Samstag, 18. Juli 2015

Sommer im Null-Euro-Beet

Die Osterweiterung des Null-Euro-Beetes hatte ich mir doch anders vorgestellt. Ich wollte so gern an den Erfolg vom letzten Jahr mit meterhohen Cosmeen, Dahlien und Gladiolen anknüpfen. Da der Boden aber auf dem neuen Teil schon im Herbst tief umgegraben wurde, haben Partycrasher einfach das ganze neue Beet annektiert - wie es sich für den Osten des Areals gehört stilecht in kommunistischem Rot. Der Mohn ist aufgegangen! Klatschmohn keimte dort schon lange vor dem ersten Frost, überwinterte als kleine Pflanze und legte mit diesem Vorsprung dann so richtig los.


Unter den riesenhaften Wolken aus wogenden roten Blüten mussten sich die Cosmeen ducken und bekamen nicht so viel Licht wie ihnen gut tun würde. Dazu kam noch eine fiese Dürre, die wir im Mai und Juni hatten. Soviel konnte ich gar nicht gießen, um diese Misere auszugleichen.

Weil Mohn aber nur auf gestörtem Boden keimt und danach jahrezehntelang auf genau wieder so ein Ereignis warten muss, habe ich ihm das Schauspiel natürlich von Herzen gegönnt. Pflanze ich nämlich noch mehr Stauden und kann das Beet nicht mehr gründlich durchwalken, wird er nicht wieder auftauchen.

Da müssen die Cosmeen nun also mit leben. Für die Samengewinnung reichen hoffentlich auch die Mini-Pflänzchen, die ihre winzigen Blüten schüchtern aus dem munteren Mohnmeer hinausstrecken.

Auch die beim Zaunbau-Massaker verloren geglaubte Stauden-Wicke, die letztes Jahr so nett die alte Begrenzung berankt hatte, ist glücklicherweise noch unter den Lebenden. Sie hat sich irgendwie aus den Erdmassen befreit und blüht nun in schönem Pink. Zur Strafe für das dominante Mohnopol hat sie sich einfach die Samenkapseln gegriffen und hält sich nun eben am Papaver fest.




Unter den Zuschauern ist der schon im letzten Jahr gepflanzte Oregano (Origanum vulgare). Er blüht in Weiß und Rosa - die reinste Blütenwolke und ein Fest für Insekten.


Fingerhut und Feinstrahl (Erigeron annuus) haben sich von irgendwo her eingefunden. Phacelia hat sich durch Selbstaussaat erhalten und blüht schöner als die neu ausgebrachten Pflanzen im erweiterten Teil. Zusammen mit der Spornblume ein extravagantes Bild.


Das Weiß der neu aufgetauchten Margeriten wird nun von den Schafgarben abgelöst, die zu meiner großen Freude überdauert haben und sich gern mit Käfern schmücken.

Das Pastellgelb der Nachtkerzen ist auch wieder mit von der Partie.

Nun ist der Mohn fast verblüht und wartet auf Nachfolger. Die Gladiolen werden schon irgendwie durchkommen - mit ihren schwertförmigen Blättern können sie sich sicher eine Schneise schlagen. Es gibt bereits erste hoffnungsvolle Blütenansätze, auch bei den Dahlien - rechts Marokkanisches Leinkraut.

Obwohl er meine Beetideen also gründlich torpediert hat, war ich stolz, dem Mohn Platz für sein kurzes Gastspiel gegeben zu haben. Vielleicht sehen wir uns ja nie wieder an der selben Stelle, wer weiß?

