Samstag, 16. Januar 2021

Lektüre für den Lockdown - mit Verlosung!

Langweilt euch der immer gleiche Blick aus dem Fenster im Home-Office? Würdet ihr gern die Beetbegrenzungen erneuern, doch die Baumärkte haben zu? Macht nichts, Upcycling und DYI gehen immer! Und da die Menschen jetzt mehr Zeit zuhause verbringen und statt zu renovieren vielleicht lieber ausmisten, werden viele Dinge verschenkt, dem Sperrmüll anvertraut oder für kleines Geld in den Kleinanzeigen angeboten. Außerdem lädt der jährliche Gehölzschnitt in den Parkanlagen dazu ein, Flechtzäune zu bauen und Äste zu bewurzeln.

Die passende Lektüre für den Lockdown gibt es jetzt auch in Form von zwei neuen Büchern, an denen  ich im letzten und vorletzten Jahr (mit-)gearbeitet habe, wie immer erscheinen bei Ulmer:


Da ist zum Einen Plastikfrei Gärtnern, das sich mit vielen Nachhaltigkeits-Fragen beschäftigt, unter anderem:  Geht es ohne Pflanztopf aus Plastik, ohne Erde aus der Tüte und ohne Düngerflasche? Dieses Buch zeigt dir den einfachen Weg zum plastikfreien Garten: mehrjährige Pflanzkonzepte, praktisches Upcycling, eigene Blumenerde herstellen, Dünger aus Pflanzen gewinnen, alles Grüne selbst heranziehen, Naturmaterialien nutzen und Gartenabfälle verwerten. Wusstest du zum Beispiel, dass die Ranken der Zaunrübe als ultrastarkes Bindematerial taugen? Und ganz nebenbei: Deine finanziellen Ressourcen schont das plastikfreie Gartenleben auch!



 

 

Plastikfrei gärtnern. Über 150 nachhaltige Alternativen und Upcycling-Ideen. #machsnachhaltig. Elke Schwarzer. 2021. 128 S., 110 Farbfotos, Klappenbroschur. ISBN 978-3-8186-1226-9. € 14,00.

 

Übrigens: Die Bücher der #machsnachhaltig-Reihe werden mit mineralölfreier Farbe aus nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland gedruckt und ohne Folie ausgeliefert. Das Papier stammt aus vorbildlich bewirtschafteten, FSC®-zertifizierten Wäldern und anderen kontrollierten Quellen.

 

..und wer keine Lust hat, das Gemüse im Supermarkt zu kaufen, der sucht sich einfach Gratisgemüse im Garten - in Form von Unkraut! Wie man es dann zubereitet? Janine Hissel, meine Co-Autorin, hat sich ganz tolle, einfache Rezepte ausgedacht, ich habe die Pflanzenportraits geschrieben, damit man die Kräuter auch gut erkennt.

Das Kleine Unkrautkochbuch zeigt, wie man lecker durch den Lockdown kommt:

Fühlen sich Giersch, Brennnessel, Gundermann und Co. auch in Ihrem mühsam gehegten Garten so pudelwohl? Und träumen Sie nicht schon lange davon, einfach alles, was im Überfluss von allein wächst, in den Kochtopf zu werfen? Dieses Buch sagt den Top 10 der nervigsten Unkräuter mit dem Kochlöffel den Kampf an. Denn: Unkräuter sind nicht nur lästig, sondern lecker! Über 60 simple Wildkräuter-Rezepte machen die wilden Wucherer zu Showstars der Küche. Vom Brennnessel-Schaumsüppchen über Spitzwegerich-Röllchen bis zum Vogelmiere-Dessert – nutzen Sie das Gratis-Gemüse aus dem Garten, anstatt sich bloß zu ärgern. Und wer weiß, vielleicht verlieren Sie ja doch noch Ihr Herz an die ungebetenen Gäste?

Janine Hissel, Elke Schwarzer: Das kleine Unkraut-Kochbuch. Über 60 Rezepte mit Gratis-Gemüse aus dem Garten. Janine Hissel, Elke Schwarzer. 2021. 128 S., 104 Farbfotos, kart. ISBN 978-3-8186-1273-3. € 14,95


Und jetzt kommt das Beste: Eines der Bücher könnt ihr gewinnen! Hinterlasst bis zum 24.1. einen Kommentar hier und schreibt mir, welches der beiden Bücher ihr am liebsten lesen möchtet!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ich bitte um Verständnis, dass ich nur nach Deutschland versende. Anonyme Kommentare bitte mit Emailadresse, damit ich den Gewinner oder die Gewinnerin zu seinem/ ihrem Glück kontaktieren kann.

