Samstag, 9. Mai 2015

Zwielichtige Verwandtschaft

Es gibt kaum eine Pflanzenfamilie, bei der Tod und Verderben so nah bei kulinarischen Genüssen liegen wie bei den Nachtschattengewächsen. Andere Sippschaften sind da durchaus handzahmer mit ihren Früchten. Nehmen wir nur die Rosengewächse (und hier darf man durchaus mal Äpfeln mit Birnen vergleichen), denn da fällt auf, dass sie uns insgesamt deutlich wohlgesonnener zu sein scheinen in unseren Breiten: Von der Erdbeere über den Speierling bis zu jeder beliebigen Hagebutte haut uns so schnell nichts um. Der Kirschlorbeer ist eine der wenigen Arten, die uns nach dem Leben trachten mit ihren Beeren. Der kommt aber auch aus Asien.

Mit den europäischen Nachtschatten aber ist nicht gut Kirschen essen, haben wir doch einige der giftigsten Vertreter unter ihnen, zum Beispiel die Tollkirsche, die Alraune und die Bilsenkräuter. Alles zwielichtige Gesellen der heimischen Flora.

Am versöhnlichsten sind die Solanaceen offenbar in Mittel- und Südamerika, wo eine erkleckliche Anzahl Arten die Menschen nicht nur nicht vergiften will, sondern sogar noch nahrhaft und schmackhaft ist. Kartoffeln, Tomaten und Paprika sind prominente Beispiele.

Ein anderes Nachtschattengewächs, das so unbekannt wie ungiftig ist, ist die Tomatillo (Physalis philadelphica, Syn.: Physalis ixocarpa), ebenfalls eine Art der neuen Welt. Sie errötet nicht, was sie ungenießbar erscheinen lässt in ihrer aufgeblähten Hülle, dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil der Salsa verde, der sie ganz allein die grüne Farbe verleiht.


Ich habe mich dieses Jahr zum ersten Mal an ihr versucht und bin begeistert. Von den leidigen Tomatenkrankheiten will sie nichts wissen, sie keimt leicht und wächst rasch. Man kann sie im März ähnlich vorziehen wie Tomaten, sollte aber mehrere Pflanzen kultivieren, da sie sich nicht selbst bestäuben kann.

Es handelt sich um ein Gewächs, das auf Konventionen pfeift. Blätter müssen symmetrisch sein? Nicht bei Tomatillos - die leisten sich lieber extravagant schiefes Laub.


Die großen gelben Blüten sind ebenfalls eine echte Show. Nach geglückter Befruchtung wachsen die grünen Lampions heran, die überaus kleidsam sind. Platzt irgendwann de papierartige Hülle auf, ist die Tomatillo-Frucht reif und essbar.


Es erscheinen so viele Früchte, dass die Pflanze gut gestützt werden muss. Überhaupt ist sie bei ruppiger Behandlung nicht so geduldig wie Tomatenpflanzen, die ruhig einmal umgeweht und verletzt werden können und trotzdem weiterwachsen. Die Tomatillo aber ist da schnell geknickt und erholt sich nicht mehr. Also aufpassen vor Windböen.


Hat man diese Blasenkirschenart einmal angezogen, kann man aus den Früchten gleich wieder neue Samen sammeln für das nächste Jahr.

Meine Pflanze ist übrigens deshalb jetzt schon so stattlich, weil ich im Dezember beim Aufschneiden einer überlagerten Frucht schon fertige Keimlinge im Innern gefunden habe - die greift offenbar zum Äußersten, um sich zu vermehren, und ist lebend-gebärend! Auch wieder so eine unkonventionelle Eigenschaft. Also konnte ich schon vor Weihnachten mit der Anzucht beginnnen. Der Tomatillo hat es augenscheinlich überhaupt nicht geschadet.

Wer einen wunderschönen, essbaren Nachtschatten ohne Zicken sucht, der sollte es einmal mit dieser Physalis versuchen!

Kommentare:

  1. ...apropos Nachtschattengewächse:
    Vor ein paar Tagen verschenkte ich eine Tomatenpflanze.
    Daraufhin bedankte sich der Beschenkte, und sagte, er stelle sie nun an einen schönen schattigen Platz, weil es ja ein Nachtschattengewächs ist, dass nur bei Nacht und Schatten wächst.
    Ohne Kommentar.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. deadly nightshade. Now I'm wondering why it has that name?!

