werden - vielleicht lassen sich sogar Säulen oder Kugeln zurechtbeißen?

Ich nehme auch keine Tantiemen für diese revolutionäre Idee.

So! Nun wurde der Ruf der Böcke ein wenig rehabilitiert. Für weitere Fundmeldungen von verbockten Buchen wäre ich sehr dankbar!

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Damit der Artikel hier noch ein bisschen bunter und weihnachtlicher wird (ich habe nämlich kein Foto vom männlichen Rentier gefunden), zeige ich noch, was ich bei der lieben Urte gewonnen habe: Schöne Geschirrtücher, ihre selbstgemachten Seifen und Postkarten von ihren wunderbaren Rosen-Aquarellen. Danke für die gelungene Überraschung!


Sonntag, 7. Dezember 2014

Fotowettbewerb "Günstig Gärtnern" 2014 - Die Gewinner

Da habt ihr's mir wirklich ganz schön schwer gemacht, die Gewinner auszusuchen. Aber ich hab's ja so gewollt. Eigentlich hätte ich gut und gern noch mehr Preise vergeben müssen, so toll waren eure Ideen! Es gab palettenweise gute und günstige Dinge zu sehen, einige orangefarbene Pfundskerle, bunte Sitzgelegenheiten und kreative Pflanzgefäße. Bei so einer Auswahl an Einfällen zur Schonung des Gartengeldbeutels kann ich meinen Blog eigentlich gleich dichtmachen, denn ihr könnt offensichtlich viel besser mit der Säge umgehen als ich. 

Drei Teilnehmer am Fotowettbewerb dürfen sich nun über ein Buch als Belohnung freuen:

Das Buch "Genial gärtnern mit Strohballen" geht an Heike, die nicht nur ein selbstgebautes Regal aus Palettenholz von ihrem Mann bekommen hat, sondern auch ein Händchen für Natur-Deko hat:


Das Buch "Mein Garten deckt den Tisch" bekommt Margit, weil ihr Garten für die Vögel tatsächlich den Tisch deckt, sogar überdacht - mit dem Deckel eines alten Weck-Topfes. Der Topf ohne Unterleib sorgt ganz professionell dafür, dass Vogelfutter und Vogel nicht nass werden. Die bessere Hälfte vom alten Topf hat sie bepflanzt und mit einem hübschen Metallbanner "Garten" geschmückt:


Das Buch "Blumengärtnern" gewinnt Gabi aus Zülpich, denn ihre selbstgebauten Pfade aus alten Kacheln sind einfach wegweisend. Noch dazu ist ihr blumiger Garten ganz nach meinem Geschmack. Das Runde in der Mitte ist übrigens der Standfuß eines großen Kübels, dem der Frost den Boden ausgeschlagen hat:


Ida hat gleich eine ganze Anleitung mitgeschickt, wie schwindelfreie Sempervivum-Pflanzen zu einem Sitzplatz kommen. Weitere Stauden dürfen in großer Höhe in alten Suppenkellen wachsen.



Xenia zeigt renovierte Biergartenstühle in Blau zum Entspannen unter Weinreben - geradezu paradiesische Zustände in der Großstadt. Sie schreibt dazu: "Sie sind nicht etwa vom Flohmarkt, sondern wurden seit Studentenzeiten von mir höchstselbst shabby gesessen.":



Bei der Seifenfrau gibt es Kürbisse in Reih und Glied zu einem tollen Postkartenmotiv zusammengetragen. Der Hokkaido mit dem einnehmenden Wesen hatte sich selbst ausgesät und den Kompost unter seine Kontrolle gebracht:



.. ebenso wie bei Constanze, die einen originellen Topf dazu präsentiert:



Frauke zeigt eine Bank aus alten Paletten, die nicht nur hübsch aussieht, sondern auch gern bei der Stachelbeerernte behilflich ist:


Sandra aus Lautertal zeigt uns originelle Pflanzgefäße, die echte Antiquitäten sind und von Sammelleidenschaft zeugen:


Doris hat Stiefel und Schuhe bunt bepflanzt, damit sie nach all den Fußtritten noch ein schönes zweites Leben haben:
 

Weitere Ideen gibt es im steinigen Garten und im Waldgarten.

