Samstag, 23. Oktober 2021

Übergriffige Zimmerpflanzen

Erinnert sich noch jemand an die Monstera, die ich letztes Jahr als selbstgezogenen Sämling geschenkt bekommen habe? Die macht schon richtig was her und ist mein heimlicher Homeoffice-Liebling geworden! Ohne sie wäre mein Schreibtischalltag viel weniger tropisch und grün. Da hilft ja der schönste Bildschirmschoner nichts, es muss schon richtiges Grün sein.

Nur hat sie sich unbemerkt an die Raufasertapete herangemacht. Kaum war ich mal zwei Wochen im Urlaub, hat sich die große Luftwurzel einfach mal an die Wand gehängt. Als ich sie abzog, kam sogar ein bisschen Tapete mit, so anhänglich ist meine übermotivierte Monstera.

Nun, diese Pflanze möchte ja auch hoch hinaus und hätte ich sie gelassen, wäre sie so richtig die Wände hochgegangen. Ich wollte ihr doch lieber einen Rankstab spendieren. Im zweiten Baumarkt habe ich dann sogar einen gefunden - auch diese Dinger haben momentan Lieferschwierigkeiten, ist das zu fassen! Mein Modell kam unverpackt und damit ganz plastikfrei daher und besteht aus Holzkern umwickelt mit Kokosmatte, das ist ja schon mal nicht schlecht. Man kann den Stab verlängern, indem man oben einen zweiten hinein steckt. So etwas müsste die Monstera doch motivieren?

Jetzt sieht es erstmal so aus, als hätte ein Neandertaler seine Keule im Gebüsch abgestellt, aber ich bin sicher: Das verwächst sich und bald ist das Ding vor lauter Blättern nicht mehr zu sehen.

 





 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Nach dem Einkauf und viel zu spät habe ich mich gefragt, ob man so einen Rankstab nicht auch selbst machen kann? Aus Raufasertapete vielleicht? Die ist ja erprobtermaßen im Monstera-Test nicht durchgefallen. Oder aus Rindenstücken, die man um einen Holzstab wickelt? Ob ich die Pflanze nicht einfach an den alten Kratzbaum lehnen kann? Leider bin ich ja handwerklich nicht so begabt wie meine im Freeclimbing erfahrene Zimmerpflanze - habt ihr noch Ideen für einen Rankstab Marke Eigenbau und ohne Lieferschwierigkeiten?

Samstag, 16. Oktober 2021

Pingpong im Wohnzimmer

Jetzt kommt so langsam wieder die Zeit der Zimmerpflanzen. Und die sind teilweise genauso unterhaltsam wie das winterharte Grünzeug da draußen...

Ich hatte ja schon von meiner Anzucht von Dorstenia hildebrandtii berichtet. In der Zwischenzeit sind die Dinger verblüffend schnell gewachsen. Bei einer sukkulenten Pflanze erwartet man ja eher die Wachtsumsgeschwindigkeit einer Wanderdüne, aber die werden schneller groß als man eine Koalition im Bundestag gefunden hat...


 

Dieses enorme Tempo setzt sich auch in der Samenbildung fort. Denn das D in Dorstenia steht eindeutig für dynamisch! Die Blüten, die mich immer an das erinnern, was die Freiheitsstatue auf dem Kopf hat, neigen sich erst bescheiden  nach unten.

 





Ist ja auch blöd, wenn's da rein regnet. Passiert im Zimmer zwar selten, aber in ihrer Heimat Afrika sicher das ein oder andere Mal. Sobald die Samen reifen, schauen die Blüten aber nach vorn - und in die Zukunft, denn die Pflanze kann ihre Samen meterweit verschießen, besonders, wenn man sie berührt, doch wenn dies unterbleibt, wird Dorstenia ungeduldig und macht auch ohne fremde Hilfe von ihren Schießkünsten Gebrauch.

