Sonntag, 21. Juni 2015

Fette Hennen und kluge Kohlmeisen

Fette Hennen sind fabelhafte Pflanzen, auch wenn man sich den Großteil des Sommers mit ihren Blättern begnügen muss, bevor im September das Blütenspektakel losgeht.

Aber die Show will schließlich gut vorbereitet werden - und was wäre ein Spätsommergarten ohne ihre lilarosa Blütenteller?

Die Pflanze sieht auch vorher durchaus attraktiv aus, wenn man die Farbe Grün mag. Ihre kuppelförmigen Horste bringen Struktur und Ruhe ins Staudenbeet - und natürlich ein gerüttelt Maß an Vorfreude auf das große Blühen.


In letzter Zeit allerdings werde ich ab Mitte Mai immer ein bisschen unruhig und schaue mit weniger Wohlwollen auf meine Mädels. Sie kriegen zwar nicht die Motten, brüten aber etwas anderes aus: Minierende Schwebfliegen machen sich in immer größerer Zahl an den fetten Blättern zu schaffen. Zwischen Blattober- und -unterseite ist ja auch ordentlich Platz, da lässt es sich gut leben und speisen - das Laub wird allerdings durch die Völlerei etwas unansehnlich.


Die Schwebfliege, die sich an meinem Sedum zu schaffen macht, ist keine geringere als Cheilosia semifasciata - eine Art, die sich aufgrund der wenigen Wildvorkommen von Fetten Hennen schon ganz verdutzt auf der Roten Liste wiederfand.

Dieser fragwürdige Titel wird ihr aber wohl wieder aberkannt werden, denn durch die üppigen Gartenvorkommen ihrer Futterpflanzen muss sie keinen Hunger mehr leiden - viele Fette Hennen, viele fette Fliegen.

Mein Garten jedenfalls scheint eine komfortable Arche dieser Art zu sein. Erst habe ich mich ein bisschen über die verunstalteten Stauden geärgert, aber dieses Jahr war ich gar nicht mehr böse um die Blattaushöhler. Ich habe Hilfe bekommen von meinen Nistkastenbewohnern, den Kohlmeisen.


Der Herr Papa der hungrigen Brut hat nämlich in Eigenarbeit herausgefunden, dass jede vertrocknete Stelle in meinem Sedum eine kleine Imbissbude darstellt. Wenn man die minierten Stellen mit dem Schnabel ein wenig bearbeitet und den Briefumschlag aus Laub öffnet, kommt einem eine leckere weiße Made entgegen - die der einer blattlausfressenden Schwebfliege nicht unähnlich sieht.

Ist der Trick erst einmal gelernt, wird die Fette Henne regelmäßig nach wenig flüchtiger Babynahrung abgegrast.

Nicht nur meine Brutvögel sind darauf gekommen, sondern auch ein anderes Paar, das mit seinen flüggen Jungvögeln im Garten gastierte. Die Fotos sind nur Belege und durch die Scheibe aufgenommen, denn sonst hätte ich den Trick nicht dokumentieren können.




Seitdem ich weiß, dass die Meisen die Maden mögen, sehe ich großzügig über meine ramponierten Fetten Hennen hinweg. Die Feinarbeit am Ende übernehmen sowieso die Schnirkelschnecken, die kosmetisch eingreifen und die vertrockneten Stellen mit nahezu chirurgischer Präzision entfernen.



Und wer wird denn da auch so pingelig sein - blühen tut das Sedum schließlich jedes Jahr trotzdem!

Kommentare:

  1. Was es alles gibt :) und lernfähig sind sie, die Kohlmeisen!
    Danke für den Bericht und die Fotos....
    Herzlichst
    yase

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  2. Lach, jaja, im Briefumschlag ist eine Made drin....*kicher*
    tolle Fotoserie! Du sag mal, was ist das für ein tolles Röslein im Gegenlicht?
    LG Carmen

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    1. Hallo Carmen,
      die Rose ist Kordes' Rose Moonlight. Dieses Jahr blüht sie besonders schön. Sie ist nicht ganz gefüllt, so dass die Bienen noch was davon haben.
      VG
      Elke

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  3. Sehr schön erwischt!
    Auch meine Helfere sind die Meisen und die vielen anderen Vögel im Garten. So habe ich keine Blattlausplage oder Raupen....Im Gegenteil sie schauen in jeden Winkel, ob sie noch etwas finden.
    Und dafür bekommen sie eben im Winter im Silo ihr Futter und im Frühling schöne Nisthäuser. Grüße von Frauke

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  4. Nun gut, bei mir machen sich die lieben Piepmätze auch über die Kirschen her, dafür habe ich sonst keine Plagen... .wer will da also pingelig sein!
    Liebe Grüße
    Trudi

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  5. Hallo Elke, wie interessant in jeglicher Hinsicht. Und tolle anschauliche Bilder. Danke fürs Zeigen!
    Viele Sonntagsgartengrüße
    Doris

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  6. Haa, da ist mir Carmen mit ihrer Frage zuvor gekommen :-)
    Na - nun weiß ich wie die Rose heißt und das Bild ist zum Träumen schön!
    Und was man alles beobachten kann! Zum Glück haben deine Meisen
    eine so coole Imbissbude :-))
    Ganz viele gemütliche Sonntagsgrüße
    sendet dir die Urte :-)