Ich möchte mich bei allen Teilnehmern ganz herzlich bedanken und wünsche den Gewinnern viel Spaß beim Lesen!

Sonntag, 30. November 2014

Bis einer heult

Wie kann man nur einerseits so zimperlich und andererseits so waghalsig sein? Ich wieder - wollte nach jahrelangem Herumgeeiere doch endlich mal die Bauernhortensie rausmachen, weil sie soviel Platz wegnimmt, nach strengen Wintern nicht blüht und in handelsüblichen Sommern immer vertrocknet. Außerdem wird sie von Insekten kaum angenommen, man kann nicht gut drin brüten und auch Früchte bekommen die Vögel nicht.


Ein weiteres Argument war der selbst ausgesäte Blasenstrauch in Warteschleife, dem ich keinen zweiten Winter im Topf zumuten konnte, der sah sowieso so schwindsüchtig aus. Und das Gehölz wiederum ist bei Blattschneiderbienen sehr beliebt und sie bei mir.

Also ran an den Spaten und mich vor der armen Hortensie aufgebaut. Ich musste tief Luft holen, sonst hätte ich den ersten Todesstoß nicht anbringen können. Ich befördere nicht unbedingt gerne eine Pflanze in die ewigen Kompostgründe, sofern es sich nicht gerade um Giersch handelt. Fast wäre ich unverrichteter Dinge wieder ins Haus gegangen, so zimperlich bin ich nämlich. Um mich warm zu machen, habe ich erst noch schnell die Rosenzweige aus dem Luftraum geschnitten, damit sie mir beim Graben nicht ins Gesicht schlagen können.

Nun kam der große Moment des Angriffs - auf sie mit Gebrüll! Zunächst stand es jedoch 1:0 für die Hortensie, der Spaten richtete nämlich lächerlich wenig aus an ihrem 15 Jahre alten Wurzelgeflecht. Aber wenn ich erst mal angefangen habe, bin ich wie eine Bulldogge. Jetzt erst recht, das wäre doch gelacht!

Beim Hauen und Stechen mit dem Spatenblatt ging es dann auch bis aufs Blut - die Rose hinter mir war irgendwie immer zur Stelle, wenn es darum ging, mir unvermittelt eins zu verpassen - die hat sich als große Beschützerin der Hortensie aufgespielt. Als ich mir beim Hebeln fast die Pulsadern an einem Rosenstachel aufgeschnitten hätte und der Spatenstiel aus heiterem Himmel einen großen Blutfleck zeigte, kam mir die plötzliche Einsicht, dass Handschuhe genau für solche Zwecke erfunden wurden. Zu spät, jetzt konnten es kaum noch mehr Kratzer werden.


Ein letztes Mal geruckelt und ich hatte die Hortensie in der Hand. Mittlerweile sah meine Frisur aus wie nach Wochen in der Wildnis und meine Kleidung konnte demnächst kollektiv in die Wäsche.

Egal, jetzt war kein Platz für Eitelkeiten - also noch schnell das Astwerk zerkleinert und schleunigst aus den Augen und aus dem Sinn geschafft, um der Reue zuvorzukommen. Dann konnte endlich feierlich der Blasenstrauch gepflanzt werden, ganz unblutig zur Abwechslung. Und wehe, der Kerl weiß meinen körperlichen Einsatz nicht zu schätzen, dann sind wir geschiedene Leute, soviel steht mal fest!

Ich hoffe, dass er irgendwann in ferner Zukunft einmal so aussehen wird:


(Die Durchwachsene Silphie - ein Bild weiter oben rechts - steht jetzt übrigens leichtsinnigerweise neben dem Blasenstrauch - mal schauen, wie sich das auswächst....)

