Dienstag, 25. März 2014

Damenwahl

Foren und Blogs legen es nah: Die Mehrheit der gärtnernden Menschen scheint weiblich zu sein. Der Mann ist eher für's Grobe zuständig, die Frau für alles, was blüht, irgendwie filigran ist und keinen Motor hat. Soweit das Vorurteil. Nun sind aber gerade zwei neue Gartenbücher erschienen, die damit gründlich aufräumen: Hier gärtnern gestandene Mannsbilder - und die Damenwelt hat was zu gucken.

Die beiden Neuvorstellungen im einzelnen heißen:

Einfach genial gärtnern! Meine besten mach-es-so-Tipps
Karl Ploberger, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-8354-1076-3

Garten-Starter: Das ultimative Einsteiger-Wissen
Sebastian Ehrl, Jutta Langheineken, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-8354-1260-6



Die Titel lassen es erahnen: Beide Bücher sind für Anfänger gedacht und enthalten viel Bildmaterial, auf denen der Autor (bei Garten-Starter nur einer der Verfasser) zu sehen ist.

Karl Ploberger schreibt gewohnt fundiert über das Biogärtnern im Allgemeinen und Besonderen. Neu sind seine So-und-so-nicht-Tipps, die ganz locker klarmachen, was man tun und besser lassen sollte. Er sieht auf den Fotos immer aus wie aus dem Ei gepellt, während sich Sebastian Ehrl auch mal dreckig macht. Der junge Gärtnermeister aus Garten-Starter wirkt daher deutlich zupackender und geht rein in die Botanik - daher würde ihn wohl niemand von der Beetkante schubsen. Der Schreibstil hier ist jünger, lässiger, cooler, was sicher auch der humorvollen Frau Langheineken zu verdanken ist. Es gibt zudem einige bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

In beiden Büchern lernt nicht nur der Anfänger (pardon: Garten-Starter) viel. Es wird großen Wert auf Naturnähe und giftfreies Gärtnern gelegt. Beide empfehlen torffreie Blumenerde, was lobenswert ist, aber an manchen Stellen in den Werken schleicht sich doch wieder der böse Torf ein. Die Fotos sind in beiden Bänden durch die Bank sehr gut sowie größtenteils für die Produktion eigens angefertigt worden, was bei mir immer gut ankommt - wirken aber bei Sebastian Ehrl natürlicher und weniger gestellt.

So, nun haben also zwei Herren mal gezeigt, was eine Harke ist, und das Vorurteil widerlegt, dass nur Frauen sich mit Blüten und jungem Gemüse beschäftigen. Welches Buch ist denn nun mein Favorit?

Wer Wert auf junges, urbanes - und auch günstiges - Gärtnern legt, ist mit dem Garten-Starter besser beraten. Hier werden Stauden nicht nur geteilt, sondern auch getauscht, hier ist Guerilla-Gärtnern ebenso Thema wie die Prinzessinnengärten mit ihrem Fundus an Recyclingideen - da will doch jeder ein Garten-Starter sein.



Die wirklich wichtigen Gartengeräte werden ebenfalls vorgestellt, und auch die, die man sich besser und kostengünstiger ausleihen kann. Und - hurra - endlich ist mal einer meiner Meinung - Rasen macht wohl mehr Arbeit als ein Staudenbeet (hab ich doch immer gesagt)!


Beide Bände sind durchaus lesenswert und vermitteln ganz locker viel Gartenwissen für Einsteiger. Meine Damenwahl fällt aber auf Sebastian Ehrl. Nichts für ungut, Herr Ploberger...

_________________________________________________

Als kleine Zugabe gibt es das Buch Einfach genial gärtnern! Meine besten mach-es-so-Tipps hier zu gewinnen. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, hinterlasst einfach einen Kommentar bis zum 1. April 2014.

Mittwoch, 19. März 2014

Paketdienst

Es ist schon lustig - seit ich über das günstige Gärtnern schreibe, muss ich selbst kaum noch Pflanzen kaufen, weil ich so viele nette Bekanntschaften über den Blog geschlossen habe, dass ich immer recht viel tauschen kann.

Und was man alles zugedacht bekommt - von wegen Maiglöckchen gegen Moos! Darunter waren schon die schönsten Rosen und Stauden. Wahre Pflanzenfreunde schicken ihre Lieblinge eben lieber auf Reisen, anstatt sie auf ihre letzte im Komposter gehen zu lassen. Auch Gartenforen sind eine gute Quelle für Stauden, die man garantiert nicht im Baumarkt findet.