Das macht sie auch ganz hemmungslos im Zimmer und schon bald ist der Tisch vollgekrümelt und es keimt aus sämtlichen Töpfen. Zwei Pflanzen dicht beieinander sehen also immer so aus, als wollten sie Tennis spielen. Oder eher Tischtennis - die Samen sind nämlich auch passenderweise weiß.


So unterhaltsam sind nur Brutblätter, doch deren Kindel fallen gemäß der Schwerkraft eher nach unten und schaffen es höchstens auf die Fensterbank, aber nie auf den Sofatisch. Der Name Babywerfer ist also hier unangebracht, es müsste eher Babyfallenlasser heißen.


Eine ganz sittsame Pflanze, die nicht zu den Scharfschützen gehört, habe ich vor ein paar Wochen als Ableger bekommen. Es ist keine geringere als Philodendron scandens 'Brasil'. Diese wunderschön gezeichnete Sorte ist sehr begehrt und so habe ich mich riesig gefreut, sie von einer netten Bielefelderin geschenkt zu bekommen - plastikfrei in einer Glasflasche.




Zuerst waren da nur braune Luftwurzeln im Wasser - und jetzt bekommen sie weiße Söckchen! Noch ein paar Wochen und ich kann den blattbunten Brasilianer sicher einpflanzen. Und schon wieder wird das Homeoffice ein Stück bunter!

Samstag, 9. Oktober 2021

E wie Efeu

Ja, ich weiß, das E in Efeu kann für Elend stehen, nämlich dann, wenn man ihn in mühevoller Kleinarbeit aus Blumenbeeten, Sträuchern oder von der Hauswand ziehen muss, wenn diese nicht für seine Haftwurzeln geeignet ist. Auch sind seine Blüten wenig spektakulär und können ein wenig müffeln, wenn man ganz nah rangeht.

Jetzt im Herbst blüht der Efeu und man kann an ihm die letzten Schmetterlinge des Jahres beobachten. Und allein die sind es wert, die immergrüne Kletterpflanze in den Garten in zu holen. Besonders das Tagpfauenauge und der Admiral sitzen gern auf den kugeligen Blütenständen, während Kohlweißlinge lieber vorbeiflattern, sie haben andere Lieblingsblumen.



Dazu gesellen sich Schwebfliegen, Honigbienen, Hummeln, Wespen und wo sie vorkommt auch die Efeu-Seidenbiene, die nur an Efeu Pollen sammelt und damit auf ihn angewiesen ist. 



Totenkopfschwebfliege und Erdhummel

Efeu-Seidenbiene

Hornissenschwebfliege

Admiral

Außerdem ist Efeu sagenhaft günstig zu bekommen - man muss nur bewurzelte Triebe einpflanzen, etwa, wenn man sie andernorts ausgräbt, oder aber man stellt Äste in die Vase, wo sie auch Wurzeln schlagen. Macht man dies mit den blütentragenden Trieben, die nicht klettern können, hat man einen strauchförmigen Efeu, der nicht klettern kann und damit die Nerven und die Gartenschere schont.

Strauchefeu kann man auch kaufen, aber das ist ja nur der halbe Spaß.


Samstag, 2. Oktober 2021

Nimm das, Neophyt!

Wenn ich mal eine Dekoidee aus einer Zeitschrift nachbasteln möchte, sieht das am Ende immer eher wie ein Unfall aus als wie eine umwerfend schöne Dekoration. Selbst die Anleitungen, die wirken, als könnte man sie mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen und einer Augenbinde zusammenschustern, sehen bei mir dann eher aus, als hätte das Machwerk eine Fünfjährige produziert (mit auf dem Rücken zusammengebundene Patschehändchen und Augenbinde).

Die Sache mit dem invasiven asiatischen Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) als Vase wirkte aber simpel genug, um im Wald mal ein paar grüne Stangen abzusäbeln. Viel hilft viel, dachte ich, und so habe ich gleich die dicksten mit dem Messer abgetrennt. Das geschieht dem Einwanderer ganz recht!


