Samstag, 20. Februar 2016

Unkraut mit Talent

Sie kommen ungefragt, aber manchmal gerade recht: Unkräuter mit einem Hang zur Gartengestaltung, die zielsicher eine Lücke im Beet finden, in die sie sich quetschen können, und dann auch noch aussehen, als wäre das geplant gewesen. Sowas ist toll und wird vor Publikum gerne als grüner Daumen und als natürlich gewollt von unserer Seite verkauft - wer könnte als Außenstehender schon zweifelsfrei Zufall von Planung unterscheiden?

Und falls die von vielen Menschen Unkraut genannten Blümchen von Hause aus nicht gut genug aussehen und keinen Schönheitswettbewerb gewinnen könnten, hat hoffentlich ein findiger Gärtner adrette Sorten entdeckt, die über jeden Zweifel erhaben sind.

Hier meine absoluten Lieblingsunkräuter, die einem nicht den letzten Nerv rauben und die ein oder andere Schokoladenseite zeigen:

  • Auf Platz eins das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), das zu dieser Jahreszeit im Austrieb begriffen ist und mit seinen glänzenden Blättern die Herrschaft im Beet anstrebt. Man wird es nie wieder los und kann bis zur Selbstaufgabe an ihm herumjäten. Dabei blüht es so schön gelb und verschwindet im Mai sowieso wieder unter der Erde, ab dann lässt es anderen den Vortritt. Schmetterlinge und die ersten Wildbienen der noch jungen Gartensaison lieben die Blüten. Über jeden Zweifel erhaben ist die Sorte 'Brazen Hussy', die mit ihren dunklen Blättern statt Mordgelüsten eher Heißhunger auf Schokolade weckt. Die Blüten sind immer noch gelb, was spektakulär zum Laub aussieht.

  • Auch sehr schön ist der Feinstrahl (Erigeron annuus). Einst als Zierpflanze aus Nordamerika eingeführt wurde er bald zum Unkraut degradiert, da er sich in alle Beete schummelte. Die einjährige Art macht sich im Garten aber dünn und kann mit ihren monatelang erscheinenden weißen oder rosafarbenen Blüten mit gelbem Zentrum federleichte Akzente setzen. Im Herbst färben sich auch noch die Blätter bunt. Insekten lieben die Pflanze sehr, vor allem kleine Wildbienen. Kümmern muss man sich um den Feinstrahl nicht, er sät sich auf offenem Boden selbst aus und eignet sich zum Blackbox-Gardening.
  • Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) hat ein ähnliches Schicksal wie das Scharbockskraut: Eigentlich ein ausläufertreibendes Unwesen auch in schattigeren Bereichen, wird er mit gefärbtem Laub zur begehrten Handelsware. Die Sorte 'Atropurpurea' mit violettem Laub ist die häufigste, 'Black Scallop' ist fast schwarz, 'Burgundy Glow' geht ins Pinkfarbene. 'Pink Lightning' hat rosa Blüten und weißbunte Blätter. Der Günsel sollte öfter als Bodendecker für den halbschattigen Gehölzrand gepflanzt werden, sehr zur Freude von Hummeln und Schmetterlingen.

  • Eine weitere Pflanze, die sich spontan an der Gartengestaltung beteiligt, ist das Schöllkraut (Chelidonium majus). Es blüht ewig in gelb und gibt einen orangen Milchsaft ab, wenn es geknickt ist. Flecken auf der Haut bleiben lange erhalten und erinnern uns an die Begegnung. Dafür ist es aber auch leicht gejätet und treibt an dem Platz auch nicht mehr aus. Ich lasse immer ein bisschen Schöllkraut-Wildwuchs für die Hummeln stehen. Die Sorte 'Pleniflorus' hat gefüllte Blüten, die die Insekten aber nicht komplett verprellen.

Was sind eure Lieblingsunkräuter?

