Samstag, 21. März 2015

Auf Stütze angewiesen?

"Na, ganz toll!", denkt sich das Wald-Geißblatt, "Jetzt hocke ich hier in dem kleinsten Garten, den die Welt je gesehen hat, und dann geben sie mir auch noch so einen doofen Rosenbogen, an dem ich mich hochziehen soll. Dabei weiß doch jeder, dass unsereins normalerweise die Wipfel der Bäume erklimmt. Dieses Metallgestell jedenfalls ist immer zuende, wenn ich noch voller Himmelsstürmer-Tatendrang bin. Und dann noch der Name - Rosenbogen! Pah, die hätten das wenigstens auch mal Geißblattbogen nennen können, aber das ist wohl zuviel verlangt. Einmal mit Profis zusammenarbeiten..."

Und so dreht sich das quengelnde Geißblatt jeden Sommer um sich selbst, nicht nur gedanklich, sondern auch mit den Trieben, die keinen Halt mehr an der Rankhilfe finden. In der Not schlingen sie sich dann eben umeinander, schlagen die Äste über dem Kopf zusammen aus lauter Verzweiflung.

Das sieht gegen Herbst dann ziemlich verlottert aus, aber ich schneide trotzdem immer erst im Frühjahr, wenn die Vögel auch wirklich alle Beeren weggefressen haben und ich Stecklinge aus dem Schnittgut machen kann.


Dieses Jahr aber habe ich mir was anderes ausgedacht. Wo die so hübsch schiefgewickelten Astspiralen nun mal da sind, kann man sie auch so nehmen, wie sie sind.

In meinem Garten verwende ich im Sommer nämlich viele dieser grünen Metall-Staudenstützen, die zwar praktisch sind, aber den Rest des Jahres nicht schön aussehen und ständig im Weg sind mit ihrer staksigen Statur. Außerdem sind sie zur Hochsaison immer zu wenig.
Viel netter wären doch Stützen aus Naturmaterialien, die der Garten hergibt und die man jeden Herbst entsorgen und im Frühjahr neu fertigen kann. Und da kommen die gedrehten Geißblattwickel ins Spiel: Die sollen die Querstreben sein, mit Haselästen als Basis.

Hier die Ausgangslage, links das Vorbild:


Ich habe zwei gleich große und dicke Haselstecken ausgesucht und ein Ende zwischen die Geißblattzweige gesteckt. So schmiegen sich die Ranken von beiden Seiten an den Tragestock. Nun ein bisschen Schnur kreuz und quer drumherumgewickelt, die andere Seite ebenso gebastelt, Überstehendes abgeschnitten und fertig ist die (nahezu) kostenlose Staudenstütze. Wenn man die Stäbe ein bisschen zusammenrückt, bekommt die Querstrebe auch eine Biegung.



Sieht auch ohne zu stützende Pflanze ganz gut aus, finde ich. Man kann um diese Jahreszeit damit sogar einen Rahmen bilden um besonders schöne kleine Gartenszenen, wie diese hier ganz in weiß: Crocus chrysanthus 'Miss Vain' mit Schneeglöckchen vor einer Stinkenden Nieswurz, die noch zu grün hinter den Ohren ist zum Blühen.



Das nächste Mal nehme ich dunklere Schnur, die nicht so auffällt, aber sonst kann man nicht meckern. Und das Geißblatt hoffentlich auch nicht, wo doch seine Zweige nun eine tragende Rolle im Gartengeschehen spielen!

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Bei meiner Verlosung hat gewonnen:

Das passende Buch für unseren neuen Garten;-) Da weiß ich nämlich noch nicht so wirklich, wie ich den gestalten soll. Ich versuche gerne mein Glück!
VG und ein schönes (Garten-)WE!
Charlie

Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    :-)
    ..."das quängelnde Geißblatt",
    ich lach mich schlapp!

    Da muss ich wohl mal nachgucken, ob unser Geißblattauch schon quängelt!

    Herrlich!

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  2. Ich freu mich riesig über den Gewinn! Hab ich auch mal wieder Glück;-)
    Tolle Idee mit den sozusagen DIY-Upcycling-Staudenstützen!
    VG Charlie

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  3. Ha, ein Post voller Infos :-)

    Nun sehe ich Deine 'Miss Vain'! Wobei ich meine trotz Deiner Info nicht in diesem Jahr identifizieren konnte. Ich habe immer nur 'Ard Schenk' in der Wiese entdeckt, der sich gut machte, bis die Schnecken kamen … Aber ich werde wohl einfach mit beiden nachverdichten.

    Der Foetidus sieht bei Dir jetzt aber vielversprechend aus! Manchmal brauchen sie eben mehr Zeit. Nur größere Pflanzen werden leider auch nicht gern umgepflanzt.
    Ich habe gestern 'Wester Flisk' bekommen. Den kann ich hoffentlich nun auch bei mir ansiedeln. Und H. multifidus kam sogar mit Blüten :-) Wenn alles gut geht, könnten die Kinder Deinem stindenden Nieswurz irgendwann einmal beim Blühen Gesellschaft leisten ...

    Das Geißblatt hatte ich mir am Donnerstag auch in meinem weißen Vorgarten angesehen. Seitdem ihm die Korkenzieherweide fehlt, muss es sich mit einem 1,6m hohen Rankobelisken begnügen. Da musste ich zur Nordgrenze auch etwas schnippeln, denn es sucht natürlich auch anderen Halt.
    Nur meine Abschnitte waren zu klein für Osterkränze. Da sind Schlingknöterich, wilder Wein & Efeuranken bei uns die bessere Wahl. Und statt Band nehme ich schwarzen Bindedraht - der formt besser und fällt wesentlich weniger auf. Auch hält er meist viel länger als die getrockneten Ranken und wird so lange weiterverwendet, bis er in winzige Teile bricht …
    Liebe Grüße
    Silke

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  4. Jetzt seh ich das erst:
    Was hast du denn da für einen "Kolibri" an der Geißblattblüte?
    Staun.

