Samstag, 22. August 2026

Findige Falter

Obwohl der Hauhechel-Bläuling immer als der häufigste Bläuling genannt wird, ist ein schlüpferfarbener Verwandter von ihm sicher noch viel öfter anzutreffen, wird aber häufig übersehen. Er ist bescheiden, sitzt weniger oft auf Blüten herum und fällt nicht durch eine bunt getupfte Unterseite auf. Außerdem gibt er sich verschlossen, will heißen, man muss schon ganz großes Glück haben, wenn man den kleinen Kerl mit aufgeklappten Flügeln kann, denn da ziert er sich gern. Sein Name suggeriert außerdem, dass er sehr spezialisiert wäre: Der Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus) legt aber Eier an einer wahnwitzig großen Zahl von Pflanzen ab, sodass er mittlerweile auch unter dem Namen Garten-Bläuling firmiert.

Er ist außerdem immer der erste Bläuling im Frühjahr und fliegt schon im April, wenn der Hauhechel-Kollege noch schläft.

Hier einmal die Unterseiten der beiden häufigsten Bläulinge im Vergleich, links Hauhechel-, rechts Faulbaum-Bläuling:


Der Hauhechel-Bläuling wirkt geradezu bunt, während Fauli eher dezent gepunktet ist, nach dem Motto: Punkt, Punkt, Komma, Strich... Wer weiß, was dabei herauskommt, wenn man die schwarzen Tupfen wie beim Spiel "Punkte verbinden" mit Linien versieht?

Was die Fotos auch demonstrieren sind typische Szenen aus dem Bläulings-Alltag: Hauhechel beim Nektarnaschen, Fauli wie immer bei der Arbeit, nämlich bei der Eiablage. 

Celastrina argiolus, der Faulbaum-Bläuling, fällt wirklich kaum auf. Hier mal ein Suchbild:


Ein ganz seltener Moment: Ein Weibchen zeigt seine wunderschöne Oberseite. Beim Männchen ist der schwarze Saum nur ganz schmal.


Wenn so eine Bläulings-Dame mal auf Blüten sitzt, legt sie dort auch oft gleich ein Ei. Die Falter saugen nämlich viel lieber an Honigtau oben in den Baumkronen als an Nektar.

Der Faulbaum-Bläuling fliegt in zwei Generationen, die beide ganz andere Raupenfutterpflanzen haben, aber immer Eier an die Knospen oder Blüten legen.

Die Frühlings-Falter legen Eier an Johannisbeere, Roten Hartriegel, Faulbaum, Kreuzdorn, Stechpalme, also eher an Gehölze. Die Sommer-Generation geht sehr gern an Stauden und andere krautige Pflanzen, aber auch an Efeu. Besonders beliebt sind Steinklee, Heidekraut und Blutweiderich.

Hier legt ein Weibchen ein Ei an den Steinklee, wie üblich an die noch jungen Knospen:

Besonders oft sieht man die Falter der Sommergeneration an den Blüten vom Blutweiderich. Der ist eine sehr beliebte Eiablagepflanze.



Links das weiße Ei

Die Falter sind aber oft wagemutig bis wahnwitzig und kleben ihre Eier einfach mal an irgendeine dahergelaufene Futterpflanze, die zufällig gerade Knospen hat. Ob sie damit ein Risiko eingehen oder ob die Raupe nach dem Motto "es wird gegessen, was auf den Tisch kommt" mit allem einverstanden ist, was ihre Mutter ihr eingebrockt hat?

Ich habe jedenfalls noch nie eine Eiablage am namensgebenden Faulbaum gesehen, aber dafür an so extravagante Pflanzen wie Oregano oder Hopfen.

Nie hatte ich überhaupt nur eine einzige Raupe gefunden. Die können sich nämlich farblich sehr an die Blüten ihrer Futterpflanzen anpassen, sind also rosa am Blutweiderich und somit sehr gut getarnt.

Nun saß ich aber neulich auf der Terrasse herum, als ein Weibchen heran flog und sich auf die noch knospige Minze im Topf setzte. Ich erstarrte erst und schlich mich dann an. Tatsächlich, sie krümmte ihren Hinterleib und legte ein Ei, einen winzigen, weißen halben Golfball.

