Samstag, 22. Juni 2019

Die Kavallerie kommt

Sie sehen aus wie kleine Drachen, ausgestattet mit einer stachligen Rüstung und einer Warntracht.



Und sie sind die Kavallerie, wenn es um die Rettung blattlausgeplagter Pflanzen geht.



Hatten die Zweige des Holunders oder des Efeus eben noch mehr Beine, als ihnen gut tun würde, sind sie nun blitzblank gefressen von den kleinen Drachen, den Larven der Marienkäfer. So eine Blattlaus ist ja auch eine sehr bequeme Fertignahrung, kann nicht schnell wegrennen und sich auch nicht wehren, einmal herzhaft zugebissen und aus die Laus.

Was da also so seltsam flügellos und stachlig mit sechs Beinen ausgestattet auf den Pflanzen sitzt, sind Nützlinge. Leider werden sie oft für die Übeltäter gehalten, wenn auch noch Löcher in den Blättern zu sehen sind. Doch weder die Blattläuse noch die Marienkäferlarven können so kraftvoll zubeißen und mögen auch gar keine Laubkost.


Sie sind also völlig unschuldig, man sollte sie auf keinen Fall mit Gift wegspritzen.

Das hier sind die Eier der Marienkäfer, immer viele auf einmal, sicher ist sicher:



Das sind Larve und Puppe:




Hier sieht man ihr getanes Werk - nur noch Essensreste kleben an den Blättern der Kugeldistel, die wirklich sehr voll mit Blattläusen war. Dazwischen immer mal die ausgezogenen Larvenhäute der Marienkäfer, denn als Larve muss man wachsen und sich deswegen turnusmäßig häuten.


Nach dem großen Gelage sind jetzt aber fast alle Läuse weggeputzt. Und so werden die sehr mobilen Käferlarven nun zur Laufkundschaft und müssen sich neue Futterquellen besorgen. Überall rennen sie rum, es ist schon ein bisschen lästig. Man muss immer aufpassen, dass man sie nicht zerdrückt, wenn sie wieder mal quer über den Gartentisch hechten.

Was hier aussieht, als würde die Larve sich als Dirigent versuchen, ist nur der verzweifelte Versuch, weiter nach oben zu klettern und dort vielleicht doch noch Beute zu finden:



"Igitt, die hat schon mal jemand gegessen...":



"Warum sind hier alle Pflanzen so blöd borstig? Dauert  ja ewig, der Aufstieg!":


Falls es noch weitere Brennpunkte an den Pflanzen gibt, kann man die Läufer aber einsammeln und auf die nächsten Opfer ansetzen.


Leider sieht man aber hauptsächlich die Larven des Asiatischen Marienkäfers (Harmonia axyridis). Die sind sehr effizient im Blattläusevertilgen, was die Pflanzen zwar auch freut, aber leider konkurrieren sie mit den heimischen Marienkäfern und verspeisen auch mal deren Larven. Oder ihre Brüder.

Das hier ist der heimische 7-Punkt:


Es könnte allerdings Hoffnung geben, denn neuerdings werden die Asiatischen Käfer von einem Pilz befallen, der sich in gelben Pusteln auf den Flügeldecken äußert. Das ist ein Schlauchpilz der Ordnung Laboulbeniales mit dem Namen Hesperomyces virescens. So ein Befall muss sehr unangenehm sein, paaren tun sich die Käfer aber auch mit diesem Handicap, scheinbar ist den Weibchen egal, wie entstellt der Auserwählte aussieht. Und der Pilz scheint sexuell übertragbar zu sein, den Larven sieht man das anscheinend aber noch nicht an. Hoffentlich bleibt der Parasit aber auch bei der eingeschleppten Art.


Doch auch wenn die Kavallerie ausschließlich aus Asiaten besteht, ist das nun wirklich kein Grund, Gift einzusetzen, denn damit tötet man auch andere Nützlinge ab, wie die Blattlausschlupfwespen, die am Efeu alle Läuse von innen aufgefressen haben. zurück bleiben seltsam aufgeblähte Hüllen mit einem runden Loch, das ist die Ausstiegsluke der Wespe.




Blattläuse sind nie kein Grund zur Panik, das Problem ist in Windeseile gegessen.

Kommentare:

  1. danke für die sehr interesante Schilderung und vor allem die Bilder dazu, wäre mal etwas für ein Buch... lg von Frauke

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  2. Toller Beitrag. Vielen Dank für die Vorstellung der Insekten. Wir verwenden hier auch nie Gift, sondern lassen die Natur machen...

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  3. Hallo Elke,
    danke dir für den interessanten Beitrag...mir fehlen hier die Marienkäferlarven und so habe ich die blaue Waldglockenblume behandschuht von den Läusen befreien müssen, damit die Blüten aufgehen können. Ich habe noch nie Gift in meinem Garten eingesetzt, ich finde das widerspricht der Natur und es regelt sich vieles von selbst. Außerdem gibt es genug Möglichkeiten umwelt- und insektenfreundlich zu handeln. Ich werde mal vermehrt auf Eier und Larven außerhalb des Gartens achten.
    Lieben Gruß, Marita

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  4. Jaaa, her mit den Nützlingen!
    Vor dem Urlaub waren meine Rosen übersät von Blattläusen. Ich habe gar nichts gemacht und nach dem Urlaub hatte die Armada der Marienkäferlarven mächtig aufgeräumt. Es sind kaum noch Blattläuse zu sehen.
    Bitte, bitte, niemals irgendwelche Mittel im eigenen Garten verspritzen. Denn die Natur regelt das schon. Dann darf eine Pflanze auch mal ein bisschen mickrig aussehen. Sie berappelt sich schon wieder.
    Liebe Grüße von Ingrid, der Pfälzerin

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  5. Ich wünschte, ich hätte auch Marienkäferlarven! Ich kann bis jetzt nur einen Blattlausvertilger mein eigen nennen, irgendeinen kleinen, hochbeinigen Rüsselkäfer. Der Knabe ist gut, von dem hätte ich gerne noch mehr auf dem Balkon.