Letzte Woche war wie Weihnachten und Ostern zusammen, denn da habe ich von Silke ein riesiges Paket mit Kostbarkeiten bekommen - unter den Schätzen unzählige Lenzrosenbabies, die noch eine große Zukunft vor sich haben, Blauroter Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea), Elfenblume, Schneefelberich, Beinwell (das müsste der Kleine Kaukasus-Beinwell Symphytum grandiflorum sein) und Helleborus foetidus. Viele Stauden, die ich noch nicht habe, die aber schon so lange auf meiner nicht endenwollenden Wunschliste stehen.


Der Beinwell darf zu Füßen der Haselnuss wohnen, die Stinkende Nieswurz unter dem Zierapfel.
Die Lenzrosenkinder habe ich für einen guten Start in meinem Garten zunächst in Multitopfpaletten (Quelle: Friedhof) pikiert und mit hausgemachtem Kompost erstversorgt:


Das Paket Pflanzen musste nur mal schnell ins benachbarte Bundesland hüpfen und eine kurze, aber halsbrecherische Fahrt auf meinem Fahrrad von der Post nach Hause absolvieren, doch Silke hatte es so gut geschnürt, dass es auch längere Distanzen geschafft hätte. Daher möchte ich anderen Tauschwilligen gern ein paar kleine Tipps an die Hand geben, wie man die kostbare Fracht möglichst gut durch die Republik oder auch weiter schickt - das Motto lautet: Frustfreie Verpackung für Mensch und Pflanze!

  • Es empfiehlt sich, frühzeitig mit dem Horten von Kartons, Tüten, Töpfen und anderen Utensilien zum Verpacken anzufangen. Man muss nur ein wenig aufpassen, dass man nicht gleich zum Messie wird. Etwaige Kommentare der Mitbewohner, ob man schon auf seinen Auszug hinarbeitet, einfach überhören. Da man nicht jede Woche eine Sendung aufgibt, reichen ein paar wenige Kartonagen verschiedener Größen, platzsparend ineinander geschachtelt. Sie können gerne gebraucht und weit gereist sein, das ist dann auch schön umweltfreundlich.
  • Als Abstandshalter kann man Stöcke zwischen die Pflänzchen stecken, so wie Silke es gemacht hat, damit die Versandbehälter im Karton nicht kippen oder vom Paketdeckel gequetscht werden.
  • Für gut durchwurzelte Ballen reicht es, wenn sie  - sobald kein Wasser mehr unten rausläuft - mitsamt ihrem Plastiktopf in Zeitungspapier eingeschlagen werden. Haltlose Exemplare lieber noch wasserdicht verpacken. Wurzelnackte Gehölzsämlinge oder Rosenausläufer wickelt man in feuchte Küchentücher ein und steckt sie in eine gut verschlossene Plastiktüte.
  • Der Online-Frankierdienst spart bares Geld. Dadurch ist das Porto einen Euro billiger, aber nur, wenn man eine vertrauenswürdige Waage zu Hause hat.
  • Leichte Verpackungen zahlen sich immer aus - keine Schraubgläser verwenden, sondern lieber Plastikgefäße aufbewahren, etwa Gemüseschalen oder Kunststoff-Gefäße mit Deckel. Die großen Weingummi-Eimer fallen bei uns im Büro in rauen Mengen an, so dass ich eine nie versiegende Quelle aufgetan habe.

  • Das Substrat, in dem die Ableger aus dem Garten auf ihre große Reise warten, kann ruhig die Topferde der letzten Saison sein. Beim Empfänger kommen die Stauden sowieso bald in richtige Gartenerde. Dafür lieber in Zeit investieren und die Reisenden ein paar Wochen in den Versandtöpfen einwurzeln lassen, bis sie nicht mehr beim kleinsten Hauch von Sonnenschein den sterbenden Schwan mimen.
  • Feuchte Erde auf keinen Fall direkt in den Karton geben - solche Pakete sind ein Garant dafür, dass die Post sie erst mühsam neu verpacken muss, was ein paar Tage Lieferverzögerung bedeutet (ich habe schon zweimal solche Feuchtbiotope zugeschickt bekommen). Die Pflanzen werden bei so einer langen Inhaftierung schnell ungeduldig.
  • Bei zur Republikflucht vorgesehenen Gewächsen an den Aufkleber für den Zoll denken (etwa bei Sendungen, die die Grenze der Schweiz in einer beliebigen Richtung überqueren). Es funktioniert zwar auch so, aber die Zollbeamten müssen dann nicht mühsam herumrätseln, was das Paket wohl enthält - denn das nimmt viel Zeit in Anspruch.
  • Hält man die Fracht glücklich in den Händen, sollte man die Insassen langsam wieder an die Sonne gewöhnen und ihnen erst einmal einen ordentlichen Schluck aus der Gießkanne gönnen, bevor es ab ins Beet geht.

