Mittwoch, 16. Juli 2014

Zöglinge

Wenn man so wie ich Pflanzen sehr gern hat, hat man ein Problem. Weniger naturbegeisterte Zeitgenossen würden nun sagen, dass man davon wohl eher mehrere hat. Wie dem auch sei - eines meiner vielen Probleme ist, dass ich es einfach nicht über's Herz bringe, Pflanzen wegzuwerfen. Noch nicht mal Teile davon, so schlimm ist es mit mir.

Und so kam es, dass ich beim Frühjahrsschnitt am Rosenbogen die aus der Form geratenen Äste vom Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) wieder einmal nicht vertrocknen lassen konnte. Es ging einfach nicht. Also habe ich sie kurzerhand in die alte Erde der Tomatenkübel gesteckt. Da stecken sie noch heute, nun aber mit Blättern und sogar Blüten. Diese befinden sich auf einer Höhe, mit der sich ein rankendes Geißblatt, das etwas auf sich hält, niemals zufrieden geben würde. Kurz vor dem Erdboden wird geblüht, auf Meereshöhe gewissermaßen. Das ist selten bei Geißblatts.

Nun zeigt sich aber gleich das nächste Problem: Wohin denn bloß mit den zarten Zöglingen? Auf meinem Grundstück würden die Stecklinge unter Klaustrophobie leiden und ich am Ende auch. Vorausschauendes Denken ist offenbar nicht meine Stärke. Ich habe sogar schon versucht, gärtnernde Opfer für so ein Geschenk frisch aus meinem Garten zu finden. Vergeblich. Keiner möchte das duftende Gewächs sein Eigen nennen.

Nun gäbe es noch mehrere Möglichkeiten, sich des Mitbewohners zu entledigen:

  • An der Autobahn aussetzen mit einem Schild um den Hals. Das ist die Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Methode, aber nur unwesentlich gemütlicher als der Komposter und sicherlich mit wenig Aussicht auf ein Happy End.

  • Guerilla-Gärtnern. Schon besser, aber für so ein großes Geißblatt braucht man auch eine große Schaufel und vor allem den Schutz der Dunkelheit, ansonsten wirft man nicht nur Erde, sondern auch unangenehme Fragen auf. Dazu fehlt mir nun doch der Abenteuersinn. Eine Bankräubermaskierung steht mir auch nicht.

  • Die Pflanze bei den Nachbarn in deren Urlaub irgendwohin pflanzen. Auch keine gute Idee, sofern es sich nicht um sehr vergessliche Menschen handelt, denn sonst droht Ungemach - mir und dem Gewächs.

  • Das Grünzeug inserieren - als Blind Date für Pflanzen sozusagen: Welche nette Gärtnerin mit mir in meiner Stadt einen Kaffee trinkt, bekommt das Geißblatt per Fahrradkurier in die Lokalität gebracht. Das fand ich gar nicht mal so schlecht, habe mich dann aber doch nicht getraut.

Schließlich habe ich den robusten Ranker doch noch ganz in meiner Nähe untergebracht und kann ihn immer besuchen. Ich habe einfach im Gemeinschaftsgarten der Transition-Town Bielefeld nachgefragt, ob sich mein Zögling dorthin verduften kann. Er konnte und soll jetzt das Herz-Häuschen kaschieren (oben rechts im Bild). Sowas hat er schließlich gelernt. Als Dankeschön durfte ich einen Salatkopf mit nach Hause nehmen - es lebe das Tauschgeschäft!



Übrigens wird in diesem Garten das günstige Gärtnern groß geschrieben - es gibt Hochbeete aus Paletten, einen Weidenpavillon aus Stecklingen und überhaupt viele Recycling-Ideen. Außerdem ist ein Beet mit alten Gemüsesorten wie Cardy und Knollen-Ziest entstanden. Auf dem Bahndamm wurden Obstbäume gepflanzt. Ich habe mir dort sagen lassen, dass es keine gute Idee war, das Palettenhochbeet mit Ästen zu verkleiden, da es so zum Lieblingsplatz der Nacktschnecken avanciert ist.




Es bleibt spannend, wie sich das Grabeland weiter entwickeln wird - hoffentlich immer inklusive meinem Geißblatt.

Was sind Eure Tricks zum An-den-Mann-Bringen von Stecklingen und Ablegern, die ihr nicht wegschmeißen könnt?

PS: Falls eine Gärtnerin auf den Kaffeeklatsch mit Blume zurückkommen möchte - ich habe noch Geranium phaeum, Geranium nodosum, Seifenkraut und diverse andere Stauden abzugeben. Ferner suche ich noch jemanden, der eventuell einen Meter Wohnzimmerfensterbank frei hätte für eine Sansevieria cylindrica außer Rand und Band...