      Löschen
  2. Hallo Elke!
    Ein sehr interessantes Früchtchen stellst du uns da wieder vor. Da werde ich wohl noch nachgooglen müssen....und meine Willhabenliste wird länger und länger und länger :)
    GlG
    LiSa

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Elke,
    diese Verwandtschaftsverhältnisse haben mich immer schon fasziniert. Bella donna, die uns schöne Augen macht und Tomaten, die uns angeblich nicht altern lassen :)!!!
    Auf ein wundervolles Gartenjahr - und: Ich weiß, dass ich mit den Pflanzen in meinem Garten eine ganze Kompanie vergiften könnte ... uuups!
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  4. Wie immer : herrlich, amüsant, lehrreich und einfach wunderbar....
    Auch auf die Gefahr hin, dich zu langweilen: ich liebe deine Postings
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  5. Diese Physalis habe ich noch nie gesehen. Jetzt mußte ich erstmal nachschlagen, was Salsa verde eigentlich ist. Grüne Soße, wie die Frankfurter also ... wahrscheinlich auf exotisch? Ich kenne nur die Physalis-Beeren, die man kaufen kann, als essbar. Die Früchte der Lampionblumen im Garten sind es wohl nicht? Und bei mir wächst Physalis nicandra, die Blaublühende, Giftige ...
    Danke auch für Deinen Kommentar - den ich dort noch beantwortet habe. Was das Rasenmähen betrifft, da liegst Du sicher richtig. ;-) ;o) Zu Garten"arbeit" muß man auch Lust und Liebe haben, aber wenn man sie unter Zeitdruck und Stress erledigen MUSS, ist das nochmal ein anderes Ding. Und die schweren Arbeiten darf ich seit einer OP leider nicht mehr tun. Deshalb wird's auch keinen Kompost bei uns geben, was sich zwar zunächst nicht nach schwerer Arbeit anhört, aber schon allein diese großen Taschen mit Häckselgut müssen ja transportiert werden, Eimer o.ä. geschleppt oder zumindest auf die Schubkarre gehievt ... und dann ist es eben bei uns ein Zeitfaktor. Wenn man fast nur außer Haus ist, wird die restliche Zeit schon für Haushalt und andere Dinge gebraucht, dann will man sich eigentlich nur ncoh erholen - im Garten .... doch der ruft .... nach "Arbeit" .... aber vielleicht in ein paar Jahren - wer weiß das schon ....

    Liebe Grüße und noch einen schönen sonnigen Sonntag
    Sara



    AntwortenLöschen
  6. Hallo Elke, das ist aber eine interessante Pflanze.
    Ich kannte bisher nur Tomaten und die süßen, gelben Physalis, die man auch im Supermarkt bekommt. Diese hier klingt sehr interessant. Ich muss allerdings gestehen, beim aufziehen von Jungpflänzchen bin ich ein wenig stiefmütterlich und vergesse schon mal das gießen und dann war die ganze Arbeit umsonst...
    (Manchmal schenkt mir eine nette Freundin ein paar überzählige Phylsalis- oder Tomatenpflänzchen, die ich dann dankbar annehme)
    Bei uns waren in diesem Jahr auch die eigentlich sonst allerfrühsten wie die Rugosas oder meine geliebte Frühlingsduft auch ein wenig verschlafen.
    Englisch Rosen habe ich garkeine in meinem Garten, aber die Gertrude Jekyll muss auch eine tolle Rose sein!
    Viel Spass noch im Garten wünscht Dir
    Christine aus dem Hexenrosengarten

    AntwortenLöschen
  7. Zierwert hat sie ja dieses feinblütige Nachtschattengewächs, aber....schmeckt sie auch? Ich hatte schon etliche Physalis ausprobiert, die alle sehr wüchsig waren, aber geschmacklich sich mir nicht erschließen wollten. Bisher bin ich immer irritiert gewesen über gleichzeitig nach Stachelbeeren und Tomaten Früchte.
    LG
    Sisah

    AntwortenLöschen
  8. Das ist ja interessant, eine Tomatillo habe ich bislang noch nicht versucht. Bei mir im Garten wächst zurzeit eine Lampionblume, die aus derselben Familie stammen müsste, aber nicht essbar ist.

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Elke,
    deine Beschreibungen sind wieder köstlich!
    Auch wenn du über so viel Giftiges geschrieben hast :-)
    Das Pflänzchen gefällt mir und ich bin gespannt,
    wie sie sich bei dir so macht!
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir die Urte :-)

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...