Kommentare:

  1. Ach ja, die Natur hat ihren eigenen Kopf, und das ist auch gut so ;-) Schön, dass der knallrote Mohn sich so beeindruckend entfalten konnte. Und nun verstehe ich auch, warum es auf dem heißen Südhof bei uns vielleicht mal irgendwann klappen kann, ich mich aber offensichtlich noch gedulden muss ;-)

    Bei den Bildern der Nachtkerze hatte ich zunächst gehofft, dass Du den gelben Mitreisenden zeigst, der plötzlich in diesem Jahr in einem Deiner Töpfe auftauchte. Nun habe ich immer noch keine Idee, was das für ein Sämling sein kann, der vor einigen Tagen 1x blühe. Die Blüte sah dem Islandmohn ähnlich, auch die Höhe passt - nur der Unterbau hat mehrere keine Blättchen. Und da ich zur Zeit mit dem Posten mächtig hinterherhinke, hoffe ich, dass die Beschreibung reicht, um mir einen Tipp zu geben …
    LG Silke

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  2. Ich grinse, das Mohnopol der kommunistischen Beetübernahme....
    Hmm, ich dachte, ich habe Nachtkerzen gepflanzt... Nun bin ich gar nicht sicher.
    Und bevor ich es vergesse: möchtest du für dein Null-Euro-Beet Sämchen von violettem Leinkraut?
    Herzlichst
    yase

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  3. Liebe Elke,
    toll, dass du ihm so ein Schauspiel gegönnt hast :-)
    Herrlich so ein Überraschungsbeet!
    Ich wünsch dir einen schönen Sommer!
    Ganz viele liebe sonnige Grüße
    sendet dir die Urte :-)

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  4. Hallo Elke,
    was man so in einem Null Euro Beet alles an tollen Pflanzen findet. Ich hätte ja auch gerne Mohn in unserer Wiese, leider ist sie zu "fett" und feucht. Dafür habe ich aber im Frühjahr große Mengen an Wiesenschaumkraut, auch schön nur leiser.
    LG Dagmar

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  5. Hallo Elke!
    Wirklich gut, dass du den Mohn hast stehen lassen.Die Bilder sind traumhauft!
    Oreganum vulgaris wächst in unserem Garten von Natur aus und kann in Massen, auch ganz schon lästig werden obwohl er für die Bienen ein Leckerbissen ist :)
    GlG
    Sabine

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  6. "Mohnopol" ich lach mich kaputt :D Deine Schreibe ist einfach einzigartig! Schönes Thema und ja, die Insekten brauchen solche Oasen, mehr denn je, besonders in der Stadt. Deswegen lasse ich jetzt auch manche Kräuter einfach blühen, wie den Basilikum, was auf Kosten der Blattgröße geht, aber wenn man sieht, wie diese winzigen Blüten mit Vorliebe von allerlei (Wild)bienen, Wespen und Hummeln bestürmt werden, wird einem weich ums Herz. Das Marokkanische Leinkraut hat sich bei uns plötzlich erstmals eingefunden und man freut sich über Neuzuzügler! Ohne Überraschungen keine Freude im Garten, oder?!

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  7. Es ist wirklich spannend, was alles in Deinem 0-EUR-Beet alles wächst! Der Mohn ist auf jeden Fall ein toller Blickfang. Jetzt sieht man in zum Glück wieder öfter! Eine Zeit lang war er komplett aus den Feldern verschwunden!
    Viele Grüße von Margit

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  8. Nein, normalerweise sieht man sich nicht wieder an der selben Stelle. Ich säe ihn aus. Den gleichen hab ich bei meiner Freundin geerntet. Auf ins nächste Jahr!

    Sigrun

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  9. Hallo Elke,
    der Mohn ist einfach klasse!
    Die einjährigen Erigeron haben sich in einer meiner Pflanzungen ausgebreitet und sehen wirklich zauberhaft aus. Manchmal ist der Zufall ein super Co-Planer :-)
    Die Insekten haben sicher Ihre Freude bei Dir im Garten!
    Bei mir blüht schon der Berglauch und Allium carinatum natürlich auch. Von letzterem werde ich noch viel, viel, sehr viel mehr im Garten ansiedeln. Die Hummeln lieben ihn auch sehr und sie müssen irgendwo im Garten ein Nest haben, so viele Hummeln sind es dieses Jahr.
    Viele Grüße von Renate

