Samstag, 14. Februar 2026

Der Nachtgarten

Es gibt Gärtnern mit dem Mond und es gibt Mondgärtnern, wo man versucht, den Garten auch im Dunklen attraktiv zu gestalten. Aber dann sieht man ihn doch sowieso nicht? Genau, deswegen zielt diese Art der Gestaltung darauf ab, duftende oder leuchtende Pflanzen mit einzubeziehen, oder für nachtaktive Tiere zu gärtnern. Die können nämlich leuchten, wie die Glühwürmchen, oder Geräusche machen, wie der Igel. Natürlich gibt es keine Pflanzen, die wirklich Licht erzeugen, doch es gibt helle Blüten, die im Mondlicht hervorstechen und so tun, als würden in ihnen kleine Lampen stecken. Damit sind sie auch für Nachtfalter attraktiv. Die eierlegende, nachtaktive Wollmilchsau sind also weiße Blüten, die duften, und an deren Blättern auch noch Raupen von Nachtfaltern fressen. Denn dann kann man sogar die interessanten Flug-Silhouetten von Fledermäusen in der Dämmerung beobachten, die die Motten fangen. Oder die Stechmücken, denn das sind die nachtaktiven Tiere, die wir weder sehen, spüren noch hören wollen, obwohl sie sich wirklich alle Mühe geben, die Dunkelheit akustisch zu untermalen und ihr zu einem bleibenden Eindruck zu verhelfen.

Schade ist nur, dass der Garten im Winter, wo die Nächte so lang und langweilig sind, so wenig Blüten hat. Hier kann man sich an frostfreien Tagen immerhin mit Wasserflächen behelfen, in denen sich das Mondlicht spiegelt. Bewegtes Wasser liefert im Sommer schimmernde Oberflächen und eine angenehme Geräuschkulisse - und Teiche locken noch mehr nachtaktive Tiere. Weiße Seerosen fallen in der Dämmerung und bei Mondschein besonders aus.



Ein neues Buch aus dem Ulmer-Verlag gibt Tipps zur Gartengestaltung in der dunklen Zeit des Gartens: Der Nachtgarten von Lena Landefeld.



Das Cover macht schon richtig Lust, den Garten auf die Nacht vorzubereiten, anstatt ihn einfach nur abends ins Bett zu schicken. Es ist das zweite Buch unter den diesjährigen Neuerscheinungen mit dunklem Titelbild, neben meinem "Mord im Nacktschnecken-Milieu". Sowas fällt auf im ansonsten grünen Gartenbuchregal.

Wie bringt man denn Licht ins Dunkel? Im Gegensatz zu tagaktiven Gartenratgebern geht es hier um drei Ansatzpunkte, um die Nacht zum Tage zu machen: Es behandelt Pflanzen, die duften, leuchten oder Tiere anlocken. Das heißt aber nicht, dass solche Pflanzen dann bei Tage langweilig aussehen. Vielleicht duften sie nicht, aber auch bei Lichte besehen sind sie nicht unattraktiv.

So gibt es dann auch drei große Kapitel:

  • Es leuchtet!
  • Es duftet!
  • Es lebt!
In jedem Teil gibt es Pflanzenportraits oder Exkurse zu bestimmten Themen, wie Gräser oder Tiere. Abgerundet wird das Ganze durch konkrete, gezeichnete Beetpläne, die man einfach nachpflanzen kann. Der Clou bei diesen Skizzen ist, dass ein Teil bei Tage gezeichnet ist, der andere bei Nacht, sodass man sich leicht ein Bild von beiden Ansichten machen kann.

In meinem Garten gibt es schon mehrere der im Buch vorgestellten Arten: Phlox 'David', das herrlich duftende Wald-Geißblatt und die Moonlight-Rose, die ich noch in keinem anderen Ratgeber, der nicht nur von Rosen handelt, gesehen habe. Nach dem Lesen interessieren mich jetzt noch mehr Arten, die ich noch nicht ausprobiert habe, wie verschiedene Leimkräuter.




Rote Lichtnelke

Auf die Große Sternmiere mit ihren weißen Blüten bin ich gespannt. Dieses Jahr müsste sie blühen, ich habe sie im letzten März als Ableger bekommen:



Der Wiesen-Bocksbart kann mit seinem Samenstand sogar so tun, als wäre er selbst der Mond:




Ein wichtiger Teil des Buches beschäftigt sich auch mit der künstlichen Beleuchtung, und dass man den Tieren zuliebe möglichst auf sie verzichten sollte oder wenigstens Wellenlängen verwendet, die Insekten nicht in den Tod locken.

Gärtnern für Glühwürmchen ist natürlich auch ein Thema. Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn ich meine Leuchtkäfer beobachten kann.

