Donnerstag, 24. Dezember 2015

Grüne Schokolade und fliegende Fische

Neulich habe ich Schokolade für Gärtner gegessen, die war so richtig was für den grünen Gaumen. Nein, nicht was ihr denkt - sie war nicht etwa mit allerhand Gartenkräutern angereichert oder mit Rosenblättern belegt wie eine Hochzeitstorte. Sie war nämlich leibhaftig grün, außen wie innen.

Glaubt ihr nicht? Hier ist sie, kurz vor dem Vernaschtwerden:


Wie das schmeckt? Ich sag es frank und frei von der Leber weg: Merkwürdig. Man müsste Schokoladensommelier sein, um den Geschmack zu beschreiben. Im ersten Moment schmeckt es wie weiße Schokolade, bevor ein penetranter Eindruck von grünem Tee sich breitmacht - und der bleibt.

Wieso das süße Ding diese plakative Farbe hat und nach grünem Tee schmeckt, könnte daran liegen, dass es grünen Tee enthält (zumindest hoffe ich, dass die Färbung nur daher kommt). Süßkram also, der gleichzeitig glücklich und wach macht, das klingt gut, solange man den Tee mag. Diese Gärtnerschokolade lässt uns Mitteleuropäer nicht gerade grün vor Neid werden, sonst gäbe es sie längst auch hier zu kaufen. Gibt es aber nicht. Um in den Genuss dieses Angriffs auf den guten Geschmack zu kommen, muss man schon nach Japan reisen. Oder reisen lassen, wie in meinem Fall.


Eine Idee, die uns die Japaner aber erfolgreich vermittelt haben (mal abgesehen vom Atomausstieg), ist Sushi. Das ist reinste Kunst auf dem Teller und zum Glück auch nur mit Gemüse zu haben.

In unserer Kantine gibt es manchmal Sushi, komplett mit Sojasoßenfischchen, die ich mal wie verrückt gesammelt habe. Wozu wusste ich lange Zeit nicht, bis mir mal wieder das Treibholz vom holländischen Strand in die Hände fiel, samt aufgewickelter Angelschnur mit Originalhaken dran. Letzteres hatte ich eigentlich nur aufgesammelt, damit sich kein Seevogel darin verheddert:


Mit diesen Zutaten lässt sich ein waschechtes maritimes Mobile fertigen! Was man dazu noch braucht, sind eine Schere, eine Kerze und eine Stecknadel.


Erst einmal habe ich die Schraubverschlüsse vom Fischkopf abgeschnitten. Dann bei Kerzenschein die Stecknadel erhitzt und Löcher in die Flossen geschmolzen. Da die Angelschnur so hart ist, kann man sie ohne Nähnadel durch die Löcher stecken und verknoten. Die unteren Fische hängen an den vom Meer professionell angerosteten Angelhaken, nennen wir es mal Edelrost. Das ist etwas mühsamer beim Einfädeln wegen der fiesen Widerhaken - man möchte ab sofort bitte nicht als Fisch wiedergeboren werden.


Die einzelnen Stränge werden am Ende an das Treibholz geknotet.


Fertig sind die fliegenden Fische aus Upcycling-Material und Treibgut - jetzt habe ich mir aber noch ein Stück Gärtnerschokolade verdient!

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Trotz dieses wirklich bemerkenswert unweihnachtlichen Artikels (das Bloggen hab ich echt drauf)  wünsche ich euch Frohe Festtage! 

Samstag, 19. Dezember 2015

Ideen aus dem Hortus insectorum

Nützlinge im Garten zu fördern klingt ziemlich nach Eigennutz, denn die kleinen Krabbler, die wir damit unterstützen, sollen gefälligst unsere Rosen von der Blattlausbelagerung befreien oder den Frostspannern einen wirklich frostigen Empfang bereiten. Doch das ist nur vordergründig so, denn der ganze Lebensraum Garten profitiert von einer großen Vielfalt an Leben und überrascht mit immer neuen kleinen Nutznießern unserer Bemühungen - wie diese mehltaufressenden Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer, die es in meinem Garten etwas zu bunt trieben:

Und wer mag sie nicht, die hübschen Marienkäfer und die adretten Schwebfliegen mit ihren Kunstflugmanövern? Das hier ist meine bescheidene Hütte für Ohrenkneifer, wo sie so richtig auf's Horn genommen werden - eine Wellhornschnecke von der Nordsee mit Moosfüllung:


Einer, der einen Großteil seines riesigen Außenbereichs den Insekten gewidmet hat, ist Markus Gastl, bekannt geworden durch seinen Hortus insectorum - ein wirklich außergewöhnlicher Garten, den man auch besichtigen kann.

