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Samstag, 12. Oktober 2024

Es knöterte der Knöterich

Heute soll es um den Kerzen-Knöterich gehen, eine Staude, die auch jetzt noch blüht und so schnell nicht schlapp macht. Ich habe meinen vor 7 Jahren bei der Staudenbörse im Botanischen Garten Gütersloh abstauben können und dabei einen hell rosafarbenen bekommen. Nun im verflixten siebten Jahr ist es an der Zeit, ihn ein bisschen in die Schranken zu weisen, denn so ein Knöterich lässt nichts anbrennen und macht sich ziemlich breit, auch wenn er nicht so ein feuriges Temperament haben dürfte wie der in Rot blühende. Doch die dezente Farbe täuscht, auch diese Sorte hat das Wuchern im Blut.

Was auch beide Farben gut können, ist Wespen anzulocken, die die Blüten sehr lieben.


Ich wollte so gern den roten haben und habe daher noch mal auf der Staudenbörse zugeschlagen. Völlig überraschend war es wieder der rosafarbene. Nun habe ich also zwei Platzhirsche, die durch die Beete knötern und sogar den Rauling in seine Schranken weisen.

Ich wollte aber immer noch den roten haben. Viele werden das kennen; Wenn man sich einnmal was in den Kopf gesetzt hat.... Der rote macht aber auch gerade im Herbst richtig was her und passt herrlich zu den Früchten des Pfaffenhütchens.




Schmetterlinge lieben die Pflanze auch (die roten vielleicht sogar mehr?), hier ein Landkärtchen:




Dieses Jahr habe ich dann überraschend ein kleines Töpfchen vom roten Kerzen-Knöterich geschenkt bekommen und gleich etwas noch Überraschenderes dadurch gelernt: Wenn man Triebe im Sommer in ein Wasserglas stellt, bilden sich rasch Wurzeln und man hat eine neue Pflanze ganz einfach und kostenlos herangezogen, sogar ohne sich die Finger oder den Spaten schmutzig zu machen.

So kann man die Triebe in etwa abschneiden:




Den neuen habe ich den Vorgarten gesetzt und er hat sich gleich viel Mühe gegeben. In Windeseile hat er beweisen wollen, dass er in Rot blüht und der Richtige für mich ist! Geht doch!

Samstag, 16. Dezember 2023

Das Matsch-Herbarium

Hattet ihr auch früher ein Herbarium? Ich hatte zumindest eine Pflanzenpresse, wobei die meisten Blätter doch irgendwie in den dicksten Schinken aus dem Bücherregal geplättet wurden. Im Garten geht das aber auch ganz gut, denn durch den nassen Schnee der letzten Wochen haben sich viele Pflanzen vor Angst platt auf den Boden gelegt. 

Mein Beinwell macht gerade einen auf Instant-Mulch. Das kann er gut, die letzten Fetzen, die beim Verrotten übrig bleiben, stören im Frühjahr auch nicht mehr.




Der Rhizinus im Botanischen Garten Bielefeld ist erfroren, aber seine riesigen Blätter liegen jetzt flach und das sieht sogar sehr hübsch aus.

Der Apothekergarten als Hochbeet-Herbarium - hier zeige ich ihn doch schnell mal im Überblick und mit Burg im Hintergrund, denn der Teil ist ja nagelneu und dieses Jahre erst eingeweiht worden.

Die Echte Engelwurz, die ebenfalls in den Mauerbeeten im Apothekergarten wächst, sieht immer noch hübsch bunt aus, obwohl ihre Triebe auch eher zweidimensional geworden sind.

Der Kerzen-Knöterich in meinem Garten ist Matsche, da kann man nichts mehr beschönigen, und beweist, dass nicht alle Stauden als frostdekoriertes Kunstwerk im Garten taugen - es sei denn, man möchte Stängelmikado spielen.

Da müssen es schon stabilere Kollegen wie Sonnenhut sein, der seine Samenstände wacker aufrecht präsentiert.


Hübsch sieht noch die Wilde Karde mit ihrer Rosette aus.

Die ist sowieso bis zum Frühjahr eine pflanzliche Flunder und der Schnee kann sie nicht weiter platt bügeln als sie ohnehin schon ist.

Die wächst jetzt auch schon wieder dort, wo eigentlich Rasen wachen sollte, aber auch der ist dieses Jahr ziemlich Matsche, denn nach dem vielen Regen bekommt es ihm gar nicht, wenn er betreten wird.

Schauen wir mal, was sich im Frühjahr aus der Matsche wieder hochschwingt. Der Beinwell ganz sicher.