Kommentare:

  1. mein lieblingsunkraut ist der giersch! seine frühen blätter sind mein erster salat, er bedeckt und füllt alle ecken mit seinem schönen laub und blüht allerliebst. dicht gefolgt vom himalaya-springkraut. kanadische goldrute. sehr hübsch auch der gute heinrich.
    der orange saft des schöllkrautes - wächst auch an allen ecken des bahnwärterhauses - soll gegen warzen helfen!
    auch wild eingewandert vom nahen wald in unseren garten, aber prima als gewollt zu verkaufen, sind der wunderschöne waldgeissbart und herrliche farne :-)
    und alles ist so wunderbar pflegeleicht - hihi!
    xxxxxx

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  2. Deine "Wilden" sind der Hit und den Begriff Unkraut finde ich schon lange doof, auch wenn es echt lästige Vertreter gibt.
    Bei uns wächst der Giersch unter den Hecken, da darf er bleiben, doch ich passe auf, dass er nicht in die Beete kriecht, die unreifen Samenstände entferne ich. Im Frühling kommt er in den salat und der panaschierte Giersch wächst dekorativ im Kübel.
    Vom Scharbockskraut gibt es ein Exemplar, dass sich jedoch nicht ausbreitet. Der Standort, wo es auftauchte, ist dafür eigentlich völlig ungeeignet. Günsel, schokoladenfarben und rosa-weiß panaschiert gibt es bei mir auch. Das Schöllkraut wollte ich ansiedeln, leider keimten die Samen nicht. Wo gibt es denn das gefüllte Schöllkraut zu erwerben???
    Wiesenkerbel (oder etwas Ähnliches) lasse ich in den Staudenbeeten stehen, ich mag die weißen Dolden.
    Nur Vogelmiere, die mag ich gar nicht und sie schmeckt mir auch nicht, das jäten finde ich lästig, hält sie sich doch immer sehr am Boden fest. Allerdings wirkt eine Creme aus Vogelmiere und Ringelblume wunderbar bei sonnengeröteter Haut, ich habe es selbst ausprobiert.
    Löwenzahn finde ich auch doof. Eigentlich nur wegen der quitschgelben Farbe, zu einer Zeit, wo der Garten in rosa-violett-weiß erblüht. Löwenzahn in rosa - das wäre eher etwas für mich.

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    1. Das gefüllte Schöllkraut hat Gaissmayer offenbar aus dem Programm genommen, aber vielleicht haben es noch andere im Sortiment?

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  3. Ich mag Unkräuter und bezeichne sie immer als "Wildkräuter". Sie wachsen ohne Einladung und erfreuen mich dennoch. Scharbockskraut macht sich auch in meinem Garten breit. Die jungen Blättchen schmecken in meinem Wildkräuter-Salat sehr gut. Ebenso gerne mag ich Löwenzahn. Auch den wird man nie wieder los. Ich verwende die jungen Blätter und Blüten gerne in der Küche.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  4. Da setze ich noch die Knoblauchsrauke dazu. Einmal aus dem Wald geholt, tobt sie durch den Garten. Aber sie lässt sich gut für die Nachblüte runterschneiden, rauszupfen und tauchte trotzdem schon recht früh im Nachbargarten auf. Das 'Beet der vergessenen Gemüse' hatte sie einige Jahre total vereinahmt, und nun teilen Wolfsmilch & Knoblauchsrauke die Fläche unter sich auf.
    Übrigens hast Du den Waldmeister vergessen! Wenn der Boden gut gemulcht und nicht zu trocken ist, bekommt frau aus einem kleinen netten Kräutertopf zum Ernten für die Bowle etc. bald einen schicken 'Rollrasen' anstelle der geplanten Beete ;-)
    VG Silke

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  5. Mein Lieblingskraut ist der Gundermann, der mit etwas Zitrone die leckerste Brause ergibt. Und im März belegen natürlich Knoblauchrauke und Giersch für Kräuterquark den ersten Platz. Im Sommer dann Brennnessel und Schachtelhalm für Jauchen...
    So richtig nerven tun mich nur Kriechender Hahnenfuß, Minze und indisches Springkraut.