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    1. Das ist das Taubenschwänzchen, ein Schmetterling, der im Sommer aus dem Süden zuwandert.

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  5. Hallo Elke,
    gute Idee und ich finde auch die helle Schnur passt. Ich benutze bei mir oft die Halme vom Chinaschilf. Klappt auch ganz gut.
    Hast du keine Blattlausproblem mit dem Geisblatt, meines war immer schwarz vor lauter Läusen!!!
    Dir noch ein schönes WE
    Dagmar

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    1. Hallo Dagmar,
      mein Geißblatt hatte nur im ersten Jahr mal eine Blattlausinvasion, danach nie wieder. Gemacht habe ich nichts gegen die Läuse, nur abgewartet. Manchmal bekommt es im Sommer verpilze Blätter, wie ein Mehltauschaden, aber sonst ist es robust.
      VG
      Elke

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    2. Hallo Elke,
      da hast du aber Glück. Mein Geißblatt war in den ersten Jahren Lausfrei und dann ging s los. Die Blüten öffneten sich nicht mehr vor lauter Läusen egal ob mit oder ohne Lausbehandlung. Bei unserer Kirche ist ein ganzer Gang mit Geißblatt bepflanzt, da siehts genauso aus und selbst die wilde Variante in unserem Garten ist nicht lausfrei. Als nach Jahren mein Geissblatt den Winter nicht überstanden hat, habe ich auch keins mehr nachgepflanzt, sehr schade es duftet doch so gut.
      LG Dagmar

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  6. Hallo Elke! Ich könnte stundenlang lesen :) und beim Geißblatt war ich schon, aber meines quengelt leider nicht und hat auch keine so schön gedrehten Spiralen fabriziert. Schade.
    Die Idee ist trotzdem super.
    LG
    LiSa

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  7. Liebe Elke,
    Das ist ja mal eine gute Idee!!
    Zweifach schön: natürlich, optisch 100x netter als ein kunststoffummantelter
    Drahtbogen& du kannst für das gesparte Geld beim Gärtner einen kleinen Frühlingsblüher mehr mitnehmen ;-)
    Blumige Grüße von
    Vita

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  8. Eine geniale Idee, sieht klasse aus, - und eine putzige Story :-) Ich mag die gekauften Staudenhalter auch nicht. Jetzt muss ich mir nur noch ein Geißblatt zulegen... aber es gibt sicher noch andere verwertbare Gartenschlängeltriebe, die man verwenden kann?! Weinreben etc.
    Viele Frühlingsgrüße
    Doris

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  9. Die natürlichen Staudenszützen sehen toll aus! Mit Geißblatt habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht! War unten recht buschig und oben ziemlich dünn! Ich hab dann echten Wein an meine Pergola gepflanzt ... das passt jetzt perfekt und macht einen schönen Schatten!
    Viele Grüße von Margit

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  10. Die natürlichen Staudenszützen sehen toll aus! Mit Geißblatt habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht! War unten recht buschig und oben ziemlich dünn! Ich hab dann echten Wein an meine Pergola gepflanzt ... das passt jetzt perfekt und macht einen schönen Schatten!
    Viele Grüße von Margit

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  11. Unser Geißblatt wächst nicht viel, quengelt wenig und ist auch sonst recht anspruchslos.
    Einzig gegen Mehltau will es wirklich jeden Sommer behandelt werden.
    Ob es am Topf oder am Rankgitter liegt...
    Ich freue mich jedenfalls jedes Jahr über die hübschen Blütenwolken auf dem Balkon!

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  12. Hallo Elke,
    die Staudenstützen sind eine großartige Idee. Das kann ich bei mir auch gut kopieren, denn mein Geißblatt verzwirbelt sich auch und bleibt ziemlich kahl im unteren Bereich. Wie weit schneidest du es denn zurück? Kann ich da rigoros vorgehen? Fehlen mir für die Stütze nur noch die Haselstecken (soll ja das einzige sein, was im Boden nicht neu austreibt)
    VG Kathinka

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  13. Liebe Elke,
    dein Bindfaden wäre mir jetzt gar nicht aufgefallen.... Sieht auf jeden Fall viel besser aus, als die Metallgestelle. Den kleinsten Garten der Welt hast du aber mit Sicherheit nicht.....in Erlangen kenne ich viel kleinere Gästehandtücher...:-)))
    Liebe Grüße, Sigrun

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  14. Liebe Elke, das ist eine super Idee, wenn man passendes Material im Garten hat, denn bei mir scheitert es vor allem daran :(

    lg kathrin

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  15. Liebe Elke,
    oh, hätte ich diesen Post doch nur gelesen, bevor ich mein Geißblatt zurückgeschnitten habe... jetzt sind sie weg, die möglichen Stützen für andere Stauden....
    Aber wie es aussieht, wird es heuer wieder ausreichend neue prodzieren! :D

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  16. Liebe Elke,
    nun meld ich mich endlich mal wieder.
    Olles Englisch lernen - soviel bleibt liegen :-)
    Deine Naturstützen sind natürlich viel schöner
    als die ollen Mondhalter. Und du sagst es - im
    Winter sind sie häßlich und im Sommer immer
    zu wenig. Aber sie halten ganz gut was aus - bei meinen
    großen Rosenbüschen :-)
    Aber deine sind so herrlich natürlich und wirken selbst wie
    kleine Gewächse.
    Viele Grüße von Urte

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