Samstag, 24. Oktober 2026

Gammel in Schön - gibt's das?

Mein Garten macht dieses Jahr Anstalten, dem echten Kleinen Horrorgarten (mit dem gleichnamigen Blog) den Rang abzulaufen. Und nicht, weil er voller Riesenkürbisse wäre, sondern weil er stattdessen mit nie geahnten Mengen an sehr kleinen kugeligen Dingern um sich wirft. Ich weiß nicht warum, aber der Zierapfel 'Golden Hornet' wirft seit September Tausende Früchte ab, alle gelb und reif. Das hat er noch nie gemacht, die blieben immer oben, bis sie dort schwarz wurden. Ob es an dem trockenen Hitzesommer liegt? Aber hätte er dann nicht früher damit anfangen müssen?

Jedenfalls bin ich nur noch damit beschäftigt, die Zieräpfel aufzusammeln und in die Biotonne zu werfen, sonst ist bald alles voll mit gärendem Apfelmus, aber alle finde ich nie und komme an die meisten in den Beeten nicht ran, ohne alles zu zertrampeln oder zu zerharken. Dem Komposter kann man diese Mengen auch nicht zumuten.

Warum kann man Garten sich nicht mal am Riemen reißen und in Schön vergammeln, so wie der Herbst das angeblich tun soll?

Um ihm mal ein paar Inspirationen zu bieten, bin ich noch mal in den Berggarten in Hannover und habe ein paar Bilder mitgebracht. Guck,  Zierapfel, so geht das:

Das ist nämlich Malus 'Professor Sprenger' und der hält seine Äpfelchen hübsch bei sich. Anscheinend hat der Professor studiert und kennt sich aus mit Schönsein.







Beim Wechselblättrigen Hartriegel (Cornus alternifolia) sehen sogar die abgefallenen Fruchtstiele gut aus:


Meine beiden Lieblings-Bilder aus der Gammel-mit-Sti(e)l-Reihe - selbst Schneckenfraß trägt hier zum Ambiente bei und nicht zum Horrorgarten-Image:



Im Präriebeet blühen die Astern mit den Sonnenhüten und Agastachen um die Wette:





Herbststimmung mit Farnen:



Zaubernuss in Rot:


Und darunter im Farnverlaub versteckt Herbstkrokusse:


Die Silbertaler vom Einjährigen Silberblatt brauchen mehr Platz als sie bei mir haben, um zu wirken:




Die Beete an der Orangerie lassen es aber immer noch ganz gut krachen:





Das Rotlaubige, was man auf den Fotos zwischendrin immer mal sieht, wirkt wie ein Japanischer Ahorn, aber es scheint eine Malve zu sein, vielleicht Hibiscus acetosella 'Mahagony Splendor':

Hier sieht man die Pflanze jeweils rechts im Bild:


Wem also Japanische Fächer-Ahorne zu kompliziert und pilzanfällig sind oder wer nicht weiß, ob so ein teures Gehölz an der einen Stelle gut aussehen würde, kann es ja erstmal mit diesem exotischen Malvenknaller probieren. 

Aber was red ich, mir sind ja sogar schon Zieräpfel zu kompliziert...

Samstag, 17. Oktober 2026

Laaaangsaaaaam...

Efeu ist toll, wenn er blüht, vor allem kann man damit die Efeu-Seidenbiene in den Garten locken, die durch ihre späte Flugzeit auf Efeu angewiesen ist und sich auch nicht an dem etwas strengen Geruch stört.



Auch viele andere Insekten würden Efeu kaufen:

Feldwespe


Hornisse


Mistbiene


Nur: Wenn man keinen Platz oder keine Lust hat, eine ganze Wand zu begrünen, was macht man dann?

Zumal so ein Efeu zehn Jahr brauchen kann, bis er das erste Mal blüht. Der Trick ist, die Blütentriebe als Steckling zu vermehren und sich daraus einen Strauch-Efeu zu ziehen. Der blüht sofort und jedes Jahr, man hat ihm damit aber das Ranken abgewöhnt. So ein Strauch ist einfacher in Zaum zu halten und passt fast überall hin.

Das ist doch äußerst flexibel vom Efeu, dass er anwächst, auch wenn man ihm damit sein ureigenes Rank-Verhalten wegnimmt, oder? Nur, der Weg dahin ist nicht immer leicht.

Ich habe es vor zwei Jahren mal versucht: Aus den Blütentrieben Risslinge gemacht (damit vergrößert man die Wund-Overfläche und es bilden sich mehr Wurzeln) und an einer schattigen Stelle in Erde gesteckt. Nach einem Jahr lebte er immer noch und war auch ein bisschen gewachsen.

Als ich ihn aber austopfen wollte, habe ich gesehen, dass da gar keine einzige Wurzel dran war. Also wieder eingetopft und jetzt noch mal nachgeschaut: Oh, Wahnsinn, jetzt war da immerhin eine einzige 2 mm lange Wurzel zu sehen! In zwei Jahren!

Neue Blätter scheinen aber durchaus drin zu sein - wie macht er das nur?






