Samstag, 8. August 2026

Die Wissenschaft hat festgestellt...

 ...festgestellt, festgestellt, dass Steinbrech ein Insekt enthält... 🎵♪♩

Oder so... Denn neulich wurde ein lange von Darwin geäußerter Verdacht endlich bestätigt, kaum wartet man (knapp) ein paar Jahrhunderte: Der alpine Steinbrech Saxifraga candelabrum aus China ist die erste offiziell bestätigte karnivore Art innerhalb der großen Familie der Steinbrechgewächse.

Natürlich kann man nicht jeder dahergelaufenen Pflanze, an der ein Insekt klebt, unterstellen, dass sie das mit böser Absicht getan hätte: Damit eine Pflanze zweifelsfrei als karnivor gilt, muss sie Beute anlocken, festhalten, verdauen und die gewonnenen Nährstoffe auch tatsächlich verwerten.

Der Beweis war ziemlich aufwendig, am Ende wurden der gierigen Pflanze mit einem Isotop markierte Fruchtfliegen aufgedrückt. Später fand man genau dieses Isotop dann im Pflanzengewebe wieder. Ergo: Der zwielichtige Steinbrech hat die Fruchtfliege verdaut. Darwin hätte sich gefreut, Recht gehabt zu haben. Aber Isoptope hatte er gerade nicht zur Hand und die Vermutung bei europäischen Arten geäußert, die wohl noch nicht mit isotopen-gewürzten Drosophilas getestet wurden.

Auch ich hege den Verdacht, dass eine meiner Gartenpflanzen karnivor ist, habe aber auch gerade keine Drosophila und schon gar keine Isotopen im Kühlschrank. An die Fruchtfliegen wäre noch ranzukommen, die Isotope sind das Problem.

Daher bleibt mir nur, meine Vermutung zu äußern - und wenn da mal einer bitte nachschauen und es beweisen könnte, wäre ich zum Zitieren bereit! Hier also schriftlich: Elke Schwarzer stellt hiermit die Hypothese auf, dass die Frühlings-Braunwurz (Scrophularia vernalis) – die mit den gelben Puffärmel-Blüten – karnivor ist und gar nicht so harmlos, wie sie aussieht. Vielleicht lässt sie es wie einen Unfall aussehen, um uns zu täuschen.


Die zweijährige Pflanze hat klebrig-schleimige Drüsenhaare am Stängel und an den Blättern. Wenn man sie anfasst, fühlen sich die Finger nass an. Wenn es lange nicht regnet, sehen die Blätter immer schmuddelig aus, weil alles mögliche daran haftet. Oft hängen auch sehr kleine Insekten bewegungslos in diesem Schleim. Aber ob es Absicht ist, um Protein zu erhaschen, oder soll es Blattläuse davon abhalten, sich anzusiedeln?

Eine kleine Brackwespe ist geleimt worden - ein Kollateralschaden oder Mittagessen?



Die Schillerwanzen, die eine ganze Generation an der Braunwurz großgezogen haben dieses Jahr, können sich unbehelligt darauf bewegen.


Auch Wildbienen, die diese Zweifarbige Sandbiene, kommen ungeschoren davon. Wäre ja kein Erfolgsmodell, wenn man die Bestäuber leimt.

 

Wahrscheinlich werde ich es nie erfahren, was diese Pflanze mit ihren klebrigen Blättern und Stielen so anstellt, aber es steht fest, dass sie sich in Kübeln ganz schön breit machen kann und sich ziemlich erfolgreich selbst aussät.

Samstag, 1. August 2026

Braune Zwiebeln, brauner Daumen?

Brutzwiebeln sind wie Samen, nur besser. Und sie sollten auch schneller sein, denn schließlich hat die Mutterpflanze hier richtig Vorarbeit geleistet und die kleinen Knubbel mit allem ausgestattet, was man zum Wegkullern und Wiederanwachsen so braucht. Gewächse mit kugelrunden Brutzwiebeln haben das Rad neu erfunden. Gegenüber einem Samenkorn ist das der Turbo unter den Vermehrungsmethoden. Man bekommt eine Pflanze, die der Mama gleicht wie eine Bulbille der anderen - es muss sich also um sehr selbstbewusstes Grünzeug handeln, das sehr von seinem Genpool überzeugt ist, um derartige Methoden anwendet.