Samstag, 9. Januar 2021

Augen auf beim Zierapfelkauf

Zieräpfel sind immer noch im Trend, es gibt unüberschaubar viele Sorten in allen nur erdenklichen Größen, vom gestandenen Baum bis zum kleinen Strauch. Doch halten nicht alle Früchte gleich lang. Immer wieder wird geschrieben, die Früchte mancher Sorte würden nur bis zum ersten Frost ihre fröhliche Farbe behalten. Doch ich kenne einen Zierapfel persönlich, der braucht noch nicht mal Frost dafür, um seine ehemals gelben Äpfelchen, die eben noch aussahen wie frisch aus dem Supermarktregal, in etwas unappetitlich Braunes, Matschiges zu verwandeln.

Dieser Zierapfel nennt sich 'Golden Hornet' und steht in meinem Garten. Nun möchte ich diesem Baum wirklich nichts Böses, ich liebe ihn so heiß und innig wie seine Früchte ab November matschig sind. Nein, ich will eigentlich gar nicht über diesen im Frühjahr so blütenreichen Baum lästern, noch dazu öffentlich. Zum Glück hat mein Goldie keinen Internetanschluss und wird wohl nie erfahren, dass ich hier über ihn herziehe. Doch falls jemand von euch plant, sich einen 'Golden Hornet' zuzulegen, sollte er das wissen, denn nichts ist schlimmer, als einen mühsam gepflanzten Baum wieder herauszureißen. Man kann ihn ja nicht nach einem halben Jahr umtauschen, bloß weil einem die Fruchtfarbe nicht mehr gefällt.

Das hier ist 'Golden Hornet' Mitte Oktober: Ein Traum in Gelb! Noch..


Vier Wochen später, im November sind die gelben Äpfel immer noch in der Mehrheit (hier mit Mönchsgrasmücke), werden aber schon weniger:

 

Und noch später leuchten seine Äpfelchen den ganzen Winter über in putzmunterem Braun mit Stich ins Modrige, später sieht er aus wie eine Packung Trockenpflaumen. Vielleicht möchte er sich damit tarnen, damit seine Äste nicht Anfang Dezember als Versuch eines Barbarazweigs mit integrierter Fruchteinlage für die Vase abgeschnitten werden? Zumindest sehen ihn die Vögel so natürlich deutlich schlechter, als wenn er sich kilometerweit sichtbar mit makellosem Futter behangen anpreisen würde.

Macht aber nichts, sie finden ihn trotzdem, wenn auch als Geheimtipp, denn immerhin sind seine Früchte so schnell mürbe, dass jeder Schnabel sie bewältigen kann: Amseln, Meisen, Mönchsgrasmücken und auch das mit guten Zähnen ausgestattete Eichhörnchen langen hier gern zu. Und dafür liebe ich den Baum.

Denn die Mönchsgrasmücken versuchen gerade wieder, im Garten zu überwintern anstatt in den Süden zu ziehen. Und wovon sollten sich diese mit einem sehr feinen Insektenfresserschnabel ausgestatteten Vögel sonst ernähren, wenn nicht von weichen Zieräpfeln und den mundgerecht kleinen Hagebutten der Rosa multiflora? Da freue ich mich, dass mein Garten zu ihrem Überleben beiträgt.

Kein zahnloser Tiger ist dagegen der kapitale Kernbeißer mit dem ernsten Blick. Er schnappt sich einfach die ältesten Zieräpfel, die schon sehr nach Rosine aussehen, und kaut sie durch.


 


 

Dieses Bild hier ist übrigens dieselbe Stelle wie oben mit der Mönchsgrasmücke, aber aus dem Januar - man sieht, das Wort Zier in Zierapfel passt hier nicht mehr so recht:

 



Die Eichelhäher sind Besseresser und pflücken sich eher die letzten noch frischen gelben Früchte. Die sitzen auch schon mal zu fünft im Zierapfel herum und legen einen Obsttag ein.