Samstag, 22. November 2014

Die Vögel

Dieses Jahr sind die Vögel in meinem Garten komisch. So früh wie sonst nie sind die Hagebutten von Rosa multiflora komplett weg-schnabuliert worden. Sogar der aus Versehen abgeschnittenen Ast, der als Deko auf der Terrasse endete, ist nun seines Schmuckwerts einigermaßen beraubt. Auch die Zieräpfel vom 'Golden Hornet', den sie sonst äußerst widerwillig erst nach kapitalem Frost in Angriff nehmen, werden dieses Mal schon seit Oktober kollektiv bearbeitet. Bis zu fünf Amseln gleichzeitig, je nach Sozialneid, hocken im Baum und picken sich gegenseitig die Früchte weg. Der Vogel mit dem goldenen Schnabel frisst die goldenen Äpfelchen, so soll es sein.


Das Brutgeschäft wurde im Sommer ähnlich ambitioniert unter Amsel-Fittiche genommen: Mein winziger Stadtgarten hatte dieses Jahr gleich zwei Nester gleichzeitig - eins hinten im Wald-Geißblatt, das andere gegenüber auf der anderen Gartengrenze in der Rosa multiflora. Die bei soviel Nähe unvermeidlichen Hahnenkämpfe fanden daher bevorzugt mitten im Garten statt, wo ordentlich Federn gelassen wurden.

Dass die Aufzucht von Jungvögeln nichts für Zartbesaitete ist, konnte ich vor wenigen Wochen feststellen. An einem schönen Oktobermorgen gab es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, dicht gefolgt von ordentlich Geschepper. Instinktiv habe ich zuerst im Badezimmer nachgeschaut, wo ich die Fensterbank seltsam leer vorfand. Kein Wunder, Blumentöpfe und eine der zur Deko umgerüsteten Grappaflaschen lagen ja auch alle in einem wilden Haufen in der Badewanne. Mein heißgeliebter Crassula 'Hottentott' hatte sich bei seinem unfreiwilligen Purzelbaum sämtliche oberen Triebe abgebrochen und somit viel von seinem Rasta-Locken-Charme eingebüßt.

Nachdem ich die Bescherung beseitigt hatte, fiel mir beim Blick nach oben erst der riesige Fettfleck in Taubenform an der Scheibe auf. Und richtig - auf dem Dach unterhalb vom Fenster hockte eine gerade flügge gewordene Ringeltaube und sah ziemlich angeschlagen aus. Um das Tier nicht noch weiter zu strapazieren, habe ich auf das Anfertigen von Bilddokumenten, und seien sie noch so diskret, verzichtet. Zum Glück erholte sich der Pechvogel und wurde zum zweiten Mal flügge, denn der Spatz in der Hand ist in jedem Fall besser als eine tote Taube auf dem Dach.

Bei dem Sturz vom Fensterbrett war auch der Verschluss der Grappa-Flasche zerbrochen - der Korkanteil war vom Holzstöpsel getrennt worden. Toll, dachte ich, dann schneid ich den Rest auch noch ab und nehm das Ding als Pflanzenstecker. Einfach einen Holzstab in den Kork gerammt und das Holz oben beschriftet - fertig.

So sieht das dann aus:

Dank der Kamikaze-Taube habe ich endlich eine sinnvolle Verwendung für die vielen gesammelten Korken mit Holzdeckel. Danach bin ich erst einmal Fensterputzen gegangen.

Und so bin ich jetzt für's Erste bedient und brauche keine weiteren gefiederten Selbstmordversuche an der Fensterscheibe. Dann schau ich lieber den Amseln beim fachgerechten Zerlegen der Zieräpfel zu...
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Zur Erinnerung: Fotowettbewerb bis 6.12.

Samstag, 15. November 2014

Die Unsäbare

Kaum einer kennt sie, kaum einer hat sie im Garten. Bisher wurde diese Staude eher in großflächigen Pflanzungen verwendet, etwa auf Gartenschauen, oder in Präriegärten - und neuerdings sogar als Energiepflanze der Zukunft anstelle von Mais. Nur Gartengestalter, Landwirte und Botaniker kannten also ihren Namen. Und dieser Name ist es auch, der vielleicht ganz wirkungsvoll eine größere Popularität verhindert: Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) wurde eher pragmatisch getauft, aber nicht gerade poetisch.