Mit der Zwiebel-Zahnwurz funktioniert das in meinem Garten jedenfalls ganz hervorragend. Eine kleine braune Bulbille fällt irgendwo hin und dann wächst das schon, da muss man sich kaum kümmern. Nicht mal einen grünen Daumen benötigt man dafür, geschweige denn einen braunen.

Blühen tun die kleinen Zahnwurz-Zöglinge dann auch ziemlich schnell. Wollschweber und Aurorafalter lieben das!



Da ich also schon einige Erfahrung mit den Wunderknubbeln von Cardamine bulbifera habe, dachte ich mir: Wir schwer kann das sein, dasselbe mit den Brutzwiebeln von Lilien hinzukriegen?

Iris-Rhizome sind recht teuer, da wäre die Vermehrung aus Bulbillen ja ein echtes Schnäppchen! Und Lilium lancifolium var. splendens, die Tiger-Lilie, bietet genau das! Riesige Klunker für umsonst!


Und weil ich dachte: Wenn die jetzt von alleine herunter fallen, liegen sie sowieso auf der Erde, habe ich sie auch im Sommer direkt eingepflanzt. Sie trieben sehr brav aus.

Im März sahen die kleinen Lilien noch ganz vielversprechend aus.



Jetzt im August wirken sie müde, bleich und kränklich, so als würden sie absterben oder einziehen. Bei der ständigen Hitze und Trockenheit könnte man es ihnen nicht mal übel nehmen.

Ist das normal oder war die Erde nicht gut - zu wenig, zu viel gedüngt? Staunass, trotz Trockenheit?

Offenbar sind nicht alle Brutzwiebeln gleich einfach zu einer blühenden Pflanze heranzuziehen. Nicht mal die nimmermüden Lilienhähnchen mochten sich mit meinen Mini-Mickerlilien mit nur einem einzigen Blatt abgeben. Und das will was heißen.


Habt ihr schon mal ausprobiert, aus Bulbillen einen Tiger, also zumindest eine Tiger-Lilie zu machen?

Samstag, 25. Juli 2026

Wenn Schädlinge geschädigt werden

Schädlinge haben es auch nicht leicht! Da denkt man immer, Schnecken, Erdflöhe und vor allem Kohlweißlingsraupen können sich einfach alles erlauben, aber auch sie brauchen mehr Glück als Verstand. Das konnte ich jetzt wieder erleben.

Seit Jahren habe ich diesen einen unsterblichen Palmkohl im Kübel auf der Terrasse, der diverse Pflanzennachbarn ertragen muss, nicht blühen mag und daher immer weiter wächst. Gut, der große Strunk ist einer Pilzkrankheit zum Opfer gefallen (davor schützte Blühfaulheit offenbar nicht), aber er hatte einen Seitentrieb, der sich die Pest nicht eingefangen hat und jetzt ordentlich groß geworden ist.

Zwei Kübel weiter hatte ich im Dezember einen winzigen Sämling vom Helgoländer Klippenkohl eingepflanzt. Der ist von Hause aus ein ewiger Kohl, den man (hoffentlich) für immer hat. Der kleine Kerl ist schon recht stattlich geworden für sein erstes Jahr auf dem Festland.

Stattlich ist dieses Jahr auch die Anzahl an Weißlingen. Sowohl der Kleine als auch der Große Kohlweißling sind erfreulicherweise wieder häufig zu sehen, das war schon mal anders. Besonders der Große hatte sich in den letzten Jahren rar gemacht.

In meinen Garten sind dann auch einige schöne weiße Weibchen beider Arten geflattert und zeigten großes Interesse an den beiden Kohlpflanzen. Wir erinnern uns: Daneben wächst Minze und das hat die Falter sonst immer von der Eiablage abgehalten, zu groß war die olfaktorische Verwirrung. Diesmal nicht, es wurden Eier gelegt, was das Zeug hält.

Und es schlüpften auch einige Raupen. Ich hatte zwischendurch schon große Angst um die beiden kleinen Kohlgewächse. Doch schlüpfte nicht aus allen Eiern eine Raupe, und mit der Zeit verschwanden immer mehr Larven.