Trotzdem gibt es bessere Sorten, was die Haltbarkeit der Äpfel angeht. Das hier ist 'Red Sentinel'. Der sieht immer noch blendend aus, und das im Januar. Auch hier beißen die Amseln gern Stücke ab, obwohl er so knackig aussieht.




 

Sehr lecker sind die Früchte von 'Butter Ball', sie sehen aus wie die vom 'Golden Hornet', schmecken aber besser, nämlich frisch vom Baum köstlich. Auch sie halten sehr lange am Baum.



Welche Zierapfelsorten könnt ihr empfehlen mit lang haltenden Früchten? Und wie ist dann der Vogelbesuch, wenn die Äpfelchen so lange frisch bleiben?

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Und jetzt gibt es noch eine Buchvorstellung! Ich wollte mal genauer wissen, was in meinem Gartenboden so los ist und ob ich alles richtig mit ihm mache. Daher habe ich das Buch "Der Boden - das verborgene Universum zu unseren Füßen" von Ina Sperl, erscheinen im Gräfe&Unzer-Verlag gelesen.

 


Man erfährt hier nicht nur etwas über Garten- und Ackerboden, sondern vor allem darüber, wie wichtig der Boden wirklich ist und in welchen Gefahren er schwebt. Von der Versiegelung für Verkehr, Gewerbe- und Baugebiete bis hin zu Fracking muten wir ihm ziemlich viel zu. So kann er seine eigentlichen Aufgaben, wie Schutz vor Hochwasser durch Aufnahme von Regenwasser und Klimaschutz durch Speicherung von CO2 über den Humus nicht mehr erfüllen. Ökosystemdienstleistungen nennt man diese Wundertaten, die ein gesunder Boden vollbringen kann. Diese können gar nicht hoch genug bewertet werden, werden aber oft ignoriert. Auch die konventionelle Landwirtschaft trägt wenig dazu bei, dem Boden Humus zuzuführen, stattdessen werden Pestizide und zuviel Dünger verwendet, die das Bodenleben schädigen. Zuletzt zerschneidet der Pflug noch viele Regenwürmer. Dabei könnte man mit biologisch bewirtschaftetem Boden viel gegen den Klimawandel und für das Bodenleben tun.

An diesem Buch gefällt mir, dass immer wieder Experten zu Wort kommen, wie zum Beispiel  Charles Dowding, der schon seit Jahrzehnten seinen Garten nicht mehr umgräbt und trotzdem oder gerade deswegen eine gute Gemüseernte erreicht.

Im letzten Kapitel lernt man, was man im Garten alles tun kann, um das Bodenleben zu fördern. Da mache ich zum Glück schon sehr viel richtig.

Gefehlt hat mir, dass die einzelnen Bodenlebewesen nicht nur am Rande vorgestellt werden. Hier hatte ich mir ein ausführlicheres Kennenlernen erhofft.

Aber ansonsten weckt das Buch das Verständnis für den Boden und für die Gefahr, in der er jeden Tag schwebt. Jeder bekommt Anregungen, was er für das Wohlbefinden der Welt unter unseren Füßen tun kann - und wenn es nur darin besteht, Biolebensmittel zu kaufen.

Samstag, 2. Januar 2021

Origami zum Zugucken

Wer hat's erfunden? Die Japaner? Nein, ich glaube, Origami wurde von einer Pflanze erfunden, und die braucht noch nicht mal eine Schere, um die Ausgangsform herzustellen.

Und vom Sofa aus kann man ganz gemütlich dabei zuschauen, wie die Pflanze jeden Abend feinsäuberlich jedes einzelne Blatt zusammenfaltet, wenn auch in Superzeitlupe, das ist nichts für Ungeduldige. Trotzdem grandios!

Diese handwerklich so begabte Staude kommt noch nicht mal aus Japan, sondern aus Südamerika, und heißt Oxalis triangularis, oder Dreiecksklee. Die roten Blätter gliedern sich in drei Dreiecke. Und das sogar ziemlich symmetrisch, die Pflanze kennt sich also auch mit Geometrie bestens aus.


