Samstag, 7. November 2026

Findelkinder mit Allüren

Ich kann es bekanntlich nicht lassen und rette immer gern Pflanzen vor dem Müll oder Kompost. Kompostieren ist zwar besser als verbrennen, aber am Ende kommt es für die Pflanze meistens auf dasselbe heraus. Und so habe ich schon so manche Staude oder Blumenzwiebel aus den Friedhofsgrünabfallbehältern geholt, was sowieso ein schön langes, kompliziertes Wort, sogar mit Umlauten, ist. Da finden sich immer einige Kandidaten, je nach Jahreszeit. Oft auch noch sehr gute Töpfe oder Kübel. Bestätigt fühle ich mich immer, wenn mir Leute gestehen, dass sie das genauso machen. Natürlich wäre es mir auch lieber, wenn die Grabbepflanzung nachhaltiger und ausdauernd wäre, aber das gibt es nicht oft.

Meine Highlights sind immer die Wildstauden, die als Unkraut gejätet wurden. Dazu gehörten schon Mädesüß, Waldmarbel, Schafgarbe, Fingerhut, Farne, Gewöhnlicher Hornklee und mehrere Königskerzen. Im Frühling sind immer auch viele Schneeglöckchen, Narzissen, Traubenhyazinthen und so manche Tulpe dabei.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Die Pflanzen sind umsonst
  • Der Jagdtrieb wird befriedigt
  • Sie sind auch sehr dankbar für ihre Rettung, zumindest bilde ich mir das ein
  • Sie haben meist noch einen kleinen Wurzelballen und lassen sich leicht in den Garten pflanzen

Nachteile gibt es aber auch:

  • Biopflanzen sind es eher weniger, man könnte sich Pestizide damit in den Garten holen. Nur die Wildpflanzen sollten sicher sein
  • Man weiß nicht, was man bekommt, wenn keine Blüten dran sind
  • Wenn die Pflanzen wurzelnackt im Müll liegen, könnte das bedeuten, dass sie extrem viele Ausläufer machen
  • Man wird oft komisch angeguckt, als würde man direkt von den Gräbern klauen anstatt in den Abfallbehälter zu greifen
  • Da man meist nur einzelne Opfer bekommt, ist das mit der Beetgestaltung so eine Sache, man findet eben irgendwo ein Plätzchen und dann passt es nicht immer zu den vorhandenen Pflanzen

Letztes Jahr hatte ich mich sehr gefreut, wurzelnackte Astern gefunden zu haben. Mein Garten kann Astern nicht leiden, nur bei der Weißen Wald-Aster macht er eine Ausnahme. Also nahm ich sie mit und setzte sie ins Null-Euro-Beet hinter die Garagen. Das bedeutete, dass sie in diesem Sommer sehr gut gewässert werden mussten, aber ich war so gespannt auf die Blüten!

Und jetzt war es endlich soweit: Tatsächlich war diese gerettete Aster unglaublich dankbar, wie noch keine Aster vor ihr. Sie blühte sofort und anstandslos. Aber wie...

So hatte ich mir das eigentlich vorgestellt:





Das kam dann dabei heraus:



So ein gefülltes Rüschen-Monster ist mir noch nicht untergekommen! Nicht mal lila, sondern hell rosa sind diese Puscheln. Alles an ihr ist so spektakulär anders und für Insekten so unfassbar nutzlos, dass es schon wieder zum Lachen ist. Vielleicht hat diese Diva sogar einen tollen Sortennamen? Zum Beispiel 'Diana' oder 'Victoria' oder 'Victoria Diana'? Könnte auch Symphyotrichum novi-belgii 'Priory Blush' sein.

Da habe ich mir ein schönes Früchtchen angelacht.

Und nun? Wieder rauswerfen nach all den Mühen? Oder soll ich mich einfach freuen, dass diese seltsame Aster wenigstens so gar nicht invasiv sein kann? Samenbildung kriegt sie nämlich garantiert nicht hin, da darf man sicher sein...

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Und noch was in eigener Sache: Mein Buch "Mord im Nacktschnecken-Milieu" ist in der Kategorie Sachbuch und Ratgeber beim "LovelyBooks Community Award 2026" nominiert!

Bis zum 12.11. könnt ihr hier abstimmen!

Ich würde mich freuen!

Samstag, 31. Oktober 2026

Ausdauerndes Gemüse mit Sommerpause

Wer hat Angst vorm Hitzesommer? Mein Gemüse-Ampfer (Rumex patientia) anscheinend. Jedes Jahr zieht er sich irgendwann im Juni in den Boden zurück und erscheint erst im September wieder auf der Bildfläche, dann aber mit Macht und ganz besonders großen Blättern. Dieses Jahr konnte ich ihn auch sehr gut verstehen, ich hätte es gern genauso gemacht.