Im Ulmer-Verlag ist nun das Ideenbuch Nützlingshotels von Markus Gastl erschienen, das nach einer kurzen Einführung in die Thematik und einer Vorstellungsrunde der Nützlinge Anleitungen für Behausungen und Pflanzenzusammenstellungen gibt.



Die Kapitel zeigen schöne Fotos unter anderem aus dem Hortus insectorum, die Anleitungen selbst sind durch Zeichnungen bebildert. Auf der Homepage des Autors sind einige dieser Illustrationen zu sehen.

Von einfach bis kompliziert ist alles dabei, auch an jede Gartengröße wurde gedacht. Die in Markus Gastls Gartens so präsenten Steinpyramiden und die Etagenwohnung aus Paletten brauchen schon mehr Platz, während die Schubkarre und die Zinkwanne für Falter und Schwebfliegen auch auf dem Balkon stehen könnten. Bei den Staudenkombis wird also auf die Pflanzung in Gefäßen zurückgegriffen, da sonst nicht gebastelt und Dinge recycelt werden könnten. So werden auch Menschen ohne Garten Ideen in dem Buch finden.

Den Eichhörnchenkobel habe ich schon versucht nachzubauen, aber weniger professionell aus Clematis-Ranken, so dass er eher für leichte Zaunkönige zum Übernachten taugt:


Markus Gastl hat in seinem Garten einige dieser Projekte umgesetzt und weiß, dass sie funktionieren. Für manche Ideen hätte ich mir aber Belege zum Erfolg der Idee gewünscht, also Fotos mit Tieren. Ob die aus Filzwolle gestrickte Wollmütze als Meisennisthilfe funktioniert oder eher von den Vögeln zerrupft wird, um an Polstermaterial für ihr Nest zu kommen?



Auch beim Fledermauskasten bin ich mir nicht sicher, ob die innen liegenden Querstreben nicht zur Verstopfung durch Kot führen können. Andere Anleitungen verzichten auf Hindernisse im Inneren des Kastens.
 
Der naturinteressierte Gartenbesitzer wird aber viele Ideen aufgreifen können, die den Artenreichtum fördern. Wenn das schön bebilderte Buch dazu beitragen kann, dass Steine künftig nicht mehr ganze Vorgärten unter sich begraben, sondern in sinnvollen Anordnungen als Mauern oder Pyramiden und vielleicht sogar kombiniert mit Sand oder Totholz Tiere anlocken, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

Samstag, 12. Dezember 2015

R.I.P., Tom Bohnen

Vor kurzem verstarb völlig unerwartet "Tom Bohnen". Sein Alter kann nur geschätzt werden, das hat er nie so richtig preisgegeben, da war er eitel. Ich kannte ihn neun Jahre lang, also wird er mindestens zehn Jahre alt gewesen sein. Meine Zeit mit ihm war geprägt durch sein leises, unaufdringliches Wesen. Er war kein Säufer und hat sich nie in den Vordergrund gespielt. Er wurde in aller Stille in der Kompostieranlage Gütersloh beigesetzt. Tom Bohnen war kein geringerer als mein treuer alter Kaffeestrauch, den ich 2006 im Palmengarten Frankfurt geschenkt bekam.

Er hatte diese rätselhafte Krankheit, bei der von heute auf morgen plötzlich alle Blätter herabhängen und mit oder ohne Wasser nichts mehr werden. Das war's dann. Das Laub fällt auch nicht etwa herbstlich ab, es bleibt einfach als Mahnmal hängen und sieht schlimm aus. Vermutlich hat er sich einen Wurzelpilz zugezogen durch so manche zu großzügige Wassergabe. Ich bin untröstlich und noch dazu selber schuld. Das wird bei seinem inzwischen vierjährigen Nachkommen hoffentlich nicht passieren, der auch schon nicht mehr ganz grün hinter den Ohren ist, seine Rinde zumindest sieht schon ehrwürdig gealtert aus:

Toms letzte Beeren konnte ich natürlich nicht wegwerfen und habe die Kaffeebohnen ausgesät.



In einem kleinen Zimmergewächshaus auf der sonnigen Sommerfensterbank im Wohnzimmer ging das Keimen für Kaffeeverhältnisse in atemberaubender Geschwindigkeit vonstatten: Kaum wartete man vier Wochen, waren die Sämlinge auch schon da.
Und nun stehe ich da mit der großen Kinderschar. Ich kann sie jetzt nicht einfach in verantwortunglose Hände abgeben, dazu sind sie zu wertvoll. Und gute Kaffeetanten sind schwer zu finden. Also habe ich erst einmal umgetopft, kommt Zeit, kommt Besitzer.

