Samstag, 11. August 2018

Landesgartenschau Bad Iburg

Das ist mir auch noch nie passiert: Ich hatte letztes Wochenende keine Lust mehr, in die Natur zu gehen, weil alles so vertrocknet ist. Selbst der Anblick von welkem Giersch oder Brennnesseln im Wald stimmt die Gärtnerin in mir nicht froh. Also dachte ich, schaue ich mir lieber Blümchen an, die Personal haben, das hinter ihnen her gießt. Da kann man dann auch mal vergessen, dass der Regen wochenlang einen großen Bogen um uns gemacht hat.

Besagtes Personal zum Gießen kostet 18,50 Euro* für einen Tag, für ein Jahr 120 Euro - das sind die Eintrittspreise für die Landesgartenschau Bad Iburg, das liegt in Niedersachsen am Teutoburger Wald zwischen Bielefeld und Osnabrück, wobei es näher an Osnabrück ist. Bad Iburg kenne ich nur vom Frühjahr, wenn der benachbarte Große Freeden ein Blütenmeer aus lauter Lerchensporn ist. Nun also mal Bad Iburg ohne Bergwanderung und ohne Lerchensporn.

Gleich am Haupteingang wird man von schönen Kiesbeeten mit Mädchenauge (Coreopsis verticillata 'Moonbeam)', Wiesenknopf und Sonnenhut empfangen. 




Hier gleich der erste Grund, vor den Stauden einen Kniefall zu machen, denn der Kleine Feuerfalter ließ sich das Mädchenauge schmecken:



Hier ein anderes Beet mit Schafgarbe, Wermut, Bergminze, Fetter Henne und Kaschmirdolde (Selinum wallichianum, Mitte):



Weiter ging es zu einem schönen Bauerngarten, der zeigt, was eine Harke ist, denn so einige Gartengeräte sind wirkungsvoll in den Staketenzaun integriert, davor steht eine bepflanzte Schubkarre:





Nebenan ist der Rosengarten, wo gerade frisch gewässerte, noch tropfende Rosen ein erfrischendes Bild abgeben:




 Dazu gibt es ebenso erfrischende, ganz unkitschige Kunst zu sehen:


Dieser Schaugarten ist dem Emsland nachempfunden, daher die Backsteinmauern. Hier gibt es Spalierobst, unterpflanzt mit Gaura, Verbena bonariensis und Gräsern. Der Clou dabei, es gibt einen Strand und einen kleinen Pool, den die Besucher sogar benutzen dürfen - wenn sich da mal die Dauerkarte als Anwohner nicht lohnt!







Schönes für die Gartentiere gibt es bei den Mustergräbern zu sehen, die sogar Insektenhotels zusammen mit Grabsteinen zeigen:




Totholz lässt sich auch als Kunst im Garten präsentieren - so meckert auch die Verwandtschaft nicht:



Weitere Impressionen aus den Mustergärten:






Nun steht man vor der Blumenhalle, wo kreative Dinge aus Stühlen, Fahrrädern und Sempervivum gezeigt werden, alles zum Nachmachen geeignet. Hier ein rollendes Lavendelbeet, unten Pflanzkasten auf Rädern, oben Sänfte - oder ist es am Ende ein tiefergelegtes Hochbeet?







In der Blumenhalle werden Blumenbeete und Zimmerpflanzen präsentiert, alles mit maritimem Flair. Hier gibt es ebenfalls tolle Ideen zu bestaunen, wie die halbierten Stühle an der Wand.




Ein Bett im Kornfeld war gestern, nun ist es mit Glockenblumen bewachsen - netter als der Wecker, denn natürlich läuten sie nicht:



Ein Highlight war dann noch die Schmetterlingshalle, wo der Banenenfalter in allen Stadien bestaunt werden kann. Der Schmetterling lutscht gern an Bananen, seine Raupen leben auf den Bananenblättern:



Die Eiraupen sind hell gefärbt und versuchen, sich als Blattader zu tarnen. Später sind sie grün und auf den Bananenblättern kaum zu finden. Wenn sie sich ins bräunliche verfärben, halten sie sich eher an die braunen Pflanzenteile, wo man sie leicht übersehen kann, obwohl sie so riesig sind.