Genauer gesagt könnte es sich bei der Minze um Mentha x rotundifolia handeln, eine Kreuzung aus M. longifolia und suavolens. Ich weiß es leider nicht, ich habe sie als Ausläufer geschenkt bekommen.

Ich schaute immer wieder nach der Minze, sah aber erst gar nichts. Das Eiräupchen ist winzig und hat in einer rosa Blütenknospe locker Platz. Da hockte sie dann auch bald drin und fraß die Blüte von innen auf, bis ihr das zu groß geworden war.

Frisch geschlüpfte Raupe mit Eihülle 1:1 am 5. August.

Vergrößert:



Am 16. August konnte ich sie schon mit bloßem Auge sehen - klein, asselförmig, haarig, grün mit weißen Streifen! Kurzum: Ganz entzückend! Meine erste Bläulingsraupe überhaupt und dann auch noch auf der eigenen Terrasse.

Schmeißfliege als Größenvergleich



Und noch ein Bild für's Familienalbum vom 20.8. Hier ist die Raupe zart errötet:


Die Futterpflanze Minze scheint in der Literatur völlig unbekannt zu sein. Aber wer weiß, welche Überraschung dieser so häufige wie übersehene kleine Falter noch in petto hat! Fauli ist auf jeden Fall ein ideales Studienobjekt für Citizen Science.

Samstag, 15. August 2026

Der Garten der Apokalypse

Bis Anfang Juni hatte ich noch gedacht, dass es endlich mal ein ausgewogener Sommer wird, mit sonnigen Tagen und immer mal ergiebigem Regen. Der Garten stand gut da, viele Stauden waren höher geworden als in den Jahren davor, als der April und der Mai viel zu trocken waren.

Dann kam die Höllenwoche im Juni mit Temperaturen bis zu 36 Grad. Immerhin war es schwül (schlecht für uns, aber zumindest etwas feuchter für die Pflanzen) und jede Nacht gab es richtig viel Morgentau, sodass der Garten tropfnass war. Und er stand immer noch gut da, ich musste nichts gießen.

Dann fing es aber an, bedenklich zu werden. Die paar Regenschauer, die kamen, trafen uns nicht mehr richtig. Die Gewitter lenkte der Teutoburger Wald immer passend um, sodass ich schon froh war, wenn die Regentonne wieder voll wurde. Um den Garten gut zu tränken reichten die schlappen Schauer aber vorne und hinten nicht. Die Temperaturen stiegen ja auch immer weiter, das bisschen Niederschlag, den man schon als homöopathisch bezeichnen konnte, verdunstete bald wieder.

Jetzt ist es Mitte August und das Albtraum-Wetter nimmt kein Ende. Lange war keine Wolke mehr am Himmel, die nächste Hitzewelle ist da - ob es wenigstens mal gewittert? Es ist zum Verzweifeln. Ich will einfach nicht mit Trinkwasser gießen und werde es auch bald nicht mehr dürfen. Und die Natur gießt überhaupt niemand. Die Pflanzen und Tiere da draußen tun mir so unendlich leid.

Die Akeleiblättrige Wiesenraute braucht mehr Feuchtigkeit:


Das Mädesüß sowieso:



Die Süßdolde macht langsam schlapp, obwohl ich sie immer mal gieße:




Allein die Mittelmeer-Wolfsmilch sieht zufrieden aus, aber sie steht viel zu schattig und müsste umgepflanzt werden:

Und obwohl das ganze Elend gut zu sehen ist, freuen sich viele Leute immer noch über diese Apokalypse, trotz Waldbränden, schmelzenden Autobahnen, ausgefallener Züge, trotz Dürre, trotz Niedrigwasser, trotz zigtausend Toten. Da kommen Aussagen wie: "Das nennt sich Sommer!". Oder: "Hört doch auf über die Hitze zu jammern, freut euch einfach, der Winter kommt noch früh genug." Auch oft dabei: "Früher hatten wir auch schon über 30 Grad." Und: "Es ist doch gar nicht so trocken, ich habe erst letztens eine grüne Wiese gesehen. Ich muss auch im Garten nichts gießen."

Nein, das ist kein normaler Sommer. Ich wäre auch gern so euphorisch ob des wochenlangen Sonnenscheins, aber ich bin nicht der Glas-halb-voll-Typ. Das Glas ist schon fast leer. Ich zähle die Minuten bis zum Herbst. Spoiler: Es sind noch viel zu viele.

