Freitag, 17. April 2015

Anny, die Nanny

Das hier ist Anny. Obwohl sie etwas hölzern scheint, hat sie früher sehr erfolgreich im Import-Export-Gewerbe gearbeitet und eine tragende Rolle innegehabt. Eine besonders süße Last hatte sie sogar zu verantworten: Spanische Süßkartoffeln, die sie gut gehütet bis nach Deutschland auf den Wochenmarkt getragen hat.

Dann hatte ihr Leben plötzlich keinen Sinn mehr, leer und ausgebrannt stand sie plötzlich auf dem Abstellgleis. Ich habe Nanny völlig selbstlos aus der Arbeitslosigkeit gerettet und auch vor dem sicheren Tod in der Müllverbrennungsanlage. Auf dem Wochenmarkt stapeln sich nämlich immer viele Obst- und Gemüsekisten aus Sperrholz, alle mit praktischen Griffen an der Seite und noch stabil genug für eine zweite Karriere im Garten. Sie werden weggeworfen, wenn ihr Inhalt abverkauft ist.

Es gibt sicher hübschere als meine Anny (die von Elbeobst sind die dekorativsten, finde ich), aber man soll ja nicht nur aufs Aussehen achten. Außerdem hat sie bequem auf dem Fahrradgepäckträger Platz gefunden, ohne zerdrückt zu werden. Sie durfte dabei sogar als Erinnerung an alte Zeiten meine Gemüseeinkäufe tragen.

Nun hat sie einen neuen Beruf bei mir bekommen nach einer kurzen Umschulung: Anny wird zur Nanny - sie leistet ab sofort einen wertvollen Beitrag in der Kinderbetreuung und soll Jungpflanzen großziehen. Das passt gut zu ihrem Beschützerinstinkt, Talente soll man ja fördern.

Um Anny auf die neue Aufgabe vorzubereiten habe ich Folie in die Kiste getackert und mit dem Messer einige Schlitze hineingeschnitten, damit Wasser ablaufen kann. Als Substrat habe ich Erde aus den Tomatentöpfen vom letzten Jahr hineingebröselt, denn zur Anzucht darf es ruhig nährstoffarm zugehen. So musste ich auch keine neue Blumenerde kaufen.


 

Dann habe ich zunächst das Saatgut gesichtet, Metallschilder aus Katzenfutterschalen zurechtgeschnitten und mit Schlagbuchstaben malträtiert, bis druckfrisch die Beschriftung zutage trat. In Reihen habe ich Samen von Edel-Distel, Seidenpflanze, Lunaria annua, Wegwarte und Nachtviole eingesät (weil ich selbst etwas behämmert war, steht auf dem Schild nun "NACHTVIQLE").


Nun wünsche ich Anny einen guten Start in ihr neues Berufsleben und hoffe, dass sie sich gut anstellt in der Jungpflanzenanzucht. Euch wünsche ich viel Erfolg beim Aufstöbern einer Kiste auf dem Wochenmarkt!

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Weil es so gut zum Thema passt, möchte ich noch schnell das Buch vom Garten-Fräulein vorstellen: "Mein kreativer Stadtbalkon", erschienen im Verlag Edition Michael Fischer.

Es richtet sich an Balkongartenanfänger mit studentischem Stil sowie Budget und zeigt viele Selbstbautipps und Gärtnerwissen in detailverliebter Aufmachung - alles für das Leben auf dem Balkon, nebst Ausrichtung eines Mädelsabend mit Rezepten. Auch mein Lieblingsprojekt, das ich selbst schon ausprobiert habe, ist vertreten: Kartoffel im Reissack.