 

Die Speicherknollen habe ich dem Ficus elastica untergejubelt, weil auf der Fensterbank Platzmangel herrschte. Einfach ein bisschen Kokossubstrat oben aufgetragen und die Knollen eingepflanzt. In Windeseile erscheinen kleine rote Triebe, die sich zu den kunstvollen, weinroten Blättern entwickeln. Oxalis triangularis lässt sich über die Speicherknollen prima vermehren. So habe ich meine Pflanze auch geschenkt bekommen.

 

Tagsüber sehen die Blätter aus wie rote Windmühlen, hübsch entfaltet, zur maximalen Ausbeute von Sonnenlicht.

 




Abends aber gehen sie schlafen. Sie müssen sich gar keine Schlafmütze überziehen, denn jedes Blatt faltet sich einfach zu einer zusammen. Das ist ein raffinierter Vorgang, bei dem jedes der drei Einzelteile sich in der Mitte, exakt entlang der Mittelrippe, so faltet, dass es mit dem Nachbardreieck zusammen stößt. So entsteht eine Form wie ein roter Regenschirm.

Bringen wir doch ganz langsam mal ein bisschen Licht ins Dunkel, um den Klee nicht zu wecken:


 

Die Pflanze hat durch diesem Faltenwurf mehrere Vorteile: Die Blätter, die im Dunklen sowieso keine Photosynthese betreiben können, werden so besser geschützt vor mechanischen Beschädigungen wie Hagel oder Sturm. Und sollte es in der Nacht regnen, werden die Regentropfen schön nach unten zum Wurzelbereich abgeleitet. Verdunstung wird so ebenfalls minimiert, weshalb die Blätter sich auch bei Trockenheit oder zu starker Sonneneinstrahlung falten.



 

Diese Blattbewegungen finden sogar sehr energiesparend statt, indem sie nicht über Wachstum an den Blattstängeln stattfinden, sondern über den Wasserdruck, den Turgor, in den Zellen der Blattbasis. Sinkt der Druck des Zellsafts auf die Zellwände, werden die Zellen kleiner und die Blätter senken sich ab.

Ist das nicht toll, wie Pflanzen zur Unterhaltung beitragen können, selbst in der dunklen Jahreszeit? Oxalis triangularis ist, wie auch andere Oxalis-Arten, so ein Alleinunterhalter, der es faustdick hinter den dreieckigen Ohren hat - Origami zum Zuschauen für's Wohnzimmer!

Samstag, 26. Dezember 2020

Lila ist das neue Weiß

Mein Garten hat schon viele Christrosen über sich ergehen lassen müssen. Keine einzige davon habe ich gekauft, alle bekam ich geschenkt, was die Pflanzen aber auch nicht daran hinderte, sich frühzeitig vom Acker zu machen. Während Helleborus niger in den Alpen sogar auf Viehweiden fröhlich vor sich hin wächst, werden sie in meinem Garten nie alt. Vielleicht, weil es keine Kuhfladen gibt. Kompost mit Eierschalen drin gibt es jedenfalls reichlich, aber auch das ist offensichtlich kein Grund, noch auf eine Blüte oder zwei zu bleiben.

Nein, Christrosen und ich werden wohl keine dicken Freunde mehr. Dabei sind sie jedes Jahr im Baumarkt so häufig, wie sie in meinem Garten selten sind. Wie kann eine Pflanze, die so unverfroren schon im Winter blüht, nur andererseits so ein Weichei sein? Hat sie psychische Probleme nach ihrem Baumarkt-Dasein? Ob Gesprächstherapie hilft? Man muss ihr ja noch nicht mal einen Rauswurf androhen, wenn sie nicht unverzüglich blüht, die geht ja schon von selbst.

Ich kaufe mir auch keine im Gartencenter, denn das ganze Plastik und der Torf wären nur vergebliche Liebesmüh, da sowieso mit dem baldigen Ableben der Pflanze zu rechnen ist. Und nur als kurzfristige Deko und Wegwerfartikel ist mir so eine Staude auch zu schade.

Mit Lenzrosen (Helleborus orientalis) kommt mein Garten dagegen prima klar. Gekauft habe ich die auch nicht, sie sind vor sechs Jahren per Post aus Hannover angereist.

Keine Winterblüher bei mir also, weil die Christrosen solche Mimosen sind? Wenn es nicht unbedingt strahlendes Weiß sein muss, habe ich jetzt die Lösung: Das Aussehen der Lenzrosen gepaart mit der frühen Blüte der Christrose. Lila ist das neue Weiß!



