Samstag, 8. Mai 2021

Tulpenfieber

Es gibt viele Wörter, die sich aus Blumennamen ableiten: Einen rosigen Teint haben oder einfach nur: Rosenrot, Veilchenblau, Lilienweiß, Fliederfarben oder Narzissengelb. Doch was ist eigentlich mit den Tulpen? Hier sind es eher Wörter, die nah am Wahnsinn und am Scheitern liegen, denen diese Pflanze ihren Namen verpassen konnte: Tulpenfieber, Tulpenkrise, Tulpenblase. Sind es nur die Wörter Bier- und Sekttulpe, die zwar alkoholisiert, aber nicht ganz so krisengeschüttelt daherkommen? Das Wort Tulpenrot gibt es nicht, dabei ist dies die Farbe, mit der wohl 60 % aller Tulpen aufwarten können, die nicht gelb sind. Oder weniger als ein Jahr im Garten. Die roten Tulpen sind es ohne Zweifel, die die Zeiten und den Gärtner überdauern können. Keine sind so langlebig wie sie. Die meisten dezent pastellfarbenen, grell gestreiften oder fast schwarz gefärbten beehren uns meist nicht so lange wie die roten.

 


Die Mehrheit in meinem Garten waren auch immer die toten Tulpen, bestehend aus namenlosen und der schönen 'Red Impression' - leider kann ich beide nicht mehr auseinander halten. Fast ebenbürtig ist die unfassbar zart gelb gefärbte 'Beauty of Spring' - und der Name ist Programm!





Beide Sorten habe ich 2015 gepflanzt und sie sind sogar mittlerweile mehr Blüten als ich damals Zwiebeln gepflanzt habe, sicher weiß ich das aber nur bei der gelben 'Beauty of Spring'.

Auch meine gefüllt blühenden rein violetten Tulpen sind sehr zäh und ausdauernd. Fast alle blühen jedes Jahr. Sie habe ich fast schon 10 Jahre.

Neu seit dem letzten Frühjahr ist eine postgelbe namenlose Tulpe, die ich vor einem Jahr aus dem ehemaligen Grabeland gerettet habe, bevor der Bagger kommen sollte und alles zu einem Spielplatz umbauen sollte. Der Bagger kam nicht und die Tulpen würden wohl dieses Jahr immer noch auf der Fläche blühen, aber es sind offenbar genauso wie die Pfingstrosen, die dort so prächtig wuchsen,  alle gerettet worden vor dem schweren Gerät, das nie kam.

Dass ich letztes Jahr komplett dem Tulpenwahn verfallen bin, zeigte sich auch bei meiner Rettungsaktion im Botanischen Garten, wo die Wechselflorbeete neu angelegt wurden und die Tulpen weichen mussten.

So sah das Beet vor der Rodung aus - alles tulpenbunt:


Und das war meine Ausbeute:


Ja, was machen diese Tulpen eigentlich, die ich im Mai 2020 mühsam mit Laub und viel Wasser zwischen die Stauden gedrückt habe? Rote waren jedenfalls keine dabei, trotzdem blühen einige der edlen Sorten jetzt zu meiner großen Freude.

Ein paar meiner Tulpenblüten erkenne ich zwar nicht mehr in meiner Beute, aber auf den Bildern oben aus dem Botanischen Garten finde ich einige wieder. Sie hatten wohl schon die Blütenblätter verloren, als ich sie ernten konnte.

Die erste, die erschienen ist und immer noch blüht, ist diese magentafarbene mit dem weißen Rand, die hier zwischen den roten Tulpen etwas aus der Reihe tanzt:

 



Gleich danach erschien ein ganz entzückendes Wesen, bei dem man gleich Appetit bekommt, denn es erinnert mich an Erdbeereis mit Sahne:


Und dann wäre da noch dieser weiße Flokati, auch eine hübsche Tulpe:


Es ist aber lang noch nicht Schluss, denn jetzt fängt eine ganz grazile Sorte an zu blühen, sie hat schlanke gelben Blüte mit Schuss in Rot:




Bisher blühen also wirklich nur Tulpen, die ich nicht mehr blühend aus dem Botanischen Garten mitgenommen habe. Was ist mit 'Black Hero', den rosafarbenen und den weiß-rosa gestreiften? Einige werden noch blühen, andere sind verschollen.

Trotzdem hat sich die Rettungsaktion jetzt schon gelohnt - mein Garten ist im Moment einfach nur tulpenbunt und wird es noch eine Weile bleiben!

