Samstag, 27. August 2016

Das Unkraut des Jahres

Es gibt die Blume des Jahres, den Vogel des Jahres und den Baum des Jahres. Aber gibt es auch das Unkraut des Jahres? Falls nicht, dann helfe ich gern aus und nominiere meinen persönlichen Wucher-Albtraum 2016: Die Echte Zaunwinde (Calystegia sepium). Die hat es dieses Jahr nämlich faustdick hinter den grünen Ohren. Meist verhält sie sich relativ unauffällig, versucht hier und da den Aufstieg in die sonnigen Gefilde des Gartens, lässt sich mit ein bisschen Rupfen aber in die Schranken weisen.


Dieses Jahr aber raubt sie mir den letzten Nerv, und ich denke, viele von ihr belagerte Pflanzen können da zustimmen. So ungestüm war die staudige Kletterpflanze noch nie. Jede noch so kleine Staude erklimmt sie oder ringt sie in ihrem Würgegriff gleich zu Boden. Die Rosen bieten eine willkommene Kletterhilfe, wo die Zaunwinde rasch obenauf ist und in die Welt hinaus trompetet, dass sie wieder einmal der König der Welt ist. Oben angekommen lässt sie sich dann hängen.

Selbst zum Festhalten an anderen Wildkräutern ist sie sich nicht zu fein und verbrennt sich auch an Brennnesseln allzu gern die Finger oder holt sich an stachligen Karden eine Akupunktur-Behandlung ab.


Auch in fremden Gärten, am Straßenrand, in Hecken und sogar beim Kanufahren am Flussufer verfolgt sie mich dieses Jahr in rauen Mengen - die ist wirklich mit allen Wassern gewaschen.

Dabei muss man ihr eins lassen: Frau Zaunwinde hat Stil. Die weißen Blüten sind die Wucht in Tüten, riesige weiße Trichter, manchmal sogar in wunderschönem Rosa gehalten. Hummeln mögen sie gern.


Überkommt den Gärtner also sowieso gerade die sommerliche Trägheit, ist man dem Windentum recht wohlgesonnen, immerhin ist es ja so hübsch. Und wer könnte sonst aus tiefstem Schatten heraus der Wildrose zu einer kostenlosen zweiten Blüte verhelfen? Versucht man so etwas mit Absicht, etwa mit einer einjährigen Prunkwinde oder der Schwarzäugigen Susanne, wird man sich kläglich scheitern sehen, denn diese Kletterpflanzen schaffen es meist nicht, im Dunstkreis kapitaler, den Himmel verdunkelnder Sträucher groß zu werden.



Die Zaunwinde kann über diese Anfänger nur lachen. Die hat Reserven, schließlich ist sie eine völlig winterharte Staude. Aus ihrem Rhizom schöpft sie so lange Kraft, bis sie das Ende der Fahnenstange erreicht hat und ihre Blüten und Blätter hübsch in die Sonne halten kann. Sie tunnelt ihre Ranken sogar am Boden unter anderem Bewuchs hindurch.

Wenn sie doch nur wenigstens in der Wildrose bleiben würde, dann hätten wir einen Deal. Doch leider ist sie nicht verhandlungsbereit und muss unbedingt noch einen drauf setzen, Ausläufer schieben und sich jede griffbereite Staude gleich mit an Land ziehen. So geht es nicht, da muss gejätet werden, da gibt es kein Pardon.

Und so werde ich wohl noch den Rest des Sommers an meinem Unkraut des Jahres festhalten - und ganz fest ziehen...

Kommentare:

  1. Ja die schöne Zaunwinde, treibt auch in unserem Garten seid letztem Jahr ihr Unwesen. Als Kind habe ich ihre weissen Blüten sehr gemocht. Ich habe auf meinem Schulweg immer welche gepflückt aber leider hielt ihre Pracht nie lange. Bei deinem schönen Post habe ich gehofft du hättest einen Rat wie man die Zaunwinde wieder los wird....aber da gibts wohl keines.
    sonnige Grüsse Eveline

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hilft wohl nur Jäten und am besten Ausgraben. Aber dafür müsste ich ja alle anderen Stauden mit ausgraben...

