Samstag, 16. März 2019

Jetzt wird gewurzelt

/* Enthält Mikrowerbung für Mikrogemüse. */

Das hier ist Helmut. Helmut ist ein Kohl, genauer ein Palmkohl. Palmkohl ist unfassbar gut aussehend, dunkel mit eleganten langen Blättern - runzlig zwar, aber eben Blätter bis zum Hals.



So sieht er aus, wenn man ihn anbaut:




Vermutlich kommt Helmut aber aus Italien und heißt vielleicht Nero, 'Nero di Toscana'. Helmut hat jedenfalls großes Glück gehabt. Das haben nicht viele Palmkohle, die für Lösegeld aus dem Bioladen freigekauft wurden. Denn eigentlich sollte er gegessen werden und im Fegefeuer eines heißen Woks zum Abendessen serviert werden. So ist es den anderen Blättern aus diesem Einkauf ergangen.

Aber dieses Bisschen Palmkohl war so klein, anscheinend die Spitze der Pflanze, man konnte sogar Knospen erkennen. Der Zwerg hatte doch wohl Potential, das war sofort zu erahnen. Also ist er in der Vase gelandet.

Ein paar Wochen später habe ich Helmut gar nicht wiedererkannt. Er war ganz schön feist geworden, und das Beste: Unten hatte sich dickes Kallusgewebe am Stängel gebildet, das Wurzeln trieb. Dieser Kohl wollte leben, soviel stand fest.


Nun ist das Kerlchen im Topf und darf endlich in Erde wachsen. Bald wird es blühen, in gelb.


Auch so ein Wurzelwunder ist dieser Trieb von Ficus elastica. Den habe ich nicht aus Italien, sondern aus dem Büro, wo ein unbekannter Strauch von den Pflanzenpflegeprofis geschnitten wurde. Dieser Zweig lag also im Grünabfall, ich habe ihn gerettet und in Wasser gestellt, weil ich gerne mal so einen großblättrigen Mitbewohner haben wollte. Kann man ja gar nicht mehr kaufen, so völlig aus der Mode ist der Gummibaum. Wenn man den immer schön schneidet, verzweigt er sich auch und hat dann nichts mehr mit der eintriebigen Bohnenstange aus Omas Wohnzimmerecke gemein.



Ganz gegen den Trend zeigte der Ast auch ziemlich bald, dass auch er nicht totzukriegen ist. Am verholzten unteren Teil bildeten sich unverzüglich Wurzeln, da musste sich der Zweig nicht lange bitten lassen.

Und so habe ich jetzt zwei neue grüne Kollegen. Der Helmut darf irgendwann draußen wohnen, der Ficus lieber nicht, der hat Ausgangssperre.

Damit Helmut aber bis zum Auswildern nicht so alleine ist, habe ich zusätzlich noch Rotkohl als Mikrogemüse gesät. Den hatte ich nämlich neulich überraschend im Briefkasten. Das Päckchen war von Flixgrün (gehört zu Carl Pabst, Samen & Saaten) und enthielt eine Packung mit allem, was der Kohl zum Keimen braucht - außer Wasser natürlich.



Da das Set völlig ohne Plastik auskommt und am Ende komplett kompostiert werden kann, möchte ich es hier vorstellen.



Die Packverpackung enthält Bio-Samen und einen Keimboden aus Pflanzenfasern, auf den man aussäen kann, nachdem er sich mit Wasser vollgesogen hat. Ich war erst skeptisch, ob der Karton als Behälter nicht rasend schnell durchweicht und unappetitlich aussieht, aber er hat erstaunlicherweise wochenlang dicht gehalten, es bildete sich nicht mal Kondenswasser auf dem Tisch.





Der Kohl war lecker, allerdings komme ich mir beim Essen von Keimlingen immer ein bisschen schäbig vor - ich esse ja auch kein Lammfleisch. Man muss aber fairerweise zugegeben, dass auch die meisten dicken Kohlköpfe ohne Nachkommen sterben werden. Das ist schon ein hartes Gemüseschicksal.


Nun ist der Rotkohl also gegessen und alles kann auf den Kompost. Die Pappschale war aber noch ganz rüstig, die habe ich ausgespült fürs Altpapier.


Helmut lebt aber hoffentlich noch ein bisschen länger und der Gummibaum erst recht...

Samstag, 9. März 2019

Es geht rund!

Das mit dem Bloggen habe ich manchmal wirklich richtig gut drauf... Da bewerfe ich die Zwiebelblumen erst mit Kompost, bis mir dann einfällt, dass ich von ihnen noch gar kein Foto habe. Und schon gibt es nur noch Schmuddelbilder mit eigentlich blütenweißen Schneeglöckchen, Lenzrosen oder Märzenbechern voller Dreck. Die hatten sich das auch anders vorgestellt.