Samstag, 1. Mai 2021

Whirlpool für Mikroben

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Eine Wellness-Oase für Mikroorganismen? Wozu soll das denn bitte gut sein? Sind Bakterien und Co denn überhaupt für irgendwas gut außer für Schlagzeilen? Doch man muss unterscheiden, denn unter den Bakterien gibt es nicht nur die Fäulnis-Fans, Krankheitserreger und andere Gammler, sondern eben auch die freundliche Fraktion, die gut für den Garten ist. Manche dieser braven Bazillen bilden eine Symbiose mit Pflanzen, andere sorgen dafür, dass im Boden Zellulose abgebaut wird, woraus wiederum Pflanzennährstoffe entstehen, und ganz nebenbei sind sie das Parfum des Gartens: Sie geben dem Erdboden seinen schönen erdigen Geruch, den wir als angenehm empfinden. Und diesen netten, duftenden Mikroorganismen habe ich einen Whirlpool mit Vollpension eingerichtet.


 

Ich habe nämlich Komposttee hergestellt, aber nicht aus Teebeuteln, sondern aus getrocknetem Wurmhumus unter ständiger Luftzufuhr, denn dieser enthält Unmengen der nützlichen Bodenorganismen. Wurmhumus ist übrigens nur ein eleganter Euphemismus für Wurmkot, klingt aber doch gleich viel besser, oder? Er wird in Regenwasser eingeweicht und dabei wird das Wasser die ganze Zeit, etwa 24 h lang, gut belüftet, damit anaerobe Fäulnisbakterien keine Chance haben, wir wollen ja die guten, aeroben Bakterien züchten.

 


Im Wurmkot befinden sich viele dieser guten Mikroorganismen, denn sie lebten einmal im Darm des Wurms und halfen ihm bei der Verdauung. Zum Beispiel lebt im Darm des Kompostwurms Eisenia foetida der Heubazillus, Bacillus subtilis, ein ganz fantastisches Bakterium, das aufbauenden Stoffwechsel im Boden fördert, die Stresstoleranz der Pflanzen stärkt, Pilzbefall und Fäulnisprozesse reduziert - ein echter Wunderheiler unter den Bakterien also. Das funktioniert aber nur, wenn es genug Mitstreiter im Boden finden kann - und genau diese Mehrheit wollen wir mit dem Komposttee erreichen.


Damit die netten Einzeller aber auch gewillt sind, den gemütlichen Humus zu verlassen, braucht es einen leckeren Lockstoff. Dazu nimmt man Melasse, ein klebrig süßer Zuckersirup, der als Bakterienfutter dient. Sobald die Bakterien erstmal angefangen haben, sich zu vermehren, erscheinen auch Protozoen und nützliche Nematoden im Komposttee. Auch sie spielen eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz des Bodens und werden von anderen Tieren gefressen.

Das Brauset zum Herstellen von Komposttee wurde mir freundlicherweise von Wurmwelten zur Verfügung gestellt. Es enthält eine Aquarienpumpe, 200 ml Melasse (genügend für 150 Liter Komposttee), 250 g Aktivator-Mischung (Bentonit, Urgesteinsmehl, Algenkalk, Pflanzenkohle), 10 L frischen Wurmhumus, 2 Luftsteine, 2 m Luftschlauch plus Verbindungsstück, Vlies und eine Klammer zum Befestigen des Wurmhumus-Vlies-Päckchens am Eimer. Der Metalleimer ist nicht im Paket enthalten, auch die ganz zufällig farblich perfekt passende Wäscheklammer nicht.


 

Erst muss man ein bisschen basteln und die Luftsteine mit Schlauchstücken verbinden, anschließend wird das lange Schlauchstück an die Pumpe angeschlossen. Die Luftsteine wirft man ins Regenwasser (15 Liter werden empfohlen, dazu braucht man einen 20-Liter-Eimer mit Reserve, wenn sich Schaum bildet) und jetzt darf die Pumpe lossprudeln. Melasse und Aktivator werden hinzugegeben, anschließend packt man die benötigte Menge Wurmhumus in das Vlies ein und klemmt das Päckchen mit der Klammer so an den Eimerrand, dass der Wurmhumus unter Wasser ist.


 


 

Nach 24 h Sprudeln bei Raumtemperatur ist der Tee fertig. Bis dahin wummert und plätzschert die Pumpe vor sich hin. Man sollte in dieser Zeit nicht allzu dringend aufs Klo müssen, außerdem habe ich mich mehrfach beim Betreten des Raumes gewundert, woher das ungewohnte Geräusch kommt. Die kleine Pumpe ist aber recht leise und arbeitet unermüdlich durch, auch wenn man schläft. Nur wenn man sie aus Versehen wie einen Käfer auf den Rücken wirft, wird sie laut und beschwert sich, weil sie dann nicht mehr auf ihren gedämpften Füßchen steht.