Schon um Weihnachten herum blüht diese Pflanze, die ich als Ableger aus dem Garten meiner Mutter bekommen habe, wo sie sicher schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat und damit eindeutig länger lebt als alle meine Christrosen zusammen.

Doch welche Art soll das bitteschön sein? Ist es eine Kreuzung? Ist es ein Trick? Einige Merkmale sind auffällig: Während der Blüte ist das Laub verschwunden. Die Blüten erscheinen zu mehreren an einem Stiel mit einer hübschen Halskrause aus Blättern.


Die Blütezeit ist so lang, dass sie sich mit den ersten Lenzrosen die Klinke in die Hand gibt. Auch verblüht sieht die Pflanze noch schick aus.




 

Vermutlich handelt es sich hier nicht um eine Hybride, sondern um die Purpur-Nieswurz Helleborus purpurascens. Ihre Blütezeit reicht von November bis Februar, das Laub wird im Herbst abgeworfen. Passt also alles.

Als Nachbarin hat die Schöne ihre stachlige Verwandte stehen, die Korsische Nieswurz (Helleborus argutifolius). Sie habe ich letztes Jahr im Sommer als Sämling geschenkt bekommen. Die Art stammt von Korsika und Sardinien und ist somit weitgereist, meine Pflanze dagegen musste nur einmal über den Teutoburger Wald hüpfen und stammt aus Steinhagen - wo es immerhin bald einen Badesee gibt, also fast wie am Mittelmeer.


So hat sich meine Helleborus-Sammlung zusammen mit Helleborus foetidus nun auf 4 Arten erhöht. 5, wenn man die kläglichen Überreste des letzten Versuchs mit der vermaledeiten Christrose mitzählt...

Samstag, 19. Dezember 2020

Das Indianerbeet: Mist oder Must-Have?

Wenn wir im Sommer in den Garten schauen, sieht alles so friedlich aus. Die Stauden blühen vor sich hin, das Gras hockt einträchtig neben den Gänseblümchen und über allem ragen völlig unbeeindruckt die Gehölze auf.

Was von oben so harmonisch aussieht, kann unter der Erde das reinste Hauen und Stechen sein. Platz da, hier komm ich: Jede Wurzel möchte den Boden für sich selber haben, alle Nährstoffe aufsaugen und am Ende das Rennen im Beet machen.

Und dann liest man plötzlich von Gartenprinzipien, die Zweifel aufkommen lassen an der Darwinschen Theorie, die auch Pflanzen normalerweise nicht kalt lässt. Da wäre zum Beispiel das Indianerbeet, auch Milpa genannt. Das haben schon die Maya erfunden. Bei dieser Mischkulturtechnik wachsen in trauter Dreisamkeit die südamerikanischen Exportschlager Mais, Bohne und Kürbis. Diese drei Schwestern kann man jahrelang auf demselben Beet anbauen, so steht es geschrieben. Der Mais lässt die Bohne an sich hochwachsen und der Kürbis bedeckt den Boden und hält ihn feucht.



Mischkultur Mais und Tomate


 

Um die Milpa ranken sich so manche Legenden. Was ist von ihnen zu halten? Ich habe ein bisschen recherchiert, um zu verstehen, was es mit der Milpa auf sich hat.

Milpa-Mythos 1: Die Bohne versorgt die anderen mit Stickstoff

Es wird oft behauptet, dass die Bohne, die als einzige im Trio in der Lage ist, Luftstickstoff zu binden, sogar den anderen beiden großzügig davon abgibt, weil sich alle in dieser WG so prächtig verstehen. Die Bohne als einzig wahre altruistische Pflanze auf der ganzen weiten Welt?

Die Bohne ist eine Leguminose, und diese Pflanzenfamilie ist legendär darin, Luftstickstoff zu binden. Nur können die Pflanzen das nicht von allein. Sie rekrutieren dafür bodenlebende Bakterien, die Rhizobien. Diese können wechseln zwischen bodenbürtigem und symbiontischem Lebensstil. Ihr Stoffwechsel ist wahnsinnig kompliziert und sie haben ein gigantisch großes Genom. Das brauchen sie auch, denn beim freien Leben im Boden rufen sie Gene ab, die sie nur dort benötigen. 