Und was macht die Politik? Nichts. Schließlich darf man die strauchelnde Wirtschaft doch nicht auch noch mit Maßnahmen für mehr Klimaschutz belasten. Wohlgemerkt, dieselbe Wirtschaft, die Milliardenverluste wegen der Juni-Hitzewelle hatte. Die auf nicht mehr schiffbare Flüsse trifft. Die kein Wasser mehr für die Kühlung hat. Die auf ihren Firmengeländen Unsummen für die Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern und für die Installation von Klimaanlagen ausgeben muss. Die bald mit der Lohn-Preis-Spirale konfrontiert wird, wenn wegen Ernteausfällen alles teurer wird. 

Nein, die größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft scheint von der telefonischen Krankschreibung auszugehen.

Und selbst der Hitzeschutz, also die Bekämpfung der Symptome, klappt ja schon nicht. Bäume in der Stadt weichen Gebäuden oder sterben in viel zu engen Pflanzlöchern ab. Nachgepflanzt wird dann auch nicht mehr. Es wird lieber betoniert, was das Zeug hält, als wären sich in Backöfen verwandelnde Innenstädte etwas Erstrebenswertes.

Das alles macht mich nur noch traurig. Ich versuche schon selbst viel zu erreichen. Fahre mit dem Zug zur Arbeit, habe eine PV-Anlage auf dem Dach, gehe viel zu Fuß oder fahre mit dem Rad, esse wenig Fleisch. Im Garten habe ich gemulcht und Bäume gepflanzt. Regentänze führe ich regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch. Sie wirken nicht.

Das, was wir gerade erleben, nennt sich nicht einfach nur Sommer. Das nennt sich Apokalypse.

Samstag, 8. August 2026

Die Wissenschaft hat festgestellt...

 ...festgestellt, festgestellt, dass Steinbrech ein Insekt enthält... 🎵♪♩

Oder so... Denn neulich wurde ein lange von Darwin geäußerter Verdacht endlich bestätigt, kaum wartet man (knapp) ein paar Jahrhunderte: Der alpine Steinbrech Saxifraga candelabrum aus China ist die erste offiziell bestätigte karnivore Art innerhalb der großen Familie der Steinbrechgewächse.

Natürlich kann man nicht jeder dahergelaufenen Pflanze, an der ein Insekt klebt, unterstellen, dass sie das mit böser Absicht getan hätte: Damit eine Pflanze zweifelsfrei als karnivor gilt, muss sie Beute anlocken, festhalten, verdauen und die gewonnenen Nährstoffe auch tatsächlich verwerten.

Der Beweis war ziemlich aufwendig, am Ende wurden der gierigen Pflanze mit einem Isotop markierte Fruchtfliegen aufgedrückt. Später fand man genau dieses Isotop dann im Pflanzengewebe wieder. Ergo: Der zwielichtige Steinbrech hat die Fruchtfliege verdaut. Darwin hätte sich gefreut, Recht gehabt zu haben. Aber Isoptope hatte er gerade nicht zur Hand und die Vermutung bei europäischen Arten geäußert, die wohl noch nicht mit isotopen-gewürzten Drosophilas getestet wurden.

Auch ich hege den Verdacht, dass eine meiner Gartenpflanzen karnivor ist, habe aber auch gerade keine Drosophila und schon gar keine Isotopen im Kühlschrank. An die Fruchtfliegen wäre noch ranzukommen, die Isotope sind das Problem.

Daher bleibt mir nur, meine Vermutung zu äußern - und wenn da mal einer bitte nachschauen und es beweisen könnte, wäre ich zum Zitieren bereit! Hier also schriftlich: Elke Schwarzer stellt hiermit die Hypothese auf, dass die Frühlings-Braunwurz (Scrophularia vernalis) – die mit den gelben Puffärmel-Blüten – karnivor ist und gar nicht so harmlos, wie sie aussieht. Vielleicht lässt sie es wie einen Unfall aussehen, um uns zu täuschen.


Die zweijährige Pflanze hat klebrig-schleimige Drüsenhaare am Stängel und an den Blättern. Wenn man sie anfasst, fühlen sich die Finger nass an. Wenn es lange nicht regnet, sehen die Blätter immer schmuddelig aus, weil alles mögliche daran haftet. Oft hängen auch sehr kleine Insekten bewegungslos in diesem Schleim. Aber ob es Absicht ist, um Protein zu erhaschen, oder soll es Blattläuse davon abhalten, sich anzusiedeln?