Da ihre Blätter um den Stängel herum zusammengewachsen sind, entstehen Becher mit Pfützen darin und auch der komische Name. Wie kleine Blumenvasen auf mehreren Etagen sieht das aus. Würde man die Nordamerikanerin einfach "Sonnenbecher" nennen, wollte sie vielleicht jeder im Garten haben.

Die Blüten sind strahlend gelb wie bei vielen Präriepflanzen und die Staude ist ein wahrer Gigant von bis zu drei Metern Höhe - auch eine Anpassung an den Lebensraum, denn sonst könnten die Blüten nicht über die Gräser und die Bisons hinweggucken.

Im Garten braucht sie aufgrund ihrer elefantösen Ausmaße schon ein bisschen Platz, dafür bietet sie einen perfekten Sichtschutz für den Sommer. Neben anderen Riesen, wie Chinaschilf oder großen Staudensonnenblumen, kann sie grandios aussehen.

Doch wie kommt man an diese Staude ran, sollte man sie trotz ihres komischen Namens nun gern haben wollen? Ich habe sie in einem Bauerngarten bei uns in der Nähe entdeckt, wo mir einer der Gartenpfleger glaubhaft versichert hat, dass die Samen nicht gut keimen und daher Teilung die Methode der Wahl sei. Aber natürlich nehme ich bei solchen Aussagen nicht gleich den Spaten in die Hand, sondern das Ganze lieber als Herausforderung. Daher habe ich mutig und nicht-hören-wollend ein paar Samen abgezweigt - denn wer nicht sät bleibt dumm!

Im Frühjahr auf der Fensterbank bewahrheiteten sich die Unkenrufe: Schlecht keimen konnten die Samen gut, aber immerhin ein Pflänzchen habe ich bekommen. Und eins reicht auch, wenn ich mir die Wachstumsgeschwindigkeit so anschaue. Schon im zarten Alter bilden sich kurze Ausläufer und riesige Blätter, die den Boden gut abdecken. Die Staude hat Großes vor, das ist mal sicher!



Geblüht wurde zwar noch nicht, aber das wäre auch ein bisschen viel verlangt.

Tja, und nun wieder die Preisfrage: Wohin denn bloß mit dem Staudenelefanten, der nicht nur aussehen möchte wie die Sonne, sondern sie auch mit Leichtigkeit verdunkeln kann? So ist das immer, wenn ich die Finger nicht bei mir behalten kann: Wer sät, bleibt vielleicht nicht dumm, aber oft ratlos...

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Zur Erinnerung: Fotowettbewerb bis 6.12.

Samstag, 8. November 2014

Fotowettbewerb "Günstig Gärtnern" 2014

Vielleicht erinnert sich noch jemand dunkel, dass es hier letztes Jahr einen Fotowettbewerb zum Thema "Günstig Gärtnern" gegeben hat. Apropos dunkel: Nun wird es schon wieder Winter und vielleicht habt ihr den Sommer dazu genutzt, schöne Bilder von schönen Zeiten zu machen. Was liegt also näher, als hier ein bisschen in Erinnerungen an die vergangene Gartensaison zu schwelgen und wieder einmal tolle, günstige Ideen zu finden und andere daran teilhaben zu lassen?

Und hier ist er nun also, denn gut Ding will Wiederholung haben: 
Der Fotowettbewerb 2014 ist hiermit feierlich eröffnet!


Hier als Anregung noch die Gewinnerbilder vom letzten Wettbewerb:











Zu gewinnen gibt es natürlich auch wieder etwas: Die drei schönsten Bilder werden mit je einem Gartenbuch belohnt. Die beiden ersten Preise wurden vom Landwirtschaftsverlag Münster gesponsert - sie sind nagelneu und noch eingeschweißt. Vielen Dank an dieser Stelle für die großzügige Spende!




Die Gewinnerfotos und einige weitere schöne Ideen werden hier Mitte Dezember veröffentlicht. Die Jury bin ich.

Schickt eure eigenhändig aufgenommenen Lieblingsbilder mit einem kleinen Text bis zum   
06.12.2014
an folgende Adresse:  

guenstig_gaertnern(ät)gmx.de

Ihr findet sie auch in meinen Profildaten.

