Samstag, 30. Juli 2016

Die Sterne vom Boden aufheben

Ich habe mir die Sterne nicht vom Himmel geholt, das ist mir zu anstrengend. Stattdessen habe ich sie aus dem Dreck gezogen, gut abgeklopft und eingepflanzt. Das war ganz einfach und hat nicht nur mich glücklich gemacht, sondern auch die Sterne. Wie das kam? Als ich neulich mal wieder den Radweg quer über den Friedhof genommen habe, um zu schauen, wie es den Turmfalkenbabies an der Kapelle geht, sah ich aus dem Augenwinkel etwas Seltsames aus einem der Grünabfallbehälter lugen. Ich wollte eigenlich nur gucken, was das für komische Blüten waren, dann aber sah ich, dass das Ausnahmegrünzeug sogar inklusive Wurzelballen erhältlich war.



Da musste ich natürlich zugreifen. Mit diesen kostenlosen, aber kostbaren Findelkindern aus dem Müll kann man ja nichts falsch machen. Wenn sie sich nicht retten lassen wollen und sofort eingehen, hat man nichts verloren, und sollten sie sich dankbar zeigen und noch lange und glücklich leben, ist man umso stolzer. So einem Gewächs kann man ruhig die teuerste torffreie Blumenerde spendieren, die es gibt, schließlich war der Anschaffungspreis der Pflanze schon konkurrenzlos. 

Zuhause musste ich aber erst einmal nachschlagen, was das für ein Gras mit weißen Blüten ist, damit ich die Erstversorgung auch fachgerecht vornehmen konnte. Und siehe da: Ich hatte die Prominenz aus dem Müll gefischt, ein echtes Aschenputtel mit Star-Qualitäten. Es handelt sich um nichts geringeres als ein Stern-Sumpfgras (Rhynchospora colorata), auch Sternentänzer genannt.

Und der Name ist ganz passend, denn die weißgefärbten Hochblätter täuschen eine große, sternförmige Blüte vor und tanzen auf langen, grazilen Halmen. Ohne diesen Trick kommen die meisten Gräser ja eher unverblümt daher. Insektenbesuch soll also von den unscheinbaren eigentlichen Blüten überzeugt werden, und tatsächlich werden sie dank der großen Show mit den erbleichten Hochblättern von Schwebfliegen besucht.


Das Sternchen ist wohnhaft im Süden der USA, wo es 'white star sedge' genannt wird. Es kommt von Süd-Texas über Alabama bis Florida vor, liebt nasse Füße, treibt Ausläufer und ist eigentlich eine Staude. Eigentlich, denn man kann sich leicht vorstellen, dass starke Fröste in seinem Verbreitungsgebiet so selten sind wie bei uns Alligatoren. Das nördlichste Vorkommen liegt in Virginia.

Also kann es gut sein, dass die Pflanze vor lauter Starallüren unsere Winter nicht allzu gut wegstecken wird und schon bei leichten Minusgraden 'Sweet Home Alabama' vor sich hinsummt, bevor sie endgültig Sterne sehen wird. Daher sollte die Anwesenheit dieser extravaganten Diva voll ausgekostet werden. Ich habe dem Fred Astaire unter den Gräsern also den allerschönsten Topf spendiert und kann mich gar nicht sattsehen an ihm.


Was eine kleine Radtour doch alles für Blüten treiben kann!

Kommentare:

  1. Wow, Elke-was für eine Sternenschönheit und wie klasse wieder vorgestellt. Ich hatte heute Morgen auch richtiges Glück, auf der Hunderunde bin ich an einer Wegwarte vorbeigekommen, die mir ein paar abgerissene Blüten vor die Füße und dann in die Teekanne geworfen hat.
    Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Jo

    AntwortenLöschen
  2. Extrem beruhigend, dass es auch andere "Verrückte" gibt, die den Grünmüll auf dem Friedhof durchsuchen😀.
    Im Frühjahr kann man dort massenhaft abgeblühte Zwiebelblumen retten.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jaaa, die Zwiebelblumen rette ich auch immer. Da habe ich das ganze Null-Euro-Beet mir ausgestattet!

      Löschen
  3. Toll, was Du alles aus irgendwelchen Abfallbehältern fischt! Von diesem Sternsumpfgras habe ich noch nie gehört!!! Ist aber wirklich eine Schönheit!
    Viele Grüße von
    Margit

    AntwortenLöschen
  4. wunderhübsches, kapriziöses pflänzchen! du hast ja das pflanzen-adlerauge!
    vll. lässt sich die südstaatenschönheit ja im haus überwintern?? schönen sonntag im garten! xxxxx

    AntwortenLöschen
  5. Wunderschön. Das wäre doch was für den Macromonday. Lust dabei sein ?

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Elke,

    das ist ja wirklich eine wahre Südstaatenschönheit, die Du da errettet hast. Sie macht sich richtig gut im Topf und belohnt Dich bestimmt für ihre Errettung in dem sie Dir noch viele Sterne schenkt - bis der Nachtfrost Euch scheidet.

