Mittwoch, 12. März 2014

Gesundheit!

Achtung, empfindliche Nasen sollten sich jetzt besser schnell woanders reinstecken, denn das folgende Bildmaterial ist wohl der Albtraum eines jeden Hasenusspollenallergikers. An einem Strauch von mittlerer Statur und ansonsten unauffälligem Erscheinungsbild fand ich diese äußerst reizende Puderquaste (links im Bild, rechts zum Vergleich normale Blüten).

Es gab nur diese eine am ganzen Gehölz und was sie ausgelöst hat, ist ungewiss - eine Art Verbänderung vielleicht? Jedenfalls ist dieser Sexprotz von einem männlichen Pollengeschoss wohl eine echte Rarität - wenn sich alle Haseln solch einen Angriff auf menschliche Nasenschleimhäute erlauben würden, und das womöglich noch aus jeder Knospe wachsend, wäre es wohl um sie geschehen.

Viele Menschen, die ohne zu niesen an Corylus avellana vorbeigehen können, nehmen sie trotzdem kaum war, dabei gehört sie neben der Kornelkirsche zu den attraktivsten heimischen Vorfrühlingsblühern - nur dass die Gemeine Hasel immer noch eine Schüppe drauflegen kann und wochenlang neue Pollenschleudern in Gang setzt.

Vielen Gärtnern sind die im Wind wackelnden Kätzchen wohl nicht hübsch genug. Dabei muss man nur einmal nah herangehen, möglichst noch bei Sonnenschein, und man erkennt, wie außerdordentlich filigran diese Flatterwürste gebaut sind. Dazu kommen noch die winzigen, aber leuchtend roten weiblichen Blüten - wenn diese das Ausmaß der männlichen Fortpflanzungsorgane erreichen würden, wäre die Hasel- so beliebt wie die Zaubernuss, jede Wette.

Der Duft des heimischen Gehölzes haut nicht unbedingt vom Hocker - wer seine Pollen so verschwenderisch dem Wind anvertraut, der kann sich die Lockstoffe für Insekten ganz sparen.

Sind die hübschen Kätzchen mit der guten Fernwirkung noch nicht Grund genug, sich eine Hasel in den Garten zu holen, wären da ja schließlich noch die leckeren Nüsse. Wer schon einmal zum Frühstück von einer ranzigen Importhaselnuss im Muesli jäh aus dem Halbschlaf in die brutale Realität zurückgeholt wurde, wird die Ware aus dem eigenen Garten zu schätzen wissen - frischer geht es nicht. Erntet man sie nicht, freuen sich Eichhörnchen, Haselmäuse, Eichelhäher und in den Mittel- und Hochgebirgen auch Tannenhäher über die Herbstnahrung.

Für den Gärtner besonders interessant sind die sehr geraden Ruten, die so eine Hasel in ihrer Jugend produziert. Sie lassen sich im Frühjahr schneiden und sind unersetzlich für selbstgebaute Staudenstützen, Rankhilfen und Flechtzäune. Man muss aber mit dem Schneiden dran bleiben - ist der Strauch kein junger Hüpfer mehr, kann er locker über sechs Meter hoch werden und beindicke Äste produzieren, die man nur noch mit einer Säge durchkriegt. Zum Flechten taugt das dann auch nicht mehr. Regelmäßige Ernte der dünnen Ruten macht die Hasel sogar passend für kleine Gärten - dann blüht sie aber kaum noch und fruchtet natürlich auch nicht (ein Tipp für Allergiker, die ein solches Gehölz im Garten haben).



Auf größeren Grundstücke kann man aber durchaus das Beste aus beiden Welten haben - Blüten, Haselnüsse und Zweige zum Basteln. Zumindest, wenn man die Pollen gut riechen kann und in ihrer Gegenwart nicht zur Heulsuse wird, ansonsten muss man wohl doch auf die Früchte der Windsbraut verzichten - bevor am Ende auch aus dem eigenen Strauch so eine größenwahnsinnige Pollenfabrik entsteht...

