Sonntag, 11. September 2016

Bio-Klettverschluss, nur Handwäsche

Neulich hatte ich wieder mal Brennnesseln im Niemandsland, sprich an der Gartengrenze, entdeckt. Und weil sie ihre leider raupenfreien Fühler in Richtung meiner Stauden ausstreckten, habe ich mich ins Getümmel gestürzt und sie abgeschnitten. Danach sah ich aus, als hätte ich die Beulenpest, allerdings war Frau Brennnessel daran gänzlich unschuldig, das sollte in jedem Fall betont werden.

Meine Kleidung war übersät mir grünen, kugeligen Dingern. Wer mich von Weitem gesehen hat, hat sicher gedacht, ich hätte einen Insektenbefall von der übelsten Sorte, Marke Blutsauger, zur Not auch durch den Stoff.

Doch eigentlich war alles ganz harmlos. Ich hatte die Rechnung mal wieder ohne meinen recht anhänglichen langen Lulatsch, den Großen Odermennig (Agrimonia procera), gemacht. Diese bis 1,50 m hohe Staude blüht im Juni gelb, hat ihre Stängel im September aber mit feisten Samen gespickt, die sich bei Annäherung eines Warmblüters sogleich lösen und in Fell oder Kleidung mitreisen möchten. Egal wohin, Hauptsache ganz weit weg von der Frau Mama.

Das hier ist der Verwandte, der Gewöhnliche Odermennig, der mit seinen Kletten schon mal unter Distelsamenanflug leiden muss und dann in Würden ergraut:


Und dies ist nun der große, gartentaugliche Bruder, der Große Odermennig:


Und an den Großen Odermennig war ich wohl beim Körpereinsatz im Beet reichlich angestoßen. Selbst aus den Haaren musste ich mir die kleinen Kletten pflücken.

Da kam mir die Idee zum biologisch abbaubaren Klettverschluss. Wird der Gärtnerin abends kalt, kann sie sich aus einer offenen Strickjacke ganz schnell eine geschlossene machen. Ohne Nähen und ohne Knopflöcher. Einfach nur den Odermennig anlocken und es wird nicht mehr gefroren.

Dann hatte ich so richtig dumme Ideen und habe mir eine grüne Brosche angesteckt. Der einzige Schmuck, der aus vielen kleinen Samenbömbchen besteht und garantiert nicht käuflich ist! Ein Herz für den Odermennig:





Nur als Haarschmuck sind die Samen nicht zu empfehlen, denn irgendwann müssen die Dinger auch mal wieder raus - und das ist nichts für Zartbesaitete.

Die klettende Staude wächst selbst in Bereichen noch gut, die eher schattig als halbschattig sind, wird von Schnecken nicht angerührt und anscheinend auch von Wühlmäusen nicht. Wer also keine Berührungsängste hat, der findet im Großen Odermennig einen großen, überaus anhänglichen Freund. Und welche Staude kann sonst solche Kunststückchen?

Kommentare:

  1. naja, man koennte auch kletten anpflanzen, aber ich glaube, die sind nur zweijaehrig?:) odermennig hab ich auch, der wohnt schon seit jahren in dem beet, das mal ein faerbepflanzenbeet sein sollte, dann aber von einer staudengeranie in pink und dem wasserdost zugewuchert wurden. eine veronica und ich glaube, ein acanthus versuchen auch immer noch, unter dem giganten zu ueberleben, aber ich glaube, es hilft nix, ich werde eins der monster mindestens irgendwie loswerden muessen. viele der angeblich so schnellen selbstaussaeer machen bei mir garnix, aber eupatorium cannabinum, die ich eigentlich nur angepflanzt hatte, um einen nachbarn zu triezen, (der war immer auf der suche nach dem beweis, dass ich bestimmt "drogen" anbaue:), die treibt es immer wilder im beet und muss nun leider in die schranken gewiesen werden, obwohl sie um diese jahreszeit so schoene rosa bluetenteller hat - und man die stiele, wenn vertrocknet, gut zum ofen anzuenden brauchen kann:) der nachteil ist nicht nur die selbstaussaat, sondern auch die groesse von 2 m hoehe und bestimmt 3 m durchmesser - je pflanze.... und der wohlriechende odermennig (a. odorata) war weniger durchsetzungsfaehig und hat sich nach zwei oder drei jahren leider vom acker gemacht:(
    viele stuermische gruesse von der insel im westen
    Bettina

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  2. Naja, ich stell mir nur gerade die Frage, ob ich so ein Kraut überhaupt im Garten haben möchte?! ;) Es gehört bestimmt zu jener Sorte, die sich wie wild aussät und verbreitet. Wir sind gerade erst die Kletten am Zaun los geworden.

