Freitag, 16. September 2016

Heimische Pflanzen für den Garden State

Auf der anderen Seite ist das Gras bekanntlich grüner. Und die Blumen bunter, ist ja klar. Doch gilt das auch für die Amerikaner? Immerhin haben die die dicksten Sonnenhüte in allen Farben und das sogar nördlich von Mexiko. Unsereiner in Europa jedenfalls wird doch ganz blass vor Neid beim Anblick von Rudbeckia, Echinacae, Silphia und natürlich auch den vielen prächtigen Seidenpflanzen (Asclepias) und Neuwelt-Astern. Auf der anderen Seite vom Atlantik ist ja auch alles ein bisschen größer, selbst die Stauden. Da können sich unsere heimischen Margeriten aber mal ganz warm anziehen.

Um herauszufinden, ob die Gartenbesitzer in den USA also genauso stolz auf ihre heimischen Stauden sind wie auf ihre Nationalflagge, habe ich mal im Garden State nachgeschaut. So wird New Jersey genannt, weil es tatsächlich hauptsächlich aus Gärten zu bestehen scheint. Und wo ich schon mal da war, habe ich natürlich für euch auch gleich mal New York inspiziert. Da wachsen immerhin dieselben Pflanzen wie im Nachbarstaat.



Umso enttäuschter war ich, nicht gleich am Flughafen von einem illustren Empfangskommitee aus Sonnenhüten und Seidenpflanzen empfangen zu werden. Stattdessen traf ich alte Bekannte am Straßenrand: Wegwarte, Götterbäume und Wilde Möhre.

Und wie sieht es in den Gärten aus? Nun ja, Garden State ist ein bisschen gemogelt, denn die Gärten bestehen zum großen Teil aus Rasen. Immerhin trauen sich die Amerikaner eher an Bäume ran als die Gartenbesitzer bei uns - und manchmal gibt es auch echte Highlights mit Blumen am Haus.





Ansonsten sehen die Beete - wenn es welche gibt - meist aus wie zuhause: Hosta, Tagetes, Katzenminze, Taglilien, Bartblume, Fette Henne zusammen mit Rosen. Manchmal sind tatsächlich Sonnenhüte dabei, aber eher die Zuchtsorten.




Und dann habe ich tatsächlich noch Kontakt zu Einheimischen gehabt, denn auch hier gibt es grüne Globalisierungsgegner. Man findet sie in botanischen Gärten, an ausgewählten Straßenrändern oder auf dem Highline Garden.

Die Grannenlose Scheinbergminze (Pycnanthemum muticum) hat es mir und den Insekten besonders angetan:


Diese silbrige Staude blüht monatelang von Juli bis September und steht gern sonnig, kommt aber auch mit lichtem Schatten zurecht.

Ein internationales Völkergemisch findet sich - typisch Manhattan - an den Blüten ein. Hummeln, Honigbienen, Kegelbienen, Blauflügel-Wespen (Scolia dubia) und die dicken Östlichen Holzbienen (Xylocopa virginica) mit der Glatze auf dem Rücken.


Die Kompasspflanze (Silphium laciniatum) ist ein Koloss und bei Hummeln beliebt - die Samen werden hier gerade von Goldzeisigen gefuttert:



Die Seidenpflanzen haben Besuch, den sie bei uns nicht haben - eine Wanze (Large Milkweed Bug), die ähnlich wie unsere Feuerwanze zu Großversammlungen neigt.

Der Monarch-Falter braucht Seidenpflanzen als Raupenfutter. Hier nuckelt er an einer Mexikanischen Sonnenblume (Tithonia rotundifolia):


Monarche sind jetzt auf dem weiten Weg nach Mexiko und holen sich ihren Vielfliegerbonus am Schmetterlingsflieder im Central-Park ab - Buddleja davidii wäre auch in China-Town gut aufgehoben:


Ein weiterer beeindruckend großer Schmetterling - ein echter Amerikaner also - ist der Schwarze Schwalbenschwanz (Papilio polyxenes). Hier macht er gerade einen Tankstopp an einem hübschen anderen Native American, dem Ysopblättrigen Wasserdost (Eupatorium hyssopifolium):


Ein Knaller in Pink und ganz beliebt bei Schmetterlingen, hier Dickkopffalter, sind Scheinastern (Vernonia):


Ebenfalls einen dicken Kopf hat diese Staude, der Palmlilien-Mannstreu (Eryngium yuccifolium). Der englische Name klingt aber viel cooler und allein deswegen sollte die Pflanze in keinem amerikanischen Garten fehlen: Rattlesnake Master. Toll, oder? Schilder am Gartenzaun a la "Vorsicht vor dem Hund" kann man sich getrost sparen, wenn man stattdessen ein geheimnisvolles "Beware of the Rattlesnake Master" haben kann.



