Ich kann es bekanntlich nicht lassen und rette immer gern Pflanzen vor dem Müll oder Kompost. Kompostieren ist zwar besser als verbrennen, aber am Ende kommt es für die Pflanze meistens auf dasselbe heraus. Und so habe ich schon so manche Staude oder Blumenzwiebel aus den Friedhofsgrünabfallbehältern geholt, was sowieso ein schön langes, kompliziertes Wort, sogar mit Umlauten, ist. Da finden sich immer einige Kandidaten, je nach Jahreszeit. Oft auch noch sehr gute Töpfe oder Kübel. Bestätigt fühle ich mich immer, wenn mir Leute gestehen, dass sie das genauso machen. Natürlich wäre es mir auch lieber, wenn die Grabbepflanzung nachhaltiger und ausdauernd wäre, aber das gibt es nicht oft.
Meine Highlights sind immer die Wildstauden, die als Unkraut gejätet wurden. Dazu gehörten schon Mädesüß, Waldmarbel, Schafgarbe, Fingerhut, Farne, Gewöhnlicher Hornklee und mehrere Königskerzen. Im Frühling sind immer auch viele Schneeglöckchen, Narzissen, Traubenhyazinthen und so manche Tulpe dabei.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Die Pflanzen sind umsonst
- Der Jagdtrieb wird befriedigt
- Sie sind auch sehr dankbar für ihre Rettung, zumindest bilde ich mir das ein
- Sie haben meist noch einen kleinen Wurzelballen und lassen sich leicht in den Garten pflanzen
Nachteile gibt es aber auch:
- Biopflanzen sind es eher weniger, man könnte sich Pestizide damit in den Garten holen. Nur die Wildpflanzen sollten sicher sein
- Man weiß nicht, was man bekommt, wenn keine Blüten dran sind
- Wenn die Pflanzen wurzelnackt im Müll liegen, könnte das bedeuten, dass sie extrem viele Ausläufer machen
- Man wird oft komisch angeguckt, als würde man direkt von den Gräbern klauen anstatt in den Abfallbehälter zu greifen
- Da man meist nur einzelne Opfer bekommt, ist das mit der Beetgestaltung so eine Sache, man findet eben irgendwo ein Plätzchen und dann passt es nicht immer zu den vorhandenen Pflanzen
Letztes Jahr hatte ich mich sehr gefreut, wurzelnackte Astern gefunden zu haben. Mein Garten kann Astern nicht leiden, nur bei der Weißen Wald-Aster macht er eine Ausnahme. Also nahm ich sie mit und setzte sie ins Null-Euro-Beet hinter die Garagen. Das bedeutete, dass sie in diesem Sommer sehr gut gewässert werden mussten, aber ich war so gespannt auf die Blüten!
Und jetzt war es endlich soweit: Tatsächlich war diese gerettete Aster unglaublich dankbar, wie noch keine Aster vor ihr. Sie blühte sofort und anstandslos. Aber wie...
So hatte ich mir das eigentlich vorgestellt:
So ein gefülltes Rüschen-Monster ist mir noch nicht untergekommen! Nicht mal lila, sondern hell rosa sind diese Puscheln. Alles an ihr ist so spektakulär anders und für Insekten so unfassbar nutzlos, dass es schon wieder zum Lachen ist. Vielleicht hat diese Diva sogar einen tollen Sortennamen? Zum Beispiel 'Diana' oder 'Victoria' oder 'Victoria Diana'? Könnte auch Symphyotrichum novi-belgii 'Priory Blush' sein.
Da habe ich mir ein schönes Früchtchen angelacht.
Und nun? Wieder rauswerfen nach all den Mühen? Oder soll ich mich einfach freuen, dass diese seltsame Aster wenigstens so gar nicht invasiv sein kann? Samenbildung kriegt sie nämlich garantiert nicht hin, da darf man sicher sein...
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Ich würde mich freuen!

















