Die Bilder sollten nicht im Original geschickt werden, damit mein Postfach nicht platzt - 1024 Pixel Seitenlänge sind vollkommen ausreichend. Bitte fügt eurer Email auch gleich eure Adresse hinzu, damit ich euch im Fall der Fälle den Gewinn schicken kann. Wer einen Blog pflegt, kann auch den nennen, dann werde ich ihn verlinken. Ansonsten werde ich nur den Vornamen und Heimatstadt der Gewinner bekanntgeben - eure Anonymität bleibt also gewahrt.

Das Kleingedruckte:
Die Einsender bestätigen, dass Sie im Besitz der Bildrechte sind und dass die Bilder frei von Rechten Dritter sind. Falls auf den Bildern Personen abgebildet sind, müssen diese mit einer Veröffentlichung einverstanden sein. Die Teilnehmer räumen "Günstig Gärtnern" die Nutzungsrechte an den eingesandten Fotos ein, um sie hier im Blog für unbeschränkte Dauer  zu zeigen. 
Der Rechtsweg ist vollkommen ausgeschlossen. Ich wollt's nur sagen.


Und nun zeigt's mir wieder mal -  ich freue mich auf eure Ideen!

Sonntag, 2. November 2014

Gegen das Völlegefühl im Geräteschrank

Die wenigsten Gartengeräte taugen als Statussymbol - zum Glück muss man da sagen! Wenn es sich nicht gerade um einen Aufsitzrasenmäher mit sequentiellem 6-Ganggetriebe, Sportauspuff und Xenonscheinwerfen handelt, wird man mit den Werkzeugen keinen Blumentopf gewinnen. Oder habt ihr schon mal neidvolle Blicke vom Nachbarn geerntet, während er ehrfürchtig folgende Worte sprach: "Ist das etwa die neue Heckenschere 'Säbelzahntiger Ultragrip 3245'?" ? Ich jedenfalls nicht. (Markenname frei erfunden)

Nein, zum Angeben eignen sich Heckenscheren, Harken oder Spaten eher nicht. Daher kann man seinen Geräteschrank auch ganz beruhigt auf Diät setzen, schließlich herrscht dort sowieso früher oder später Überfüllung, während man gleichzeitig merkt, dass man die meisten Werkzeuge nur einmal benutzt hat - vor langer, langer Zeit.

Hier einige Beispiele an Dingen, die man sich sparen kann, weil sie improvisiert oder zweckentfremdet werden können.

Für die nervigen Fadenalgen im Miniteich extra einen Kescher anschaffen, der bei Nichtverwendung nass und klamm irgendwo in der Ecke lehnt? Das geht einfacher - mit einem ausgedienten Küchensieb oder einfach mit einem Stock, um den sich die Algen wie Spaghetti aufwickeln lassen.


So ein altes Sieb kann auch ganz wirkungsvoll und sparsam akute Verstopfung bei Abläufen auf Flachdächern oder Ähnlichem verhindern.

Als Zubehör zur Supercat-Wühlmausfalle wird auf Wunsch ein Lochstecher geliefert, den man prima durch einen handelsüblichen Blumenzwiebelpflanzer ersetzen kann - oder umgekehrt, was auch immer zuerst da war.

Zum Rasenbelüften tut es auch eine Mistforke, mit der man die Grasnarbe perforieren kann. Meiden sollte man dabei Bereiche mit Blumenzwiebeln, um die dicken Dinger nicht zu beschädigen.

Laub, das faul auf dem Rasen herumliegt und ihn dabei belästigt, kann man mit dem Rasenmäher zu Kleinholz verarbeiten anstatt einen Häcksler zu bemühen, was auch leiser ist. Am Ende zeigt man den Blattfragmenten dann, was eine Harke ist, und kehrt sie mit Schwung in die Staudenbeete.

Platz- und geldsparend sind außerdem Kombisysteme, bei denen man beliebige Geräte an denselben Führungsstiel stecken kann - ob Harke, Grubber oder Vertikutierrechen. Klar, was am meisten aufträgt ist das dicke Ende und nicht der dünne Griff, aber ohne das lange Anhängsel lassen sich die Unterteile besser in Regalen oder hängend verstauen. Resourcen werden ebenfalls gespart.