Ist der Tee fertig, wird er sofort mit der Gießkanne im Garten auf den Boden ausgebracht. Es ist nicht schlimm, wenn man damit das Laub der Pflanzen benetzt, im Gegenteil. Man kann den Komposttee auch nicht überdosieren, hierbei gilt endlich mal: Viel hilft viel - eine Regel, die bei Mineraldünger grundverkehrt wäre.



 

Im Gegensatz zu normalem Dünger merkt man aber nicht schon am nächsten Tag, dass der Rasen oder die Pflanzen besser wachsen. Die Wirkung von Komposttee setzt später, aber dafür nachhaltig ein, nichts für Ungeduldige also.

Der Tee riecht übrigens sehr appetitlich, dank der Melasse sogar nach leckerer Limonade. Er färbt sich bräunlich und schäumt zum Ende hin. Das ist alles gut und normal. Wenn er nicht stinkt, ist der Tee ein voller Erfolg und man hat nur die netten Bakterien vermehrt.



 

Mit dem nassen Wurmhumus aus dem Ansatz kann man später übrigens noch prima mulchen. Und wenn der Vorrat aus dem Brauset aufgebraucht ist, eignet sich auch der eigene Kompost zum Ansetzen des Tees.


Ich wollte es aber noch genauer wissen und habe nachgeschaut, was denn wirklich im Komposttee so alles herumschwirrt. Am Anfang, zwischendurch und am Ende habe ich eine Petrischale voll Tee abgezapft und unter dem Binokular geschaut, ob ich darin Leben finden kann. Die Bakterien konnte ich bei der Vergrößerung nicht erkennen, aber es gibt ja gute haarige Indikatoren, dass welche da sind: Wimpertierchen! Diese kleinen, flinken Protozoen filtern Bakterien aus dem Wasser und erscheinen rasch auf der Bildfläche, wenn ihre Nahrung sich vermehrt hat. Und tatsächlich konnte ich zu Anfang keinerlei Tierchen feststellen. Je länger der Tee aber vor sich hin braute, umso mehr Bewegung kam hinein vor lauter umherflitzenden Wimpertierchen und sogar ein paar wirklich winzige Nematoden habe ich gefunden (die sich wiederum von den Wimpertierchen ernähren).


 

Das Brauset funktioniert also und bekommt von mir eine klare Empfehlung.

Jetzt hatte ich nur ein Dilemma: Diese kleinen wuseligen Protozoen sollte ich jetzt einfach auf den Gartenboden gießen? Würden sie sich dort wohlfühlen? Da sie aber aus dem trockenen Wurmhumus stammen, muss ich darauf vertrauen, dass sie in der Erde überleben werden.


Dieses Tierchen ist nicht aus dem Komposttee, sondern aus einem Ansatz im Garten, der aus Grasschnitt und Laub besteht. Er kann über Wasser gehen und sieht aus wie ein Schlumpf: Ein blauer Springschwanz (Collembola):



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Samstag, 24. April 2021

Grasgeflüster

Gräser im Garten kommen gleich nach Hochbeeren, sie sind Trend - zwischen all den eher rundblättrigen Stauden sind ein paar hervorstechende Blatt-Dolche ja auch nicht verkehrt. Im Gegensatz zu rigiden Hochbeeten wiegen sich die Gräserblüten im Herbst in jedem lauen Lüftchen und leuchten bei Gegenlicht wie weiland die Prärie.

So weit die graue Gras-Theorie. Praktisch habe ich in meinem Garten mehrere Seggenarten, wie zum Beispiel Carex 'Icedance' und 'Evergold' mit ihren gestreiften Blättern. Die Blüten erscheinen allerdings sehr früh und ihre Stängel sind kurz, da wiegt sich ein Hauch von Nichts im Wind und schon gar nicht mehr im Spätsommer. Außerdem neigt Carex 'Icedance' sehr dazu, in die Breite zu gehen und sich wie ein Platzhirsch aufzuführen. Von wegen Tanzen - diese Segge führt höchstens einen unbeholfenen Walzer aus und walzt sich eben mit Freuden und ohne jegliches Rhythmusgefühl durch die Beete.