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  7. Hallo Elke, wiedereinmal wunderbar geschrieben und mit Fotos dokumentiert,
    wie die gefiederten Gartenfreunde uns bei der Gartenarbeit beistehen ;-)
    Danke fürs teilen...hat mich sehr gefreut diesen Post zu lesen.
    Wünsch dir eine schöne Gartenzeit.
    Liebe Grüße
    Mecki

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  8. Herrlich, dass du die Meisen bei ihrem Imbiss beobachten konntest. Ich rätsele immer noch, wer bei mir jedes Jahr um diese Zeit die Fetten Hennen verunstaltet. Das sind keine weißen, sondern ganz grüne Raupen. Sie lassen sich allerdings leicht abschütteln und sind nicht so kompliziert verpackt.
    Liebe Grüße
    Sigrun

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  9. Guten Morgen Elke!
    Was es nicht alles gibt !? ...da muss ich doch meine fetten Hennen mal genauer inspizizieren.
    Toll ist aber, wie schnell die Federbällchen das bemerkt und sich zu Nutzen gemacht haben.
    Ein herrlicher Post wie immer.
    GlG
    LiSa

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  10. Ach,ist das toll!! Für die Meisen! Hier ist auch viel Sedum,eine Arche also.
    Super lustig geschrieben! Briefumschlag,lol
    Meisen lernen ja auch ,Milch-und Sahneflaschen auf zu machen,da gibt es doch diese lustige Testreihe in England.LGKat

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  11. Jetzt weiß ich endlich, was meine fetten Hennen haben. Leider haben wir keine Meisen im Garten (oder zumindest nicht zahlreich genug - vielleicht wegen der vielen Katzen?). Ich denke nochmal über Nistkästen und Winterfutter nach!

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  12. Hallo Elke,
    ich mag die fleißigen Meislein auch so gerne in meinem Garten!
    Die Fette Henne hat in unserem Garten noch einen weiteren "Feind" - unsere süßen Kaninchen. Diese Pflanze scheint überaus lecker zu schmecken....
    Rosige Grüße von Christine

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  13. Oh da muß ich mal schauen, das ist mir bei meiner noch nicht aufgefallen. Aber sie blüht sehr spät, da im Schatten der Terrasse .... hatte allerdings einen Ableger von ihr an einen sonnigeren Platz gepflanzt. Wenn der Regen vorbei ist, werde ich mal nachsehen und ggfs. darüber berichten.

    Liebe Grüße
    Sara

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  14. Von den großen Fetten Hennen habe ich auch einige im Garten. Die sind wirklich schön. Muss mal schauen, ob meine auch von Schwebfliegen heimgesucht werden.

    LG kathrin

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  15. Endlich weiss ich, wie die Made heisst. Bis vor ein paar Jahren gab es die nämlich bei mir nicht (wahrscheinlich, weil fast ausgestorben?). Dann fiel mir plötzlich der rasche Verfall der Pflanzen auf und ich tippte erst Mal auf Pilz. Meine Hennen waren aber auch gänzlich entblättert worden. Nur noch an den Spitzen waren 3-4 Blätter verblieben und dann die Blüte. Die Maden hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon in die Büsche geschlagen und gaben sich bedeckt.
    Dieses Jahr bin ich dem Bösewicht auf die Schliche gekommen und habe die kleinen Maden gefunden - aber nicht einmal der Gärtner wusste hier Bescheid. Da ich leider zwei Katzen habe, klappt das auch mit dem Meisen-Imbiss nicht (ausser für die Katzen). Was kann man den gegen die Schwebfliege machen? Weiss das vielleicht jemand?
    Vielen Dank jedenfalls für die Info.

    LG ninifee

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    1. Die meisten Fetten Hennen kommen wohl ohne Hilfe klar, denn die Maden fressen nur die untersten Blätter. Ein Absammeln der Blätter mit Fraßschaden sollte zumindest fürs nächste Jahr helfen.
      VG
      Elke

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  16. Das ist ja interessant. Na ja, wir haben Unmengen an Schwebfliegen, aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung ob die an meinen Massen von Sedum sitzen oder nicht *lach*. Sie müssen ja auch überleben und ich bin da sehr nachsichtig - bei 1800qm bleibt mir da aber auch oft nichts anderes übrig. Ich kann ja auch nicht überall sein. Heute lag ein 60cm langes Schlingnatterweibchen mitten auf dem Weg vor mir - genau in der Ecke, in welcher die Wühlmäuse schlimm gewütet haben über den Winter ! Wie praktisch, oder ? :-) Ich freu mich darüber, denn ich habe ja sonst keine Waffe gegen die Nager und dazu fressen die Schlingnattern wohl gerade auch die vielen Nacktschnecken, denn seltsamerweise sehe ich keine mehr von ihnen. Immer noch besser als jede Menge Schneckenkorn zu verstreuen. Deine Meisen haben so ja auch schön was zu fressen und müssen nicht verhungern - bei mir werden die Bänderschnecken von den Amseln auf unseren vielen Mauern geknackt... Das sieht immer ziemlich rabiat aus... Leben und leben lassen - oder wie war das ? Wieder mal sehr schöne Bilder von dir - Ganz liebe Grüße aus dem Waldhaus,
    Christine

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    1. Oh, Schlingnatter im Garten, wow! Ein Reptil hatte ich leider noch gar nicht, das exotischste Tier war ein Wendehals auf der Durchreise.
      VG
      Elke

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