Eine kleine Brackwespe ist geleimt worden - ein Kollateralschaden oder Mittagessen?



Die Schillerwanzen, die eine ganze Generation an der Braunwurz großgezogen haben dieses Jahr, können sich unbehelligt darauf bewegen.


Auch Wildbienen, die diese Zweifarbige Sandbiene, kommen ungeschoren davon. Wäre ja kein Erfolgsmodell, wenn man die Bestäuber leimt.

 

Wahrscheinlich werde ich es nie erfahren, was diese Pflanze mit ihren klebrigen Blättern und Stielen so anstellt, aber es steht fest, dass sie sich in Kübeln ganz schön breit machen kann und sich ziemlich erfolgreich selbst aussät.

Samstag, 1. August 2026

Braune Zwiebeln, brauner Daumen?

Brutzwiebeln sind wie Samen, nur besser. Und sie sollten auch schneller sein, denn schließlich hat die Mutterpflanze hier richtig Vorarbeit geleistet und die kleinen Knubbel mit allem ausgestattet, was man zum Wegkullern und Wiederanwachsen so braucht. Gewächse mit kugelrunden Brutzwiebeln haben das Rad neu erfunden. Gegenüber einem Samenkorn ist das der Turbo unter den Vermehrungsmethoden. Man bekommt eine Pflanze, die der Mama gleicht wie eine Bulbille der anderen - es muss sich also um sehr selbstbewusstes Grünzeug handeln, das sehr von seinem Genpool überzeugt ist, um derartige Methoden anwendet.

Mit der Zwiebel-Zahnwurz funktioniert das in meinem Garten jedenfalls ganz hervorragend. Eine kleine braune Bulbille fällt irgendwo hin und dann wächst das schon, da muss man sich kaum kümmern. Nicht mal einen grünen Daumen benötigt man dafür, geschweige denn einen braunen.

Blühen tun die kleinen Zahnwurz-Zöglinge dann auch ziemlich schnell. Wollschweber und Aurorafalter lieben das!



Da ich also schon einige Erfahrung mit den Wunderknubbeln von Cardamine bulbifera habe, dachte ich mir: Wir schwer kann das sein, dasselbe mit den Brutzwiebeln von Lilien hinzukriegen?

Iris-Rhizome sind recht teuer, da wäre die Vermehrung aus Bulbillen ja ein echtes Schnäppchen! Und Lilium lancifolium var. splendens, die Tiger-Lilie, bietet genau das! Riesige Klunker für umsonst!


Und weil ich dachte: Wenn die jetzt von alleine herunter fallen, liegen sie sowieso auf der Erde, habe ich sie auch im Sommer direkt eingepflanzt. Sie trieben sehr brav aus.

Im März sahen die kleinen Lilien noch ganz vielversprechend aus.



Jetzt im August wirken sie müde, bleich und kränklich, so als würden sie absterben oder einziehen. Bei der ständigen Hitze und Trockenheit könnte man es ihnen nicht mal übel nehmen.

Ist das normal oder war die Erde nicht gut - zu wenig, zu viel gedüngt? Staunass, trotz Trockenheit?

Offenbar sind nicht alle Brutzwiebeln gleich einfach zu einer blühenden Pflanze heranzuziehen. Nicht mal die nimmermüden Lilienhähnchen mochten sich mit meinen Mini-Mickerlilien mit nur einem einzigen Blatt abgeben. Und das will was heißen.


Habt ihr schon mal ausprobiert, aus Bulbillen einen Tiger, also zumindest eine Tiger-Lilie zu machen?

Samstag, 25. Juli 2026

Wenn Schädlinge geschädigt werden

Schädlinge haben es auch nicht leicht! Da denkt man immer, Schnecken, Erdflöhe und vor allem Kohlweißlingsraupen können sich einfach alles erlauben, aber auch sie brauchen mehr Glück als Verstand. Das konnte ich jetzt wieder erleben.