      Löschen
  2. Ich fand sie bisher eigentlich auch immer sehr hübsch....bis ich gesehen hat, wie sie junge Rosen in den Würgegriff nahm...
    Schönes Wochenende!
    Sabine

    AntwortenLöschen
  3. Bei uns wächst die leider auch überall, sogar im Rasen :-/
    Am Maschendrahtzaun lasse ich sie gewähren, aber sobald die sich an einer Pflanze hochschlängelt -außer dem Riesenchinaschilf- sehe ich ROT!
    Naja, sie passt toll zu dem Schachtelhalm, der auch überall wächst ;-)

    LG
    Daniela

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Elke!
    Ich habe heute Vormittag wieder einmal all meine Kräfte gebündelt und dem Unkraut im Garten den Kampf angesagt. Von den Rosen, den Taglilien und vom Phlox hab ich vergeblich versucht sie abzuwickeln. Wem oder was glaubst du, versuche ich schon seit Wochen an den Kragen zu gehen :)))???
    Als ich gerade den Beitrag über DEIN Unkraut des Jahres sah, mußte ich richtig lachen. Sorry...aber ein Bisschen beruhigt hat er mich auch....wenigstens bin ich nicht allein von ihr betroffen. Sie ist der schiere Wahnsinn und manchmal kommt mir vor, man kann ihr direkt beim Wachsen zusehen.
    GlG
    Sabine

    AntwortenLöschen
  5. Interessanterweise wächst es, das Unkraut des Jahres, ringsum, nur nicht in meinem Garten. Da hat es immer noch genug anderes, was gejätet werden muss..... Aber es ist schön sehr anhänglich, das Krau!
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  6. der *liseron* ist hübsch, und finde es net wenn er auf den stengel der pflanzen hochwächst, blüht und kleine insekte anlockt ... denn meistens ab 2. hälfte august ist die blütezeit leider fast zu ende hier im garten für *edlere* blumen. im grunde sind für mich wilde blume sehr interessant ; und ziehen hilft leider nicht viel sie haben sehr sehr tiefe wurzel und wenn kleine stÜCKE wurzel zurückbleiben vermehren sie sich noch mehr ! mein unkraut des jahres ist eher ein baum der "Rhus typhina" den ich leider von einer nachbarin geschenkt gekommen habe ! überall verbreitet es sich, und habe eben gelesen, dass man ihn nicht abschneiden soll (was ich immer tat) eher treten so kann man ihn loswerden ? na ja spass hat man mit der garten-arbeit ;)
    lieber gruss !

    AntwortenLöschen
  7. Tja, wenn man wohlgesonnen ist würde man sagen, sie verbindet die Erde mit dem Himmel, also praktisch die Erde mit den Zweigen des Apfelbaumes, die sie über die Astern daneben erreicht und sie klettert auch bei mir überall hin. Immer wieder denke ich im vorbeigehen, was blüht denn da Weißes da oben?! Die Frage ist inzwischen müßig... wo es ganz schlimm wird, schneide ich möglichst weit unten einfach den Trieb durch, das andere soll meinetwegen wachsen... sie erinnert mich auch immer an die Edelvariante in diesem herrlichen Blau mit den großen Trichterblüten, die bei mir partout nicht gedeihen will...

    AntwortenLöschen
  8. Ich habe mich auch neulich mit ihr angelegt. Wir haben hinter dem Garten ein Wildgrundstück und von dort hat sie still und heimlich versucht, meinen Zaun zu erklimmen. Da sie noch nicht blühte, habe ich sie vorher gar nicht bemerkt. Nun ist sie abgerupft und ich beobachte.

    Schönen Sonntag
    Margrit

    AntwortenLöschen
  9. die Ackerwnde windet sich hervorragend, wenn es ums Ausrotten geht!
    meine Nachbarin pflanzte sie extra an einen Zaun und nun wanderte sie natürlich auch aus zu uns. Sie eroberte meine Wildnis und die Benjeshecke. Zu sehen war sie aber erst, als sie sich sich an unseren Wildschutzzaun hochrankte.
    und nun habe ich die Winde die sich windet!

    AntwortenLöschen
  10. Ich leg noch einen drauf, die Wilde Möhre übertrumpft die Zaunwinde in diesem Jahr. Und ich bin selbst schuld, hab sie auf den Kompost getan, mit Blüten. Hurra - sie sind jetzt überall, wo Kompost hinkam. Wir liegen ständig auf den Knien und stechen aus.