Was ich auch gut kann: Vergessen, Zwischenschritte beim Basteln oder Pflanzen zu dokumentieren. Ich bin dann so eifrig bei der Sache und will das Machwerk fertig haben, sodass es kein Foto gibt. Oder ich habe die Hände schmutzig und möchte sie mir nicht alle zehn Minuten waschen, um die Kamera anfassen zu können. Trotzdem keine Glanzleistung, wenn man bloggen möchte.

Letztens wollte ich dann ein kleines Flechtzäunchen um die Gisela, meine Süßkirsche, herum bauen. Seit dem Tode der Buchsbaumhecke sah das Ganze immer aus, als hätte jemand (namentlich ich) das Rasenmähen vergessen, dabei sollte das unförmige Etwas eine Baumscheibe mit Blumen sein.

Also hab ich rund um die Kirsche Äste in die Erde gesteckt, so ungefähr kreis- bis eierförmig. Von diesem Zustand gibt es jetzt also kein Foto, ich hoffe, man kann sich vorstellen, wie ein Kreis aus Stöcken aussieht.

Dabei gilt: Nicht zu sparsam mit den senkrechten Haltpunkten, sonst kriegt man mit den einzuflechtenden Ästen die Kurve nicht.

Dann habe ich mit ein bisschen Schnittgut angefangen, den Zaun hochzuziehen. Zweige von Rose und Hasel, die möglichst unverzweigt sein sollten, waren aber bald alle und der Zaun noch nicht hoch genug.

Mir ist zum Glück eingefallen, dass am Feldrand neulich jemand Weidenäste geschnitten und das Schnittgut einfach auf die Hecke zurückgeworfen hatte. Sowas ist ja auch nicht die feine Art, aber wenigstens konnte ich den Sträuchern ein bisschen Last abnehmen. Also schnell mit dem Fahrrad hingefahren und den Gepäckträger vollgepackt. Auf dem Rückweg musste ich aufpassen, dass ich niemanden mit der Überbreite meiner Ladung anremple.

Mit so vielen gleichartigen und beinahe gleich langen Ästen hat das Flechten sofort viel mehr Spaß gemacht - immer unter den kritischen Augen des Rotkehlchens.


Am besten geht man dabei so vor: Das dicke Ende vom Ast kommt hinter einen senkrechten Haltezweig, dann flicht man immer abwechselnd vor und hinter den nächsten Streben hindurch. Der nächste Ast beginnt dann hinter dem nächsten senkrechten Zweig - ob mit oder gegen den Uhrzeigersinn kann man sich aussuchen, ich habe dagegen gewählt. So bekommt jeder Haltestab die gleiche Last verpasst und alles hält gut.





Immer alles gut nach unten drücken, damit der Zaun dicht wird. Als letztes kann man noch die senkrechten Äste auf dieselbe Länge schneiden und lose Enden abzwacken.

Mein Zäunchen ist nicht perfekt, aber es hält die Pflanzen ein bisschen in Zaum und rundet die Sache schön ab. Und das Material war völlig kostenlos. Der Goldlack ist jetzt eingefangen.

Und davon gibt es jetzt auch Fotos...





Samstag, 2. März 2019

Fotowettbewerb Günstig Gärtnern 2019 - Die Gewinner

Es ist jetzt auch mal endlich an der Zeit, den Fotowettbewerb Günstig Gärtnern 2019 aufzulösen. Vielen Dank für alle Einsendungen, es waren wieder schöne Ideen dabei.

Das Buch Mein Schmetterlingsgarten, hat sich der Reh-Garten verdient.

Das hier ist das Vorher-Foto: Eine Sammlung wunderhübscher alter Ziegel:


Die sollten aber keine Hochstapler bleiben, sondern der Boden- und Wegbelag vor dem Gewächshaus werden. Und ich finde, das kann sich sehen lassen, hätte ich nicht so schön hingekriegt. Überhaupt sind Haus und Garten sehenswert und auch insektentauglich:





Martin bekommt das Buch Der Giersch muss weg! für den federleichten, aber trotzdem sehr unquirligen Hasen, den er selbst aus Ytong modelliert hat. Bepflanzt ist er auch:


Birgitt hat sich das Buch Heimische Pflanzen für den Garten verdient, weil sie das Rad so schön neu erfunden hat. Die alten Fässer sind ein Scheunenfund.






Weitere Ideen:

Edith hat ein Frühbeet aus einer alten Duschkabine entworfen und eine Gartendame aus Holz und anderen Dingen.