Kommentare:

  1. Oh - das mit den eingepflanzten Geißblattranken ist eine gute Idee, das werde ich mal ausprobieren. Ich schneide nämlich auch immer viele ab und entsorge sie allerdings. Und Platz habe ich schon noch ;-) Dnake für den Tipp.
    Liebe Grüße
    Elke

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  2. Wie wärs wenn Du bei mir auf "Kaffee und Blume" vorbeischauen würdest ?
    Ich hätte einige Sämlinge abzugeben: 5 Rauhblattastern, einige nette Röschen, (Sämlinge von Blue for You), und im Moment blühen gerade meine 25 Phloxsämlinge auf..... ;-) Außerdem stehen da noch 2 Buddleiasämlinge herum, 4x Scabiosa graminifolia, 2x Phlox subulata Candy Stripe.

    Aber wenns Dir zu weit ist, ich denke die Damen die am Samstag zum Kaffee kommen ( unsere winterliche Handarbeitsrunde) kann ich auch fragen. Die werd ich schon los. *lach*

    lg Frieda

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  3. currently in the happy (ish) situation of gathering volunteers for the False Bay garden. The lines of pots with volunteers and cuttings and bulbs grow longer and wider and ... garden in transit!

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  4. Liebe Elke, wie ich da nachfühlen kann! Hornveilchen, die nach dem Winter selbst gewachsen sind und nun nicht mehr so schön ausschauen wegwerfen? Aber sie bilden doch noch einige Blümchen... Oder eben: abgeschnittene Zweige? Die könnte man doch einpflanzen. Und ganz ehrlich? Ein Geissblatt wünsche ich mir schon einige Zeit lang! :-) aber der Weg zwischen uns wäre dafür wohl etwas zu weit gewesen! So bin ich einfach nur froh, hat die Pflanze ein gutes Plätzchen gefunden! Und irgendwann schneide ich mir wahrscheinlich ein Zweiglein ab von der wuchernden Pflanze auf meinem Arbeitsweg... Obwohl mein Gärtchen dafür wohl auch zu klein ist. Liebe Grüsse - und schön zu sehen, dass andere gleich ticken wie ich :-) Miuh

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  5. ich kann gut in die kompostkiste es werfen... ich kann es gut zu großen wällen aufschichten, da ich reichlich platz habe..ich verschenke an freunde,Nachbarn die auch gärtnern.. so nun sträucher und ableger.., absenker von beerensträucher.. aber auch neu gekauftes, weil ich sehe oh das erfreut.meine erwachsenen kinder... und ich schaffe die arbeit nicht mehr..so zog meine tochter mit vielen stauden von dannen, gruß wiebke

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  6. Grins, also ich wäre für das Auswildern gewesen. Hätte wohl tatsächlich eine Schaufel gepackt und irgendwo an einem lauschigen Waldrandplätzchen das Geissblatt gepflanzt. Vielleicht sollte es tatsächlich eine Internet-Tauschbörse für Pflanzen geben ... hmm, vielleicht gibt es das auch schon, keine Ahnung.
    Hab einen sonnigen Nachmittag.
    En liebe Gruess
    Alex

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  7. Liebe Elke,
    welch herrliche Ideen Du so entwickelst, ich bin zwar in ca. 3 Wochen in Bielefeld aber nur kurz zum Plausch! Meine Stecklinge haben noch Platz in unserem Garten und wenn ich wirklich mal nicht weiß, rückt derzeit alles in unseren neu angelegten Schulgarten ;-)). Dein Zögling hat ein tolles neues Zuhause gefunden, sehr interessant dieser Garten! Wegwerfen kann ich im übrigen auch nur ganz schlecht und die ganzen Discounterrettungen ...

    Liebe Grüße Alexandra

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  8. Liebe Elke,

    wie schön du wieder schreibst!
    Ich bringe meine Sachen mit in unserer Urban Gardening Gruppe. Dort bekommen wir ganz viele Pflanzen Spenden u können uns daher vor Tomaten kaum retten :-)
    Liebe Grüße zu Dir, Silvia

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  9. Och, ein Geißblatt hätte ich gern genommen.

    Ich stelle überzählige Pflanzen mit einem Schild um den Hals vor die Gartentür. Da finden sie eigentlich immer rasch neue Besitzer.

    LG Amélie

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    1. Ja, das praktiziert man in unserer Gegend auch, liebe Amélie. Ich finde das genial. Zuweilen stehen sie auch an den Müllcontainern, aber auch von da werten sie gern mitgenommen. Am besten aber in Gegenden mit Eigenheimen, denn wo nur Wohnungen sind, kann sie kaum jemand brauchen.

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  10. Du bist so cool :) jetzt hast du mir die nächste Frage schon beantwortet, bevor ich sie überhaupt stellen konnte! Ein Geißblatt ist das also. Bei mir ist es pink und wächst vor der Haustüre an Schnüren hoch. Und ist geerbt, von der Schwiegermutter, die ich leider so vieles nicht mehr fragen konnte...