    Sigrun

    AntwortenLöschen
  11. Oh ja, da kann ich mitreden.Du beschreibst sehr anschaulich ihre Taktik...erst unauffällig, aber dann geht's so richtig los. Und mit deinen Fotos wird sie dann auch noch so wunderschön in Szene gesetzt, denn ihre Blüten sind ja wirklich einmalig.
    Ausrottung ist mir bisher immer noch nicht gelungen, sie begleitet mich schon seit Jahren. Irgendwo habe ich gelesen, wenn ich sie ernsthaft loswerden möchte, sollte ich entweder den Gartenboden austauschen ??? oder umziehen. Nunja, so werde ich wohl bis an mein Lebensende mit ihr auskommen müssen. Schachtelhalm, Giersch und Zaunwinde gehören zu den perennierenden Unkräutern meines Gartens ;-)
    Ich trötse mich mit K.,F.'s Spruch: "Wer ausharrt wird gekrönt, man darf nie den Mut sinken lassen, die Umkräuter merken es sonst!"

    AntwortenLöschen
  12. Ist die Zaunwinde dieselbe Pflanze wie Ackerwinde? Letztere ist bei uns auch dieses Jahr Herrscherin über alle Stauden ��... Ein erfahrener Kleingärtner unseres Vereins meinte, sie zähle zur Lieblingsspeise der Wühlmaus, die in ihren Gängen Wurzelstückchen liegen lasse, was überall zum Austrieb führe...(?)

    AntwortenLöschen
  13. hihihiiii! grossartig!
    also dein text! das die winde deinen garten erwürgt ist natürlich schlechtes benehmen :-)
    hier teilt sie sich ein spalier mit der staudenwicke - die ist nur schwer zu beindrucken. die winde hat nochnichtmal geblüht!
    xxxxx

    AntwortenLöschen
  14. Oh, bei der Nominierung schließe ich mich an! Ich habe sie überall! Im Beet und an allen möglichen Zäunen. Es gibt so viele Kriegsschauplätze, ich weiß kaum, wo ich anfangen soll und an manchen Stellen hab ich es quasi aufgegeben... aber an anderen bin ich hartnäckig und kämpfe weiter!
    Liebe Grüße
    Katharina

    AntwortenLöschen
  15. Liebe Elke,
    alles was man mit Humor nimmt, ist doch nur noch halb so schlimm...
    Dass Du Humor hast, das hast Du mit diesem schönen Post hinreichend bewiesen - er war soooo schön zu lesen...
    Alles Liebe und weiterhin so viel Frohsinn und Humor
    Heidi

    AntwortenLöschen
  16. oh jaa.. die Winde hat dieses jahr eine explodierende Lebensfreude ;)
    bei meiner Tochter im Garten rankt und windet sie sich auch überall
    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  17. Liebe Elke
    Oh ja, ich weiss, wovon du schreibst. Mit deinem Unkraut des Jahres schlagen wir uns bereits 20 Jahre hier herum. Aber ich habe einen Gärtner, der hat ihr von allem Anfang an den Kampf angesagt ... tja, und so rankt sie unermüdlich weiter und weiter, aber gottseidank nicht mehr in so augenfälliger Manier wie bei dir.
    Herzliche Grüsse und hab einen guten Start in die Woche.
    Ida

    AntwortenLöschen
  18. Hallo Elke,
    ich wähle sie in diesem Jahr auch auf Platz 1. Sie wuchert noch stärker als sonst. Dabei sind die Blüten ja wirklich hübsch, wenn sie nur nicht so alles zuwachsen würde!!!
    LG Dagmar

    AntwortenLöschen
  19. Hallo Elke,
    wenn das mit dem Jäten so einfach wäre.
    Dein Unkraut des Jahres möchte gern von Hand von jedem Stängel abgewickelt werden. Zum Glück kommt es nur an einer Grundstücksgrenze über den Zaun gekrochen. Hinterrücks durch die Stauden hindurch, so dass ich es oft erst entdecke, wenn es blüht.
    Und dann ist es so hübsch, dass mir das Ausrupfen schwer fällt.
    Herzlichst,
    Anette

    AntwortenLöschen
  20. Dieses Jahr raubt sie dir den letzten Nerv? Mir raubt sie immer den letzten Nerv ;) Doch seit diesem Jahr hat sie wenigstens EINEN Nutzen. Ja, richtig gelesen: meine Kaninchen lieben das Zeug. Also ein guter Grund es zu rupfen ;)
    Ein schönes Wochenende :)
    Tatjana

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...