Samstag, 12. August 2023

Die Alant-Havarie

Bevor hier Missverständnisse auftauchen: Ich liebe Regen und er war auch bitter nötig. Regen bringt Segen, aber so manche Pflanze in meinem Garten bringt er eben auch zu Fall. Und wenn die erstmal herumhängen wie ein Schluck Wasser in der Kurve gibt es kein Zurück mehr, auch nicht, wenn sie wieder trocken hinter den Blättern geworden sind. The only way is up? Nee, in diesem Fall eher nicht.

So ist in den letzten Wochen auch mein Echter Alant (Inula helenium) havariert und spielt jetzt Verkehrshindernis. Und das macht er ziemlich effizient, muss man sagen, eine Bahnschranke ist nichts dagegen. Und ich bin die Bahnwärterin.

Wenn ich durch den Garten gehen will, der ja nun schon ziemlich klein ist, muss nun ich die Alantstängel hochheben und drunter hergehen, den Hummeln auf den Blüten werden dann ganz schwindlig, als wären sie in einer Schiffsschaukel auf der Kirmes. Oder ich robbe durch den Garten - geht auch, sieht aber hochnotpeinlich aus.

Ich hatte ja berichtet, dass der Alant im Mai schon beängstigende Ausmaße angenommen hatte und nur durch den Staketenzaun gebändigt wurde. Nun, der reicht nun nicht mehr, er verhindert lediglich, dass die Triebe ganz am Boden liegen.


Nun ist guter Rat teuer. Alle Stängel einzusammeln und zusammenzubinden traue ich mich nicht so recht. Was, wenn er dann beim nächsten Orkan, wie sie ja im Sommer mittlweweile an der Tagesordnung sind, dann komplett umkippt und sogar entwurzelt wird?






 

Und ein höherer Zaun innerhalb des bestehenden sähe auch irgendwie blöd aus.

So bietet der elefantöse Alant dieses Jahr wenigstens die Möglichkeit, seine gelben Strubbelsonnen nicht nur von unten zu sehen. Die Blütenbesucher kann man nun ganz bequem beobachten.

Und es kommt zu ganz neuen Beetkombinationen! Mehrere Triebe sagen nun dem Kerzen-Knöterich guten Tag, eine Zusammenstellung, die im letzten Jahr nur mit roher Gewalt möglich war. Nun kniet sich er Alant freiwillig nieder.




Der Sonnenhut allerdings schaut ganz skeptisch ob der Belagerung:


 

Das Positive: Offenbar geht es die riesigen Staude prächtig. Meine Kompostgaben lassen sie zu Höchstleistungen aufsteigen. Ich habe in anderen Gärten schon deutlich kleinere Exemplare gesehen, die nur im Hochbeet die Zweimetermarke geknackt haben. Meiner schafft das vom Boden aus, der alte Angeber.

Also, ein Hoch auf den Alant, auch wenn er dieses Jahr etwas bodenständig daherkommt!



Samstag, 15. August 2020

Der Garten als Kerzenständer

Dieses Jahr wird mein Garten zum Kerzenständer! Das war erst nicht beabsichtigt, aber nach und nach sind mir so einige Pflanzen in die Hände gefallen, die das Wort "Kerze" im Namen tragen und auch genauso wachsen: kerzengerade eben - und sie fackeln ein herrliches Feuerwerk im Blumenbeet ab.

Als Stammgast ist der Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis) wie immer mit dabei. Die Blüten der Sorte 'Rosea' werden vor allem von Wespen und Honigbienen besucht, und zwar genau in der Reihenfolge. Wespen sind deutlich in der Überzahl.

Noch dazu habe ich zwei Pflanzen aus dem Friedhofsmüll retten können, die schöne gelbe Leuchtkerzen abbrennen: Eine Kleinblütige Königskerze und eine alles andere als kleinblütige Nachtkerze. Nachtkerzen (Oenothera biennis) gibt es in der bescheidenen und in der Angeber-Variante, letztere mit waschlappengroßen Blütenblättern. Meine ist die Show-Einlage schlechthin, riesige Blüten an einer fast mannsgroßen Pflanze.



Das Interessante an Nachtkerzen ist, dass die duftenden Blüten sich Abends in Windeseile öffnen, in der Dunkelheit mit ihrem blassen Gelb für Nachtfalter wie eine etwas funzelige Kerze in der Nacht leuchten, morgens noch ein bisschen Pollen für Honigbienen abgeben, dann aber mittags welken und abfallen. Wer die Nacht zum Tage gemacht hat, muss am Mittag auch mal  ausruhen. Nachmittags und am frühen Abend sehen Nachtkerzen demzufolge immer ein bisschen verlottert und wenig dekorativ aus.