Kommentare:

  1. Tolles Bildmaterial, vor allem der Tannenhäher hat's mir angetan - habe ich nämlich noch nie gesehen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich ihn von weitem mit einem Star verwechseln würde. Bei uns blüht derzeit die Korkenzieherhasel üppig und auch die Weide - ich habe glücklicherweise damit keine Probleme und genieße den Anblick.
    Lieben Gruß
    Elke

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  2. Liebe Elke,
    ich habe einen (noch) winzig kleinen Haselstrauch in meinem Garten, den ich erst entdeckt habe, als ich die Rieseneibe, die ihn zugedeckt hatte, wegsschneiden ließ. Dann war da ein gerades Stängelchen, das in die Höhe schoß... Das habe ich dann letzten Herbst mal radikal gekürzt und bin nun gespannt auf die Reaktion darauf. Bis ich allerdings so wunderhübsche Blüten haben werde, wird es wohl noch etwas dauern!

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  3. Liebe Elke,

    zum Glück bin ich auch nicht allergisch und so genieße ich den Anblick in jedem Frühjahr. Tolle Bilder hast Du gemacht. Der Tannenhäher ist natürlich ganz besonders. Den gibt es glaube ich in unserer Ecke gar nicht.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Ich liebe diesen Anblick...Leider darf kein Zweig in die Wohnung, denn Sohnemann ist allergisch...;-) LG Lotta.

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  5. Ich mag die Vorstellungen der Pflanzen bei dir! Die sind immer so kurzweilig und lehrreich....
    Ich werd mich dann mal mit der Schere bewaffnen, und das Freigehölz hier etwas besuchen
    Herzlichst
    yase

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  6. Die angeberischen Riesen Blüten...herrlich geschrieben!!
    Und ist es vielleicht so wie ein Hexenbesen bei anderen Bäumen?von Pilzen hervorgerufen?
    Die Blüten qualmen wie Kartoffelboviste,wenn sie in der Vase voll erblüht sind und herunterfallen...auf den Glastisch in einer gelben Wolke!LGKatja

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  7. Wie ich gestern beim Shreddern feststellen musste, reagiere ich zum Glück noch nicht allergisch auf Haselkätzchen (auf blühenden Taxus in üppigen Mengen jedoch schon). Das wäre auch schade, denn immerhin haben wir mindestens 6 große und kleine Haselsträucher und 2 Korkenzieherhaseln im Garten. Eben wegen der frühen und lanhahltenden leuchtenden gelben Kätzchen. Wobei ich die roten Blüten zum ersten Mal vor einigen Jahren im www entdeckte, denn bei uns sind sie zu hoch oder zu versteckt. Haseln sind eben gutes Füllmaterial. Und die Nüsse sind so begehrt, dass ich in all den Jahren noch keine probieren konnte - die Eichhörnchen sind einfach zu schnell ;-)
    LG Silke

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  8. Hi Elke.
    Schön sehen sie aus die Haselnussfrüchte. Aber gefährlich sind sie. Bloß gut das wir alle nicht darunter leiden. Den Tannenhäher hast du schön geknipst.
    Schönes WE und liebe GRÜße Jana.

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  9. ich bin zum glueck nicht allergisch - und wenn ostern in diesem jahr nicht so spaet waere, wuerde ich mir wieder zweige "mit wuersten" in den osterstrauss stecken:) mich erinnern sie immer an lange, duenne erdnussflips (ich weiss, ich weiss, ich denk immer gleich ans futtern:). und eichhoernchen haben wir in unserer gegend hier nicht, aber maeuse moegen die runtergefallen nuesse auch... inzwischen sind die straeucher so hoch, dass man ohne fluegel eh keine chance mehr hat aufs pfluecken! irgendwann werde ich sie mal stutzen muessen, aber noch lasse ich sie weiterspriessen.
    viele gruesse von der gruenen insel
    Bettina

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  10. Tolle Fotos! Da macht das Anschauen Spaß - und das Gärtnern sowieso!
    LG von Ute

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  11. Hallo Elke,
    wenn ich den nächsten Strauch sehe, werde ich mal nach den weiblichen Blüten schauen. Die sind mir noch nie aufgefallen, obwohl mein Vater so ein 6m-Exemplar im Garten hat. Dort beschattet die Haselnuss die Kompostecke.
    LG Sigrun

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  12. Hallo Elke,
    du hast wirklich recht, sie sind auch jetzt schon attraktiv am blühen. Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich immer an Hecken mit vielen Haseln vorbei, wirklich schön anzuschauen .
    dir noch ein schönes WE
    Dagmar