Ich habe die gigantomanische Grünpflanze aus Samen selbst gesät und großgezogen. Nun ist er schon drei Jahre alt und mächtig ins Kraut geschossen, außer im Hochsommer. Die ersten Jahre, als ich wir uns noch kennen lernen mussten, hat mich das etwas in Panik versetzt, dass er einfach mitten in der Saison in den Untergrund verschwindet, als hätte er etwas zu verbergen. Ich hatte erst Angst gehabt, dass er unter den Attacken von Nacktschnecken oder der Minierfliege Pegomya solennis einfach die Segel gestrichen hat.



Wer kennt es nicht: Pflanzen, die man selbst heran gezogen hat, wachsen einem besonders an Herz, und man möchte, dass es ihnen immer gut geht. Das gilt in besonderem Maße für Kandidaten, die man nur sehr schlecht käuflich erwerben kann oder die extrem teuer wären. Dieser Ampfer ist beileibe keine Prachtstaude, aber da ich ihn eigenhändig ausgesät habe, liebe ich ihn so, wie ihn nur eine Mutter lieben kann. Und ich habe sogar zwei davon.

Hier im Frühjahr mit Wiesen-Schaumkraut schaut er doch ganz prächtig aus, oder?


So sieht er jetzt aus:


Stauden, die man aus Samen zieht und die nur kurz im beengten Anzuchttopf bleiben, um dann ins Beet schnell freigelassen zu werden, sind auch viel robuster und trockenheitsverträglicher als große Pflanzen, die zu lange im Topf bleiben mussten. Sie haben es deutlich schwerer, im Gartenboden Fuß zu fassen. Sämlinge aber gewöhnen sich von klein an an das Substrat und ihre Nachbarn und können ihr Wurzelwerk sofort frei entfalten. Trotzdem zieht der Ampfer aber im Sommer ein und ich hoffe einfach, dass das alle seiner Art so machen und es nicht doch an meinem Garten liegt. Oder habe ich eine besonders wehleidige Sorte abbekommen? Liegt es am Ende an dem zugegebenermaßen wirklich entzückenden Veilchenblauen Sauerampfer-Spitzmausrüssler (Perapion violaceum), der als Larve in den Stängeln lebt? Wobei der kleine Käfer die Blätter nicht zum Absterben bringen sollte. Die Hitzetheorie ist wahrscheinlicher, finde ich.

Hier hat sich noch ein Kugelspringer versteckt

Als ausdauerndes Gemüse eignet sich dieser Ampfer aber wirklich gut, denn er ist langlebig und robust, man darf eben nur im Hochsommer keine frischen Blätter erwarten. Und so langsam ist seine Schonfrist auch um und ich sollte mich endlich trauen, auch mal ein paar Blätter zu ernten. Die Minierfliege ist nur immer schneller als ich und oft erscheint dann auch noch ein Ampfer-Blattkäfer an der Pflanze.

Ob er auch mal blühen wird? Vielleicht nächstes Jahr vor der großen Sommerpause?

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Samstag, 24. Oktober 2026

Gammel in Schön - gibt's das?

Mein Garten macht dieses Jahr Anstalten, dem echten Kleinen Horrorgarten (mit dem gleichnamigen Blog) den Rang abzulaufen. Und nicht, weil er voller Riesenkürbisse wäre, sondern weil er stattdessen mit nie geahnten Mengen an sehr kleinen kugeligen Dingern um sich wirft. Ich weiß nicht warum, aber der Zierapfel 'Golden Hornet' wirft seit September Tausende Früchte ab, alle gelb und reif. Das hat er noch nie gemacht, die blieben immer oben, bis sie dort schwarz wurden. Ob es an dem trockenen Hitzesommer liegt? Aber hätte er dann nicht früher damit anfangen müssen?

Jedenfalls bin ich nur noch damit beschäftigt, die Zieräpfel aufzusammeln und in die Biotonne zu werfen, sonst ist bald alles voll mit gärendem Apfelmus, aber alle finde ich nie und komme an die meisten in den Beeten nicht ran, ohne alles zu zertrampeln oder zu zerharken. Dem Komposter kann man diese Mengen auch nicht zumuten.

Warum kann man Garten sich nicht mal am Riemen reißen und in Schön vergammeln, so wie der Herbst das angeblich tun soll?