Kommentare:

  1. Sehr cool! Auch die Nachtviqe ;-) So entstehen neue Namen! Jetzt gehts wieder los mit garteln, das freut! Bei mir wachsen die Tomatensämlinge vor sich hin, leider dieses Jahr recht langsam, ich hoffe, sie schaffen es zur richtigen Größe....
    Frühlingsgrüße
    Elisabeth

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  2. Ich wünsche Anny eine tolle Zeit bei dir u d viel Erfolg!
    Und das Buch werde ich verschenken....
    Herzlichst
    yase

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  3. Ich hoffe, dass Anny ihre Sache gut macht!!! Ich hab das mit der Anzucht irgendwann aufgegeben, weil die Pflanzen nie so richtig wurden! Bei dem Buch muss ich gleich an die Anfänge meiner Gartenkarriere denken! Ich hatte damals aber nicht mal einen Balkon, sondern nur ein Fensterbrett und war megastolz auf mein kleines Beet! Mittlerweile habe ich meine Anbaufläche doch etwas vergrößert und gärtnere mittlerweile in zwei Gärten! So kann es gehen!
    Viele Grüße von
    Margit

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  4. Ich liebe deine Art zu schreiben und der Beitrag gefällt mir sehr. Ich habe auch so eine Anny. Allerdings in kleinerer Ausführung. Dann habe ich sie weiß lackiert und jetzt darf sie meine Wolle behüten:)
    LG und ein schönes WE
    LiSa

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  5. Liebe Elke,
    ich bin ab sofort "Anny-Fan"! Was für eine hübsche Idee!
    Deine Kreativität ist wirklich bewundernswert... alleine die Idee mit der Beschriftung - wow! :D

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  6. Ich finde Anny toll. Mal eine Frage zur Anzucht. Warum muß die Erde nährstoffarm sein?

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    1. Die Keimlinge haben am Anfang noch genug Reserven aus dem Nährstoffdepot des Samens. Durch nährstoffarme Erde werden sie zur Wurzelbildung angeregt, anstatt nur in Blattmasse zu investieren. Wenn sie bereit sind zum Pikieren kann man wieder nährstoffreiche Erde verwenden.
      VG
      Elke

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  7. in love with anny ;-)
    herzlichste grüße & wünsche an dich
    amy

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  8. Hallo Elke,
    schöne Idee wieder etwas das sowieso vernichtet wird, zu receyclen.

    Am letzten Samstag hatte ich kurze Zeit eine Zeitschrift in der Hand, ich glaube sie hieß:
    Landliebe. Da war von oder über Dich ein Artikel drin. Leider war die Zeit zu kurz ihn zu lesen. Gibt es ihn irgendwo zum nochmals nachlesen?
    LG der gartenengel

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  9. Die Anzuchtkiste schaut ja richtig hübsch aus. Ich bin selbst leider nicht so der große Bastler.

    lg kathrin

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  10. Liebe Elke,
    dein Artikel über Anny ist wirklich zu lustig! Herrlich wie charmant du immer schreibst!
    Ganz liebe Dank auch für die kleine Buchvorstellung!
    Lieber Gruß,
    Silvia

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  11. Liebe Elke,
    die Seidenpflanze habe ich dieses Jahr auch, bin gespannt, ob sie bei mir wächst. Im Botanischen Garten ums Eck stand sie und ich wollte sie auch gern haben.
    Deine Anzuchtkiste sieht sehr glücklich aus mit ihrer neuen Aufgabe! Wer möchte schon beim alten Eisen - ähm Holz - landen?
    Viele Grüße von Renate

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  12. Hmmh, Ich habe es mit Katzenfutterdosen versucht das war ein Flop, aber mit Schälchen, das ist ja noch mal eine Idee....

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  13. Hmmh, Ich habe es mit Katzenfutterdosen versucht das war ein Flop, aber mit Schälchen, das ist ja noch mal eine Idee....

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  14. Einfach herrlich, deine Arbeitslosenvermittlungsagentur :-)))))

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  15. Hier mußte ich doch auch noch vorbeischauen. Diese Kästen mag ich auch gern. Habe auch mal einen besonders schönen bekommen. Nur leider ergab sich noch keine Gelegenheit, ihn zu verwenden, er steht nach wie vor im Keller herum. ;-)

    http://mein-waldgarten.blogspot.de/2015/06/einen-schonen-fang-gemacht.html

    Diese Punzierbuchstaben sind ja auch mal eine Idee - andererseits habe ich nichts, was ich mit Buchstaben versehen könnte ;-) Aber wenn mir solche Eisen auf dem Flohmarkt günstig über den Weg liefen, würde ich nicht Nein sagen.

    Liebe Grüße
    Sara

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