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  13. Liebe Elke,
    ich bin zwar auch Pollenallergikerin, doch das variiert von Jahr zu Jahr. In manchen Jahren merke ich rein gar nichts. Und deshalb würde ich auch niemals die Natur meiden, das halte ich für den falschen Weg. Im Gegenteil! Nicht die Pollen sind schuld sondern vielmehr unsere Lebensbedingungen und man kann selbst viel tun, um seinen Organismus zu wappnen. Ich hab' mir sogar eine Birke in den Garten geholt und würde mir noch mehr Birken holen, wenn sie denn so schnell wachsen, wie ich mir das wünschen würde. ;-)
    Schade, daß wir im jetzigen Garten keine Haselnuss haben ... obwohl, eine winzige hatte ich ja gepflanzt, so sie denn angegangen ist ... aber bis die mal groß wäre .... sind wir wohl längst wieder über alle Berge ;-)

    Der Tannenhäher ist ja ein hübscher Vogel! Habe ich noch nie gesehen! Und die Kätzchenfotos sind Dir gut gelungen!

    Liebe Grüße
    Sara

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  14. wunderbare Bilder von der Haselnussblüte liebe Elke!
    Ich bin zum Glück nicht allergisch, da die Hasel mein "Aschenputtel-Kindheitsstrauch" mit vielen schönen Erinnerungen ist! Also muss sie bei mir einfach im Garten stehen.
    Ich schneide sie den Nachbarn zuliebe regelmäßig unten aus.
    Viele Grüße von Renate

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  15. Hi Du
    Ein Hoch auf den Haselnussstrauch! In meinem Garten wachsen einige und doch zu wenige... finden zumindest meine Häschen. Sie freuen sich nämlich schon auf das erste Grün an den Zweigen. Für die Nüsschen bin ich immer zu spät dran, meistens sind Eichhörnchen und Co. viel schneller als die olle Frau Gwundergarten. Jäh nu, es sei ihnen gegönnt, da ich eh kein Müesli-Fan bin.
    Hab ein grünes Wochenende.
    En liebe Gruess
    Alex

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  16. Liebe Elke,
    ist ja ein Ding- da haben wir nun einen im Garten stehn und auch sonst
    habe ich sie in der Natur gesehen. Mir ist aber noch nie aufgefallen, dass
    sie so hübsche kleine rote weibliche Blüten haben. Da haben sich die
    männlichen Sexprotze immer in den Vordergrund gedrängt :-))
    Interessanter Post!
    Ganz viele liebe Frühlingsgrüße
    sendet dir Urte

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  17. Hallo Elke,
    wie es wahrscheinlich immer ist habe ich Deinen Blog zufällig gefunden und bin vollauf begeistert.
    Ich hab Dich gleich verlinkt, denn Deine Beiträge will ich zukünftig nicht verpassen.

    Liebe Grüße
    Waltraud

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  18. Wunderbare Bilder und wunderbarer Text! Wir haben einige Haselsträucher in der Nähe, aber ich bin ganz ehrlich froh, dass wir selber im Garten keine haben - uns würde dafür auch der Platz fehlen.

    lg kathrin

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  19. Liebe Elke
    Das ist ja wirklich überaus interessant! Und wir haben auch welche im Garten stehen, bin nur froh, dass ich keine Alergie habe. Garten ohne Hasel kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen.
    Liebe Grüsse
    Ida

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  20. Hallo Elke,
    wir haben auch zwei Haselnüsse, eine ganz normale und eine rote (die ist auch blattmäßig ein Hingucker). Ich finde die Kätzchen genauso schön wie die der Weide, nur leider müssen wir unsere Sträucher immer recht kompakt halten, da sie zur Grenze unseres Nachbarn stehen, der es nicht mag, wenn Zweige die Grundstücksgrenze übertreten. Die Kätzchen- und Nussproduktion ist daher leider nicht allzu hoch...Deine Fotos sind klasse und ich würde ja zu gerne wissen, was für eine Mega-Haselnussausbeute sich aus der Puderquaste ergibt. Die musst Du unbedingt im Auge behalten!

    Liebe Grüße, Bärbel

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  21. Sehr schöne Fotos und tolle Vorstellung der Pflanzen. Einige davon kannte ich noch gar nicht. Als Nichtallergiker kann ich das Frühlingserwachen glücklicherweise beschwerdefrei genießen.

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