Ich habe den Kurzflügel-Leuchtkäfer und den Kleinen im Garten:




Was in diesem Buch aus Gründen der Praktikabilität fehlt, ist die Welt der zugegebenermaßen nicht so leicht zu kultivierenden Pilze - niemand sieht dem Mond ähnlicher als die gespenstisch weißen Schleimrüblinge. Die sehr einfach im Garten anzusiedelnde Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon) sowie einige Helmlinge zeigen sogar Bioluminiszenz, wenn auch so schwach, dass der Mond auf keinen Fall scheinen darf und man am besten auch noch weit weg von Städten gärtnert. Pilze sind etwas für fortgeschrittene Mondgärtner!


Alles in allem also ein Werk, das eine Lücke schließt und anregt, den Garten auch in der Dämmerung oder in der Nacht mal ohne Beleuchtung und ohne Handy zu genießen.


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Nun zu meiner Verlosung: Ein Exemplar von Mord im Nacktschnecken-Milieu hat gewonnen: Inge mit folgendem Kommentar:
 

Inge 24. Januar 2026 um 09:49

Liebe Elke,
als alte Krimileserin und Gärtnerin bin ich da gern dabei, bin schon gespannt, welche Abgründe sich da im Garten auftun.
Viele Grüße
Inge

 
Schick mir bitte deine Adresse per Mail, damit ich dir das Buch schicken kann, wenn du möchtest auch mit Widmung.

Samstag, 7. Februar 2026

Ein gräserner Zinnsoldat

Wie heißt es so schön? Schneeflocken brauchen Landeplätze und deshalb schneidet man die Stauden nicht schon im Herbst runter. Nun, mein Calamagrostis x acutiflora 'Overdam schert sich nicht um diese Landeplätze, hier ist für Schneeflocken absolutes Halteverbot. Die Blütenhalme stehen so straff aufrecht, da prallt alles ab wie an Teflon. Sie halten sich parallel zueinander und bilden keinen Strauß wie andere Gräser. Selbst jetzt im Februar lässt es sich nicht dazu herab, klein bei zu geben, noch immer hält es sich wacker kerzengerade, als möchte es einen Preis für das ausdauerndste Gras gewinnen. Von mir bekommt es den gern, ich weiß nur nicht, wie ich ihm seine Medaille umhängen sollte, die würde ja nicht hängen bleiben... Ein wahrer Streber, das hübsche Gras.

Nur sehr nasser Schnee bleibt mal kurz auf den Blüten liegen, der verklumpt nämlich gern und wird dann zu schwer. Aber dann schüttelt sich das Gras mal eben und steht wieder senkrecht, als wäre nichts gewesen. Ein echter Zinnsoldat, der im Gegenlicht sogar golden schimmern kann.

Das hier war an Weihnachten, da leuchtet es wie eine etwas wirre Kerze:

Auch im Schnee wirkt es sehr lebendig:

Hier steht es immer noch tapfer im Beet, während die Karden und der Echte Alant gestützt werden müssen:

Die Sorte 'Karl Foerster' kann das sicher auch sehr gut. Die beiden sind ja nahe verwandt und eine Hybride zwischen den beiden heimischen Arten Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) und Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea). 'Overdam' ist kleiner und hat panaschiertes Laub. Interessanterweise treiben die beiden Elternarten Ausläufer und sind daher im Garten nicht gut gelitten. Vor Schreck haben sie bei der Hybridisierung aber dann doch glatt das Wuchern vergessen und wachsen horstartig, sind also im Beet völlig harmlos.

Das hier ist das Land-Reitgras, wie es sich – immer an der Wand lang - in einer Fuge ausgebreitet hat. Irgendwie ja auch sehr hübsch:

Vor fünf Jahren hatte ich mich ja noch beschwert, dass Madame 'Overdam', einer gräsernen Schlampe gleich, einfach keinen guten Winteraspekt hinkriegt und sich nur hängen lässt. Aber letzten Sommer hat sie sich dann endlich mal nicht lumpen lassen und mich durch eine fulminante Blüte so beeindruckt, dass ich aus dem Schwärmen nicht mehr rauskam. Vielleicht braucht der Horst erst eine gewisse Breite, sodass sich die einzelnen Halme gegenseitig stützen oder schön motivieren können?

Jetzt bin ich ja so gespannt wie ein Flitzebogen, oder besser: wie ein 'Overdam', ob dieses sagenhafte Schauspiel sich dieses Jahr wiederholen wird. So langsam könnte ich es auch mal teilen, dann habe ich zwei solche Hingucker im winterlichen Beet - falls die Standfestigkeit dann nicht leidet...

Das hier ist der Horst von oben: Da könnte doch was geteilt werden, oder?







Samstag, 31. Januar 2026

Internationale Pflanzenmesse in Essen

Neue Produkte kennen lernen, bevor sie im Handel sind? Fulminante Floristik sehen? Mit Herstellern und Pflanzenzüchtern sprechen? Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Und sie werden alle auf der IPM in Essen erfüllt. Diese Fachmesse findet immer im Januar statt, wenn in den Messehallen mehr blüht als draußen. Nach einem Jahr pausieren war ich mal wieder dort, Deutschlandticket sei Dank.