Soll es ein Geschenk werden, lassen sich gerade bei Nutzpflanzen sinngemäße Behältnisse finden. Eine selbgstgezogene Zitrone in eine Zitruspresse zu pflanzen oder eine Chili in einen Feuerlöscher wird vielleicht etwas schwierig, aber gerade beim Kaffee klappt das hervorragend. Hier sind gebrauchte Papp-Kaffeebecher ganz witzig. Eigentlich versuche ich die Einwegbehälter zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, aber manchmal werde ich auch schwach. Auf diesem steht drauf, was drin ist: 100% arabica. Stimmt, so heißt er, der Kaffee: Coffea arabica, habe die Ehre.


Auch diese Probedöschen, die einmal geröstete und damit zuverlässig abgetötete Kaffeebohnen enthielten, sind eine nette Ummantelung für kleine Keimlinge, die den Besitzer wechseln sollen - nach dem Motto Phönix aus der Asche:



Als Geburtstagsgeschenk habe ich einen Porzellan-Kaffeefilter bepflanzt, denn er hat unten praktische Ablauflöcher. Eine Untertasse dazu und nichts kann mehr auslaufen. Auch ein Übergießen ist bei dieser Variante eher unwahrscheinlich, da dies schnell in einer Überschwemmung endet:


Ein Kaffeekind werde ich aber behalten, als Erinnerung an Tom Bohnen und weil man nie weiß, wann sie welken...

Sonntag, 6. Dezember 2015

Wer nicht fragt...

Wer nicht fragt, bleibt dumm. Stimmt. Und wer nicht fragt, bleibt auch pflanzenlos. Wenn man sich überwinden kann, den Mund aufzumachen, bekommt man das Kompostmaterial anderer Leute ganz schnell in die Hand gedrückt. Nur keine falsche Scham - die meisten Gartenmenschen sind froh, übrige Pflanzen in gute Hände abzugeben.

Die Frage geht natürlich leichter von den Lippen, wenn man den Garten länger kennt und am besten schon ein paar Mal mit den Besitzern geplaudert hat. Ich zum Beispiel liebe es, bei sonnigem Wetter dem Besuchergarten in einer Schrebergartenkolonie einen Besuch abzustatten, entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Gartentor ist immer geöffnet.




Hier kann man sich tolle Anregungen holen, die älteste Gartenlaube Bielefelds namens Dora bewundern und sich mit den Fröschen messen: Wer hat die schnellere Reaktionszeit: Frosch oder Fotograf?

Am Gartenzaun steht sogar der einzige stadtbekannte Bienenbaum Bielefelds, zumindest ist es der einzige, den ich noch kenne, nachdem das Exemplar im botanischen Garten dem Erdboden gleichgemacht wurde:


Mittlerweile kennen auch die Schrebergärtner die Kamerafrau schon, die immer den Amphibien und Insekten auflauert.

Im Sommer konnte ich hier ausgiebig das Paarungsverhalten der Wollbienen am Herzgespann (Leonurus cardiaca) und am Heilziest (Bild) ablichten. Die Gelassenheit in diesem Garten färbte auch auf die gestreiften Brummer ab und ich durfte sie in eindeutiger Lage fotografieren.


Im Herbst aber lag das arme Herzgespann zu oberst auf einem Haufen alter Maisstrünke. Das Ende war nah für diese fantastische Staude. Zum Glück waren die Herren des Besuchergartens gerade auch nah und ich konnte sie fragen, ob sie mir das Herzgespann überlassen würden. Bei solchen Gelegenheiten kann ich immer ganz schlecht den Mund halten. Und das hat sich gelohnt: Ich durfte es mitnehmen, vorher haben wir noch über den besten Zeitpunkt zum Dahlienroden geredet.


Nun ist die Pflanze im Null-Euro-Beet zuhause, nachdem ich ihr vorher mit chirurgischer Präzision noch den Springklee aus den Wurzeln operiert hatte. Ihre Nahtoderfahrung und den Transport hat sie gut überstanden und ist sogar schon ein bisschen gewachsen. Die Blütenstände habe ich abgeschnitten und in Erde gesteckt. Es sieht so aus, als würden selbst die noch anwachsen.

Pflanzengeschenke mit Geschichte(n) sind doch in jedem Fall besser als gekaufte!

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Die Gewinnerin der Verlosung des Buches "Mein Herbarium" ist Frauke! Herzlichen Glückwunsch!

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