Samstag, 14. März 2026

Deutscher Gartenbuchpreis 2026

Schon vor 6 Jahren hat mein Buch "Meise mag Melisse" den Deutschen Gartenbuchpreis in der Kategorie Tiere im Garten bei der Preisverleihung auf Schloss Dennenlohe in Mittelfranken gewonnen.

Dieses Jahr hat es "Mord im Nacktschnecken-Milieu" geschafft - selbe Rubrik, selbe Platzierung, selbes Wetter - und bei so viel Sonne habe ich diesmal wieder an der Gartenführung mit Baron von Süsskind teilgenommen. Dabei sind auch ziemlich ähnliche Fotos entstanden, wieder voller zupackender Airdale-Terrier und zarter Schneeglöckchen.

Der Privatgarten ist sonst für Besucher selten geöffnet und es ist eine einmalige Gelegenheit, mal zu schauen, wie man als Adelsfamilie so lebt. Der Garten ist vorbildlich, wenn es um insektenfreundliches Gärtnern geht, denn es war noch nicht alles aufgeräumt, Samenstände erfreuten das Auge. 

Manchmal stapfte ein jugendlicher Airdale-Terrier ins gelbe Staudenbeet und fing schon mal mit dem Staudenrückschnitt, oder besser Rückbiss, an. Doch selbst wenn das ganze Rudel anpackt, gibt es noch viel zu tun.







Eine prächtige Bitterorange (Poncirus trifoliata) sieht auch ohne Laub grün aus und sticht aus dem Beet hervor:



Den Eingang zum Hundegarten bewachen zwei steinerne Hunde, zu ihren Füßen wachsen Schneeglöckchen. Ob die von den echten Hunden manchmal gedüngt werden, weil es so eine markante Stelle ist? Oder kennen sich die Rudelmitglieder so gut, dass die Rangfolge nicht durch das Markieren von lebensgroßen Hundestatuen festgelegt werden muss?



Den Schneeglöckchen ging es auch prächtig und der Baron wies darauf hin, dass es eine seltene Sorte sei. Und tatsächlich sieht man den weißen Blüten von außen kaum an, dass sie nichts drunter haben. Auf dem Rückweg musste ich ihnen einfach unters Röckchen schauen und stellte verblüfft fest, dass die inneren Perianthblätter, die ja sonst bei Schneeglöckchen eine mit grünen Tupfen markierte Röhre bilden, völlig fehlen. Ganz oben sah man gelbe Staubgefäße, sonst nichts. Leider weiß ich die Sorte nicht, es wird eine sogenannte poculiforme sein, bei der die inneren Blütenblätter wie äußere aussehen. Vielleicht Galanthus elwesii ‘ White Perfection‘?

Die Orangerie:

Weiter ging es durch das rote Mondtor in den asiatischen Garten, in dem viele Rhododendren, Lenzrosen und  seltene Gehölze wachsen. Er ist wirklich nah am Wasser gebaut. Da muss man aufpassen, dass der Biber nicht das ein oder andere Gehölz noch seltener werden lässt.





Für den großen Rundgang durch den hinteren, wiesenartigen Teil des Parks war dann keine Zeit mehr:



...die Preisverleihung musste ja pünktlich beginnen...

Samstag, 7. März 2026

Kohl am Stiel

Wie heißt es so schön: Wer nicht fragt bleibt dumm. Und: Probieren geht über studieren. Im Garten probiere ich ganz oft etwas aus und frage auf halbem Wege nach, ob das Unterfangen überhaupt Sinn hat, bevor ich mein Herz an etwas hänge, was zum Scheitern verurteilt ist. Meine Frage ist in diesem Fall ganz konkret: Kann man jeden Kohl aus Stecklingen vermehren? Und geht das auch im Herbst noch?

Beim Ewigen Kohl oder Markstammkohl, kurz, allen Varietäten, die keine Samen bilden, scheint die Sache klar: Kann man auf jeden Fall über Stecklinge vermehren. Aber was ist mit Rosenkohl oder Flower Sprouts, die ja nichts anderes sind als explodierter Rosenkohl oder Röschen mit Bad-Hair-Day? Die bestehen unter dem Battschopf, da, wo die Röschen sind, aus nichts anderem als Stiel. Das ist sehr dicker Stiel. Kann der Wurzeln bilden?

Diese dumme Frage stellte ich mir, als ich auf einem Komposthaufen im Herbst herrlich lila Strünke mit kleinen Knospen dran fand. Zuerst interessierten die mich nur, weil Kugelspringer darauf saßen und fantastisch aussahen auf dem violetten Untergrund. 

Dann aber wollte ich es wissen: Können die Strünke wiederbelebt werden? Also habe ich sie mit nach Hause genommen (sorry, Kompost) und im Kübel in Erde gesteckt, bis nur noch ein paar Zentimeter hinaus ragten.

