Samstag, 1. Mai 2021

Whirlpool für Mikroben

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Eine Wellness-Oase für Mikroorganismen? Wozu soll das denn bitte gut sein? Sind Bakterien und Co denn überhaupt für irgendwas gut außer für Schlagzeilen? Doch man muss unterscheiden, denn unter den Bakterien gibt es nicht nur die Fäulnis-Fans, Krankheitserreger und andere Gammler, sondern eben auch die freundliche Fraktion, die gut für den Garten ist. Manche dieser braven Bazillen bilden eine Symbiose mit Pflanzen, andere sorgen dafür, dass im Boden Zellulose abgebaut wird, woraus wiederum Pflanzennährstoffe entstehen, und ganz nebenbei sind sie das Parfum des Gartens: Sie geben dem Erdboden seinen schönen erdigen Geruch, den wir als angenehm empfinden. Und diesen netten, duftenden Mikroorganismen habe ich einen Whirlpool mit Vollpension eingerichtet.


 

Ich habe nämlich Komposttee hergestellt, aber nicht aus Teebeuteln, sondern aus getrocknetem Wurmhumus unter ständiger Luftzufuhr, denn dieser enthält Unmengen der nützlichen Bodenorganismen. Wurmhumus ist übrigens nur ein eleganter Euphemismus für Wurmkot, klingt aber doch gleich viel besser, oder? Er wird in Regenwasser eingeweicht und dabei wird das Wasser die ganze Zeit, etwa 24 h lang, gut belüftet, damit anaerobe Fäulnisbakterien keine Chance haben, wir wollen ja die guten, aeroben Bakterien züchten.

 


Im Wurmkot befinden sich viele dieser guten Mikroorganismen, denn sie lebten einmal im Darm des Wurms und halfen ihm bei der Verdauung. Zum Beispiel lebt im Darm des Kompostwurms Eisenia foetida der Heubazillus, Bacillus subtilis, ein ganz fantastisches Bakterium, das aufbauenden Stoffwechsel im Boden fördert, die Stresstoleranz der Pflanzen stärkt, Pilzbefall und Fäulnisprozesse reduziert - ein echter Wunderheiler unter den Bakterien also. Das funktioniert aber nur, wenn es genug Mitstreiter im Boden finden kann - und genau diese Mehrheit wollen wir mit dem Komposttee erreichen.


Damit die netten Einzeller aber auch gewillt sind, den gemütlichen Humus zu verlassen, braucht es einen leckeren Lockstoff. Dazu nimmt man Melasse, ein klebrig süßer Zuckersirup, der als Bakterienfutter dient. Sobald die Bakterien erstmal angefangen haben, sich zu vermehren, erscheinen auch Protozoen und nützliche Nematoden im Komposttee. Auch sie spielen eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz des Bodens und werden von anderen Tieren gefressen.

Das Brauset zum Herstellen von Komposttee wurde mir freundlicherweise von Wurmwelten zur Verfügung gestellt. Es enthält eine Aquarienpumpe, 200 ml Melasse (genügend für 150 Liter Komposttee), 250 g Aktivator-Mischung (Bentonit, Urgesteinsmehl, Algenkalk, Pflanzenkohle), 10 L frischen Wurmhumus, 2 Luftsteine, 2 m Luftschlauch plus Verbindungsstück, Vlies und eine Klammer zum Befestigen des Wurmhumus-Vlies-Päckchens am Eimer. Der Metalleimer ist nicht im Paket enthalten, auch die ganz zufällig farblich perfekt passende Wäscheklammer nicht.


 

Erst muss man ein bisschen basteln und die Luftsteine mit Schlauchstücken verbinden, anschließend wird das lange Schlauchstück an die Pumpe angeschlossen. Die Luftsteine wirft man ins Regenwasser (15 Liter werden empfohlen, dazu braucht man einen 20-Liter-Eimer mit Reserve, wenn sich Schaum bildet) und jetzt darf die Pumpe lossprudeln. Melasse und Aktivator werden hinzugegeben, anschließend packt man die benötigte Menge Wurmhumus in das Vlies ein und klemmt das Päckchen mit der Klammer so an den Eimerrand, dass der Wurmhumus unter Wasser ist.