Ach, wie gern hätte ich auch den Klapperschlangen-Meister, die Scheinbergminze und all die anderen im Garten. Aber dann wären sie ja nicht mehr einheimisch... Zu blöd.

Kommentare:

  1. you might enjoy Clay and Limestone's wildfowers
    http://www.clayandlimestone.com/

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  2. Lindas as suas imagens; adorei as das borboletas;
    Gosto muito de natureza.
    janicce/Brasil

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  3. Tolle Eindrücke hast Du von Deiner Reise mitgebracht. Interessant, was bei den "Nachbarn" so wächst!!!
    Viele Grüße von Margit

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  4. Hallo Elke!
    Ich wünsche dir noch einen wunderschönen Urlaub und bedanke mich für die tollen Bilder, besonders für jene von den Schmetterlingen. Ich liebe die Flattermänner und bin gerade ganz begeistert von der Schönheit derer auf der anderen Seite.
    GlG
    Sabine

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  5. man sieht es ist woanders * andere insekte und schmetterlinge * danke für die lustige worte dazu es macht spass mit dir den nachbarkontinent zu besuchen !

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  6. Danke für die spannende Reise! Mal was anderes als die allgegenwärtigen Monumente, die man auf allen Reiseblogs sehen kann... Sehr spannend! Danke
    Herzlichst
    yase

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  7. wow - tolle schmetterlingsbilder!
    und sehr interessante ausführungen. hätte auch gedacht dass die amerikaner ein paar andere arten in ihren gärten hätten - bei der einheimischen auswahl....
    xxxxx

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  8. Vielen Dank für den heiteren Bericht über die Gärten in Übersee. Gärten, die nur aus Wiese bestehen, wären eher nix für mich. Einen Garden-State hätte ich mir bunter vorgestellt.

    LG kathrin

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  9. Einen wunderbaren Einblick in die nordamerikanische Insekten und Pflanzenwelt hast du uns hier gegeben. Ich war vor vielen Jahren für 3 Monate in USA im Staate New York und habe damals gefunden, dass es auch sehr wenige Gärtnereien gibt - von schönen Vorgärten mal ganz zu schweigen. Natürlich, der ordnungsgemäß auf Maß gestutzte Rasen ist überall zu finden, aber bei Blumen habe ich mich damals schwer getan. Schön dass Du doch einiges zu Gesicht bekommen hast. Vielen Dank für diesen sehr interessanten Post und LG Marion.

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  10. Interessant, auch mal ein paar Native Americans kennenzulernen und gleich mit so tollen Schmetterlingen. Die Bergminze hat es mir auch gleich angetan, nach deinem Bericht. Schmetterlingsflieder scheint inzwischen ein riesiges Verbreitungsgebiet zu haben und wird überall angeflogen, auch wenn er nicht heimisch ist. Es wäre schon toll, wenn sich zwei Gegenden, die so weit voneinander entfernt sind, auch in der Gartengestaltung unterscheiden würden. Solche Rasen-Koniferen-Vorgärten sind mir dort auch häufig begegnet.
    LG Sigrun

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  11. Ein schöner und lustiger Reisebericht samt tollen Fotos. Deine Monarchfotos sind für mich der absolute Renner. Von einem Schwarzen-schwalbenschwanz hatte ich noch nie gehört, beeindruckend. Blogschauen bildet.
    Liebe Grüße
    von Edith

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  12. da warst du ja weit weg in sachen garten:) so ein eryngium hatte ich auch mal (aus samen gezogen), aber agavifolium. wie eigentlich zu erwarten war, wars dem hier aber zu nass, sodass es in den ewigen eryngiumhimmel aufgestiegen ist:( jedenfalls hast du uns ja mal wieder mit tollen bildern verwoehnt, wenn auch die praeriepflanzen wohl in new jersey nicht sooo zuhause sind:)

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  13. Oh, da warst Du aber weit weg! Und das hätte ich jetzt auch nicht gedacht. ;-) Dass die Gäten dort eher aus Rasen bestehen. Aber dieser Trend ist ja längst zu uns rübergeschwappt, wenn es auch auf den Blogs noch einen anderen Eindruck macht. ;-) Pflegeleicht bis zum Geht-nicht-mehr!
    Die Minze hört sich ja interessant an! Und die schönen Schmetterlinge sind ja eine Pracht!
    Tja, selbstauferlegtes Schicksal ... ;-) Ich wollte auch mal nichts hinzukaufen ...und möglichst nichts Ausländisches ... aber die wandern irgendwann eh ein ...

    Liebe Grüße
    Sara

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