    Viele Grüße aus dem Wendland
    Silke

    AntwortenLöschen
  7. Genial!! Viel Freude damit und ein schönes Wochenende :-)

    AntwortenLöschen
  8. Oh ja ! Grüße von der Grüngutstelle. Man muss nur wissen, was und wo. LG Gitta

    AntwortenLöschen
  9. LiebeElke,
    ichfinde es ganz toll, dass Du diesem Sternentänzer eine Chance zum Leben gegeben hast. Und wie es aussieht, hat er die ergriffen! Wunderbar!
    Im Winter würde ich den Topf ins Haus holen - hell und kühl? Vielleicht googelst Du noch einmal und hast dann letztendlich jahrelang Freude an diesen grazilen Blüten!
    Alles Liebe
    Heidi

    AntwortenLöschen
  10. Hallo Elke!
    Was für eine wunderschöne Pflanze.
    Solche Kostbarkeiten hab ich beim Radeln noch nie gefunden.
    LG
    Sabine

    AntwortenLöschen
  11. wie schön der name und die blume natürlich ! in einer meiner bücher les fleurs sauvages delachaux et niestlé
    steht dass rhynchospora alba bis 800 m höhe wächst / GB F G S
    es könnte also gut überwintern ? jedenfalls in der natur * vivace * marais * prés tourbeux * sol acide ...
    lieber gruss zum sonntag !

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Rhynchospora alba ist eine andere Art und verträgt mehr Frost. Rhynchospora colorata ist mimosiger, aber auch hübscher. Irgendwas ist ja immer. ;-)

      Löschen
  12. Wunderschöne Sterne, liebe Elke :-)
    Schönen Sonntag für dich
    Von der Urte

    AntwortenLöschen
  13. Hallo Elke,
    ich glaube wir fahren immer auf der falschen Strecke. Konnte bisher noch nie "Ableger" entdecken. Ein interessantes Gras mit außergewöhnlichen "Blüten". Meiner Heuchera aus dem Friedhofkompost gehts allerdings hervoragend in meinem Beet. :)
    LG Dagmar

    AntwortenLöschen
  14. Liebe Elke, dieses Gras ist wirklich extravagant. Mir würde dieses Gras auch sehr gut gefallen, aber wenn es den Winter nicht aushält, dann ist es wohl nichts für meine Breitengrade.

    LG kathrin

    AntwortenLöschen
  15. Sternentänzer ist ein sehr hübscher Name für diese Rhynchospora - Schönheit!
    Ich habe sie ein paar Jahre geschützt über den Winter gebracht, dann war ich nachlässig und weg war sie.
    Viele Grüße von Renate

    AntwortenLöschen
  16. Ich bin ganz begeistert von dieser Sternentänzerin – und Deiner Schreibe, ich musste mehrmals schmunzeln!!! Liebe Grüße Petra

    AntwortenLöschen
  17. Schön, jetzt sind sie am MakroMonday

    AntwortenLöschen
  18. Es erinnert ein bisschen an Zyperngras,...das muss man ja auch im Winter reinstellen. Was du so alles findest....:-))
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen
  19. Oh das wäre zu schade,die holst du doch im Winter rein?LGKatja

    AntwortenLöschen
  20. Da hast Du j a einen schönen Fang gemacht, liebe Elke! Da hätte ich auch nicht Nein gesagt! :-)
    Und stimmt, erinnert wirklich an Zyperngras. ;-)
    Ich hab' mir gerade ein Japanisches Blutgras gekauft, das ich bei einer Freundin im Garten sah - es ist sehr dekorativ, aber auch nicht sehr frosthart. Doch mit Winterschutz sollte es auch in unseren Breiten durchkommen.

    Übrigens hatte ich nochmals Zweige der Drachenweide ins Wasser gestellt, die sich nun bewurzelt haben. Ich werde sie einpflanzen und hoffe, daß sie nicht wieder eingehen, wie die aus dem Frühling. Falls Du noch Interesse hast, lasse ich sie Dir dann gerne zukommen, sobald sie sich im Topf eingewurzelt haben.

    Danke auch noch für die Aufklärung bezüglich des Balsamkrautes. Das wuchs alles so durcheinander, daß ich tatsächlich von ein und derselben Pflanze in zwei Zuständen ausging. ;-) Schließlich war mir diese Pflanze völlig neu.

    Liebe Grüße
    Sara

    AntwortenLöschen
  21. Ist ja lustig liebe Elke, genau dieses Gras habe ich grad kürzlich bewundert und bin auch total auf die Sternchen "abgefahren". Werde mir es jetzt aber schon überlegen, ob es Einzug im Garten halten soll ... Kälte lässt grüssen. Danke herzlich für diesen Post.
    Liebe Grüsse
    Ida

    AntwortenLöschen
  22. Hallo liebe Elke,
    ich habe eine kleine Überraschung für Dich - schau doch mal auf meiner Lieblings-Blogliste, wer da zu finden ist...
    Alles Liebe
    Heidi

    AntwortenLöschen
  23. Hallo Elke
    was für ein toller Fund. In deinem schönen Topf wirst du sicher noch ein paar Monate feude daran haben. Und wer weiss vielleicht ist dieser Sternenfund härter im nehmen als du denkst.
    Herzliche Grüsse Eveline

    AntwortenLöschen
  24. hach wie schön..

    aber so eine Schönheit einfach weg zu werfen.. tztz
    aber jetzt hat sie ja ein feines Plätzchen bei dir gefunden..
    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...