 


 

Nach 24 h Sprudeln bei Raumtemperatur ist der Tee fertig. Bis dahin wummert und plätzschert die Pumpe vor sich hin. Man sollte in dieser Zeit nicht allzu dringend aufs Klo müssen, außerdem habe ich mich mehrfach beim Betreten des Raumes gewundert, woher das ungewohnte Geräusch kommt. Die kleine Pumpe ist aber recht leise und arbeitet unermüdlich durch, auch wenn man schläft. Nur wenn man sie aus Versehen wie einen Käfer auf den Rücken wirft, wird sie laut und beschwert sich, weil sie dann nicht mehr auf ihren gedämpften Füßchen steht.

Ist der Tee fertig, wird er sofort mit der Gießkanne im Garten auf den Boden ausgebracht. Es ist nicht schlimm, wenn man damit das Laub der Pflanzen benetzt, im Gegenteil. Man kann den Komposttee auch nicht überdosieren, hierbei gilt endlich mal: Viel hilft viel - eine Regel, die bei Mineraldünger grundverkehrt wäre.



 

Im Gegensatz zu normalem Dünger merkt man aber nicht schon am nächsten Tag, dass der Rasen oder die Pflanzen besser wachsen. Die Wirkung von Komposttee setzt später, aber dafür nachhaltig ein, nichts für Ungeduldige also.

Der Tee riecht übrigens sehr appetitlich, dank der Melasse sogar nach leckerer Limonade. Er färbt sich bräunlich und schäumt zum Ende hin. Das ist alles gut und normal. Wenn er nicht stinkt, ist der Tee ein voller Erfolg und man hat nur die netten Bakterien vermehrt.



 

Mit dem nassen Wurmhumus aus dem Ansatz kann man später übrigens noch prima mulchen. Und wenn der Vorrat aus dem Brauset aufgebraucht ist, eignet sich auch der eigene Kompost zum Ansetzen des Tees.


Ich wollte es aber noch genauer wissen und habe nachgeschaut, was denn wirklich im Komposttee so alles herumschwirrt. Am Anfang, zwischendurch und am Ende habe ich eine Petrischale voll Tee abgezapft und unter dem Binokular geschaut, ob ich darin Leben finden kann. Die Bakterien konnte ich bei der Vergrößerung nicht erkennen, aber es gibt ja gute haarige Indikatoren, dass welche da sind: Wimpertierchen! Diese kleinen, flinken Protozoen filtern Bakterien aus dem Wasser und erscheinen rasch auf der Bildfläche, wenn ihre Nahrung sich vermehrt hat. Und tatsächlich konnte ich zu Anfang keinerlei Tierchen feststellen. Je länger der Tee aber vor sich hin braute, umso mehr Bewegung kam hinein vor lauter umherflitzenden Wimpertierchen und sogar ein paar wirklich winzige Nematoden habe ich gefunden (die sich wiederum von den Wimpertierchen ernähren).


 

Das Brauset funktioniert also und bekommt von mir eine klare Empfehlung.

Jetzt hatte ich nur ein Dilemma: Diese kleinen wuseligen Protozoen sollte ich jetzt einfach auf den Gartenboden gießen? Würden sie sich dort wohlfühlen? Da sie aber aus dem trockenen Wurmhumus stammen, muss ich darauf vertrauen, dass sie in der Erde überleben werden.


Dieses Tierchen ist nicht aus dem Komposttee, sondern aus einem Ansatz im Garten, der aus Grasschnitt und Laub besteht. Er kann über Wasser gehen und sieht aus wie ein Schlumpf: Ein blauer Springschwanz (Collembola):



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