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  10. Eine super Bienenweide hast du dir da gezaubert.
    Vor unserem Haus wurde auf der anderen Straßenseite auch eine riesige Blumenwiese als Feldfrucht angelegt. Dort wurde der Mohn von der reich blühenden Phacelia unterdrückt. Jetzt ist die Phacelia verblüht und der Mohn kommt doch noch, zusammen mit Sonnenblumen und viel Schafgarbe. Sehr spannend fand ich Buchweizen und Knöterich. Jetzt bin ich gespannt, was ich noch alles finde. Das schönste ist, dass mir der Bauer erlaubt hat, so viele Sträuße zu pflücken, wie ich will.
    Liebe Grüße,
    Anette

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  11. Hallo Elke, da hast du ja ein kleines Blütenparadies geschaffen.
    Sieht alles so schön aus und die Bienen und Hummeln fühlen sich auch bei dir wohl.
    Tolle Eindrücke.
    Liebe Grüße Matilda

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  12. Hallo Elke,
    ich höre zum ersten Mal, daß Mohn nur auf gestörtem Boden keimt. Jetzt weiß ich auch, warum ich keinen Erfolg habe, ihn auf einer langweiligen Ausgleichsfläche anzusiedeln. Umgraben werde ich dort allerdings nicht...
    LG Kathinka

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  13. My poppies haven't got to Klatschen yet, just the leaves ...

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  14. also, fuer so ein mohnbeet wuerde ich auch mal auf alle anderen verzichten:) das sieht einfach nur schoen aus mit den superroten, aber sonst so zarten blueten! bei mir ist in diesem jahr auch voellig ueberraschend ein lila gefuellter (ich glaube, es ist ein schlafmohn, ahem:) wieder aufgetaucht, der seit jahren nicht mehr da war. bis mir einfiel, dass wir an der stelle den kompost ausgebracht hatten! da werde ich nun ein auge drauf haben, dass ich gezielt ein paar samen abstauben kann! leider hat sich bei meiner waldziest aussaat rein garnix gezeigt, aber ich lasse den topf mal noch ueberwintern, vielleicht tut sich ja doch noch was.... die hoffnung stirbt zuletzt und bei gaertnern sowieso:) vielleicht haette ich ihn doch gleich aussaeen sollen?

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  15. Wahnsinnsbilder von dem roten Mohn, liebe Elke! Gut zu wissen, daß mein Boden "gestört" ist *lach* ... aber hier auf dem Dorf blüht sehr viel Mohn, das waren früher Weiden und Felder ... mit viel Kornblumen und eben Mohn, alles was früher an Feldern noch blühen durfte.

    Meine Cosmeen sind auch kaum gekommen, es war einfach viel zu trocken. So viel konnten wir gar nicht künstlich bewässern. Nun muß ich mich eben mit den zwei, drei Cosmeen begnüten. Was solls. Jedes Jahr was anderes ...

    Die Feinstrahlaster hat sich bei mir auch von selbst eingestellt, ich hatte sie aber früher auch schon.

    Wow und bei Dir blühen die Schafgarben schon?! Bei uns ist da noch gar nichts zu sehen in diesem Jahr, vermutlich auch, weil es viel zu trocken war. Selbst der Lavendel verdorrte teilweise, trotz des täglichen Gießens.
    Und selbst heute, da Unwetter angesagt wurde, gab es nur minimale Schauer, die rasch wieder verpufften, so daß ich trotz alledem noch mit dem Schlauch sprengen mußte. ;-)

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

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  16. Hallo Elke,
    dein Null-Euro-Beet fasziniert mich! Und obwohl rot in in unserem Garten sonst kaum zu finden ist, finde ich so ein Mohnfeld wunderschön!
    Bevor wir begannen unseren Vorgarten anzulegen, hatten wir doch auch eine richtige Mohnschwemme! Auch an den neuen Böschungen unserer Umgehungsstraße hat er sich ausgebreitet und mir in diesem Sommer Freude bereitet!
    Viel Spass noch mit deinem Beet!
    Rosige Grüße von Christine
    PS: An meiner Rose de Resht wird fast permanent ein wenig herumgeschnipselt. Daher hat sich kaum eine Null-Blüten Phase. Jetzt habe ich aber für den Rosen-Likör ein wenig geräubert...meine Kräuterbeet-Rose gibt einfach noch nicht genug dafür her.

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