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  6. Vielen Dank für den sehr informativen Beitrag und die wunderbaren Fotos dazu. Herzliche Grüße von Ute

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  7. Hallo Elke, habe heute viel über die Marienkäferlave gelernt. In unserem Garten vertraue ich auch immer auf die Nützlinge. Grüße von Susanne

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  8. Hallo Elke,
    bei uns im Garten gibt es in diesem Jahr auch jede Menge Blattläuse und auch jede Menge dieser (wie du schreibst) "kleinen Drachen", die sich jetzt verpuppen. Es scheinen wohl auch die Asiatischen Marienkäfer zu sein. Danke für die vielen schönen Bilder und Informationen.
    Viele Grüße Doris

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  9. Liebe Elke,
    dann hoffen wir mal sehr, dass der Pilz nicht auch unsere Siebenpunkt-Marienkäfer befällt oder dass sich ein heimischer Käfer nicht mal aus Versehen mit dem asiatischen paart. Offenbar achten sie dann doch auf Äußerlichkeiten und bleiben bei ihren Punkten. Hier hatte ich die Paarung der 7-Punkt-Käfer auf einer Bartnelke. Toll, dass du sogar Fotos mit Pilz erwischt hast.
    LG Sigrun

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  10. Blattläuse sehe ich mittlerweile sehr entspannt. Ich hänge lediglich einen mit Stroh gefüllten Tontopf in die befallenen Pflanzen. Wer sich an den Läusen erfreut, ist egal. Ob es Marienkäferlarven oder Ohrwürmer sind... Meist ist die Plage so schnell wieder weg, wie sie gekommen ist. Da machen andere Schädlinge mehr Probleme. Im Moment ist es hier total ruhig und entspannt an der Zünslerfront. Ich fürchte, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm! Lassen wir uns überraschen.
    Viele Grüße von Margit

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  11. Jeden Frühling sind meine Rosen alle verlaust - ganz schlimm! Immer sagt dann die Nachbarin süffisant: Willst du da nicht was dagegen tun??
    Nö, will ich nicht!!! Meist geht es keine 3 Wochen, und alle Läuse sind weg - gefressen. Manchmal sehe ich Marienkäferlarven, manchmal die Käfer, manchmal grüne Raupen ..... mir egal, wer sich da den Bauch voll schlägt! Hauptsache, die Läuse kommen weg.
    Ich habs jetzt gelassen mit dem Bohrwurm - du hast recht, es hat immer noch genug
    Herzlichst
    yase

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  12. I rarely see ladybirds in my garden, some aphids. I move any ladybirds I see to where there is more food.

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  13. Ein Post ganz nach meinem Herzen, auch ich habe jedes Jahr eine ganze Armada von den nützlichen Helfern, wie du ja weißt ist mein Garten ein absoluter Naturgarten ohne Gift und so. Was du da über den Pilzbefall an Marienkäfern sagst, klingt ein wenig übel, mal schauen was draus wird.
    Liebe Grüße
    Edith

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  14. Liebe Elke, hab' Dank für diesen Beitrag, das war total interessant und die Bilder sind sehr gelungen! Zum Glück hab' ich nie zu Giften gegriffen. Die Rosen blühten trotzdem gut, und die Kavallerie hat wunderbar beim Gemüse aufgeräumt. Herzlichst und eine schöne Woche, Bianca

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  15. Liebe Elke,

    herzlichen Dank für diesen interessant Bericht, sehr informativ und herrlich bebildert. Bei mir kommt auch kein Gift in den Garten, wir haben seit einigen Jahren auch kaum mehr Nacktschnecken im Garten, ich vermute, dass die vielen Vögel sie "vertilgen".

    Und die Kavallerie (wie Du sie so schön beschreibst) ist bei uns auch eingetroffen ...

    Sommerliche Grüße
    von Anke

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  16. Liebe Elke,
    wieder sehr schön und fesselnd geschrieben. Dazu sehr informativ. Danke für diesen tollen Post.
    Gift setzen wir übrigens nie ein, dieses Zeug wollen wir einfach nicht im Garten haben. Und wir sind auch nicht so egoistisch zu denken, der Garten gehöre uns alleine.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  17. Super Post, liebe Elke!
    Genauso ist es. Im Juni brauchen die kleinen Marienkäfer einfach Futter
    und im Juli haben sie dann fast alles weggemampft :-)
    Gift braucht man gar nicht.
    LG Urte

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  18. Liebe Elke,
    tatsächlich hat es bei mir auch erst einen eigenen Garten gebraucht, bis ich diese (zugegebener Maßen) recht hässlichen Gesellen als wichtige Nützlinge erkannt habe. Letztes Jahr hatte ich eine regelrechte Invasion an Marienkäfern und deren Nachwuchs, aber dieses Jahr sehe ich kaum welche. Woran das wohl liegt? Denn Gift hab ich auch keins in meinem Garten....
    Liebe Grüße,
    Krümel

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