Samstag, 4. Juli 2026

Hitze: Ich bin dagegen!

Diese Temperaturen am letzten Wochenende haben mich fertig gemacht! Ich bin nur morgens und abends raus gegangen, weil ich sonst sofort zu einer Pfütze zusammengeschmolzen wäre. Es ist zwar Sommer, aber schon Ende Juni sämtliche Temperaturrekorde zu brechen ist nicht normal und man sollte es nicht verharmlosen. Ausgerechnet am Wochenende kam das richtig infernalische Höllenwetter mit bis zu 36 Grad. Da bin ich dann tagelang um 6 Uhr morgens mit der Kamera losgezogen und war um 9 wieder zurück. Zuhause konnte man es dann auf der Terrasse im Schatten - völlige Bewegungslosigkeit vorausgesetzt – noch bis Mittag aushalten. Auch abends ab 20 Uhr ging es wieder so leidlich, alles dazwischen war nichts für mich.

Einmal bin ich in einen Besuchergarten gefahren mit viel Gemüse und Stauden, am Bach gelegen mit frühmorgendlichem Schatten von den Bäumen am Ufer. Das war von den Temperaturen her ganz angenehm, vorausgesetzt, man kreuzte in T-Shirt und Shorts auf, aber ich wurde in einer Tour aus dem Hinterhalt heraus von Bremsen angegriffen - eine lange Hose wäre in der Beziehung sicherer gewesen. Frei nach dem Motto "Gleich klatscht es, aber keinen Beifall!" habe ich bestimmt eine zweistellige Zahl erlegt. Es war Notwehr. Und zwischendurch war dann auch tatsächlich mal Ruhe, aber der Nachschub war unerschöpflich und es rückten immer weitere nach.

Sie sehen ja schon cool aus mit Augen wie mit einer mehrfarbigen Sonnenbrille ausgestattet - aber gebissen zu werden ist nicht so angenehm und man bewundert ihre Schönheit nicht lange.

Regenbremse - Haematopota pluvialis

Regenbremse - Haematopota pluvialis

Als es dann sonniger wurde, waren sie weg, aber schon konnte man es aus anderem Gründen nicht lange aushalten.

Jetzt aber zu den Eindrücken aus dem Garten - die Hitzewirkungen auf mich seht ihr dort zum Glück ja nicht.

So betritt man den Garten, unterm Rosenbogen hindurch bietet sich dieser Blick. Selbstversamende Pflanzen sind allgegenwärtig. Hier hat sich eine Königskerze ausgesät.

Links wurde ein kleines Hochbeet gebaut, der Frauenmantel hat es ins Herz geschlossen.

Dann läuft man auf eine Trockenmauer zu. Ihr müsst mir glauben, dass sie da ist, denn sie ist aus dieser Perspektive kaum zu sehen.

Der Knollige Kälberkropf hat sich an Trockenmauer gut versamt und ist mannshoch, sie ist dadurch kaum noch zu sehen. Zusammen mit Gewöhnlichem Natternkopf und Färber-Hundskamille wirkt der Kälberkropf hübsch kombiniert.





Auf der Mauer wächst Wundklee zusammen mit einer Rarität, dem Gabeligen Leimkraut (Silene dichotoma), rechts:

Den Hauptweg sieht man kaum noch - üppige Staudenbeete im Bauerngarten-Charakter, denn das Areal gehört zum Schelphof, einem Biobetrieb, und wird vom Nabu gepflegt.

Mulchwege führen durch den Garten, manchmal gabelt sich der Weg um ein rundes Beet herum. An einem großen Inselbeet stehen auch Bänke im Kreis.

Eine riesiges Echtes Herzgespann:

Pfirsichblättrige Glockenblumen mit Klatschmohn und Roter Lichtnelke, wie es sich in einem Bauerngarten so gehört:


Stauden-Sonnenblume und Mohn am Rand vom Gemüsegarten:


Gemüse mit Blumen in Mischkultur:


Zucchini dick gemulcht:


Noch mehr Gemüsereihen:




Mohn in einer Farbkombination, die entgegen der Mode ganz gut funktioniert - im Bauerngarten darf es eben bunt sein:



Das große Insektenhotel, alle Zimmer mit Blick auf die Blumenwiese, die gerade gemäht wurde:






Im Nachhinein mag ich die Lichtstimmung auf den Bildern, aber trotzdem kann ich auf einen erneuten Hitzeanfall gern verzichten...

