Sonntag, 1. Juni 2014

Der große Lauschangriff

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert: Da habe ich letztes Jahr rechtzeitig die Samenstände vom Fingerhut (Digitalis purpurea) abgeschnitten, damit die Pflanzen denken, sie hätten im Leben noch nichts erreicht und einfach mal weiterleben. Das hat auch prima geklappt. 

Der richtige Zeitpunkt zum Kappen ist genau dann, wenn die allerletzte oberste Blüte welkt. Unten hat der Fingerhut dann bereits Samen angesetzt, aber nicht zu viele, um sich nicht zu verausgaben. Denn obwohl ich mit den alten Blütenkerzen im ganzen Garten herumgewedelt habe und viele hauchfeine Körner herausgefallen sind, gibt es die Mutterpflanzen immer noch.

Und nicht nur das: Es erschienen viele neue Fingerhüte an Stellen, wo noch nie einer zuvor gewesen ist. Sie haben sogar zielsicher eine Lücke in der mit Lonicera nitida zu stopfenden kränkelnden Buchshecke gefunden und sich mitten hineingesetzt. Damit haben sie ein großartiges Gespür für Symmetrie bewiesen, denn nun gibt es mit den Pflanzen vom letzten Jahr so etwas wie ein Portal zum hinteren Gartenteil. Gut gemacht, Digitalis!



Auch schön ist eine einzelne Pflanze, die weiße Knospen hat und im Aufblühen nach Rosa wechselt. Andere Fingerhüte haben von Anfang an pinkfarbene Knospen.

Meine Freude über die gelungene Lebenserhaltung der letztjährigen Blütenkerzen wurde nur ein bisschen getrübt durch den Besuch im botanischen Garten. Dort findet nämlich gerade der große Lauschangriff statt: Einige besonders findige Fingerhüte haben sich eine Satellitenschüssel auf den Kopf gesetzt, mit der sie jetzt in der Gegend herumprotzen.

Wozu diese Riesenblüte eigentlich gut ist, scheint keiner zu wissen. Aufsehenerregend ist sie jedenfalls, und wer sonst achtlos am Fingerhut vorbei geht, schaut diesmal bestimmt genauer hin.


Ach, was wäre das schön, wenn meine Gartenbewohner auch so ein Spektakel veranstalten würden. Als Gärtner ist man aber auch nie zufrieden, schrecklich. Als ich mir die Bilder von den monströsen Blüten genauer angesehen habe, fiel mir allerdings auf, dass es sich bei den seltsamen Exemplaren offenbar eher um sehr faule Fingerhüte handelt: Während normale Blütenstände noch hunderte Knospen in petto haben, machen die mit den Schüsseln auf dem Kopf einfach früher Schluss. Nach dem Riesending kommt nichts mehr und die Hummeln werden mit weniger Blüten abgespeist als ihnen zustünde.


Also bin ich doch froh, dass sich meine Fingerhüte normal verhalten. Auch weniger extravagant sind sie wunderschön - mal schauen, ob ich sie noch einmal ins nächste Jahr retten kann!

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Kommentare:

  1. Hallo Elke,
    Lauschangriff, hihi... toll sehen sie aus! Da freu ich mit dir, dass sie sich so gut versamt haben!
    Ich hatte letztes Jahr ein einziges Pflänzchen, das hat irgendwie Pech gehabt. Erst wurde es von einer Besucherin als Nachtkerze betitelt (wie sie darauf kam, ist mir ein Rätsel, sie ließ sich auch nicht vom Gegenteil überzeugen) und dann fuhr der Gatte auch noch mit dem Rasenmäher drüber. Was ich auch nicht verstanden habe, denn die Pflanze war eigentlich groß genug, um nicht übersehen zu werden. Jedenfalls ließen sich dieses Jahr keine Sämlinge mehr blicken und die Mutterpflanze wollte auch nicht wieder kommen. Die hab´ ich wohl verjagt.
    Die weißen Knospen haben etwas Elfenhaftes... wirklich schön!
    Einen schönen restlichen Sonntag wünscht
    Bianca

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  2. Habe ich noch nie bewußt gesehen...diese Riesenblüten...Ich sag doch...Bloggen bildet...LG Lotta.