    Lg kathrin

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  3. So jetzt weiss ich wenigstens, was es ist, das bei meinen Hunden immer im Fell hängt und zu tausenden dort sein Unwesen treibt. Da es meine Hunde auch taff in meinen Garten transportieren müsste er eigentlich längst bei mir angekommen sein - aber bisher hat es ihm noch nicht bei mir gefallen. Vielen Dank für die Aufklärung über diese anhängliche Staude. LG Marion

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  4. Da ich naturnah gärtnere, hat der Odermendig auch sein Plätzchen gefunden, ich mag ihn sehr gerne. Bei mir haben gewisse Wildpflanzen ihre Berechtigung im Garten gefunden, man muss sie nur eine wenig in die Schranken weisen dann klappts. Unsere Nachbarn drumrum haben sich schon an den Gärtnerstiel gewöhnt und bewundern die Vielzahl an Fliegern und Insekten in unserem Garten, sie profitieren auch davon. Ausserdem brauche ich oft garnicht weit Ausschau nach Fotomotiven halten, sie kommen geflogen.
    Eine gute und ereignisreiche Woche
    wünscht dir Edith, die Naturwanderin

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  5. Oh, dass sind ja tolle Makros. Hast du Lust am MakroMonday mit zum machen? Schau doch auf meinem Blog rein.

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  6. Ich glaube nicht, dass ich den Odermennig dringend im Garten brauche, aber ich finde dich echt kreativ. :D

    Viele Grüße
    Margrit

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  7. aha - das sind also die kleinen klettchen die ich der lisbeth aus dem fell zupfe wenn sie vom jagdausflug zurückkommt!!
    der wird wohl irgendwo im brachland am fluss wachsen - im garten habe ich ihn noch nicht entdeckt.....
    dafür letztens im wald viel spass mit den "richtigen" kletten gehabt :-)
    xxxxx

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  8. Du hast die kleinen Klettchen ja hübsch in Szene gesetzt. Vielleicht sollte ich sie auch zum dekorieren aufheben wenn ich sie meiner Katze aus dem Fell gepopelt habe :)
    Du hast tolle fotos gemacht.
    Liebe Grüße
    Silke

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  9. here it would be Plumbago which hooks onto gardener or cat.
    But ours is not up to that delightful brooch!

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  10. Was für ein schönes Herz - sehr originell! Meine Katzen tragen derzeit auch Samenbomben im Gepäck, heute ist auskämmen dran.

    Sigrun

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  11. Hallo Elke,
    Du hast wirklich eine wunderbare Gabe das Beste draus zu machen! Ich werde versuchen mich daran zu erinnern, wenn die Katzen oder ich das nächste Mal voller Kletten sind.

    Viele Grüße aus dem Wendland
    Silke

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  12. Hallo Elke!
    Ich kenne diese Pflanze nicht aber dein Text ist wie immer genial und die Nahaufnahme grandios.
    LG
    Sabine

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  13. Na das ist ja ein Racker, ich glaube den überlass´ ich Dir.
    Deine Aufnahmen gefallen mir aber richtig gut.
    LG Doris

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  14. Sehr schöne Fotos von dieser anhänglichen Pflanze :-)

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  15. Hallo Elke,
    sicher genauso anhänglich wie die echte Nelkenwurz. Die verschönert auch immer meine Hosenbeine!
    LG Dagmar

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  16. Das mit den Haaren kann ich bestätigen. Wir haben uns als Kinder (damals!) das Zeug immer in die Haare geworfen - autsch!
    Herzliche Grüße, Angela

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  17. Als Kinder bewarfen wir uns auch mit Kletten, aber ich selbst mochte sie nicht gern an meiner Kleidung haben. ;-) Und diese kleinen Mini-Kletten vom Labkraut hat man wirklich überall an der Kleidung, wenn man nicht aufpasst. Ganz grauslig!
    Dein Odermennig ist ja riesig - ich kenne nur eine kleinere Variante, höchstens 50 cm hoch. Und mit echten Kletten könnte ich handeln, zumindest ihren Ablegern - bei mir im Garten kommen immer wieder welche aus dem Boden hervor, wohl ein Mitbringsel aus dem Waldgarten. Die Nachbarn "bedanken" sich - überhaupt für all unser "Unkraut", das da hinten wächst, wie bspw. Waldmeister, Brennessel, Schöllkraut *grusel* Und seit diesem Jahr auch noch Odermennig. Hoffentlich aber nicht diese riesengroße Art. ;-)

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

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