Ein bisschen gepflegter wird ihre Erscheinung, wenn die alten welken Blüten endlich abgefallen sind - man kann auch nachhelfen, das geht ganz leicht. Und dieses Abfallen ist wirklich einzigartig. Während bei anderen Pflanzen sich nur die Blütenblätter verabschieden oder einfach welken und für immer als klebrige Masse am Samenstand verbleiben, hat der Nachtkerzenblütenstand an jeder Blüte eine Sollbruchstelle. Und genauso sieht es dann auch aus: Wie ein samenstandgewordener Unfall. Das soll aber so, unterhalb der Abbruchkante wächst die dicke Samenkapsel, der Rest kann weg. Eine exzentrische Amerikanerin eben.

Die Königskerze macht das weniger raffiniert, sie entledigt sich wie viele traditionsbewusste Pflanzen einfach der gelben Blütenblätter.


Meine Pflanze hatte einen wenig königlichen Start ins Gartenleben. Auf dem Friedhof wurde sie als Unkraut gejätet und weggeworfen. Ich habe den sterbenden Schwan mit seinen braunen putzlappenähnlichen, welkenden Blättern mitgenommen und eingepflanzt. Das funktioniert aufgrund der Pfahlwurzel eigentlich nicht besonders gut, aber diese Kerze wollte leben und blüht jetzt.

Leider wird am Ende wohl nur der Kerzen-Knöterich von dieser Lightshow übrig bleiben. Es ist fraglich, ob die beiden zweijährigen Kerzen genug freie Plätze für die Aussaat finden werden. Aber da der Malvenrost dieses Jahr viele meiner Moschusmalven und die Stockrosen dahingerafft hat, haben sie immerhin eine Chance.

Samstag, 29. Juli 2017

Lederstrumpf

In meinem Garten darf ich nicht kleckern, sondern muss klotzen, und zwar so richtig. Sämlinge selbst von robusten und kampferprobten Pflanzen werden sonst von meinem schon vorhandenen Großstadtdschungel runtergeputzt und kommen kaum ans Licht. Da kann man Evolution bei der Arbeit sehen - das Recht das Stärkeren in der Praxis beobachten.

Und so ist auch der kleine, irgendwann hoffentlich mal rot blühende, Kerzen-Knöterich-Sämling (Bistorta amplexicaulis) noch nicht so richtig weitergekommen, im Gegenteil - im Herbst war er sogar schon mal größer. Also habe ich ihn noch einmal umgepflanzt an eine etwas geräumigere Stelle.


Dagegen zeigt sich der weiße Kerzen-Knöterich von der Staudentauschbörse Gütersloh als echter Kerl mit ausreichend Ellenbogentaktik. Der Ableger war schon so groß, dass den so schnell keiner verdrängt. Und weil die Stelle neben dem Baldrian ein bisschen schattig ist, dachte ich mir auf der Tauschbörse, ich nehme doch mal lieber die Sorte 'Album' mit und nicht eine der roten Auslesen. So können die Blütenkerzen mal ein bisschen Licht in diese Ecke bringen.


Was ich nicht wusste, Karl Foerster aber schon lange vor mir: Der weiße Riese macht spät im Sommer einen auf dicke Hose, Wochen später jedenfalls als sein roter Bruder.


Folgendes steht über die Sorte im Foerster-Stauden-Kompendium: "Kommt erst spät in der Vegetationsperiode in Fahrt., bevor sie im Spätsommer scheinbar aus dem Nichts plötzlich emporkommt. [...] Um optimal zu wirken braucht die Sorte einen dunklen Hintergrund". Bingo, dunklen Hintergrund kann ich bieten!



Nun ist es Ende Juli (die roten Knöteriche glänzen schon seit Wochen mit Blüten im Überfluss, als kriegten sie es bezahlt) und erst jetzt erscheinen die Kerzen. Das Spektakel fängt an mit braunen, langen Knospen, die aussehen wie geflochtene Lederarmbänder.
 

Dann entwickeln sich daraus die weißen Blüten - endlich!

Auch das Blattwerk ist nicht von schlechten Eltern: groß, robust und schneckenfrei. Nur an der Fernwirkung muss Herr Knöterich, der alte Lederstrump, noch arbeiten. Aber wie ich ihn kenne, schafft der Schwerenöter das irgendwann auch noch.

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Zum Schluss noch eine Bitte: Der Ulmer-Verlag hat mein Buch "Mein Bienengarten" beim Wettbewerb für das schönste Buchcover 2017 eingereicht: The Beauty and the Book. Auf der Frankfurter Buchmesse wird der Sieger gekürt, bis dahin darf online abgestimmt werden. Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr für mein Buch eure Stimme abgeben würdet! Vielen Dank!

https://beautyandbook.com/mein-bienengarten/