Dienstag, 15. September 2015

Doping für Pflanzen?

Ein Kollege fragte mich mal, wie Zimmerpflanzen es denn bloß Jahrzehnte im selben Topf aushalten würden ohne eine Sinnkrise zu kriegen, während wir Menschen manchmal schon nach Stunden im selben Zimmer einen Tapetenwechsel brauchen. Die Pflanzen bekommen meist nur Gießwasser, ansonsten gar nichts - noch nicht mal eine andere Aussicht. Ich habe ihm geantwortet, dass ich es auch nicht erklären kann. Die gebeutelten Topfinsassen verlieren vielleicht Blätter und wachsen kaum noch, aber sie sterben einfach nicht - moderates Gießen vorausgesetzt. Wie machen sie das nur? Ob sie die sich langsam in Wohlgefallen auflösende Erde noch gewinnbringend einsetzen oder aus der Zersetzung von Kleinstlebewesen - und sei es im Staub - Nutzen ziehen? Man weiß es nicht.

Hier ein Topf vollgepropft mit Aloe, die fast 20 Jahre so wächst - das ganz Elend wird normalerweise gut unter einem schmucken Übertopf verborgen. Der Ton ist mittlerweile durch den Andrang der Wurzeln geborsten und wird nur noch durch selbige zusammengehalten, trotzdem sind die Pflanzen grün:

Viele Menschen sind ja sogar der Meinung, dass Umtopfen und Dünger in etwa so zu bewerten sind wie EPO oder Steroide, also kaum im Bereich des Legalen sein dürften. Ich kenne sogar Leute, die ihre durchaus winterharten Neuerwerbungen, unter anderem Clematis oder Hibiscus, vorsorglich mit Plastiktopf in den Garten pflanzen, damit nur ja nicht gewuchert wird. Sowas verstößt meiner Meinung nach eindeutig gegen die Genfer Konventionen. Oder so.

Und wenn ich auch nicht weiß, warum lieblos gehaltene Zimmerpflanzen scheinbar das ewige Leben haben, so habe ich doch schon oft beobachtet, was passiert, wenn man Topfpflanzen Dünger oder mehr Platz anbietet. Meine Zamioculcas im Badezimmer hat das Umtopfen binnen kürzester Zeit mit der sagenhaften Zahl von 4 (in Worten: vier) neuen Blättern belohnt, obwohl sie vorher für nur eins ein ganzes Jahr gebraucht hat. Bei so einem deutlichen Effekt topft man den grünen Mitbewohner doch gleich viel lieber um.

An meinen letztes Jahr ausgesäten Rosen sieht man die Wirkung von neuer Erde und einem größeren Topf noch deutlicher. Das Ausgangsmaterial waren Hagebutten der Rose 'Hedi Grimm', die mir Silke von "Wildwuchs unter Aufsicht" geschickt hat. Die Samen keimten problemlos und die kleinen Röschen sehen verdammt edel aus, ganz die Mama eben. Von Wildrosen-Eindruck keine Spur.
 
Da ich aber keinen Platz für viele geräumige Töpfe hatte, habe ich geschludert und nur das größte Exemplar noch größer werden lassen, ein Nachzügler durfte später gnädigerweise auch noch in ein geräumigeres Gefäß umziehen. Das Ergebnis zeigt den Größenunterschied deutlich:


Die Orgelpfeifen sind alle gleich alt, ihre Größe passt sich einfach dem Topf an. Ohne mehr Erde weniger Wurzeln und weniger Wachstum. Die armen kleinen wachsen zwar nicht mehr, aber sterben auch nicht. Sie vegetieren vor sich hin.

Da ich bei solchen Bildern aber gleich ein richtig schlechtes Gewissen bekomme, werde ich auch die kümmerlichen Rosen noch im Herbst ins Null-Euro-Beet setzen. Ohne Topf versteht sich - auf ein langes Leben!

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    nach meiner langen Pause möchte ich mich nun endlich auch wieder einmal bei Dir melden. Ach, ich habe Deine schönen Posts mit den humorvollen Texten richtig vermisst.

