Letztes Wochenende habe ich mal wieder das Laub vom Rasen gefegt. Das landet auf den Beeten und kommt mir nicht in die Biotonne - und nach genauerem Hinsehen weiß ich jetzt ganz genau, warum: Das Laub hat Augen!
Ich schaute nämlich nach den Sämlingen vom Einjährigen Silberblatt, ob sie auch noch durch die Laubschicht hindurchwachsen können, und da sah ich plötzlich ein kleines, kugeliges Etwas auf einem braunen Blatt vom Zierapfel, kaum mehr als einen Millimeter groß. War es eine ganz kleine Spinne? War es überhaupt ein Tier? Ich habe es vorsichtig mit dem Finger angestupst - und da hüpfte es so weit weg, wie man es bei der Größe nicht für möglich gehalten hätte - das war ein Springschwanz!
Und das sind echte Olympioniken! Sie treten aber nicht in der Disziplin Kugelstoßen an, sondern als Kugelspringer. Unter dieser Bezeichnung firmieren einige kugelige Springschwanzarten.
In meinem Laub sind also Kugelspringer zuhause! Je länger ich schaute, umso mehr sah ich, ganze Herden hockten in meinem Laub. Ich habe also die Kamera geholt, um diese kleien Mordillo-Figuren mal von ganz Nahem zu sehen. Und weil die Tierchen immer auf dem Sprung sind, habe ich sie angeblitzt.
Diese kleine Boygroup hier, die so nett Modenschau macht, ist eine Bande der Art Bunter Kugelspringer (Dicyrtomina ornata), die ich unter dem Zierapfel aufgestöbert habe. Da seht ihr mal, was im Laub so los ist - eine richtige Fußgängerzone ist das hier mit gelegentlichen Sprungeinlagen!
Und wie hübsch die gezeichnet sind, kein Exemplar gleicht dem anderen, man würde sie immer wiedererkennen mit ihrem Flecktarnmuster in gedeckten Herbstfarben:
Am Hintern haben sie durchsichtige lange Haare, auch die Fühler sind behaart. Unter dem Bauch haben sie ihre Sprunggabel, die Furca. Diese wird bei Gefahr losgelassen und das Tier schnellt in die Luft. Danach muss es neue Energie aufwenden, um die Gabel wieder unterm Bauch einzurasten fürs nächste Mal - ein Blatt vom Apfelbaum als Sprungbrett!
So klein, wie die Springer sind, mutet manche Situation an wie bei Mission impossible - wird der kleine Kerl die Spinnweben berühren oder darunter hindurch manövrieren?
Springschwänze
muss man sich warmhalten, denn sie sind wichtige Humusbildner und sie werden jetzt mit Hochdruck daran arbeiten,
die Blätter anzunagen. Da sie verständlicherweise keine großen Beißerchen haben, führen Springschwänze meist zu Fensterfraß an Falllaub.
Asseln und andere größere Tiere besorgen nachher den Rest.
Das Laub der Obstbäume, von Birken, Weiden, Pappeln und anderen leicht verdaulichen Gehölzen gehört also unbedingt in die Beete und nicht in die Tonne. Schaut doch einmal nach mit der Lupe, ob ihr die kleinen Kerlchen auch finden könnt!