Samstag, 27. Juni 2026

Ein neuer Storchschnabelfreund

Storchschnäbel (Geranium) sind so unfassbar praktisch! Schnecken finden sie grundsätzlich widerlich, sie sind frosthart und vermehren sich über Samen - wenn man nicht gerade eine dieser sterilen und teuren Sorten hat, wie die berühmte 'Rozanne', die aufgrund ihrer Samenlosigkeit einfach immer weiter blüht.

Sie gilt zwar nicht als Bienenweide für Spezialisten, aber die Schenkelbienen holen sich auch an dieser unfruchtbaren Sorte gern Nektar und schlafen in den blauen Blüten, genauso wie die Männchen der Glockenblumen-Sägehornbiene, wenn die keine geeigneten Glockenblumenblüten finden. Mit 'Rozanne' haben sie eine passende Partnerin gefunden, die immer geöffnet hat, nur leider kein richtiges Dach überm Kopf bietet.

Glockenblumen-Sägehornbiene

Schenkelbiene

Aber es gibt noch viel schönere und günstigere Storchschnäbel!

Für Trockenheit und Hitze eignet sich der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum) sehr gut. Er ist heimisch und kommt in der Natur an trockenen, nährstoffarmen Plätzen vor. Bei ausreichend Platz und Sonne bildet er riesige Kuppeln aus mit pinkfarbenen Blüten. Es gibt auch dezentere Arten, die nicht nach Storchschnabel mit Warnweste aussehen, zum Beispiel 'Apfelblüte'. Pink, aber mit einer helleren Mitte ist - sic! - 'Elke'.

Grüne Scheinbockkäfer (Oedemera nobilis) lieben den Blut-Storchschnabel ganz besonders und bilden einen tollen Kontrast.


Die Storchschnabel-Blattwespe (Tenthredo koehleri) schläft gern im Wald-Storchschnabel. Ihre Larven fressen an den Blättern. Großen Schaden richtet sie nicht an.


Auch der Pyrenäen-Storchschnabel dient ihr als Schlafstätte. Geranium pyrenaicum ist überhaupt eine fantastische Wildart. Ihre Blüten sind nicht groß, aber viele. Sie kommt wild vor und schleicht sich auch schon mal in den Garten. Ich hätte sie so gerne, aber zu mir kommt sie nicht.


Auch diese kuschelige Wollschweber-Schlafgemeinschaft konnte ich schon am Pyrenäen-Storchschnabel finden:



In den letzten Wochen sind mir in mehreren Gärten aber ziemlich durchlöcherte Storchschnabelblüten aufgefallen, vor allem am Blutroten, aber auch an anderen. In einem Garten waren sogar ziemlich viele Blüten zerkaut. Sollten Schnecken doch langsam Geschmack daran finden? Nach diesem Massaker hätten die Blütenschläfer jedenfalls nicht nur kein Dach überm Kopf, es würde auch noch ziehen wie Hechtsuppe.

Auch am Wiesen-Storchschnabel ist gefressen worden - die Grünen Schmuckwanzen sollten unschuldig sein, denn sie haben nur saugende Mundwerkzeuge, wirken hier aber sehr verdächtig:


Doch was ist das denn hier? Wer sitzt denn da in der Blüte?


In vielen Blüten fand ich schließlich einen dubios aussehenden Rüsselkäfer, der sich strategisch in die Blütenmitte gesetzt hatte, damit nur bloß kein Verdacht aufkommt, dass er diese Löcher fabriziert hätte!


Eine Recherche später stellte sich heraus, dass der niedliche kleine Kerl der Große Storchschnabelrüssler (Zacladus geranii) ist.



Da stellen sich mehrere Fragen: Gibt es auch einen Kleinen Storchschnabelrüssler? Woher kommt der Große so plötzlich? Er ist mir vorher nie aufgefallen, auch keine gestanzten Blüten. Ob er sich jetzt den Unmut der Storschschnabelfreunde zuziehen wird?