Und dann erschienen mit der Zeit tatsächlich entzückende kleine Flower Sprouts. Aber sind da auch Wurzeln unten dran oder leben die nur von der Restenergie der dicken Stiele? Also habe ich im Internet recherchiert, aber es war immer nur die Rede von Ewigem Kohl. Nur eine einzige, etwas dubiose englische Seite behauptete, das ginge auch mit Rosenkohl. Aha!

Nun, also doch besser probieren statt studieren. Das Experiment sieht jetzt im März durchaus hoffungsvoll aus. Ausgraben tu ich die Dinger lieber nicht, um zu schauen, ob da Wurzeln entstanden sind. Ich könnte jetzt immerhin ein paar Flower Sprouts ernten, aber das wäre zu voreilig - vielleicht wird der ganze Strunk ja noch viel größer und blüht sogar noch?








Als Nachbarn haben die Experimente selbst gesäten Blut-Ampfer und eine Pastikake aus dem Bioladen, die ich einfach nicht kochen konnte, weil sie schon ausgetrieben hatte.



Was meint ihr - verpasse ich gerade die Gelegenheit, ein paar Flower Sprouts zu essen zu bekommen, oder wird das am Ende noch viel mehr?

Samstag, 28. Februar 2026

Der netteste Neophyt der Welt

Jetzt ist es passiert: Ich kann nicht mehr über den Rasen gehen, ohne Gefahr zu laufen, eine Elfe zu zertreten. Zumindest nicht rechts herum. Die der Sonne zugewandte Seite des Gartens ist fest in der Fuchtel eines elfengleichen Platzhirsches, der allem seinen rosa Farbgeschmack aufdrückt: Endlich habe ich es geschafft und die Elfen-Krokusse (Crocus tommasinianus) sind so flächendeckend vertreten, dass sie schon ein Verkehrshindernis darstellen.

Wenn man die Bilder mit denen von vor fünf Jahren vergleicht, hat sich in der Krokusdichte doch einiges getan. Vorletzten Winter habe ich ja auch noch geschenkte 'Barr's Purple' dazugesetzt.

Diese Asymmetrie in meiner Gartengestaltung liegt daran, dass ich die kleinen Kerle ihnen zuliebe als erstes in die Sonne gepflanzt habe. Sie sind sich aber trotzdem nicht zu fein, auch die Schattenseite zu besetzen, das dauert nur, weil sie das über Samen tun und es dort kälter ist, sie sich also langsamer entwickeln als die begünstigten Kollegen.











Manchen Unglücksraben habe ich schon umgetreten, als er noch im grasgrünen Stadium war.

Man muss zum Elfen-Krokus anmerken, dass er aus Südeuropa stammt und somit das Prädikat Neophyt bekommen muss. Das scheint aber niemanden zu stören, alle haben ihn lieb. Der netteste Neophyt der Welt gehört irgendwie schon längst zum Stadtbild und erhält und vermehrt sich ganz ohne menschliche Hilfestellung. Wie sonst wäre zu erklären, dass er plötzlich an allen möglichen Ecken auftaucht - unter Hecken, in Gebüschen und auf Rasenflächen?

Eben war da noch gar nichts, plötzlich ist da eine kleine Gruppe von rosa Zwergen. Auch dort, wo definitiv keine Erdbewegungen stattgefunden haben. Das müssen die Kleinen also nur mit Samen und Ameisen geschafft haben. Aber da jeder weiß, dass Ameisen den Samen auch nicht kilometerweit transportieren, will gut Ding Weile haben. Aber einmal etabliert explodieren die Bestände geradezu.

Bei uns im Park gibt es eine Stelle unter Bäumen, wo sich ein regelrechter Krokus-Teppich gebildet hat.




Da die Elfen aber zart sind und früh wieder einziehen, nehmen sie heimischen Pflanzen vermutlich nicht viel weg und für die Insekten sind die neophytischen Krokussen im Februar oft die einzige Nahrungsquelle, wenn es früh im Jahr warm wird. Denn Crocus tommasinianus ist ein Frühaufsteher und blüht vor allen anderen Geophyten auf, nur Schneeglöckchen, Märzenbecher und wenige andere Krokusse, die aber nicht zu Massenbeständen neigen, sind schon mit von der Partie.

Der gelbe hier ist schon sehr alt, aber er vermehrt sich nicht:

Im Garten kommen Honigbienen, Hummeln und der Zitronenfalter gern zu den Blüten. Diese Männchen ist Stammgast, man kann es gut an dem Loch in den Flügeln erkennen.

Die Blüten brauchen Sonne, um aufzublühen. Wenn sie zugeklappt sind wie ein Regenschirm fallen sie kaum auf - und dann bemerkt man den nettesten Neophyten der Welt auch gar nicht...