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  3. Hallo Elke,
    da staune ich jetzt aber. Ich habe schon mehrfach versucht "mit den abgeschnittenen Finderhüten zu wedeln", aber bei mir will das nicht funktionieren. Dennoch tauchen immer mal wieder welche an Stellen von selbst auf, wo ich sie nicht erwartet hätte. Irgendwie haben sie wohl ihren eigenen Kopf *lach*.
    Herzliche Grüße
    Elke

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  4. Hm Elke, du bringst mich jetzt dazu, es doch wieder zu versuchen - mit Fingerhüten im Garten. Bislang blieb die Erhaltung leider erfolglos. Hab schon manch so tolles Exemplar gekauft, damit gewedelt und Sämchen verteilt. Aber es könnte auch sein, dass mein Gärtner (noch) nicht weiss, wie junge Fingerhutpflänzchen aussehen :-) Ich bleibe dran!
    Liebe Grüsse
    Ida

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  5. Liebe Elke,
    mich erinnern diese Riesenblüten an Sat-Schüsseln! Hast du mal nachgesehen, ob da vielleicht eine TV-süchtige Käferkolonie in der Nähe wohnt?
    Achtlos könnte ich auch an den "normalen" Fingerhüten nicht vorbeigehen... Sie sind so wunderbar fragil, schön gezeichnet und abwechslungsreich!

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  6. Ich liebe Fingerhut! Und er hasst mich.... Er wächst nie, lässt sich von Schnecken fressen etc...
    Ich werde nicht aufgeben, und weiter träumen von Digitalis an allen Orten!
    Herzlichst
    yase

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  7. Hallo Elke,
    wie schön, noch einen Fingerhut-Fan gefunden zu haben. Du hast ja wahre Prachtexemplare.
    Bei mir hat es etwas gedauert, bis die schönen Pflanzen heimisch wurden. Aber in diesem Jahr blühen sie überall im Garten und es können ruhig noch mehr werden.
    Ich schneide auch immer die Rispen nach der Blüte ab. Manchmal hält sich die Pflanze dann noch ein Jahr.
    Liebe Grüße,
    Anette

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  8. Liebe Elke,
    die ersten hatte ich letztes Jahr im Garten! Hier wachsen sie mitten im Wald und ich war schon häufiger mal versucht ... mit einer kleinen Schaufel ... aber nein! Es war auch nicht nötig er kam von selbst! Letztes Jahr lief ich dann auch schüttelnd durch den Garten und wo wachsen sie ? An einer Stelle die ich eigentlich umgraben wollte, Projekt verschoben, der Fingerhut hat hier ein Vorrecht ;-)). Jedenfalls haben sie auf dem Schulweg durch den Wald schon für viele Geschichten gesorgt !

    Liebe Grüße Alexandra der die Schüsseln übrigens gar nicht gefallen!

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  9. Hallo Elke
    Aha, nu wüsst ich wie's geht mit dem Fingerhut-Längerleben. Mal schauen, ob ich es dieses Jahr hinbekomme. Alle Jahre hatte ich die Samen der Fingerhüte brav im Beet verteilt nach dem Verblühen, aber meinste nur ein Pflänzchen wäre gewachsen? Nö, undankbares Pack! Ich vermute dass unser Boden einfach viel zu hart und lehmig ist. Ich gebe nicht auf und werde es weiterhin versuchen, denn ich mag Fingerhüte sehr gerne... ob mit oder ohne Satelittenschüssel... vielleicht ist's aber auch ein Megaphone, dass den Bienen zu ruft: "Jetzt oder nie: Pollen im Superangebot!"
    Dein Röschen blüht noch nicht. Sie ist über und über bedeckt mit Knospen und ich schau schon jeden Tag nach, ob denn eines mal sein Innenleben preisgeben würde. Aber sie lässt mich zappeln, die Süsse. Auch das andere Röschen hat an Höhe zugelegt, blüht aber noch nicht. Ich sollte ihm zu etwas mehr Sonnenlicht verhelfen. Der Holunterbaum nebenan ist leider gewachsen und hat das Röschen unter seine Fittiche genommen.
    Hab noch eine gute Woche.
    En liebe Gruess
    Alex