Alsdann habe ich jede Stange unterhalb eines Internodiums durchgesägt (ein normales Küchenmesser war eher ein zahnloser Tiger...). Nun kommt der Teil, wo man nicht nur keine auf dem Rücken zusammengebundenen Hände braucht, sondern am besten vier davon. Zwei sollten die Stangenteile zusammenhalten, die anderen beiden müssen eine Schnur fest genug drum herum schnüren. Ich habe es mit nur zwei Händen versucht und entsprechend wackelig wurde die Konstruktion.


 

Naja, mit genug Hin- und Herruckeln stand das Ding dann wie eine grüne, windschiefe Eins. Nun habe ich Hagebuttenzweige in die Öffnungen oben gesteckt. An mir ist wahrlich keine Floristin verloren gegangen, weshalb ich Blüten und andere dekorative Pflanzenteile meist da lasse, wo sie hingehören: An die Pflanze.


Und jetzt kommt der Moment, wo der Elefant das Wasser lässt: Das hier ist meine Neophyten-Deko mit den grünen Reagenzgläsern:






 

Nur echt mit neophytischem Knöterich und asiatischer Rosa multiflora. Ich weiß schon, warum das hier kein Dekoblog ist....

Ihr könnte das sicher besser, oder?

 

Übrigens sollte man die Stängelteile vor dem Kompostieren gut durchtrocknen lassen, denn bei dem Knöterich weiß man nie, ob er nicht doch aus dem kleinsten Fitzelchen wieder böse Wurzeln treibt...

Samstag, 25. September 2021

Larven, die schnorcheln

Fliegen sind nicht jedermanns Sache. Da können sie noch so elegant grünmetallisch daherkommen wie die Schmeißfliege, meistens haftet ihnen doch eher ein fragwürdiger Ruf an. Nicht den Duft der weiten Welt verbinden wir mit den kleinen Flugkünstlern, sondern eher den nach Misthaufen und Kläranlage.

 


Jeder mag aber doch Schwebfliegen, oder? Die sind schließlich nicht nur hübsch, sondern auch nützlich, weil sie Blattläuse verputzen und auf hübschen Blumen herumsitzen. Das tut die Schmeißfliege zwar auch gern, doch weiß man bei der nie, ob sie sich die Füße gewaschen hat, bevor sie sich auf die Ringelblume gsetzt hat. Schwebfliegen aber sind die Saubermänner.

 

Das hier ist eine diese vorbildlichen Tierchen, eine Hainschwebfliege, deren Larven mit Vergnügen Blattläuse vertilgen, sogar die am Kohl:

 


Allerdings sind nicht alle Schwebfliegen als Larven Blattlausvertilger. Es gibt auch Arten mit Larven, die unter Wasser leben, so zum Beispiel die der Mistbiene - eine eher bräunliche dicke Schwebfliege, die einer Honigbiene täuschend ähnlich sieht.





Und um diese Arten zu fördern, ist ein Trend aus England zu uns herübergeschwappt: Die Hoverfly-Lagoon. Was soll das denn bitte sein? Das ist einfach nur ein Behälter mit möglichst modrigem Wasser, in das die Schwebfliegenweibchen Eier legen. Alsbald schlüpfen dann ihre Rattenschwanzlarven, die Bakterien aus der Brühe verputzen.

Eine Rattenschwanzlarve sieht aus wie eine Made mit Schnorchel im Hinterende. Dieser Rattenschwanz kann bei Bedarf an die Wasseroberfläche gehalten werden. So atmet die Larve. Hat auch nicht jeder, so ein Atmungsorgan am Hintern.


 

Ich wollte diese bleichen Tierchen auch gern einmal sehen und habe mir daher schon diverse Lagunen aus Tontöpfen gebaut. Man füllt sie mit allem, was modrig werden kann: Grasschnitt oder Laub zum Beispiel. Laub auf der Oberfläche erleichert die Eiablage und hält Mücken fern. So sahen meine Lagunen im Frühling aus:




 

Bisher hatte ich aber schlechten Geruch und nur andere Tiere in diesem Wasser gehabt. Da waren zum Beispiel Bärtierchen und Springschwänze.