Zum Schluss steht noch der Baumwipfelpfad an, bei dem man erst einen Turm besteigen muss oder Fahrstuhl fahren. Von oben hat man eine herrliche Aussicht über die Gartenschau und die Stadt:


Hier links ist das Hostabeet mit den Totholzskulpturen von oben, rechts seht ihr den Bauerngarten mit dem Staketenzaun. Die Beete sehen recht lückig aus, was bestimmt an der extremen Hitze und Dürre liegt, denn irgendwann reicht Wässern einfach nicht mehr. Regen ist doch anders, vor allem bringt der auch Schatten, weil er in Wolken geliefert wird.




Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt, obwohl wir nicht im Pool waren. Es war schön, mal gut gewässerte Pflanzen zu sehen, trotzdem hatte die Hitze manchen arg zugesetzt. Nun wünsche ich der Gartenschau und uns deshalb auch mal endlich ordentlichen Regen, am besten eine Woche am Stück! Wasser marsch!


* Ich habe eine Pressekarte bekommen, aber ansonsten kein Geld für diesen Beitrag.

Samstag, 4. August 2018

Mein Held: Kompass-Lattich vor dem Tore

Wenn man gern Urlaub am Mittelmeer macht, dann kann ich dieses Jahr Bielefeld empfehlen. Da fehlt zwar das Meer, aber die Temperaturen und die fehlenden Niederschläge kriegen wir hier sehr gut nachgebildet.

Allerdings ist das mit der ewigen heißen Sonne ohne Regen so langsam kein Luxusproblem mehr, obwohl es viele Mitbürger wohl eher als Luxus denn als Problem bezeichnen würden. Ich finde, es ist eine Katastrophe, und wundere mich, dass es trotz allem noch Pflanzen gibt, die aussehen wie das blühende Leben.

Diese Phalanx an Kompass-Lattichen (Lactuca serriola) zum Beispiel, die da so militärisch aufgereiht vor den Garagentoren in der prallen Sonne als Türsteher vor sich hin vegetieren. Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die da keiner gießt. Das lehrt uns zwei Dinge: Erstens: Die Garagen werden nicht so oft benutzt, und zweitens: der Kompass-Lattich ist mit allen Wassern gewaschen, zur Not aber auch mit gar keinem einzigen Tropfen. Wie macht er das bloß, gerade in dem Hitzestau vor der Wand?




Die Samenpuschel, die ein bisschen wie Löwenzahn als Gorgonenhaupt verkleidet aussehen, sind zahlreich, und so wird dieser Hitzeheld bald die Welt im Fluge erobern.



Doch was ist das Geheimnis seines Erfolges? Einer seiner Tricks ist es, die Blattstellung so zu verändern, dass das Laub entweder mit der vollen Blattspreite zur Sonne zeigt, wenn er denn welche möchte, oder er gibt dem Licht die Kante, sprich, er dreht die Blattfläche von der Sonne weg. So reduziert er die Verdunstung. Dazu kommt eine ewig lange Pfahlwurzel.


Schade, dass solche Harten für den Garten dann leider nicht so richtig repräsentativ aussehen, sonst wäre ich ja Feuer und Flamme für den ahletischen Kompass-Lattich mit seinen Kunstfertigkeiten.

Auch dieser Kalifornische Goldmohn an der Hauswand gibt sich ähnlich zäh, der kennt das schlimme Wetter ja auch von zuhause.



Im Garten ist es die Kugeldistel (Echninops ritro), die völlig unbeeindruckt dasteht, außerdem lassen sich die Moschusmalven, die Zypressen-Wolfsmilch, das Helmkraut und die Stockrosen nichts anmerken.