Zuerst wurden die samtig grünen Raupen vom Kleinen Kohlweißling weniger. Dabei hatten sie sich so große Mühe gegeben, nicht aufzufallen. Die Farbe ist vor allem auf dem Klippenkohl fast nicht zu sehen, und nach jeder Häutung wurde sogar feinsäuberlich die alte Larvenhaut aufgefuttert, um nur ja keine Spuren zu hinterlassen. In Ruhe setzen sie sich auf die Mittelrippe, was sie extrem gut tarnt.

Finde die Raupe:

Der Große Kohlweißling legt immer gleich ein ganzes Gelege von Eiern, aus dem die Räupchen gleichzeitig schlüpfen und sehr gesellig beieinander bleiben. Man häutet sich zusammen und frisst zusammen. So eine gefräßige Raupengruppe kann schnell kurzen Prozess machen mit einem kleinen Kohl. Ich wollte die Bagage schon auf die Kapuzinerkresse umsiedeln, habe dann aber doch abgewartet und dabei zugesehen, wie die Geschwister einträchtig ihre nächste Häutung vorbereiteten. Nur die kleinste Raupe hatte sich abgesondert. Deswegen war sie wohl auch noch da, als die anderen längst spurlos verschwunden waren. Es hat aber nur ein paar Tage länger gedauert und dann war auch das Nesthäkchen weg.

Ich habe die Kohlmeisen im Verdacht, die ständig auf der Terrasse herum lungerten und noch späte Jungvögel mitbrachten. Also doch keine unbesiegbaren Schädlinge, obwohl die Raupen sicher sehr nach Senfölen geschmeckt haben. Jetzt taten sie mir wirklich leid und ich hätte gern ein paar von ihnen behalten.

Nur eine letzte Raupe vom Kleinen Kohlweißling ist noch da, wirkt aber sehr träge. Doch was krabbelt da auf ihr herum?



Tja, auch diese wird sich nicht zu einem weißen Schmetterling entwickeln, denn das sind Erzwespen, vermutlich die Art Baryscapus galactopus, die wiederum ein Hyperparasit ist und in den Raupenkörper hineinsticht, um Eier in die parasitische Larve der Schlupfwespe Hyposoter ebeninus zu legen, nicht in die Raupe selbst.


Die Raupe ist also schon parasitiert, die an ihr herum wuselnde Erzwespe macht es jetzt auch nicht mehr schlimmer, im Gegenteil, zukünftige Generationen von Kohlweißlingen werden es ihr danken, dass sie den Parasitoiden dezimiert.

Das zeigt aber, dass man bei Kohlweißlingen nicht immer in Panik verfallen muss. Jetzt finde ich es doch schade, die Raupen alle verloren zu haben.

Samstag, 18. Juli 2026

Schrebergärten: Kreativ und insektenfreundlich

Die deutsche Sprache ist ja bekannt und berüchtigt für seine langen zusammengesetzten Wörter. Und die Deutschen für ihre Bürokratie. Das Wort Bundeskleingartengesetz vereint beides auf das Schönste.

Zum Beispiel regelt dieses wunderbare Gesetz die Größe der Laube und das Gartens und mahnt Umwelt- und Naturschutz an:

(1) Ein Kleingarten soll nicht größer als 400 Quadratmeter sein. Die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege sollen bei der Nutzung und Bewirtschaftung des Kleingartens berücksichtigt werden.
(2) Im Kleingarten ist eine Laube in einfacher Ausführung mit höchstens 24 Quadratmetern Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig; die §§ 29 bis 36 des Baugesetzbuchs bleiben unberührt. Sie darf nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung, nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein.

Das reicht aber noch nicht an Bürokratie, denn zusätzlich kommen noch die Vereinssatzung und die Gartenordnung oben drauf.

Nicht jeder findet die Satzung oder das Gesetz gut, wenn er dadurch dazu gezwungen wird, Gemüse anzubauen oder auf einen Palast zu verzichten, der größer als 24 Quadratmeter ist, aber für Besucher ist sie einfach toll! Denn meistens ist in der Vereinssatzung geregelt, dass die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich sein muss, und dass man in die einzelnen Gärten vom Weg aus hineinschauen können muss. Das ist das Großartige an Kleingärten! Die Hecken dürfen also nicht allzu hoch werden, damit man gucken kann.