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  6. Ich mag das Scharbockskraut! Mit Günsel habe ich mich angefreundet, weil ich ihn auch nicht mehr los werde ;)
    Herzlichst
    yase

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  7. Es gibt wirklich "Un"kräuter, mit denen ich auf Kriegsfuss stehe! Dazu zählt der Sauerklee und das Hexenkraut!!!! Da krieg ich wirklich die Krise!!!!
    Viele Grüße von
    Margit

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  8. Hallo Elke!

    Also mein Lieblingsunkraut ist das gelbe Pfennigkraut (Lysimachia nummularia). Das mag ich wirklich gern. Mich mag ganz besonders die hübsche lila Gundelrebe (Glechoma). Da sie sich aber richtig hoch reckt, lange ich da doch dann und wann kräftig rein, damit niedrig bleibende "Schätzchen" nicht untergehen.

    Übrigens sage ich nach wie vor Unkraut. Bisher hat es keins der so genannten Geschöpfe so verdrossen, dass es sich auf und davon gemacht hätte.

    Beste Grüße
    Xenia

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  9. Den Günsel finde ich auch toll, vielleicht weil er die erste Pflanze war, die ich alleine bestimmt habe (hatte ein sehr kompliziertes Bestimmungsbuch fürs Studium, mit dem ich einfach nicht klar kam) und weil ich Lippenblüter eh sehr mag. Komischerweise wächst der bei uns nur in den Ritzen zwischen den Platten auf der Terrasse, im Garten gar nicht.
    Was sich bei uns ungefragt angesiedelt hat, sind Erdbeeren. Leider zu schattig und zu viele Vögel, als dass was dabei rumkommt. Der Echte Lein ist auch jedes Jahr wieder ein gern gesehener Gast. Aber mir fällt grade auf, dass ich die Wilde Möhre und die Pimpinelle schon länger nicht mehr gesehen habe. Hmmm.

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  10. Ich mag auch die ganz niedrige lilablühende Taubnessel, die sich immer gerne versamt. Daran sitzen die erstenBienen und Hummeln.
    Auch Gundermann blüht sehr schön und den halte ich im zaun. Schön sind auch die Wiesenakklei, die Frühlingsmargritte und natürlich Schöllkraut, Gänseblümchen und Löwenzahn. Auch mag ich das gelblühenden niedrige Waldsspringkraut. Es kam mit Brennholz zu uns! auf keinen fall das Indische lilafarbende Springkraut.
    Grüße von Frauke

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  11. the bietou bush. I have volunteers coming up in the garden, so I know they are truly happy with sandy soil, summer wind. Planted two along the pavement. Now looking for homes for the next volunteers. There will be yellow daisies, and edible black berries (on a daisy bush ;~)

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  12. Feinstrahl gehört zu den Unkräutern? Und ich habe es angepflanzt, ich finde es nämlich sehr schön. Auf Unkraut wäre ich nie gekommen.
    Auch Günsel gehört absolut nicht dazu. Unter den Büschen als blühender Bodendecker, für mich nie im Leben Unkraut.
    Aber Giersch, den alle Leute in die Salatschüssel schnippeln, der ist für mich die Pest im Garten.
    Herzliche Grüße,
    Anette

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  13. Guten Morgen Elke,
    bei der Spontanvegetation ;-) kann ich mich mit Giersch absolut nicht anfreunden - auch wenn es dafür so tolle Wildkräuterrezepte gibt, kommt er bei mir in die Tonne. Den dunkellaubigen Günsel mag ich als Frühjahrsblüher so gern und Erigon als Staude ist ein absoluter Dauerblüher. Auch als Einjährige trifft man sie hier in der Gegend oft an.
    LG Marita

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  14. Danke, jetzt weiß ich endlich wie das Kraut heißt, dass ich schon in meiner Kindheit für eine Unkrautaster hielt!
    Schöllkraut übrigens kultiviere ich und kann es vielseitig verwenden.