Die Buschmalve sieht blendend aus, die Süßdolde an den Rändern etwas ausgefranst und braun, sie lebt aber immerhin auch ohne Gießkanne noch.



Dagegen muss auf den Phlox und den Kerzen-Knöterich ständig aufgepasst werden, die möchten jeden Abend einen ordentlich Schluck aus der Pulle.



Wenn nur ein bisschen von der Contenance des Kompass-Lattichs in diesen Gartenpflanzen stecken würde, das wäre ein echter Gewinn, nicht nur vorm Garagentor.

Samstag, 28. Juli 2018

Tomaten am laufenden Meter

Dieser Sommer ist doch doof. Ich mag nicht mehr jeden Abend gießen und würde das gern den Profis, nämlich den Wolken, überlassen, aber aus denen kommt nichts raus, wenn überhaupt welche da sind. Wenn ich durch die Natur gehe, denke ich in Anlehnung an den Film "The Sixth Sense": Ich sehe tote Pflanzen. Das ist nicht schön. Hoffentlich gibt es ein Happy End.

Wer das Wetter aber wohl uneingeschränkt empfehlen kann, sind die Tomaten. Denen kann es offenbar nicht heiß genug sein. Kein Regen, keine Braunfäule. Sowas mögen die. Sie haben es aber auch gut, denn die Pflanzen haben fließend Wasser. Bei Bedarf bekommen sie nämlich was gezapft, denn seit dem dreiwöchigen Maiurlaub war ich zu faul, die mühsam installierte und justierte Tropfbewässerung wieder abzubauen. Also tropft es jetzt immer noch höchst zuverlässig und stressfrei vor sich hin. Und ich hab meine Ruhe.

Links 'Red Pear', der Rest 'Celsior'

'Celsior' und 'Gelbe Cerise'

Die Tomaten haben's also am besten und nichts zu meckern. Daher werden jetzt völlig krankheitsfrei die gelben, roten und orangefarbenen Leckereien reif. Alle Pflanzen bis auf eine habe ich aus den Samen vom letzten Jahr selbst heran gezogen.

'Gelbe Cerise'



So üppig wie letztes Jahr sind die Pflanzen aber nicht. Die torffreie Blumenerde, die ich diesmal getestet habe, ist wohl nicht so gut. Gedüngt habe ich wieder mit Bio-Tomatendünger, der aussieht wie Maggi und auch so riecht.


Nur diese Tomate hier war ein Nachzügler, hat ihr zu Ehren bessere Blumenerde erhalten und einen sehr großen Topf. Das bekommt ihr sichtlich gut - sie ist ein richtiger Angeber und Drängler. Kunststück, die Dame ist veredelt. So ein edles Gewächs hatte ich noch nie. Ich habe sie erst im Juni bekommen und sie ist trotzdem größer als die Alteingesessenen - die Blätter sind auch dunkelgrüner. Nur reife Früchte hat sie noch nicht.




Doch nicht nur die Tomaten sollen Wasser bekommen bei der Hitze, auch die Insekten haben es nötig. Aus einem alten Kresseigel, der sich schon arg die Nase ramponiert hat, habe ich eine Tränke gebaut. Ein leeres Schneckenhaus und Steine sollen die Zahl der Sitzplätze erhöhen, trotzdem wird nur vom Beckenrand getrunken. Naja, solange nicht gesprungen wird, will ich hier mal nicht den strengen Bademeister rauskehren.





Wespen gehören schon zur Stammkundschaft. Die schwarzen Krümel sind keine toten Tiere, sondern das Zeug hat der Wilde Wein da reingekrümelt. Da ich keinen Poolboy habe zum ständigen Saubermachen, bleibt das erst mal so.


Trotz der Tränke denke ich, ich kann auch im Namen der Wespen sprechen, wenn ich mir den längst überfälligen Regen wünsche. Denn abgesehen von den Tomaten sind da noch genug andere Pflanzen, die keine automatische Bewässerung haben...

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