Seit Jahren habe ich diesen einen unsterblichen Palmkohl im Kübel auf der Terrasse, der diverse Pflanzennachbarn ertragen muss, nicht blühen mag und daher immer weiter wächst. Gut, der große Strunk ist einer Pilzkrankheit zum Opfer gefallen (davor schützte Blühfaulheit offenbar nicht), aber er hatte einen Seitentrieb, der sich die Pest nicht eingefangen hat und jetzt ordentlich groß geworden ist.

Zwei Kübel weiter hatte ich im Dezember einen winzigen Sämling vom Helgoländer Klippenkohl eingepflanzt. Der ist von Hause aus ein ewiger Kohl, den man (hoffentlich) für immer hat. Der kleine Kerl ist schon recht stattlich geworden für sein erstes Jahr auf dem Festland.

Stattlich ist dieses Jahr auch die Anzahl an Weißlingen. Sowohl der Kleine als auch der Große Kohlweißling sind erfreulicherweise wieder häufig zu sehen, das war schon mal anders. Besonders der Große hatte sich in den letzten Jahren rar gemacht.

In meinen Garten sind dann auch einige schöne weiße Weibchen beider Arten geflattert und zeigten großes Interesse an den beiden Kohlpflanzen. Wir erinnern uns: Daneben wächst Minze und das hat die Falter sonst immer von der Eiablage abgehalten, zu groß war die olfaktorische Verwirrung. Diesmal nicht, es wurden Eier gelegt, was das Zeug hält.

Und es schlüpften auch einige Raupen. Ich hatte zwischendurch schon große Angst um die beiden kleinen Kohlgewächse. Doch schlüpfte nicht aus allen Eiern eine Raupe, und mit der Zeit verschwanden immer mehr Larven.

Zuerst wurden die samtig grünen Raupen vom Kleinen Kohlweißling weniger. Dabei hatten sie sich so große Mühe gegeben, nicht aufzufallen. Die Farbe ist vor allem auf dem Klippenkohl fast nicht zu sehen, und nach jeder Häutung wurde sogar feinsäuberlich die alte Larvenhaut aufgefuttert, um nur ja keine Spuren zu hinterlassen. In Ruhe setzen sie sich auf die Mittelrippe, was sie extrem gut tarnt.

Finde die Raupe:

Der Große Kohlweißling legt immer gleich ein ganzes Gelege von Eiern, aus dem die Räupchen gleichzeitig schlüpfen und sehr gesellig beieinander bleiben. Man häutet sich zusammen und frisst zusammen. So eine gefräßige Raupengruppe kann schnell kurzen Prozess machen mit einem kleinen Kohl. Ich wollte die Bagage schon auf die Kapuzinerkresse umsiedeln, habe dann aber doch abgewartet und dabei zugesehen, wie die Geschwister einträchtig ihre nächste Häutung vorbereiteten. Nur die kleinste Raupe hatte sich abgesondert. Deswegen war sie wohl auch noch da, als die anderen längst spurlos verschwunden waren. Es hat aber nur ein paar Tage länger gedauert und dann war auch das Nesthäkchen weg.

Ich habe die Kohlmeisen im Verdacht, die ständig auf der Terrasse herum lungerten und noch späte Jungvögel mitbrachten. Also doch keine unbesiegbaren Schädlinge, obwohl die Raupen sicher sehr nach Senfölen geschmeckt haben. Jetzt taten sie mir wirklich leid und ich hätte gern ein paar von ihnen behalten.

Nur eine letzte Raupe vom Kleinen Kohlweißling ist noch da, wirkt aber sehr träge. Doch was krabbelt da auf ihr herum?



Tja, auch diese wird sich nicht zu einem weißen Schmetterling entwickeln, denn das sind Erzwespen, vermutlich die Art Baryscapus galactopus, die wiederum ein Hyperparasit ist und in den Raupenkörper hineinsticht, um Eier in die parasitische Larve der Schlupfwespe Hyposoter ebeninus zu legen, nicht in die Raupe selbst.


Die Raupe ist also schon parasitiert, die an ihr herum wuselnde Erzwespe macht es jetzt auch nicht mehr schlimmer, im Gegenteil, zukünftige Generationen von Kohlweißlingen werden es ihr danken, dass sie den Parasitoiden dezimiert.

Das zeigt aber, dass man bei Kohlweißlingen nicht immer in Panik verfallen muss. Jetzt finde ich es doch schade, die Raupen alle verloren zu haben.