So kommt ein Pflanzenpäckchen immer gut an - der Kreativität beim Verpacken sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, es ist alles dicht. Viel Spaß beim Pflanzentauschen!

_________________________________________________________________________________

Von Yase habe ich letzte Woche eine kleine Nettigkeit bekommen - ein selbstgestaltetes Notizheft. Auf ihrem Blog Alltagsaufhübscher zeigt sie, wie kreativ sie ist. Danke, Yase, für die gelungene Überraschung!



Mittwoch, 12. März 2014

Gesundheit!

Achtung, empfindliche Nasen sollten sich jetzt besser schnell woanders reinstecken, denn das folgende Bildmaterial ist wohl der Albtraum eines jeden Hasenusspollenallergikers. An einem Strauch von mittlerer Statur und ansonsten unauffälligem Erscheinungsbild fand ich diese äußerst reizende Puderquaste (links im Bild, rechts zum Vergleich normale Blüten).

Es gab nur diese eine am ganzen Gehölz und was sie ausgelöst hat, ist ungewiss - eine Art Verbänderung vielleicht? Jedenfalls ist dieser Sexprotz von einem männlichen Pollengeschoss wohl eine echte Rarität - wenn sich alle Haseln solch einen Angriff auf menschliche Nasenschleimhäute erlauben würden, und das womöglich noch aus jeder Knospe wachsend, wäre es wohl um sie geschehen.

Viele Menschen, die ohne zu niesen an Corylus avellana vorbeigehen können, nehmen sie trotzdem kaum war, dabei gehört sie neben der Kornelkirsche zu den attraktivsten heimischen Vorfrühlingsblühern - nur dass die Gemeine Hasel immer noch eine Schüppe drauflegen kann und wochenlang neue Pollenschleudern in Gang setzt.

Vielen Gärtnern sind die im Wind wackelnden Kätzchen wohl nicht hübsch genug. Dabei muss man nur einmal nah herangehen, möglichst noch bei Sonnenschein, und man erkennt, wie außerdordentlich filigran diese Flatterwürste gebaut sind. Dazu kommen noch die winzigen, aber leuchtend roten weiblichen Blüten - wenn diese das Ausmaß der männlichen Fortpflanzungsorgane erreichen würden, wäre die Hasel- so beliebt wie die Zaubernuss, jede Wette.

Der Duft des heimischen Gehölzes haut nicht unbedingt vom Hocker - wer seine Pollen so verschwenderisch dem Wind anvertraut, der kann sich die Lockstoffe für Insekten ganz sparen.

Sind die hübschen Kätzchen mit der guten Fernwirkung noch nicht Grund genug, sich eine Hasel in den Garten zu holen, wären da ja schließlich noch die leckeren Nüsse. Wer schon einmal zum Frühstück von einer ranzigen Importhaselnuss im Muesli jäh aus dem Halbschlaf in die brutale Realität zurückgeholt wurde, wird die Ware aus dem eigenen Garten zu schätzen wissen - frischer geht es nicht. Erntet man sie nicht, freuen sich Eichhörnchen, Haselmäuse, Eichelhäher und in den Mittel- und Hochgebirgen auch Tannenhäher über die Herbstnahrung.

Für den Gärtner besonders interessant sind die sehr geraden Ruten, die so eine Hasel in ihrer Jugend produziert. Sie lassen sich im Frühjahr schneiden und sind unersetzlich für selbstgebaute Staudenstützen, Rankhilfen und Flechtzäune. Man muss aber mit dem Schneiden dran bleiben - ist der Strauch kein junger Hüpfer mehr, kann er locker über sechs Meter hoch werden und beindicke Äste produzieren, die man nur noch mit einer Säge durchkriegt. Zum Flechten taugt das dann auch nicht mehr. Regelmäßige Ernte der dünnen Ruten macht die Hasel sogar passend für kleine Gärten - dann blüht sie aber kaum noch und fruchtet natürlich auch nicht (ein Tipp für Allergiker, die ein solches Gehölz im Garten haben).



Auf größeren Grundstücke kann man aber durchaus das Beste aus beiden Welten haben - Blüten, Haselnüsse und Zweige zum Basteln. Zumindest, wenn man die Pollen gut riechen kann und in ihrer Gegenwart nicht zur Heulsuse wird, ansonsten muss man wohl doch auf die Früchte der Windsbraut verzichten - bevor am Ende auch aus dem eigenen Strauch so eine größenwahnsinnige Pollenfabrik entsteht...

