In meiner langjährigen Gartenkarriere kann ich mich nicht daran erinnern, dass es im Mai jemals so viel geregnet hätte und zwischendurch so kalt war. Normalerweise komme ich dann aus dem Urlaub zurück und die Allium-Blüten sind kurz vorm Verblühen. Dieses Mal aber nicht - sie hatten auf mich gewartet und fingen gerade erst an.
Was für ein Allium-Alarm dieses Jahr! Die Anno 2009/2010 gesetzten Zwiebeln von Allium aflatunense - es müssen so um die 10 gewesen sein, wenn das Gartentagebuch vollständig ist und nicht lügt - haben sich mittlerweile so vermehrt, dass ich bei 70 Blüten aufgegeben habe, sie durchzuzählen. Man kann sagen: Es sind echt viele und sie haben sich so gut versamt, dass es nur noch Stehplätze im Beet gibt.
Die Samen von Allium aflatunense keimen erst im nächsten Frühjahr und möchten dann einen Boden vorfinden, der in Ruhe gelassen wird, denn die Sämlinge sind dünn und zart, aber anscheinend gänzlich unbeeindruckt von großen Nachbarpflanzen. Nur Bodenbearbeitung würde sie vermutlich sehr stören.
Die anderen Gartenpflanzen sind vielleicht nicht mehr geworden, aber durch den Regen legen sie einen nie dagewesenen Größenwahn an den Tag.
Der Beinwell hinter dem Allium ist so hoch und breit wie nie. Die Hummeln freuen sich, die Stauden daneben nicht so.

Die Pastinakenwurzel, die ich im Winter im Biolade gekauft und dann nicht gekocht habe, weil sie oben schon austreiben wollte, ist im Kübel mittlerweile zu einem vielblütigen Monster von locker zwei Metern Höhe herangewachsen. Ich wusste nicht, dass die überhaupt so hoch werden können. Die Blüten wirken wie ein gelbes Feuerwerk, zumindest so, wie ich mir eines zu Silvester wünschen würde: Leise. Die Rindenspringspinnen, die sich unter die Markise verirrt haben, können jetzt von dort mit Leichtigkeit auf die Pastinake hüpfen und dort nach Beute suchen.
Klein, aber dafür umso breiter ist der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), der dieses Jahr endlich richtig blüht und prompt die Rote Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena labiata) in meinen Garten gelockt hat. Dieses sehr kleine Tier ist auffällig rot gezeichnet und passt ganz hervorragend zu den blauen Blüten.
Der Gamander-Ehrenpreis ist der schönste Rasenersatz, wird nur ein paar Zentimeter hoch, aber wächst unglaublich in die Breite mit kurzen Ausläufern, die man auch eintopfen und verschenken kann. Man kann ihn aber nicht umpflanzen, auch noch kurzer Zeit nicht mehr, denn dann hat man zwei, an der alten und an der neuen Stelle.
Nicht als Rasen, aber als gut riechende Wolke kann die Süßdolde dienen. Dieses Jahr hat sie so richtig aufgedreht und ist ein breites, weißes Ungetüm geworden. Die Samen kann man im grünen Zustand direkt von der Pflanze naschen, sie schmecken frisch nach Anis.
Der Wollkraut-Blütenkäfer lässt sich den Pollen schmecken:
Auch die Rotschopfige Sandbiene und der Mattschwarze Blütenbock sind hier oft zu finden, wenn man sie sucht:
Die zweite Süßdolde hinten im Garten ist weniger imposant, weil sie schattiger steht, hat sich aber dieses Jahr gut versamt.
Die Schnecken glänzen erfreulicherweise weniger durch Schneckenschleim als durch Abwesenheit, was das Gartenjahr erfrischend anders macht. So kann's bleiben, nur gern immer mit ein wenig Regen zwischendurch und ohne große Hitze! Immerhin machen die Monsterpflanzen Schatten...
Nachtrag: Gestern Abend bei dem schweren Gewitter ist die Pastinake abgebrochen. Ich bin untröstlich.😢



























