    Sigrun

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  15. schoellkraut mag ich auch, und knoblauchsrauke (lecker)... giersch dagegen... jemand, der giersch mag, sollte mal in meinen garten kommen - ich koennte armeen damit fuettern, das zeug werd ich einfach nie los. und kaum dreht man sich um - ist er schon wieder im beet, wo er nicht hin soll. dito fuer hahnenfuss. nur noch zu toppen von der elenden zaunwinde, die wir gluecklicherweise aber nicht im garten haben - bisher! aber ich gebe zu, dass die alle eigentlich ganz huebsch aussehen, zumal in bluete - nur ist einfach zuviel davon da:)

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  16. Liebe Elke,
    toll unsere (Un)kräuter!
    Und wenn man so bedenkt was sie manchmal
    auch medizinisch so alles drauf haben,
    sollt man ihnen ruhig ein paar Ecken im Garten
    gönnen :-)
    Ganz liebe gemütliche Sonntagsgrüße
    sendet dir Urte

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  17. Auf jeden Fall Wiesenschaumkraut. Ja nach Saison habe ich einen ganzen Gartenteil im Frühjahr zart lilafarben.
    Scharbockskraut habe ich seit Jahren auch an einer einzigen Stelle bisher hat es sich aber nicht vermehrt.
    LG Dagmar.

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  18. Den Begriff Wildkraut finde ich doch für einige Unkräuter fast treffender. Vor allem für die, die auch noch in der Küche oder Medizin verwendet werden können. Unser feuchter Hang ist voll mit Scharbockskraut, mit dem ich Frieden schließen musste, nachdem man es sowieso nicht los wird. Günsel habe ich mir am Anfang als Staude in den Garten gepflanzt. Er ist leicht zu bändigen, da er nicht tief wurzelt. Manchmal muss der Rasenmäher um meine Wiesenunkräuter einen Bogen machen, wie bei Wiesenschaumkraut oder bei den kleinen blauen Blüten vom Ehrenpreis.
    LG Sigrun

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  19. Also mit dem Scharbockskraut, da kann ich auch mithalten. Das kommt an jeder Ecke und irgendwie überall. Ein weiteres habe ich aber noch, welches sich wirklich nicht nur im Garten ausgebreitet hat sondern auch noch jeden Topf überlebt, selbst diejenigen, welche im Winter eingeräumt werden und wochenlang kein Tröpfchen Wasser abkriegen. Es ist der Horn-Sauerklee.
    Liebe Grüsse und hab einen guten Wochenstart.
    Ida

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  20. Hallo Elke,
    ich musste grad schmunzeln - denn Erigeron hat sich in einen Kundengarten eingeschlichen und als ich dort war hat es mir zwar sehr gut gefallen, aber ich konnte mich beim besten Willen nicht erinnern, so ein Kraut gepflanzt zu haben... Es stellte sich bei genauerer Betrachtung als Erigeron annuus heraus. Seitdem versuchen wir es dort anzusiedeln und schon mag es nicht mehr :-)
    Viele Grüße von Renate

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  21. Liebe Elke, ein wundervoller Post. Mit dem Scharbockskraut habe ich auch schon meine leidige Erfahrung gemacht. In der Wiese kann es wachsen wie es will, aber in den Beeten mag ich es nicht haben.

    Freut mich, dass Dir die Buchvorstellung gefällt.

    lg kathrin

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  22. Kriechender Hahnenfuss, Fünffingerkraut, Quecke und Schnurgras sind die meistgehassten. Und eben Scharbockskraut. Auch wenns verpönt ist, ich bleibe beim altmodischen Unkraut. Wild- oder Beikraut will mir einfach nicht über die Lippen...
    Lg Carmen

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  23. Ich liebe die Knoblauchsrauke und verwende die auch gerne in der Küche. Aber über Scharbockskraut freue ich mich auch immer, vor allem weil es so fröhlich gelb blüht
    LG Gesche

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  24. Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Pfeilkresse (Cardaria draba, syn. Lepidium d.), Knoblauchrauke wurde schon genannt, und Gundelrebe (Glechoma hederifolium). Die von Dir genannten auch.

    Gelten wegwarte, königskerze, und natternkopf eigentlich als unkraut?

    lg, Brigitte

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