Um ihm mal ein paar Inspirationen zu bieten, bin ich noch mal in den Berggarten in Hannover und habe ein paar Bilder mitgebracht. Guck,  Zierapfel, so geht das:

Das ist nämlich Malus 'Professor Sprenger' und der hält seine Äpfelchen hübsch bei sich. Anscheinend hat der Professor studiert und kennt sich aus mit Schönsein.







Beim Wechselblättrigen Hartriegel (Cornus alternifolia) sehen sogar die abgefallenen Fruchtstiele gut aus:


Meine beiden Lieblings-Bilder aus der Gammel-mit-Sti(e)l-Reihe - selbst Schneckenfraß trägt hier zum Ambiente bei und nicht zum Horrorgarten-Image:



Im Präriebeet blühen die Astern mit den Sonnenhüten und Agastachen um die Wette:





Herbststimmung mit Farnen:



Zaubernuss in Rot:


Und darunter im Farnverlaub versteckt Herbstkrokusse:


Die Silbertaler vom Einjährigen Silberblatt brauchen mehr Platz als sie bei mir haben, um zu wirken:




Die Beete an der Orangerie lassen es aber immer noch ganz gut krachen:





Das Rotlaubige, was man auf den Fotos zwischendrin immer mal sieht, wirkt wie ein Japanischer Ahorn, aber es scheint eine Malve zu sein, vielleicht Hibiscus acetosella 'Mahagony Splendor':

Hier sieht man die Pflanze jeweils rechts im Bild:


Wem also Japanische Fächer-Ahorne zu kompliziert und pilzanfällig sind oder wer nicht weiß, ob so ein teures Gehölz an der einen Stelle gut aussehen würde, kann es ja erstmal mit diesem exotischen Malvenknaller probieren. 

Aber was red ich, mir sind ja sogar schon Zieräpfel zu kompliziert...

Samstag, 17. Oktober 2026

Laaaangsaaaaam...

Efeu ist toll, wenn er blüht, vor allem kann man damit die Efeu-Seidenbiene in den Garten locken, die durch ihre späte Flugzeit auf Efeu angewiesen ist und sich auch nicht an dem etwas strengen Geruch stört.



Auch viele andere Insekten würden Efeu kaufen:

Feldwespe


Hornisse


Mistbiene


Nur: Wenn man keinen Platz oder keine Lust hat, eine ganze Wand zu begrünen, was macht man dann?

Zumal so ein Efeu zehn Jahr brauchen kann, bis er das erste Mal blüht. Der Trick ist, die Blütentriebe als Steckling zu vermehren und sich daraus einen Strauch-Efeu zu ziehen. Der blüht sofort und jedes Jahr, man hat ihm damit aber das Ranken abgewöhnt. So ein Strauch ist einfacher in Zaum zu halten und passt fast überall hin.

Das ist doch äußerst flexibel vom Efeu, dass er anwächst, auch wenn man ihm damit sein ureigenes Rank-Verhalten wegnimmt, oder? Nur, der Weg dahin ist nicht immer leicht.

Ich habe es vor zwei Jahren mal versucht: Aus den Blütentrieben Risslinge gemacht (damit vergrößert man die Wund-Overfläche und es bilden sich mehr Wurzeln) und an einer schattigen Stelle in Erde gesteckt. Nach einem Jahr lebte er immer noch und war auch ein bisschen gewachsen.

Als ich ihn aber austopfen wollte, habe ich gesehen, dass da gar keine einzige Wurzel dran war. Also wieder eingetopft und jetzt noch mal nachgeschaut: Oh, Wahnsinn, jetzt war da immerhin eine einzige 2 mm lange Wurzel zu sehen! In zwei Jahren!

Neue Blätter scheinen aber durchaus drin zu sein - wie macht er das nur?






Wo ein rankender Efeu doch sonst nichts anbrennen lässt und überall sofort Wurzeln schlägt, ob man will oder nicht. Hier wurzelt er dann in der Geschwindigkeit einer Wanderdüne. Vielleicht ist er doch nicht so richtig damit einverstanden, als Strauch so statisch sein zu müssen. Die Wanderlust liegt ihm eben doch im Blut, das Blühen ist erstmal Nebensache.


Immerhin bei der mitleiderregenden Mittelmeer-Wolfsmilch scheint es Hoffnung zu geben. Nachdem ich ihr beim Umpflanzen nur noch eine homöopathische Dosis Feinwurzeln dran gelassen hatte (also irgendwie ein ähnliches Schicksal wie beim Efeu), richten sich die oberen Blätter jetzt doch wieder auf:

Bei beiden Pflanzen darf man also gespannt sein!