Jeder gegen jeden: Carex 'Icedance', Schneeglöckchen, Trachystemon orientalis und Wunder-Lauch

Hübsch gestreift wie ein Zebra ist auch Calamagrostis x acutiflora 'Overdam'. Dieses Reitgras wäre immerhin in der Lage, später wogende Blüten zu bilden, allerdings knicken sie in meinem Garten sofort um und sehen nicht nach Gartenzeitschrift, sondern nach Unfall aus. Es ist wohl zu schattig für ein ausgefeiltes Blatt-und-Blüten-Ballett. Aus der Traum vom Gräsermeer, das in der Sonne glitzert.

Calamagrostis x acutiflora 'Overdam'

Um den Storchschnäbeln, Anemonen, Helleborus, Primeln, Brandkräutern und dem Rauling optisch Paroli zu bieten, müssen es aber gar nicht unbedingt waschechte Gräser sein. Auch andere Pflanzen mit lanzettlichem Laub ergeben einen guten Kontrast und blühen sogar noch für Insekten - oder sind essbar, was man von Gräsern eher nicht behaupten kann, wenn man kein Huftier ist.

Hübsche grasartige Horste bilden zum Beispiel Taglilien. Sie treiben früh aus, sind robust und ihre Blüten eine Delikatesse.




Essbar ist auch der Wunder-Lauch (Allium paradoxum). Seine Blätter sind schlank und grasähnlich und nicht so korpulent wie die des Bärlauchs. Wunder-Lauch blüht früher als der Bärlauch, seine Blätter lassen sich genauso verwenden. Später bilden sich scharf schmeckende Zwiebeln zwischen den weißen Glöckchen-Blüten, die aber kein Knoblaucharoma haben.

 
Hier eine Szene mit Carex 'Icedance', Schneeglöckchen, Trachystemon orientalis und Wunder-Lauch. Es geht nur scheinbar einträchtig einher, in Wahrheit trachtet die Segge immer danach, das ganze Beet zu erobern.


Die anderen, gängigeren Geophyten dürfen jetzt im Frühjahr auch nicht vergessen werden. Unter ihnen gibt es einige mit grasähnlichem Laub, das schöne Szenen ergibt, wenn es Blüten umspielt. Sie sind zwar jetzt schon längst verblüht, doch gerade Schneeglöckchen- und Krokuslaub ist sehr attraktiv und ergibt im Frühjahr eine Mini-Prärie. Krokuslaub hat ja immerhin auch einen hübschen weißen Mittelstreifen, als wäre es mit Panaschierung gezüchtet worden.

 

Da biste platt: Manchmal entsteht allerdings der Eindruck, als wäre eine Lawine über den Krokus hinweggewalzt. Zwischen anderen Stauden eingebettet werden die Blätter weniger haltlos.


 

Hier umspielen die Blätter der Hasenglöckchen und einiger Prärielilien (Camassia) die Blüten einer Lenzrose. Danaben wieder Bärlauch bis zum Horizont, soviel kann man gar nicht essen, wie der wuchert.


Vorsicht ist nur bei Herbstzeitlosen geboten. Ihr Laub ist nicht filigran und grasartig, sondern eher matronenhaft und platzeinnehmend. Außerdem sammeln sich hier sämtliche Nacktschnecken der näheren und weiteren Umgebung. Das kann man gut nutzen, um sie einzusammeln, denn das Laub ist ein Magnet für groß und klein.


Auch Laucharten benehmen sich nicht alle gleich gut. Während Allium sphaerocephalon sich sehr dünn macht und selten aufdringlich wird, ist Allium aflatunense eher ein Platzhirsch. Nur die gerade gekeimten Sämlinge sind noch grasartig, später werden die Blätter lappig und sind einfach überall - und grundsätzlich ist ihre Zahl grundsätzlich um ein Vielfaches höher als die der Blüten. Das gilt auch für Tulpen, die sich allerding - je nach Wildheit - seltener versamen.


Links Allium spaerocephalon, rechts Traubenhyazinthe

 
Die ultimative Gras-Alternative in Sachen Lauch ist natürlich der gute alte Schnittlauch. Der hat feines Laub, schöne Blüten und wenn man die Samenstände nicht entfernt, wiegt sich im Spätsommer auch irgendwas im Wind.

 

Während ich im Garten also unter den Gräsern eher die Wucherer und die Umkipper vereine, erfreuen mich die Geophyten doch mehr als dass sie mich ärgern. Und wenn ich auch keinen opulenten Präriesommer habe, so zaubern sie immerhin ein bisschen Wiesenflair ins Frühjahr.