Angeblich wird der Käfer nach Norden hin seltener. Vielleicht ist er neu bei uns, Klimawandel sei Dank. Da der Storschnabel-Hype ja schon mal größer war und viel mehr Leute Geranium-Arten und -Sorten gesammelt haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass er übersehen worden wäre.

Habt ihr den winzigen schwarz-weißen Käfer schon mal gesehen?


...ach ja: es gibt einen Kleinen Storchschnabelrüssler (Zacladus exiguus), der eher an kleinblütigen Arten gefunden wird. Der Große fühlt sich offenbar zu Höherem berufen und nimmt die großblütigen Arten, auch den Wiesen-Storchschnabel.

Samstag, 20. Juni 2026

Kleine Stinker

An einer bestimmten Weggabelung in einem Park war ich immer fest davon überzeugt, dass es an der Ecke nach Fuchs riecht. Zumindest so, wie ich mir vorstelle, dass die Visitenkarte eines reviermarkierenden Rüden riechen würde. Der Wald war nicht weit, es klang, bzw. roch also ganz plausibel.

Dann nahm ich diesen Geruch auch woanders wahr. Und irgendwann fiel mir etwas auf: Überall dort, wo ich Fuchs witterte, wuchs der so unschuldig wie duftig aussehende Langgrifflige Rosenwaldmeister (Phuopsis stylosa). Und tatsächlich: Jedes Exemplar müffelt ein wenig streng. Der Name klingt doch besser als sein olfaktorisches Aroma. Er sieht nicht aus wie ein Fuchs, aber er riecht so. Manche setzen sogar noch einen drauf und beschreiben diesen geruchlichen Affront als nassen Fuchs. Nur nach Rosen riecht er eben nicht, der Name kommt eindeutig von der Farbe.


Insekten scheinen sich nicht daran zu stören. Entweder sie nehmen den Geruch nicht wahr oder halten sich die Nase zu. Ich finde jedenfalls, Rosenwaldmeister riecht nicht gerade umwerfend.

Auch der Stinkwein (Paederia foetida), eine mehrjährige tropische Kletterpflanze, hat es wohl in sich und soll schwefelartig riechen, wenn man ihn quetscht oder reibt.


Er ist genauso wie der Rosenwaldmeister ein Rötegewächs - anscheinend ist dieser Pflanzenfamilie so einiges zuzutrauen. Auch der echte Waldmeister kann ja Gerüche von sich geben, wenn man ihn welken lässt, aber er wird eher als angenehm empfunden.

Viel besser als Phoupsis (klingt dieser Name nicht schon recht verdächtig?) gefällt mir der Duft der Knotigen Braunwurz, wenn man an den Blättern reibt. Nur stehe ich damit ziemlich alleine da, jeder andere, dem ich begeistert aufschwatze, es doch auch mal zu probieren, schaut danach pikiert drein und verzieht angewidert das Gesicht.


Auch der Geruch der schönen Blüten von Weißdorn oder Holunder ist nicht jedermanns Sache. Oft sind diese flüchtigen Aromen von Weitem besser zu ertragen als wenn man die Nase tief in die Blüten steckt.

Unter den stinkenden Stauden (bzw. Zweijährigen) ist auch der hübsche Muskateller-Salbei ganz weit vorn. Kochen würde ich mit den Blättern jedenfalls nicht. Holzbienen jedenfalls lieben die Pflanze heiß und innig, aber sie reiben auch nicht an den Blättern.


Ausgerechnet bei der Stinkenden Nieswurz habe ich aber noch keine Geruchsbelästigung feststellen können, sie hält sich fein zurück. Duften tut sie aber auch nicht.



Welche Pflanzen könnt ihr überhaupt nicht leiden, wenn ihr sie riechen müsst?

Samstag, 13. Juni 2026

Eine Frau sieht Rot

Anfang Juni, Fronleichnams-Feiertag in NRW und dadurch ein auf das Doppelte ausgedehntes langes Wochenende - mein Forscherdrang war geweckt! Nachdem ich es letztes Jahr nicht geschafft hatte, die Mohnbiene (Hoplitis papaveris) in Brandenburg noch einmal zu finden, wollte ich es jetzt wissen!