Wolfgang hat einen Nistkasten gebaut (der kann sogar lachen - zumindest sieht es durch den Zweig davor so aus) und einen Pilz selbst geschnitzt:


Heidi hat alte Küchenutensilien bepflanzt. Die Teekanne kann als Nistkasten dienen, hier die Details zu den Bildern:

Oben links: eine etwas andere Rotkelchen-Wohnung mit weitem Ausguck
Oben rechts: eine ganz alte schiedeeiserne Gugelhupfform vom Flohmarkt  - als Pflanzgefäß für Frühlingsblüher
Mitte links: ehemals edles Serviergeschirr aus einem Hotelbetrieb - jetzt für meine Sukkulenten der richtige Auftritt
Unten links: und wieder vom Flohmarkt - die blaue Schale in der Vogeltränke. Sie war die Rettung, als die Tränke undicht wurde...
Unten rechts: ein ganz wundervolles bleiverglastes Fesnter mit Motiven von M. I. Hummel. Das  Fenster musste weichen, als isolierverglaste Scheiben im Haus unser Kinder eingebaut wurden. Sie hatten keine Vewendung mehr dafür und ich habe mich riesig darüber gefreut.          
Jetzt ist es ein kleiner Windschutz für unsere Terrasse.


Senna hat ein kreatives Hochbeet gestaltet - die Kapuzinerkresse versucht allerdings, es zu verstecken, dabei kann es sich durchaus sehen lassen:


Claudias Poolumrandung besteht aus Paletten. So wurden die Paletten recycelt und die Plastikfolie des Pools weitgehend versteckt. Ebenfalls aus dem Blickfeld verschwunden ist so die Pooltechnik. Im Winterhalbjahr, wenn der Pool im Keller liegt, dient sie als Einfassung einer zusätzlichen Terrasse.



Ich hätte am liebsten allen Teilnehmern ein Buch geschickt als Belohnung für's Mitmachen. Vielen Dank für eure Fotos!

Samstag, 23. Februar 2019

Fette Küken

Die Krokusse blühen und locken die ersten Bienen der Saison an.





Kann man sich bei diesem Anblick ernsthaft mit Spätsommerblühern wie der Fetten Henne beschäftigen? Das wäre ja gerade so, wie zu Ostern Weihnachtsdeko zu basteln?




Doch genauso, wie man es jetzt bitterlich bereut, im Herbst keine neuen Blumenzwiebeln gesetzt zu haben, sollte man den Frühjahrsputz im Garten dazu nutzen, mal nach den kleinen Pflanzengeschenken zu schauen.

Besonders die Fette Henne hat oft eine kleine Brut an Küken um sich herum versammelt, die man jetzt einsammeln und umsetzen kann.



So dick die Staude wird, so gern lässt sie uns auch an ihrem Bruterfolg teilhaben, der einem quasi zu Füßen liegt. An den alten Strünken vom letzten Jahr haben fleißige Pflanzen jede alte Knospe zu einer kleinen Tochterpflanze werden lassen und spielen Henne mit Küken. Das ist ganz schön schlau, denn durch diese passiv-aggressive Ausläuferbildung kann der Umfang einer Pflanze ganz schnell vervielfacht werden.


Die winzigen Rosetten werden am besten in einen Topf gesetzt, um sie unter Aufsicht groß zu ziehen. Junge Hennen gehen sonst in dicht gepflanzten Beeten unter. Schafft man es aber, um sie herum ein bisschen Freiraum zu schaffen, wird man in ein paar Jahren die anderen Pflanzen vor der umtriebigen Staude beschützen müssen, so groß wird sie.


Natürlich gibt es einfachere Methoden der Vermehrung: Einfach beherzt mit dem Spaten in den Horst stechen und aus einer Pflanze zwei oder mehr machen. Doch das tut meistens nicht Not, denn die Fette Henne wird lange Zeit nicht blühfaul und verkahlt auch nicht in der Mitte. Warum also eine gute Beetkombination ausdünnen, wenn man doch die Babies großziehen kann?


Auch die Zeit zum Fette-Hennen-Retten ist nun gekommen: Steht eine Staude viel zu schattig und mickert vor sich hin, kann man sie nun ausgraben und ihr ein besseres Leben versprechen. Die Stauden sind erstaunlich leidensfähig und sterben nicht sofort, wenn der Standort nicht stimmt. Doch irgendwann ist auch ihre Geduld erschöpft.

Also ran an den Speck: Der nächste Sommer kommt bestimmt und den will doch niemand ernsthaft ohne Fette Henne verbringen?

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