Wo ein rankender Efeu doch sonst nichts anbrennen lässt und überall sofort Wurzeln schlägt, ob man will oder nicht. Hier wurzelt er dann in der Geschwindigkeit einer Wanderdüne. Vielleicht ist er doch nicht so richtig damit einverstanden, als Strauch so statisch sein zu müssen. Die Wanderlust liegt ihm eben doch im Blut, das Blühen ist erstmal Nebensache.


Immerhin bei der mitleiderregenden Mittelmeer-Wolfsmilch scheint es Hoffnung zu geben. Nachdem ich ihr beim Umpflanzen nur noch eine homöopathische Dosis Feinwurzeln dran gelassen hatte (also irgendwie ein ähnliches Schicksal wie beim Efeu), richten sich die oberen Blätter jetzt doch wieder auf:

Bei beiden Pflanzen darf man also gespannt sein!

Samstag, 10. Oktober 2026

Sie finden einfach kein Ende...

Es wird durchgemacht, so das Motto vieler Insekten dieses Jahr. Schuld ist wohl der Hitzesommer, und auch der September war noch überdurchschnittlich warm. Die mehrbrütigen Schmetterlinge wie die Kohlweißlinge, der Faulbaum-Bläuling oder der Kleine Feuerfalter legen immer noch eine Generation nach - im Oktober ist lange nicht Schluss. Von wegen "es wird durchgeblüht" - es wird eher durchgemampft!

An meinem Helgoländer Klippenkohl im Kübel tauchen immer noch neue Raupen vom Kleinen Kohlweißling auf, und ich finde, dieses Jahr müffeln die Blätter ziemlich, ohne dass man sie auch nur anrührt. Daneben sitzen reicht schon und es entsteigt dem Kübel ein penetrantes Odor von Gammelkohl. Vielleicht hat auch das leidgeprüfteste Gemüse langsam genug von der gefräßigen Belagerung und rüstet auf mit noch mehr Senfölglykosiden?



Und auch manche Wildbiene findet einfach keine Ruh. Ende September war ich im Berggarten in Hannover und da flogen immer noch Garten-Wollbienen, paarten sich sogar noch und waren putzmunter.

Nur ihre üblichen Futterpflanzen machen nicht mehr mit ebenso viel Elan mit und blühen kaum noch. Was sollen die Brummer als Larvenproviant sammeln, wenn die Lieblings-Pollenquellen längst versiegt sind?

Im Berggarten sprang überraschend der Mehl-Salbei (Salvia farinacea) in die Bienen-Bresche! Ausgerechnet ein Texaner rettet unsere Wildbienen vor dem Hungertod? Müssen wir jetzt zu Herzgespann und Ziest noch exotische Einjährige aus dem Hut zaubern, damit die Insekten, die kein Ende finden, noch ihre Larven versorgen können?

Wie eine kleine Blauhelm-Truppe hingen die Bienen förmlich an den Lippen des Mehligen Salbeis.

Pollen bekommen sie jedenfalls reichlich ab, hoffentlich bekommt der den Larven auch:

Selbst die Holzbienen waren ziemlich begeistert vom dem blauesten aller Salbei-Arten. Die sind jetzt also auch schon in Niedersachsen zuhause.

Die Listspinne lungerte nicht wegen des Pollen auf den Blüten herum.

Eigentlich ziehen mich diese Beete mit Wechselflor sonst nicht so in den Bann, aber dank der summenden Kundschaft war ich da gar nicht mehr wegzukriegen, sehr zum Leidwesen der anderen Gäste, denn der Durchgang war dort sehr eng.








In einem anderen Areal blühten die Krötenlilien ganz herbsttypisch in all ihrer Pracht, waren aber bei den Wollbienen nicht gefragt.





Noch mehr Einjährige gab es bei der Orangerie zu bewundern - Kaktus trifft Kohl!




Viel besser als ein Feuerwerk und auch leiser:


Dann habe ich in einem Wasserbecken die Teichlinsen entdeckt und mich völlig zum Affen gemacht: Auf den Knien habe ich am Beckenrand gehockt und mit der Kamera die Entengrütze abgesucht, in der Hoffnung, einen Wasserkugelspringer zu finden. Und siehe da: Unvorteilhaft und unbequem ins nasse Grün zu starren hat neben schmerzenden Knien auch dieses kleine, entzückende Wesen zu Tage gefördert (neben unzähligen, viel größeren Sumpfpflanzenläusen): Sminthurides aquaticus in seinem Element!


Gleich drei Knutschkugeln auf einem Bild!



Wer das auch mal probieren möchte: Es gibt im Berggarten gerade eine große Baustelle, die den Garten in zwei Teile schneidet. Man kann nur außen herum in den hinteren Bereich wechseln (was ich viel zu spät gemerkt habe) und muss dabei noch mal die Eintrittskarte vorzeigen. Deswegen kostet es aber gerade auch nur 5 Euro und zur Belohnung bekommt man auch noch einen Zwei-für-eins-Gutschein für's nächste Mal obendrauf. Also nichts wie hin - berichtet mal, ob die Wollbienen immer noch am Mehligen Salbei herum wuseln.