Trotz dieser Maßnahmen ist mein Geräteschrank aber immer noch ganz schön voll. Das liegt an all den Blumentöpfen, die ich horte. Aber das ist eine andere Geschichte...

Sonntag, 26. Oktober 2014

Versuch einer Entschuldigung

Wenn mein Garten doch immer so ordentlich aussehen würde wie im Frühjahr! Bis Juni bin ich noch ganz zufrieden mit dem Zustand der Beete, aber danach stürzt der Garten sich ins Chaos. Viel zu viele Stauden wuchern gen Himmel und setzen ihre Ellbogen ein, um Nachbarn zu verdrängen, die ein bisschen Schwäche zeigen. Ich glaube langsam, die wittern sogar meine Zögerlichkeit, die Schere oder gar den Spaten zu benutzen, und legen sich umso mehr ins Zeug, um zarte Pflanzen wirkungsvoll unterzubuttern.

Ab Hochsommer gibt es noch einen weiteren Grund für die Unordnung in meinem Garten, denn er ist dann komplett verwanzt! Mehrere Wanzenarten, allesamt schillernde Persönlichkeiten, leben in meinem Grünzeug und machen sich über die Samenstände an den Stauden her. Das große Krabbeln im kleinen Garten nimmt seinen Lauf!

Wanzen, das sind die Insekten mit dem allerschlimmsten Ruf der Welt, und das nur, weil eine Art ihren Rüssel nicht bei sich behalten kann und Menschen befällt, nämlich die blöde Bettwanze. Wegen ihr ist gleich die ganze Sippschaft in Ungnade gefallen, und das ganz zu Unrecht.

Viele Wanzen sind in Wahrheit ausgesprochen hübsche und bunte Sechsbeiner, oft nicht sehr mobil, aber bei genauem Hinsehen omnipräsent im Garten - in meinem in beeindruckender Vielfalt.

Hier ist die Schillerwanze (rechts mit im Bild die Grüne Stinkwanze Palomena prasina in verschiedenen Larvalstadien) bei der Arbeit im Wiesenstorchschnabel zu beobachten - ein illustres Insekt in Hochglanzoptik.


Auch die auffällige Zimtwanze mit der roten Warnweste liebt die Samenstände, aber lieber, wenn diese noch grün sind:

Sehr ähnlich sind die Feuerwanzen, die ich in großen Familienversammlungen im Garten habe, weil ich so viele Moschusmalven kultiviere. Das Bild ganz links ist aber aus dem Park, denn Linden lieben sie auch. Das ist natürlich ein sehr exquisiter Geschmack - und was Linden mit Malven zu tun haben wissen wohl nur die Feuerwanzen, schließlich degustieren sie beide ganz ausführlich und mit Hingabe - manchmal auch mit Vogelstraußpolitik (Bild unten rechts).

Wanzenlarven sind nicht minder hübsch und oft lustig kugelige Dinger, die in kleinen Grüppchen auf den Pflanzen herumlungern.

Schaden richten sie keinen nennenswerten an. Sie saugen an den Staudensamen, aber meist bei den Arten, die sich sowieso reichlich von alleine aussamen, so dass es auf ein paar mehr oder weniger nicht ankommt.

Der größte Nachteil an den Wanzen ist, dass ich es nie über's Herz bringe, die verblühten Storchschnäbel, den Odermennig, den Heilziest, die Malven und den Waldziest abzuschneiden, weil mich die ganze bunte Kinderstube aus ihnen heraus anschaut.

Und da Wanzen nun mal keine Schmetterlinge sind, sieht natürlich wieder keiner, warum mein Garten so wild aussieht. Selbst einer kostenlosen, geführten Tour durch die Wanzenwunderwelt in meinem Grünzug steht der Durchschnittsbesucher eher skeptisch gegenüber.

Aber nun wisst ihr wenigstens, warum Wanzen meinen Garten so lieben - und warum er deshalb nie so aussieht wie in einer Hochglanz-Zeitschrift.

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