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  11. Hallo Elke,
    du hast also auch die Ichkannkeinepflanzewegwerfen-Krankheit! Kann ich verstehen. Da ist verschenken doch immer eine schöne Lösung und wenn dann noch ein Essen rausspringt!!!
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  12. Hmm, das kannte ich früher auch einmal. Aber irgendwann habe ich mich überwunden. Die Pflanzen gehen auch von allein ein, Schädlinge fressen sie, das ist der Lauf der Welt ... was zuviel ist, muß abgeschnitten werden und manches landet dann eben auf dem Kompost oder in der Grünen Tonne. Aber mit Guerilla Gardening hätte ich auch kein Problem ;-) Z.B. am Wald oder wo es nicht jeder gleich sieht *lach* Jedenfalls bei größeren Pflanzen, die mit der Schaufel eingepflanzt werden müssen oder gar mit dem Spaten.

    Ich pflanze auch eher immer zu viel und zu dicht. Daher muß auch bei mir noch Einiges ausgelichtet werden. Jetzt kommen die Kirschlorbeersträucher hoch. Alles was daneben steht, muß über kurz oder lang weichen ... Aber gut, in unserem Garten gibts schon noch Potenzial ...

    Mal verschenke ich auch mal was, auch an Blogger, wenn es meine Zeit zulässt, ein Paket zu packen. Im Sommer ist das keine so tolle Sache. Man weiß nie, ob die Sachen angehen oder nicht und schnell muß es gehen, eine günstige Witterung abgepasst werden ... ich finde das Verschicken schon ziemlich aufwändig. Habe das vor einem Monat ungefähr gemacht und ohne Ballen oder Töpfe, die dann NOCH schwerer gewesen wären. Das muß frau erstmal transportieren können ... und sicher verpacken, damit die feuchte Erde nicht herausschwappt ;-)
    Aber eine weitere Waldgarten-Rose und auch wilde Rosen, die ich selbst heranzog sind schon versprochen und werden zum Herbst auf die Reise gehen. Denn mir werden die Wildrosen denn doch zu viel. Wenn man erst sieht, wie sie in die Breite und Höhe gehen ... Aber es macht halt auch Spaß, sie heranzuziehen und wachsen und das erste Mal blühen zu sehen.

    Aber das war doch eine nette Idee und den Tausch mit dem Salatkopf ließe ich mir auch gefallen.

    Alles in allem habe ich kein Problem, manche überschüssigen Stauden auch auf den Kompost zu werfen, alles wovon wirklich zu viel da ist und was wuchert. Aber Rosen würde ich wohl nie wegwerfen ;-) Auch Hortensien nicht. Bei uns kann man sie auch an den Straßenrand stellen, Irgendwer greift garantiert zu! :-) Am besten mit einem Schild versehen, auf dem "Zum Mitnehmen!" oder Ähnliches steht.

    Liebe Grüße
    Sara

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  13. Liebe Elke,
    dein Blog ist einfach nur super!!!! Danke dafür!
    Hab eine wunderbare Zeit und sonnige Tage
    Elisabeth

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  14. Liebe Elke,
    ich habe da einen Haufen Freundinnen :-)
    Aber der Garten ist echt cool! Ich mag sowas.
    Ganz viele liebe Sonnensommergrüße
    sendet dir die Urte :-)

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  15. Hallo Elke,
    ich kann auch nicht so gut Pflanzen wegwerfen. Wenn die Ableger allerdings in Massen vorkommen, wie bei Astern, Kronenlichtnelke & Co. und gerade kein williger Abnehmer zur Hand ist, dann landen sie doch schon mal im Biomüll (schäm). Zum Glück habe ich noch ein paar Gartenfreundinnen und Nachbarn, die gerne etwas nehmen, aber der Garten produziert einfach zu viel. Hätte ich das mal früher gewusst, hätte ich ganz schön viel Geld sparen können...

    Dieses Gemeinschaftsgartenprojekt ist eine tolle Idee, so was sollte es viel öfter geben.

    Liebe Grüße, Bärbel

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  16. Am Gartenabfälleplatz kann man "Zeug", das man übrig hat, an der Seite abstellen und meistens dauert es nicht lange.... Inzwischen gibt es auch schon viele Holer, nicht nur Bringer ;) und wenn man etwas mitnehmen kann, ist die Freude groß!
    Liebe Grüße
    Karin

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  17. Liebe Elke,
    da hatte ich echt schon Angst dass ich in Funk und Fernsehen neuerdings auch Meldungen höre über ausgesetzte Pflänzchen, vergessene Blümchen oder gar an Laternen festgebundene Bäume * Puh* gut dass du dich so entschiedenen hast !!!!! Und der Tipp mit den zweigenumlegten Beeten als beliebtes Erholungsgebiet der Schleimis war super *DANKE*
    mit dieser Art der Ummantlung hatte ich auch schon geliebäugelt und werde es dann jetzt doch tunlichst bleiben lassen ;-)
    Unsere Schleimis haben eh schon Erholung und Paradies ;-(
    gaaaanz <3liche Grüße ;o)

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