Schon auf der Hinfahrt gab es viele Mohnfelder und ich wurde schon ganz hibbelig. Endlich angekommen habe ich als erstes die Stelle durchsucht, wo ich 2024 Glück hatte und die überaus seltene Wildbiene gefunden habe. Aber nichts zu sehen. Die vielen Getreidelaubkäfer entschädigten etwas für die Schmach. Die sind ja die Clowns unter den Laubkäfern, finde ich. Während Maikäfer oder auch Gartenlaubkäfer eher behäbig wirken und gern irgendwo dekorativ herumsitzen, ist Chaetopteroplia segetum immer für akrobatische Turnereien an Grashalmen und Getreide zu haben. Er frisst nämlich auch die Blüten und die Samen von diesen Pflanzen sehr gern.






Aber wir wollen uns ja nicht ablenken lassen von diesen dicken braunen Knabbertieren. Also am nächsten Tag wieder nach Klatschmohn gesucht. Tatsächlich gab es eine Stelle, wo neben und in einer Kurzumtriebsplantage mit Pappeln, die zur Gewinnung von Holzhäckseln gepflanzt und dann nach ein paar Jahren wieder abrasiert werden, unfassbar viele rote Blüten zu sehen waren.

Und - jetzt wurde es aufregend - einige wirkten sehr angeknabbert und entstellt! Wenn da mal nicht die Mohnbiene ihr Markenzeichen hinterlassen hatte! Auf dem Sandboden kann man doch ausnahmsweise mal nicht gleich an Nacktschnecken glauben - oder?


Mohn braucht sie nämlich nicht nur als Pollenquelle, sondern er bietet ihr auch ihre liebste Tapete, mit der sie ihre Brutkammern im Boden formvollendet auskleidet. So erkennt man selbst die Gänge auf Anhieb. Mit ihren Mandibeln und Beinchen hängt sie sich oben an den Rand eines Blütenblatts und beißt ein Stück ab, das sie im Flug zu ihrem Nest bringt.

Der sandige Boden war so schütter bewachsen, dass man locker bis unten gucken konnte - und jetzt sah ich auch dort Rot! Ich fand einige Gänge, aber keine blauäugigen Bienen, die aus ihnen heraus schauten. Aber wer hockte denn hier ganz blauäugig am Blütengrund?

Die meisten Mohnbienen saßen nämlich in den Blüten, weil es ein bedeckter, nicht ganz so warmer Tag war.


Hier sieht es aus, als hätte sie vor lauter Langeweile schon Mikado mit den Staubblättern gespielt:


Auch auf Kornblumenblüten, mit denen sie manchmal in einem Anflug von kreativer Schaffenskraft den Mohn im Nest ergänzen, fand ich schlafende Bienchen.

Jetzt wusste ich ja, was ich am nächsten Tag zu tun hatte. Also Stelle merken und bei Sonne wiederkommen. So konnte ich einem Weibchen beim Zuschaufeln einer fertigen Brutkammer zuschauen - und sie währenddessen einem vorbeilaufenden Marienkäfer, der misstrauisch beobachtet wurde. Die Königsdisziplin aber, das Abnagen der Blütenblätter, blieb mir verborgen.



Das konnte ich dann abends völlig überraschend an einer ganz anderen Stelle fotografieren, wo mehr Kornblumen als Mohn waren, sodass ich die roten Kleckse besser nach Bienenweibchen absuchen konnte, ohne von zu vielen Möglichkeiten überfordert zu sein. Und tatsächlich hatten die Tiere hier auch nicht die Qual der Wahl, sondern nagten die verbliebenen Blüten in Grund und Boden.


Ich konnte sie bei der Beschaffung von Nistmaterial sogar fotografieren - Weltpremiere für mich!

Was für ein erfolgreiches langes Wochenende! Und man weiß wieder, warum man Bioprodukte kauft: Damit die extensive Landwirtschaft gefördert wird, die Mohnblüten zum Blühen bringt!