Samstag, 17. April 2021

Getestet: Klimaneutrale Blumenerde

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Wie bekommt man Blumenerde für den Garten, wenn selbiger klein ist, völlig frei von Maulwurfshügeln und bis zum Anschlag so voll mit Pflanzen, dass es sich verbietet, einfach irgendwo ein Loch zu graben, um daraus Erde zum Selbstmischen zu gewinnen? Große Gärten können sicher die ein oder andere Schmuddelecke beherbergen, schön versteckt hinter dekorativen Zäunen, sodass eigene Erde in einer Schubkarre gemischt werden kann. Meiner hat zwar auch Schmuddelecken, aber in denen wächst immer irgendwas oder es ist keine Erde zugänglich. Draußen versuche ich schon mit allen Tricks, die Erde in den Kübeln möglichst lange taufrisch und für die Pflanzen akzeptabel zu halten. Jedes Frühjahr bekommen sie eine Schicht Kompost, zusätzlich möchte ich ihnen diesmal noch Mykorrhiza spendieren, wenn die Tomaten in die Erde vom letzten Jahr einziehen.


Doch ich habe auch noch Zimmerpflanzen. Spätestens hier würde die eigene Bodengewinnung aus dem Garten zu wenig Material liefern. Außerdem möchte ich den armen Regenwürmern und anderen Tieren nicht zumuten, mit mir zusammen im Wohnzimmer das Fernsehprogramm zu erleiden, von dem oft austrocknenden Wurzelballen und dem fehlendem Auslauf mal ganz zu schweigen.

Also greife ich doch jedes Jahr wieder zu einem Sack Blumenerde - alles bis 45 Liter lässt sich übrigens auch hervorragend und unfallfrei auf dem Fahrradgepäckträger transportieren! Natürlich soll das Substrat torffrei sein, das ist auch mittlerweile kein Problem mehr. Die zweite Randbedingung, nämlich ohne Plastiksack ist schon schwieriger zu erfüllen. Daher habe ich mich gefreut, dass ich dieses Jahr eine neue torffreie Erde testen darf, nämlich die BiO Gemüse- und Kräutererde von TerraBrill. Hier ist der Plastiksack schon mal zu 50 % aus Altplastik und zu 100% recyclingfähig. Noch ein Pluspunkt: Das Substrat ist organisch aufgedüngt, also frei von Mineraldünger. Der Dünger wird langsam abgegeben, je kälter es ist, umso länger dauert es, es empfiehlt sich für Starkzehrer eine Nachdüngung nach etwa 4 Wochen.


Die Erde ist als klimaneutral zertifiziert nach dem Prinzip „from cradle to customer“. Das heißt, dass alle Emissionen kompensiert werden, die durch die Rohstoffe, die Produktion, die Frachten und allgemein im Unternehmen durch diese Erden entstehen. Konkret wird ein Aufforstungsprojekt im Harz mit heimischen Baumarten unterstützt.

Doch was ist drin im Sack? Zunächst war ich erschreckt, denn man konnte einen deutlichen Geruch nach Nadelholzrinde feststellen. Und mit so einer Erde habe ich schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, mir sind einige Pflanzen darin eingegangen. Als ich die Tüte geöffnet hatte, war ich beruhigt: Keine riesigen Rindenstücke, alles wirkt locker und fluffig. Enthalten sind Kompost, Holzfasern, Kokosfasern (ein Abfallprodukt) und Kiefernrinde, daher also der Geruch nach Nadelholz.



 

Mittlerweile wachsen bei mir Tomaten, Sämlinge von Blasenstrauch, Pfirsichblättriger Glockenblume, Wolligem Hahnenfuß und Lathyrus niger seit einigen Wochen in diesem Substrat und scheinen ganz zufrieden zu sein.

Der Wollige Hahnenfuß ist schon gewachsen, wenn man ihn mit dem Foto darüber vergleicht:





Es ist auch im Haus kein Trauermückenschwarm aufgetaucht. Das Wasserspeichervermögen ist in Ordnung. Ich kann bisher also nichts negatives über diese Erde berichten. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass die Firma Brill-Substrate auch torfhaltige Erden im Angebot hat. Wer konsequent Firmen unterstützen möchte, die ausschließlich torffreie Substrate herstellen, wird woanders suchen müssen. Die sind dann aber oft auch nicht klimaneutral produziert.

Der Nachteil an so einem großen Sack Blumenerde um diese Zeit ist, dass ich ständig irgendwas aussäe und Ableger eintopfe, solange bis alle freien Töpfe einen Bewohner haben und ich ständig aufpassen muss, dass mir keiner vertrocknet. Und das in einem Jahr, wo wieder keine einzige Tauschbörse stattfinden darf...