Dieses Jahr habe ich endlich eine funktionierende Hoverfly-Lagoon gebaut - und zwar ganz aus Versehen.

Als ich im Urlaub war, ist in einen Übertopf, in dem eine Tomatenpflanze stand, Regenwasser gelaufen. Man kann sich vorstellen, wie diese Brühe gestunken hat. Ich wollte den Topf schon leeren, als ich zwei Rattenschwanzlarven gesehen habe. Die konnte ich natürlich nicht mit dem Bade auskippen, also blieb die Brühe stehen. Wenn man das Wasser in Ruhe lässt, stinkt es zum Glück nicht mehr.

Und so hat mein Garten dann doch noch ein paar Mistbienen hervorgebracht!

Samstag, 18. September 2021

Das unentdeckte Land

Kennt ihr das auch? Ich als Frau muss ja dauernd auf's Klo. Kaum sind wir irgendwo angekommen, wo es schön ist, ist meine erste Amtshandlung: Toilette suchen. In Nordamerika ist das nicht so ein Problem, man sucht und findet, denn dort hat jeder Laden eine Kundentoilette. In Deutschland aber ist der Kunde meist doch nicht so viel König, der soll gefälligst zu Hause müssen.

Manchmal zahlt es sich aber sogar aus, wenn ich auf Mission Toilettenfahndung bin. Botanische Gärten haben meistens eine im Angebot und diese Anlagen besuche ich ja immer ganz gerne. Nicht immer findet man das Örtchen aber auf Anhieb.

Und so fand ich mich im Botanischen Garten Potsdam beim Studium der Landkarte wieder, um die dringend benötigte Gelegenheit zu finden. Männer müssen ja sowieso viel seltener. Aber auch für die ist es natürlich gar keine Option, einfach so im Park Sanssouci, in dem der Garten liegt... Dort darf man schon nicht mit dem Fahrrad durchfahren, man darf sein Fahrrad nicht mal schieben. Eigentlich darf man dort nicht mal an Fahrräder denken...

Kurzum: Das Finden der Toilette im Botanischen Garten Potsdam war etwas herausfordernd, denn sie befindet sich im Gewächshaus und ist gut versteckt. Nachdem das endlich erledigt war, fiel mir ein, dass auf der Karte ja noch ein Teil des Gartens verzeichnet war, auf der anderen Seite der Straße. Obwohl ich schon öfter in Potsdam war, habe ich ihn nie entdeckt. So hat es sich also ausgezahlt, die Toilette zu suchen.

Der Botanische Garten Potsdam ist immer einen Besuch wert, im Winter hat man die Schauhäuser und im Sommer kann man in Blumen schwelgen und Exoten bewundern.








 


Die Anlage verfügt über eine exklusive Fuchsienausstellung. Jepp, auch das rechte Bild zeigt eine Fuchsie, nämlich eine Fuchsia paniculata, das links ist Fuchsia boliviana.


 

Man kann Schnirkelschnecken beim Bauchmuskeltraining am Kerzen-Knöterich bewundern und Tagpfauenaugen an Skabiosen.

 


Der Kleine Feuerfalter interessiert sich brennend für den Nektar der Wandelröschen, die hier sogar Früchte bilden.

 

 

Im von mir neuendeckten Teil auf der anderen Straßenseite gibt es das Alpinum, eine Blumenwiese und historische Gartenanlagen, wie das weinberankte Gebäude mit dem bunten Vasenschmuck oben dran.




 

Auch der Treppenaufgang mit den bepflanzten Amphoren ist sehenswert. Sowas wirkt im Reihenhausgarten dann doch nicht so gut wie hier.




 

Der Eintritt in den Garten ist in beiden Teilen kostenlos, solange man sich unter freiem Himmel aufhält. Und so war es doch gut, die Toilette gesucht zu haben, sonst hätte ich wohl nie von dem anderen Gartenteil erfahren...