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  10. Hallo Elke,
    werde dieses Jahr auch mal schneller die Blütenstände abschneiden. Ich dachte nicht das es auch bei den Fingerhüten klappen könnte. Bei den Bartnelken klappt es auf jeden Fall auch ganz gut mit dem Pflanzenerhalt durch Rückschnitt, obwohl sie ja auch 2 jährig sind.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  11. Hallo Elke,
    gut, dann werde ich das mal probieren mit dem Schnitt nach Verblühen der terminalen Blüte. Bisher hat das mit einer Vermehrung durch Ausstreunen nämlich noch nie so recht geklappt. Die drei aktuellen Fingerhüte in meinem Garten habe ich ( wieder mal) als Sämlinge gekauft. Vermehrung durch Ausschütteln ließen sie immer nur vereinzelt hochkommen. Fingerhüte sind halt Pionierpflanzen und brauchen offenen Boden, den es bei mir nicht gibt.
    Die Fotos der Abhör-Exemplare sind klasse, die mutierten Gipfelblüten sehen wirklich aus wie Satellitenschüsseln. Ich habe mal gelernt, dass die 'Pelorien' heißen. Mein Lexikon, das ich mir zur Auffrischung meines Wissens geholt habe, erklärt dieses Phänomen als Atavismus. Witzig fand ich auch die Übersetzung von gr. pelorios als ungeheuer.
    Sehen ja wirklich aus wie zyklopische Ungeheuer.
    LG
    Sisah

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  12. Wunderschön sind sie ja die Fingerhüte, aber irgendwie habe ich doch mächtigen Respekt vor dieser Pflanze, ist es doch eines der giftigsten heimischen Gewächse, die es gibt. Die Bilder sind jedenfalls sehr schön geworden.

    lg kathrin

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  13. Hallo Elke,
    die Schüsseln sehen ja witzig aus, so was habe ich bisher noch nie gesehen. Die "normalen" Fingerhüte gefallen mir allerdings besser, allein schon deshalb, weil sie mehr Blüten produzieren. Das mit dem Rückschnitt muss ich auch mal ausprobieren, obwohl es hier eigentlich jedes Jahr immer ausreichend Fingerhüte gibt. Dieses Jahr sind es allerdings viel weniger als letztes Jahr, da waren es immerhin über 100 Pflanzen...

    Liebe Grüße, Bärbel

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  14. Hallo liebe Elke,

    ich muss zugeben, dass ich die Blumen im Garten ein wenig vernachlässigt habe, weil ich so auf den Gemüseanbau fixiert war - das muss nächstes Jahr besser werden. So hoffe ich, dass ich dann auch so tolle Fingerhüte habe wie du. Schönes WE und lieber Gruß, Silvi

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  15. Hallo Elke
    ich bin eine deiner still-begeisterten Leserinnen :-))
    aber bei den Fingerhut-Schüsseln konnte ich die virtuelle Tinte einfach nicht halten: das wird Atavismus genannt - der Fingerhut verfällt zurück in eine Blütenform, die seine Urahnen mal hatten, bevor die hübschen Fingerhüte erfunden waren.
    Liebe Grüße aus Österreich
    Gabi
    www.naglernranch.blogspot.com

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  16. Mit Fingerhut hatte ich bislang kein Glück, sollte es aber doch mal wieder versuchen !!
    Aber dann möchte ich keine Lauschi`s sondern einfache, schöne, bienenfreundliche und natürlich aussehende, so wie deine ;-)
    Ist doch nicht zu viel verlangt - oder ??
    ;o) .....

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