    Manchmal habe ich mich auch schon gefragt, wie Pflanzen das über Jahre in solch einem Topf aushalten. Da ich in meiner Wohnung ja nur die schmalen Fensterbretter habe, bekommen zwar meine Pflanzen immer mal neue Erde, aber fast nie einen größeren Topf, weil sie dann dort nämlich keinen Platz mehr hätten. Und selbst das wirkt Wunder. Dann ab und an ein bisschen Dünger und dann halten sie wieder ein Jahr durch.

    Was mich sehr überrascht hat, dass man aus Hagebutten wirklich Rosen ziehen kann. Das hätte ich echt nicht gedacht.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Nicht schlagen!!
    Hiermit gelobe ich feierlich, per sofort meine Topfpflanzen artgerecht zu halten, sie zu giessen und nach bestem Wissen und Gewissen zu pflegen!
    .... Nicht dass das UNHCR plötzlich auf der Matte steht
    Herzlichst
    yase

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  3. Irgendwie ko,isch, aber ich mag Zimmerpflanzen nicht, die sich nie verändern, ich habe vielleicht ein Trauma wegen dem Bogenhanf, den meine Mutter in meinem Zimmer geparkt hatte, damals in meinen Jugendjahren. Ich hatte ihn nie gegossen (geb ich ehrlich zu) und trotzdem starb er nicht, er blieb wie er war, füllte den Topf so extrem aus, dass keine Spinne mehr reingepasst hätte und gab nie auf. Naja, seither hab ich nie einen gehabt und weigere mich :-) bis zum heutigen Tag, zum Glück kann der Mensch auch ohne leben ;-)
    Deine süßen kleinblättrigen Rosen werden sich draußen sicher sehr wohl fühlen. Rosen gehören einfach unter die Sonne, oder?!

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  4. Ja, und da kommen wir zum nächsten Problem:
    Wohin soll ich nun die Aloe, die im Sommer umgetopft draußen stand,
    stellen, wenn es nun wieder kalt wird? Sie hat sich in alle Richtungen prächtig entwickelt.
    Nun passt sie auf kein Fensterbrett mehr.
    Der Wohnzimmertisch wäre gerade passend,
    wäre dann aber nicht mehr nutzbar.
    Was nun?

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  5. Achja, die lieben Zimmerpflanzen.. ich habe meiner Grünlilie mal Dünger gegeben. Danach sind sie explodiert :) Meine Schwester war dann zu Besuch und sagte lachend, meine Pflanzen würden ihr Angst machen :D
    Viele Grüße
    Tatjana

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  6. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Pflanzen, die man am wenigsten beachtet, am besten gedeihen!
    Viele Grüße von Margit

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  7. Hallo Elke,
    was so ein größerer Topf so alles bewirkt, habe ich auch schon festgestellt. Aber es gibt ja auch Ausnahmen. Das eher hässliche Blümlein, was so gar nicht eingehen will obwohl man sich so bemüht ....... ! :)
    LG Dagmar

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  8. I'm not enamoured of pot plants, but we found 3 roses here. Was going to dump them as the sandy soil doesn't suit. But, I fed and watered and pruned gently - and how they grow! At least 2 of them. The standard is still thinking.

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  9. Es lebe das Umtopfen... seufz... nicht gerade meine Lieblingsarbeit. Daher habe ich auch nicht allzuviele Töpfe... ehm, trotzdem zu viele, meint mein Männe. Ja, ich hätte da schon noch den einen oder anderen Kandidaten, der sich wohl mal über frische Erde und grösseren Topf freuen würde... aber wer hat behauptet, das Leben sei ein Ponyhof?! Aber ein schlechtes Gewissen hab ich nun tatsächlich auch, wo ich Deine Bilder gesehen habe *seufz*.
    Hab ein schönes Wochenende.
    En liebe Gruess
    Alex

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  10. Liebe Elke,
    da bekomme ich ein richtig schlechtes Gewissen, was die artgerechte Haltung meiner Topfpflanzen angeht :-(
    Sehr interessant, dass schon die kleinen Sämlinge so auf die unterschiedlich großen Töpfe reagiert haben, das hätte ich so nicht erwartet. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg beim "auswildern" der Kleinen. Da bin ich im nächsten Jahr auf neue Berichte von deinem Beet gespannt.
    Rosige Gartengrüße von Christine

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