Mittwoch, 5. März 2014

Kompost-Katastrophen

Kompost ist gut für Pflanzen, das steht außer Frage. Nur für meinen Körper ist das Leeren des Thermokomposters und Verteilen des schwarzen Goldes eine echte Herausforderung. Man quält sich damit schließlich nur einmal im Jahr, so dass es natürlich auch keinerlei Trainingseffekt geben kann. Mein Rücken nimmt mir die ganze Veranstaltung jedes Mal richtig krumm, der Rest von mir wird noch dazu von einem wahrhaft ausgewachsenen Muskelkater gequält, an dem in seltener Einigkeit sämtliche Körperteile unbedingt teilnehmen möchten.

Dieses Jahr gab es noch weitere Angriffe auf mein Wohlbefinden. Das Feuerwerk der Pein begann mit einer nur halb ausgeführten, aber dafür äußerst formvollendeten, Rolle rückwärts, als meine Füße auf regenglatten Terrassenbohlen vergeblich nach Halt suchten. Diese schwungvolle Darbietung war nicht nur sehr unterhaltsam für etwaige Zuschauer, sondern noch dazu sehr schmerzhaft. Aber wo der Hosenboden meiner Jeans nun schon eine frühlingshaft grüne Farbe angenommen hatte, konnte es ja weitergehen - kopfüber hineingestürzt also ins Kompostvergnügen!

Doch da gingen die Probleme auch gleich weiter: In der grünen Kunststoffkulisse meines Komposters war etwas faul - es stank ganz gewaltig. Es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, dass der Kompost nicht kaputt war, sondern lediglich eine faule Zwiebel für eine äußerst angespannte Atmosphäre sorgte. Irgendwann hatte ich das gute Stück dann auch im Zugriff - es roch zwar nicht besonders, fing aber trotzdem an, aus Leibeskräften auszutreiben! Anscheinend gab es noch genug intakte Schichten unter dem Gammelfleisch. Am Ende habe ich den Fund sogar noch ins Beet gepflanzt.

Gemüsezwiebeln, noch dazu sehr voluminöse, verrotten also nur schlecht und riechen auch so. Bei der Gelegenheit sind mir noch weitere Dinge unter die Augen gekommen, von denen ich nun weiß, dass sie im Komposter nichts verloren haben. Hier meine diesjährigen Top Fünf der ungeliebten Fundstücke:

  • Auf Platz Eins wie jedes Jahr die dusseligen Kiefernzapfen, denen ich in der Rotte keine lange Lebensdauer bescheinigt hätte. Nun bin ich schlauer: Die Dinger legen einfach die Ohren an und stellen sich tot - der Zapfenstreich verhallt ungehört: Als kompakte Masse sind sie äußerst widerstandsfähig und können vermutlich Jahrzehnte überdauern.


  • Die Harten können von mir aus in den Garten, aber nicht in den gepflegten Kompost: Die Rede ist von Walnuss-Schalen, Kokosnüssen und Avokadokernen, die ebenfalls wiederkehren können. Der Avokadokern allerdings war zur Hälfte von Mäusezähnen vernichtet worden, so dass er irgendwann verschwunden sein dürfte.

  • Obacht bei Kaffeepads: Es gibt welche mit Milchanteil, für dessen Unversehrtheit allerdings ein Plastikkorpus integriert ist. Das merkt man oft erst im nächsten Jahr, wenn man sich wundert, was das für merkwürdige weiße Räder im Kompost sind. Also besser gar nicht erst kaufen.

  • Nacktschnecken sind zwiespältig - ich habe sie schon mal als Friedensangebot in den schnellen Brüter gesperrt, weil ich annahm, dass sie sich dort durch den Verzehr von Gammelpflanzen nützlich machen würden. Machen sie auch, aber andererseits nutzen sie den Komposter auch zur Partnervermittlung und als Zentrale zur Übernahme der Weltherrschaft: Dieses Jahr habe ich mehrere Gelege gefunden.



  • Immer wieder ungern gesehen: Kompostierbare Folien, die über ihren Namen genauso lachen wie ich mittlerweile.

Märzenbecher - angeschmuddelt nach dem Kompostverteilen







Immerhin gab es aber wie jedes Jahr ein Wiedersehen mit Tausenden von Kompostwürmern, die sich von der Aktion nun genauso erholen müssen wie ich selbst. Und zum Abenessen bitte nichts mit Zwiebeln, wenn's irgendwie geht...

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...