Die Bohne bildet derweil Wurzelknöllchen aus, in die die Bakterien einwandern. Die nützlichen Mikroorganismen werden von den Pflanze chemisch angelockt und dringen in die Wurzel ein. Damit keine bösen Bakterien die Wurzel infizieren, muss sich der neue Bewohner ausweisen können, er muss der Wurzel den korrekten chemischen Schlüssel präsentieren, damit er nicht wieder hinausgeworfen wird aus dem Paradies. Genauer gesagt, muss das Bakterium immerfort chemisch die Immunabwehr der Pflanze unterdrücken. Eine Rhizobienart, die unterschiedliche Wirtsarten besiedeln kann, ist mehrsprachig und bietet jeder Pflanze das richtige Signalmolekül. Nach der Infektion werden die Knöllchen gebildet.




 

Sind die passenden Rhizobien in der Wurzel angekommen, krempeln sie ihren Stoffwechsel komplett auf links. Nun binden die Bakterien Luftstickstoff und wandeln ihn in eine pflanzenverfügbare Form um. Im Gegenzug enthalten sie dafür von der Bohne leckeren Zucker, um sie bei Laune halten.

Soweit so gut. Nun ist es allerdings nicht so, dass die Bohne mit dem Stickstoff freigiebig um sich wirft. Erst wenn die ganze Pflanze oder ein Teil von ihr verrottet, wird der darin gebundene Stickstoff wieder frei, das passiert also nicht unbedingt im ersten Jahr. Im Indianerbeet ist die Bohne zumindest einigermaßen autark und nimmt den anderen nicht viel Stickstoff weg.

Milpa-Mythos 2: Ein Indianerbeet muss nie gedüngt werden

Da die Bohne im ersten Jahr also kaum Stickstoff abgibt und das erst posthum tut, muss man zunächst in Vorleistung gehen und für alle etwas Stickstoff bereithalten, d.h. Mist oder ähnliches einbringen. Leguminosen haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie den Boden ansäuern, wenn sie ihren Stickstoffbedarf allein durch ihre Rhizobien decken müssen und keinen mineralischen Stickstoff aufnehmen können. Daher bietet sich auch für die Bohne eine Startdüngung an.

Ab dem zweiten Jahr versorgen sich die Pflanzen größtenteils selbst. Damit das aber klappt, werden jeden Herbst das oberirdische Pflanzenmaterial und störende Wurzeln gehäckselt und auf dem Indianerbeet belassen, damit es Humus aufbaut und der in den Pflanzen vorhandene Stickstoff freigesetzt wird. 


Der Trick bei der Milpa-Kultur ist noch ein weiterer: Die Wurzeln vom Kürbis, die viel Stickstoff aufsaugen, bleiben eher in den oberen Bodenschichten. Der Mais wächst tiefer und holt sich ganz unten seine Nährstoffe. In wissenschaftlichen Studien kam heraus, dass  die Pflanzen dies nur tun, wenn sie zusammen wachsen. Es ist also keine Symbiose, sondern sie vermeiden Konkurrenz, indem sie einander ausweichen. Dieses System funktioniert auch noch ganz passabel auf ärmeren Böden. Bohne und Kürbis können außerdem Phosphatverbindungen, die im Boden schwer löslich vorliegen, für sich verfügbar machen.

Im Sommer kann es aber durchaus sein, dass die Pflanzen so stark wachsen, dass Stickstoff Mangelware ist. Zum Glück ist das leicht zu erkennen: Die Blätter verfärben sich gelb. Nun muss man stickstoffbetont düngen, am besten mit selbst hergestellten Jauchen aus Beinwell oder Brennnessel. Man kann also ganz nach Bedarf düngen und so tatsächlich viel Dünger einsparen.

Milpa-Mythos 3: Ein Indianerbeet funktioniert mit jeder Sorte

Die Bohne ist hier auch wieder der Knackpunkt: Zu starkwüchsige Sorten erwürgen den Mais eher, als dass sie ihn nur ein bisschen in den Arm nehmen und beranken. 


Fazit

Das Indianerbeet ist also alles andere als esoterischer Schnickschnack, doch braucht es auch ein bisschen Zuwendung. Man sollte auch nicht glauben, dass Schädlinge in dieser Mischkultur keine Chance haben.
 
Habt ihr den Milpa-Anbau schon selbst ausprobiert?