Während sich also Hausgärten eher abschotten, muss man im Schrebergarten damit leben, dass auch mal jemand hineinschaut. Natürlich kann es auch sichtgeschützte Bereiche geben, aber der Garten an sich darf sich nicht verstecken.

Gehölze im Kleingarten dürfen auch nicht in den Himmel wachsen, gestandene Waldbäume sind daher völlig verboten. Ich glaube, das ist auch mit ein Grund, warum Schrebergartenanlagen oft so eine große Artenvielfalt aufweisen! Durch die überschaubaren Gehölze kommt viel Sonne hinein, was die meisten Insekten mögen. Es muss zu einem gewissen Anteil Obst und Gemüse angebaut werden, womit ebenfalls viele Gartentiere sehr einverstanden sind, auch wenn wir das nicht immer gut finden.

Dazu kommen die vielen Blüten und die Gartenelemente, die sich von Parzelle zu Parzelle unterscheiden. Die eine hat eine Trockenmauer, die nächste einen Teich, dann findet sich irgendwo vielleicht eine Blumenwiese, die meisten haben einen Kompost. Naturnahe Schrebergärten sind auch kein Tabu und so gibt es mittlerweile viele Anlagen mit Sandarium, Totholz und heimischen Pflanzen.

Upcycling-Trockenmauer aus alten Betonplatten:

Tiere lieben das!

Die Gartentiere finden also garantiert etwas, das nach ihrem Geschmack ist. So finden sich viele Arten auf kleinem Raum, die man woanders in der Stadt möglicherweise vergeblich sucht.

Natürlich gibt es auch die unkrautfreien, geschniegelten Schrebergärten, aber es gibt erfreulicherweise ganze Vereine, die ihre Anlage naturnah gestaltet wissen möchten, bis hinein in die einzelnen Parzellen.

Hier ein etwas exotischerer, bunter Garten mit Phlox, Hortensien, Lilien und Taglilien:




Artischocken neben Königskerzen:

Unkraut und Montbretien sind nie weit voneinander entfernt:



Gewässert wird auch, die Pflanzen und Tiere sind also immer gut versorgt:


Durchblicke überall:





Bohnen und Kohlrabi - Kohlweißlinge finden zumindest das eine Gemüse sehr gut, Schnecken gleich beide.

Manchmal dürfen die Zwiebeln auch blühen, wie hier im Garten von Carola, die sich sehr für naturnahe Bereiche auch an den Wegen zwischen den Parzellen einsetzt:



Die Staketenzäune der Nachbarparzelle rahmen den Gemüsegarten locker ein:


Ein weiterer Grund, warum ich Schrebergärten gern besuche, ist die Kreativität, mit der die einzelnen Gärten gestaltet wurden. Ausrangierte Küchenutensilien, Werkzeugkästen, Suppenkellen oder Kochtöpfe laufen hier zur Hochform auf und finden sich plötzlich bepflanzt wieder.

Gut beschirmte Paprika – wenn es mal wieder zu heiß wird, denn das bekommt auch der schärfsten Chili nicht:

Oft wird sogar etwas für den Denkmalschutz getan: Alte Gartenlaube, wieder aufgebaut in einem Schaugarten - auch die originale Inneneinrichtung wird hier bewahrt.


Städte sollten also alles dafür tun, Schrebergärten nicht für den Wohnungsbau zu opfern! Die große Artenvielfalt der Anlagen kommt mit einem Mehrfamilienhaus nie mehr zurück!


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Und dann noch etwas in eigener Sache! 

Das Magazin Bild der Wissenschaft zeichnet zum 33. Mal die Wissensbücher des Jahres in sechs Kategorien aus.

Ich freue mich sehr über die Nominierung von:

🐌 „Mord im Nacktschnecken-Milieu“ in der Kategorie „Unterhaltung – das spannendste Buch“ 🔍


Noch mehr würde es mich freuen, wenn ihr alle fleißig für das Buch abstimmt: Link zur Abstimmung

Man muss seine Daten auch nicht unbedingt hinterlassen, nur, wenn man am Gewinnspiel teilnehmen möchte.