Es gibt auch im Januar in Essen schon Erdbeeren:



Ein schöner Stand aus den Niederlanden mit Moos, Thymian und Selaginella als Dachbegrünung und im Fass:



Kontrastprogramm zum Moos: Sieht dieser korpulente Kaktus nicht aus, als ob man ihn kuscheln könnte? "Easycare" macht sich dann ja auch quasi von allein!


Positiv ist hier der Hinweis auf torffreie Erde:


Wo wir gerade beim Thema torffrei sind: Neu ist diese Blumenerde aus getrockneten und pelletiertem Kaffeesatz, alternativ gibt es Pellets aus verschiedenen organischen Materialien - alles torffrei und man gibt Wasser zu, um bepflanzbare Erde zu erhalten. Die Trocknung macht das Produkt kompakt und im Karton gut transportier- und stapelbar. So verpackt darf es auch im Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden, wurde uns gesagt, denn Blumenerde im Beutel darf höchstens am Eingang herumliegen, ganz weit weg von Lebensmitteln. Gepresster Kaffeesatz ist ja immerhin schon mal ganz nah dran am Lebensmittel...

Oben aufgequollen nach Wasserzusatz, unten noch frisch aus der Packung:


Hier durfte ich netterweise 20 Liter Blumenerde zum Testen mitnehmen. Das heißt in diesem Fall 4,6 kg. Hat aber sogar in den Rucksack gepasst!

Auch torffrei: Wurzelnackte Haselnüsse und die Unterschiede der Sorten im Glas zum Staunen:


Diese Töpfe bauen sich zwar nicht zu Torf ab, aber sie tun es, wenn man die Pflanzen mit Topf einpflanzt. Den schwarzen Töpfen würde Asche zugesetzt, sie halten dadurch ein bisschen länger als die braunen. Sie sollen, wenn sie nicht in Erde gesetzt werden, durchaus Monate ansehnlich bleiben.



Ein großer Trend sind gerade Verkaufsautomaten für Schnittblumen. Bei der Zahl am jeweiligen Fach denkt man erst mal an einen Backofen mit Gradzahl, aber es ist nur die Nummer zum Auswählen der Ware. Ich habe leider nicht gesehen, wie sanft die Blumen dann zum Käufer gleiten – es war noch eine große Scheibe davor, also werden sich die Fächer nicht einfach öffnen.


Toll wie immer war der Stand von Blu, hier gab nicht nur neue kulinarisch wertvolle Pflanzenarten zu bestaunen, sondern Kostproben dieses kreativen Pflanzensortiments auch noch aufs Brot geschmiert. Von Queller über Meerfenchel und Papaya bis zur Fuchsie und Bouillonpflanze (Cordia verbenacea) ist alles essbar und alles dabei.




Alle Fuchsienfrüchte sind essbar, aber nicht alle schmecken auch. Das hier ist Fuchsia arborescens, die nicht winterhart ist, aber sehr schöne blaue Früchte bildet.





Bei einer heißersehnten Studie des Julius-Kühn-Instituts für Bienenschutz, des Bunds Deutscher Staudengärtner und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe wird daran geforscht, welche Staudensorten besser für spezialisierte Wildbienen geeignet sind - oder ist es gar die Wildform? Werden Zuchtsorten überhaupt genutzt? Noch waren die Ergebnisse nicht zu erfahren, aber der Bund Deutscher Staudengärtner hat schon mal ein paar Ideen eingepflanzt.



Ein Spezialist für Sukkulentenvermehrung aus Stecklingen zeigt die vielfältigen Varianten:



Seht ihr das? Hier steht auch wieder was von "Cuddly Cactus" – ich glaube, ich bin da etwas auf der Spur!


Entgleisungen in Richtung Kitsch gab es natürlich auch wieder, wie die armen Amaryllis-Zwiebeln, die in Wachs oder Schlimmeres getaucht als Deko verheizt werden. Diesmal haben die Hersteller noch eine Schüppe draufgelegt und flauschige Oberflächen im Programm oder bedruckte, die wie Porzellan aussehen. Ich wurde dann vom Aussteller gefragt, ob mir die Dinger gefallen, und musste leider ehrlich antworten.




Und zum guten Schluss noch zur Floristik. Hier gab es die allerschönsten Kreationen, wobei man für einige schon 100 qm Wohnzimmer braucht, damit man sich nicht die Augen aussticht und das Prachtstück auch zur Geltung kommen kann. 
















Das letzte Bild überlasse ich eurer Interpretation. Ich glaube, das rechts soll ein rauchender Vulkan sein, und das andere ist eine um einen Käfig herum erzogene Weide.



Und diese beiden Inspirationen dürft ihr gern in euer Wohnzimmer oder in euren Garten mitnehmen. 😉